Ausgabe 
26.1.1925
 
Einzelbild herunterladen

Montag, 26. Januar 1926

Girtzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Ur. 21 Zwettes Blatt

nke-Heidelb,

er

Seit 1922

mfiinfeit ,'Ml erbal-

,j IUUIHLCIU HUI UVUl-

106/1. leiLfCWnnerw

faulen ßtiuit. WE

natiltb

Stadttheater

an der Spitze, die v

urben, ihre Rotte für manb, weder im Aus-

! Kaufgeauche \ Federrolle ca.iO-S0Ztr.Tm-

K«Y1C.

I Urt.

I- «=»

n

-ädern, .gegen en r»

0741 nietf Nr. W

in (Biegen neu begründete Behörden, Schulen, Anstalten und sonstige öffentliche Einrichtungen werden gebeten, genaue Angaben über Bezeichnung, Zweck, Amtsgebäude (Strohe und Hausnummer), Amtsstunden, Fernsprech-Anfchluh, Postscheck-Konto, sowie über Direktion und Mitarbeiter zur Einfügung in die Neuausgabe des Adretzbuches sofort einzu- sendsn an den

Verlag des Adreßbuches der Stadt Gießen

Schrrlstratze 7

merften und ihren Hamen barunterfctjten^ war auch der deuttche Vertreter Südtirols. Sogar ausländische Journalisten nahmen sie ernst, toi: denn überhaupt fo manches zu der Bericht- erstattung über die italienische Krisis au sagen wäre. Äi verbreitet einer in großen deutschen Zeitungen seine originelle Meinung. eS handle sich nur um Theaterdonner, das sei alles nur .römisches Feuerwerk' und prompt am nächsten Tage geht eS los. DieBet reffen en danken für dieses .Feuerwerk". Dann wird er­klärt. auf Grund der amtlichen Darstellung, die Kammer Opposition habe die Richtigkeit der Ge- tonltmaforegeln eingesehen und deshalb ihren Pro­test zurückgezogen. In Wirtlichkeit wurde dieser Protest niedergebrüllt und die Motion infolge­dessen als aussichtslos zurückgezogen. Etwas anderes, füllte man meinen.

Soweit das parlamentarische Bild. Die Macht und damit die Regierung liegt natürlich einzig und allein bei Mussolini, nachdem er auf wie lange? die Prätorianer zu beschwichtigen verstand. TBie jetzt ihre Wortführer aussagen, wurde Mussolini von den revolutionären Pro-

in der Emigration sein Leben mit Zeitung sver- kauf fristen muß. zum Gouverneur von Saratow ernannt kurz ein Zar ohne Land, ohne Macht und Geld hatte toenig Aussicht, in Wirk- lichkeit den russischen Thron zu besteigen, um so mehr, da selbst die russischen M naichifen sich nur zum Teil seinem Manifeste unterworfen haben. Die Monarchisten teilen sich in die An­hänger der Großfürsten Rikolai Rikolajewitsch. der zwar selbst keine Ansprüche auf den Thron erhebt, da die Erbfolge ihn ausschlieht, der sich aber für den Verweser des Zarenthrones hält und die Lösung der Zarenfrage der Zukunft überlassen w ll. Die Leg timisten wieder scharen sich um Kyrill, und sehen in ihm. ob mit oder ohne Land, den rechtmah gen Zarm Zwischen den Groß ürften Ri.'olai Riko'.ajewitsch und Kyrill herrschen sehr ernste D fferenzen, ja fast eine offene Feindschaft. Jedenfalls erkennen die An­hänger Rikolais, mit dem Großfürsten selbst an der Spitze, den neuen Zaren nicht alS solchen an. Diese Spaltung hemmt beträchtlich den Fort­schritt der Monarch schen Bewegung in der Emi­gration und in Rußland. Außer den ausge­sprochenen Monarchisten gibt es unter den Geg­nern der Bolschewiken noch die große Menge der Unbelehrbaren, die Sozialrevolutionäre, die Sozialdemokraten ufto., die als einzigen Schatz ihre Parteidoktrinen ins Fremdland ge­rettet haben. Sie befehden sich gegenteilig aufs bitterste in den hundert russischen politischen Zei­tungen, die im Aus lande erscheinen, und haben in Wirklichkeit Autorität und Wurzeln in Ruß­land verloren. Die Hlden der ersten Märzreoo- lution. Kerensky. Miljukow u. a. m. find heute recht einflußlos. Der große Redner Kerensky, dessen Geist und Worte Rußland für Monate berauscht hatten, versuchte zum letzten Male 1920 in Paris wieder an die Oeffentl.chkeit zu treten, aber es gelang ihm nicht, den Widerwillen zu bannen, den die Mehrheit der Emigranten gegen ihn emvsand. Ebenso haben bte Mitgtteoer der russischen Konstituante, mit Tschernow den Matrosen Lenins

