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und

unverjährbaren Frccheitsrechte.

46 Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

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und die Freie bürgerliche Vereinigung mit einer besonderen Liste vor, während die Rechtsparteien und der Bauernbund im Kreise eine gemeinsame Liste aufgestellt haben. Trotz aller Betonung, daß Einigkeit zum Wiederaufbau unseres deut­schen Volkes dringendstes Gebot sei, auch hier die bedauerliche Zersplitterung auf allen Seiten. Der vor kurzem wieder ins Leben gerufene

orfchlägo eingereicht worden. Als erster erschien auf dem Plan der Wahlvorschlag der Sozialdemokratischen Partei, ferner liegt vor ein Wahlvorschlag der gemeinsam miteinander vorgehenden Demokrati­schen Partei und der Freien bürgerlichen:- einigung. Die Rechtsparteien bringen eine natio­nale Dürgerliste und schließlich sind neu auf ben Plan getreten die Wirtschaftsverbande mit einem Wahlvorschlag der vereinigten Wirtschastsgrup- Pen. Für die Kreistagswahl ist es ebenfalls nicht gelungen, eine einheitliche bürgerliche Liste zustande zu bringen. Hier gehen die Demokraten

auch bei uns erfolgt. Bis_zu dem vorgeschrie­benen Termin sind vier

Als sie ihm noch einmal mit einem fröh­lichen Lächeln zugenickt hatte und hinausaegan- gen war, tappte Engelhardt hilflos zu seinem Schreibtisch und zog die Fäuste in die Augen­höhlen, um nicht zu heulen wie ein Kind.

Ruth hatte sich längst wieder aufgerichtet und den ersten Schlag nicht nur überwunden, sondern sogar neue Kraft und Heiterkeit daraus gesogen. Run war Hanns Ingold zurückgelehrt, und wie schon einmal kam er zu ihr, trug er seine Hoffnungen und Enttäuschungen zu ihr.

Von der Qual der letzten Stunde stand nichts mehr in ihrem Gesicht, als sie mit be­schwingten Schritten den Gang hinunterlief, um ihn zu sehen.

Aber auch Hanns stand aufrecht und zu­versichtlich in den Schuhen. Gr war nicht mehr derAmerikaner", den niemand ernst genom­men, die einen totgeschwiegen, die anderen ver­lacht hatten: er stand schon auf seinem Werk, obwohl noch kein Stein davon vorhanden war. Lind daß es Gestalt annahm, dafür war er Äa, er hatte wieder das Gefühl, als brauche er nur recht zu wollen, ganz Wille und Zeu- gungslraft zu sein, und es mußte ganz und fertig aus ihm herausspringen.

Llngeduldig schritt er die Stube auf und ab.

Der dunstige Tag schien bleifarben herein. Der Wind hatte gedreht, und Hanns sah die Wolken in strähnigen Büscheln hinter den Wäl­dern aufschießen.

Da hörte er hinter sich die Tür spielen und fuhr herum.

Ruth!"

Hanns!"

Ineinander schlugen die Namen, gefesselt, aber wie sprungbereit standen sie, durch die Breite des Zimmers geschieden, beide mit aufgehellter Miene, vom eigenen Blut berauscht, gerade in diesem Augenblick nur sich selbst empfindend. Und wie von

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uni» sinnloser Einführung neuer Steuer unter rein äußerlichen fiskalischen Gesichtspunkten spot­tet aller althergebrachten Besteuerungsgrund- sähe. Das Budget hat keine Reserven mehr, die Steuereingänge selbst sind mit kaum mehr er­reichbaren Maximalbeiträgen veranschlagt. Zur seit Jahren als notwendig erkannten Steuer­reform konnte sich das Parlament nicht auf­schwingen. Aehnlich steht es mit der Verwal­tung sreform. Beschränkung der Autonomie der Selbstverwaltungskörper unter dem Gesichts­punkte der Stärkung des tschechischen Einflusses, stückweise formale Reugliederung der administra­tiven Organisation, ein kopfloser Beamtenabbau, dessen Ersparungseffekt von 225 Millionen Kisch, in einem lächerlichen Verhältnis zu den Milliar- denziffern des Budgets steht, führen aber zu 'weiterer Verwirrung und Desorganisation der Verwaltung.

