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Allerlei.

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Nr. 301 Erster Blatt

175. Zahrgang

Donnerstag, 2^. Dezember 1925

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags

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Gießener FamiliendlLtter Heimat im Bild

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnitk vnd Verlag: vrühl'sche Universttäts-Vuch- und Zieindruckerei R. Lanze in Sieben. Schriftleitung und Geschäftrttelle: Schnlttrabe 7.

Annahme von Nuzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur Dr Friede Wiih. Lange.

Verantwortlich.

für Politik und Feuilleton Dr. Friedr Wilh. Lange; für den übrigen Teil (fr..ft Bturnschein; Tür den An­zeigenteil Hans Züstel, jämtlid) in (Biehen

Dolkswürde.

Don D. Dr. Arthur Graf Pofadowf 1 y, Staatssekretär o. D.

Menschen, welche ihre Geistes» und Gemütsbil­dung nicht nur in der flüchtigen Tagespresse und in dem mit grellen Farbenbildern ausgestatteten Zeit­schriften suchen, sondern nach der Väter ehrwür­digem Brauche bisweilen auch in der Helligen Schrift, dem Buche der Bücher, lesen, finden dort Aussprüche uralter Erfahrung und tiefster Menschen- . (enntnis, welche für das lebende Geschlecht ebenso z zutreffend wie für die unendliche Reihe von Ge­schlechtern, die seit Jahrtausenden in der Flut der Ewigkeit versunken sind. Der Prophet Jesaias kenn­zeichnet den lieblosen, unsozialen Menschen mit den Worten:Ein jeglicher sieht auf seinen Weg, ein jeder geizet für sich in seinem Stande." Menschen aber von feinfühligem Gemüt haben Mitgefühl mit ihren Mitmenschen und suchen diese Empfindung in Wort und Tat zum Ausdruck zu bringen.

Es handelt sich indes nicht nur um das Ver­hältnis des einzelnen Menschen zum Menschen. Das gleiche gilt für die Haltung eines ganzen Volkes. Das tätige Mitgefühl mit den Leiden seiner Stam- mesger.ossen in diesem Falle vaterländische Pflicht. Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr: die Geschichte Frankreichs und Rußlands bieten hierfür warnende Beispiele. Liegt ein Land wirtschaftlich darnieder, so werden die Fol» gen dieses Zustandes zunächst die Bevölkenmgs» schichten am schwersten treffen, deren Lebenshaltung auf unsicherer oder schwankender Grundlage be­ruht, d. h. alle die Kreise, welche von dem Extrage ihrer Tagesarbeit leben oder auf ein Einkommen angewiesen sind, welches nur notdürftig das körper- ttche Dasein verbürgt. Auf besser gestellte Kreise wird ein wirtschaftlicher Rückgang erst mittelbar und all­mählich den gleiche Einfluß ausüben.

Deutschland war bis zum Beginn des Welt­krieges ein blühendes Staatswesen mit einer stark aufsteigenden Klassenbewegung. Infolge des wirt» fchaftlichen Rückganges vollzieht sich jefot der um­gekehrte Vorgang: gesellschaftlich höher gestellte Klassen beginnen wirtschaftlich nach unten zu sinken und werden damit allmählich ihr lebendes Geschlecht und ihre Nachkommen zwangsläufig auch ihren bis­herigen gesellschaftlichen Stand verlieren. Wo die Mittel zu höherer Erziehung und besserem Lebens­stande fehlen, pflegen im Kampfe ums tägliche Da­sein auch die geistigen Güter und überlieferte Fami- iienbildung zu verschwinden: nur besonders kräftige Naturen vermögen sich wieder emporzuringen: schwache Persönlichkeiten unterliegen seelisch der Not des Alltags. Vollzieht sich ein solcher Umschwung im großen Maßstabe, so bedeutet das einen Bil­dungsrückschritt des gesamten Volkes. Es er­scheint deshalb als eine Frage politischer Einsicht und gesellschaftlichen Anstandes für jeden echten Freund des Vaterlandes, sich den bestehenden Verhältnissen 5persönlich anzupassen und in der äußeren Lebens- ührung und in seinem Wirkungskreise seine besten Jträfte im Kampfe gegen unsere wirtschaftliche Schwäche einzuseßen.

