Ausgabe 
26.11.1925
 
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darauf, daß in weitesten Kreisen der Kaufmann­schaft noch große Unkenntnis über den Wert und Unwert der ihnen sich bietenden Reklamemöglich- feiten vorhanden ist, seien im Folgenden einige praktische Winke gegeben, soweit dies naturgemäß mncrhatb des Rahmens eines Zeitnngsaufsahes möglich ist.

Eine Fülle von Werbemöglichkeiten stehen heute jedem Kaufmann zur Verfügung, von denen nur einige genannt seien: Die persönliche Werbung durch Verkäufer und Reisende, die schriftliche Werbung durch an den Kunden persönlich gerichtete Werbe­drucksachen jeder Art und dann die Werbung durch das gedruckte Wort, sei es nun als Inserat in den verschiedensten Erscheinungsformen, sei es als Werbeplakat, wie wir es heute an jeder Straßenecke, den Anschlagsäiiten, auf sämtlichen Verkehrsmitteln, in dem öffentlichen Verkehr dienenden Gebäulich­keiten, kurz überall wiederfinden. Daneben sei noch die Reklame durch den Film, die Lichtreklame und neuerdings die Radioreklame erwähnt. Jede dieser nur andeutungsweise erwähnten Reklamemöglich­keiten bietet sich dem Kaufmann in einer solchen Fülle von Variationen dar, daß man wohl sagen kann, daß dieser einem ihm unübersehbaren Chaos gegenübersteht, aus dem es schwer halten muß, die richtige Auswahl zu treffen.

Es bedarf keiner Frage, daß unter allen Um­ständen der persönlichen Werbung der Vorzug ein- zuräumen ist. Aber deren Anwendungsmöglich­keiten sind sehr eng begrenzt. Ihre Grenze findet sie ohne weiteres da, wo die Kosten der Werbung in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Erfolg stehen. Diese Grenze aber ist sehr schnell erreicht, zumal wenn es sich um geringwertige Masienartikel handelt, die eine Propagierung auf breitester Grund­lage erfordern.

Auch die schriftliche Propaganda durch Beschicken der zu gewinnenden Kunden mit Prospekten, Kata­logen oder auch persönlich gehaltenen Schreiben hat sicherlich ihre guten Seiten, ja, sie ist in vielen Fällen unentbehrlich. Wenn auch hier die Grenzen der Werbemöglichleit schon etwas weiter gezogen werden können, so ist auch hier die Rentabilitäto- grenze einer solchen Propaganda sehr bald er­reicht, zumal wenn cs sich um die Propagierung billiger Massenartikel handeln soll, also um eine Massenpropaganda. Die Kosten einer solchen Pro­paganda sind nämlich keineswegs unerheblich: denn die Beschaffung zuverlässigen Adressenmaterials, das Schreiben der Adressen und die Portokostcn ver­schlingen schier unheimliche Summen, die eine solche Propaganda nur bei höchstwertigen Waren ange­bracht erscheinen läßt, und auch dann nur, wenn es sich um einen eng umgrenzten Kundenkreis handelt.

In beiden Fällen, der persönlichen Werbung wie der schriftlichen Werbung ist ober unbedingt zu be­tonen, daß nebenher unter allen Umständen eine Werbung durch das gedruckte Wort gehen muß, wenn die Propaganda nicht wirkungslos verpuffen soll. Dazu kommt, daß der rechnende Kaufmann fehr bald zu der Erkenntnis kommen wird, daß sich ihm Werbemöglichkeiten bieten, die für ungleich billige­res Geld weit höhere Wirkung versprechen. Das ist und bleibt unter allen Umständen die Werbung durch das gedruckte Wort, wie sie durch die beiden Worte Inserat und Plakat gekennzeichnet wird, lieber diese beiden wirkungsvollen Propagandamöglich, feiten soll in einem weiteren Aufsatz ausführlicher gesprochen werden.

Oberhessen.

