Zentrale rtlaube.
öormiiiaa der Mark,, erkauf von Sendungkü 3- und Wen e klldjtn nuscheln w 09493 A. iverbrv, Mer Ivo Die nachsiku ich hier und und uetlllßt Uen, Hiui, , Schwaben, mH onsiigcr Uii. unikrlchrlsi- Saranlie. tftlirfjc en unt. M eh- Aiy. cid tenfelö ztori Stück Land bei®. 392 qm Rl. tu »etp. hm Bitli.
ireine
IOMt$=
Ittheafer ig,27.M, lag-M'E- jb-geg. lOUbr iWrous'. r lkülel u öeelM- ;[ tn 3 Äuiz. yPohwumn.
ammlung
>bend,LU^
I27.XL7* ,Uhr I lilr. Bel.
|'1lrxeh.iiiuc
s
teil.
r
Lkte-
nt. 277 Zweites Blatt
Gießener AnMer(General-Anzeiger für Oberhessen) trm—11 iin i iij—। im ■ iT-vaJ—o————
Donnerstag, 26. November 1925
■■MMIBBMMBaLG I I I ■■■ I
Das fernöstliche Sicherheitsproblem.
' Von Otto Corbach.
Europa hat Ruh! Das heißt, soweit der „Geist von Locarno" die weiteren Geschicke unteres Erdteils zu bestimmen vermag. Die britische Diplomatie, die am lautesten aus ihn schwört, obgleich s,e ihm vielleicht am wenigsten traut, überläßt ihm für die nächste Zeit die Lenkung der politischen Entwicklung auf dem Kontinent! denn es ist die allerhöchste Zeit, daß sie ihre volle uneingeschränkte Aufmerksamkeit den lange vernachlässigten überseeischen Interessen des Imperiums widmet. Einstweilen glauben die kontinentalen Völker auf ihrer Wanderung durch die Nachkriegswüste allzugern an die schöne Zukunst, die ihnen auf den Freudenfesten, die man in London dem Geist von Locarno veranstaltete, ausmalle. Vielleicht werden sie nur durch eine Fata morgana genarrt! Was verschlägt's, wenn der Glaube nur verhält, solange John Bull von Europa abwesend sein und aucb seine gesamten Machtmittel für die Lösung überseeischer Probleme einsetzen muß.
Unmittelbar nach Beendigung der Konferenz von Lodarno hielten Präsident C o o l i d g e und Staatssekretär Kellog mit dem britischen Botschafter in Washington eine Beratung ab, auf der ein gemeinsames Aktionsprogramm der angelsächsischen Mächte für den fernen D ft e n entworfen wurde. China soll danach angeblich seine Angelegenheiten völlig selbständig regeln und auch ein Bürgerkrieg keine Veranlassung für eine fremde Einmischung mehr sein dürfen. Japan wurde von dieser amerikanisch-englischen Einigung über ein gemeinsames Vorgehen in Ostasicn verstau biflt. Die Washingtoner Regierung hat auch bereite einen Sachverständigen nach dem fernen Osten ge schickt, der den schon seit langem in Aussicht gestellten „Dawesplan für China" ausarbeiten soll nämlich Mr. Silas D S t r a tu n aus Chicago. Ueber die Schwierigkeiten, die seiner harren, äußerte ein Schanghaier Blatt vor seiner Ankunft: „. . . er wird eine potentiell gesunde, aber wegen Mangels an Führung finanziell und politisch bankerotte Ration vorfinden, eine Horde chinesischer Politiker und Be amter, die solange in kleinliche politische Zänkereien verstrikt waren, daß sie ihre Perspektive verloren: eine Menge fremder Diplomaten, die konstruktiver Ideen ebenso bar sind wie chinesische Politiker: er wird frembe und chinesische Geschäftsleute vorfinden, die sich solange Zeit mit einer andauernd schlechten Geschäftslage abgequält haben, daß sie die Zähigkeit verloren, ü^ ’ die roten Ziffern ihrer Bankberichte hinauszufeh.u. Er wird ein desorganisiertes, durch widerspruchsvoll Propagandaaufrufe für die Befreiung von inneren und äußeren Bedrückern ermüdetes chinesisches Volk vorfinden und fremde Rationen, die, in der Heimat bankerott, begierig auf eine Gelegenheit lauern, sich für ihre Verluste an einem hilflosen, zerrissenen China schadlos zu halten."