Das ältere Geschlecht muß zu diesem Zwecke in der harten Schule der Gegenwart vielfach um» lernen. Wenn kurz nach der äußerlichen Beendigung des Krieges bedenkliche Erscheinungen der Genuß­sucht hervortraten, so ließen sich diese Ausschreitungen vielleicht mit den vorhergehenden Jahren schwerer Entbehrung entschulden. Solche Lebensführung muß aber jetzt vor dem Gebot von Gegenwart und Zu» fünft verschwinden: jetzt sollten besonders die ton­angebenden Volksschichten auf fortgesetzten Ver- gnugungstrubel verzichten: vor allem dürfte den Vertretern der Statsgewalt in höheren und beschei­deneren Stellungen die Pflicht oblieaen, in dieser Beziehung durch ihr Beisviel die herrschende Volrs- stimmung zu beeinflussen und sich von der Teil­nahme an zwecklosen und überflüssigen Festttchkeiten iernzuhalten. Die bayerische Regierung hat sich ein hohes Verdienst erworben, indem sie sich nicht scheute, in dieser Richtung einen mahnenden Erlaß zu ver­öffentlichen, entgegen den leichtherzigen Auffassungen einflußreicher Volkskreise.

In einer Zeit wie der unsrigen müßten die füh­renden Schichten unseres Volkes ein feineres Ge­fühl für die Empfindungen darbender Massen haben: soziale Gefahren pflegen sich in der Stille langsam vorzübereiten. Leider läßt die deutsche Gegenwart dieses gesellschaftliche Augenmaß vielfach schmerzlich vermissen. Ein Volk, welches in vier Kriegsjahren so Fürchterliches erlebt har und unter den 'Folgen jenes Riesenereignisies fortgesetzt aufs schwerste' leidet, sollte sich in allen seinen Schichten eines ernsten bescheidenen Lebens be­fleißigen, dercheranwachsenden Jugend zum Beispiel, darbenden Volksgenossen zur Vermeidung herber Vergleiche.

Es ist eine Selbsttäuschung bequemer Naturen, daß unser Vaterland in absehbarer Zeit zu der früheren wirtschaftlichen und politischen Kraftent­faltung gelangen kann: die harten Tatsachen spre­chen dagegen. Festredner sollten mit diesem Schlum­merliede nicht fortgesetzt ihre Ausführungen schlie­ßen: würdiger und verständiger wäre es, auf die Aufgaben der schweren unabsehbaren Zukunft hin- zuweisen. Diese ungewisse Zukunft verpflichtet uns, eine stahl harte, entbehrungsfähige Jugend heranzubilden und ihr die sittliche Kraft einzuflößen für ein von der reicheren Vorzeit los­gelöstes Volksleben, für einen entbehrungsoollen Kampf ums Dasein des einzelnen und das Vater» landes. Niemals war der Wert der Persönlich­keit wichtiger als in unseren Tagen, wo so viele Aeußerlichketten der Vergangenheit verblaßt sind. Wir leben in einer Zeit, wo nach dem Worte des Prophetenein Mann teuerer fein soll, denn feines Gold und ein Mensch werter, denn Goldstücke aus O^Aber nicht nur den eigenen Volksschichten gegen­über, sondern auch unserer Feinde wegen gebietet

Die Abrüstungssragen des Völkerbundes.

Berlin, 23. Dez. (T. U.) Der Völker­bund s r a t hat gleichzeitig mit der Einladung zu der Abrüstungskonferenz das nachfolgende

Arbeitsprogramm der vorbereitenden Kommission bekanntgegeben:

Frage 1: Was ist unter Rüstungen zu ver­stehen? a) Begriffsbestimmung der verschiedenen militärischen, wirtschastlichen, geographischen usw. Faktoren, von denen die Stärke eines Landes in Kriegszeiten abhängt, b) Bestimmung und Angabe der Besonderheiten der verschiedenen Faktoren, die die Rüstung eines Landes in Friedenszeiten aus» machen; verschiedene Rüstungsarten (Heer, Flotte, Luftstreitkräfte), Art der Aushebung, der Ausbil­dung, sowie Organisationen, die unmittelbar mili­tärisch verwendet werden können usw.