Zur Ausgestaltung des Sprache »rech­tes, wozu die tschechoslowakische Republik durch den Minderheiten-Schutzvertrag von St. Germain verpflichtet ist, hatte das aufgelöste Parla­ment in all den Jahren seiner Tätigkeit offen­sichtlich weder Zeit noch Lust. Dabei wäre schon viel getan, wenn man nur die alte öster­reichische Sprachengesehgebung hervorholen würde.

Dafür wrwde in der vorletzte» Sitzung des Parlaments der Immunitätenrekord von 713 Fallen erreicht und noch in der letzten Sitzung, knapp vor der Auflösung, sieben Fälleer­ledigt".

Das ist die Bilanz fast sechsjähriger Tätig­keit des Prager Parlaments, des Parlaments jenes Staates, dessen Wahlspruch lautet:Die Wahrheit siegt!". Mit dem unerschütterlichen Glauben an dieses Wort des,,Philantro.pen" vom Hradschin stehen heute 3>'2 Millionen Sudeten- deutsche und eöensoviele Angehörige anderer, um ihr Selbstbestimmungsrecht betrogener nationalen Minderheiten an der Bahre des erstenge-

Der gefesselte Strom

Roman von Hermann Stegemann.

Rachdem die in einer Stichwahl erfolgte Wieder­wahl des seitherigen Bürgermeisters ® ei» b e l vom Kreisausschuß aufgehoben worden war, galt es heute, die Reuwahl des Bürger­meisters vorzunehmen. Dabei erhielten Stim­men der seitherige Bürgermeister Hch. G e i b e l 611, der Kandidat des Zentrums, Landwirt 21. E. Schmidt 471 und der Vertreter der Arbeiter- schaft Anton Mörschel 272. Es ist, wie wir kürzlich schon vermuteten, also auch jetzt wieder Stichwahl notwendig zwischen Geibel und Schmidt, die sich auch bei der vorigen Stichwahl aegenüberstanden. Mit der Gemeinderatswahl kommen wir, vorausgesetzt daß keine Beanstan­dungen mehr stattfinden, innerhalb weniger Mo­nate also auf sieben Wahlen. Trotz des Wahlsegens" der sich über unser» Ort ergießt, ist von einer Wahlmüdigkeit noch nichts zu spü­ren. Im Gegenteil, die Wahlbeteiligung ist noch gestiegen. Betrug sie bei den vorausgegangenen Wahlen konstant 85 Prozent, so ist sie heute sogar auf 92 Prozent angewachsen. Denn von 1469 Wahlberechtigten hatten sich etwas Über 1360 an der Wahlurne eingefunden, einige Stimmen waren allerdings ungültig.

hr. Rieder-Florstadt, 24.Ott. Obwohl die Rachfrage nach Wohnungen auch hier sehr groß ist, hat sich doch die Tu*e t i g £ e i 6 nicht so recht entwickelt. Gleich nach dem Kriege bildete sich eine Baugenossenschast, die einige Häuser baute, darunter ein Sechsfamilienhaus, das nun der Gemeinde gehört. Aus Mangel an Kapital muhten die Arbeiten eingestellt wer­den, und sind noch nicht wieder ausgenommen worden. Einige Häuser, die schon 1924 begonnen wurden, gehen nun endlich ihrer Vollendung entgegen. Die staatlichen Baudarlehen sind sehr gering, denn aus unsere Gemeinde entfallen nur 4500 Mark, von denen erst ein Drittel aus- bezahlt ist. Zwei Straßen, die Herold- und die Friedrich-Ebert-Straße, sind mit den anliegen­den Bauplätzen Eigentum dec Gemeinde, die das Baugelände für 30 Pfg. pro Quadratmeter ab­gibt, allerdings nur unter dec Bedingung, daß sofort gebaut wird. Das Baugelände an der Siedlungsstrahe ist Eigentum der Herren von Löw, die die Bauplätze zur Förderung des Woh­nungsbaus mit nur 1 Mk. pro Quadratmeter verkauften. Außerdem hatten die Herren von Löw 1923 ein Zweifamilienb-'us zur Linderung der Wohnungsnot errich et. Rur ist auch an der Autohalle ein Wohnhaus für zwei Familien vor­gesehen. Die alten Bureauräume der Bürger­meisterei wurden mit Familien beseht, und sogar das Arrestlokal ist nun mit einer Familie be­legt worden. Außerdem ist die Wohnung in der Schule, die schon im Mai 1924 geräumt werden sollte und für Schulzwecke sehr Benötigt wird, noch nicht frei. Die Gemeindevertretung hat schon wiederholt versucht, den Baulustigen mehr zu helfen wie seither, aber die schlechte finanzielle Lage der Gemeinde läßt vorläufig keine' durchgreifende Hilfe zu.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld, 24. Oft Der Aufmarsch der Parteien für die K o m m u n a l w a h l e n ist nun