Rach alledem erscheint die Aufgabe die Dawes für Deutschland und Europa gelöst haben soll — ob er sie gelöst hat, muß erst die Zukunft lehren —, als ein Kinderspiel gegenüber dem Problem, das Mr. Silas D. Strawn aus Chicago im fernen Osten in Angriff nehmen will. Seit „The China Weekly Review" ihn in den wiedergegebenen Worten darauf vorbereitete, haben sich aber die Verhältnisse in China für operative Eingriffe im Sinne des amerikanischen Imperialismus noch bedeutend verschlechtert. Tschangtsolin, der Beherrscher der Mandschurei, der von allen militärischen Machthabern im Lande der Mitte am meisten geneigt war, den Forderungen der fremdenMächte entgegenzukommen, sich sogar in einem Interview mit einem Vertreter der „United Preß Association" ausdrücklich für den „Kamps gegen den Bolschewismus" zur Verfügung gestellt hatte, dieser chinesische Koltschak ist zunächst von Suntschuangfang, dem Militärgouverneur von Tschekiang, aus dem Pangtsegebiet vertrieben worden und hat bann, von einem Teil seiner Truppen im Stich gelassen, fast alle übrigen vorgeschobenen Machtstellungen außerhalb der Mandschurei kampflos aufgegeben, nachdem ihm Fung- y u t) f i a n g , der „christliche General" in einem liebenswürdigen Schreiben den freundschaftlichen Rat gab, „sich die Sache zu überlegen", was für ihn soviel wie ein Ultimatum bedeutete. Fungyuhsiang aber, der schon immer das Gebiet von Peking nordwärts bis zur Mongolei beherrschte, die bekaitntlich das ihm befreundete Sowjetrußland friedlich durchdrungen hat, ließ sich inzwischen von der mehr als je von ihm abhängigen Pekinger Regierung zum Militärgouverneur der Provinz Kansu ernennen,
und einen seiner treuesten Anhänger zum Gouverneur von Shensi. Auf Fungs (die übliche Schreibweise „F e n g" entspricht nicht der chinesischen Aussprache) Anstisten ist zwischen allen Militärparteien ein Burgfriede geschlossen worden, der der in Peking tagenden Zollkonferenz freies Spiel lassen soll.
Wenn nun englische und amerikanische Meldungen den Anschein zu erwecken suchen, cis habe diese Konferenz bereits positive Ergebnisse gezeitigt, so entspricht bas nicht ben Tatsachen. Gewiß, man ist sich über eine Erhöhung ber Zölle einig, weil ohne bem bie von ben Provinzen boykottierte Zentralregierung gar nicht bestehen könnte —, aber über ben springenden Punkt dabei, wer die erhöhten Einnahmen kontrollieren soll, kann man sich nicht einigen; und man ist sich einig darüber, daß China vom 1. Januar 1929 an Aussicht aus die Gewährung voller Zollautonomie haben soll, aber — die chinesischen Vertreter bestehen hartnäckig darauf, daß China diesen Anspruch auf diesen Termin be- • bingungslos geltend machen werbe, während die fremden Mächte ihr Versprechen nach wie vor nur halten wollön, wenn China bis dahin den „Likin", einen Transitzoll abgeschafft haben würde, wozu aber, wie sie genau wissen, die jeweilige Pekinger Regierung gar nicht imstande sein wird. Eine Zcn- tralregierung, die in der Lage wäre, sich in allen Teilen des weiten Reiches Gehorsam zu verschaffen, könnte nur allmählich auf der Grundlage uneingeschränkter Zollautonomie erwachsen, so daß die fremden Mächte ihre Zugeständnisse an Bedingungen knüpfen, die sich erst aus deren Bewilligung ergeben könnten.
