und Sozialisten beruht. Dorläufig sind in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidungen gefallen, es ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese parlamentarische Umgruppierung Wirklichkeit wird. __________________________
Bezirkstag der Gabelsbergerschen Stenographie = Der Bezirk Gießen im Hessisch- Nassauischen (Ma in-Rheingau-) Verband Gabelsberger Stenographen hielt in Bad-Rauheim seinen Her b st - Bezirkstag ab, der sich aus den meisten Bezirksvereinen eines guten Besuches erfreuen konnte. Dabei fand in den Schulen ein Dez i r k s- wettschreiben in Gabelsberger und in Reichsturzschrift statt, wozu sich 204 Teilnehmer eingefunden hatteir.
Der Dcrbandsvorsitzende. Lehrer Schopp- Mainz, hielt einen geistvollen Vortrag über die Reichskurzschrift. Mit einem geschichtlichen Rückblick über die Bedeutung des Wertes Gabelsbergers beginnend, führte er aus, daß die Einheitskurzschrift kommen müßte und daß diese Entwicklung gerade im Sinne des Meisters und Schöpfers der deutschen Kurzschrift liege. Der große Ruhen der Reichskurzschrist lasse sich erst ermessen, wenn sie einmal Gemeingut des ganzen Volkes geworden sei. Dahin zu wirken, daß das Werk, das Gabelsberger begonnen. zur Volks kurzschrift im wahrsten Sinne des Wortes werde, das sei die vornehmste Aufgabe aller derer, die sich als Jünger des unsterblichen Meisters bezeichneten. Der Vortrag fand begeisterte Aufnahme.
Dem Vortrag deS Verbandsvorsitzenden war der Vertretertag vorausgegangen. Die Versammlung wurde wegen Erkrankung des 1. Be- zirksvorfihenden Kuhl von seinem Vertreter, Sekretär Kopp- Gießen, geleitet. Großem Interesse begegnete der von Obersekretär Karn- bad) erstattete Bericht über den Bundestag des Stenographenbundes Gabelsberger in München. Als Ort für den Frühjahrsbezirkstag 1926 wurde Friedberg bestimmt, da der dortige Verein die Feier seines 25jährigen Bestehens damit verbinden will. Um die Herbstvertretervcrsamm- lung des nächsten Jahres hat sich W i e s e ck beworben. Einstimmige Annahme fanden zwei von Kaufmann Balken» Gießen begründete Anträge der Stenographen-Gesellschaft Gießen. von denen der eine für die Dezirkswett- schreiben die Zugrundelegung der Bundes- wettschreibordnung nach Zeit und Wertung fordert, während der andere die Möglichkeit schafft, daß in den höheren Silbenzahlen (über 200 Silben) auch 2. und 3. Preise mit der Auszeichnung der Ehrenpreise bedacht werden können. Mitgeteilt wurde noch, daß am 15. Ro-- vember in Gießen eine Handelskammerprüfung stattfindet, bei der zum letzten Male nach System Gabelsberger geschrieben werden kann. Es wird dabei 10 Minuten in 150 und auch in 200 Silben diktiert. Das Handelskammerzeugnis ist für das Weiterkommen von Ge- fchäftsstenographen und Praktikern von sehr großer Bedeutung.
Rachstehend geben wir die Ergebnisse des Wettschrerbens wieder:
System G abelsberger:
Abteilung 60 Silben: 1. und Ehrenpreis: Heinz zur Rieden, Gesellschaft Gießen: 2. Preise: Minna Schmitz, Ges. Gießen: Jakob Walter, Friedberg.
Abteilung 80 Silben: 1. und Ehrenpreise: Erna Jung, Heuchelheim; Emmi Moser, Schotten; Käthe Henkelmann, Heuchelheim: 1. Preise: Walter Roll, Verein Gießen: Marie Roth, Bad-Rauheim; Minna Barth, Heuchel- l heim; Marie Buchholz. Laubach. 2. Preise: Hch. . Gerhard, Verein Gießen; Karl Loh, Wieseck; F Berta Eisenbach, Ges. Gießen.
