v'iA
VI.
w;
U!
6 i
Monate berechneten Forschungsreise nach West- grönland aufgebrochen, die als Vorexpebittvn einer großen für 1926 geplanten Reise zu gelten hat. Die Forscher, die diese Vorexpeditron mit Mitteln des hessischen Staates durchführen, befinden sich nach den letzten von ihnen vorliegenden Rachrichten bei ilmanaf, an der Westküste Grönlands, 71° n. B, von wo sie in Begleitung einiger Eskimos die Halbinsel Augsuak zu durchqueren gedenken, um dann in sog. Frauenbooten (Llmiak), d. h. von Grönländerinnen geruderten Booten einen Dorstoß in das Inlandeis nach Egedesminde oder Holstenboeg unternehmen wollen. Zweck dieser Borexpedition ist einmal, die grönländischen Verhältnisse kennen zu lernen, dann aber auch reisetechnische Erfahrungen zu sammeln für die von Grönland aus geplante Hauptexpedition, die Krüger im Laufe von fünf Jahren in unerforschte Teile des Eismeeres nördlich des nordamerikanischen Kontinents führen soll. Diese soll in der Art der Reisen des bekannten kanadischen Forschers Stephanson, ohne An- lehnung an ein Schiff, ganz auf die Hilfsmittel, die das Land bietet, gestützt, durchgeführt werden.
Bundestag deutscher Orchesterbereine.
Der Bund deutscher Orchestervereine, in welchem sich Orchester- (Liebhaber-) Vereine, die gewerbsmäßige Zwecke ausschlicßen und lediglich volksbildend wirken wollen, zwecks Verfolgung gemeinsamer Ziele zusammengeschlossen haben, wird am 3./4. Oktober in Bonn seinen ersten Bundestag abhalten. Reben der Beratung von Organisationsfragen wird eine öffentliche Versammlung mit Referaten über die volksbildende Bedeutung der Orchestervereine. ihre künstlerischen Ziele und Aufgaben, sowie über die Vergnügungssteuerordnung den Mittelpunkt der Tagung bilden.
Turnen, Sport und Spiel. Die deutsche Wafserballmeisterschaft. Hellas Magdeburg schlägt S. v. Mannheim 3:2 (1:1).
Die Deutsche Wasserballmei st erschüft fam am Sonntag in Bremen in dem neuen A. B. T. S.-Bade in Peterswalde bei angenehmem Wetter zum Austrag, hierzu hatten sich der S. C. Hellas-Magdeburg und der S.D. Mannheim qualifiziert. Unter Leitung des deutschen Meisters Heinrich, Poseidon Leipzig, gelingt es den Hellenen, bereits in der ersten Minute mit einem Tor in Führung zu gehen. S. V. Mannheim kann vorerst trotz allen Drängens nicht den Ausgleich schaffen. Erst kurz vor Schluß wird durch einen schönen Schrägball der Süddeutschen das Ergebnis auf 1:1 gestellt, das sich auch bis zur Halbzeit nicht ändert. Nach der Pause drehen die Hellenen mächtig auf, aber jeher Angriff wird abgeschlagen. Auch Mannheim geht kräftig vor, und es gelingt ihnen, das Ergebnis auf 2:1 zu stellen, hierdurch lasten sich aber die Magdeburger nicht entmutigen, und ein zweites Tor schafft für sie den Ausgleich. Erst kurz vor Schluß können sie dann noch das siegbringende dritte Tor für sich buchen und somit, da keine weiteren Tore erzielt werden, wiederum die deutsche Meisterschaft mit 3:2 Toren erringen. Bei beiden Mannschaften zeigten die Torwächter hervorragende Leistungen, aber auch die Türmer spielten zweckmäßig und schwungvoll. Vorher spielte noch der B. S.D. gegen A. B. T. S. 2:1.
Deutsche Golfmeifterschafteu 1925,
v. Limburger und Frau Sellschopp die neuen Meister.
