Ausgabe 
25.5.1925
 
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Erdbebenkatastrophe in Japan.

500 Tote. Eine Sturzwelle über das Küstengebiet.

10 000 Menschen auf der Flucht.

London, 23. Ma.. (WTD.)Evening Rews" melden aus Tokio: Heute vormittag gegen 11 Uhr wurden die Städte Osaka. Kobe und Kioto von einem furchtbaren Erdbeben heimgesucht. Zahlreiche große Geschäftshäuser wurden beschädigt. Mele kleinere Gebäude stürz­ten in sich zusammen. Infolge telegraphischer Storungen liegen nur Teilberichte aus den be­troffenen Bezirken vor. Es wird behauptet, daß dies das größte Erdbeben in dieser Gegend seit dreißig Jahren gewesen ist. In den betroffenen Städten herrscht die wildeste Verwirrung. Alle Menschen halten sich aus Furcht, die Gebäude zu betreten und bei einem neuen Erdstoß unter ihren Trümmern begraben zu werden, in den Straßen auf.

Soweit sich bisher übersehen läßt, ist der größte Schaden int Seehafen Tohoka in der Provinz Tango angerichlet worden. Die Stadt selb st ft e fj t in Brand und bildet, wie weitere Berichte besagen, ein einziges Feuer- meer. Die Bevölkerung von etwa 10 000 Men­schen befindet sich in voller Flucht. Ein in Toyoka erwarteter Eisenbahnzug ist aus- geblieben. Es wird angenommen, daß er im Aschiya-Tunnel. der durch die starken Erdstöße einstürztc, begraben wurde. Das Silberbergwerk Zkunv, das größte in ganz Japan, hat durch i>en Einsturz mehrerer Stollen schwere Beschädigungen erlitten. Sechs aus Osaka nach Toyoka abgesandte Militärflug­zeuge berichten den Tod von etwa 80 Personen in den kleinen Städten Kuniyama, Fukunsi und Fukuchi. Dies zeige, daß die Zahl der Opfer groß ist. Ueberall in den heimgesuchten Gegenden herrsche eine furchtbare Panik.

Eine Reutermeldung aus Osaka besagt, daß Tokio und Yokohama von dem Erdbeben nicht berührt worden sind. Bach einer weiteren Mel­dung aus Tokio sind Aerzte und Sani­tätsmannschaften des Roten Kreuzes mit

Rettungsmaterial aller Art so rasch wie möglich nach dem Srdbebengebiet abgesandt worden.

Alle Berichte aus den von dem Erdbeben be­troffenen Bezirken sind stark Der st ümmelt, da die Telegradhenverbindungen unterbrochen sind.

Es soll sich um das größte Erdbeben handeln, das sich in diesem Gebiete während der letzten dreißig Jahre ereignet hat.

Einent späteren Bericht zufolge ist die schlimmste Gefahr in Osaka. Kioto und Kobe vorüber. Die Bevölkerung der zerstörten Orte von rund 10 000 Menschen befindet sich in voller Flucht vor dem Feuer und weiteren Erdstößen. Der Badeort Kinosaki ist vollständig durch Feuer vernichtet worden. Der Schiffs­verkehr an der Westküste sei unterbun­den. Man befürchtet, daß auch eine Sturm­flut gewütet habe. Eisenbahnzüge in vollster Geschwindigkeit feien entgleist. 3n Kinosaki seien mehr als 500 moderne Häuser ein» gestürzt. Rach einer von den Morgenblättern aus Osaka veröffentlichten Rachricht soll das Industriegebiet verschont geblieben sein. Die am stärksten in Mitleidenschaft gezogene Zone befindet sich im Rordwesten der Provinz Tajima längs der Eisenbahnlinie von Sanindo.