Frage 2: a) Ist es möglich, die etwaige Rüstung eines Landes einzuschränken, oder sollen sich die Abrüstungsmaßnahmen nur auf die Fric» bensrüftungen beziehen? b) Was ist unter Herabset­zung oder Beschränkung der Rüstuna zu verstehen? Verschiedene Formen dieser Herabsetzung oder Be­schränkung für die Land-, See- und Luftstreitkräfte; Vorteile oder Nachteile jeder der verschiedenen Formen oder Methoden, 3.58.: Verminderung der großen Friedenseinheiten oder ihrer Truppenstärken und des Materials, mit dem sie ausgerüstet sind, sowie irgendwelcher Mannschaftsbestände, die sofort mobilisiert werden können; Herabsetzung der Dauer des aktiven Dienstes, Verminderung des Kriegs­materials, Herabsetzung der Kosten der Landesver­teidigung usw.

Frage 3: Nach welchen Regeln kann man die Rüstung eines Landes mit der eines anderen ver­gleichen, z. B.: Truppenstärke, Dienstzeit, Material, Kosten usw.

Frage 4. Gibt esoffensive" unddefen­sive" Rüstungen? Gibt eS eine Methode, nach der man feststellen kann, ob eine bestimmte Trup­penmacht in rein defensivem Geiste organisiert ist (ohne Rücksicht auf die Art ihrer Verwend­barkeit in Kriegszeiten) oder ob sie in aggressivem Geist ausgestellt ist?

Frage 5. a) Aach welchen Grundsätzen ließe sich zwischen den Rüstungen, die jedem Lande zugebilligt werden könnten, ein Verhält­nis Herstellen? Dabei wäre besonders zu berück­sichtigen: Einwohnerzahl, Hilfsquellen, geogra­phische Lage, Ausdehnung und Art der Srever- brndrmg, Dichte und Beschaffenheit des Eisen­bahnnetzes, Verletzbarkeit der Grrnzen und Vor­handensein großer lebenswichtiger Zentren in ihrer Röhe, erforderliche, bei den einzelnen Staa­ten veränderliche Fristen für Umstellung der Friedens- und Kriegs rüftungeu, Grad der Sicher­heit, die der Staat im Falle eines Angriffs auf Grund der Bestimmungen der Dölkerbundsatzung oder besonderer, ihm gegenüber eingegangener Verpflichtungen zu erwarten hat. b)~ Kann die Festsetzung der Rüstungen dadurch gefördert wer­den. daß man die Möglichkeit der Ermittlung eines Verfahrens prüft, das geeignet ist, im Augenblick eines etwaigen Angriffs das schnelle

es die einfachste Klugheit, daß wir mit den über­flüssigen Lebensgewohnheiten der Vergangenheit brechen und der Außenwelt das Gesicht einer Volksgemeinschaft zeigen, welche in wür­diger Selbstbeschränkung ihr Unglück trägt. In Feindesland beginnt es zu dämmern; zunächst sind es einzelne rechtschaffene und mutige Persön­lichkeiten, welche es wagen, das an uns begangene Unrecht, die rohe, unsinnige Ueberschreitung der (9e= wall, öffentlich zu brandmarken. Ehre diesen Män­nern der Gerechtigkeit. Schließlich sind es doch die sittlichen Kräfte, welche sich im Leben der Völker, wenn auch oft erst nach langem Kampfe, siegreiches Gehör verschaffen. Das Maß der Achtung, welches wir als Volksgemeinschaft durch unsere Haltung im Unglück unseren Feinden abrir.gcn, ist eine unan­fechtbare Macht, auf welche auch die feindliche Ge­waltpolitik Rücksicht nehmen muß; die Stimmen zu unseren Gunsten werden sich in dem Maße ver­mehren, indem wir jene unsichtbare Macht durch unser eigenes Verhalten verstärken.