100 Silben: 1. und Ehrenpreise. Otto ♦ Schneider, Friedberg; Else Gillmann. Butzbach: 1. Preise: Gretel Bärtel, Bad-Rauheim, Karl Schmidt, Friedberg, Karl Richter. Friedberg, Engelbert Staubach, Friedberg: 2. Preise: Tilly Brack, Bad-Rauheim: Hugo Bodenröder, Friedberg: Friede. Kinzebach. Friedberg.
120 Silben: 1. und Ehrenpreise: Kläre Müller, Ges. Gießen: Lotte Rathenow. Ges. Gießen, Marie Ritz. Ges. Gießen; 1. Preise: Fritz Möller. Ges. Gießen; Anna Benzler. Da- men-Derein Gießen: Friedrich Möckel, Friedberg: Marie Georg, Butzbach; Dora Schild, Ges. Gießen: Greta Walter, Friedberg; 3. Preis Pfeif, Ges. Gießen.
14 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Heinrich Schäfer, Friedberg: Dora Heß, Ges. Gießen: 1. Preise: Minna Frutig, Ges. Gießen: Georg Wittmann. Friedberg: Elisabeth Klingelhöfer, Ges. Gießen: Else Stinn, Ges. Gießen; Amalie Billasch. Friedberg; Karl Preih. Bad-Rauheim; Lisel Eckert, Damenverein Gießen; 2. Preise: Paula Hahn, Butzbach: Hilde Volkmann. Damenverein Gießen: Karl Gans, Friedberg.
Einen Zusammenstoß hat sie aber doch einmal zu verzeichnen gehabt. Mein Onkel Theodor, der Bürgermeisterssohn, pflegte auck) werktags nach dem Bahnhofe zu gehen und, wie er sagte, nach der Ordnung zu sehen, obwohl er keineswegs in itgenbcinem dienstlichen Verhältnis zur Eisenbahn stand. Sein Sohn und ich begleiteten ihn gewöhnlich. Als er uns Kindern wieder einmal das aufregende Schauspiel eines abfahrenden ZugeS bieten wollte, kamen wir leider zu spät. Es gab aber dock) noch genug zu sehen. Der Stationsvorsteher und der Portier, der sämtliche unteren Deamtenstellen des Bahnhofs in sich vereinigte, randalierten auf den Geleisen herum, wie Kapitän und Steuermann auf dem Deck eines dem Untergang geweihten Segelschiffs vor der Strandung. Schon die Verschiebung eines Kartoffelwagens auf ein anderes Geleise löfte. bei Dem Stationsvorsteher gewöhnlich ein schreckliches Donnerwetter und ein grollendes und nichts weniger als ehrerbietiges Echo bei seinem Faktotum aus, so daß einem Sehen und Hören vergehen tonnte, was bekanntlich bösen Jungen, wenn sie unbeteiligte Zuschauer sind, ein unbezahlbares Vergnügen bereitet An dem genannten Tage lärmte das zweiköpfige Bahnhofspersonal so toll, daß selbst Onkel Ä)eodor sich täuschen und zum Trugschluß auf eine außergewöhnliche Veranlassung verleiten ließ. Mit der Miene eines Vorgesetzten, der wirklich berechtigt ist, nach der Ordnung zu sehen, fragte er den Bahnhofsvorsteher, was denn los sei. Es war gar nichts los, aber um so mehr ärgerte den Bahngewaltigen die unbefugte Einmischung. Er gedachte seinem Freund Theodor eine Lehre zu erteilen und schnauzte ihn an: „3a, soll man denn da nicht aus der Haut fahren? Hat der Mensch da in seinem
160 Silben: 1. und Ehrenpreis: Margarethe Wilhelm, Friedberg.
180 Silben: 1. und Ehrenpreise: Elisabeth Scharmann, Friedberg: Karl Schneider, Verein Gießen: 1. Preise: Emilie Kinzebach, Friedberg; Else Ebert. Dam.-V. Gießen; 3. Preis: Hrch Jocvt, Ges. Gießen.