Letzte Meldungen aus Tokio besagen, daß bei dem Erdbeben

über 500 Personen den Tod gefunden haben. Davon sollen in Kingszatth 300 und in Toyoka 100 Menschen umgekommen sein. Gleich­zeitig mit dem Erdbeben hat sich eine Sturz­welle über das Küstengebiet ergossen, von der die Städte Minats und Tuhama zerstört worden sind. Das ganze Gebiet wird von einer unge­heuren Panik beherrscht. Die Regierung hat Truppen sowie Kreuzer zur Hilfe­leistung entsandt. Mit dem Ausbruch von Plünderungen wird gerechnet. Der Schaden beträgt schätzungsweise 35 Millionen ÖJcn.

der von vielen Musikkapellen begleitet wurde, endete mit einem Vorbeimarsch vor dem seit gestern abend in Hannover weilenden Reichs­präsidenten, dem begeisterte Kund­gebungen daraebracht wurden. Von der masseichast spalierbildenden Bevölkerung Ürurden namentlich die Abordnungen aus denr besetzten Gebiet begrüßt.

Aus dem Aufwertungsausschutz

Berlin, 23. Mai. (TU.) Der Aufwertungs­ausschuß des Reichstages setzte die Beratung des & 2 des Aufwertungsgesetzes fort. Es wurde be­schlossen, daß als Goldmartbetrag für die Aufwer­tung bei Ansprüchen, die vor dem 1. Januar 1918 erhoben sind, der Nennbetrag gilt. Bei später erworbenen Ansprüchen ist für die Berech­nung der Goldmarkbetrag der Tag des Er­werbes zugrundezulegen. Die Aussprache drehte sich besonders um die Frage, welche Stellung die Aufwertungshypotheken einnehmen sol­len, um die Höhe des Zinsfußes und um die Gold- hypocheken. Von der Regierung wurde die Heran­ziehung des Lebenshaltungsinder zur Berechnung der Aufwertung abgelehnt.

Amerika und die europäischen Schulden.

L o n d o n , 25. April. (T. U.) Wie der Wajhing- . tonet Korrespondent derTimes" berichtet, habe rbie Regierung der Vereinigten Staaten nicht die ^Absicht, ihren Plan in der Frage der europäischen Schuldenregulierung aufzugeben. Alle Schulden, ^gleichgültig, ob sie vor oder nach dem Kriege, für den Krieg und für den Wiederaufbau gemacht worden seien, sind durch ein besonderes Re­gierungsabkommen fest zu stellen. Bo- rah, der diese Frage gestern mit dem Präsidenten Coolidge besprochen hat, soll dem Präsidenten die U n t e r st ü tz u n g des größten Teils des Senats zugesaat haben. Er habe dabei die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die Moste des ameri­kanischen Volkes den in der Schuldenfrage eingefchla- genen Kurs der Regierung billige. Gegenwärtig befindet sich eine Zusammenstellung über die Total­verpflichtungen aller ausländischen Schuldner zur Veröffenllichung in Vorbereitung, woraus die gesam­te' Kapital- und Zinsbeträge heroorgehen. Hiernach haben die Vereinigten Staaten im Auslande ein Kapital mit einer Zinsrate von mehr als 1 Milliarde Dollar. Nichtsdestoweniger exportierten die Vereinigten Staaten monatlich Waren im Werte von mehr als 50 Millionen Dollar. Hieran fei Europa in der Hauptsache beteiligt, aber es könne diesen Waren­austausch nur mit Hilfe amerikanischer Anleihen durchführen. Es fei in Amerika klar, daß, je länger dwse Zustände andauern, desto größer dasRisiko eines wirtschaftlichen Weltchaos in der Zukunft sei.

Hessische Künstlerhilfe.

Kunstausstellung im Kunftsalon Banger, Bad-Nauheim.

Am Sonntagvormittag 11 Uhr fand vor einem geladenen Publikum die Eröffnung der unter dem Protektorat des Hessischen Lan­desamtes für das Bildungswesen stehenden KunstausstellungHessische K ü n st­ier hilf e" im Kunstsalon Banger zu Dad- Rauheim statt. Regierungsrat Henrich be­grüßte die Erschienenen, wobei er auf die gegen­wärtige wirtschaftliche Lage im allgemeinen und die der schaffenden Künstler im besonderen hin­wies. Der Zweck dieser Ausstellung sei jedoch nicht ein rein charitativer; man wolle auch dabei einen Lleberblick geben über das Wesentlichste, was in Hessen gegenwärtig geschaffen werde.