4 n.

£ Wieseck, 26. Nov. Die Zeit der Winter- . Veranstaltungen und Konzerte hat be­gonnen. Auch in unserer Gemeinde mit ihrem regen 7 musikalischen Leben werden derartige Deranstoltun- gen, die sich durchweg auf anerkennenswerter fjöbe . bewegen, gern besucht. Den Reigen der Konzerte er­öffnete vor kurzem das MännerquartettHarmo­nie", das mit feinen ausgewählten Chören eine zahl­reiche Zuhörerschaft erfreute. Am Sonntag folgt der ArbeitergesangoereinS ä n g e r k r a n z , der im Braunschen Saale fein diesjähriges Konzert ver­anstaltet Der sehr stark und stimmlich gut besetzte Chor steht unter der ausgezeichneten Leitung des in weiten Kreisen bekannten Dirigenten Heinrich Meyer- Wieseck. Die Darbietungen versprechen einen besonderen Genuß. Zum ersten Male wirkt der neu ms Heben gerufene Frauenchor in einem öffentlichen Konzert mit, und auch von dieser Seite ist mit ausgezeichneten Leistungen zu rechnen. Das geschmackvoll zusammengestellte Programm weist ein» gute Auswahl von Männer-, Frauen- und ge=

Pelzmärtel.

Ein Nürnberger Spielzeugroman.

Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. C b e r l e i n.

Copyright 1925 by 21. Scherl G. m. b. H., Berlin. Er ft es Kapitel.

Warum Peter Tand der Puppenpeter hieß, wie ihm ein böser Geselle zu einem unerwarteten Weihnachtsgeschenk verhalf und ihm damit einen schlimmen Streich spielte.

Hm in jene Zeit zu kommen, in der sich diese merkwürdige Begebenheit abspielte, muß man weit zurückgehen, viele, viele Jahre. Im Jahre sieüzehnhundertund und und--

Also, ihr seht schon, daß ich die genaue Iahres- zahl nicht weiß. Ich könnte ja nun irgendeine angeben, aber ich mag euch nichts vormachen; denn es handelt sich um eine ganz sonderbare Geschichte, und ihr sollt mir in allen Stücken glauben. Ich werde euch daher nur die lautere Wahrheit erzählen.

Wenn ich nun auch die Zeit nicht auf den Kalender genau bestimmen kann, so weiß ich doch, daß damals gerade in Nürnberg der Brauch aufgekommen war, zu Weihnachten einen Baunr zu schmücken; weiß, daß die kleinen Nürnberger darüber vor Freude ganfr außer sich waren; weiß, daß die Puppe Kunigunde, mit der wir uns viel beschäftigen werden, in jenem Iahre zum erstenmai int Schaufenster des Spielwaren- ladens erschienen war, der dem Meister Leopold gehörte. Mehr weiß ich nicht. Ich habe zwar die allen Chroniken genau durchgeblätterr, aber die Geschichtschreiber, die doch sonst alle Kleinig­keiten auszeichnen, sind über das abenteuerliche Ereignis stumm wie die Fische. Lind die Puppe Kunigunde, eine der wenigen Lieberlebenden aus dem ganzen kleinen Bolk. das an jenem helden­haften Kreuzzug teilnahm, hat leider ein schwa­ches Gedächtnis. Geschichtszahlen auf die Finger­nägel zu schreiben, wie cs bei manchen Schülern Vorkommen soll, darauf ist sie nicht gekommen. Kunigunde ist jetzt im Schaufenster eines Anti­quitätenhändlers gelandet: eine Prachtpuvpe, eine

mischten Chören auf. Die erforderliche Konzertmusik stell! die Kapelle der ehemaligen Mili­tär m u s i k e r. Durchflochten werden die Darbie­tungen mit Solis namhafter Solisten für Flöte, Cello und Piston. Dem sehr rührigen und auf besonderer Höhe stehenden Chor ist zu seiner Beranstaltlmg ein volles Haus zu wünschen.

