I» seinem Leben". Ser Redner zeigte, u><: •> Visse Motive der Novellen zusammeichängen mit der merkwürdigen Iugendsnkwicklung des Dichters, wie der eigentümliche Lebcnsrhythmus Ijin- weist aus einen Teil des Stoffgebietes ferner Gedichte, ferner wie irdische uird gcist.gr Heimat Meyers sich in den Werken spiegeln oder die Werke bedingen. Die Mitwirkenden gaben ihr Bestes und ernteten dankbaren Beifall.
Z Butzbach, 23. Nov. Unsere Stadt darf für sich den Ruhm tn Anspruch nehmen, nicht nur die rührigste Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Hessen, sondern auch im Vergleich zur Emwohner- zahl die stärkste Ortsgruppe der Kolonialgesellschaft in Deutschland zu besitzen. Unter der wirklich rührigen und aufopfernden Leitung von Oberstleutnant a. D. Seiner, eines alten Kameruners, sind der Abteilung aus allen Devölkerungsfchichten Mitglieder geradezu zugeströmt, jeder neue Vortragsabend brachte neuen Zugang. Auch der koloniale F a m i l i e n a b e n d , der dieser Tage den Saal des „Deutschen Hauses" bis zum letzten Platz füllte, war wieder Beweis dafür, wie stark das koloniale Interesse in unserer Stadt lebendig ist; Reichswehrhauptmann Köhl, der sieben Jahre im Kolonialdienst gestanden, hielt einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Lichtbilderoor- trag. Von der Versammlung wurden 100 Mk. für das Elisabethhaus (Wöchnerinnenheim) in Windhuk gespendet. Oberstleunant a. D. Leßner führte aus, daß zufolge sicherer Nachrichten von dem Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft in Berlin unter den Westmächten jetzt ernstlich die Rückgabe eines Teils unserer Kolonien erwogen würde. Aufgabe des Kolonialen Vereins sei es, durch geeignete Maßnahmen unserer Regierung den Rücken zu steifen. Es wurde daher einstimmig von der Versammlung eine Entschließung angenommen, in der die Wichtigkeit des Kolonialbesitzes für unser Volk und unsere Wirtschaft hervorgehoben wird. — Nachdem der Gesangverein „Eintracht" unter Leitung seines Ehormeisters R ö m e r mit einem auf hoher künstlerischer Stufe stehenden Konzert den Reigen der musikalischen Veranstaltungen dieses Winters vielversprechend eröffnet hat, folgt am nächsten Sonntag ein groß angelegtes Konzert des Musikvereins „Gemischter Chor . Das Programm enthält „Die Kreuzfahrer" von Niels W. Gabe und Szenen aus der Oper .Lorelei" von Mendelssohn-Bartholdy.
*** Gambach, 23. Nov. Gestern wurde, wie allgemein üblich in der evang. Christenheit, das Totenfest auch in unserer Gemeinde gefeiert. Der Ortsgeistliche sprach im Vormittagsgottesdienst Worte des Trostes und der Erbauung zu den Gemeindegliedern, die die Kirche fast bis auf den letzten Platz füllten. Der Gesangverein Harmonie" unter Leitung seines Dirigenten S a m e s - Holzheim und der P o s a u n e n ch o r unter Leitung von Otto Klein wirkten bei der Feier mit. Im verflossenen Jahre starben in unserer Gemeinde im ganzen 18 Personen, 9 männlichen und 9 weiblichen Geschlechts, davon 1 im zarten Kindesalter, 1 im Jünglings-, 5 im mittleren und 11 im hohen und höchsten Atter.
