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Mittwoch. 25. November 1923

Sietzener Anzeiger (Seneral-Anzelger für Gderhessen)

Nr. 27b Drittes Blatt

731

strahlte.

anderer Hilfsmittel der Radiotechnik.

745

und Reizvollem.

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lassen als die bekannten Gemälde.

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Künstler Rembrandt und seine Werke in

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ist sehr Konzentriert,

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Schiff ahoi! Ein Jahrbuch über Natur, Sport und Technik für jung und alt. Band I. Her­ausgegeben von I. Fuhlberg-Horst. 288 Seiten Text mit 400 Abbildungen. Franckhsche Berlagshandlung, Stuttgart. In Ganzleinwand gebunden 6,50 Mk. Ein neues Jugend-Jahrbuch, das alles enthält, was die bisherigen vermissen ließen: Abenteuer, Reisen, Entdeckungen, Natur, Sport, Technik und vor allem spannende Erzählungen mit vielen Bildern, lustige Rätsel, lehrreiche Versuche. Eine Fülle von Neuem

guten geben 709

(All- weit-

wicklung hin. Auch die Auswahl der zum Teil dem Laien gewiß unbekannten Bilder reiche Anregung.

Zahn: Raffael von Urbino gemeine Verlagsanstalt in München). Unter

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Fahnenschwanz und Sandhugel» Hirsch. Zwei Erzählungen von Ernest Thompson Seton. Ins Deutsche übertragen von Dr. A. Banci- schewski und Pannwitz. Mit 12 Vollbildern und zahl- reichen Abbildungen im Text. Franckhscl)e Verlags­handlung, Stuttgart. Preis in .Halbleinen geb. 5,60 Mk. Die neue Geschichte von Ernest Thompson Seton schildert das Schicksal eines Grauhörnchens, eines amerikanischen Vetters unseres Eichhörnchens, das durch menschliche Grausamkeit der Mutter be­raubt wurde und in Gefangenschaft geriet. In die Freiheit gelangt, lebt es das wilde Leben in den Wipfeln, rastlos tätig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, immer auf der Hut, immer wach- sa mvor seinen vielen Feinden besteht es alle Ge­fahren und zieht aus ihnen die weisen Lehren der Wälder. In den Forsten von Carberra zieht der Zandhügelhirsch, der königliche Geweihträger, umher und lockt den jagdgierigen Menschen auf seine Fährte. Aber sein Mut und sein glühender Lebenswille fassen ihn siegen über seinen Feind, den er durch den Adel seiner Art bezwingt und rührt. 690

Radio-Wellen. Von Ernst DJlontu und Rudolf Marzell. Vom Wesen der Hochfrequenztech­nik, vom Bau und Betrieb moderner Amateur-Sen­der lind -Empfänger. Mit vielen Abbildungen, Schaltbildern und Tabellen. Franckhsche Verlags­handlung, Stuttgart. Preis geh. 4 Mk., in Hlw. geb. 6,50 Mk. Hochfrequenz und Radiowellen sind heute allgemein gebrauchte Begriffe, über deren Wesen sich jedermann klar jein müßte. Das Eindringen in die Naturkräfte, auf welchen sich die Radiotechnik Qufbout, ist ein ganz reizvolles Studium, das nicht nur den Fachmann, sondern überhaupt jeden interessieren kann und muß. Dos vorliegende Werk bringt eine eingehende Beschreibung und Erklärung dieser Kräfte, samt einer Würdigung aller wichtigen Empfangs- und Sendegeräte, Meßinstrumente und

