Ausgabe 
25.5.1925
 
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175. Jahrgang

Montag, 25. Mai »925

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drud nnö Verlag: vrühl'jche Univerfitälr-Vuäft und Steinönidcrei R. Lange in Siehen. 5chriftleitung und Geschäftrftelle: ächulftrahe 7.

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Regierung und Presse.

(Sine Kanzlerrede vor dem Reichsverband der deutsche» Presse.

Berlin. 21. Mai. Aus Anlaß der Tagung des Reichsoerbandes der deutschen P r e s s c halte der Bezirksoerband Berlin zu einem Begrüßungsabend in der Wandelhalle des Reichs- tages eingeladen, dein ein offizieller Empfang im Plenarsitzungssaale des Reichstages ooraufging. Zu diesem Festakt waren mit dem Reichskanzler Tr. Luther die Reichvminifter v. 3 d) l i e b e n , Dr. (Beiler, Dr. Krahne und Schiele er- schienen, ferner der preußische Ministerpräsident Braun, Vertreter von Kunst und Wissenschaft, die Rektoren der hiesigen Universitäten und Hochschulen, der Oberbürgermeister von Berlin, die Abgesandten großer Verbände, wirtschaftlicher und anderer Kor- porationen. Als Vertreter des verhinderten Reichs« tagopräsidenten Loebe war Reichstagsabgeordneter Dr. Kahl anwesend. Der Vorsitzende des Reichs- verbandes der deutschen Presse, Chefredakteur Boeder, hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Mit besonderer Wärme gedachte er des Vertreters der deutichösterreichischen Kollegen unb des Abgesandten des neugegründeten Bezirksoerbandes in Danzig Er wies darauf hin, daß die Deffenb sichtest der Lebensatem für die Arbeit der Presle sei. Daher habe die Presse auch den Wunsch, die Vertreter der breitesten Oesfentlichkeit bei sich zu sehen.

ReichStagöaög. Pros. Dr. Kahl

sprach sodann im Flamen des Reichstagspräfi- benten und des Reichstags: Troß der Besonder- beit bei Aulgaben von Reichstag und Presse gibt es für beide ein gemeinsames Ziel: dem ge­meinen Wohl zu dienen, Waffenbruder zu fein im Dienste der Wahrheit. Dazu gehört D e r ft ä n ö- n i s und gegenseitiges Vertrauen. Dieses Verhältnis ist immer ein reines Liebes­verhältnis gewesen. Zu der Achtung vor dem "Parlament gehört nicht, daß die Presse jede Reichs tags rede getreulich wiedergibt. Es ist zwei­fellos manchmal sogar nützlich, wenn manche Re­den in den nur von Wenigen gelesenen Sitzungs- berichten ein stilles Begräbnis finden. (Weiterleit ) Die öffentlichen Sitzungen desReichs- tags geben nicht immer ein zuverlässiges Bild t'on der geleisteten Arbeit: aber wenn schließlich die Gesamtleistungen des Reichstags den berechtigten Erwartungen nicht zu entsprechen scheinen, so wolle die Presse gerecht ermessen, daß es die rechts widrigen und schitaiwsen Me­thoden der Weltvolitik find, die uns fo häufig nicht zu ruhiger Arbeit kommen lassen und uns so vielfach abziehen von den für notwendig erkannten Reformen auf dem Gebiete unseres innerpolitifchen Lebens. Wir alle sind von der hoben Bedeutung der Presse als einer Kulturmacht ersten Ranges auf das innerlichste durchdrungen. Die Presse hat eine unge­heuere Verantwortung zu tragen. In dieser Verantwortung liegt das uns beide Ver­bindende. Der Reichstag hat der Presse auch eine Gegengabe zu bieten: wir wollen ihre Frei­heit schützen ohne die geistige Arbrit nicht gedeihen kann. Die Geschichte des Reichsverban- des der deutschen Presse gibt uns die Bürgschaft, daß über die Pflege bei materiellen Interessen die Pflege der 3bcal: nicht zu kurz kommen wird. Der Reichstag versichert Sie seiner Achtung. Ich entbiete dem Reichsverband der 2>culieben Presse einen von Herzen kommenden deutschen Grrrß.