nie war für sie der Mensch zur Zahl ober Rümmer erniedrigt die ohne Gewifensbisse auS- gelöscht werden durste. Der Traum vom drillen christlichen Volke war kein leeres Gebilde. Ruß- lano wurde groß und stark und reich, und die Russen waren frei und gütig, bis zuerst radi­kale Verführer und gewissenlose Verschwörer mit der Bombe in der Tasche den Glauben und die Treue vergifteten und den Seelenmvrd der

vinzfatrapen. die an einem Tage fünfzig! aasend bewaffnete Bauern auf den Platz der ©igiwria in Florenz warfen, gezwungen, ein Machtwort zu sprechen. Qlbcr, so fragt Curzio Suckert bereit« wieder mißtrauisch in ber Wochenschrift ,.La con- quifta dello Stato". war die Rede vom 3. Januar wirklich ein ernsthafter revolutionär er Akt ober nicht vielmehr ein Manöver der äußerst geschickten mussolinischen Tallik, eine r e ° volutionäre MaSke. um Freund und Feind zu täuschen? Ohne die Maske Robespterres wäre fein letzter verzweifelter Rormalisierungs- versuch (die Wahlreform) als Schwäche ausgelegt worden. Otter hier muh sofort flar gesagt wer­den, daß die scheinbave Gewaltpolitik der Re- aierung einen schweren Schlag für den revolio- nären Faszisinus bedeutet, ber zu allem ent­schlossen ist.

Das ist bas Kennzeichen ber Lage, man traut Mussolini nicht mehr. Richt mehr links und nicht mehr rechts. Entweder, sagen die radikalen Fas- zisten. die. wie wir gesehen haben, das Heft in ber Hand halten, mit allen Mitteln bie normali­sierende Richtung der Regierung sabotieren oder die Schlacht auf dem Feld der Reuwahlen an» nehmen und so auf jede Weise, auch mit Gewalt, die toten Kräfte innerhalb des Faszismus au einer Rückkehr ins parlamentarische Leben ver­hindern. Man muh Mussolini einfach jede Mög­lichkeit abfchneiden, parlamentarisch zu regieren!

So ist nicht nur der Kampf um Rom bisher unentschieden, es nimmt auch das interessante Experiment um die Wiederbelebung antiker Staatsformen feinen Fortgang.

W> rsg

SrKZUH

WWW

M-W

Um den neuen Zaren.

Bon E. v. Ungern-Stemberg.

