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Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

(j* Lollar. 23. März. Am Sonntag hielt die im Jahre 1919 gegründete Spar- und Dar­lehenskasse G. m. b. H. Lollar ihre dies­jährige Generalversammlung ab. Aus Dem Geschäftsbericht war zu ersehen, daß die Hoff­nungen, welche die vorjährige Generalversammlung für die stabilen GeldverhäÜnisse hegte, weit über» troffen wurden. Der kleine Stand Der Mitglieder bei der Gründung, 46 an der Zahl, hat sich trotz der schlechten Verhältnisse während der Inflations­zeit stark vermehrt; heute kann mit Stolz auf eine Mitgliederzahl von 126 blicken. Durch den Bei­tritt zur Landesgenossenschaftsbank, auch an den Rentenmark-Krediten beteiligt, konnte den Ansvrü- chen der Mitglieder im großen und ganzen Rech­nung getragen werden. Wenn bei anderen Kassen schwere Bedingungen und viele Schwierigkeiten für die Darlehen bestehen, so kann man sagen, daß bei Der hiesigen Kasse derartiges nicht in diesem Maße zu beobachten ist. So war denn auch der Geldver­kehr ein sehr reger; es erreichten die gewährten Kredite im abgelaufenen Geschäftsjahr die Höhe von 36 000 Gm. Da die Rentenmark-Kredite auf Wech­sel gingen, konnten die Darlehen auch nur kurz­fristig gewährt werden. Die Zinsbemessung wurde ebenfalls etwas besser und betrug jetzt 18 Proz., gegenüber 24 Proz. im Borjahre. Feste Hypothe­ken wurden noch nicht gewährt, doch dürfte, nach Mitteilung von gut unterrichteter Seite, im laufenden Jahre mit einer Besserung in dieser Beziehung zu rechnen sein. Daß die Spartätigkeit wieder mehr Platz greift, beweise die Höhe der Spareinlagen, welche die Summe von 20 000 Gm. erreichten. Ganz besonders hervorgehoben zu werden verdient die Spartätigkeit in den Schulen. In wenigen Wochen konnte eine sehr große Anzahl der neueingesührten Schulsparmarken abgesetzt wer­den, ein guter Erfolg, die Kinder zur Sparsamkeit zu erziehen. Wenn auch die Gesamterfolge der Kasse auch an die Dorkriegsverhältnisse lange nicht herankommen, so ist nach dem Resultat des ver­gangenen Jahres doch zu erwarten, daß es mit dem Spar-- und Darlehnswesen immer besser wird.

* Alten- Duseck, 24. März. Bei der HolzsubMission unserer Gemeinde wurden folgende Höchstgebote erzielt: Fichtenstämme 2. Kl. 33 Mk., 3. Kl. 30 Ml.. 4. Kl. 27 Mk., Sa-Kl. 25 Mk., 5b-Kl. 22 Mk. Kiefecnstämme 3. Kl. 32 Wr., 4. Kl. 25 Mk.. 5. Kl- 20 Mk., Lärchen- stärnrne 3. Kl. 2Z Mk., 4. Kl. 22 Mk.. 5. Kl. 15,50 Mk. je Fstm.

sk. Reis ki rchen. 24. März. Gestern abend mit dem letzten Zug verließ der 22jährige Fritz Eisenacher von hier seine Heimat, um nach (Nordamerika auszuwandeni. Fast die ganze erwachsene Jugend unb auch viele ältere Leute gaben ihm das Geleite zum Bahnhof. Dort fang ihm der Gesangverein zum Abschied einige Lieder. Man brachte den jungen Mann förmlich LiS in den Zug hinein. Als sich der Zug in Bewegung setzte, sangen jung und all »Run ade, du mein lieb' Heimatland". Er fährt zunächst nach Hamburg, wo er Freitag das Schiff be­steigt, das ihn über das große Wasser bringen soll. Möge der junge Mann auch im fremden Land seinen guten deutschen Geist bewahren und dem deutschen Domen Ehre machen.