Reichskanzler Dr. Luther

nahm denn das Wort zu felg nden Aas ührungen: Es ist immer eine etwas schwere Aufgabe, richtig: Beziehungen zwischen der Regierung und o:r Presse herzustellen. Die Bedeutung der Presse wächst von Tag zu 5 ig Auch die Preise ist ein­gespannt in den rief.qm Entwicklungsstrom der Technii. Die Entwicklung der Technik stellt eine fast ununterbrochene Umwälzung un­seres sozialen Lebens bar. 3eben Tag fast muß die Menschheit versuchen, sich in etwas Reues einzuleben. Der Weg des geistigen Ver­ständnisses muh dem Menschen immer wieder geebnet werden durch die Presse. Ebenso stark wie die Technik wirkt auf uns das Aufge- to ü b 11 f c i n in kulturellen Fragen ein. 3d) persönlich bin überzeugt, daß trotz alles Fortschreitens der Technik das Kulturelle im Menschen wieder auf das stärkste im An­wachsen ist. Da sehen Sie jetzt das Bestreben, unserDoftstum durch Darstellung derVer- gangenheit überall wieder im Menschen lebendig zu machen und uns bad Deutsche nahe» zubringen wo es sich bei nb:t. Hier hat bic Presse ebenfalls eine erhobene Ausgabe zu leisten. Hinzu tomml. daß die Unruhe der Zeit die Menschen lieftad> davon abhält, Bücher zu lesen. Hier hilft nur die Presse, indem sie in leichterer Form die Kultur immer wieder vor Augen führt. Mit Kul­tur und Technil allein körnten wir aber das Höchste nicht erreichen, denn

gerade in bet Lage, in der sich unser deutsches Volk befindet, bem durch die poli­tische Entwicklung in künstlerischer Weise die sreie Enlialtungsmöglichkert genommen ist, müssen wir als Grundlage vor allen Dingen die Stärkung unseres eigenen politischen Volksbewußtseins geben. Don dem Bewußt­sein, daß toir in erster Linie doch das deutsche Doll sind, uns in immer stärkerem Maße zu durchdringen, das ist die grundlegendste und wicht g'te Aufgabe der Presse.

Die Veränderungen der Technik rütteln sehr nachdrücklich an der Pforte der Preffe. Die Arbeit der Presse muh sich eben atzch anpafsen an all b i e neuen Formen der Rach- richten Übermittlung, aber die Verände-

Stresemann zur politischen Lage.

gentralvorstandssitzung der Deutschen Dolkspartei.

Berlin, 24. Mai. (WTB > 3n der heu­tigen Sitzung des Zentralvorstandes der Deutschen Dolkspartei ergriff der Minister des Äeuhern Dr. S t r c f e ni a n n das Wort.Manche Parteifreunde,' so führte er u. a. aus.erheben die Frage: Wohin geht der Weg? Die letzte Tagung dir Liberalen Vereinigung hat, wie eS scheint, hier und da zu allerlei Kombinationen geführt. Oluf der anderen Seite finb Mitteilungen über Bestre­bungen gemacht worden, die darauf hinauslaufen, die für die Reichspräsidentenwahl ge­schaffene Organisation als eine neue Partei- bilbung der deutschen Rechten ge­wissermaßen in die deutsche Positik überzusühren. Demgegenüber stelle ich an die Spitze meiner Ausführungen: Es gibt für uns nur den Weg, den die deutsche Volkspartei bisher gegan­gen ist.

ES gibt für unS weder eine Anlehnung an eine Linksgruppierung, noch eine Reichsblock-

Politik.