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Willy P a st o r hat eigenUich immer Inter­essantes zu sagen, wenn es auch oft ausgefallene Gedanken zu sein scheinen, die er unbekümmert äußert und wenn auch häufig die Form seltsam anmutet, in der er neue Ideen und neue Erkennt­nisse vorbringt. Sein letztes Buch ist Rembrandt der Geuse (bei H. Haessel in Leipzig). Es will schon etwas heißen, wenn es herausfällt aus der riesigen kunstliterarischen Produktion der letzten Jahre und aus der ungeheuren Rembrandtliteratur, die uns diese Zeit im besonderen gebracht hat. Pastor stellt den Künstler in die Kultur feiner Zeit­epoche, er schildert ihn plastisch und lebenswarm als Kind seines Volkes, als Mann eines harten Schicksals -nach einem Leben voll Schönheit und Freud». Und aus dieser Darstellung des Milieus, aus der Schilderung des Menschen Rembrandt wächst heraus fast unbewußt, zwangsläufig der

gehender Nutzbarmachung ter zeitgenössischen Quellen, namentlich auch der Briefe des Meisters läßt Zahn das an Siegen so reiche Leben des gro­ßen Urbinaten vor uns erstehen. Zu dem künst­lerischen Werk Raffaels ist Zahn ein sicherer Füh­rer, der klug und sparsam das Wort zurückhälk, wo die Bilder selber sprechen. Und diese Bilder sind muftergüüige Reproduktionen, vor allem von Zeich­nungen und Skizzen des Meisters, die Blicke in die Werkstatt, die Arbeitsweise Raffaels besser tun

Für den Büchertisch

Für die Jugend.

geschichte und den Anteil der Nationen, um schließ­lich die Entwicklung der künstlerischen Form in einem großen Ueberdlick aufzuzeigen. Schlosser stellt als die gewaltigste Kunstleistung des Mittel­alters das Gesamtkunstwerk des Domes, insbeson­dere des deutschen Domes, heraus. Ueberallhin ver­folgt der Verfasser die kulturellen Verslechtungen zwischen den einzelnen Nationen und weist immer wieder auf literarische, philosophische und musi­kalische Parallelerscheinungen zur künstlerischen Ent-

Helden der Arbeit. Lebensbild großer Männer des deutschen Wirtschaftslebens. Von Syn­dikus Hermann Schöler. 54 Abbildungen auf 42 Ta­feln. Leinenband 12 Mk. Verlag von Quelle 8: Meyer in Leipzig. Die großen Wirlschaftsführer mit ihrer seherischen, das Dunkel durchdringenden Begabung, ihrer Tatkraft und Beharrlichkeit, ihrem kühnen Wagemut, die auch unter dem Druck von Mißerfolgen und härtester Not nicht verzagen, sind echte Helden. Gibt es etwas Fesselnderes wie das Leben von Abbe, Krupp, Hansemann, Siemens, Ballin, Borsig, Schichau, Brunck, Harkort, Krause und der anderen hier geschilderten Männer? Sie haben alle durch unendliche Tiesentäler von Sorgen gemußt, wie sie bei einzelnen nicht schwerer gedacht werden können. Aber auch die schwerste Sorgenlast und aller seeli­sche Druck sind ihnen stets nur wie ein Läuterungs­brunnen gewesen, aus dem ihr Mut sich immer wie­der wie neu gestählt erhoben hat, bis sie Sieger waren und Ruhm und Ehre ihren Namen um-

ben und Vergehen zweier Menschenkinder nach, ihrem heißen Wollen und leidvollen Irren. Ein Dichter, der das Unbewußte zu entschleiern vermag, formt mit sicherer Hand das Ringen junger Seelen und gibt Stellen von unendlicher Schönheit und Zartheit, die die ganze Wärme und Größe seines Denkens ausstrahlen. 550

Der blinde Tod. Roman von Roland Betsch. Verlag Ernst Keils Nachf. (August Scherl) G. m.b. H., Leipzig, Ganzleinen Mk. 5.. Entdccker- ehrgeiz und eine rätselhafte Sehnsucht nach dem Chaos der ewigen Nacht treibt zwei Menschen, auf selbstgebautem Fahrzeug in das Innere der Erde einzudringen. Glücklich überwinden sie die unbekann­ten Gefahren der Elemente, Wassersturz, Felsspallen und Erdgase. Aber den seelischen Anforderungen des ungeheuren Wagnisses sind sie nicht gewachsen. Die lastende Finsternis verwirrt ihre Sinne, narrt sie mit den Phantomen ihrer überreizten Nerven unb hetzt sie durch die Labyrinthe ihres Chaos. Verfolgt von den Visionen des Todes, retten sie sich zurück ins Licht. Im Geschehen dieses phantastischen Aben­teuers spiegelt sich die Tragik der menschlichen Trieb- natur in der dreifachen Symbolik der Erde, der Nacht und des Wahnsinns. 530