Und wie werden sich die angelsächsischen Mächte auf die Dauer mit Japan verständigen können? Ihre gemeinsame Anerkennung des Prinzips mili- ! iärischer Nichteinmischung gegenüber China ist offen» { bar gegen japanische Einmischungsgelüste gerichtet. Läßt sich Japans Heer und Flotte bei den künftigen Entscheidungen auf dem asiatischen Kontinent aus- 1 schalten, dann haben bas englische Psunb unb ber amerikanische Dollar gegen ben japanischen Pen | leichtes Spiel. Um so schwerer hält es jeboch, anzunehmen. baß ber japmische Rationalstolz bi? ihm zugesmitete neue Belastungsprobe lange aushalten । werbe. Der „Geist von Locarno" mag die Beziehun- I gen zwischen den Völkern Mittel- unb Westeuropas j etwas entspannt haben, aber um so unheimlicher I ballen sich am fernöstlichen Himmel Wetterwolken ! zusammen. Für bie wahre „Sicherheit" auch ber I Völker Europas ist bei ben heutigen weltpolitischen Zusammenhängen damit gar nichts gebessert.
Der gaföismus in Frankreich.
Don unserem W. 8.-Korresponbenten.
Die Parole Bolschewismus ober F a s z i s- tn u s ist heute in Frankreich burchaus fein leeres Schlagwort mehr. Im Gegenteil. Die Bewegung bes Faszismus in Frankreich wächst zusehcnbs. Ganz Paris ist augenblicklich überschwemmt mit Werveplakaten ber „jeunesses patriotiques", ben Blauhemben. Zwei ausgesprochene saszistische italienische Zeitungen, bie in Paris erscheinen unb weit verbreitet sind, stellen enge Verbinbunaen her zwischen ben Leitern ber faszistischen Bewegung in Frankreich mit benen in Italien. An ber Spitze ber französischen „Blauhemben" steht eine Gruppe von nationalen Politikern, bie sich um ben Abgeorbneten Taittinger, ben Chesrebakteur ber chauvinistischen Abenbzeitung „La Liberte" schart, barunter be- fonbers ber Abg. Soulier, ber Pariser Stabtrat b ' Aubign 6 , Berthel-Metz u. a. Üaittinger, ber schon mit 31 Jahren in bie Kammer gewählt würbe, lenkte wieberholt bie Aufmerksam!eit bes Lanbes auf sich, als er sich in mehreren Skanbalen eingriff (China-Bank-Prozeß), Verkauf der amerikanischen Heeresbestände usw.) und stets Sparsamkeit in der Verwaltung predigte.
2(n einem ber letzten Sonntage fanden im ganzen Lande zum ersten Male größere Kundgebungen bes französischen Faszismus statt. An bie Legionen unb Komitees ber Patriotischen Iugenb wurden feicr- lichst Fahnen übergeben. laittinger hielt bei dieser Gelegenheit eine programmatische Rede, in der er u. a. erklärte, daß die patriotischen Fugenden den Zweck verfolgten, entweder eine Regierung zu unterstützen, welche sich eine Politik öffentlicher Wohl- fahrt zu eigen macht, ober aber im Falle bes Versagens ber Regierung mit ihren Kräften rechts- ober linksstehende Männer zu unterstützen, die nur ein Ziel im Auge hätten: denFortbestand Frankreichs. Die patriotische Jugend hielt auch weiterhin a" den Zielen fest, mehr als 60 000 Männer guter. Wil-
lens seien mobilisiert, um in Frankreich ben Geist bes Sieges hoch zu halten unb §u biefem Zwecke nötigenfalls gewaltsam gegen bte Kommunismus und feine Alliierten zu kämpfen. Aber in der jetzigen Stunde, hätten sie, wie sie glaubten, mehr zu vollbringen. Der Moment sei gekommen, Staatsmänner zu nehmen, bie wirklich Hand ans Werk legten. Üaittinger wanbte sich gegen bie Auffassung bes Parlaments als König (Parlament-Roi): es sei überlebt unb burch bie Erfahrungocrurteilt. In einer Demokratie müsse man die gesetzgebcnben, aus» sührenben