f- G r u n b e r g, 24- Marz. Au» der gestrigen Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Da einige Gewerbetreibende bei der Stadt- Verwaltung um Abgabe von Nutzholz vor­stellig geworden sind, wurde beschlossen, noch 40 Festmeter Fichten- und 30 Festmeter Eichenholz zu versteigern. Das Gesuch des Schützen- Vereins um lleberlassung von ungefähr 15 Festmeter Holz zur Erbauung einer neuen G-ch ü h e n h a l l e wurde nach längerer Bespre­chung zurückgestellt. Der Gemeinderat geneh­migte den Ankauf eines Bullen für 553 Mark in Röthges und gleichzeitig den Berkaus eines abgängigen Bullen. Dem Antragsteller Grün wurde ein Garten von 1510 Meter im Drunnental zur Weidenanlage auf 12 Jahre zugesprochen. Als Pachtpreis soll der Durchschnittspreis von fünf Jahren vor dem Kriege und des Jahres 1921 zugrunde gelegt werden. Den Arbeitslosen wurde eine wöche.ntliche Zulage von 2.70 Mk. ge­währt. Dem Gesuch deS Vereins der Leichskurzschrist, ihm einen Unterrichts­raum zu überlassen, wurde zugestimmt, jedoch soll der Beigeordnete sich mit dem Schulvorstand ins

Benegmen yegm, tib ern wchulzwuner zur Ver­fügung steht. Auch hier hat sich ein Orts- außlcbufo des Leichs blocks für die Lelchs- präsidentenwahl gebildet. Er veranstaltet am Sonntag einen vaterländischen Abend, zu dem alle Kreise des Reichsblocks eingeladen find. Redner ist der Landtagsabgeordnete Bürger­meister Dr. Diepoth-Schlitz.

Kreis Friedberg,

sf. Friedberg, 24. März. Der gestrige neunzigste Geburtstag des Geheimen Justizrats Jöckel, über den wir bereits be­richteten, gestaltete sich unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung zu einem Ehrentage für den greifen Jubilar. Schon am Vorabend brachte die Turngemeinde ihrem verdienten Ehrenmitgliede und früherem langjährigem Dorstandsmitgliede einen Fackelzug und überreichte den Ehrenbrief des 9. Lurnkreises. Die Stadt Friedberg ernannte Jöckel wegen feiner großen Verdienste, die er sich als langjähriger Stadtverordneter und Beigeordneter um das Gemeinwohl erworben hat, zum Ehr en bürg -r. Zahlreiche Depu­tationen, so seitens des Kreises, der Deutschen Volkspartei, der Anwaltökammer, des Kasinos usw. überbrachten Glückwünsche und Blumen- spenden, ebenso viele Einzelpersonen, so daß das ganze Haus einem Blumengarten glich. Mit bemerkenswerter Frische nahm der Jubilar alle Glückwünsche entgegen; allgemeine Bewunderung erregte es. als er am Vorabend bei dem Fackelzug des Turnvereins mit weithin tonender Stimme eine Ansprache hielt, die in einem Hoch auf die deutsche Turnerei auSllang.

Kreis

4- Schotten, 23. März. In der Jn- slationszeit mit ihrem reichlich fließenden Geld­strom machte sich ein starkes Dachlassen der Vogelsberger Heimindustrie bemerk­bar. Die jetzt herrschende Geldknappheit zwingt die kleinbäuerliche Bevölkerung, sich wieder ihren allen Einnahmequellen zuzuwenden. Während des Winters schnitzte man wieder Löffel, Ga­beln, Wäscheklammern und viele andere Gebrauchsgegenstände aus Holz und betrieb die Anfertigung von zierlichen, bunt bemalten Rechen mit großem Eifer. In den letzten Wochen sah man bereits viele Hausierer aus dem Vogelsberg in den angrenzenden Ebenen, die Erzeugnisse ihres häuslichen Fleißes zu ver­treiben. Auch die Scherenschleifer, die dem dörflichen Straßenbilde ganz entschwunden waren, haben sich jetzt darauf besonnen, daß ihr Hand­werk wohl geeignet ist, feinen Mann zu ernähren. Ihr Rad schnurrt wieder an der Straßenecke, die Funken sprühen, und stumpfe Scheren gibts in jedem Hause.