Friedensbemühungen in Syrien.

London, 23. Dez.Daily Telegraph" be­richtet aus Beirut, daß die Frietenstespre- chungen reibungslos weitergehen. Auch dieTi­mes" meldet aus Damaskus, daß die Lage sich bessere. Sultan®l Atrasch habe während die­ser Besprechung die

Einstellung aller kriegerischen Operationen angeordnet.

Wie dieTimes" aus Beirut erfährt, wurde gestern eine Abordnung von zwanzig angesehenen Persönlichkeiten cuä Damaskus, von denen zwei sich nach dem Djetel Druse zu Verhandlungen mit dem Sultan Atrasch begeben hatten, von de 3 0 u D ene l empfangen, der mit ihnen

fünf Forderungen der Drusen

erörterte. 3n diesen Artikeln wurde gefordert: 1 Allgemeine Amnestie, 2. eine Verfassung auf ter Grundlage nationaler Souveräni­tät, 3. klare Abgrenzung ter Beziehungen zwi­schen dem Mandatar und dem syrischen Staat durch einen Vertrag zwischen dec versassungs- gcbmdrn Rationalversrnnnlung und dem syrischen Kommissar, web i jede Meinungsverschirtenhett an den Völkerbund verwiesen werden soll. 4. Einsetzung einer vorläufigen na t io n a len Re - gierung bis zu den 'Wahlen, 5. syrische Ein­

Einsetzen ter in Artikel 16 ter Döckerbundssatzung vorgesehenen gegenseitigen wirt.chastlichen und militärischen Unterstützung zu erleichtern?

Frage 6. a) Kann man zwischen Zivil- und Militärflugzeugen untcrfche den? Wie läßt sich, wenn eine solche älnterschritemg unmöglich ist, bei der 'Bewertung ter Luftmacht eines Landes ter militärische Wert von Zuvilflugzergen ein- schähen? b) Ist es möglich oder wünschenswert, die Schlußfolgerungen unter a) auf Ersatzteile für Flugzeuge und Maschinen auszutehnen? c) Kann man bei der Bewertung ter Seemacht eines Landes den militärischen Wert der Handels­flotten einschätzen?

Frage 7. Qlngenommen, daß die Abrüstung von der SicherheN abhängt, inwieweit läßt sich dann die örtliche Abrüstung als Folge der ört­lichen Sicherheit d:rchfähren? Oder muß jeder Abrüstungsplan als undurchführbar mrgesehen werten, wenn er nicht allgemeine Gält.gkeit hat? Läßt sich, wenn die örtliche Abrüstung durchführ­bar ist, auf diesem Wege die allgemeine Ab­rüstung errei'chen?

Die Teilnahme Amerikas an der Abrüstunqskon ersnz.

N e u y 0 r k, 23. Dez. (Kabeldienst der TU.) Die amerikanische Regierung hat nach langen Beratungen nunmehr beschlossen, Vertreter zu der vorbereitenden Kommission für die A b» rüstungskonferenz nach Genf zu entsenden.

Bei der Besprechung der Teilnahme Amerikas an der Genfer Abrüstungskonferenz wird jetzt nach» drücklich einer weit verbreiteten Stimmung innerhalb des Kongresses Ausdruck verliehen, wonach man höchst verwundert fei, daß

Frankreich trotz des Lovacnoverkrages feine heerespoliiik in keiner Weise ändere.

Frankreichs Grenzen seien garantiert worden. Frank­reich sei vor Angriffen völlig geschützt. Es bestehe daher kein Hindernis, um den französischen Ausgabe- etat durch Abrüstungsmaßnahmen einzuschränken. In Washingtoner Kreisen wird betont, daß eine Teil­nahme Amerikas an der Abrüstungskonferenz keineswegs em grundsätzliches Aufgeben der Politik der Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten bedeute. Ferner bedeute die Teilnahme auch nicht, daß die Delegierten Amerikas das Recht hätten, einer eigenen Rüstungsbeschränkung zuzustimmen, da üuer die Entwaffnung Amerikas allein der Kongreß zu entscheiden habe.

