dem vatikanischen Rom Briefe hinterlassen, die eine reiche Fundgrube der Erkenntnis für den zünftigen Historiker, ober vielleicht noch mehr eine Quelle reinen ästhetischen Genusses für den Laien sind. Seine „Letzten römischen Brief e", die der Neffe Leopold von Schlözer bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart, herausgegeben hot, umfassen die Jahre 1882 bis 1894, also die Zeit nach dem Kulturkampf bis in die Jahre nach Bismarcks Sturz, in den auch Schlözer hineingezogen wurde. Es waren für den Gesandten am Heiligen Stuhl bedeutsame Jahre und es erforderte einen ganzen Mann mit feinem diplomatischen Takt und einer souveränen Kenntnis der römischen Verhältnisse, um die im Kuluturkampf zerrissenen Fäden wieder anzuspinnen und die Beziehungen zwischen dem jungen Deutschen Reiche und dein neuen Pontifex maximus, Leo XIII., erfreulicher zu gestalten, wie sie unter dessen Vorgänger auf dem Thron St. Peters zu beiden Schaden gewesen waren. Wie sich Schlözer seiner heiklen Aufgabe entledigte, davon sprechen diese Briefe ohne Ruhmredigkeit und Eitelkeit, aber mit jenem Interesse an der Sache, das uns auch heute noch in seinen Bann zieht. 478
— K j e 11 6 n s , des großen schwedischen Staats« rechtslehrers, letztes, großes Werk „Der Staat als Lebensform ist längst grundlegend für jede staatstheoretische Erörterung geworden. Um so verdienstvoller ist es vom Verlag Kurt Vowinkel in Berlin-Grunewald, daß er es uns Deutschen in neuer, von I. Sandmeyer mustergültig besorgten Uebertragung gleichsam neu schenkt. Gegenüber der älteren Auffassung vom Staat als Rechtssubjekt bringt Kjellsn vielleicht zum erstenmal in ihrer vollen Bedeutung geopolitische, ethnopolitische, ökonomische und soziologische Gesichtspunkte zur Geltung. 465
— Felix Pinner, der bekannte Handelsredakteur des „Berliner Tageblatts", hat eine Reihe wirtschaftspolitischer Portraits, die in den letzten Jahren aus seiner Feder in der „Weltbühne" erschienen sind, unter dem Titel „Deutsche Wirtschaftsfüh- r e r" zu einem stattlichen Bande vereinigt (Verlag der Weltbühne, Charlottenburg). Pinner ist ein scharfer, wenn auch sehr einseitig orientierter Sri- tifer, in manchem hat die wirtschaftliche Entwicklung ihm Recht gegeben, in manchem ist feine ^Beurteilung weit über Das Ziel hinausgeschossen. Auch bet grundsätzlich anderer Einstellung zu den Wirtschaftsproblemen unserer Zeit wird man aus den Porträts viel Anregung gewinnen. 528
— Ernst Moritz Arndts „W anberun« gen und Wandlungen mit dem Reichs- freiherrn vom Stein* sind eins der gewaltigsten Denkmäler deutschen Schrifttums aus der Zeit der Erhebung. Als bald neunzigjähriger Greis schildert er mit der Frische des Jünglings, aber mit dem großen Blick für das Ganze, den nur ein politischer Kopf, ein Volksführer wie Arndt sich in harten Kämpfen aneignen konnte, seine Erinnerungen aus einem an Sorge und Arbeit für fein Vaterland überreichen Leben, feine Erinnerungen an einen Mann, der wie Arndt selbst nur eines kannte: Deutschland. Das kostbare Vermächtnis beider Patrioten hat uns nun der Leipziger Verlag Grethlein & Co. in einer schönen Ausgabe, zu der Ricarda Huch eine prächtige Einleitung schrieb, neu geschenkt, ein Ansporn, sich mit Männern zu beschäftigen, die auch unserer Zeit etwas fein können. 529