Laubach. 23. März. Gestern abend trat die hiesige Realschule mit der Vorführung eines stimmungsvollen Märchenabends vor die Öffentlichkeit. Die wohlgelungene Feier fand im großen Festsaale des Solmser Hoss stall. Zahl­reich waren die Hörer aus Stadt und Ilmgegend zusammengeströmt. Studiendirektor Dr. Hainer eröffnete den Abend mit einem lehrreichen und anziehenden Vortrag überEntstehung und Wesen des deutschen Märchen s". Die verschiedenen Elemente und Motive dieser Dich­tung wurden eingehend nach allen Seiten er­örtert. Auch seine Beziehungen zum Traumleben wurden gründlich behandelt. Lauter Beifall setzte am Ende des Vortrags ein. Da van schloß sich die Vorführung von lebenden Di ldern zu den bekanntesten Märchen (Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Aschenbrödel), ilm die mühevolle Anordnung dieser Bilder hatten sich besonders Frau Studiendirektor Hai­ner, Frau Studienrat Frank und Sekretär Elbe verdient gemacht. Die einzelnen Bilder wurden durch einen einleitenden poetischen Text In feinsinniger Form erläutert Hierauf folgte unter stimmungsvoller Musikbegleitung ein sehr hübsches Märchenspiel,Das Sternenkind". Das leitende Motiv bildete die reiche Belohnung deS wohltätigen Kindes durch die Höhere Macht Gin in vollendeter Weise vorgetragenes Lied des Schülerchors (Der Mond ist auf gegangen", gedichtet in Darmstadt von Matthias Claudius), unter Leitung von Oberreallehrer Gerhard, beschloß die in allen Teilen trefflich verlaufene Feier, die durch wiederholten starken Beifall aus­gezeichnet wurde. Die Rechnungsablage auf der Hauptversammlung des Laubacher Schütz en» Vereins, die unter dem Vorsitz des Ober­

schützenmeisters, ses Malermeisters Ruy! statt- fand, ergab die trotz der schweren Zeitverhältnisse günstige finanzielle Lage des Vereins. Hervor- zuheben ist, daß verschiedene Schühenbrüder sich bei den hiesigen und auswärtigen Preisschießen in hohem Maße ausgezeichnet haben. Dachüem vor der Dorstandswahl Herr R Ü h! erllärt hatte, aus beruflichen Rücksichten leine Wahl mehr annehmen zu können, wurde als sein Rachfolger der Kaufmann Wilhelm Kreiker (m Firma Rudolf Ritter Rachsolger) zum Oberschützenmeister gewählt. Herr Rühl hat in vorbildlicher Weise sein Amt sechs Jahre (von 1919 bis 1925) geführt. Durch seine erfolgreiche Tätigkeit hat er sich zahlreiche Freunde allerwärts erworben. Als er die Leitung übernahm, zählte der Verein nur gegen 70 Mitglieder. Jetzt hat er deren über 130 aus allen Ständen der Bevölkerung. Seiner vor­züglichen Leitung ist die günstige finanzielle Lage des Vereins, der sich, als er den Vorsitz übernahm, in erheblichen Schwierigkeiten befand, in erster Linie zu danken. In Würdigung dieser hohen Verdienste wurde Herr Rühl zum Ehrenober- schützenmeister ernannt. Er versprach, auch weiterhin dem Verein nach besten Kräften mit Rat und Hat zur Seite zu stehen.

Kreis Büdingen.