t Trohe, 25. Nov. Miten in unserem Dorf, an der Straßenbiegung nach Rödgen, steht ein Wegweiser, der entgegen der sonstigen Ge­pflogenheit dieser Instrumente tagtäglich Radfahrer, Motorräder und Autos a n s ü h r t. Der eine Arm trägt stolz die Aufschrift:Nach Großen-Bu- s e ck". Wer ihm glauvt, und es sind ihrer viele, landet kurz hinter dem Dorf in einem u n d u r ch - watbaren Feldweg. Zeitverlusi und Aerger sind die unmittelbare Folge. Es wäre gut, wenn hier Abhilfe erfolgte.

= Mainzlar, 25. Nov. Die letzten A u f - räumungsarbeiten auf der Brandstätte des Land- und Gastwirts Fr. Koch (die Scheune und andere Gebäudeteile brannten Anfang Oktober ab) sind nun beendet; in den ersten Tagen wird mit dem Wiederaufbau begonnen, fo daß bis zum kommenden Frühjahr der Brandschaden behoben ist. Die hiesige Fabrik Scheidhauer & Gie- ßing, welche feuerfeste Steine erzeugt, hat in der letzten Zeit eine Anzahl Arbeiter und Be­amte entlassen. Ebenso ist die Belegschaft des zur Fabrik gehörigen Steinbruchs auf einige wenige Arbeiter verringert worden, die meist nur Aufräumungsarbeiten verrichten. Große und umfangreiche Drainagearbeiten werden zur Zeit in der Fabrik und um diese herum ausgeführt, wo­durch man erreichen will, daß die besonders nassen Stellen für dauernd trocken gelegt werden.

: Beuern, 25. Nov. Das T o t e n f e st wurde am vorigen Sonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, in würdiger Weise gefeiert. Der hiesige Kirchengesangverein trug ein mit­telalterliches Totentted, eine Komposition von Joh. Walther, vor. Unsere Konfirmandenmädchen hatten die Gedenktafel der Toten des Weltkrieges mit fri­schem Tannengrün umrahmt. Don der Kanzel wur­den durch den Geistlichen die Namen der 11 Ber­st o r b e n e n des letzten Kirchenjahres vorgelesen. Unsere Schule feierte den Gedenklag für die Ge­fallenen des Weltkrieges am Samstag zuvor. Wie weit die Arbeitslosigkeit auch in un­seren Landorten voraeschritten ist. zeigt der Um­stand, daß auf eine Anfrage der hiesigen Bürger­meisterei sich 7 3 Leute (bei noch nicht ganz 1000 Einwohner) meldeten, um an der Ho 1 zhaner­arbeit teilzunehmen.

Saasen, 25. Nov. Bei der G emeinde- ra 13 w a f) l voriger Woche hat ein Wähler einen Stimmzettel abgegeben, auf dem stand:Sie sind alle abgefallen und allesamt un­tüchtig, da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Psalm 53, 4."

5 Wirberg, 25. Nov. Am Totenfest fanden in allen Kirchen des Kirchspiels gut besuchw Toten­feiern statt; es oerstarben im verflossenen Kir­chenjahr in Göbelnrod 2, Reinhardshain 4, Beltershain 5, Harbach 7 Personen. In jede Familie der Gemeinden wurde, wie alljährlich, ein Totenfestblatt geschickt.