unb gerichtlichen Gewalten voneinander trennen. An bie Spitze eines Lanbes gehöre wie an bie Spitze großer Hanbels- ober landwirtschaftlicher Unternehmen, ein von einem breiten Wahl- Kollegium gewählter Führer; Minister, die nach ihren Fähigkeiten ausgewählt würden. Der Staatsrat solle mit der Vorbereitung von Gesetzen betraut fein, deren Initiative allein der Regierung Vorbehalten bleibt. Keine unanwendbaren Gesetze mehr, Abschaffung der parlamentarischen Initiative in Sachen der Ausgaben. Die Einnahmen, d. h. die Steuern, würden in öffentlicher, die Ausgaben in geheimer Abstimmung votiert. Die von der patrio- liichen Jugend vertretene soziale unb wirtschaftliche Politik sei auf ber Achtung vor bem inbioibuellen Besitz unb auf eine edelmütige Gesinnung gegenüber ben Kleinen unb Niedrigen begründet.
Zu ber großen „Nationalen Liga"" Millern n b s unterhalten bie Blauhemben bisher nur ziemlich lose Beziehungen. Die große Masse ber Bevölkerung stand dieser ganzen Bewegung zunächst teils skeptisch, teils spöttisch gegenüber. Sie ändert aber ihre Haltung in der letzten Zeit zusehends. Der Ruf nach einem Diktator wird im ganzen Lande laut. Denn die Oesfentlichkeit steht dem endlosen Hin und Her der letzten Wochen durchaus verständnislos gegenüber. Das Haus brennt an allen Ecken und Enden, und anstatt unverzüglich mit den Löscharbeiten zu beginnen, läßt der Streit um die beste „Löschmethode" kostbarste Zeit oerrinnnen. Das Volk aber muß seine Haut dafür zu Markte tragen Je länger die ungewisse Finanzlage Frankreichs andauerl, um so schwankender bleibt der Frankenkurs, um so hoffnungsloser steigt bie allgemeine Teuerung um so mehr steigen bie Aussichten bes Faszismus in Frankreich.
Die deutschen Wolgakolonien.
Der ^.-Mitarbeiter, ber in Nr. 273 bes „Gieß. Anz." einiges von einem Besuch im beutschen Wolgagebiet erzählt, hat sich bei seinem kurzen Aufenthalt in Morxstabt (Katharinenstabt), bas er für die Hauptstadt der autonomen Wolgarepublik hält — Sitz ber Regierung ist Prokowjk (Kosaken- stabt) boch nicht so orientieren können, baß sein Bericht als einwandfrei hingenommen werden dürfte. Vor allem darf, zumal in einer oberhessi- schen Zeitung, die Behauptung nicht unroiber- sprachen bleiben, daß dort Schwaben wohnen, unb baß „der beste Beweis dafür der echt schwäbische Dialekt sei, der im Schwabenlan'o selbst nicht reiner gesprochen werden kann, wie es hier an der Wolga geschieht". Im Wolgagebiet wohnen nämlich überhaupt keine Schwaben, sondern Oberhessen aus ber Gegenb von Schotten unb Bübingen unb dem nördlichen Spessart, Odenwälder, Pfäl- 3er, ferner ostmitteldeutsche Kolonisten aus Ost- thüringen und dem Osterland und niederdeutsche aus Danzig und dem Weichseldelta. In Marxstadt z. B. spricht man ostmitteldeutsch! Ich benutze die Gelegenheit, um eine kleine Geschichte in der ober- hessischen Mundart, wie sie in Balzer — die Orte sind sehr oft nach ihrem ersten Vorsteher benamt — gesprochen wirb, aus den „Beiträgen zur Heimatkunde des deutschen Wolgagebiets" (Pokrowsk 1923) hier abzudrucken:
Dr Christjan Hot emol a Kend iwer die Daaf gehouwe. „Wie soll's heißen?" front dr Pastr. „Ja, des roaas ich nct, Vettr Herr Pastr." — „Aber es muß doch einen Namen haben; nun, wie heißen Sie?" — „Aich Haase Christjan." — „Nun, so soll es vielleicht Ihren Namen haben?" — „No, roarim ban nct, su lang wie aich noch leewe, kan aich ach ohne Noome sai'."