[2 Nieder-Florstadt, 22. Nov. Unsere Gemeinde hat noch kein Denkmal für die Gefallenen. Anregungen zur Errichtung eines solchen sind aus allen Kreisen der Bevölkerung gegeben worden, eine stattliche Summe Geldes oar gesammelt, aber die Inflation entwertete es, ehe der Bau durchgeführt werden konnte. Die Gedächtnisfeiern des Reichsbanners wurden deshalb aus dem Fried- Hos an den Gräbern der hier beerdigten Kriegs- . opfer gehalten. Nun haben die Freiherren v. L ö w eine Ehrentafel gestiftet, die im Chor der Kirche aufgehängt ist und Namen und Todestag der 95 gefallenen Florstädter enthält. Am Totensonntag wurde diese Tafel im Dormittagsgottes, dienst e i n g e w e t h t. Die überfüllte Kirche war durch Kränze, die die Angehörigen gestiftet hatten, schön geschmückt. Trauerflor gemahnte an den Ernst der Handlung. Sämtliche Vereine waren geschlossen erschienen, das Reichsbanner mit umflorter Fahne. Der Schülerchor, Gesangverein Ober-Florstadt und Germania, Nieder-Florstadt brachten entsprechende Chöre zum Dorttag. Nach dem Weihespruch des hiesigen Geistlichen, Pfarrer Kappeßer, wurden Kränze von der Gemeinde Nieder-Florstadt, Ober- Florstadt, der Kirchengemeinde Florstadt und vom Reichsbanner niedergelegt. Das hiesige Lehrerkollegium gedachte seiner 7 gefallenen Kollegen, von denen 5 aus dem Schuldienst in unserer Gemeinde, zum Heer berufen wurden, indem es durch Lehrer Heller einen Kranz für diese niederlegen ließ. Zum Schluß gedachten die Stifter der Ehrentafel, Baron 21 u g u ft und Robert von L ö w in warmen Worten der Gefallenen und übergaben einen Kranz. Die würdige Feier zeigte die Dankbarkeit der gesamten Bevölkerung gegenüber denen, die im Kampfe fürs Vaterland ihr Leben ließen.
Kreis Büdingen.
nd. N i d d a , 22. Nov. Recht würdig wurde heute m der Kirche das T o t e n f e ft begangen. Der Kirchenchor trug unter Leitung von Regierungsrat .Kleeberger zwei Sterbelieder vor, die einen liefen Eindruck auf die große Menge der Besucher des Gottesdienstes machten. Ebenso ergreifend, aoer auch trostreich war die Predigt des Pfarrers K ö h - l e r. An dem Gottesdienst nahmen auch die Kriegervereine von hier und Michelnau geschlossen mit ihren slorumhüllten Fahnen teil. Aus der Kirche mar schierte der Kriegeroerein Nidda zunächst an das Kriegerdenkmal von 187 0/ 7 1. Hier hielt Amtsgerichtsrat Muhl, der 1. Vorsitzende des Vereins eine Ansprache, worin er in herzlichen Worten der großen Taten und der gewaltigen Folgen und Errungenschaften, der in jenem Kriege gefallenen Helden und der noch sieben in unserer Stadt lebenden Veteranen gedachte. Nachdem der Redner einen Kranz niedergelegt hatte, marschierte der Kriegerverein zum neuen Kriegerdenk- mal am Johannesturm. Hier gab der 2.Vorsitzende des Vereins, Bankoorstand Hermann S e u m , der selbst den Weltkrieg mitgemacht hat, in feurigen Worten den Gefühlen der Trauer und des Dankes Ausdruck, den die Gegenwart den mit unsterblichem Ruhm bedeckten gefallenen Kameraden schuldet. Unter Niederlegung eines Kranzes fand die einfache, aber würdige Totenfeier ihren Abschluß. — In dem verflossenen Kirchenjahr sind in unserem Kirchspiel 48 Personen kirchlich beerdigt worden, und zwar in Nidda 37, in Kohden 3, in Unter- Schmitten 6 Personen, in Michelnau und Bad-Salz- fyaufen je 1 Person. — In dem Filialorte Unter- Schmitten veranstaltete der dortige Krieger- verein am Kriegerdenkmal der Gefallenen des Weltkrieges eine würdige Gedenkfeier, an der sehr viele Einwohner des Ortes und die Vereine leilnaymen. Lehrer Wolf fand in feiner Gedächtnisrede die passenden Worte, um die Gedanken und Gefühle auczudiücken, die jeden Anwesenden in dieser ernsten S dnbt erfaßt hatten. Das Denkmal jpar dicht mit Kränzen geschmückt.