— Dr. Siegfried Kawerau hat in einem starken Bande „D i e ewige Revolution" (Verlag C. T. Schwetschke & Sohn in Berlin) die Ergebnisse der Internationalen Geschichtstagung vom Oktober 1924 vereinigt. (Preis 12,50 Mk. gebunden.) 534
— Professor Dr. Hans F. H e l m o l t, der bekannte Historiker, gibt in der hier schon mehrfach rühmlichst erwähnten Sammlung kulturgeschichtlicher Einzeldarstellungen „Menschen, Völker, Zei- Itcn" des Wiener Verlags Karl König eine sehr plastisch geschriebene, reich illustrierte Geschichte ^Friedrichs des Großen und seines Preußen. Die zeitgenössische Literatur wird hier 'in weitestgehendem Maße nicht nur historischer Erkenntnis, sondern der Verlebendigung der Darstellung fruchtbar gemacht. Dabei wird allerdings ein Ueberwuchern des Anekdotenkrams und ein archai- fierender Stil zu Ungunsten der klaren Linie nicht immer vermieden. 527
— Eine kurzgefaßte „Römische Geschichte" gibt Friedrich (Tauer (Verlag 9t Oldenbourg, München) im Rahmen des hier schon eingehend gewürdigten „Geschichtswerks für höhere Schulen". Die großen Linien sind gut herausgearbeitet. Es würde dies noch besser gelungen sein, wenn der Verfasser sich entschlossen hätte, auf weitere Einzelheiten zi/ verzichten. Gerade das Altertum kann heute ini Schulunterricht nur fruchtbar gemacht werden, wenn die welthistorische Entwicklung den Schülern von großen Gesichtspukten her aufgezeigt wird. Das ist indessen nur möglich, wenn der Unterricht und auch das Geschichtsbuch von allem Unwesentlichen rücksichtslos befreit werden. Damit ist hier ein verheißungsvoller Anfang gemacht worden. Von den einzelnen Abschnitten scheint uns vielleicht die spätrömische Evoche etwas zu kurz gekommen zu sein. Eine als Anmerkung beigefügte kurzgefaßte Historiographie erhöht den Wert des Buches. Ob der Abdruck von Quellensttllen in diesem knappen Ausmaß davegen praktische Bedeutung hat, mochten wir dahingestellt fein lassen. 525
Wirtschaft.
Ende des Strebs in der chemischen Industrie.
In dem Lohnstreit irr der chemischen Industrie der Provinz Hessen-Nassau und im Freistaat Hessen fanden heute im Reichsarbeitsministerium nochmals Einigungsverhandlungen statt, die jedoch nicht zu einem Erfolge führten. Der Reichs- ardeitsminister hat alsdann den Schiedsspruch der Schlichrungskammer vom 13. November 1925, der bekanntlich von beiden Parteien abgelehnt worden war, für rechtsverbindlich erklärt. Da nach dem Schiedsspruch die Kampfmaßnahmen der Parteien einzustellen sind, bedeutet dies das Ende des Wirtschafts- kamvfes in der chemischen Industrie in Hessen- Nassau und im Freistaat Hessen.
Bcn den deutschen Schlachtviehmcirkten.