Ludwig Wolff, der bekannte und beliebte Romanschriftsteller, dessen Werke seit mehr denn zehn Jahre einen ständig wachsenden Leserkreis sich er­rungen Haden, erscheint seinem Publikum nun auch schon im großen Gewände derGesammelten Werke". In drei stattlichen Bänden hat der Ull­stein-Verlag in Berlin von dem fruchtbaren Schaffen Wolffs das zusammengetragen, was ihm über den Tag hinaus Bedeutung zu behalten schien, vor allem der RomanDer Spieler", dann u.a.Der Sohn des Hannidal" (ein flott geschriebener Sportroman, einer der ersten, sicher der beste dieser Art),Prin­zessin Suwarin" (aus den aufreibenden Jahren der letzten politischen Umwälzungen), schließlichDr. Bessels Verwandlung" u.Garwagan". Fortoelassen sind aus nicht ganz ersichtlichem Grunde die Romane aus den ersten Kriegsjahren, für die Zeitaefchichte nicht uninteressante Dokumente, ferner vermißt man eine kurze biographische Skizze, die man auch Lud­wig Wolfs nicht versagen bunte, wenn man ihn schonsammelt". 505

Werke der Kunst-

Die sechs Bücher ber Sun st" der Akademischen Derlagsgefellschaft Aihenaion in Wild­park-Potsdam sind gedacht als die Kunstgeschichte des gebildeten Deutschen, der, ohne das große Portemonnaie für eine der riesigen Kunstgeschichten, in ganz großen Linien die Entwicklung ber Kunst bis in die Moderne sich vergegenwärtigen will mit Hilfe eines nicht verwirrenden, deshalb stark ge­siebten und geschickt zusammengestellten Bildermate­rials. Kein toter Ballast von Namen, Daten, Anek- boten, kunsthistorijchen Theorien, sondern die große Linie, das wollen diese Bücher geben unb heute, wo soeben mit Julius von SchlossersDie Kun st des M i 11 e l a 11 e rs" das vierte erscheint, darf man wohl schon sagen, daß Verlag und Heraus­gebern diele nicht ganz leichte Aufgabe im ganzen gelungen ist. Wie bei den früheren Bänden, berück­sichtigt auch hier die Gliederung des Stoffes die kulturhistorischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Kunst, erörtert dann die Quellen ber Kunst-

M. M. Taylor: Bei den K a n n bb a l e n von Papua. Auf unbekannten Pfaden im Innern Neugineas. 67 Abbildungen und eine Karte. Brockhaus, Leipzig. Ganzleinen 15 Mk. Das Werk berichtet derartig abenteuerliche Erleb­nisse, daß es uns Kulturmenschen des 20. Jahrhun­derts fast unglaublich erscheint, daß heute noch irgendwo, selbst in fernen Gegenden, solche Ur­zustände herrschen. Ein getötetes ober geraubtes Schwein beschwört eine Blutrachenfehbe über Gene rationen herauf, das Schwein wird höher gewertet als die Frau, denn sie ist im Ueberfluß vorhanden, während jenes bas einzige ist, womit ber Wilde seinen Hunger stillen kann, wenn es ihm nicht ge­lingt,langes Schwein", d. h. Menschenfleisch, zu erbeuten. Erst wenn er gemordet hat, wird ber Papua in die Gemeinschaft der Männer aufgenom­men. Erst nach dem ersten Morde kann er die erste Frau nehmen. Dabei folgt jedem Morde die Blut­rache auf dem Fuß. Ein nicht gerächter Mord ist ein Flecken auf dem Stolz und der Ehre eines jeden Verwandten des Toten, und nur durch neues Blut­vergießen kann er getilgt werden. Solch rauhen Sitten entspricht das Land. Tagsüber sendet eine erbarmungslose Sonne ihre Strahlen fast senkrecht hernieder und macht für den Weißen selbst den kür­zesten Marsch im ebenen Gelände zu furchtbarer Qual. Das Werk bietet auch midjtige Einblicke in die koloniale Tätigkeit Englands und ich mit prächtigen Bildern geschmückt. 603