ö Beltershain, 25. Nov. An dem festlich geschmückten Kriegerdenkmal sand am Totenfest eine Gedenkfeier für unsere Kriegstoten statt, veranstaltet vom Kriegeroerein und Gesangverein b*i zahlreicher Beteiligung der Gemeinde. Unter Leitung von Lehrer M e i d t fang der Gesaügverein einen Chorgesang, darauf sprach der Ortspfarrer im An­schluß an die Inschrift des Denkmals:Vergeßt uns nicht", der Vorsitzende des Kriegervereins, Herr Münch, legte einen Kranz nieder. Anschließend fand dann die Totengedächtnisfeier in un­serem Kirchlein statt, daß die Menge der Besucher kaum zu fasten vermochte.

t Grün berg, 25. Nov. In der jüngsten G c - meinderatssitzung wurde ein Antrag auf Beschaffung von 6 Tischen und Bänken für die g e - werbliche Fortbildungsschule zwecks Prüfung der Notwendigkeit an die Schulkommission überwiesen. Auf die Anfrage der Gießener H o ch f ch n l^G e s e 11 s ch a s t betr. Vortrag mit Lichtbildern wurde beschlossen, daß im Februar ein Vortrag über dieEntstehung und Wandlung von Himmelskörpern" stattfinden soll. (Eine Vorlage betr. Ausbau der Theo-Koch-Straße und Enteignung von Gelände an dieser Straße sowie einige andere kleinere Angelegenheiten sanden in geheimer Sitzung ihre Erledigung. Weiterhin wurde die Anschaffung von 65 Meter Schlauch für die Feuerwehr beschlossen.

antike Puppe über ein Iahrhundert alt! Versteht sich, daß sie mit großer Sorgfalt be­handelt wird. Leider trocknet sie in der schlechten Lust des Schaufensters etwas ein. Ihre Ge­fährten dort sind noch älter als Kunigunde. Sogar ein Figürchen aus dem 14. Iahrhundert ist darunter, das eine unverständliche Sprache spricht ... Wie will man da verlangen, daß Kunigunde die Iahreszahlen auseinanderhält? Es ist schon Wunder genug, daß sie mir so Punkt für Punkt die Geschichte von Peter Tand er­zählen konnte, ohne jemals den Faden zu ver­lieren.

Sprechen wir also von diesem Peter. Im Iahre Siebzehnhundertund... die fehlende Zahl könnt ihr euch selber dazu denken und sonst noch allerhand, was euch gefallt, ohne euch um mich oder Kunigunde zu kümmern lebte in Nürnberg Peter Tand, ein rechtschaffener und netter junget Mann, seines Zeichens Handlungs­gehilfe im Spielzeugladen des Meisters Leopold.

Hier müssen wir einen Augenblick verweilen; 5ent< um die Geschichte richtig verstehen zu können, muß man wissen, baß zu jener Zeit einzig und allein die Stadt Nürnberg bas Vorrecht halte, die Spielfachen für die Kinder der ganzen Welt herstellen zu dürfen. Denkt nur, wie be­neidenswert! Gewiß gab es andere Städte, die es ihr gerne nachgemacht hätten, aber, um nur eine zu nennen, Hamburg machte sie so schlecht, daß seine Erzeugnisse anstatt SpielzeugHam- burgereien genannt wurden, und das klingt doch arg minderwertig. In anderen Städten, wie in Paris, wurden Gegenstände von Gold und Silber für die Kinder der Könige hergestellt, aber das waren mehr kostbare Nippsachen als Spielwaren, ich meine Spielwaren, mit denen man auch richtig spielen kann. Tleberdies bekam jedes Herzogs­oder Gra enkind, dem der König oder die Königin ein solches Geschenk machten, den Befehl. eS sofort sorgfältig zu verwahrgn. Ist da ein Ver­gnügen dabei? Nein, das war nichts Rechtes. Die einzige S.adt, der richtige Spielsachen glück­ten, war Nürnberg. Unb wie herrlich sie dort gemacht wurden! Sie waren keineswegs aus Gold ober Silber, sie waren aus rechtschaffenem Gips, aus festem Holz, aus gutem Zinn. Durch einen sinnreichen Mechanismus, den sie im Leibe

De mForstamt wurde darin zugestimmt, daß das Schlagen von Christbäumchen, weil im Stadtwald nicht genügend vorhanden, in diesem Jahr unterbleiben soll. Dem Bürgermeister bleibt es überlassen, sich mit Lieferanten ins Be­nehmen zu setzen. Beschlossen wurde, daß die Holzmacherrotten durch Arbeitslose verstärkt werden sollen, um diesen Beschäftigung zu geben. Ferner wurden die neueinzurichtenden Auto- (inten bzw. deren Verlängerung besprochen sowie die Benutzung dieser Verkehrsmittel durch Reisende, Schüler und Arbeiter, die Kosten der Autohalle usw.