nd. Ridda, 22. März. Gestern wurde hier unter zahlreicher Begleitung der Vorsteher des hiesigen Derme sungsamts. Oberlandmefser Heinz Böck, zur letzt en Ruhe bestattet. Be­sonders zahlreich waren seine Berufsgenossen aus Oberhessen und den Lachbargebieten im Leichen­zug vertreten. Der im besten Mannesalter einer schleichenden Krankheit erlegene Beamte hatte den Weltkrieg mitgemacht und war ein echt deutscher Mann. Dazu zeichnete er sich durch peinliche Gewissenhaftigkeit in seinem Berufe und einen vornehmen, uneigennützigen Charakter aus. Während der Inflationszeit erwarb er hier ein stattliches Haus, worin das Dermessungsamt mietweise untergebracht war, behielt es aber nicht für sich, sondern trat es sofort ohne jeglichen Ge­winn an den hessischen Staat ab, der dadurch ein praktisches Dienstgebäude für das Vermes- fungsamt billig erlangt hat. Pfarrer Köhler würdigte in seiner Grabrede die Tugenden des Verstorbenen und Obervermessungsrat Linden­str u t h aus Darmstadt als Beauftragter des Landesvermessungsamts die Berufstätigkeit des verdienstvollen Beamten unter Riederlegung eines Kranzes. Weiter legten unter herzlichen Rachrufen der Vorsitzende des Vereins hessischer höherer Bermessungsbeamten Obervermessungsrat Schad aus Mainz, im Ramen des Kreisamts Büdingen Vermessungsrat Hohenadel aus Büdingen und Dermessungsrat Knapp (Gießen) im Auftrage der dortigen höheren Vermefsunos- beamten Kränze nieder. Für die Beamten des Vermessungsamts Ridda rief Vermessungssekretär Wenzel dem verstorbenen Vorgesetzten herz­liche Worte der Liebe, der Verehrung und des Dankes unter Liederlegung eines Kranzes nach, schließlich widmete noch Studienrat Markert (Gießen) als Vertreter der dortigen Freimaurer­loge dem dahingeschiedenen Logenbruder liebe- und dankesvolle Abschiedsworte und legte die üblichen drei Rosen auf seinen Sarg nieder. Das Andenken des Verstorbenen, der 13 Jahre lang dem Vermessungsamt Ridda Vorstand, wird bei allen, die ihn näher kannten, stets in Ehren gehalten.

)( Stockheim, 23. Mörz. Der B o r t r a g. den gestern nachmittag die Schriftführerin des Na­tionalvereins der Freundinnen junger Mädchen. Frau Dr. Blank- Heidelberg, im hiesigen alten Schulsaal hielt, hate eine große Anziehungskraft auf die Frauen und Mädchen von Stockheim und den umliegenden Gemeinden ausgeübt. Schon lange vor Beginn war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Nack einer geschichtlichen, interessanten Ein­leitung, die Das Anwachsen des in der Schweiz ge­gründeten Vereins aus kleinsten Anfängen bis zur heutigen Zahl von allein 32 deutschen Landes­verbänden zeigte, führte die Rednerin die Ver­sammlung in äußerst klaren und warmherzigen Ausführungen in die eigentlichen Ziele und Auf­gaben derFreundinnen" ein und zeigte an eini­gen Beispielen aus dem Leben der anbefohlenen Schützlinge den Wert der fchon geleisteten und die Notwendigkeit der noch zu leistenden Arbeit. Mit größter Aufmerksamkeit war die Versammlung den Ausführungen gefolgt und spendete wohlverdienten Beifall. Mit einem Dankeswort und einer Samm­lung, die 14 Mk. erbrachte, schloß die Leiterin die

Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.

Von Karl-August von Lassert.

1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wenn es Herrn Sanders trotzdem In zwei Fäl­len überraschend gut gelang, so brauchen wir nicht einmal einen glücklichen Zufall anzunehmen. Jeder Geologe, der genau mit dem Terrain vertraut war, auf dem wir die Versuche anstellten, hätte mit ziem, llcher Sicherheit die gleichen Angaben gemocht."

Aber die streng geheimgehaltenen Ergebnisse unserer Oelbohrungen konnte er doch nicht wissen", ertönte ein Einwurs.

Das war auch nicht nötig, weil wir, seine Be­gleiter, um so besser Bescheid wußten. (Erinnern Sie sich, bitte, jener professionellen Gedankenleser in den Varietees, die sich van einem Zuschauer an der Hand führen lassen, um erst dem Herrn I seine Schlipsnadel fortzunehmen und diese bann am zar­ten Busen der schönen Madame B zu befestigen. Der den Gedankenleser führende Zuschauer bringt ihn durch unwillkürliche Bewegungen ober burch reine Gebankenübertragung aus ben richtigen Weg, auch wenn er glaubt, sich auf keine Weise zu ver­raten.