200 Silben: 1. und Ehrenpreise: Minna Franke, Bad-Rauheim; Therese Schmidt, Dam.- V. Gießen; 1. Preise: Johanna Flamme, Ges. Dießen; Otto Kreutz, Bad-Rauheim; 3. Preis: Karl Heß, Ges. Gießen.
220 Silben: 1. und Ehreirpreis: Hrch Ganß, Ges. Gießen; 2. Preis': Lina Wahl, Dam.- D. Gießen.
Schön - undRichtigschreiben: 1. und Ehrenpreis: August Hirsch, Ges. Gießen; l.Preise: Otto Kreutz, Bad-Rauheim; Hrch Schäfer, Friedberg; 2 Preise: Karl Gans, Friedberg, Ottilie Tresa, Gef. Gießen; 3. Preise Wilh. Jung, Ver- Gießen, Adolf Schmitz, Ges. Gießen; Fritz Möller, Gcs. Gießen; Dora Rickel. Gef. Gießen; Engelbert Staubach, Friedberg.
Reichskurzschrist.
60 Silben: 1. und Ehrenpreise: Dora Rickel,, Ges. Gießen; Wilh. Seipp. Heuchelheim; Theodor Schwarz, Ges. Gießen; Robert Baum, Der. Gießen; Gretel Becker, Ges. Gießen; Adolf König, Bad-Rauheim; 1. Preise: Wilh. Rieß, Der. Gießen; Karl Roth. Ulrichstein; Alwin Hardt. Ges. Gießen; 2. Preise: Karl Thomas, Ulrichstein; Ernst Hock. Lang-Göns; Willy Hörnle, Bad-Rauheim: Willi Willig, Bad-Rauheim; Wilh. Balser, Großen-Linden; Erich Bender, Ver. Gießen; Albert Volk, Großen-Linden; Ludwig Weigandt, Großen-Linden; Kart Leipoldt, Der. Gießen; 3. Preise: Otto Roll, Laubach; Eugen Weitzel, Friedberg; Walter Schorge, Großen- Linden; Ernst Feller, Großen-Linden; Ludwig Hankel, Großen-Linden; Hrch. Backes, Großen- Linden; Wilh. Raumann, Großen-Linden.
8 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Ernst Schneider. Wieseck; Otto Wahl. Ges. Gießen; Dinchen Sutter. Bad-Rauheim; 1. Preise: Ernst Delden. Laubach; Dorothea Fischer. Großen-Linden; Adolf Triller, Friedberg; Frieda Salomon, Bad-Rauheim; Käthe Geis, Bad-Rauheim; Erna Theis, Bad-Rauheim; August Frank. Wieseck; Karl Spieß, Lang-Göns; Marie Stein, Bad-Rau- heim; Anna Pirr, Großen-Linden; Lina Rau, Wieseck; Anna Loh, Wieseck; Marie Schmidt, Wieseck; Maline Schmidt, Heuchelheim; 2. Preise: Heinrich Gümbel, Großen-Linden: Marie Volkmann. Heuchelheim; Therese Lehrmann, Bad- Rauheim; Albert Volk, Großen-Linden: 3. Preise: Otto Heuser, Großen-Linden; Karl Jung, Gro- ßen-Linben; Minna Deibel, Wieseck.
100 Silben: 1. und Ehrenpreise: Emmi Schüler, Ges. Gießen; Emilie Bellos, Ges. Gießen; Ottilie Luh, Großen-Linden; Hrch Blum, Der. Gießen; 1. Preise: Adolf Kling, Wieseck; Elisabeth Gladigow, Dam.-D. Gießen; Martha Rau, Dam.-Der. Gießen; Minna Genzel, Bad-Rau- heim; Marie Meißner, Bad-Rauheim; Mathilde Hamel, Ges. Gießen; Hilde Kuhl, Ges. Gießen; Grete Wabnitz, Bad-Rauheim; 2. Preise: Reinhard Reeb, Schotten; Wilhelm Gebhardt, Schotten; Ida Stamm, Bad-Rauheim: Adolf Diel, Schotten.