Die diesjährigen deutschen Golfmeister- schäften sind in Bad Salzbrunn entschieden worden. Beide neuen Meister haben nicht das erste Mal diesen Titel errungen, von Limburger . ist bereits zum drittenmal deutscher Golfmeister, 1921 und 1922 erkämpfte er sich diese Würde. Frau Sell- t schopp hat sogar schon zum viertenmal den Meistertitel gewonnen. Aber auch schon in anderen Län- T dem, z. B. in Holland, konnte sie die intematio- , nalen Meisterschaften erringen.
Amtsgericht Wetzlar.
Q Wetzlar, 24. Aug. Wegen ^Übertretung der Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen — er hatte dadurch, daß er in den Straßen von Wetzlar mit seinem Auto starken Rauch entwickelte, Passanten belästigt — war der Kraftwagenführer Hermann W. von Wetzlar mit 9 Mk. Geldstrafe belegt worden. Auf seinen
Frei geworden.
Erzählung von Klara Prieß.
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„So ein Unsinn, Sinbl" sagte sie. „Sieht aber deinem Vater ganz ähnlich. Alles gleich wichtig nehmen, statt euch beide ganz in Ruhe zu lassen und mal abzuwarten, wieviel Kraft und Widerstandsfähigkeit ihr denn eigentlich habt — und wieviel wirkliche Liebe und Treue! Und nun hat er dem armen Braken einen Zaun umgeworfen, den der in all seine schöne Freiheit mit hereinschleppen muß, unb dich armes Ding hat er auch an die Kette gelegt."
„Aber Tante Lotte, ich will doch so gern auf :hn warten."
„Warten, warten, was weißt du vorn Warten? Ich weiß, wie es tut, so Tag und Nacht und immer weiter warten, unb die andern heiraten, und es wird immer wieder Frühling unb Herbst, unb man sitzt ba selbst immer im Schatten unb wirb alt unb müde. Unb ich habe nicht mal auf einen bestimmten Mann gewartet, nur so im allgemeinen auf irgendein Stückchen Glück."
„Aber Mariechen, wie konntet ihr nur diese Dummheit zugeben?" rief sie bann ihrer eben ein- tretenben Schwester entgegen.
Die Frau Oberlehrer setzte sich höchst erstaunt unb etwas beleidigt in bie Sofaecke.
„Aber Lotte, was ist bas wieder für ein Empfang! Abgehetzt habe ich mich, unb der Minna selbst noch beim Plätten geholfen, um nur heute noch herzukommen und mir deinen Glückwunsch zu holen. Ich habe viel mehr Liebe unb Verständnis bei dir vermutet. Unb nun bist du so gegen bas Kind und gegen mich.
Frau Oberlehrer Schumann holte ihr Taschentuch heraus. „Und die Liebe ist doch die Hauptsache," sagte sie. „Und sie sind doch noch beide so jung. Ich habe doch auch sechs Jayre auf meinen Mann gewartet."
„Das weiß ich noch sehr genau," sagte Xante Lotte, „wie du immer blasser unb bein bißchen Jugend hn Nu weg war — und wie du nächtelang weintest, wenn er nicht schrieb. Und als du ihn bann glücklich hattest, war es doch auch, weiß Gott, ein
Antrag auf gerichtliche Entscheidung ermäßigte das Gericht die Strafe auf 5 Mk.
Der Arbeiter Wilhelm Pf. aus Steindorf, der beschuldigt war, gelegentlich der Reichspräsidentenwahl eine dem Invaliden Jakob W. aus Steindorf gehörige Geldtasche mit 22 Mk. Inhalt, die dieser bei Ausübung seines Wahlrechts im Wahllokal hatte liegen lassen, entwendet zu haben, war dieserhalb durch Strafbefehl des Amtsgerichts an Stelle von 5 Tagen Gefängnis in 50 Mk. Geldstrafe genommen wor- öen. Auf seinen Einspruch hiergegen erfolgte heute seine kostenlose Freisprechung, da ihm die Tat nicht nachgewiesen werden konnte.
Der Elektriker Friedrich R. von Wetzlar ist wegen Diebstahls unter Anklage. Da der An- gesagte heute persönlich nicht erschienen war, — er hatte einen Rechtsanwalt beauftragt, ihn zu vertreten - gelangte die Sache zur Vertagung.