Wer bas lieft, merkt sofort, baß diese Balzerer unsere allernächsten Verwandten fein müssen. Wir Oberhessen haben wirklich die Pflicht, uns für unsere Landsleute an der Wolga etwas mehr zu interessieren.
Atif andere Unrichtigkeiten in dem Aufsatz will ich nicht eingehen, vielleicht kann ich einen meiner Wolgadeutschen Freunde veranlassen, im „Gießener Anzeiger" einmal etwas ausführlicher von feiner Heimat zu erzählen. H. H e p d i n g.
Wert und Uuroeü von Reklame im Dienste der Rundenwerdung. Don Dr. Kurt Hütte nbräucker, Wiesbaden.
I.
Wohl auf keinem Gebiet hat die Wahrungsstabilisierung solche tiefgreifenden Veränderungen her- vorgerufen als auf dem des Reklamewcsens. Es ist ja eine allgemein bekannte Erscheinung, daß der Kaufmann bann, wenn es ihm, auch nur scheinbar, gut geht, eine bemerkenswerte Abneigung ber Reklame gegenüber an ben Tag legt, indem er sich auf den allerdings verkehrten Standpunkt stellt, daß er keine Reklame benötige. Als die Mark sich in immer schnellerem Tempo entwertete, schwand das Interesse bes Probuzenlen unb Hänblers, seine Waren anzubieten, immer mehr. War es boch burchaus vorteilhafter, die Ware hinter Schloß und Riegel zu halten, als dafür mehr entwertetes Geld in Empfang zu nehmen. Ja, die ganzen Verhältnisse waren insofern auf den Kops gestellt, als nicht mehr der Verkäufer, sondern der Käufer Reklame machen mußte. Wenn auch in den Inflationsjahren, und zwar manchmal recht großzügig, namentlich von den Vertretern der Branchen, die die Hauptnutznießer der Inflation waren, Reklame gemacht wurde, so kann man nur sagen, daß mit Rücksicht auf bie Flüssigkeit ber Geldmittel häufig genug in der ganzen Reklamegebarung eine große Planlosigkeit nicht zu verkennen war.
Es war vorauszusehen, daß die Beendigung der Inflation diesem Darniederliegen der „Reklameindu- ftrie" baldigst ein Ende bereiten würde. Schon bald wurde die planmäßige Kundenwerbung wieder das wichtigste Tätigkeitsfeld für jeden Industriellen und Kaufmann, als die Stabilifierungsfrifc eine unvermeidliche Absatzkrise im Gefolge hatte. Schnell setzte in der ganzen Reklameindustrie eine Hochkonjunktur ein; schien sich doch hier ein neues Ar beitsfelb aufzutun, auf dem mühelos Geld zu Der dienen war. Die Fülle von Neugründungen aller Art auf diesem Gebiet war unb ist auch heute noch Legion. In erschreckenbem Maße hck sich bie Zahl derjenigen Unternehmungen vermehrt, bie dem Kaufmann, der auf zielbewußte Werbung angewiesen ist, Reklamemöglichkeiten bieten, die ihm auf Grund ihrer „einzig dastehmden" neuen Reklame idecn verheißen, ihn baldigst über alle Absatznöie Hinwegbringen zu können.