3m T-rvhnen und Prasseln der niederstürzen- ben Trümmer des alten Rußland konnte man stets ein Leitmotiv, das Heulen asiatischer Hor­den. heraushören, bie bie Ueterlagerungen mehr- hundertjähriger westlicher ÄulturDerfcincrungen zu zerbrechen unb abzufchutteln trachteten. Sie Ausklügelungen des Bolschewismus rank­ten sich zwar am Marxismus empor, besten Lehren die flugcn Führer als neue Religion hinzustellen verstauben, in Wirklichkeit aber wurde der eingeschlummerte Geist des Tartarentums dadurch geweckt. So ist denn im Laufe der letzten sieben Jahre allen freiheitlichen Erlöser- Phrasen zum Trotz eine rein asia tische Despotie entstanden, zu der der offizielle -2,ttel einer Arbeiter- und Dauernrepublik nur schlecht paßt: es sei denn, bah man Arbeiter und Dauern als Objekt ber heutigen Kremlherrschaft be­trachten will. Gewiß hat auch Peter ber Große fein Volk nicht mit Samtöänden ungefaßt, als er es mit Gewalt in europäische Dahnen hinein- zwängen wollte, unb. wie er sich ausdrückt, durch bie Gründung von Petersburg ein Fenster nach dem Westen öffnete. Doch grausamer waren die Taten eines Iwan des Schrecklichen, der seine Oprllschnicke aus demselben Kreml auf das Volk loslieh. aus dem jetzt bie Tscheka ober bie Gepe-u ihre Befehle erhall. Aber der blutige Henker Iwans bc» Schrecklichen. Mujuta Skurarow. tr-ar sanftmütig im Vergleich zu Dfhershinsky ober Peters, - denen Menschenleben nicht mehr wie ein Strohhalm gelten, und bereu Taten Rußland in Blut ersäufen.

Es ist aber an sich ein Unbing, das alle, heilige Rußland der Großfürsten von Kiew unb Moskau und ber Zaren mit dem Eowjetrußland von heute vergleichen zu wollen Die Zaren bändigten die wilden Instinkte bed Dolles, chre Willkür erkannten sie selbst als Sünde uno Ver­irrung. Selbst 3wan der Schreckliche oerbra^te ganze Dächte in Buhe nd Geißelungen und

Robespierre ober Mussolini?

Bon unserem römischen H--Aotrefbonbenteu.

Rom. 24. Januar.

Den Kopf schon in der Schlinge, ^^ sich TRuffoltni mit einer Kraft unb einer Geschick! cch- flrtt herauSgezogen. die beide Lafsowerser airer- r-nnen muffen. die Opposition unb der rabifalc Faszismus. Denn beide hat der Ruck zu Boden geriffen. Bis sie sich wieder erhoben haben, wird wenigstens das im Lande herrschen. was nwn am besten als amtliche Ruhe bezeichnet. Sie wird durch den nollfommenen Mangel an An- griffen gegen die Regierung Urtb ba» fasztststche System, durch das Fehlen leglicher Berrchtersta - Ung über blutige politische Eretgnrsfe. durch die mrkuslöwenhafte Zahmheit der Presse (nrigetoic- Fen. Man hort überhaupt nur noch eine Strmme. die faszistische folglich müssen alle damit zufrie­densein. Dür die ZeitungSverkäufer knurren, wenn efc keiner sieht. Wovon sollen wir denn leben, schließlich wird man außer den Zeitungen uns selber sequestrieren I

Bolschewiken vorbereiteten.

Der russische Bolschewismus mit feinen asia­tischen Horden kann aber nur auf einen vollen Sieg rechnen, wenn er ebenso wie Dschingischan alles zerstörend vorwärts bringt und die niro- päische Kultur über den Hausen rennt Aber der Weltrevolution ist vorläufig Einhalt ge­boten. und fo kommt denn auch das ZerstörungS- werk in Rußland selbst zum Stocken. Mit bi Stockung ab.r kommen die Besinnung unb die Sehnsucht nach Reinigung unb Heiligung nach all den verübten Greueln. Die M llionen von Dauern, die das wirkliche Rußland bi.den. stehen ihren komm mi tischen Despoten gleichgültig ober feindlich gegenüber und die entwurzelten Herr-

e Le- ifit bie iden im itfjelen. ivcst

öss Fabrik

Co. .Main-

hwerer

Titustag.r^an,.

lande noch in Rußland, kümmert f ich um sie. Die Semofratie aller Schattierungen mit ihrem republikanischen Einschläge, tut dem 3arcng*» danken in Rußland keinen Abbruch mehr.