Die Politik, die die Reichstagsfraktion der Deut­schen Dollspartei seit ihrer Resolution vom 15. Januar 1923 verfolgt, bedeutet nicht die grund­sätzliche Ausschließung der Sozialdemokratie. Sie ist lediglich davon ausgegangen, daß für das Reich die Zusammenfassung der bür­gerlichen Kräfte bad Gegebene sei. Dieses Ziel hat die Reichstagsfraktion unter mannig­fachen Schwierigkeiten verfolgt. Wenn wir heute auf eine kurze Zeit des Zusammenarbeitens mit der Deutschnationalen Volkspartei zurücksehen, dann ist festzustellen, daß diese Arbeit im Kabinett sich bisher reibungslos voll­zogen hat. Durch die Beteiligung der Deutsch­nationalen an der Regierung sind die inneren Verhältnisse konsolidiert worden. Die Wahl Hindenburgs hat sich nach derselben Rich­tung ausgewirlt. 3ch begrüße diese Konsolidie­rung der verfassungsmäßigen Grundlage unseres Staatslebens. Wir dürfen und wollen keine Der- faffungskämpfe über die Staatsform führen.

Für unS handelt es sich um unsere Behaup­tung nach außen, dem hat sich alles andere unterzusrdneir.

Dr. ütrefemann wies bann daraus hin, daß die Entwicklung weiter gehe und bah cs sich jetzt nach der wirtschaftlichen Lösung des Reparationsproblems um die Regelung der poli-tischen Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen Mäch­ten handele. Zur Frage der Präsi­dentenwahl erklärte er: Wenn das Aus­land zunächst innen- und auhenpolitisch Störun­gen erwartet hat. fo ist diejenige Presse in Deutschland dafür verantwortlich, die i m Ausland den Eindruck erweckt hat, als wenn ei ne solche Gefahr bevor st ände. (Lebhafter Beifall.) 3nzwischen hat sich auch das Ausland davon überzeugt, daß Hindenburg nichts anderes will als eine Politik des Friedens auf der Grundlage der Selbstachtung nach innen und der Gleichberechtigung nach außen. Findet sich das deutsche Volk unter der Führung feiner höchstes Vertrauen ausstrahlenden Persönlichkeit in diesem Grundgedanken zusammen, so l egt darin die stärkste Tlnlerstützung der deutschen Politik nach außen und innen.

3n bezug auf die Wirtschaftspolitik führte ©trefemann aus. daß es sich hier darum handle, das Primat der Politik vor dem De- russinteresse durchzusehen und

bell richtigen Ausgleich zwischen dem wirt­schaftlichen Einzelinteresse unb bem Gesamt-

Interesse beS Staates

zu erreichen Wie schwer das fei. zeige die Ent­stellung vieler Kreise gegenüber dem fccutl^ spanischen Handelsvertrag Die Re­gierung sei durchaus bereit, den brutschen Win­zern zu helfen. Der Weg zu dieser Hilfe, auch auf zollpolitischem Gebiet, gehe aber über die Annahme des Vertrages. Wer also auf die­sem Gebiete etwas erreichen wolle, der müsse durch Annahme des Handelsvertrages die Mög­lichkeit schassen, bah Die Regierung eine Grund­lage sür neue Derhanblungen erreiche.

Wir können nur den Weg weitergehen, den wir einmal als den Weg der nationalen Realpolitik im Gegensatz zur Illusions- polisik bezeichnet haben. 3ch habe die Empfin­dung. daß die innerliche Zustimmung zu dieser Politik weit über unsere Partei nach rechts hinaus Wurzel geschlagen hat. Wir dürfen aber über der praktischen Gegenwartsarbeit den Z u- sammenhang mit unserer liberalen Staats- und Kulturauffassung nie­mals vergessen. Unsere ganze politische ileber- liefcnmg führt uns zu diesem Gedanken. Cs ist ganz falsch, von der Gründung der Deut­schen Volkspartei zu sprechen. Die Deutsche Dolkspartei ist nicht gegründet worden, sondern die Qtationalliberale Partei hat be­schlossen, unter dem Rainen der Deutschen Volks­partei weiter zu bestehen. Die nationalen unb bie liberalen 3deen, bic in der Deutschen Dolkspartei wirksam sind, überragen alle Tages­fragen. die und beschäftigen können. Wir müssen sie als ein Panier fest halt en. das wir der Partei vorauStragen, namentlich, um die 3 u g e n b für unsere 3bealc zu gewinnen. Der Wiederaufbau Deutschlands wird vom Geistigen unb nicht vorn Materiellen aus gehen. Wenn wir Fühlung halten mit bem kommenden Geschlecht, bann wer­den wir erst die Stärke erhalten, um mit bem notwendigen Einfluß unb aller Kraft unserem Daterlande bienen zu können .dem unser ganzes Sehnen und Hoffen gilt. Die Versammelten brachten Stresemann nach seiner Rede eine stür­mische Ovation bar, die sich immer wieder er­neuerte.