WSN. An den deutschen Schlachtviehmärkten der verflossenen Woche war der Marktverlauf zumeist ruhig oder langsam, zum Teil auch schleppend, bei Kälbern überwiegend ruhig bis mittet, ebenso bei Schasen, bei Schweinen in der Hauptsache ruhig oder langsam. Die Austriebs- zifsern nahmen allgemein beträchtlich ab, ganz besonders für Schweine, am wenigsten noch für Kälber. Die Preise gaben größtenteils etwas nach: die Preisabschläge waren namentlich bei Kälbern und Schweinen an verschiedenen Plätzen
nicht unerhebltch. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennigen notiert:
Rinder
Kälber
Schafe
Schweine
Berlin
20-55
48—107
28—54
80—100
Bremen
26-54
40-95
30—55
95-92
Breslau
17—53
52—74
25—50
75-95
Chemnitz
20—57
45—82
30—50
75—100
Dortmund
18—54
45—92
28—50
80—91
Dresden
25—60
54—81
30—56
70—100
Düsseldorf
20—61
55—90
33-40
75-94
Elberfeld
20—61
50-90
30-55
75—92
Essen
25—38
52—110
23-46
78—91
Frankfurt
15—60
50—80
23—50
75—95
Hamburg
14—56
30—99
20—52
75—95
Hannover
15—52
30—90
20—45
70—93
Husum
22—56
-——
38—48
———
Karlsruhe
20-60
65—80
—
85—90
Kassel
20-53
40—60
25—35
78—95
Kiel
■■
■ -..
--—
■ ■■■■■■
Köln
20—62
55—115
30-46
72—95
Leipzig
20—57
40—83
30—55
78—100
Magdeburg
16—58
30—65
25—42
75—98
Mannheim
14—58
50—84
24—37
74—95
München
20—62
50—82
-- ■
64—91
Stettin
10-52
30—90
15—45
80—96
Stuttgart
13—56
59-80
—
72—96
Zwickau
20—54
50—82
25—50
85—103
Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt a.M.
Berlin
Schlu -!
l-Uhr.
Schluß
Anfana
Kurs |
Kur,
flirr»
<Vt".
Datum:
24. 11. |
25.11.
24 11
25. 11.
5% Deutsche RcichsaMeibe
4% Deutsche RcichSanleikfe .
0 185
0,184
i 1<25
0,1825
8Vsc7o Deutsche Reichsanlei'-e
0 18
—
0.195
—
3% Deutsche Reichsanleibe • Deutsche Svarprämienanleihe
u.2a
—
0.245
-
0.095
—
0.1075
—
4% Preußische flonsols . . .
0,18)
—
0.1925
.1825
4% Hessen ... .......
—
—
0 16
—»
3»/i°/o Hessen..........
—
—
0.2
—
3% Hessen...........
—
—
0.175
—
Deutsche Wertb- Dollar-Anl.
90,25
—
9t .85
—
bto. Doll.-Schatz« Änweilng.'l
97,25
—
97.5
—-
4"/0 Zolltürken...... ■
ö.9
7,3
6,8
—
5% Äoldmexikaner ... .
42.4
1'5
—
—
Berliner Handelsgesellschaft Commerz» und Pnvat-Bank
>28*
03'
93,5*
129 5*
93 5*
130*
93.5'
Darmst. und Nationaldank
102 ti'
102 7*
102 6*
102,6'
Deutsche Bank.........
102,7*
102,5'
103*
103-
Deutsche VereinSbank ...
—
—
—
DiSconto Commandit
100,4*
100 5*
100,7'
100,.v
Metallbank..........
68
69
—
—
Mitteldeutsche Treditbank .
88.5'
89*
—
Oesterreichische Creditanstall
7.13
7.13
7,13
7 25
Westbank .........
0,03
H.03
—
—
Bochumer Guß........
—
—
64.5*
i3 5*
BudcruS ..........
28,75
30
28.75
SO.5
Caro ............
ar
—
34
64*
Deutsch-Luxemburg......
63 5
: •
63.75*
63*
Gelsenkirchener Bergwerke . .
Harpener Bergbau......
flaltwerke AscherSleben....
70'
—
69.5*
69,5*
96’
—
95 5*
95../
97.5
—
93
96.5
Kaliwerk Westeregeln.....
103
—
100 5
103.5
33
Laurabütte . .......
31.75
—
31,13
Oberbedars ........
Phönix Bergbau .......
Rheinstahl...........