Erschien der Zarengedanke vor wenigen Mo­naten noch als ein Traum, als eine Sehnsucht, an deren Erfüllung man kaum zu glauben wagte so sind inzwischen Ereignisse cingctieten. die dem Zarcnmanisest Kyrttls eine toeit ernstere Be­deutung geben. Die westliche Welt ift^ber Bolschewiken müde geworden. Unter der Füh­rung Englands hat sich vom Balkan bis hinaus nach Finnland eüie antibolschetoi- kische Front gebildet, die fick wie ein eiserner Ring um ben roten Kreml zu legen droht. Die Reste der Zarenarmee, die sogenannten Wränget- truppen, die in Bulgarien und in Zugoslawren interniert sind, werden ausgerüstet und mobi­lisiert unb sollen dem rumänischen Heere alS ein besonderes Korps einverleibt werden, benn. wenn die Anzeichen nicht trügen, so wird ber stärttte Druck gegen Sowjetrußland im Südosten, in Bessarabien, erfolgen. Diese Armee aber ist dem Zaren Treue unb Gehorsam schuldig.

Auch Geldmittel sind Großfürst Kyril! in den letzten Wochen zur Verfügung gestellt worden. Die Grohsürstin-Zarin Viktoria unter­nahm kürzlich eine Reise in bie Vereinigten Staaten von Dordamerika. Sie wurde von der amerikanischen Gesellschaft mit großen Ehren emp­fangen unb Deuyorkei Bankiers, mit Ford an der Spitze, stellten ihr für antibolschewillsch« Zwecke einen Kredit von zwei Millionen Dollar monatlich zur Verfügung.

So geben beim jetzt mächtige Einflüsse von der Person des neuen Zaren aus. deren Auswirkungeii sich heute nicht bestimmen lasten, unb bis zum großen Teil sehr geheim ge­halten werden. Es ist zu früh. Hoffnungen ober Wünsche auszusprechen, sollte aber im F übjahr ein crnster Vorstoß gegen den Bol­schewismus erfolgen, fo würde das zum wich­tigsten Ereignis unserer Zeiten werden, von ein- schneidendster Bedeutung für die Entwicklung Eu­ropas. Sollte sich der russische Adler wieder erheben und das Danner des Hettigen Georg wieder wehen, so würden auch anbere Völker, die in den Abgrund gesunken sind, auf eine Wiederauferstehung hoffen dürfen.

Um den neuen Zaren webt bas Schicksal. Ob ihn die Wogen des Weltgeschehens auf die Höhe zur (Sonne erheben, oder in ber Dranbuna ver­sinken lassen werben, ist bem Heute noch ver­borgen.

auseinander getrieb. immer ausgespielt.

JpR Gteßen

Januar ..........

ES Ist auf die Dauer langweilig, gegen offene Türen anzurennen. SS ist angesichts ber kamps- teg erigen Zuschauerinnen etwas penibel, im Par- tcrm>nt Immer mit geballten Fäusten auf nicht- oorhanbene Gegner einzubringen. Mussolini hat nut herkulischer Gewalt ein mächtiges Loch ins Wasser- gemacht - was soll das? Dein, btc Laizisten sind, wie gewisseSieger mit Ver­sailles, unzufrieden mit ihrem Erfolg. 3u einer richtigen Gloire gehören rauchende Städte, ber Vormarsch auf feindlichem Boden, der Einzug durchs Brandenburger Tor und wie es halt so die alten Kriegsgemälde zeigen. Unb zu einer richtigen Revolution gehören nicht minber fmn- fdllige Attribut«. Wen aber soll die fcconba onbata. die zweite Welle begeistern, wer an sie glauben, wenn man dem Gegner nicht einmal fie Zunge läßt, zu schreien? Schon der erste Tagesbericht des Imrenministers F e d e r z o n i wußte von einer geradezu feldherrnmähigen Deute Au berichten, von 687 Haussuchungen. 125 aufge­lösten Verbänden, ungezählten politischen Vcr- Haftungen unb so weiter, aber was ist das? Man beengte den mächtigen Frontlämpferbund ..F'eies Italien, man entzog ber Freimaurerei mit einem Federstrich den Boten ober stellte wenigstens sämtliche Beanrte des Reiches vor die Wahl. Den Logenbruder an den Dagel zu hängen oder Selbstmord zu begehen, aber kann man deswegen Viktoria schießen? Gewiß, in Florenz, in Pisa, in Arezzo loderten die Flammen znm Himmel unb säuberten Ströme von Schwarzhemden die Straßen, aber hat nicht derselbe Minister- Feder- (pni vor der Kammer erklärt, gegen diele Foszistcn würde gesetzllch oorgegangen werden? Hat nicht Mullolini trotz deutlicher Warnungen feine antt. faszistische Wahlreform durchgedrückt, indem er einfach Disziplin forderte? Was soll überhaupt dieses zweideutige Liebäugeln mit dem Parla­mentarismus?