Aber schon ist die Konjunktur auf diesem Gebiete merklich abgeebbt. Die Wirtschaftskrise macht sich auch hier mit aller Schärfe bemerkbar. Rach wie vor ist zwar, und gerade wiederum wegen der schlechten Feiten, planmäßige unb zielbewußte Kunbenwer- bung bie Grunbvoraussetzung für jeben geschäft liehen Erfolg. Aber infolge der Geldverhältnisse sind die für Werbezwecke zur Verfügung stehenden Geld mittel überaus knapp, vielleicht sogar meist zu Inapp, als es für eine gedeihliche geschäftliche Wei terentwicklung wünschenswert wäre, selbst dann, wenn der Geschäftsinhaber in weitsichtiger Weise den Reklameetat nicht allzu sehr zu beschneiden sich bemüht.
Die Knappheit der für Werbezwecke zur Derfü gung stehenden Mittel zwingt jeben Kaufmann, mehr denn je, sich in seinen Ausgaben für Reklame streng nach dem Gesetz des wirtschaftlichen Optimums zu richten, d. h. mit den kleinsten Mitteln die größtmöglichen Erfolge zu erzielen. Es wird sich heute wie nie zuvor darum handeln müssen, genau abzuwägen, wie bie geringen Mittel am zweckmäßigsten angeroanbt werben können. Bei ber Fülle der heute auf jeden Kaufmann einftürmenben Angebote von Reklameunternehmungen aller Art ist es naturgemäß nicht ganz einfach, bie richtige Auswahl zu treffen. Noch viel zu wenig hat sich ber mo- berne Kaufmann mit ben funbamentalen Grundsätzen der Werbelehre vertraut gemacht. Nur so kommt es, daß heute, wo an allen Ecken und Enden gespart wird, Millionen unb Abermillionen für nutzlose Reklame ausgegeben werden. Häufig genug kann man bie bebauerliche Feststellung machen, baß nicht berjenige Akquisiteur einen Auftrag erhält, ber in sachlicher Form für wirklich gute Reklame wirbt, fanbern berjenige, ber golbenc Berge verspricht unb nichts hält, bem es nicht darum zu tun ist, für gutes Geld auch wirklich eine Gegenleistung zu bieten, sondern nur bestrebt ist, für sich und seinen Verleger mühelos Geld zu verdienen.
Demgegenüber muß allen Kaufleuten zugerufen werden: Sorgt in eurem Betriebe für rationelle Reklamewirtschaft. Sorgt auch bei eurer Reklame, daß fein Vfen- nig nutzlos vergehet wird. Mit Rücksicht
phqfitalisch-chemischeGesichtspun te in der astronomischen Zorschung.
Vortrag von Professor Dr. Schaum in der Oder- hessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunbe. Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- unb Heilkunbe eröffnete bie Sitzungen dieses Wintersemesters mit einem Vortrage von Professor Dr. Schaum über „Physikalisch-chemische Gesichtspunkte in ber astronomischen Forschung". Die Einführung der physikalisch-chemischen Betrachtungsweise, in Verbindung mit photographischen Methoden, hat zu jener kühnen und überaus bedeutungsvollen Bearbeitung astronomischer Fragen geführt, bie in ber Geschichte der Himmelskunde geradezu einen neuen Abschnitt einleitet Die hieraus entspringende Bereicherung unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes ist so einschneidender Art, daß unsere Zeit dereinst vielleicht als bas Jahrhundert der Astronomie bezeichnet werden wird. Indessen sind die neuen Anschauungen der Astronomen bisher kaum über den engeren Kreis der Fachgelehrten hinaus bekannt geworden, so daß der durch den Vortrag vermittelte umfassende lieber blick über dieses mit so besonderer Anziehungskraft ausgestattete Forschungsgebiet besonders dankbar hingenommen wurde.