Langwerth von Simmern hei Tirard.

Koblenz, 23. Dez. (WB.) Heute mittag machte Reichsrommissar Fre.her Langwerty v. Simmern seinen offiziellen Antritts­besuch bei dem Vorsitzenden ter Rheinland­kommission, Tirard, um fein Beglaubigungs-

heit und Rückkehr des Libanon zu.seinen alten Grenzen, die durch Volks.b'timmung entschieden werden soll. Rach ter .Times" sind die Forde­rungen im Prinzip günstig aufgenommen Wor­ten. Die schriftliche Erklärung tes Oberkommis­sars te Jouvenel wird für teute erwartet.

Waffenstillstand in Syrien.

Paris, 24. Dez. (WTD.) DieChicago Tribüne" berichtet aus Beirut: Rach Mel- bimgcn aus offiziöser französischer Quelle ist mit den Drusen ein

Waffenstillstand unterzeichnet worden. Einer nach Sueida entsandten Mission sei es gelungen, Sultan Atrasch von ter Rutz- losigkeit tes weiteren Kampfes gegen die Fran­zosen zu 1:6erzeugen. Oberkommissar d e 3 0 u» venel H b: alle politischen Gefangenen und in erster Linie die Vertreter ter syrischen Dolkspartei freigelassen.

Frankreich und Abd el Krim.

Paris, 23. Dez. (WTB.) Der in Paris eingetroffene Abgesandte Abd el Krims, Cun- n i n g , erklärte einem Vertreter desAvenir", Abd el Krim sei bereit, von den von Frankreich und Spanien vorgeschlagenen Frie­densbedingungen einen Teil an zu - nehmen, namentlich den, der die geistliche Oberhoheit des Sultans anerkennt unter der ausdrücklichen Bedingung jedoch, daß Frankreich dem Rifgebiet eine ähnttche Autonomie gewährt, wie die englischen Dominions sie haben. Außer­dem sei Abd el Krim bereit, Artikel 6 der Frietensbedingungen zu liquidieren, durch den die Rifleute Handelsfreiheit erhalten, soweit sie mit den internationalen Verträgen vereinbar sei, andererseits Artikel 8, der von dem Küstenstreisen spricht, den Spanien nach Einstellung der Feind­seligkeiten besetzt halten will. Cunning sei von Abd el Krim beauftragt, und Höfte nur eines, so bald als mögllch Verhandlungen einleiten zu können.

Die französische Marokko-Verlustliste.

B e r l i n , 24. Dez. (TTl.) Wie die Worgen- blätter aus Paris melden, setzte die Kammer in ihrer gestrigen Sitzung die Beratung des Heeresbudgcts fort. 3m Verlaufe der Diskussion, die auf Veranlassung des kommunistischen Ab­geordneten Vaillanl-Eouturnter geführt wurde.

schreiben zu überreichen. Zugegen waren auch die beiden anderen Oberkominissare, sowie ihre Stellvertreter und Hauptmi a'beil.r. Der Reichs- lommissar war von seinem Stellvertreter Graf A d e l m a n n und zwei anderen Herren des Reichskommissariats begleitet. Tirard und die beiden anderen Oberlommissare widmeten tem Reichskommissar herzliche BegrüßungLworte. auf die ter Reichskommissar erwiderte und feinen ausrichtigen Dank für die freundlichen Will­kommensworte aussprach. Er führte dann weiter aus: Der in Locarno geschlossene und in Lon­don unterzeichnete Pakt soll zu einem Marlstein im Leben unserer Völker werden. Sie wissen, daß meine Berufung auf den hiesigen Posten im engsten Zusammenhang mit den gemachten Abmachungen steht, und ich bitte Sie, veri.->'rt zu sein, daß ich meine gairze Persönlichkeit für die Durchführung der neuen Ausgaben ewsetzen werde. 3d) weiß, und 3hre soeben gehörten Worte haben es beftät-gt, daß ick) auf 3hre volle Mitwirkung rechnen kann. Möge es uns dem Geist von Locarno entsprechend gelingen, in ver­trauensvoller Zusammenarbeit die mit der Be­setzung verbundenen moralischen und materiellen Lasten der rheinischen Bevölkerung zu erleich­tern. Die in Angriff genommenen und weiter zu erwartenden Milderungen des De­satzungsregimes gehören in diesen Rah­men. Der Reichskommissar schloß mit dem Aus­druck der Hoffnung, daß die hier am Rhein zu leistende Arbeit der Befriedung und dem Wiederaufbau Europas förderlich wer­den möge.