Deutung, unterstützt von einem reichen, sorgfältig ausgewählten und dargebotenen Bildermaterial. Man gewinnt vielfmbe Anregung und neue Er­kenntnis aus diesem klugen und schönen Buch.

Auch der Jahrgang 1926 derH essen- K u n ft" ist wie seine Vorgänger dem Gedächwis eines vor kurzem von uns gegangenen Malers hessischer Landschaft und noch mehr hessischer Men­schen gewidmet: dem Andenken W. Thiel- m a n n's. Manche noch unbekannte Zeichnung, Re­produktionen uns wohlvcrtrauter Gemälde schmücken das Kalendarium. Warmherzige Worte feinsten Verständnisses für den Künstler und noch mehr für den Menschen widmet der Herausgeber, Professor Dr. Christian Rauch, dem toten Mitarbeiter. Von weiteren Beiträgen seien ber reich illustrierte AufsatzUnsere liebe Frau vom Kloster Altenburg" von Dr. D. Großmann uvd die interessanten Darlegungen A. Kippenbergers überDie TierdarsteUungen in dem Werke Phil. Soldans", dem oberhess. Bildhauer des 16. Jahrhunderts, genannt, Ergänzungen zu feinem früheren Lebensbild Heinz von Lüders, des hessischen Feldhauptmanns aus der

Schöne Literatur.

Des Priesters Wernher drei Lie« der von der Magd. Nach der Fassung der Handschrift der Preußischen Staatsbibliothek me­trisch übersetzt und mit ihren Bildern herausgegeben von Professor Hermann Dege ring. (Einband in Halbpergament von Kurt Siebert. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiseroerlag G. m. b. H., Berlin.) Dieses berühmteMarienleben" des Priesters Wernher ist im Jahre 1173 verfaßt wor­den. Es ist ein hervorragendes Denkmal des mittel­alterlichen Madonnenkultes in Deutschland, der auf ritterlichen Minnedienst entscheidenden Einfluß ge­wonnen hat. Die Handschrift ber Berliner Staats­bibliothek, die dieser Ausgabe zugrunde «gelegen hat, hat besonders ihres reichen Bilderschmucks wegen schon lange die größte Aufmerksamkeit in Gelehr­tenkreisen erregt. TUin ist auch dieses Kunstwerk mittelalterlicher Buchmalerei unter der Aussicht Pro- fefior Degerings hergestellt worden. Der Dolksver- banb ber Bücherfreunde darf diese Ausgabe als eine literarische Tat für sich buchen. Unter seinen dreißig Neuerscheineungen, mit denen er zum Weihnachtsfest seine Mitglieder überrascht, ist dieses Werk trotz des hohen Niveaus der- Gesamtleistung doch von beson­derer Bedeutung. 701