Parlamentarisch betrachtet, ergibt sich nämlich, wie hier eingeschaltet werden mag, folgendes Bild:

ihn den Aventi zu versöhnen, hatte Mus­solini die Rückkehr zum altengiol it t1 a - nischen Wahlsystem angekündigt. Obwohl das ein unbegreiflich weitgehendes Opfer erschien, denn das hieß seinem eigenen Geschöpf, dem er selber ein mindestens fünfjähriges Leben vor- ausgesagt hatte, den Hals umdrehen und einen Aufruhr der Prätorianer- heraufbe'chwören, wies die Opposition bie Wahlreform als Danaerge­schenk ab. Darauf steckte der Diktator den Zucker ein und zeigte (in Wirklichkeit unter dem Druck der revolutionären Faszisten l die Peitsche: Seine mrtiparlamentarische Rede vom 3. Januar, mit der er die Verantwortung für alle borge* tommenen Gewalttätigkeiten übernahm, leitete die rtoeiie Revolutionswell' ein unter ber Losung: Gewalt! Der Befehl wurde ausgeführt. Als Folgeerscheinung ergab sich der neuerliche Ab- mll ber mit der Wahllesormankündigung zurück* aewonnenen Rechtslibera en, die Herausbildung . einer geschlossenen Opposition nun auch innerhalb beß Rumpfparlament s. ber Zufanrmrnsh.üß ber brei namhaftesten Politiker des Landes, ber frühe­ren Ministerpräsident?n Diolitti, Orlando unb 6 a l a n b r a. Dieser Dreibund bezog sofort Front» ellrmg gegen die Regierung unb lehnte btc Wahlvorlag cab. indem er sich dem Miß­trauen ber Adventinisten anschloß. Alle Richt- aszisten. heißt das, sehen in der Reformankün- bigung n u r einen Kniff, und kamen die Deu- loahlen je zustande, so würden sie unter den gegenwärtigen Umstänten nur den Deckmantel für bie Vergewaltigung der Stimmberechtigten abgeben. Habe man es doch in diesen Tagen be­reits erlebt, wie alle jungen Manner in einer gewissen Stadt mit Gewalt in die faszistischen i Reihen g'preßt wurden. Die Opposition beschloß daher. Wahlen unter einem Mussolini überhaupt zu ignorieren.

Auf der anderen Seite rührten sich die radikalen Faszisten. Daher erklärte nun Mussolini kaltblütig am gleichen Tage, da er fern laizistisches Parlament die Vorlage anzunehmen hieß, mit der Annahme der Reform fei nicht gefagt. daß nun auch gleich die Wahlen flott» finden müßten. Das habe Zeit, im Herbst wel- leicht oder im nächsten Jahr. Man dürfe doch das Anno Santo nicht stören, beeilte 1 ich die ministerielle Presse hinzuzufügen. Es hegt auf ber Hanb, daß man nun in beiden Lagern nutz - trauifd) werden mußte. Wo will Mussolini eigentlich hinaus?

In diesem kritischen Augeirblick retteten ihm wieder die ehrlichsten Politiker die Situation, die Kommunistc.r, Mit der ihnen eigenen Pßffrg- keit drückten sie ihni die Waffen in die Hand, die er brauchte. Erschienen plötzlich im Rumpf­parlament und gaben die Erklärung ab. das Proletariat rüste, um mit Waffengewalt die Regierung an sich zu reißen. Der «Sturs des Faszismus bedeute auch den Tod des Bürger­tums. das unverzüglich vor das revolutionäre Tribunal geschleppt würde.