Dir Zenträlvorstand nahm einmütig eine Entschließung

an, in der er es als eine Ausgabe der Partei bezeichnet, Hüterin der liberalen Tradition der alten Rationalliberalen Partei zu fein. Dazu sei sie um so mehr berufen, als die Ueberfbannung der formalen Demokratie unb ber Massenherr- schaftsbestrebungen ein Gegengewicht erforderten. Riemais werde die Deutsche Dolkspartei den nationalen Ideen, die einst Bennigsen unb niemals bie sozialen Ideen, die Bassermann im Liberalismus zur Geltung brachte, untreu werden. Wir begrüßen es, heißt es weiter, wenn bie Gedanken des Liberalismus wieder einer vertieften wisse. fchaftiichen Erörterung zugesührt werden, lehnen aber eine Beteiligung an Ber­einigungen, die eine eigene Parteibildung an­streben oder vermöge ihrer organisatorischen Ein­richtungen zu einer solchen führen müssen, ent­schieden ab.

An den Reichspräsidenten sandte der Zentralvorstand folgenden Gruß: Zum erstenmal nach den Reichspräsidentenwahlen hat sich ber Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei versammelt. Er sendet Ihnen, Herr Reichspräsi­dent, seinen ehrerbietigen Gruß und verspricht, mit allen Kräften mitzuarbeiten an der großen Aufgabe der Einigung unseres Volkes zum ge­meinsamen W cberaufftieg.

rungen in technischer und kultureller Beziehung werden in bic Presse noch in anderer Form hineingetragen. Die deutsche Presse ist W e 11 - anschauungspresse und sie ist stolz Darauf. Das - Belebende wirb immer sein das Ausein- anberangetoie'enfein von Regierung unb Presse. So leben von jeher und werden in alle Zukunft leben Regierung und Presse in einer Ehe mit­einander. in Der es kein Ehescheidungsrecht gibt. (Heiterkeit.) Diele Ehe ist im großen und ganzen glücklich, wenn es auch Zwischenfälle gibt, weil beide einer gemeinschaftlichen Zukunft dienen und im gleichen' Hauke wohnen, das sie über alles lieben. Dieses Haus heißt Deutschland! (Lange anhaftender stürmischer Bestall.)

Arn Sonntagmiftag hatten der M a g i st r a t und dieStadtverordnetenoersammlung von Berlin den Hauptvorstand und die Dele­gierten des Reichsverbandcs her deutschen Presse zu einem Frühstück im Festsaal des Rathauses geladen. Unter den zahlreichen Gästen und Gast­gebern sah man den Rcichsinncnminister Schiele, den Stadioerordnetcnoorsteher Haß. Bürgermeister ccholz und Journalisten aus allen Teilen des Reiches, aus Danzig und aus Oesterreich. Dberbürgeennciftcr Doeß begrüßte die Festveriammlung mit einer länge­ren Ansprache.

Die oidenburgischen Landtagsrvahlen.