38*
—
39*
61.75*
56,13*
61.5*
60'
49,75*
.50*
48 75*
48,25'
Ricbeck Montan........
59
59
61
TelluS Bergbau. .....
42
—
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd
67 25*
70,75*
69,25*
72,25*
69* 72.25*
69.5'
72 4
Cberamische Werke Albin . .
—
Zementwerk Heidelberg . . .
52
-
—
Philipv Holzmann .....
41
39
«nglo-Conl.-Goano .... Badische Anilin........
Chemische Mavcr Alapkl . . Goldschmidt ......
ftricSt ebner Electron . . .. Höchster Farbwerke ..... Hoiwerkohlung ....... NulgerSwcrke . ........ Schctdeansialt ........
Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke Schuckert Siemens & Halöke .....
Ävlerwerke flieget ..... Daimler Motoren. ..... Heyltgenstaedr . .....
"iequin Motorenwerke Mann beim .
Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun • . Metastgesell »oft Frankfurt . Bet. Union A.-G Schuh'abrik Herz . . .... Sichel Zcllsto-s Daldbof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Dagbäufel . . .
90* 64*
61 59* 73*
ii
20 25
16
25,6
90.6*
h3
69,25*
22.7
21
17 -
82 82,15
53 53
20.5
3 75 73.5
43.3 । 41.5
401 40
55
■12,5*
90.5*
65,75*
58 25*
73 5*
21
20
50.25 HO 5
111.2*
48
29.75
114
90.25*
64,5*
58.75*
<4 5*
22.6
21,25
412.7
1112,2
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
24 Novbr.
25 Nov r.
Amtliche Noti runa
Amtliche Notierung
CRtlö
Brie'
Geld
Brief
Amu--Nou
168 61
159,05
168.57
168,99
Buen.-Aires
1 744
1.718
1.740
l. .44
Brss. Aniw
iS 98
19,02
18.99
19,01
Cbrlstiania
85. 9
85.31
85 .: i
85,53
flop.'nbagni
hi4 17
1'14.43
104.5'
104,75
Stockholm
H2.27
112.55
112,29
112,-7
Helsingfors
10 555
10.595
10.55
10.59
Italien. .
1? HO
17.04
16 94
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London.
10.32
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20.319
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4.195
4,20
4,195
1,215
Paris. .
16.255
6.295
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15,7:
Schwei; .
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Japan . .
1 783
1.787
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Prag . . .
12.42
12,16
12.42
12,4.
Belgrad . .
7.435
.455
7,43
7,45
Budapest. . Bul arten
□ 875
>.895
>.87
5,89
3.03
3.04
1.05
1.06
Lissabon
21 275
21.32a
21.325
0.37fr
Danzig. .
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80.79
80.59
80.79
Aon ft ntin-
2.295
2,305
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2.305
Alben
5 .‘4
5 56
5 54
5 6 '3
Canada. .
4 197
4,2 7
4.197
1.207
Uruguay
4.31
4. 2
1,317
4,325
Banknoten.
(Ohne Gewähr.)
Berlin, 24 Novbr
Geld
Briet
Amerikanische Not« .....
Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten. ....... Französische Noten ..... Holländische Noten ....
Italienische Noten......
Norwegische Noten.....
Dcutsch-Oesterr., ä ioo Kronen Rumänische Noten......
Schwedische Noten......
Schweizer Noten.......
Spanische Noten ......
Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten
«.182 18,-4 103.85 20,289 16,23 138,32
17.01 84,84 18.94
111.99 80,70 59.35
12.385 5.82
4.202
19,01
104.38
20,389
16 315
169.1
17,0
85 2
59.24
112.55
81.10
59 65
12.445
5.86
Starke Lleberzeichnung der 'Frankfurter Stadtanleihe. Die vorgestern an der Neuyorker Börse aufgelegte Frankfurter Stadtanleihe ist sehr stark überzeichnet worden. Kurz nach der Eröffnung, konnte die Zeichnung bereits geschlossen werden.