Ein kalter Schauer faßte den Bürger an. 6o also war es gemeint? Dun. bann lieber noch Faszismus als Bolschewismus! Die Faszisten schlugen sich auf die Schenkel vor Befriedigung und setzten sofort eine Dankadresse an bie kom­munistischen Kollegen auf. in der ihnen bie Anerkennung dafür ausgesprochen wurde, daß sie wieder im Parlament einzogen unb damit lich in den Dienst für« Vaterland stellten. Unter fcen Harmlosen, die die blutige Ironie nicht

i-tretet Äffe KL Mm W mit bet Kundschaft inDon 3uma ber fButea? ?« fofort gesucht Auri ote mit Lebenslauf unl "unter 8320 an den Wiger erbeten.

°Ane Iln'° wünfid' die Bekaniitlchaii cmes foL felngcbilt Herrn, Ausg. üjtr, zwecks späterer

Heirat

Mül näh. Umgeb.! in. u.81 anHerfo, Mittelb. Annoncen- Eiv., Girlien. 1856h

. TulaMnm i Weite Hl (Ctatelaine) ti am iLamSiag ver> El loten. Gegen Ae- El lobnunfl abzugebei tl beim PfSrtnrr der

r Lbrenklinik.1

Hessischer Landyemeindelag Kreisverein Schotten.

b. Schotten, 24. Ian. Der Kreisver­ein Schotten des Hessischen Land- gemein detags hielt heute im hiesigen Rat- >aussaal seine Hauptversammlung ab. Dach ber Begrüßung burch den Vorsitzenden, Bürgermeister dengel. Schotten, unb nach Er­ledigung gcschästlicher Angelegenhetten ermattete ber Vorsi-.ende Bericht über die Bedeutung und bie seitherige Arbeit des Hessischen Land­gemeindetags Er bildet die Vereinigung aller hessischen Landgemeinden, 96? an der Zahl, mit 910 000 Einwohnern. Die hessischen Stabte (9) mit einer Einwvhnerzcthl von 331 000 sind im Hess, ©täbtetag organisiert. Der Hess. Land- gemetnbetag bezweckt unter Ausschluß jeglicher parteipolitischer Bestrebungen die Wohlfahrt und bie Interessen ber Landgemeinden au pflegen, sich vor allem auch gebührenden Einfluß auf dem Ge­biet der Gesetzgebung unb Verwaltung zu sichern. Er ist dem großen deutschen Landgemeindetag an- gegliedert. Er unterhält in jeder Provinz einen Provinzialverband, ber sich wieder in bie Kreis- verbanbe gllcbert. Alljährlich findet bie große Dertreterversammlung des Hess. Landgemeinde- tags statt Kleber diese Versammlung, die Mrzlich in Frankfurt abgehalten wurde, unb über die dort gefaßten Befchlüsse erstattete der Vorsitzende Bericht. Eingehender sprach er über die große Bedeutung und die Wirksamkeit des Provin­zialverbands der Provinz Oberhes­sen. der den oberhessischen Gemeinden näher liegt, der dank der ausgezeichneten ßcitung (Vor­sitz: Dr. Diepot h-Schlih> für die oberhessischen Gemeinden von außerordentlicher Wichtigkeit ist und schon viele Erfolge erzielt hat. Um einiges aus der großen Arbell des Verbandes hervor­zuheben: Gegen die geplante Aufhebung von U".tererhcberstellen sowie PvsthilsS.teilen hat er scharf protestiert. Der Versuch, die Bürgermeiste­reien zu Steuerauskunftsbureaus unb ©teuer« spiheleien auszunuhen. ist zurückgewiesen worben. Von der Hess. Staatsregierung ist verlangt wor­den. daß der Landgemeindetag vor allen wich­tigen Gesetzentwürfen gehört wird. Mil der bevorst eher den Derwaltungsreform. mit den Gesetzentwürfen über den Uebergang ber Kreisstraßen aus Staat ober Provinz hat man sich eingehenb beschäftigt. Die Frage ber Fürsorge für mittellose TDanberer, die immer mehr zu einer Landplage werden, wurde behandelt Als gemeinsame Zeitschrift soll die . Zeitschrift für Staats- und Gerneindeverwaltung" nähe-? ausgebaut werden. Besonders eingehend wurden stets die 6teuerfragen behandelt, bie ja das Rückgrat der Gemeindeverwaltungen bilben. Eine lebhafte Aussprache, an der sich auch Kreisdireltor Geh Rat Doeckmann betei­ligte. schloß sich an die Ausführungen. Es tour den Beschlüsse dahin gefaßt, an maßgebender Stelle au protestieren gegen die unerträgliche Steuerpolitik, gegen die überaus hohen staatlichen Forstverwaltungsabgaben, gegen den hohen Stem­pel, den der Hess. Staat bet Bürgschaftsleistungen sHolzkäufe aus staatlichen Waldungen) verlangt, gegen die Verpflichtung der Landwirte, ihre Wagen unb dergl. Meßgeräte, die bei Verkaufen ja nie benutzt werden, zur Eichung zu bringen.