X Langd, 25. Nov. Aus unserem, in einer waldreichen Gegend am Fuße des Vogelsberges ge­legenen Dörfchen sieht man jetzt wieder jeden Mor­gen eine beträchtliche Schar Holzhauer, mit Sägen, Aexten und Seilen beladen, zu der müh­samen, aber doch gesunden Arbeit des Holzfäl­lens in den nahgelegenen Wald eilen. Die Holz­hauerei bietet einem großen Teil unserer Einwohner­schaft Beschäftigung, zumal das Braunkohlenberg, werk zu Trais-Horloff schon seit längerer Zeit still­steht und in dem Buderusschen Eisensteinbergwerk imHeckenwald bei Hungen nur noch ein kleiner Teil der früheren Arbeiter beschäftigt wird. Da durch die Feldbereimgung und die Anlage von Siedlun­gen in unserer Gemarkung ganze Flächen Wald abgetrieben sind, sollen in diesem Winter nur 4000 Festmeter Holz gemacht werden.

> Holzheim, 25. Nov. Infolge der Ent­lassung aller unverheirateten Arbeiter auf der be­nachbarten GrudeA hier" und der Abbaumah- nahme der Firma B a m a g - M e g u i n A. G. Butzbach, durch die die Arbeiter der Umgebung stark betroffen wurden, macht sich auch hier eine immer größere Arbeitslosigkeit bemerkbar. Die Gemeindeverwaltung sah sich deshalb veranlaßt, gegen diese unangenehme Zeiterscheinung Maßnahmen zu treffen. Ein großer Teil der Ar­beitslosen findet jetzt in unserem B a s a l t st e i n - b r u d) Beschäftigung durch Steineklopfen. Ein klei­nerer Teil hatte schon vorher bei auswärtigen Feld- bereinigt! ngsarbeit en Verwendung gefun­den. Auch unsere Feldbereinigung, die in diesem 3a hr ihren Abschluß gefunden hat, weist noch einige Restarbeiten auf, so daß auch hier eine Anzahl Ar­beiter für den Winter beschäftigt werden kann. Es sind nodi etliche Tausend Meter Entwässerungsan­lagen und einige Wegechaussierungen geplant. In­folge reger Bautätigkeit konnten die Bau- Handwerker in diesem Jahre immer reichliche Be­schäftigung finden. Neben zahlreichen kleineren Arbeiten sind in letzter Zeit fünf neue Wohn- h a u f c r gebaut worden, von denen bereits drei bezogen sind. Wie man hört, sind and) für das kom­mende Jahr einige Neubauten vorgesehen.

Ss. Friedberg, 25. Nov. Die Stadt Fried­berg hat im Laufe des Sommers für die Frei­willige Feuerwehr eine neue Motor­spritze von Nagirus angeidjafft, welche bis jetzig glücklicherweise hier im Ernfalle noch nicht in Tätigkeit getreten ist. Nunmehr bat sie bei dem großen Brande der Kochschen Waszmühle in A s senheim ihre Feuerprobe bestanden, und zwar nach einstimmigen Urteil von Fachleuten in glän­zender Weise. Während die übrigen Feuerspritzen von Assenheim und Umgebung hauptsächlich dazu verwendet wurden, die umliegenden Gebäude und den Ort vor Flugfeuer zu schützen, griff die Motor, spritze das Gebäude der Mühle selbst an, um das Feuer niederzuhalten, was ihr auch in vorzüglicher Weise gelang. Die Spritze war vier Stunden lang ohne Unterbrechung im Betriebe, spritzte in der Mi­nute 10001200 Liter Wasser und Hot somit eine glänzende Probe ihrer Leistungsfähigkeit abgelegt.