Der Arbeiter ‘ Karl M. aus Wetzlar, der wegen Bettelns festgenommen worden war, sollte von der Polizeiwache nach dem Gerichts- gescingnis überführt werden. Unterwegs versuchte er auf verschiedene Xöc Je, den Beamten zu veranlassen, den Transport nach dem Gerichtsgefängnis aufzuschieben, indem er teils vorgab, er müsse noch einmal unbedingt nach Hause, um verschiedenes zu regeln, und als dieses nichts nützte, lud er den Beamten ein, mit ihm ein Glas Bier zu trinken. Ratürlich ging der Polizei- beantte nicht darauf ein, denn M. suchte nur eine Gelegenheit, dem Beamten zu entwischen. Schließlich wollte der Beamte, veranlaßt durch das Benehmen des M., diesem die H a n d k e i t e an le gen, wobei M. sich widersetzte und dem Beamten die Handkette aus der Hand schlug. Erst mit Hilfe eines des Weges kommenden Passanten gelang es, den Widerspenstigen zu bändigen. M. gebrauchte hierbei Ausdrücke drohenden Inhalts. Wegen dieser Vorgänge hat M. sich wegen Bettelns und Widerstandes zu verantworten. Das Gericht erkannte wegen Bettelns auf 1 Woche Haft und wegen des Widerstandes auf 2 Wochen Gefängnis, welch« Strafen als durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt gelten.
Wegen Diebstahls hatte sich der Arbeiter Emil B. von Wetzlar zu verantworten. Der Angeklagte ist beschuldigt, im Jahre 1923 mehrere Diebstähle in Wetzlar begangen zu haben. In einem Falle hat er auch seinen eigenen Vater bestohlen, der dieserhalb Strafantrag gegen seinen Sohn gestellt hat. Der Angeklagte gibt die Diebstähle zu und will aus Rot gehandelt haben. Das Gericht erkennt gegen den schon wegen Eigentumsvergehens vorbestraften Angeklagten auf eine Gesamtgefängnisstrafe von 2 Monaten unter Einbeziehung einer bereits früher wegen Diebstahls erkannten Gefängnisstrafe von sechs Wochen, auch wird ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet.
Wirtschaft.
Frankfurter Abendvörse.
Frankfurt a. M., 25. Aug. Die heutige Abendbörse verlief ohne Anregung bei unbedeutenden Umsätzen. Gegenüber den schwächeren Rotierungen an der Rachbörse waren die Kurse zumeist gehalten. Am Anleihemarkt war die Stimmung etwas schwächer. Die Abendbörse schloß ruhig mit Reizung zum Rachgeben. Deutsche Anleihen: 5prozentiye Reichsanleihe 0.177.50, 4prozentige SchuhgebietSanleihe von 1913 3800, 4prozentige dto. von 1914 3800, ^/»Prozentige Preußische Konsols 0.295. Ausländische Renten: 5prozentige Goldmexikaner 35.50. Bankaktien: Allgemeine Deutsche Kreditanstalt 80. Kommerzbank 96, Darmstädter Bank 113.25, Deutsche Bank 113.75, Discontogesellschaft 104, Dresdner Bank 101.50, Mitteldeutsche Creditbank 93.50, Reichsbank 124.50, Oesterreichische Kreditaktien 7.40. Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 61.50, Gelsenkirchen 50.25, Mansfelder 66.75, Phönix 68.25, Rheinstahl 54. Stinnes-Riebeck 73.50, Kali Aschersleben 119.50, Kali Westeregeln 136. Chemische Aktien: Badische Anilin 124.25, Chemische Griesheim 121. Transpvrtaktien: Rordd. Lloyd 53.37, Monastir 9. Jndustrieaktien: Adler- werke Kleher 48.50, AGG. 96, Aschaffenburger Zellstoff 65, Dyckerhoff & Widmann 31.10, Elektrisch Licht und Kraft 97.50, Fuchs Waggon 0.35, Lahmeyer 69.75, Rheinmetall 28, Lechwerke 78.50, Vereinigte chemische Frankfurt 50.50, Heil- bronnzucker 55.50, Reckarwerke Stammaktien 74.50.