Ich behaupte baher, unser Rutengänger ist nichts weiter als ein exzellenter Gedankenleser. Stellen Sie ihm eine Aufgabe, die keiner der dabei Anwesenden bereits weiß, und ich bin überzeugt, er wird versagen. Iebensalls halte ich das von ihm geforderte immense Jahresgehalt, das wir im vor­aus zahlen sollen, direkt für weggeworsen. Wollen Sie ihn aber durchaus der Gesellschaft verpflichten, so versprechen Sie ihm für jede ourch eine erfolg» reiche Bohrung erwiesene richtige Angabe eint hohe Belohnung, während er bei einem Mißerfolge die gleiche Konventionalstrafe zu entrichten hat. Ich bin allerdings überzeugt, der kluge Deutsche wird auf einen derartig loyalen Vorschlag nicht ein- B*n" 3.

Der Maneger des Hotels Boulevard führte Sanders In seine ihm von der Petroleumkompagnie bestellten Zimmer: Salon, Schlafraum und Bad.

Stab der Herr zufrieden?" hieß es auf deutsch

Bitte, warten Sie einen Augenblick."

Sanders nahm die Silberrute aus einem Käst­chen, durchquerte rasch den Salon und umschritt langsam sein Schlasgemach. In der Nähe des Bet­tes machte das Wunderinstrument den Wasseraus­schlag.

Das Haus besitzt doch Blitzableiter?'

Wir hielten es nicht für nötig. In der Groß­stadt schlägt es selten ein, und unsere Feuerwehr ist gut"

Trotzdem bitte ich Sie, mir ein anderes Zim­mer anzuweisen. Unter meinem Quartier befindet sich eine Wasserader, die mich beim Schlafen stören wurde. Und vielleicht könnte der Blitz doch einmal hier einschlagen."

Wie der Herr befehlen."

Das neue Appartement wies nicht ganz die Eleganz des ersten auf. Dagegen verhielt sich die Silberschlinge ruhig. Man brachte die Koffer. San» ders begann auszupacken.

(Eine ältere, würdige Hausdame erschien und er­kundigte sich nach etwaigen Befehlen. Sanders dankte.

Woher wußten Sie, daß der Blitz kürzlich in jenem Zimmer eingeschlagen hat, das Ihnen zuerst bestimmt war?" fragte sie neugierig.

Woher wissen Sie, daß ich es weiß?"

Sie lachte.Der Manager erzählte es mir." Der Deutsche sagte ernsthaft:Ich besitze ein merkwürdiges Instrument, bas mir bie verschieben- sten Geheimnisse zu enthüllen vermag. Wenn Sie es wünschen, so kann ich mit seiner Hilfe auch Ihren Charakter enträtseln."

(Er griff nach dem roten Kästchen. Lachend wehrte sie ab.Vielen Dank. Ich weiß allein, daß ich einen viel zu gutmütigen Charakter be­sitze."

Gute Nacht", sagte Sanders.

4.

Speiseraum des Hotels. Zigeunerkapelle. Schwarzlockige Burschen, die selbst Richard Wagner herunterfiebeln, nicht immer richtig, aber feurig und sckmachtenb zugleich. Herren im Frack, Smo­king ober Jackettanzug. Domen in vollster GeseU- schaftstoilette. Junge Mabchen schon mit letztem Pariser Schick. Zigorettenrouch zum Durchschnei, ben. Helles Frauenlachen aus blau gepuberten, durch Musik und Champagner errroton «-,ftd)tern.

Weiße Hemdenbrüste und Damennacken. Würdig zurückhaltend allein die Kellner.

Stefanescu und Sonders am kleinen Tisch. Dor ihnen der rötliche Wein aus der königlichen Domäne Segarcea.

Man will mich also zunächst auf bie Probe stellen", meinte Sanders.Genügten den Herren meine Erfolge nicht?"

Sie wissen doch, daß die zünftigen Geologen sich immer noch ablehnend gegen die oaguette divi- natoire verhalten. Was diese Herren nicht auf der Bergakademie gelernt haben, das glauben sie nicht. Bor allen Dingen nicht, wenn ein Nichtfachmann mit neuen Entdeckungen kommt. Daß ich persönlich auf Sie schwöre, brauche ich Ihnen nicht erst aus» einanderzusetzen."

Ich kann mich auf nichts weiter einlassen. Sie kennen meine Bedingungen. Wenn die Kompag­nie ohne mich auszukommen glaubt, so soll es mir recht sein. Ich reise dann sofort nach Konstanti­nopel. Wir sind im östlichen Armenien in der Nähe von Ersindjan gewaltigen Erdöllagern auf der Spur."