Don Emile Zola pflegt in Deutschland nur ber gewaltige soziologische Familienroman der Rougon-Macquart" und auch dieser nur in eini­gen feiner Spitzen bekannt zu sein. Und doch hat auch seinR o m c", das der Insel-Verlag soeben mit einem biographisch interessanten Nachwort in einem schonen Dünndruckbande herausaibt, heute noch mehr als literarhistorisches Interesse. Mit einer mi­nutiösen Genauigkeit, das wie schon in den Rougon- Macauart so auch hier auf einem dem Dichter frem­den Boden sorgfältiges Quellenstudium verrat, gibt Zola eine interessante, wenn auch nicht historisch objektive Schilderung des Kampfes zwischen dem zweiten unb dritten Rom, dem Rom ber Päpste und Dem neuen Rom des geeinigten Italiens. Der Kampf ist schon entschieden, aber noch hat keine düstere Re­signation sich des Papsttums bemächtigt, es ringt hinter den Kulissen noch um seine politische Stel­lung, um die Seele des Römers.In den Päpsten waren die Eäsaren wieder erwacht", so beutet Zola die Stimmung dieser Jahre,die Erinnerung an das ferne Erbe wirkte: das Blut des Augustus schoß von neuem hervor, floß in ihren Adern und verbrannte ihr Gehirn mit maßlosem Ehrgeiz. Nur Augustus hatte die Herrschaft der Welt verwirklicht, indem er zugleich Kaiser und Pontifex, Herr der Körper unb Seelen war. Don baher stammt ber ewige Traum ber Päpste". In diele Atmosphäre hineingestellt wird ein junger französischer Abbö unb sein Kampf um Wahrheit, um ein verjüngtes, befreienbes Christen­tum, das dieses alte, verstaubte, eingeschlafene Rom vernichten soll. Der grandiose Kampf zwischen Wis­senschaft und Religion ist der Hintergrund dieses in seinen äußeren Formen stark gemäßigten, fast klassi­zistischen Romans. 467

Clara Diebig, Franzosenzeit. Engelhorns Romandibliothek, Stuttgart. Ganzleinen 1,75 Mk. Niemand war wohl berufener als die Dich­terin, ein echtes Kind des Rheinlandes, die aus ber Besetzung herauswachsenden tiefen seelischen Kon­flikte von innen heraus so zu gestalten, baß bie Wahrheit und Naturnähe des Ganzen uns unmittel­bar ans Herz greift. 696

Paul Harms: Unter den Auser­wähl t e n. ßeinenbanb 5,60 Mk. Quelle & Meyer in Leipzig. Der tragische Held dieses fesselnden politischen Romans ist bas liberale Bürgertum, das in den siebziger Jahren dem Reichsgründer Bis­marck diePartei der Reichsaründung" stellte, das sich in ber Folge aber, durch äußeren Druck und innere Zersplitterung, um den politischen Einfluß gebracht sah. Noch einmal, unter dem Reichskanzler Bülow mit seiner Blockpolitik, dämmert dem libe­ralen Bürgertum eine Möglichkeit, sich, seiner wirt­schaftlichen unb kulturellen Bedeutung entsprechend, auch innerpolitisch zur Geltung zu bringen. Wie diese Möglichkeit jäh aufblitzt, wie aber der große Augenblick nur ein kleines Geschlecht vonInter­essenten" findet, das ist Gegenstand dieser aus berh Leben gegriffenen Erzählung, bie ber problema­tischen Gegenwart ben Spiegel ihrer unmittelbaren Vergangenheit vorhält aus der Feder eines Mannes, 'der seit Jahrzehnten mitten im politischen Leben steht. 560

Karl Neurath: Der Klostermüller. VerlagAm Kamin", Varel i. D. Die Erzäh­lung Karl Neuraths, die er feiner Lesergemeinde schenkt, hat ihre eigene Bewegung, ihre eigene Sprache, ihre eigene Heimat. Wunderbar klar spie­gelt sich darin die Atmosphäre am Rhein: Die Ro­mantik des Stroms, der Zauber ber Lanbschaft, die Besonderheit der Menschen. Der dramatische Stoff fesselt sogleich durch die klare Herausstellung der Seelenzustände des Helden. Seine Schuld wächst aus seiner Ccharakteranlage heraus. So realistisch Neurath zu gestalten weiß, Der poetische Gehalt des Grundgedanlens wird nie in den Schatten gestellt. Alles in allem ein Freslogemälde von Kimstterhand geschaffen und von Spannung unb tragischer Stim­mung erhoben. (766) A. B.