Oldenburg, 24. Mai. (WTB.) Bei den heutigen olbcnburgischcn Landtagswahlen wurden in Den Landesteilen Oldenburg, Lübeck und Bir­kenfeld folgende Stimmen abgegeben: Landesteil Oldenburg: Zentrum 39 849. Landesblock 48 538. Kommunisten 2775, Sozialdemokraten 29 973. Demokraten 20 541, Deutschvölkische 4503: Landes- tcil Lübeck: Zentrum 315, Landesblock 6801, Kom­

munisten 483. Sozialdemokraten 6600, Demokraten 2019; LandeSteil Birkenfeld: Zentrum 2540, Lan­desblock 5578, Kommunisten 375 Sozialdemokraten 2571, Demokraten 1267

Demnach wird sich der neue olben- burgische Landtag wie folgt zusammen­sehen: Zentrum 10 (bisher 10), Landesblock 14 (14). fein Kommunist (2) 9 Sozialdemokraten (12), 5 Demokraten (9), 1 Völkischer (1). Gewählt wur­den 39 Abgeordnete gegen bisher 43. 15 Rechts- parteiler stehen 24 Abgeordneten ber bisherigen Koalitivnspa rieten gegenüber.

Französische Rückzugs- betoegungen in Marokko.

Paris, 25. Mai. (I. U.) Amtlich. In dem west­lichen Abschnitt ist die allgemeine Lage unverändert. Abd el Krim hat die Aushebung von 30004000 Mann bei den Djebalastämmen angeordnet. In dem Abschnitt von Bibane hat heftiges Gewehrfeuer statt­gefunden. Im Zentrum sind die Angriffe des Gegners in der Gegend von Ain-Matouf von den eingeborenen französischen Truppen zu rück - geschlagen worden. Die Rebellen des Senadja- ftammes wurden um 500 reguläre Rifsoldaten oer­st ä r k t. Die Kolonne des Obersten Freydenberg mußte bei Meziat heftige Angriffe der Gegner auf ihren sinken Flügel und auf ihre Nachhut abwehren. Dennoch sind die Rückzugsbewegungen dank der vereinigten Aktwn der Kavallerie, Flugzeuge und Artillerie gelungen. Die Flugzeuge haben Erkun- dungsflüge ausgeführt unb 700 Bomben abge­worfen. In dem östlichen Abschnitt ist der Druck des Gegners sehr stark geworden.

Frankreich und Sentfchland.

Der 2!nfteiimiuistcr zur deutsch-französischen vertrauens- krisis.

Paris, 24 Mai < WTB. Rerchsauß«- minifter Dr. Stresemann hat >.d) telegra­phisch bemMatin' gegenüber auf Wunsch non besten Auheirpolitiker Sauerwein über bie Lagein Deutschland nach der Reichs- präsidentenwahl geäußert. Die Orftärun- gen des Reichspräsidenten Hindenburg, die der Eidesleistung folgten. di< ? at

Dr. Simons richtete, sowie der Hinweis auf den Präsidenten Ebert hätten, so erklärt Stresemann, ein Echo gefunden bis sehr weit in die linksstehenden Kreise hinein. Bei ver­schiedenen im Auslande besonders bekannten demokratischen Blättern habe sich nach der Präsidentenwahl ein sehr klarer M e i n u n g Ä Umschwung vollzogen. Reichspräsident non Hindenburg habe seinen Willen zu einer snied­lichen Entwicklung unterstrichen.

Wenn man wolle, daß das deutsche Voll in seiner überwiegenden Mehrheit diese Po­litik zu der feinigen mache, dann miistteu die, deren Politik gegenüber Deutschland in enl» scheidender Weise das Schicklai Deutschlands beeinflussen, danach handeln.