Rach ihm ergriff Schriftsteller Wilhelm Michel-Darmstadt das Wort. Er sprach von der Arbeit des schaffenden Künstlers, die .als Einzelleistung vor dem Tribunal der großen Kunstgeschichte vielleicht unwichtig, doch wertvoll und notwendig sei. um im Spiegel der Gegen­wart das Bild des lebendigen Künstlers schauert c.u lassen. Es sei nicht Zweck und Sinn der Kunst, Gipfelleistungen und nur solche zu schaffen: Abbild solle sre fein der Seele des Tages, das spreche von dem Ringen um das Jcheal, das Kunde gebe von dem Wollen und Streben des künstlerischen Menschen, der sich bemühe, sich und seine Zeit nach vorwärts zu führen. Dieses Suchen nach Klarheit, dieseit Willen zur Deichte, diese Bereitschaft zum Kunstwerk müsse jedermann in

Faszisten-Unruhen in Italien.

Rom, 25. Mai. (T. U.) Die Ermordung ein es Faszisten und die schwere Verwundung von zwei anderen durch Sozialisten in Ferrara und Rovigo hat in faszistischen Streifen eine hoch­gradige Erregung heroorgerufen. In F e r - rara sowie in Padua haben zahlreiche anti - sozialistische Kundgebungen stattgesun­den. Die Faszisten drangen in die Wohnungen von Sozialisten ein, brandschatzten und demolierten. Auch das Eigentum der Popolarianhänger ist in her Hitze des Gefechts vielfach nicht geschont worden. Die Lage scheint nicht unbedenklich zu sein. Die Re­gierung hat zum Schutze der Ordnung st a r k e s M i l i t ä r a n f g e b o t in die bedrohten Städte ent­sandt.

Kleine politische Nachrichten.

Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held stattete am Freitag der hessischen Regie­rung einen Besuch ab.

Der Hessische Bauernverein veran­staltete in Mainz eine Kundgebung des mittelrhei­nischen Weinbaugebiets gegen den deutsch- spanischen Handelsvertrag, Dos Refe­rat hielt Reichstagsabgeordneter K e r p -Köln. In einem Telegramm an den Reichstag wurde die Ab­lehnung des Handelsvertrages im Namen der ge­samten Winzer vom Rhein und seinen Nebenflüssen gefordert.

Arn Samstag fatrd in der deutschen Botschaft beim Vatikan zu Ehren des Kardinalstaatssekretärs Gaspari ein großer Empfang statt. Erschienen waren das Kar- dinalkollegium, darunter die deutschen Kardinäle Schulte und Faulhaber, das diplomatische Korps und die Leiter deutscher Pilgerzüge. Den musikalischen Teil der Feier übernahm der Kölner Domchor unter Leitung seines Dirigenten Rölder.

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Deutscherseits bestand die Bereitschaft, den bis­herigen Sichtvermerkszwang im Ver­kehr mit Holland abzubauen. Die holländische Regierung hat jedoch vorläufig Bedenken gegen die vollständige Abschaffung der Visen geäußert, da ins­besondere das niederländische Arbeitsminifterium von der ungehinderten Zureise Deutscher ein Ueber- handnehmen der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkte befürchte. Der bisherige Visenzwang bleibt daher völlig noch bestehen.