Börsenkurse
Berlüi
Datum:
40
50
54,5
Berliner
Börse.
24. 8.
0.18
113,25
113,5
52,4
51,75
06
53,5
103.25
80.5
93,25
7,4
0,00
0,300
0.K7 1
0.115
0,27
0.22 , 0,25
0,225 69,75 । 94.25
6,20
35 |
124.5 I
0.4 0.75
100
63,5
35,9
20
9,25
60
57
124,5
0.4
70
119,13
120,2-
-i.4
63.5
97,25
96,75
70
75
55,75
75
47
38,25
27
39
5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 3Va°/n Deutsche Reichsanlethe 3°/n Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Lparpramicnanleihe 4% Preußische Konsols . . . 4% Hoffen..........
3'/,% Hessen 3% Hessen Deutsche Wcrtb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schay-Anwcisng.') 4% Zolltürken 5<7» Goldmexikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Darmst. und Nationalbanl . Deutsche Bank.........
Deutsche Dereinsbank .... Disconto Commandit ... Metallbank...........
Mitteldeutsche Creditbank . . Oesterreichische Creditanstalt. Westbank............
Bochumer Guß .
Buderus............
Caro a-Luxemburg......
irchener Bergwerke. . Harvener Bergbau.....
Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln.....
Laurahntte Oberbedarf . . . Phönix Bergbau.......
Rbeinstahl.......
Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau. .......
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llohd Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......
Anglo-Cont-Guano . . . Badische Anilin........
Chemische Mayer Alapin . . Goldschmidt..........
Gries heimer Electron . . . . Höchster Farbwerke Holzverkohlung . . Rütgcrswctte.........
Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann...........
Mamkraftwette........
Schlicken Siemens & HalSke ..... Adlcrwerke Kleyer ...... Daimler Motoren. ...... Hehligenstaedt....... .
Meguin.............
Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgescllschaft Frankfurt. Pct. Union A-G.. Schuhfabrik Her; Sichel............ .
Zellstoff Waldhof . Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .
Frankfurt a.M.
Schlich-! Rurs ,
Sdjiuön. Abcnü- börfe
Schluß» Kurs
SMufeh IJUttag borfe
25 8.
24. 8.
25 8
0 1775
0.1725
1.1875
—
0,330
0,320
i.31
0.31
0 315
o,67
0.68
0 70
—
1,1225
0,115
o 28
1.2725
0.28
D.22
0,30
0,31
0,315
0,25
0.265
89,5
91.75
91.75
4.25
94,5
94,8
i.35
6,2
6,4
35.5
—
1251
125
127
96
95.5
95,5
113.25
113,25
113,25
113,75
113,75
113,62
104
104
103 75
80.5
—
—
93,5
93,3
93,5
?,4
7.4
,.4
0,06
0,05
0,05
63
60,40
63.13
40
39
39.6
36
35
36
61,5
59,25
61.4
50.25
49
50.5
95
93.6
96
119,5
120
120,25
136
0,5
20.6
35
31,5
33.62
37
35.13
35,9
68,25
68.4
69,7
54
53.25
54
73.5
74
74,5
46
—
—
54,5
52,2
55
53.4
52
53,75
65,75
55,13
52.13
65,5
—-
91
90,25
124,25
124,25
124 75
0,4
—
72
70
72
121
119 75
121
121,5
120
120.6
4.1
—
64
62,25
62,75
96,25
—
—
96
95
96.25
70.5
70.25
71,75
74
—
57
55,62
55,62
76.4
76,5
76,5
48,5
47.13
48,5
39
39,13
39
28
—
-
37
36
36
—
54
54
0.4
—
—
0,825
0,75
100,5
—-
63.25
64,5
64
33 9
36
35
19.25
20
19
9.3
9,13
9,25
60
—
56
56,5
56