Die öfs^ftliche Meinung in Frankreich, bic sich lebhaft für deutsche Angelegenheiten intercfiicrc. habe sich oft auf den Standpunkt gestellt, daß nur ein neues Deutschland ihr Vertrauen er- diene. Infolgedessen habe sie oft von er m o ralischen Entwaffnung als e cm wünschenswerten Ziel gesprochen. Er, ötrcc-nann, wolle nicht erforschen, in welchem Maße man bem neuen Deutschland dienen könne. Aber er möchte doch bemerken, daß die gegenüber Deutsch­land befolgte Politik weit davon entfernt gewesen sei, das neue Deutschland zu unter­stützen. Ganz im Gegenteil, in den ersten Jahren seines Bestehens habe dieses neue Deutschland außenpolitisch nur schroffe Abweisungen erlebt. Jedesmal, wenn die Führer ber poli­tischen Parteien den Versuch machten, durch bic öffentliche Meinung in Deutschland eine Politik der Abkommen und der friedlichen Entwicklung annehmen zu lassen, hätten sich politische Reaktionen eingestellt. Ein Beispiel hierfür sei Der 10. Januar. Die extremistische Bewegung fei i.k Deutschland ganz (jutüdgegangen Iht Dawesgesehe seien von einer Mehrheit an genom­men worden, die man vor Beginn ber Debatte hierüber für möglich gehalten hätte.

Eine weitgehende Entspannung würde sich eingestellt Haden, wenn am 10. Januar die Kölner Zone geräumt worden wäre und Frankreich Gelegenheit genommen hätte ha» Ruhrgebiet früher zu räumen, waS für Frankreich keine große politische Bedeutung gehabt hätte, da ja die Besetzung auf alle

Fälle am 15. August beendet sei.

In allen deutschen Kreisen würde man hierin den Beweis gefunden haben, daß die denlsche Politck der Abkommen ausgezeichnet sei. Stolt dessen wartet Deutschland seit Monaten, daß man ihm sage, warum die Kölner Zone nicht geräumt worden fei und warum man im H n - gewissen bleibe hinsichtlich b efer Frage, die von so entscheidender Bedeutung fei Deutsch­land stelle außerdem fest, daß andere Vor­schläge. die es gemacht habe, und die ein großes moralisches Opfer für das deutsche Doll bedeuten, in Frankreich nicht das Echo gefunden hätten, das man hätte erwarten formen. Wenn man von WährungS- fragen spreche, spreche man oft von Ver­trauenskrisen, die eine Währung ins Wan­ken bringen können. Wenn man nicht wolle, so schließt Stresemann seine Erklärung, oaß die Be­ziehungen der europäischen Länder untereinander derartigen Erschütterungen ausgesetzt würden, müsse man die Vertrauenskrise, die zwischen Deutschland und Frankreich besteht, überwin­den. die so ost die beiden Länder verhch.oert hätte, die Fragen zu regeln, die sie enger berühr­ten als alles andere.

Der Reichspräsident auf dem Hannoverschen Rennen.

Hannover, 25. Mai. (TU.) Die gestrigen Pferderennen auf der Großen Bult gewannen ihre besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten v. Hindenburg, der gegen 5 Uhr nachmittags in Uniform cintraf. Eine riesige Menschenmenge jubelte Hindenburg zu. Er wohnte den beiden Hauptrennen des Tages stehend in der blumengeschmückten Loge bei. Rach dem zweiten Rennen überreichte der Reichspräsident den Siegern mit kurzen Worten die (5 h r e n p reife und jedem einzelnen Reiter fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Gegen j7 Uhr verließ der Reichspräsident die Rennbahn wiederum von brausenden Hurrarufen umjubelt. Die Menge stimmte bei der Abfahrt begeistert das Deutschland­lied an.

Deutscher Iägcrtag.

Hannover, 23 Mai. (WB.) Heule vor­mittag wurde der Deutsche 3ägcrtag in Hannover mit einem Dunbesschießen eröffnet, zu dem zahlreiche Schützen aus allen Teilen des Gleiches hier eingetroffen finb. Der Ehrenpräsident. General der Infanterie v. Plettenberg, hielt die Ansprache unb eröffnete daS Schießen 3n den Abendstunden bewegte sich ein Fest ; ug. aus Abordnungen von Spitzmvereinen der frühe­ren Jägerregimenter aus allen Teilen des Reiches durch bie Straßen ber Stadt Der Fest­zug, besten Spitze historisch? Gruppen bildeten und