Auf weitere Vorstellung der Rechtsbeistände Ju­lius B a rm a t s hat das Kammergericht die ur­sprünglich auf 200 000 Mark festgesetzte Kaution für die Haftentlassung Julius Barmats auf 45 000 Mark ermäßigt. Dieser Betrag wurde durch die

sich tragen, der sich mit den Dingen der Kunst beschäftigt! anders wäre er verloren, nicht nur für das weite Gebiet der Künste, sondern füc das gesamte geistige Leben überhaupt

Die Ausstellung, in zwei Räumen des Kunstsalons Banger untergebracht, gibt einen interessanten Querschnitt durch das Schassen hessi­scher Künstler. Es ist im Sinne Wilhelm Michels manches wichtige Bild darunter. Vor­an die Arbeiten von Scheid. Er spricht eine erdige Sprache, die sich nährt an den geheimsten Quellen der großen Mütterlichen. Seine Farben sind schwer, dabei klar, ohne Mystik; in ihnen liegt der Geruch der Luft, die über frische Schollen weht. Alle Linien fließen und leben, alles be­wegt sich bei ihm, seien es Pferde, Bäume oder nur die Linie des Horizontes. Posch zeigt eine Agave, sehr ehrlich und klar geschaut, mit Ach­tung vor dem Stofflichen und Liebe zum Hand­werkszeug geschaffen. Luthmer malt ein Blu» menstilleben, Gladiolen von großer Destinguiert- Helt. Interessanter noch als diese sehr feine Ar­beit ist Anna Bornemanns Pflanzengedicht von graziöser Leichte und seltsam zarter Tönig-- keit. H offerberth wird die Farbe Mittel zur Mystifizierung der Ratur; freudige Schwer­mut spricht dann aus ihr. Sein großer Pierrot ist ähnlich gesehen. Mathilde Huber hat ein Blumenstilleben und ein Hafenbild gemalt, das Rüchternheit und klaren Willen zur Form verrät.

Wesentlich scheint auch die Plastik von Antes: Lächelndes Mädchen (Bronze), madonnen­haft fromm geschaut, groß und bedeutsam stblicht

Anwälte hinterlegt. Daraufhin wurde Julius Bar- mat aus der Charite in feine Wohnung e n t = l a f f e n-

Aus aller Welt. Amundsens Nordpolflug. Noch feine authentischer» Nachrichten.

Neuyork, 25. Mai. (T. U.) Die letzten Mel­dungen, nach denen Amundfen den Nordpol bereits überflogen und im Namen des Königs von Nor­wegen in Besitz genommen habe, scheinen von einem Dampfer i m E i s m e e r zu stammen. Tatsache ist, daß bis jetzt nicht das geringste von Amundfen vorlieat, daß man aber in Oslo mit einer Nachricht in der Nacht vom Sonntag zum Montag rechnet. Die gegen 11 Uhr vormittags hier eingetroffenen Nachrichten vom BegleitschiffFarm" lauten über Amundsens Schicksal weniger pessi­mistisch. Das gute Wetter hält an, die Temperatur ist milde. Das lange Ausbleiben Amundsens wird damit erklärt, daß möglicherweise die Entdeckung neuen Landes besondere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig mache. Vielleicht habe auch Amundfen Schwierigkeiten beim Abflug, aber diese werde er sicherlich überwinden. Das Be­gleitschiffNosby segelte aus Erkundungsfahrt er­neut nordwärts.

Amerikanisch: Sachverständige äußern sich pessimistisch über Amundsens Aussichten. Sollte die Maschine flugunfähig werden, so dürfte Amundfen kaum nach Kap Columbia kommen. Der Polarforscher B a r 11 c 11 meint. Amundfen werde wahrscheinlich am Rordpol Treibeis finden, wodurch eine Landung ausge­schlossen sei. Bartlett selbst meint, daß nach seinen Erfahrungen das Landen im Polareis wenig Aussicht auf glückliches Gelingen habe. Die Besatzung der Farm" ließ einen Ver­suchsballon hoch, um die Windverhältnisse zu erkunden. Dabei wurde festgeftellt, daß der Ballon zuerst von Rordost- und in höheren Schichten von Rordwestwind getrieben rourite. Obwohl nur südliche Winde den Rordpolforfchern verhängnisvoll werden können, hegt man an Bord vielfach die Befürchtung, daß am Pol Sturm herrscht, der Amundfen gefährlich geworden sei.