Ich siehe Sie an, bleiben Sie noch einige Tage. Morgen möchte ich Sie wieder mit nach (Eampina nehmen. Eine unserer Bohrungen ist bei 490 Meter findig geworden. Leider läuft das Del nur schwach. Mir läge sehr viel an einem Gutachten von Ihnen."

Drei Tage will ich noch jugeben und ver­lange dafür 500 Dollar."

Spielen Sie nicht billiger?"

Rein."

Also wir fahren morgen früh", seufzte der Direktor.Wann kann ich Sie abholen?"

Von 5 Uhr an."

Nachmittags wäre etwas spät."

Vormittags meinte ich,"

Um Gottes willen! Vor zehn Uhr höbe ich nicht ausgeschlafen. Man muh hier in Bukarest doch bie Nächte ausnutzen."

Also um zehn Uhr."

Sagen wir um zwölf. Wir nehmen bann hier noch ein kleines Frühstück zu uns."

Der Rumäne grüßte eine junge, sehr elegante Dame, bie trotz ber Hitze im langen Nerzmantel zum Nachbartisch schritt. Ein Offizier in eng anüegenbcm Waffenrock folgte.

wohlvorberettete und beshalv auch für oie Sache jo erfolgreiche Versammlung. Am Abend sprach die Rednerin noch in Büdingen.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld, 22. März. Gestern sand in der hiesigen Turnhalle die angekündigte sach­politische Bildungstagung der Reichszentrale für Helmatdienst, Landesabteilung Hessen, statt, die aus dem Kreise und der Stadt Alsfeld gut besucht war. Es fanden drei Borträge statt. Zur Er­öffnung der Tagung begrüßte der Geschäfts­führer der Landesabtellung. Herr Olmert, die Erschienenen, wobei er die Ziele und Ausgaben der Reichszentrale für Heimatdienst näher er­läuterte als einer von Reichswegen geschaffenen Organisation, die vollkommen politisch neutral zur Versachlichung des politischen Lebens dienen soll. Den ersten Vortrag hielt Studienrat Strem- mer aus Kassel überDie Großmächte der Geaenwart". wobei er ein anschau­liches Bild über die weltpolitische Kräftevertei­lung nach dem Frieden von Versailles gab. Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß der wirkliche Sieger aus dem Weltkrieg Amerika sei, daß sich seit dem Friedensschluß bereits bedenkliche Risse in dem Friedensvertrage gezeigt Mtten, und daß Frankreich in letzter Zeit in wichtigen Fragen in Gens, in der politischen Angelegenheit unv in der Ruhrfrage vor England zurückgewichen sei. Jedenfalls hätten sich die weltpolitischen Kräfteverhältnisse seit dem Fviedensschlutz be­reits wesentlich verschoben, was Deutschland mit Aufmerffamteit verfolgen müsse. Den zweiten Vortrag hielt Privatdozent Dr. Friedrich Raab aus Frankfurt a. M. überDie Lon­doner Vereinbarungen und der Da w e s p l a n". In überaus anregender und fesseln der Welse gab der Vortragende ein anschauliches Bild von der Bedeutung und Tragweite des Dawesplans. Besonders interessant waren bw Darlegungen über unsere finanzielle Belastung aus dem Dawesplan, die der Vortragende ar Hand der einzelnen Ziffern sehr eiMeheick» be­leuchtete, wobei er zu dem Ergebnis kam, daß dem deutschen Volke finanziell jedenfalls eine sehr schwere Last auferlegt sei. Ob diese tragbar oder nicht tragbar sei, lasse sich nicht mit einem bestimmten Ja oder Rein' beantworten. Den dritten Vortrag hielt Studienrat Dr. F. König aus Gießen über das Thema:Vom Reich, vom Volk und seinen Grenzen". Ausführungen hatten einen volkspolitischen Cha­rakter, wobei der Vortragende an Hand ber geschichtlichen Entwicklung Deutschlands ein an­schauliches Bild über deutsches Volkstum im Vergleich zu den Landesgrenzen und Sprach­grenzen zu geben wußte und den Kampf des deutschen Volkstums nn Westen und Osten un­seres Reiches um seine Existenz schilderte. Be­sonders interessant waren die Ausführungen über das derzeitige Verhältnis von Glsah-Lothrinaen zu Frankreich, das gegenwärtig In einem hefti­gen Kulturkampf mit der französischen Regierung stehe. Man sehe dem Ausgang mit Spannung entgegen. Infolge der vorgerückten Stunde konnte Über den letzten Vortrag eine Aussprache nicht mehr ftattfinden. Die Erschienenen dankten den drei Vortragsrednern für die lehrreichen und sehr anregenden Vorträge durch lebhafte Bei sallsbezeugungen. In einem Schlußwort sprach Regierungsrat Strack vom Kreisamt AlSfelo den Veranstaltern der Tagung namens des Kreises Alsfeld dessen Dank für die wohl­gelungene Tagung au».