Vetterli, Wolf, Roman eines Hundes. (SBerlag Grethlein & Co. in Leipzig. Ganzleinen 8 Mk.) Das Buch führt uns in tierpsychologisch fein erdachter Schilderung den Lebensgang eines Wolfs­hundes vor Augen, eines Tieres mit einer Doppel- ieele, ber ebensosehr an die Menschen gebunden wie in der Wildnis verwurzelt ist. Vetterli hat eine große Begabung, den Leser ganz für bas einzunehmen, was ihm am Herzen liegt. Seine Schilderungen sind von warmer Liebe zum Tier durchströmt und er­heben sich dort, wo Tier mit Tier um das karge Leben kämpft, zu echter Große. 695

Adolf Koe 1 sch: Song in unb Dore. Ganzleinen 6,50 Mk. (Verlag Grethlein & Co. in Leipzig.) Mit der gleichen Innigkeit, mit der Adolf Koelsch sich in das Leben und Weben der Natur einzufühlen weiß, geht er hier dem Wer­

grohen Zeit Philipps des Großmütigen gibt Staats- archivrat Dr. K n e t s ch, unb schließlich schtldcrt Rudolf Hollo an Hand wertvoller Abbildungen die Meister vom Kasseler Philippsepitaph. Das neue Heft der .Hessen-Kunst" wird, dessen sind wir gewiß, seine Stellung als Familienkalender des auf seine alte Kultur stolzen, heimatliebenden Hessenvolies nur festigen. (Verlag N. G. Eiwert, Marburg. Preis 2,50 Mk.)

Nun schon in vierter umgearbeiteter und er­weiterter Auflage liegt Cornelius Gurli11sDie Deutsche Kun st seit 1 800 vor, fast schon ein klassisches Werk deutscher Kunstbetrachtung, das aber auch in seiner neuen Form in neuer Zeit nichts an feiner Frische, nichts an seinem Wert einge- büßt hat. Gurlitt will ja keine Kunstkritik üben, er will auch kein Handbuch geben, bas auf Vollständig feit Anspruch erhebt,bie Wirkung der einzelnen Kunstrichtungen auf ihre Entstehungszeit darzu stellen", hat er sich zur Aufgabe gestellt, nicht tnich vorgefaßten Grundsätzen, sondern als Ausdruck des geistigen Lebens in Deutschland will er die deutsche Kunst, ihre Ziele und Taten verstehen tmb ver stündlich machen. Trotz ber klaren, man kann viel leicht sagen, historischen ©lieberung, der sich Gur litt bei Anlage unb Durchführung seines Werkec befleißigte, ist boch eirt ungeheures Tatsachenmctte rial zusammengetragen, das durch diese strafst Gliederung Leben gewinnt unb mannigfache An regung gibt. Der Verlag Georg Bondi in Berlin hat das Werk mit Illustrationen äußerst splendid aus. gestattet. 1431