Spülwürmer bei Kindern. Frau Heim- berg1 schreibt uus: Mein kleines Mädchen sah sehr b.eich aus, war dauernd unlustig und litt sehr unter Verdauungsstörungen. Da ich das Abgehen von Würmern in fast Regenwurmgröße feststellte, kaufte ich Wurm-SchokoladeUleho und nach dem Genuß von einigen Packungen, war das Kind mobil und hatte wieder eine ge­sunde Hautfarbe. Wurm-SchokoladeMeho (ausdrücklich verlangen) kostet 50 Pf. und ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. 9959s!

wählten" Prager Parlamentes und rüsten zum neuen Kampfe für ihre unverlierbaren

Oderhessen.

Nachklang zum Hessische» Sanitätskolonnentaq.

"*£ Bad-Nauheim, 24. Oft. Der 7. Hessi­sche Kolonnentag der Freiwilligen Sanitätskolonnen vorn Noten Kreuz, über dessen Verlauf wir seinerzeit ausführlich be­richtet haben, hatte sich in unserer gastlichen hessi­schen Badestadt zu einer eindrucksvollen Tagung ge­staltet, wie sie vorher der Hessische Landesvervand noch nie zu verzeichnen gehabt hat. Der Vorstand der hessischen Kolonnen hatte daher auch in einer öffentlichen Bekanntmachung der Bad-Nau» Heimer Kolonne und Bürgerschaft besonderen Dank übermittelt. Auch von zahlreichen Kolonnen des Landes sind anerkennende Dank­schreiben in Bad-Nauheim eingelaufen.

Auf das Telegramm, das durch einmütigen Beschluß der großen Haupttagung an den Reich s- Präsidenten von Hindenburg gesandt wurde, ist nun beim Verbandsvorsitzenden, Haupt­mann a. D. Lotheißen - Darmstadt, folgendes Dankschreiben des Reichspräsidenten eingetroffen:Den Hessischen Sanitäts» kolonnen vom Roten Kreuz spreche ich für das mir vom 7. Hessischen Kolonnentag in Bad- Nauheim gesandte freundliche Begrüßungstelegramm und Treugelöbnis meinen besten Dank aus. Mit kameradschaftlichem Gruß! v. Hindenburg."

Landkreis Gießen.

Dg. Grohen-Buseck, 24. Oft. Während es bei der Bürgermeister- und Beigeordneten- t Wahl zur allgemeinen Zufriedenheit möglich war, sich auf Einheitsrandidaten zu einigen, sind für 5 die bevorstehende Gemeinderatswahl vier Listen vorgesehen. Der Bauernbund - hat 2 Listen aufgestellt, an deren Spitze sechs bisherige Mitglieder des Gemeinderats stehen. Spitzenkandidaten sind A. Huber und H. S ch e l d. Die Linke vertreten im Volks- »er ein nennt als ersten Kandidaten das seitherige Gemeinderatsmitglied Herber. Die neu aufgetretene Mitte beginnt ihre Liste mit Phil. Henh.

:: Beuern, 24. Oft. In unserem Dorfe war die Bautätigkeit in den letzten brei Jahren sehr rege. Ist doch in dieser Zeit mit Hnterstühung der hiesigen Baugenossenschaft eine ganze Straße, die Scheibengasse, entstan­den. Sie zählt bereits an Reubauten vier Doppelhäuser und drei Einfamilienhäuser, die

Riesenfäusten geschleudert, trafen sie mitten in der Stube zusammen, und aus ihrer Umarmung, aus den durstigen Küssen und dem abgebrochenen Stam­meln schlug die Lohe der Leidenschaft wie nod) nie Zuvor. Sie hatten sich lange nicht gesehen, vieles in sich hineingesonnen, sie fürchteten sid) vor etwas noch Uneingestandenem, und das gab ihrem ersten Wiedersehen in dieser Stunde den Zug ins Rasende und ließ sie erschauern in ihren heißen Küssen.