Bad-Nauheim, 25. Nov. Wir tonnten kürzlich schon mitteilen, daß der Neubau eines zeitgemäßen Hotels anstelle des alten Ne- staurationsgebäudes auf dem I o h a n n i 5 b e r g zunächst vom hessischen Staat zurückgestellt werden mußte, weil andere wichtige Umbauten und Erneue­rungen im Bereiche des Bades im allgemeinen Kur­interesse vorerst notwendiger sind. Als dringliche 'Arbeit kommt vor allem die Renovierung des Kurhauses in Betracht, dessen Innenausstattung zum großen Teil nicht mehr zeitgemäß ist. Dann wird eine Vergrößerung und zeitgemäße Ausgestal­tung des Medizinischen I n st i t u t s für un­bedingt erforderlich gehalten, wenn das Bad hinter anderen Badeorten nicht Zurückbleiben und die Heil­faktoren und Heileinrichtunaen in weitgehendstem Maße im Interesse der notleidenden Menschheit wis­senschaftlich erforscht werden sollen. Obwohl das un­ter Leitung von Prof. Dr. Weber stehende Institut

seither in nur unzureichenden Räumen in einem der Verwaltungsgebäude untergebracht war, hat es in den Jahren feines Bestehens sich schon als außer ordentlick) segensreich erwiesen.

5 Butzbach, 25. Nov. Das prächtige, klang­volle Geläute unserer altehrwürdigen S t a d't- kirche mußte während des Krieges eine große und wertvolle Glocke fürs Vaterland hergeben. Nun soll dafür Ersatz gefd)affcn werden. Namhafte Be­träge für eine neue Glocke sind schon gezeichnet. An­fangs des nächsten Jahres soll eine allgemeine Haussammlung im Dienste der Geldbeschaf­fung stehen. Auch die Vereine unserer Stadt wollen durch größere Veranstaltungen dem guten Zweck dienen. Man darf bestimmt damit rechnen, daß trotz der Not der Zeit der bekannte Gemeinsinn der Butzbacher sich wieder bewährt, wie er es schon so oft getan, und unser Geläute wieder so ergänzt wird, daß es unserer alten Markusklrche und damit unserer Stadt Ehre macht. Im benachbarten Griedel wird am 28. November Frau Peter St ras he im Witwe ihren 9 0. Geburtstag feiern.