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 25.Aug. Die Deckungskäufe ber letzten Tage haben sich etwas oerlangfamt unb waren nur noch in wenigen Werten ausreichenb, um eine weitere Befestigung ber Tenbenz herbeizuführen. Trotzbern scheint es, als wenn bie optimistische Stimmung bie Oberhanb behält, zumal man gestern in verschiedenen Werten vermehrt" Kaufaufträge zu beobachten glaubte. Auch heute waren namhafte Kauforbers an bie Börse gelangt, so baß biese anfangs ein freunb» licheres Aussehen hatte. Namentlich am Markt ber heimischen Staatsanleihen trat bies beutlicher hervor, wo Schutzgebietsanleihen ihren Stanb von 4,05 behaupteten unb Kriegsanleihe auf 0,190 anzogen. An ben Industrie- aftienmärften beginnt bie Aufwärtsbewegung ba- gegen nur langsam vor sich zu gehen, ausgenommen einzelne Spezialwerte. Die am Vortage zum erstenmal beobachtete lebhafte Steigerung ber Schiffahrtswerte behauptete fick), ba man zum Herbst einen Aufschwung ber Schiffahrt erwartet unb mit einer Besserung ber Frachten rechnet. Der G e l b m a r f t ist weiterhin flüssig, tägliches Gelb ist mit 7,5 bis 9 Prozent angeboten. Monatsgelb stellt sich auf 10,5 bis 11,5 Prozent. 5m internationalen Devifenverkehr blieb bie Diskontherabsetzung in ben skanbinavischen ßänbern einflußlos. Warschau besserte sich nach ben jetzt bekannt geworbenen Stützungsmaßnahmen des polnischen Kabinetts auf 5,93 gegen Kabel Neu
recht befcheibenes Vergnügen. Da hast bu erst recht beine Last mit ihm unb bemen Kinbern unb anberer Leute Kinber gehabt."
„Ach, Lotte, bu bist immer jo scharf. Das kommt nur, weil bu nicht verheiratet btft."
„Aber beshalb finbe ich es buch noch nicht vernünftig, bas Kinb um jeben Preis an ben Mann bringen zu wollen unb so eine unreife Sugenbliebe gleich zu einer Lebensaffäre zu machen. Die Anna hätte etwas Orbentliches lernen unb fick erst mal mit freien, offenen Augen in ber Welt umschauen sollen. Unb um ben Braken tut es wir fast noch mehr leib. Na, ber wirb euch noch schön an ber Kette zerren!"
„Aber Tante Lotte — ich habe ihn boch so lieb!" „Die alte, törichte Einrebe! Na, Kinb, es nutzt boch nichts, ob ich roeiterrebe wie ber Prebiger Salomo. Unb bann nehmt mir bas nicht weiter übel, stoppt eure Tränenströme unb geht jetzt nur lieber beim, ich bin noch nebenan bei ber Sesemann zum Tee gebeten."
Anna ging mit ber Mutter nach Hause burch bie abenbbunteln Straßen. Auch vom Himeml war aller Glanz unb Schein verschwunben. Dunkel lagen bie Giebel unb Turme vor grauen Wolken. Unb etwas von bem sonnigen Schimmer, ber ihre junge Liebe umglängt, schien Anna auch für immer bahin unb erloschen, als sie still unb abgespannt mit ber Mutter nach Hause kam.
Später am Abenb — bie Pensionäre waren zu Bett, ber Oberlehrer las nach seiner Gewohnheit m Ruhe bie Zeitung in seinem Arbeitszimmer — saßen bie beiben Frauen flitfenb unb nöhenb am Eß- zirnmertisch. Unb bie Mutter meinte, bah Tante Lotte leioer Gottes recht scharf unb verbittert fei, man müsse ihr bas schon um ihrer Einsamkeit willen verzeihen. „Unb bann hat sie auch immer etwas gegen Papa, bu mußt bas alles nicht so wörtlich nehmen, Anna. Denn Papa unb ich sinb boch immer ganz glücklich miteinander gewesen, bamals bie sechs Jahre Brautstanb unb später. Ich will Tante Lotte morgen mal ordentlich Bescheid sagen, daß sie dir keine Angst macht, mein Kind. Und Braken ist ja so gut und so klug, Anna, und hat dich lieb — paß mal auf, wie schnell ber Karriere macht. Und das Landgut hat er doch auch immer noch im Hintergründe. Dir können Gott banken, daß alles so gekommen ist, denn wir haben doch kein Vermögen.