lg. Gedern, 23. Nov. Das Ministerium des Innern genehmigte für unsere Gemeinde die Abhaltung eines Prämiierungsmarktes für den 8. Juni nächsten Jahres. Die Prämiierung wird sich erstrecken auf Simmentaler und Vogelsberger Vieh, um die Zucht dieser beiden für unsere Gegend besonders in Betracht kommenden Rassen zu Heven und ihr einen neuen Ansporn zu geben. Der Land- wirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen wird die Prämiieruna mit einem Beitrag von 120 Mk. unterstützen und stellte weiterhin in Aussicht, bei der Vorbereitung des Marktes, der Ernennung der Preisrichter ujro. nach besten Kräften mitzuwirken. — Das Ministerium des Innern hat den von der Gemeinde vorgelegten Orts- b a u p l a n für das Gelände „A m Brüh l" mit einigen geringfügigen Abänderungen genehmigt. — Ein im Bergwirtshaus dahier stattgehabter Licht- dildervortrag über unsere ehemalige Kolonie Deutschostafrika wurde recht beifällig aufgenommen. Der Vortragende, Dietz- Darmstadt, ehemaliger Sekretär der deutschen Verwaltung, zeigte sich als vorzüglicher Kenner der dortigen Verhältnisse und verstand es vortrefflich, an Hand von 103 farbenprächtigen, zum größten Teil auf eigenen photographischen Aufnahmen beruhenden Lichtbildern die Zuhörer mit den Schönheiten dieses Landes bekannt zu machen. Die Küstenstädte Tanga und Dar-es-Salam, die eigenartige Vegetation und Fauna des Landes, die schwarzen Bewohner desselben mit ihrer seltsamen Kleidung, ihren Sitton und Gebräuchen, Eisenbahnen und Flüsse mit ihren nach europäischen Begriffen gefährlichen Brücken, der Tanganjika-See und der sich trotz der dort herrschenden tropischen Sonnenglut in die Region des ewigen Eises erhebende, 6010 Meter hohe Kilima-Ndjaro, alles das zog an unserem geistigen Auge vorüber. Besonders gedachte der Vortragende der ehemaligen Schutztruppe, die, zum Teil aus Eingeborenen (As- karis) bestehend, sich unter der Führung ihres tapferen Vorkämpfers, des Generals von Lettow- D o r b e ck, unvergänglichen Ruhm erworben und dem deutschen Namen alle Ehre gemacht hat. Der Vortragende schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die Versammlung, die Kolonien nicht zu vergessen und dem Gedanken zu dienen, daß diese früher oder später wenigstens teilweise dem Mutterlande, das feine- Kolonisations- fahigkeit bewiesen hat, zurückgegeben werden müßten.
, T Eichelsdorf, 23. Bob. Der Totensonntag bedeutet immer für die dörfliche Wett einen Höhepunkt kirchlichen und gottesdienstlichen Lebens. 3n dem HauptgotteZdienst, der bei übervoller Kirche gehalten wurde, wirkten der hiesige Gesangverein und ein Schülerchor nvt, die mit ihren gesanglichen Darbietungen der Andacht eine besondere Weibe gaben. Am Rachmitbag wurden aus den Friedhöfen der beiden Pfarrgemeinden Eichelsdorf und Ober-Schmitten nochmals Totengedenkfeiern abgchaltcn, die in Wort und Lied auf Vergänglichkeit, Glaube und Hoffnung abgestimmt waren. Wie alljährlich an diesem Tage trugen alle Gräber Kranz- und Dlumenschmuck, und Tannenzweige, das ewig- grüne Symbol der Unvergänglichkeit des Lebens, verhüllten die grau« Scholle.