Eine Versammlung des rgermeister,- vereins deS Kreises Schotten war mit obiger D rsammlung verbunden An Stelle eini­ger ausg'schiedener Mitglieder wurden Bürger­meister Krauß, Wetterield. und Bürgermeister Appel. Ulrichstein, in den Vorstand aewähll. Die Versammlung nahm scharf gegen den auf bem Land schon jetzt wieder eintet)enben Unfug Stellung, auf Kosten der im Sommer stattfin­denden Gemeinde-Dürgermeisterwah- len Trinkgelage zu veranstalten. Das Dur- gemeiner amt fei unb bleibe ein Ehrenamt und fei nicht durch Geld Trinken und Essen erläuf- Üch. Der Dürgermeisterschild bleibe blank und rein

scher von heute versuchen vergeblich, sie für sich zu gewinnen. Zur llmkehr braucht das nüijt- bolschewistische Rußland einen Führer, einen durch Rom. vom In Gott gesalbten Zaren unb vom bie Tradition geweihten Erlöser. Die Sehnsucht nach bem gottgesalbten Zaren schlummert in den meisten Herzen, aber bie Furcht vor ihm ist fast ebenso groß, denn der Zar könnte bie be­gangenen Missetaten bestrascm.

Von ber Zarensamilie der Roman ows haben neben ber greifen Kaiserin Mutter Maria Feodorowna. d'e in ihrer Heimat Dänemark lebt, sechzehn Großfürsten unb Groß­fürstinnen bie Katastrophe der bolschewikifchen Revolution überlebt. Von ihnen sind bie Be­kanntesten ber Obrrbesehlshaber aus bom Welt­kriege Dicokai Dikolajew.ttch unb die Großfürsten Dimitri Pawlowitsch unb Kyrill Wladimirowitsch. Letzterer ist mit ber Prinzessin Di ktoria von K o b u r g , ber geschiedenen Gattin des Groß- Herzogs von Hessen, ber Schwägerin der ermor­deten Zarin, verheiratet. Kyrill Wlabi- m i r o w i t s ch hat sich nun, tote bekannt, als ber älteste überlebende Romanow, nach dem russischen Thronfolgerecht, zum Zaren von Rußland prell miert und fernen Untertanen Treue unb Gefolgschaft auf erlegt. Das Mani­fest erregte unter ben drei M llionen Emigranten begreiflicherweise großes A.ifsehen. wurde aber im Ucbr gcn von ber Öffentlichkeit nicht beson­ders ernst genommen unb ein wenig Operetten- haft befunben. Der neue Zar verteilte Chargen unb Würden, ernannte Gouverneure unter anderen wurde ein früherer General, der eben

joeribi« I u]jc[oöratnin3ritien

WM.

Mittwocb.^Jm abbo. 8 Ubr, hnbei jmSimIaald-Reitl' ayniNliiiumk gnno i'ubwigiriiem ynMallullgiliM " Wir bitten um W Holunder uoL mck' emiicldit W|eb^