Unb so sprachen bie beiben Frauen weiter mit- einanber unb putzten an ber jungen Liebe herum, bis sie wieber einen Schimmer von bem alten Gold- glanz bekam.------
Seit Annas Verlobung mit Max Braken waren sieben Jahre ins Lanb gegangen. Diese sieben Jahre bebeuteten für Anna bie Iugenb. Sie hatte nicht nur bas Warten- unb ©ebulbenmüffen, bas bittere Sehnen unb zehrenbe Zweifeln eines siebenjährigen Brautstanbes kennen gelernt, auch bie Sorge um bas tägliche Brot, Krankheit unb Tob waren an ihr vorübergegangen. Unb jeber graue Tag unb jebe un- ruhevolle Nacht hatten Spuren in ihrem Leben unb auf ihrem Gesicht zurückaelaffen. Von bem glatten, jungen Gesicht unb bem Hellen Jugenbmut war wenig genug übriggeblieben. Anna Schumann wußte selbst am besten, baß sie ein ganz anberes Men- schenkind war, wie bamals bie Junge, bie Siebzehnjährige.
Schon bamals, währenb Max Braken seine ersten fröhlichen Semester in München verlebte unb ihr lange liebe Briefe schrieb, schon bamals fing bie Sorge an. Bei bem Oberlehrer zeigten sich bie ersten Spuren eines Herzleibens,bas ihn immer gereizter, selbstsüchtiger unb ungerechter machte unb ben Rest von Behagen und damit auch bie Pensionäre aus seinem Hause vertrieb. Als bann ber Tob als Erlöser kam, wurde bie Not noch großer.
Die beiben Söhne hatten eben unbefangen zu ftubieren. Mit Mühe unb Not ließen sich ein paar Stipenbien auftreiben, aber eine schwere Last blieb es boch für bie Mutter, ba sie jetzt in ber Hauptsache auf ihre Witwenpension angewiesen war.
Das alte Giebelhaus mußte verkauft werben. Anna ging bas ans Herz. Das alte Haus war boch eine richtige Heimat gewesen, unb taufenb Erinnerungen unb ihr bestes Stück Leben knüpfte sich an seine alten Mauern unb Giebelkammern.
Und wohin sollten die beiden Famen jetzt? Wenn man die Sohne weiter auf der Universität taffen wollte, langte ber Rest für Mutter unb Tochter nickt einmal zur Miete unb bem notdürftigsten Lebensunterhalt.
Da bewilligte ber Senat ber Stabt eine Petition bes Fräulein Charlotte Grashoff, Konventualin des St. Gertmdstistes, daß, ba augenblicklich keine Frei- stelle zu vergeben fei, ber Witwe bes Oberlehrers
york. Die Reichsmark notierte in London 20,41, Paris 5,02i, Amsterdam 59,0 'i.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
(Au Dillianen Matt auSgedrückt. Buenos-AtreS, London, Leo. York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien Mtz Vndapest. für 100000 Emheiten, alles übrige für 100 etnbefatä
Telegraphische Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
Banknoten.
24 August
25. August
Amtliche Notierung
Amtliche Notierung
Geld
Brief
Geld
Brief
llmst.-Rotl.
169,11
169,53
169.11
169,53
Buen.-AireS
1.692
LG97
1,692
1.696
Brff.-Antw.
19,12
19,16
19 06
19,10
Christiania. Kopenhagen
80,70
80,90
80,30
80,50
101,27
112,69
101,53
1(10,67
100,93
Stockholm .
113,97
112,73
113,01
HelsingforS.
10,565
10.605
10,57
10,71
Italien. . .
15,59
15,63
15,81
15,85
London. .
-0,378
20,43>
i0,379
20,431
Ncuyork . .
4,195
4,205
4.195
19,74
4,205
Paris....
19,82
19,85
19,78
Schwei; . .
81,28
81,48
81,21
81,41
Spanien. .