Als sie einander gegenübersaßen, von der stür­mischen Begrüßung matt, fiel ein Schweigen auf sie, das wie ein Verebben der entfesselten Blutströme, immer weitere Strecken ihres Innern bloßlegte. Und Ruth hatte auf einmal das Gefühl, kein Wiedersehen, sondern einen Abschied gefeiert zu haben.

Hanns Ingold begann zu fpredje».

_ Er erzählte von dem schweren, fast tödlichen Rückschlag, der sein Werk getroffen hatte, und daß er herbeigeeilt wäre, um in einer legten Zusam­menkunft aller Beteiligten von diesseits und jen­seits des Rheins noch einmal für den Bau zu sprechen. Er war in Karlsruhe, in Frankfurt und Heilbronn, in Bakel und in Bern gewesen und hatte wie ein Rasender um sein Werk gekämpft. Die Pläne waren eingegeben, zurückgereicht, über­prüft, neubearbeitet und wieder begutachtet wor­den, während der Strom der Ereignisse, dem Werkbau oorauseilenb, schon alle Werte in die Höhe riß, so daß Ingold selbst, um nicht über­rannt zu werden, seinen Grundbesitz im Interesse der Gesellschaft, mit der er einen Ruckoertrag schloß, weiter ausgedehnt hatte. Sein letzter Heller steckte darin, und er mußte morgen im Rheinauer Kies­boden Kartoffeln pflanzen, wenn heute das Werk zusammenbrach.

Ruth hörte aufmerffam zu, und ihre verständigen Fragen hefteten sid) eng an das Werk. Von ihrem eigenen Schicksal, das mit diesem Werk verknüpft war, kein Wort.

Und doch lauerten unausgesprochene Aengste in ihrer Brust. Das Gespräch lief so sachlich, so Der» nünftig, daß ihre Befürchtungen Wahngebilde oder diese ruhige Auseinandersetzung Selbst­täuschung war.

Auf einmal war es da.

Er war an den Lebensnerv gekommen.

Er begann:

Allein kann ich es nicht schaffen, id) kann nur mein Bestes, mein Ganzes geben, und das habe ich getan, tue ich noch. Die Pläne haben allen An­sprüchen Genüge getan, und das ist anders als bi Amerika, wo keine Rücksichten genommen und noch weniger verlangt werden, wo es aus dem Vollen geht, aus dem Vollen ins Große. Wo die Kühnheit immer recht behält. Hier muß laviert und rechts und links Rechnung getragen werden. Nun kann die Gesellschaft nicht mehr mit. Mir fehlt der Mann, der über der Sache steht, der den Weitblick hat für die elektrische Nutzleistung, der seine eigenen Turbinen laufen ficht und lieber zehntausend Pferde zu viel einsegt, als das Werk ungebaut zu lassen. Ich habe an Roth, Rouge­mont und Kompagnie gedacht, aber die liegen schon in zwei Rheinwerken fest. Das dritte fräße sie auf. Finde ich den Mann, so baue ich, finde id) >hn nicht, und id) muß ihn bald, muß ihn mor­gen fint-n, Ruth, so baut in zehn Jahren eine fertnbe Gesellschaft tnch fremden Plänen, und ich werke vH geis-en Kulis am Jangtsekiang und ucr= bämmer^v*.- Zeit, bis id) selbst wieder zu Lehm werde!"

Das war es. Ruth hate bei dem ersten Satz eine beklemmende Angst gespürt, dann waren Fragen, Namen, Möglichkeiten von verwirrender Dnntheit in ihr aufgeschossen, und eine Frage, ein Name, eine Möglichkeit, die doch die unmög­lichste von allen war, überstrahlte alle anderen. Und als sie schon in dieser Seelennot rang, da kam ein Schlußsatz, der pessimistische, verbitterte Schluß, diese Selbstentäußerung und Selbstvernicktung, die von ihrem Hanns, von dem Hanns Ingold, den sie liebte, keinen Hauch mehr übrig ließ.

Hanns, das ist ja Wahnsinn," murmelte sie und drückte die Lider zu, um mit den aufgestör­ten Aengste» und Nöten fertig zu werden.

Wahnsinn, Ruth!"