Steinfurth, 25. Nov. 3Tnfrt neuer Gemeinderat wird sich zur Hälfte aus bis­herigen Gemeinderatsmitgliedern, zur Hälfte aus neuen Männern zusammensetzen. Von den seit­herigen 12 Gemeinderäten bleiben in ihrem Amte: Paul View eg. Hch. Wolf V., Ludw. ' Huber L, Hch. Steinhauer L, Hch. Lot- tig L, Wilh. Walter IV. Neu kommen hin­zu: Karl Schwegler, Wilh. Balser, Karl Rühl, Hch. A. Thönges, Konr. Hengst L, Phil. Huppert. Dem Beruf nach seht sich der neue Gemeinderat wie folgt zusammen: 5 Landwirte. 4 Arbeiter, 3 Gärtner. Aus dem Besitz der hiesigen Linie der Freiherren v. Löw wird der Wald schon seit längerer Zeit zum Verkauf angeboten. Es handelt sich um etwa 300 Morgen Cichenniederwald, der sich auf verschiedene Parzellen unserer Oemat* kung verteilt und wirtschaftlich für ten Schäl - holzbetrieb ausgenuht wurde. Die Stadt Bad- Nauheim, die ursprünglich als Interessent genannt wurde, hat den Kauf nicht getätigt. Auch unser Semeinderat, dem der Wald an­geboten worden war, hat in seiner jüngsten Sitzung nach eingehender Aussprache den Anlaut abgelehnt. Die Summe von etwa 50 000 Mark (pro Quadratmeter 8 Pf.), die gefordert worden ist, kann die Gemeinde zur Zeit nicht aufbringen, weil die Zinsen für das aufzuneh­mende Kapital zu hoch sind. Liebrigens hat die Gemeinde erst nirzlich 15 Normalmorgen gutes Land, den Morgen zu 1250 Mk., von Freifrau Wilma v. L ö w käuflich erworben, Gelände, für das im Umtausch Baugelände erstanden werden rann. An dem Walderwerb wäre die Gemeinde deshalb interessiert gewesen, weil einige Parzel­len für Urbarmachung und Schaffung von Sied­lungsgelände geeignet tft. Vielleicht ermöglichen spätere Zeiten doch noch den Erwerb des Wal­des. Ein reger Versand von Rosen fand in diesem Herbste statt. Tleberall erfreuen sich die hiesigen Erzeugnisse des Rosenbaus größter Beliebtheit, was aus zahlreichen An­erkennungsschreiben an die hiesigen Gärtner her­vorgeht. In der Hauptsache ist der Herbst­versand jetzt beendet. ES werden nun die aus­gemachten und noch nicht abgesetzten Pflanzen in den eigens dafür hergestellten Rofen- kellern in Erde eingeschlagen. Die so auf- bewahrten Stöcke werden im Frühjahr verkauft und versandt. Die letzten blühenden Rosen wur­den noch vor einigen Tagen geschnitten. Der Blumenversand wurde jedoch schon zu Beginn dieses Monats eingestellt.

Kreis Schotten.

Schotten, 25.Noo. Die B asalttn du­ft r i e des Vogelsberges, die erst vor zwei Monaten eine Absatzkrisis zu überwinden hatte, sieht sich jetzt erneuten Absatzschwierig­keiten gegenüber. Sie sind in der Hauptsache auf die Beendigung der Bausaison zurückzufuhren. Einige Basaltwerke mußten schon den Betrieb ein­stellen, andere werden folgen. Es fehlt im allge­meinen das Betriebskapital, um auf Vorrat arbeiten zu lassen und somit den Betrieb aufrecht zu erhalten. Auch in der Holzindustrie macht sick) das Ende der Bautätigkeit unangenehm bemerkbar. Die Auf­träge bleiben aus, und die Unternehmer sehen sich gezwungen, Kurzarbeit einzuführen. Man spricht so­gar von gänzlicher Stillegung größerer Betriebe, falls die augenblicklichen Verhältnisse anhatten soll­ten. Im Interesse der in diesen Betrieben beschäf­tigten Arbeiter möchte man wünschen, daß sich eine

versteckt trugen, konnten sie die unglaublichsten Bewegungen ausführen. Die Hunde bellten von selber, die Schäfchen blökten, die Wägelchen liefen, als wären sie von lebendigen Pferden gezogen. Nürnberg tva: isa ;urd) zu großem Ruhm gelangt. And diesen Ruhm hat es bis heute nicht verloren. Noch heute, das weiß ich, sperrt ihr die Augen auf, wenn ihr von einer Nürn­berger Puppe reden hört, und erwartet denn wenn sie euch die Puppe nicht schenken wollen brauchen sie euch auch nichts davon vorzu­reden, die niedlichste und drolligste zu be-^ kommen, so eine blondlockige Liefe! oder Gretel. Es gab aber auch schon vornehme, von den besten Schneiderinnen gekleidete Puppenkinder, die sprechen konnten, die Augen nach Belieben auffchlugen oder zumachten und sich ganz wie wohlerzoge e Per onen betrugen; es gab Pferde, Hunde, -3ie;e", Bären und Soldaten, ganze Regi­menter von Bleisoldaten, die, wie die heutigen auch, von Nürnberg nicht einmal den Namen kannten und noch weniger wußten, wo es liegt. Das ist eine rechte ilnöanföarfeit; die Bleisolda­ten, wenigstens diese doch, sollten die alte Stadt mit den schlanken Giebeln im Gedächtnis be­halten und den guten Meister Georg Hilparth, der ihr liebevoller Erfinder war.