Die amerikanischen Fachkreise nehmen nach wie vor an, Amundsen sei aus unbekannten Gründen gezwungen worden, den Pol ein­fach zu überfliegen. Er habe dann die Arktis überkreuzt und sei auf Alaska not« gelandet. Da das Flugzeug wahrscheinlich bei der Landung defekt geworden sei, sei ein Weiterflug ausgeschlossen. 3m Marinedeparte­ment finden bereits Besprechungen über die Ab­sendung einer Hilfsexpedition statt. Dabei wurde auch die Entsendung eines der beiden Zeppeline besprochen. Das ist jedoch als zwecklos wieder verworfen worden. Der Rord- polforscher Max Millan erbot sich, seine Rord- polexpedition dahin umzuändern, daß sie sich nur auf die Suche Amundsens beschränkt. Das Ma­rinedepartement versprach diesem Vorschlag jede mögliche Llnterstühung. Haakon Hammer, der Freund Amundsens, erbot sich, von Los Angelos aus mit einem Flugzeug abzufliegen. Sein An­gebot wurde jedoch abgelehnt.

Die Kathedrale von Amiens in Gefahr.

Vor dem Eingang der Kathedrale von Amiens ist der Boden, wahrscheinlich infolge star­ker Regengüsse in einem ilmfang von 25 Meter 8 Meter tief e i nge fünfen. Die Behörden haben fofort Maßnahmen ergriffen, um den Ein­sturz zu verhindern. -

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 25. Mai 1925.

Fahnenweihe der Metzener Seibgardisten.

Rach wochenlanger Vorbereitung fand ge­stern die Fahnenweihe der kamerad­schaftlich enVereinigung ehemaliger Leibgar di st en dahier statt. Der Weiheakt, zu dem sich außer dem festgebenden Verein eine größere Anzahl hiesiger und auswärtiger Mili­tärvereine eingefunden hatten, fand um 3 Llhr nachmittags in Anwesenheit des früheren G roH-- Herzogs im Hofe der Reuen Kaserne statt. Die Militärvereine hatten bereits mit ihren Fah­nen Ausstellung genommen, als die Traditions- Kompagnie mit den alten Fahnen des früheren Regiments 115 einmarschierten. Kurz vor 3 Llhr erschien der Großherzog im Auto und begrüßte eine Reihe ihm bekannter Persönlichkeiten, darunter den Rektor der Landes-Llniversität.

.Anter den Klängen des Ludwigs-Fahnen- marfches Landgraf Ludwig VIJI, nahm die Feier ihren Anfang. Es folgte ein Vorspruch von Kamerad Wieser, dem sich die Begrüßungs­ansprache des 1 Vorsitzenden Waas anschlöß. Rach dem ChoralLobe den Herrn" hielt Stu­dienrat Dr. Adolf die Weiherede. Er wies zunächst auf die außerordentliche Bedeutung dieser Feier hin, die von den Mitgliedern des fest-

zur Form erweckt. Habicht hat eine Statuette aus Holz geschnitzt, Staudinger eine Reihe Plaketten geschaffen. Ella Mar g old bringt eine Anzahl Kissen, aus gutem Empfinden für kultiviertes Wohnen entstanden. Dodewich P ol­le n b e r g und Huber haben gute Porzellane ausgestellt.

3n dem Raume für Graphit fallen die Arbeiten von Posch auf:Gärten" sind Blätter, die von Mauern und Bäumen eine eindringlich- erschütternde Sprache reden. H. S e c a r t o n hat eine gute Art, die Dinge zu erlösen. Seine Bäume sind mit liebender Hand in die Ratur gestellt. C. Deppert hat eine starkeBewei­nung" geschnitten dazu einen eindringlich-from­menPropheten". Wii dem Silberstift schuf H o s f e r b e r t h ein SUlleben, das Beachtung ver­dient cs.

Frankfurter Theater.

Schauspielhaus:Der verlorene Sohn". Uraufführung.