120 Silben: 1. und Ehrenpreise: Hrch Konrad, Der. Gießen; Curt Moosdorf, Ges. Gießen; Bruno Schneider, Ges. Gießen; Marie Mohr, Bad-Rauheim; 1. Preise: Rudolf Klemm, Friedberg; Anni Sommer, Ges. Gießen; Ludwig Friedrich, Ges. Gießen; Susanne Kost, Bad-Rauheim; Johanna Hamm, Friedberg.
140 Silben: 1. und Ehrenpreis: Georg Wahl, Ges. Gießen; 1. Preis: Willi Dock, Ges. Gießen.
200 Silben: 1. und Ehrenpreise: Fidel Balken, Ges. Gießen.
Schön- und R ich t i g s ch r e i b e n: 1. u. Ehrenpreis: Georg Wahl, Ges. Gießen; l.Preise: Otto Kreuz, Bad-Rauheim, Rudolf Klemm, Friedberg, Louis Rullmann, Schotten; Ferdinand Detter. Laubach; 2. Preise: Curt Moosdorf, Ges. Gießen; Willy Bock, Ges. Gießen: Adolf Kling, Wiefeck; Johanna Hamm, Friedberg: Otto Deibel, Wieseck: 3 .Preise: Lina Rau. Wieseck: Marie Meißner. Bad-Rauheim; Wilh. Gerathwohl, Dad-Rauhsim; Heinrich Günther, Ges. Gießen; Marie Schmidt. Wieseck; Anna Loh, Wieseck; Hrch. Gümbel, Großen-Linden: Karl Jung, Gr - Linden; Adolf Triller, Friedberg; ©ufarme Kost, Bad-Rauheim; Minna Genzel, Bad-Rauheim; Käthe Gries, Bad-Rauheim; August Frank, Wieseck.
Der farbige Hausanstrich.
# Lich, 24- Sept. 1925.
Wir leben in einer farbenfrohen Zeit. Richt nur der Frauenkleidung mit ihrer bunten Mannigfaltigkeit. Richt bloß die Jugend, auch das Alter findet wieder Gefallen an der Farbenpracht, wie sie uns die Ratur ja in jedem Herbst verschwenderisch bietet. Das drückt sich aller*
Suff eben den Güterzug nach Fulda abgelagert und jetzt telegraphiert Salzschlirf, daß der Per- sonenzug hierher unterwegs ist. Die Dahn hat nur ein Geleise. Da kann sich jeder, der kein Esel ist, sagen, daß es unbedingt zum Zusammenstoß kommen muß." — „Wenn ich den Wiesenweg lause, kürze ich die Krümmung ab, die der Güterzug fährt und erreiche den Salzschlirser Zug noch vor dem Zusammenstoß", rief Onkel Theodor, und schoß auch schon dahin wie ein galoppierendes Reitpferd, ohne auf die Rufe des Stationsvorstehers zu hören. Forst noch rascher liefen wir Jungen zurück in die Stadt und alarmierten mit der Schreckensmeldung die ganze Einwohnerfchast. — Richtig erreichte Onkel Theodor noch vor dem Salzschlirser Zuge das nächste Bahnwärterhäuschen, ließ sich vom Bahnwärter die rote Signalfahne geben und schwenkte sie dem Zuge entgegen. Das schreckliche Unglück war verhütet. Der Per- sonenzug hielt und Theodor machte kehrt und rannte mit der roten Fahne spornstreichs dem Güterzug entgegen, um auch diesen zum Stillstand zu bringen. Angstzitternd stiegen die Reisenden aus dem Personenzuge und wollten schon zu Fuß nach Lauterbach weitergehen, als Zugführer Ramme, der feinen Theodor kannte, ungläubig den Kops schüttelte. Der Güterzug hätte sich ja fahrplanmäßig in Salzschlirf mit dem Personenzuge gekreuzt; woher sollte da der Zusammenstoß kommen? Als die Lauterbacher in Hellen Hausen und mit der Sanitätsmannschaft der Feuerwehr herbeikamen, hatte sich zu ihrer größten Enttäuschung das Eisenbahnunglück schon aufgeklärt. Roch Jahrelang hatte Onkel Theodor unter dem Spotte feiner Mitbürger zu leiden.