Es hob ihn vom Stuhl, ein stolzes Lächeln stand starr in seinem hageren Gesicht.

ganzen neun Wahlvorschläge eingereicht, und zwar (mit Angabe der drei Spitzenkandi­daten) die folgenden: Deutschnationale (Prof. Gebhard, Dr. med. Rornps, Landwirt Philippi), DeutscheVolkspartei (Zimmer- meister Iean Füller, Pros. Werner, Kaufmann Adler), Demokraten (Rektor Koch, Kauf­mann Hirsch, Bäckermeister Windisch), Zen­trum (Bauunternehmer Mörschel, Rechtsanwalt Schröder, Rektor Reubauer), Sozialdemo­kraten (Gastwirt JHI, Lagerhalter Raute. Eisenbahnbediensteter Fischer), Kommunisten (BeutleLoth, Baurn arn er), Bürgerpartei (W. A. Heß, Malermeister Ferber, Kaufmann Siegfried Rothschild), M i e t e r p a r t ei (Iakob, Acharin, Barnewald), Parteilose Liste (Ditt- mar, Selzer, Loos). Dte meisten Parteien haben die seitherigen Inhaber der Mandate wieder als Spitzenkandidaten aufgestellt, so daß es we­sentliche Ve.änderungen im Stadtparlament wohl nicht geben dürfte. Die Wahlbewegung war bis jetzt nod) sehr schwach. Als neue aussichtsreiche Kandidaten treten Dr. med. Rompf (Dtschnat.). Chefarzt im hiesigen Bürgerhospital, und Pro­fessor Werner (Dtsch. Vpt.) auf.

4 Dad-Rauheim, 24. Oft. Der Wirt­schaftsverband der Aerzte für die Provinz Oberhessen hielt im Kurhause eine außerordentliche Hauptver­sammlung ab. Der hiesige Badearzt, Privat- d o z e n t Dr. G r o e d e l, hielt zwei bedeutsame wissenschaftliche Vorträge, die mit großem Inter­esse verfolgt und mit lebhaftem Beifall aus­genommen wurden. Er sprach erstens überDie luetischen Erkrankungen der Brustorgane im Röntgenbild" .dann überEiniges über Trauma und Herz im Röntgenbild". Die Derbandsange- legenheiten wurden in der anschließenden Haupt­versammlung, an der etwa 100 Aerzte Ober­hessens teil nahmen, erledigt. Mater Führung von Oberbaurat Berck wurden die Betriebe des Bades einer eingehenden Besichtigung unter­zogen. -- I» einer von Lehrer Porth geleiteten, gut besuchten Versammlung des Beamten- k a r t e l l s hielt Rechnungsdirektor Harth-- Darmstadt einen sehr aufklärenden Vortrag über die neueren Bestimmungen der hessischen CB e= amtenkrankenkasse. Die Ausführungen haben bei den meisten Beamten, die noch bei der Staatlichen Betriebskranleickasse versichert sind, den Entschluß herbeigeführt, zur Deamtenkranken- kass» übergutreten. Zu de» Lleberraschungen, die nach Schluß der Hauptsaison der Herbst ge­wöhnlich mit sich bringt, gehören die Konkurs- ansagon, wozu infolge schlechten Geschäftsganges hiesige Geschäftsleute genötigt werden. Ein Zei­chen dafür, daß in diesem Iahre Pensionsinhaber und Geschäftsleute unter besonders schwierigen Verhältnissen gearbeitet haben, dürste wohl die Tatsache fein, daß der heurige Herbst mehr Heber­raschungen gebracht hat, als sie von den Ein­geweihten erwartet wurden. Zwölf Kon­kurse sind bereits angezeigt, weitere werden er­wartet Man sagt, daß die große» Steuerlasten und die hohen Ladenmieten an dem Geschäfts­niedergang mit die Schuld trügen. In manche» Fällen wird wohl aber auch persönliches Ver­schulden bei dem Zusammenbruch mitspielen. Auf alle Fälle steht fest, daß infolge der allgemeinen Geldnot ein schlechter Geschäftsgang zu verzeich­nen war, trotzdem wir in bezug auf die Zahl der Besucher eine gute Saison batten. Auch die zahl­reichen Versteigerungen sind ein Zeichen der Zeit, ebenso wie die Aufgabe mancher Geschäfte durch den schlechte» Geschäftsgang bedingt ist.