Die Theatersaison ist vorgeschritten, im Publilum ist nicht mehr die richtige Stimmung für düstere, aus den Abgründen der Menschheit hervorsteigende Dramatik. Mit einem solchen Werk haben wir es hier zu tun. Der junge holländische Dichter Victor E. van VrieS- l and har sich wohl das grausigste Verbrechen, welches es gibt, zum Vorwurf seines Dramas gemacht: eine M tter ermordet ihren eigenen Sohn, den sie nach dreijähriger Abwesenheit ni-b» v-'i'-brt 3n Rußland spielt die Be­

gebenden Vereins schon lange herbetgofdjttt toten- den sei. Leider ließe die Einigkeit in unserem! deutschen Daterlande noch sehr zu vÄnschen ü&ri& Der Kampf der Parteien. Konfesstrnwn und Stände liege heute drückend auf Dem deutsche Volke. Erfreulicherweise stünde die kameradschafv> liche Vereinigung ehemaliger Seibgaririften fofr chen Kämpfen fern, sie verbände trte Liebe zum Vaterland und zum alten Regiment. Was ffc in treuer Pflichterfüllung während der Dienst­zeit und im Felde durchlebt hätten, trage we­sentlich dazu bei, das kameradschaftliche Band und die Liebe zum Vaterland zu festigen. Der toten Kameraden müsse man am heutigen Tage besonders gedenken, die ihr Leben fürs Vater­land hingegeben hatten. Manchen lieben Ka­meraden sehe man heute nicht mehr, und das alte LiedIch halt' einen Kameraden", trete wieder in Erinnerung. (Hier unterbrach der Red­ner feine Ausführungen, die Musik spielte leise Zch halt' einen Kameraden", während sich die Fahnen senkten und die Anwesenden entblößten Hauptes andächtig zuhorten.) Zur Weihe der Fahne übergehend, betonte der Redner, daß das Band der Kameradschaft durch die neue Fahne gefestigt werden solle. Er forderte die Kameraden auf, in Freud und Leid, in Liebe^-nnd Treue zur Vereinigung und zum Vaterland der Fahne zu folgen.

Rach der Weiherede übernahm der 1. Vor­sitzende die Fahne, übergab sie dem Fahnen­träger, der gelobte, sie in Ehren zu tragen. Die Fahne trägt auf der Vorderseite das alle hessische Wappen, außerdem in den vier Ecken den goldgestickten Ramenszug des früheren 115er Regiments: die Rückseite zeigt einen großen, silbergeslickten Gardeftem, ebenfalls mit dem Ramenszug.

Sehr eindrucksvoll war die hierauf folgende Ragelung der Fahne. Der Groß- Herzog begann diesen feierlichen Akt als Chef des ehemaligen Regiments Rr. 115 mit den Worten:Glaube an den Aufstieg Deines Vaterlandes. Liebe dem hessischen Vaterlande, hoffe auf das Recht der Zukunft." Ihm folgte Generalmajor Freiherr von Preuschen, eße^ maliger Kommandeur des Regiments, mit den Worten:Den Toten zur Ehr. den Lebenden zur Lehr, den Kommenden zur Wehr." Den Schluß bildete der erste Vorsitzende Waas mit der Widmung: Jjfn Sturm und Wetter ist Gott unser Retter. Mil dem nun folgenden Rieder­ländischen Dankgebet war der Weiheakt beendet«