Die oberhesfifche Eisenbahn war in ihrer Kindheit und Jugendzeit nicht nur eine gemütliche.
Rätsel-Ecke.
Rätsel.
Es geht nach vieler Arbeit wohl
Im Sommer jeder gern auf5 Wort: Indessen auch zur. Winterszeit Erfreut's, streichst Kops und Fuß du sort.
Uiriftellmiqsrätsel.
Inka — Sache — Preis — Panter — Ebro — Rolf — Hafen — Reim — Blau — Schlaf — Lech — Braun — Spee — Arsen.
Man stelle die Buchstaben vorstehender 14 Wörter derart um, daß neun Wörter entstehen. Die Anfangsbuchstaben ergeben alsdann einen herbstlichen Volksbrauch.
Silbenrätsel.
Aus den 26 Silben: bi — bra — chel — cel — e — ei — fei — hah —- i — i — le — li — lin — lis — lor — nan — nau — ni — reu — se — fen — fer — tar — tüsf — veau — wol sind 13 zweisilbige Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. Ostseeinsel, 2. Fluß in Mittelasien, 3. Fangvorrichtung. 4. eßbarer Pilz, 5. deutscher Gebirgszug, 6. Stadt in der Provinz Sachsen, 7. griechische Landschaft, 8. Rordpol- fahrer, 9. wagerechter Stand, 10. Rebenfluß der Elbe, 11. Stadt in Hannover, 12. Stadt in Schlesien. 13. Titel eines Moliereschen Lustspiels. Sind die Wörter richtig gebildet, so ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn gelesen ein Sprichwort.
Auslösungen.
Ramenrätsel.
Theobald. Anneliese, Nepomui, Natalie, Herbert. Adelheid, Eberhard, ilrfula, Stephan, Ernestine, Neinhold: „Tannhaeuser".
üreuzworirätsel.
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orten in der farbigen Behandlung des modernen Hausan st richs aus. Auch in unserer Stadt macht diese erfreuliche Neuerung Fortschritte. Ebenso zeigt sich die Neigung, schone Fack)werkbauten in ihrem alten Aussehen wieder erstehen zu lassen. Kommt dazu noch Schnihwerk als Verzierung, das auf den Kunstsinn und Geschmack, Wohl gar die religiöse Einstellung des einstigen Erbauers hinweist, so präsentiert sich ein solches Bauwerk aufs vorteilhafteste. Leider ist nicht jeder Hausbesitzer in der glücklichen Lage, seinem Heim das passende und erwünschte Kleid zu geben, weil sich die Kosten vielfach zu hoch stellen und für viele unerschwinglich sind. So würde die sog. Ludwigsburg, eines der ältesten Patrizierhäuser Lichs, einen viel pompöseren Eindruck auf die Beschauer hinterlassen, wenn wenigstens an ihrer Schauseite im Hof das prächtige Fachwerk bloßgelegt worden wäre, anstatt es wieder unter dem Derpuh verschwinden zu lassen. Damit wurde auch die Schnitzarbeit der Eckpfosten und die Inschrift eines Balkens, Psalm 122,7, wieder verdeckt, die den religiösen Sinn des Bauherrn zeigt und die da lautet: Sit Pax Jntra Muros Tuos Et Pro- speritas In Palatiis Tuis --- Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen. Um so anerkennenswerter ist es, wenn Gemeindeverwaltungen die nötige Einsicht und Energie aufbringen, wertvolle öffentliche Gebäude aus alter Zeit von fachkundiger Hand sachgemäß Herrichten zu lassen. Das geschieht gegenwärtig mit unferm schönsten Fachbau, dem sog. Hellwigschen Haufe am Kirchenplatz. Gereichte es seither schost der Stadt zur Zierde und wurde von vielen Fremden bewundert, von Photographen, Zeichnern und Malern im Bilde festgehalten, so wird es dies in Zukunft noch viel mehr bewirken. Erbaut im Jahre 1632, mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges, ist es geschmückt mit den holzgeschnihten