* Chemische Fabrik-Griesheim- Elektron, Frankfurt. In der gestrigen Generalversammlung wurde der bekannte Fu
sionsvertrag mit der Badischen Anilin- und Soda» fabriE einstimmig beschlossen. Das Gesamtver» mögen der Gesellschaft geht ohne Liquidation durch Aktienaustausch 1 zu 1 in den Besitz der neuen Gesellschaft über.
1 ein neues -Flugzeugwerk in Kas - s e l. Unter Leitung der bisherigen Ingenieure der stillgelegten Dietrich Flugzeuge A. G. in Kassel und bet befannten Kunstflieger Raab und Katzenstein ist in Kassel unter Mitwirkung zahlreicher Kreise der Industrie die Raab-Katzenstein Flugzeugwerke G. m. b. H. gegründet worden. Die Gesellschaft verfügt Über ausreichende Geldmittel und hat auf dem Gelände der Deutschen Werke in Kassel eine auf das modernste eingerichtete Fabrik käuflich erworben. Mitte Januar sollen bereits die ersten Sportflugzeuge herausgebracht werden. Die Firma beabsichtigt weiter, im kommenden Jahre auch Verkehrsflugzeuge auf den Markt zu bringen.
" Starke Zunahme der Konkurse und Geschäftsaufsichten. Laut „Wirtschaft und Statistik" ergibt sich für die Ent-» Wicklung der Konkursziffern in den letzten drei Monaten folgendes Bild: August 751, September 914, Oktober 1164, die Geschäftsaufsichten betrugen im August 379, September 459 und Oktober 633. In beiden Fällen ist die Zunahme im Handel beträchtlicher als in der Industrie.
* Zunehmende Betriebsftillegun = gen in Sachsen. Die Zahl der beim Sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium eingereichten Anzeigen über beabsichtigte Stillegungen von Betrieben hat sich, laut DHD., auch in der ersten Hälfte des November in aufsteigender Richtung bewegt. Vom 1. bis 15. November sind 104 solcher Anzeigen eingegangen, d. h. 20 mehr als in der zweiten Hälfte des Oktober und 39 mehr als in der Zeit vom 1. bis 15. November. Die meisten Anzeigen entfallen wieder auf die Industrie der Maschinen, Instrumente und Apparate (37) und die Metallverarbeitung (26). Dann folgen in ziemlich weitem Abstand die Industrie der Holz- und Schnitz- stoffe mit 10, die Textilindustrie mit 8 und die Industrie der Steine und Erden mit 7 Anzeigen. Auf das Kleidungsgewerbe entfallen 5 und auf die Industrie der'Nahrungs- und Genußmittel 4 Anzeigen. Je zwei Anzeigen rühren aus der Glasindustrie, der Papierindustrie und der Lederindustrie, eine Anzeige aus dem Bergbau her.
* Geschäftsaufsicht beim Richard- Kahn-Konzern. Da sich die infolge der weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage und der zunehmenden Verknappung der Geldmittel kürzlich vorgenommene Stützung nicht als ausreicfaenb erwiesen hat, haben die dem Konzern angeschlossenen Firmen den Antrag auf Anordnung der Geschäftsaufsicht gestellt. Unter dem Schutz dieses Verfahrens soll eine grundlegende Sanierung angestrebt werden.
* Betriedseinschränkung bei Rheinstahl. Die Rheinstahlwerke teilen mit, daß die Zeche „Zentrum V7' stillgelegt wird. Die Gesellschaft wird zum gleicyen Zeitpunkt auf der Zeche „Brassert" eine Forderungseinschränkung in Höhe von 350 Tonnen täglich vornehmen, wodurch die Entlassung von etwa 300 Mann erforderlich wird. Entsprechende Anträge sind bei dem Demobil- machungskommissar gestellt. Auf Zeche „Arenberg" derselben Gesellschaft soll am 15. Dezember die Förderung um 700 Arbeitstonnen täglich eingeschränkt werden.