60.37
60,53
60.38
60,54
Japan . . .
1,713
1,716
1,708
1,713
1.520
Wo de Jan. Wien in D--
0.516
0.518
0 518
Oest. abgest
<9,11
59,25
>9,12
59,26
::
12,435
12.475
12,43
12,47
7.50
7,52
7,50
7,52
Budapest. .
Bulgarien.
5,897
3.03
5,912
3.04
5,89
3,03
5,91 3.04
Lissabon
20,875
20,9-5
20 825
20,875
Damtg. .
Konstantin.
80,80
81.00
80 80
' 81.00
2,245
2,255
2 435
2.445
Athen. •
6,53
6.55
6 53
6.55
Berlin, 25. August.
Geld
Bries
Amerikanische Noten.....
4,215
4.235
Belgische Noten........
19,0
19,13
Dänische Noten........
100,55
101.05
Englische Noten .......
Französische Noten......
20,355
.0,455
19,73
19,83
Holländische Noten.....
168,58
169.42
Italienische Noten......
15,86
15,94
80,80
Norwegische Noten......
80,40
Deutsch-Oesterr., d 100 Kronen
Rumänische Noten......
59,125
59,425
Schwedische Noten......
112,47
113,03
Schweizer Noten.......
81,19
60,10
81,59
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . .
60.40
12,38
12,44
Ungarische Noten.......
5,84
5.88
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 25. Aug. Es wurden no» tiert: Weizen, Wetterauer neuer Ernte 23,75, Roggen, inländischer neuer Ernte 19,25 bis 19,50, Sommergerste für Brauzwecke neuer Ernte 26,00 bis 27,50, Hafer, inländischer neuer Ernte 20 bis 21, Mais, gelb 22, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 39,25 bis 40, Roggenmehl 28,50, Weizenkleie 11,25 bis 11,50, Roggenkleie 11,75 bis 12. Tendenz: Ruhig.
Frankfurter Häuteauktion.
fpd. Frankfurt a. M., 25. Aug. Auf der Frankfurter HLuteauktton vom 25. August tarnen rund 1800 Hammelfelle, rund 9700 Kalbfelle, 8400 Großviehhäute zum Angebot. Der Besuch war sehr gut. Es wurde aber im großen und gangen recht vorsichtig geboten und Schaffelle in Voll- und Halbwolle muhten durchschnittlich ca. zehn Prozent billiger abgegeben werden als im Vormonat. Kalbfelle ohne Kopf konnten durchschnittlich die Preise des Vormonats behaupten, teilweise wurden ca. zwei bis drei Prozent höhere Preise erzielt. Für leichte Häute ohne Kopf bis 29 Pfund zeigte sich ein leichter Preisrückgang. Bei den nnttelschweren und schweren Großviehhäuten wurde zu den Anfangspreisen ein Zuschlag nicht erteilt.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 25. Aug. Am Prvduktenmarkt hält die flaue Stimmung unverändert an. Das stark ermäßigte polnische Angebot, sowie Ware aus neuer inländischer Ernte wirkten bei dieser Ermattung zusammen. Mehl blieb still, ebenso Futterartikel. Es notierten pro Tonne: Weizen (märt) 212 bis 215, Weizen (medlenbg.) 210 bis 212, Roggen (märt.) 161 bis 167, Roggen (pornrn.) 153 bis 161, Gerste (märf.) 230 bis 258, Sutter* gerfte 180 bis 185, Hafer (mär!.) 165 bis 172, Hafer (pomm.) 158 bis 163, Mais (loko Berlin) 214 bis 218, Raps 355 bis 360; pro Doppelzentner: Weizenmehl 30,25 bis 33,25, Roggenmehl 23,75 bis 25,25, Weizenkleie 13, Roggenkleie 12,80, Diktoriaerbsen 26 bis 34, Futtererbsen 21 bis 23, Wicken 26 bis 28, Lupinen (blau) 12,50 bis 14, Rapskuchen 16,10 bis 16,30, Leinkuchen 23, Trockenschnitzel 12 bis 12,30, Torfmelasse 9,50, Kartoffelflocken 22 bis 22,25» Zucker 21,80.