Peter Tand, der Gehilfe im Laden des Meisters Leopold, dem schönsten und ältesten Kaufladen der Stadt, war der gute Freund der kleinen Nürnberger, gerate so wie Nürnberg da­mals die Freundin aller Kinder der Welt war. Man hieß ihn allgemein nur Puppenpeter. Nürnberg war die Heimat der Spielsachen. Puppenpeter aber der Mann, der sie verkaufte. Bei ihm konnte man alle Arten und in jeder Auswahl haben, teure und billige, für reiche und arme Kinder, ge vöhnliche Dutzendware und kostbare Stücke, von denen nur zwei oder drei gemacht wurden, um sie alljährlich zu Weih- «nachten in das Schaufenster zu stellen, wie Karl den Großen und den Meistersinger Hans Sachs und die Puppe Kunigunde, die dann so berühmt geworden ist. Gewiß, Peters Spiel achen waren nicht so kompliziert wie die von heutzutage, aber das könnt ihr mir glauben, den Kindern von dazumal gefielen sie ebensogut, wie euch die euren gefallen. Zu jener Zeit gab es noch

keine Automobile, keine Luftschiffe, nicht einmal! die Eisenbahn. Wer reifen wollte, mußte sich damit bescheiden, fein hölzernes Schaukelpferd S.u besteigen: hopp, hopp ging es langsam, aber sicher, weit kam man ja gerade nicht. Zuweilen soll es freilich vorgekommen fein, so wird ver­sichert, und das scheint mir ganz gut möglich, daß es einem Kind, das auss Dach stieg und sich hinter einem Storchnest versteckte, glückte, den Storch am Hals zu fassen, flugs aufzusitzen und sich so durch die Lüfte tragen zu lassen. Wenn sich dann der gefällige Storch inö Blaue schwang, konnte der kleine Netter, frei in der Luft schwebend, tief, tief herabschauen auf Nürn­berg mit seinen engen Gäßchen und seinen wunderlichen Häusern, die mit ihren roten, steil- abfallenden Dächern von oben wie mit Hauben bedeckt aussahen, mit der alten Burg, grau und würdig wie ein Großvater, , mit dem lieben, blauen Pegnihfluß, der sich zwische i den Häusern und Gärten dahinschlängelte mu> in der Mitte ein blühendes Inselchen hatte wie ein Blumen­beet. Dann die Basteien, die Mauern und der Stadtgraben mit den vier Zugbrücken, die Nürn­berg zu einer Festung machten, und dann Türme, Turme und wieder Türme und Glockentürme über Glockentürme und Schornsteine über Schorn­steine, eine Luftstadt über der Stadt, die unüber­windliche Burg dec durchlauchtigsten Störche, die sie zur Residenz erwählt hatten.

Nun verstand das Kind erst, warum man in Nürnberg immer den Störchen Rechnung tra­gen müß e, wenn man schon viele Geschwister hatte und gern noch eins dazu haben wollte. Sigcntluij gab es ja in Nürnberg einen wunder­samen Brunnen, wo die kleinen Kinder mit den Fäustchen auf den Augen eingemummelt schliefen, bis jemand sie abholen kam und sie auf weckte: das tear, der Schöne Brunnen auf dem Markt­platz. Seiner großen Bedeutung entsprechend hatte man ihn mit einer wahren Pracht gebaut, mit Marmorstatuen geschmückt und mit einem schmiedeei'ernen Ziergitter umschlossen; nur hatte man ihn leider nicht groß genug machen können, um alle Kinder, die man für Nürnberg brauchte, aufzunehmen.

^Fortsetzung folgt.)