* Bereinigte Königs - und Laura- Hütte A. G. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1924/25 betrug der Iahresgewinn 2 268 301 Mk. Nach verschiedenen Abschreibungen in Höhe von 2 255 565 Mk. verbleibt ein Nestgewinn von 12 736 Mark. Der Aufsichtsrat wird der am 18. Dezember staltsindenden Generalversammlung Vorschlägen, diesen Nest auf neue Rechnung vorzutragen, lieber die gegenwärtige Lage teilt der Aufsichtsrat mit, das Werk leide unter ^lrbritsmangel. Die Gesamtarbeiterzcchl beträgt gegenwärtig 15 529 Mann.
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt, 25. Nov. Tendenz: Fest. — Die Börse, die sich bereits gestern von den schweren Rück- schläaen erholt zeigte, hatte heute in der Kurs - befferung weitere Fortschritte aufzuweisen. Die Stimmung war zuversichtlich, und das Geschäft ließ einen etwas frischeren Zug erkennen auf die Erwartungen hin, daß die Annahme der Lo- carno-Derträge im Reichstag ohne Schwierigkeiten erfolgen werde. Auf den führenden Märkten betätigte sich die Spekulation erneut in Deckungen, die die Höherbewegung der Kurse wesentlich förderten. Einen guten Eindruck hinterließ die Meldung von der Beilegung der Lohnstreitigkeiten in der chemischen Industrie, wovon die C h e m i e a E t i e n bis 2 Proz. profitieren konnten. Dieses Moment in Verbindung mit besseren Wirtschaftsberichten beeinflußte auch die anderen Märkte günstig. Am Montanmarkte stellten sich die Besserungen von 1 bis 2 Prag. ein. Auch für Elektrowerte war die Stimmung befestigt. Bankaktien lagen ruhig, aber unregelmäßig. Bon Schiffahrtswerten kannten Hapag einen Gewinn von 2 Proz. und Nordd. Lloyd von 14. Proz. erzielen. Auto- a f t i e n hatten kleine Besserungen zu verzeichnen. Zuckeraktien lagen unverändert. Am Gin» heitsmarkt der Jndustriepapiere war die Umsatztätigkeit heute etwas lebhafter. Deutsche Anleihen waren weniger beachtet, dagegen erfuhr am Auslandmarkt die Nachfrage für Türken und eine Steigerung. Diese Werte tendierten weiter nach oben. Der Freiverkehr war ebenfalls erholt. Api 0.35, Beckerkohle schwach 38,5, Benz 24, Brown- Booeri 54 Proz., Ufa 49, Ufra 49,5. Der weitere Verlauf blieb fest und lebhaft, wenn auch die Stimmung durch die starke Baisse des französischen Frankens etwas beeinflußt wurde. Die feste Haltung behielt jedoch die Oberhand. Am E ldmarkt läßt sich infolge des herannahenden Ultimos eine leichte Versteifung erkennen. Tagesgeld war stärker gefucht. Monatsgeld stellte sich etwas höher auf 10 bis 11,50 Proz. je nach Adresse. Jrn Devisenverkehr senkte sich Paris gegen London auf 127,50. Die übrigen Valuten sind unverändert. Die Abschwächung des Pariser Frankens setzt sich weiter fort.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtderichi des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 25. Nov. Die bessere, in der Hauptsache auf Deckungskäufe und Interventionen begründete Stimmung ist rasch wieder von der Börse geschwunden, da heute eine neue starke Beunruhigung durch den rapiden Fortgang des F r a n f e n ft u r = des eintrat. An den wichtigsten europäischen Devisenplätzen kamen heute umfangreiche Frankenbeträge an den Markt, so daß sich Paris gegen London auf 1 29 fcntte. Die Befürchtungen über die Auswirkungen dieser Frankenbaisse aiü den deutschen Außenhandel lösten naturgemäß an den Effektenmärkten eine sehr starke Bestimmung aus.