:: Pohl-Göns, 24. Okt. Untere Kirche, die nachweislich schon 1221 stand, 1754 erweitert, 1850 nach Westen zu verlängert und damals zum letztenmal gründlich repariert wurde, soll im nächsten Jahre einer durchgreifenden Re­paratur unterzogen werden. Zur Beschaffung der nötigen Gelder wurde bereits eine erste Sammlung in der Gemeinde veranstaltet, die einen schönen Betrag ergab. Man hofft, durch weitere Sammlungen einen Betrag aufbringen zu können, der es der evangelischen Gemeinde er­möglicht, wie sie vor einigen Jahren lediglich durch freiwillige Gaben drei neue Glocken hat anschaffen können, so auch im nächsten Früh­jahr die Kirchenreparatur durchzuführen.

4 Steinfurth, 25. Okt. Heute fand hier die Beigeordnetenstichwahl statt. Don den 762 Wahlberechtigte» machten 70 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gärtner Konrad P h i l i p p i wurde mit 276 Stimmen gewählt, während der seitherige Beigeordnete Falk 253 Stimmen erhielt und zwei Stimmen ungültig waren.

4 Ober-Mörlen. 25. Okt. Seit Juli fand heute hier die 5. Gemeindewahl statt.

Wahnsinn nennst du das, was mir übrig bleibt! Warum nicht gleich Feigheit, noch schlim­mer als einmalige Feigheit dauernde Resigna­tion! Nein, Ruth, es ist weder das eine noch das andere. Aber glaubst du, ich könnte den Rhein noch einmal Wiedersehen, ohne vor mir selbst den Re­spekt zu verlieren! Und wenn sie mich in China oder Amerika das größte Jngenieurwerk der Welt bauen lassen, meinst du, das böte mir noch Ersatz, dabei hätte ich noch etwas zu- gewinnen oder zu ver­lieren! Im sage dir, ich habe hier meine Seele drin, Ruth, ich habe mit so viel fertig werden müssen, als mich der Gedanke packte, daß ich nie mehr davon loskomme. Denke an den alten Mann dort unten im kassierten Haus, denke an die Er­innerungen, an die Heimatgefühle, die einem bis ins innerste Wesen gedrungen sind! Sie haben in der ganzen Welt von Frevel, von Heimatschutz ge­schrieben, und dabei hat keiner, der da die Feder gerührt hat, and) nur eine Spur von einem Kon­flikt in sid) getragen! Nimm mir das Werk, und du nimmst mir das Leben, nein, nein, nicht nur das Leben, mehr als das Leben!"

Ruth hatte gelauscht, war aufgestanden und sagte leise:

Hanns, dann baust du, dann mußt du es bauen, dein Werk?"

Wie meinst du das?"

Ihre Haltung, ihre Gebärde, der Klang ihrer Stimme hatte ihn aufgeschreckt.

Sie preßte einen Augenblick die Handflächen fest gegeneinander, wies dann auf den Stuhl und erwiderte:

Komm, setz dich! Wir wollen unserer Zukunft ins Gesicht sehen."

3a, die hängt an diesem Werk, an dem auch du deinen Teil hast, Ruth,"

Ich danke dir für das Wort, Hanns. Nun höre mich ruhig an."

Ruth, wenn"

Ein schwermütiges Lächeln lief über ihre Züge, aber es klang die alte Herbe in ihrer Stimme, als sie ihn unterbrach.

Sei ruhig, es handelt sid) um dein Werk." Trotzig schwieg er still. (Fortsetzung folgt.)

insgesamt von 11 Familien bezogen werden konnten. Ein weiteres in dieser Straße stehen­des zweistöckiges Gebäude ist bereits im Roh­bau fertig und wird im nächsten Sommer vollendet werden. Es liegen jetzt wieder einige Baugesuche vor, die im Jahr 1926 der Erle­digung harren. Hm in unserem Dorfe die Bau­lust weiter anzuregen, hat der Gemeinde- rat den weitsichtige» Entschluß gefaßt, jedem Baulustigen, der eine neue Wohnung be­schafft, das Bauholz für die Zimmer­mannsarbeit (nicht etwa auch für die Schreinerarbeit) dreißig Prozent unter dem Submissivnspreis zu überlassen. Hoffentlich wird von dem Anerbieten der Ge­meinde recht fleißig Gebrauch gemacht, damit die Wohnungsnot in unserem Dorf weiter be­hoben wird.