Wappen des Jakobus Textor und seiner Ehefrau Maria Kromm, die in schwerer Zeit voll Gottvertrauen ihr Haus in den Schuh des Höchsten stellen, wenn sie schreiben lassen: Si Deus pro nobis quis contra nos? und „Der Engel des Herrn lagert sich um die her. so ihn forchten". Kirchenmaler Veite aus Darmstadt, der auch das G e i s s e s ch e Haus in Gießen, wie viele andere in Darmstadt. Worms, Bingen, aber auch in oberhessischen Dörfern zeitgemäß wiederhergestellt hat, ist eben damit beschäftigt, dieses Haus nach Angabe des hessischen Denkmals- Pflegers Prof. W a l b e - Darmstadt stilgerecht
sondern auch eine lehrreiche Bahn, lehrreich in sozialer, medizinischer und juristischer Beziehung. Sie kannte keine Klassengegensätze. Die dritte Klasse war die Einheitsklasse, eine vierte Klasse existierte nicht. Angehende Mediziner und Juristen konnten in der dritten Klasse auf der Morgenfahrt von Lauterbach nach Gießen mehr lernen, als auf her Gießener Universität. Der Frühzug war stets vollbesetzt mit Bauersleuten — Männlein und Weiblein - aus dem Vogelsberg. Sie fuhren alle nach Gießen, „off Gisse", wie sie sagten, die einen zur Klinik, die anderen zu den „Affegalen" (Advokaten). Da wurden in der Eisenbahn alle Krankheitsfälle nicht nur sehr eingehend besprochen, sondern, wenn es sich um Geschwüre, Deinschäden, Ausschläge usw. handelte, auch offensichtlich vorgeführt. Namentlich die Frauen waren ebenso neugierig wie mitteilsam. Selten nur kam ein Fall zur Sprache, in dem nicht irgend eine erfahrene Klinikfahrerin Bescheid gewußt und das Urteil des Professors vorausgesagt hätte. Nachdem alle möglichen liebel besehen und vielfach betastet worden waren, ging das Gespräch der Frauen gewöhnlich auf das Musischen über. D>e glücklichen Mitführerinnen eines Mustöpschens ließen dieses bann zum Probekosten reihum gehen, wobei der Zeigefinger als Löffel diente. Auch Urinfläschchen wurden zur Ansicht herumgereicht. La die Vogelsberger Bauern wegen Kleinigkeiten nicht „off Gisse" fuhren, war für einen Mediziner im Bahnwagen wirklich viel zu lernen
Auch die angehenden Juristen kamen nicht zu kurz. Wurden die medizinischen Fälle meist in gedämpftem, wehleidigem Tone vorgetragen, so ließ die Darstellung der juristischen sehr bald an Leidenschaftlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ein
Duchstabenbersteck.
Vogt, Igel, Cent, Ton. Orgel, Rütli, Blüte, Lütttch, Uebel, Trient, Hügel, Gent, Ebro, Nil: Victor Blütgen.
Desuchskartenrätfel.
Prokurist.
Zahlenrätfel.
Reibeisen, Orinoco, Busone, Irene, Rorne, Sieben, Oboe, Nubien, Circe, Reuse, Union, Sirius, Orion, Eusebius: Robinson Crusoe.
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom NedakttonSttsch.
Die wahrheitsgemäße Bestätigung.
Ein Mann sollte wegen seiner öfters gebrauchten unziemlichen Redensarten von zwei Gerichtsdienern verhaftet und nach der Fronveste gebracht werden. Er schloß sich aber, als er ihrer gewahr wurde, in seinem Hause ein und schimpfte zum Fenster heraus: ,Lhr Schlingel, ihr Esel, ihr Flegel, wollt ihr euch forpaden?" lieber diese Beleidigung erstatteten die beiden Gerichtsdiener folgenden Bericht: „N. N. hat, als wir ihn verhaften wollten, gesagt, wir wären Schlingel, Esel und Flegel, was wir der Wahrheit gemäß beglaubigen und mit unserer Unterschrift bestätigen."