Man glaubt allerdings, daß sich die Baisse In diesem Umfange nicht sortsetzen wird und durch Interventionen eine Besserung zu erzielen ist. Die hieraus resultierende günstigere Auffassung wurde verstärkt durch die gestrige Hauptversammlung der Mcmnes- mann-Nöhren-Werke, durch den günstigen Abschluß der Laura-Hütte, die Einigung im Grobblech-Verband, die Reise Dr. Schachts nach Amerika und durch die Unterzeichnung des deutsch-holländischen Handelsvertrages, der vor allem auch Krediterleichterungen bringen soll. Infolge dieser widersprechenden Momente Ingen die Aktienmärkte uneinheitlich. Dagegen war für ausländische Renten, namentlich Türken und Ungarn, reges Interesse vorhanden. Der Geldmarkt ist leicht. Tägliches Geld war zu 7,50 bis 9 Proz. angeboten, Monatsgeld war dagegen etwas knapp 10 61s 11,50 Proz. Im Devisenverkehr notierte die Reichsmark in London 20,34, Paris 6,32, Amsterdam 59,22-.
Märkte.
Rindoiehmarkt in Gießen.
h. Gießen, 24. Nov. Der heutige Rindviehmarkt war mit 1031 Stück Großvieh und Kälbern beschickt. Der Handel war ziemlich flotUfo daß kein Ueberstcmd verblieb. Es wurden nachstehende Preise erzielt: Kühe 1. Qualität 450—550 Mk., 2. Qual. 300—400 Mk., Schlachtkühe 120—250 Mk., Kälber 60—70 Pf. das Pfund Lebendgewicht. Extra gute Ware war gesucht und wurde über Notierung bezahlt.
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt, 25. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 24,50—25, Roggen, inländischer 17,50, Sommergerste für Brauzwecke 22—24, Hafer, inländischer 18,50—21,25, Mais (gelb) 20, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 39,75—40,25, Rog gcnmehl 25,75—26,25, Weizenkleie 10,25, Roggen rleie 10,50. Tendenz fest.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 24. Nov. Die Grundtendenz im Berliner Produktenhandel bleibt bei Beginn des amtlichen Verkehrs wiederum schwach. Wiederum zeigten die ersten Kurse wenigstens für Weizen nicht die am Vormittag erwarteten Rückgänge. Am Lokomarkt bleibt die Nachftage für Export zunächst bestehen, doch überwogen heute Der- raufsaufträge aus dem Ausland. Im ZeithaiÄ>el ermäßigten sich die Notierungen für Weizen um ca. 2 Mark, während Roggen bis 5 Mark und teilweise sogar darüber abgeschwächt waren. Weizen Dezember begann mit 248,50, März mit 250 und Mai mit 257,50. Das Mehlgeschäft war ruhiger, da die Forderungen viel zu hoch liegen. Hafer eher vernachlässigt. Gerste gefragt Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märt. 235 bis 238, do. Dez. 248,50 bis 249,50, do. März 256 bis 246,50, do. Mai 257,50 bis 258, Rogge., märf. 152 bis 155, do. Dez. 167 bis -168, do. März 180 bis 182, do Mai 183,50 bis 185, Gerste, märt. 183 bis 214, Futtergerste 152 bis 165, Hafer, märf. 170 bis 180, do. Dez. 179 bis 179,50, do. März 183; für je 100 Kilo: Weizen mehl 29,25 bis 34,50 Roggenmehl 22,25 bis 24,50, Weizenkleie 11,50 bis 11,60, Aoggenkleie 9,60 bis 9,70, Diktoriaerbsen 24 bis 32, kleine Speiseerbsen 23 bis 24, Futteverbsen 18,50 bis 20,50, Peluschken 16,50 bis 18, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 21 bis 24, Lupinen, blau 10,50 bis 11,50, do. gelb 12 bis 12,50, Rapskuchen 15 bis 15,50, Leinkuchen 22 bis 22,50, Trockenschnihel 7,70 bis 7,90, Torfmelasse 9 bis 9,20, Kartoffel- flocken 15,70 bis 16, Soya-Schrot 20,60 bis 21,10.