1" Treis a. d. Lda., 24. Okt/ Die vor einigen Wochen in drei hiesigen Gehöften ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hat fick) bank den sofort angeordneten und von den Landwirten mit peinlicher Sorgfalt befolgten behördlichen An­ordnungen nicht weiter verbreitet und ist im Ab­heilen begriffen, so daß die Sperrmaßnahmen in Kürze wieder aufgehoben werden können. Für die Gemeinderatswahlen sind drei Wahlvorschläge in Vorbereitung, einer von rechts, einen von links und ein mittelparteilicher.

!! Harbach, 24. Oft In dem Bericht vom Donnerstag muß es richtig heißen, daß der Beigeordnete Pitz (nicht Bürgermeister) in fein Am t eingeführt wurde.

. Lich, 24. Okt. Bei den Vorbereitungen zur G c m e i » d e r a t s w a h l wurde eine recht lebhafte Tätigkeit entfaltet. Es fanden mehrere Versammlungen der Interessengruppen statt, tei- der tarn es dabei nicht in allen Fällen zu der angestrebten Einigung. So kommt es, daß Dauern, Arbeiter, Gewerbetreibende und Beamte getrennt marschieren und eigene Listen präsen­tieren.

: : ältphe, 24. Oft. Bei de» beiden letzten Gemeinderatswahlen hatte man sich hier auf eine Einheitsliste geeinigt derart, haß die Bauern­partei fünf, die Arbeiterpartei vier Sitze erhielt. Da bei den diesjährigen Kommunalwahlen so­wohl der Bürgermeister wie der Beigeordnete völlig " einstimmig wiedergewählt worden sind, wollte man auch für die bevor st ehenden Gemeinderatswahlen einem Wahlkampf aus dem Wege gehen und einen gemein­samen Wahlvorschlag aufstellen. Dies Vorhaben ist jedoch bislang daran geschei­tert, daß der Bauernbund ein Zusammengehen mit den Arbeitern an die Voraussetzung knüpft, daß er ein Mandat mehr erhält, so daß die Arbeiter alsdann nur noch drei behielten. Die Arbeiter glauben, diese Forderung nicht erfüllen zu können, da der Bauernbund hiermit die dop­pelte Anzahl Kandidaten verlangt als sie selbst, während er schwerlich, nach ihrer Ansicht auch die doppelte Wählerschaft hinter sich haben Dürfte. Trotz mefjrfafer Bemühungen, auch von feilen des Bürgermeisters und Beigeordneten, ist man darum nicht zu einer Einigung gelangt, sondern hat zwei getrennte Waylvorschlä ge aufgestellt. Spitzenkandidat der Arbeiter ist der Kaufmann Filsinger, der des Bauernbundes Bäcker Schwarz. Eine ganze Anzahl H ä u - f e r wurden im Laufe dieses Sommers neu» hergestellt und gestrichen Zeugt diese Tat­sache schon an und für sich von dem Schönheits­sinn der Bewohner, so ist ganz besonders erfreu­lich, daß sich manche Eigentümer dazu ent­schließen konnten, statt des ewigen eintönigen Graus einem wärmeren und freudigeren Farbton für den Hausan strich zu wählen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn man, wie dies besonders in den Städten schon geschieht, auch auf dem Lande den gleichen Weg weiter beschritte Und aus diese Weise mehr das farbige Mo­ment im Dorfbilde zur Geltung brächte. Bei dieser Gelegenheit fei auch einmal darauf hingewiesen, daß es ganz und gar verwerflich ist, einen schönen alten Fachwerkbau wie­der z u verputzen, wie man das leider hier und da sieht. Besonders glauben gerade wohl­habende Hausbesitzer sich dies schuldig zu sein, da merkaürdigerwere die Fachwerkbauart häufig einer Geringschätzung unterworfen ist. Sie seien nur daraus verwiesen, wie man andererorts be­müht ist, altes Fachwerk freizulegen. Schon eine ganze Anzahl ländlicher Rathäuser u. a. sind dadurch ein Schmuckstück ihres Dörfchens geworden.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 24. Oft. Für die bevor­stehende Stadtverordnetenwahl sind im

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