Die gewaltige Kosniographie des Berliner Verlages Ernst Wasmuth A. G. ist um zwei neue Bände bereichert. Kurt H t e l s ch e r , der erste Künst Ier ber Kamera, bringt in der Reihe desDrbi-. terra rum" einen stattltchen Band Italien, dem Wilhelm von Bode ein mit Recht zu einem Lob Hymnus gewordenes Geleitwort vorangestellt hat. Denn was hier schon in ber Eigenart ber Auswahl unb der Zusammenstellung als'(Banges erreicht ist, ist ber Nachweis von der unlösbaren Einheit, in bi-? hier auf ber apenninischen Halbinsel Natur und Kunst, Kultur und Landschaft ineinanderMmolzen. So ist es in diesem Bande weniger die aunerorbent liche Vielseitigkeit des Ausgewählten als tiefer Grundgedanke, der in seiner Durchführung dieses Buch uns so besonders wertvoll erscheinen läßt. Dabei soll nicht vergessen werden, daß die Aus­nahmen auch dieses neuen Bandes Zeugnisse eines unendlich feinen künstlerischen Gefühls sind, bas sich mit wunderbarem Tastsinn auf die Eigenart ber Landschaft, auf jede Besonderheit der Sttlform, der Architektur, des historischen Charakters einzustellen weiß unb hieraus eine Stimmung komponiert, die eben jedes Bild zu einem Kunstwerk macht, dessen Betrachtung man reiche Anregung und ^örberun-; neben dem rein ästhetischen Genuß verdankt. Mit dem zweiten Werk greift der Verlag übers Meer, zum ersten Male nach Amerika. Mexiko, das Land ältester indianischer Kultur, bas Land reichster Bodenschätze, üppigster Flora, aber auch das Land blutigster Bürgerkriege und erbittertster Wir! schastskämpfe, zeigt uns Hugo Brehme in mehr als 250 geschickt ausgewählten, technisch und künst­lerisch vollendeten Abbildungen. Dr. Walther Staub gibt eine prägnante, außerordentlich in­struktive Einführung in Land und Kultur Mexikos. Zeigt Hielschers Jtalienband die künstlerische Be­deutung der Sammlung, so erweist dieser Mexiko band vor allem sich als ein ausgezeichneter Führer §u den geographischen Bedingtheiten des Landes im allerweitesten Sinne des Wortes. Man wird dem Verlage wünschen dürfen, daß ihm zu dem weitgesteckten Ziele auch ferner so fähige Künstler und Forscher zur Seile stehen, dann wird hier ein moderner Merian geschaffen, der an Lebensdauer seinem Vorbild nichts nachgeben wird.

D i e Kathedrale, Roman von I. K. Huysmons. (Kurt Wolff-Verlag in München.) Dieses Buch kontttc nur ein Wissender und Sehender schreiben, dem die Enge klösterlichen Daseins, be­kannt ist, der aber auch weiß um die seelische Weite, die nur ein ber Kunst zugewandtes Auge zu verleihen vermag. Das Werk gehört zu den hochqualifizierten Gaben geistigen Schäftens; feine Lektüre bringt Erquickung reinster Art. 603

Politik unb Geschichte.

Admiral Scheer: Vom Segelschiff zum U-Boot. Leinenband 14 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Der Sieger in ber größten Seeschlacht neuerer Zeit, ber in jahrzehntc langer Arbeit an dem Ausbau unserer Flotte an leitender Stelle mitgewirkk hat, erzählt in diesem prächtigen Werke die Geschichte seiner Erlebnisse, die mit seiner Seekadettenzeit beginnen unb seiner Tätigkeit als Ches bes Abmiralstabes ber deutschen Marine im Weltkrieg enben. Auf dem bunten Hinter­gründe des Seemannslebens mit feinem reichen Wechsel zwischen Heimat unb Fremde, brausender Erlebnisfreude unb tobesnahem Gefahrentrotz steht plastisch bie Entwicklung eines Menschen vom leben sehnenben Jüngling zum tatenreichen Manne und genialen Führer unserer Marine. Als einem ber ersten ist es Scheer vergönnt, den deutschen Besitz im Ausland kennenzulernen, und seine Ausbreitung und Befestigung, verbunden mit dem Heranwachsen der Flotte, ist ein Stück seines Lebens. Von feiner Mil- wirkung bei der Entwicklung der deutschen Kriegs­flotte zur starken Kampsflotte handelt der zweite Teil des Buches. Die Schilderung ber Ereignisse im Weltkriege ist besonders wertvoll, da sie viele zum großen Teil unbekannte Einzelheiten bringt, die er­schütternd die durch den Zwiespalt zwischen militä­rischer und politischer Leitung bes Reiches bedingte Tragik des deutschen Schicksals vor Augen führen.

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Kurt von Schlozer, Aus altem hanse­atischem Partiziergeschlecht, feinsinniger Aesthei, Historiker von Rang und last not least einer ber ge­schätztesten Diplomaten aus Bismarcks Schule, hak uns aus einer langen Spanne seiner Wirksamkeit in Petersburg, Mexiko, Washington und vor allem aus