Amtsgericht Wetzlar.
ß Wetzlar, 21. Nov. Wegen Nötigung und öffentlicher Beleidigung war der Schreiner- meister Heinrich V. ans Ober wetz angeklagt. Die Anklage behauptete, der Angeklagte habe den Landjäger M., als dieser bei ihm eine Kontrolle seiner Papiere als Kraftfahrzeug-' führer vvrnahm, durch Drohung zur Unter« lassung einer Amtshandlung genötigt und ihn beleidigt. Weiter soll der Angeklagte den Beamten bei einer späteren Begegnung ebenfalls offent- lich beleidigt haben. Der Angeklagte bestreitet die Qlötigung und gab die Beleidigung im ersteren Falle zu, während er sie im zweiten Falle bestritt. Die Beweisaufnahme ergab fein klares Bild, zumal der Zeuge, Landjäger M., der zur Zett auf die Landjägerschule in Einbeck kommandiert ist. vom Erscheinen entbunden und kommissarisch vernommen war. Das Gericht sah nur Beleidigung in zwei Fällen als erwiesen an und erkannte auf 40 Mk. Geldstrafe, Hilfsweise acht Tage Gefängnis.
Weil sie über die Polizeistunde in der Wirtschaft von K. in Wißmar verweilt hatten, waren den Hüttenarbeitern Gustav W., Heinrich K., Wilhelm W., Willi F. und Heinrich M., sämtlich aus Wißmar, gerichtliche Strafbefehle über je 20 Mk. Geldstrafe zugestellt worden. Sie erhoben hiergegen Einspruch und erzielten Herabsetzung der Strafen auf je 10 Mk,, hilfsweise 2 Tage Gefängnis.
Ebenda ls Einspruch gege i einen gerichtlichen Strafbefehl hatte der Rettende Wtthelm G. von Gießen erhoben. Diefem Angeklagten waren 6 Wochen Gefängnis zudiktiert worden, weil er als Beauftragter einer Gießener Firma in Wetzlar Gelder einkassiert und einen Teil hiervon — 200 Mk. — für sich verbraucht hatte. Der Angeklagte gab die Tat zu und erklärte, er Habs den angerichteten Schaden wieder gut gemacht. Weiter behauptete er, sehr nervös und schon mehrsach in nervenärztlicher Behandlung gewesen zu sein. Das Gericht billigt dem Angeklagten, der zwar schon einschlägig vorbestraft, aber kriegsbeschädigt ist, mildernde Llmstände zu und verurteilte ihn zu 40 Mk. Geldstrafe, Hilfsweise 10 Tage Gefängnis.
Der Händler Wilhelm W. von Wetzlar, der wegen Vergehens gegen die Preistreibereiverordnung angettagt war, weil er einen alten Sch ank, den er für 15 Mk. gekauft, für 25 Mk. wieder verkauft hatte, wurde freigesprochen, da seine Angabe, er habe 5 Mk. Ankosten gehabt, nicht widerlegt werden konnte.
Der Kaufmann Emil D. von Wetzlar war durch polizeiliche Strafverfügung mit 15 Mk Geldstrafe belegt worden, weil er mit seinem Auto durch starke Rauchentwicklung in den Straßen von Wetzlar die Passanten belästigte. Sein Antrag au Ge ichtt'e.ttsckei u g rat e keinen Erfolg, denn das Gericht beließ es bei der ur-« sprünglich erkannten Strctte.
An der Spitze sieben
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