Es folgte der Vorbeimarsch der Tradilions- kompagnie mit den alten Regimenlsfahnen, sowie der Militärvereine, die mit klingendem Spiel zur Liebigshöhe marschierten, wo die Rachfeier, ftattfanb. Diese war so stark besucht, daß der große Saal der Liebigshöhe kaum ausreichte. Der musikalische Teil wurde von der Kapelle des Reichswehr-Jnfanterie-Regiments Rr. 15 und der Feuerwehr-Kapelle in Friedberg bestritten, deren Darbietungen schnell eine echt patiolifche Stimmung aufkommen ließen, die noch erhöht wurde bei dem Einzug der Fahnen der ein­zelnen Militärvererne. Die Festrede hielt der zweite Vorsitzende der Vereinigung, Prof. Dr Eger. 3n feiner Ansprache erinnerte er zu­nächst an die schönen Erlebnisse während der militärischen Dienstzeit in Darmstadt und be­tonte das gute Einvernehmen zwischen Gar­nison und Bürgerschaft. Groß sei die Begeiste­rung jedesmal gewesen, wenn das Regiment nach einer Hebung vom Griesheimer Exerzierplatz durch die Straßen Darmstadts marschierte, das für die ehemaligen 115er ein Stück Heimat ge­worden sei. Er gedachte auch der Erlebnisse während der Manöverzeit, nach dessen Deendi- gung viele Kameraden das Lied anftimmen tonn­ten:Wer treu gedient hat seine Zeit". Der Redner kam dann weiter auf die großen Helden­taten des ehemaligen 115er Regiments im Welt­kriege zu sprechen, die trotz des ungünstigen Ausgangs in der deutschen Geschichte unauslösch­lich stehen. Diese Heldentaten sollten ein leuch­tendes Vorbild für kommende Generationen fein. An die begeisternden Ausführungen schloß sich der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes. Der übrige Teil des Programms enthielt außer weiteren musikalischen Darbietungen Deklamatio­nen von Fräulein Germann und Mitglied L ö b e r, einen Gesangsdortvag von Mitglied S ch u ch a r d t, sowie einige lebende Bilder, von denenFridericus Rex" mit großer Begeisterung ausgenommen wurde. Eine Reihe der eingelade- nen Vereine, sowie die Damen des Vereins stifteten dem festgebeitden Verein Fahnennägel bzw. Fahnenschleifen. Der Großherzog, der in­zwischen Gießen verlassen hatte, ließ als Chef des ehemaligen 115er Regiments durch den frü­heren Kommandeur Generalmajor Freiherr von Preuschen sein Bild überreichen. Zwei Mit­glieder des Vereins, Veteranen von 1866 bzw. 1870/71 (Emmich und Margolf) wurden von der Vereinigung durch Ehrenurkunden ausge­zeichnet.

Wettervoraussage.

Wolkig bei zeitweisem Qtufftören, mäßig warm, strichweise Regenfälle.

gebenheit nach Kriege, schon herrscht Chaos ringsum, da kehrt plötzlich der schon totgesagte Sohn armer, infolge des Krieges zu Dieben herabgesunkener Dauern zurück. Sie sehen fein Geld, dieses viele Geld macht die Verhungerten toll, sie fassen den Plan, den Fremden zu morden. Die Frau ist die Bestie, die den Mann mit dem Gedanken anspringt, sie heult und bettelt, daß er es tue. Der Vater geht in die Schenke, sich Mut anzutrinken, dort erfährt er, daß sein verlorener Sohn zurückgekehrt, aber schon stürzt die Frau in den Raum, es hat ihr zu lange gedauert, sie hat die Tat vollbracht. Der Mann wird wahnsinnig, sie selber findet den Tod durch die Kugeln meuternder Soldaten.

Van Vriesland ist sicher ein Dichter, der . dramatische Steigerungen zu bringen versteht, manche Szene wetterleuchtet von packender 3n= tenfibität. trotzdem ist vieles in der rein äußer­lichen Anlage stecken geblieben und läßt die Tiefe der Schilderung vermissen. Oft wird der Eindruck von grauenhafter Lebendigkeit von dem bewußter Theatralik übertönt. Leider hatte der Regisseur Fritz Peter Buch diesmal nicht die richtige Einstellung zum Dichter, er dehnte die Szenen zur Linerträglichkeit aus, statt diesen düsteren Stoff zu dramatischer Wucht zusammen- zuballen. Dieser Regiefehler war leider durch die ganze Darstellung zu spüren. Das Werk scheint fast wie dichterische Llnmöglichkeit und doch hat sich erst kürzlich das gleiche Drama in Rumänien abgespielt. Trotzdem das Publikum nicht mehr die richtige Stimmung aufbrachte (draußen lacht der Frühling), konnte sich der Dichter am Schlüsse zeigen, L. W.