Da in immer steigendem Maße die persönliche Beobachtung durch photographische Aufzeichnung der uns von den Gestirnen zugestrahlten Lichtsignale ersetzt wird, insbesondere überall, wo es sich um exakte Messungen handelt, ist genaueste Kenntnis der Eigenschaften Der an die Stelle des Auges tretenden photographischen Platte eine der wichtigsten Vorbedingungen für die richtige Auswertung' unb Deutung ber Himmelsaufnah neu. So muß zum Beispiel die Empfindlichkeit für die einzelnen Farben des Spektrums ebenso genau bekannt sein wie die Abhängigkeit der Schwärzung von der Intensität unb Wirkungsdauer bes Lichtes, wenn man etwas aus einer Aufnahme auf bie Natur ber betreffenben Strahlung schließen will. Da alle erforderlichen Ausmessungen auf der Platte vorgenommen werben müssen, erheischen die infolge des Entwicklungspro
zesses und nach dem Trocknen auftretenben gleichmäßigen ober auch nur lokalen Verziehungen ber Schicht ganz befonbers aufmerksame Berücksichtigung. Ferner ist bie Grenze bes Auflösungsvermögens be- bingt burch bie Feinkonstruktur ber aus Bromsilberkörnern gebildeten wirksamen Schicht gerade bei astronomischen Aufnahmen oft von ausschlaggebender Bedeutung für die Auswertung letzter Feinheiten des Bildes. Durch Vorführung von Lichtbildern zur physikalischen Chemie der Trockenplatte wurden alle hier obwaltenden Verhältnisse der Anschauung nahegebracht.
Rach dieser methodischen Einleitung wandte sich ber Vortragenbe ben eigentlichen Grundlagen der Fixsternforschung zu, deren erste Aufgabe cs war, die Entfernung der Fixsterne von ber_Grbe sestzu- stellen. Ergibt die Richtung, in der ein Stern von ber Erde aus gesehen wird, seine scheinbare Lage, so kann man aus dem Winkel, den die Sehlinien von zwei entgegengesetzten Punkten der Erdbahn, also am Anfang und am Ende eines halben Jahres, miteinander bilden, seine Entfernung berechnen. Dieser Winkel heißt die Parallaxe des betreffenden Fixsternes. Kennt man die Entfernung und ermittelt man durch photometrische unb photographische Bestimmungen die scheinbare Helligkeit eines Fixsternes, so läßt sich daraus die wirkliche Helligkeit berechnen, die man auf eine Entfernung von 10 Parsec, bas finb 32,6 Lichtjahre ober 31 Billionen Kilometer, zu beziehen pflegt, ein Abstanb, ber etwa bem ber Capella entspricht.
Die Farbe ber Fixsterne, bie schon für bas bloße Auge Unterschiede aufweist, wird genauer durch Spektralaufnahmen charakterisiert, aus benen sich nicht nur Schlüsse auf die Zusammensetzung der Gestirne, sondern auch auf den Zustand, in dem sich die Stoffe an ihrer Oberfläche befinden, insbesondere auf ihre Temperatur, ziehen lassen.
Bemerkenswert ist, daß trotz ber großen Ver- schiebenheit ber beobachteten Spektren die Zusammensetzung ber Fixsterne im allgemeinen boch gleich ist, indem die verschiedenen Spektraltypen wesentlich I die Mannigfaltigkeit ihrer Zu stände zum Aus- | druck bringen. Hieraus ergibt sich bie besondere
Wichtigkeit der physikalisch-chemischen Erkenntnis in bezug auf die Natur der Atom- und Ionenspektren und ihre Abhängigkeit von Temperatur und Druck, um aus ben Beobachtungen Aussagen über biese Zu- stände ableiten zu können. Man unterscheidet so eine ganze Anzahl von Spektralklassen unb vermag aus bem Typus ber Spektren insbefonbere mit Hilfe der Strahlcngesetze bie Temperatur ber Sternhüllen zu berechnen, inbem man burch Ausmessung bes photographierten Spektrums biejenige Wellenlänge feststellt, ür bie bas Energiemaximum besteht. Aus biese Weis< inb Fixsterntemperaturen von 3000 bis 22 000 Grab beobachtet worben, benen inbessen ungleich höhere Innentemperaturen gegenüberstehen dürften.