v. Als selb, 23. März. (Oberreat- schule.) Rach einer Pause von 10 Jahren ist wieder ein Jahresbericht der Schule erschie­nen. Das Programm für das abgelaufene Schul jahr 1924/25 zeigt, daß die Anstalt in 11 Klassen von 215 Schülern und 21 Schülerinnen besucht war. Davon waren 203 evangelischer Konfession, 15 katholisch und 18 israelitisch. 153 Schüle> waren in Alsseld ansässig, 74 aus Hessen und < aus anderen deutschen Staaten. An der Schult unterrichteten 15 Lehrkräfte und 3 Hilfslehrer. Die Reifeprüfung am 3. März haben sämtliche Schüler (18) bestanden.

*!* Rieder-Ohmen, 24. März. Eine g e => heimnisvolle Geschichte hat sich dieser Tage auf der Straße zwischen hier uich Elpenrod zugetragen. Einem jungen Manne, der nach Elpen­rod ging, begegnete dn Auto, das kurz hinteq ihm umkehrte und auf ihn zufuhr. Die Insassen, fragten ihn, ob er mitfahren wolle. Ass er ver­neinte. erflärten sie ihm, er müsse mitfahren

Schöne Frauen haben Sie hier", bemunberte ber Deutsche.

Und Gott sei Dank selten tugendhaft", sagt« ber Rumäne.

Jene auch?" fragte Sanbers.

Ich kann mich leiber nicht au ben Intimen ber Fürstin Lahory rechnen. Da Die schöne Linbo aber seit zwei Jahren Witwe ist, so nehme ich an

Daß sie es Gott sei Dank nicht allzu genau nimmt."

,/Jm Gegenteil", sagte Stefanescu,Eine Witwe will bock wieder heiraten. Da gehört Vor­sicht zum Geschäftsbetrieb."

Rach beenbetem Diner nahmen sie ben tür kischen Kaffee in ber Holle. Die Fürstin mit Ihren Begleiter saß in ber Nähe. Interessant sah San bers einige Male hinüber, ohne einen Blick oon ber schönen Frau aufzuiangen. Der rumänische Ritt meister schien ihr eifrig ben Hos zu machen, wäh> renb sie gelassen seinen Rebeschwall über sich er­gehen ließ. ,

Der Kellner brachte Stefanescu em Billett. Die fer las überrascht.

Die Fürstin Lahory möchte Sie fennenler nen", sagte er lebhaft.Sie hat von Ihrer Tä­tigkeit gehört unb behauptet, sich für bie baguette bivinatoire zu interessieren."

Ich bin bereit", entgegnete Sanbers.Doch kann ich nur Deutsch sprechen.'

Aber Sie verstehen doch glanzenb Franzo sisch?"

Geschäftlich, wenn es nicht anders geht. Pri vatim nicht?" _

Ich begreife", sagte ber Rumäne unb mo fierte sich innerlich über ben schwerfälligen Den! sehen.

Sie erhoben sich unb gingen zum Tisch ber Fürstin. Stefanescu stellte vor.

Herr Sanbers möchte nicht in ber Sprach« feiner (Erbfcinbe reben", erklärte er wenig taktvoll

Lächelnd reichte ihm bie Fürstin bie Hanb zurr Kuß. r .

Ich freue mich außerorbentlich, eine so mter effantc Persönlichkeit kennenzulernen", begrüßte si« ihn in tabellosem Deutsch.Setzen Sie sich ein wenig zu uns. Sie müssen mir erzählen."

(Fortsetzung folgt.)