Die Franzosen räumen Bingen.

Bingen, 23. Dez. (TU.) Die f r a n z 0sische Besatzung ist von hier a b ge-' rückt. Rur ein kleines Tlebernahme-Detachement ist noch im ehern. Diltoria-Hotel zurückgeblieben.

Bon der Rhein^andkommission begnadigt.

Koblenz. 23. Dez. (LU.) Wegen eines Artikels gegen die Fremdenlegion war ter Re­dakteur Wolf aus Baumholder zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Zur Verbüßung der Strase wurde Wolf am 15. Dezember per- haftet. Runmehr ist einem Gnadengesuch, das der Verurteilte durch die Reichsregierung an die Rheinlandkommission eingereicht hatte, entsprochen und die Entlassung des Redak­teurs aus tem Gefängnis angeordnet worden. ,

Kanzler und Außenminister bieiben in Berlin.

Berlin, 23. D^. Entgegen ten ursprüng­lichen Dispositionen werten nun doch der Reichs­kanzler Dr. Luther und Reichscrußenministeo Dr. Stresemann wäbrend ter Weihnachts­feierlage in Berlin bleiben. Dr. Luther wird erst nach Weihrrachten eine kurze R:ise antreten.

verlas die Regierung die D e r l u st l i st e für Marokko. Sie besagt: Getötet wurden 140 Offiziere und 3500 Mann, darunter 780 Fran­zosen. Verwundet wurden 252 Offiziere und 73CO Mann, darunter 1800 Franzosen. Vermißt werten 20 Offiziere und 1200 Mann, darunter 225 Franzosen.

Japans Aktion in der Mandschurei.

Tientsin von (General Feng qcitommrtt.

London, 23. Dez. (TU.) Nach Meldungen aus Tokio wünscht die japanische Prefse eine Aktion zur Unterstützung TschangTsoLins.so» wie Vorbereitungen zum Schutze japanischer Staats­angehöriger, eine Maßnahme, die leicht zur Verhin­derung einer völligen 'Niederlage Tschcwg Tso Lins benutzt werden kann. Die Armee Kuosunlings, berichtet dieTimes", ist indessen noch weit von ihrem Ziel entfernt. Die arktische Kälte behindert naturge­mäß die Operationen. Kuo befindet sich noch nicht einmal in der Lage, selbst wenn er wollte, eine Ent­scheidung zu erzwingen.

Wie der Sonderberichterstatter desDaily Er­preß" berichtet, haben die Truppen des Generals Feng Yu Siang

Tientsin genommen.

Sie sind von Süden einmarschiert, nachdem sie die Nangking - Eisenbahn abgeschnitten hatten. Dadurch wurde die Abfahrt des internatio­nalen Zuges für immer verhindert. Auch die Eisenbahnlinie zwischen Peking und Hangkau soll unterbrochen sein.

Die englischen Blätter betonen, daß neuerdings die

christenfeindliche Propaganda in China weitere Fortschritte mache. Man befürchtet gerade während der Weihnachtsfeiertage Demon­strationen oder Unruhen.

Tschangrsolins Abschied von seinen Führern.

Tokio, 23. Dez. (WTD.) Rach einem Tele­gramm aus M u k d e n versammelte T s ch a n g - ts 0 lin gestern früh die hervorragend­sten Anhänger um sich, um von ihnen Ab­schied zu nehmen. 3n einer Rede teilte er mit, die Meldungen von der Front liehen erkennen, dah ter Feind in diesem Augenblick einen ent-