Schumann unb feiner Tochter Anna gestattet fein sollte, bie Wohnung bes Fräulein Grashoff zu teilen unb bis auf weiteres im Stifte zu wohnen. Tante Lotte zeigte wieber einmal, baß sie bas Herz auf bem rechten Fleck hatte. In ihre Wohnstube nach dem Garten hin, in bie sogenannte „kalte Pracht" hinein, würbe ber Fenstertritt, Lehnstuhl unb Nähtisch ber Frau Oberlehrer gebracht. Unb es zeigte sich, baß ein gut Stück Gemütlichkeit in ben alten Sachen steckte unb von ihnen ausstrahlte.
Unb bann hausten bie brei Frauen miteinanber, so gut es gehen wollte. Man rieb sich wohl manchmal wunb aneinanber bei biefem zu engen Mitein- anberleben. Aber es war auch viel echte Liebe zwischen ihnen, unb bie machte bas Schwere, wenn auch nicht leicht, so boch wenigstens erttäglich.
Anfangs war öfter bie Rebe baoon, baß Anna sich eine Stelle suchen sollte. Tante Lotte riet ganz energisch bazu.
„Es macht dir bie Zeit kürzer, Kind, unb bu oer- bienst bir ein paar Groschen zur Aussteuer. Ich werbe schon mit Mutter fertig. Wir beide passen ja auch hierher in diese Altweiberluft, aber bu mußt hier heraus unb bir mal frischen Winb um bie Nase blasen lassen."
Anna sah wohl ein, baß bie Tante recht hatte. Aber sie war schon so mutlos, daß sie sich zu einem energischen Entschluß nicht mehr aufraffen konnte. Die Mutter weinte ihr auch so viel vor, als sie von diesen Plänen hörte: Die paar Jahre bis zu Annas Heirat! Dann verlöre sie ihr Kind ja doch, unb so lange würbe man sich zu breien schon durchschlagen. Unb Anna könnte sich boch um so netter unb in Ruhe ihre Aussteuer nähen, sie häten boch ausgerechnet, daß bafür jebes Jahr fünfzig Mark übrig mären.x Das reichte schon, wenn man bann alles selbst nähte unb stickte.
Ein Bries von Max Braken machte allen Plänen ein Enbe. Er schrieb fast entrüstet, baß er seine Braut nicht in irgenbeiner abhängigen Stellung als „Fräulein" wissen wolle. Er stelle selbstverständlich jeden gewünschten jährlichen Zuschuß zur Verfügung, verlange aber, baß Anna ruhig daheim bei ber Mutter bleibe, bis er in ber Lage fei, ihr selbst ein Heim zu bieten.
(Fortsetzung folgt.)
M.
S* Bell'
fflönfll55 0>IWJ3 pAiB A WS
M Best gitmg V rang nid) Sicherheit Bestimm
Jedoch len! Qlufmcrlfan gefieii fei. W bei nilfen an Miste Test hinlnciff. $be Aenderun in den Rheil Üch bei seiw Verpflichtung welche die i toufjt und h Bestimmung ES erinnert erster Linie norden C Inge des äffe N lie für Aölkrbund i öflltungfi bllichtun, Uebereinstim IranMchr' der Fr Rechte, Deutsch!, stehen, b Etensoweni, Garantien f Kimmungen, ranlien rege leichlerung v jenen Abmc ■«ote vom 1( ^cherheiispu ltafl8 über b K die Ers ^hemlandabk
auch Alungen j.
Stilen Streich Merlen ab( M» We, 1 lunscn zu v
nb
te »ring
*V05°
ß-T l?66*
Jerli ZeichMßcn! am Vonlag scM °"e
Wem - i)e*n0$ nimmt- stellt ntung der beiden Landl strebt sind, d ständign' lern ergan verschosst ®enugiuun{ aufmerfiami vom 16. l gibt, daß 3n dem Äst Hinauszuschi rung aus d gen beschräi mit ihren 2 wesentli veranlaht in der Iran, geworfene anscheinend Regierung sich nur die behält.