Er macht nicht mit.
„Wann gehst Du denn wieder zur Schule, Richard?" „Ich gehe nicht mehr zur Schule, unser Lehrer ist verrückt geworden." „Verrückt geworden?" „3a. Gestern hat er uns erzählt, 4 und 1 wären 5, und heute sagt er, 3 und 2 wären 5."
Der gute Rebner.
„Ich t)abe ihn nur einmal nach Tische eine gute Rede halten hören." — „Wirklich?" — „Jawohl! Wir aßen zusammen und er sagte hinterher: Kellner geben Sie mir die Rechnung für uns beide." vorkenntniste.
— „Können Sie Kinder wickeln?"
— ..Ich denke doch! Ich habe drei Jahre in einer Restaurationsküche Rouladen gemacht!"
Warnung.
— „Strecken Sie den Kopf nicht so weit aus dem Fenster! Sonst wird er Ihnen von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zuge weg- genssen, und Sie haben's Nachsehenl".
instanbzusehen. Dann wirb es sicherlich noch viel mehr als seither manchem einen Anreiz bieten, bem altertümlichen Städtchen Lich einen Besuch abzustatten. Allen diesen Gästen fei empfohlen, sich bann auch die ebenfalls von Herrn Veite mit schönen Malereien ausgestattete Friedhofskapelle anzusehen. Daß sie dabei noch manches andere finden werden, sei nur angedeutet: Auskunft wird gern gegeben.
Telephon 1662
Marktplatz 17
Delikatessen
August Wallenfels
Nuö vcr.r
* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 76 vom 25. September enthält: Wahl des Provinzialtags und der Kreistagsmitglisder. — Landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs zur Derbesferung der Vorflutverhältnisfe aus bem Bahnhof Großen-Linben. — Lknterspannfetzung der Fernleitung Borken—Frankfurt. — Maul- unb Klauenseuche in Steinheim. — Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbeamten für 1925. — Steuerabzug vom Arbeitslohn. — Straßensperre.
bietet die berühmten Liköre der
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kundiges Auge konnte sofort die Klinikbauern von den „Afscga'enbauern" unterscheiden. Ein Bauer, der nicht wie eine Leiche dasah ober wie eine Mumie eingewickelt war, sondern wie ein gesunder Mensch aussah, hatte sicher einen Prozeß auf dem Buckel oder im Visier. Eingehend wurde auch da bas Für unb Wiber erläutert, unb stets fand sich ein alter Prozeßbauer, der schon im Voraus wußte, was der „Affegat" sagen würde. Cs war noch eine gemütliche Bahn, die ober- hessische Bahn.
Auch später in ber preußisch-hessischen Eisen- bahngemeinschast bewahrte sich noch mancher Eisenbahner die hessische Gemütlichkeit. Längst waren bie hohen Bremserhäuschen von den Personenwagen verschwunden. Der Lokomotivführer bremste den ganzen Zug mit ber Luftbremfe. Nur bem letzten Wagen, bem Bahnpostwagen, konnte die Luftbremfe nichts anhaben. Er war noch ältesten Systems unb hatte noch das alte hohe einsitzige Bremshäuschen, bas aber unbesetzt war. Von Gießen bis Lauterbach hatte bas nichts zu sagen: aber wenn ber Zug über bie Salzschlirser Brücke fuhr und vor Fulda den Schulzenberg hinunter!auste, mußte ber Postwagen gebremst werden. Deshalb wartete in Lauterbach sin Fulber Bremser auf den Postzug unb versäumte nie, liebenswürdig lächelnd, bie fahrenden Postbeamten zu begrüßen, bevor er in fein Häuschen kletterte. Auch in Fulba vergaß er seine Schutzbefohlenen nicht. Regelmäßig trat er an sie heran und fragte, stolz auf bie Bremsleistung, mit unbeschreiblich treuherzigem Augenzwinkern: ..No, honn ich euch hüit net Widder emo! großartig gebrämst?"