Da bie Fernrohre keine einfachen geometrischen Abbilder der Fixsterne liefern, war bis vor kurzer Zeit eine Bestimmung ihrer Durchmesser nicht möglich g len. Indessen ist es Michelson gelungen, mittels einer scharfsinnig erdachten Interferenz- Methode auch diese Aufgabe zu lösen, so daß weiter- hin auch eine Bestimmung bes Volumens möglich geworben ist. Sofern man außerbem bie Masse eines Sternes kennt, ist alsbann auch feine Dichte bekannt. Bei Doppelftcrnen gelingt es, die Masse aus Störungen zu berechnen und somit die Dichte zu bestimmen.
Um die Konstitution der Fixsterne aufzuklären, benutzte die ältere Theorie die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die an die Strahlungsgesetze, die Beziehungen zwischen Druck, Temperatur und Dichte sowie "an bie Schwerewirkungen innerhalb einer Massenanhäufung geknüpft sinb; ber neueren Theorie stehen außerdem zur Verfügung die Wirkungen des Strahlungsdruckes, die Erscheinungen der Radioaktivität und der Ionisierung von Atomen sowie Spekulationen mit Hilfe der Relativitätstheorie. Auf diesen Grundlagen kam Eddington zu dem Schlüsse, daß bie obere Grenze für bie Fixsternmasse 10? 1 Gramm (zehn Ouintillionen Kilogramm) betragen müsse, ba "größere Massen infolge bes Strahlungs- bruckes auseinanberfaUen würben.
Faßt man die Entwicklung eines Himmelskörpers nach Durchgang burch ben vorstellaren Rebelzustcmb ins Auge, so kommt man gegenüber der älteren
Theorie, nach der jeder Hixstern zuerst weißglühend ersteht, um unter Erkaltung über Gelbglut zur Rotglut zu gelangen, heute zu folgender 'Anschauung: Es bilden sich zunächst rote Riesensterne von sehr großer absoluter Helligkeit, die unter Temperaturerhöhung in gelbe, dann in weiße Riesensterne übergehen; indem diese sich abkühlen und zusammen- schruinpfen, erfolgt über Gelb- und Rotglut ihr allmählicher Uebergang in lichtschwache Zwergsterne. Beispielsweise gehört die Sonne mit einer Oberflächentemperatur von rund 6000 Grad zu den gelben Zwergsternen. Die Fixsternmassen betragen nach bem genannten Forscher zwischen einem Zehntel unb dem Neunfachen der Sonnenmasse, das Alter ber Sonne läßt sich auf viele Milliarben Jahre schätzen. Selbst- verstänblich hanbelt es sich hierbei um spekulative Rechnungen, die bei der Erschließung eines so unzugänglichen Gebietes indessen als sogenannte Arbeitshypothesen, die an weiteren Beobachtungen zu prüfen sind, nicht aemißt werden können.
Bezüglich bes sogenannten vorstellaren Zustandes ist die Annahme wahrscheinlich, daß die Fixsterne aus verschiedenen Typen von Urnebeln hervorgehen. Insbesondere weisen die Spiralnebel in ihren Armen knotenartige Massenanhäufungen auf, die als Vorstufe der Riesensterne anzusehen sind. So gehen wohl aus ben Spiralnebeln bie Sternhaufen hervor, bie oft eine gleichartige Eigenbewegung im Weltenraum aufweisen. Beispielsweise hat bie systematische und über einen längeren Zeitraum ausgeführte Himmelsphotographie im Milchstraßenfnstem bas Vor- hanbensein von zwei bis drei hauptsächlichen Sterntriften ergeben. Dabei erfolgt die Bewegung der Sterne sowohl auf die Erde zu oder von ihr weg als auch in seitlicher Richtung. Die Ermittlung de- seitlichen Komponente ihrer Eigenbewegung erfolgt durch Vergleich von Himmelsaufnahmen, die in verschiedenen Zeitabständen gewonnen wurden, die ber radialen Komponente auf Grund des Doop^rfchen Prinzips, indem bie burch bie Bewegung im IBifions- rabius bedingte Verschiebung der Spektrallinien aus der photographischen Platte ausgemessen und jur Berechnung verwendet wird.