)—( Ruppertsburg, 23. Rov. Nachdem sie bereits im vorigen Jahre mehrere Edel- kirschbäume hatte sehen lassen, ließ unsere Gemeinde in diesem Herbste eine größere Kirschenanlage auf den beiden westlich und südwestlich des Dorfes gelegenen Triften Loh und Hasentänzer pflanzen. Etwa 100 veredelte, recht schöne, kräftige Bäumchen, die von Gerns- rode Im Harze stammen, wurden gepflanzt. Das Vorgehen der Gemeinde verdient Rachahmung, ist doch die Kirsche dasjenige Obst, dessen Anbau auch beute noch lohnt. Als frühestes Obst sind die Kirschen sehr begehrt. Die Rachfrage nach ihnen wächst beständig. Die Konkurrenz des Auslandes, die unseren einheimischen Obstmarkt so sehr schä- !digt, hat der Kirschenbauer nicht zu fürchten. Gute Absatzmöglichkeiten sind natürlich nur dann gesichert, wenn größere Mengen aus einer Gemarkung zur Verfügung stehen. — Dieser Tage fanb dahier Treibjagd statt. Die Deute war außerordentlich schlecht, wurden doch nur ein Hase, ein Fuchs und ein Fasan erlegt. Was an dem geringen Hasenbestand schuld ist — ob der nasse Sommer oder die große Zahl der Hunde —. ist unbestimmt. Weit günstiger ist der Reh- bestand. — Wie alljährlich, so fand auch am Totensonntag auf unserem schön geschinück- Friedhöfe an der Gedenkhalle eine Gedächtnisfeier statt, an der sich die Gemeinde sehr ^hl- reich beteiligte. Der Posaunenchor verschönerte dir Feier durch seine Weisen. Pfarrer D. Fritsch sprach über den Text: ^Christus der ist mein Leben und Sterben mein Gewinn I"
Kreis AlsseLD.
41 Nieder-Gemünden, 22. Nov. Am heutigen Totensonntag wurde die n e u e , zum Ersatz für die seiner Zeit zu Kriegszwecken abgelieferte, von Gebr. Ulrich- Apolda hcrgestellte Bronze- glocke eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Der feierliche Gottesdienst in der vock- besetzten Kirche wurde durch Liedervorträae des hie- Ü.gen Männergesangvereins verschönt. Die Gemeinde ist nun wieder im Besitz ihres vollen Geläutes, das aus drei Glocken besteht. Der Kirchen- mufikmeister Professor Mendelssohn aus Darmstadt hat die neue Glocke geprüft, in ihrem Tone einwandfrei und das harmonische Zusammenklingen aller Glocken ausgezeichnet befunden.
l. B r a u e r s ch w e n d, 23. Nov. Vor einigen Wochen besuchten zwei „Domen" die Familien unseres Ortes und warben Teilnehmerinnen zu einem Z u f ch n e i d e k u r s u s für Wäsche. Die Lernbegierigen mußten eine Anzahlung von 5 Mk. leisten. Wie sich jetzt herausstellt, handelt es sich um eine Täuschung. Die beiden Schwindlerinnen hoben hier und in den umliegenden Ortschaften recht erfolgreich „gearbeitet".
Rülfenrod, 23. Nov. Jetzt hat man auch tn der hiesigen Gemeinde mit dem Bau einer Wasserleitung begonnen. Oberhalb unseres Dörfchens hat man eine Quelle entdeckt und gefaßt. Wie überall, wird auch hier der finanzielle Teil ein Punkt sein, bei dem man noch auf Schwierigkeiten stoßen wird.
Starkenburg.
D a r m st a b t. 23. Rcv (WSR : D e Ga£- fernversorg un g für Larmstab! ist jetzt in greift,a e Nähe gerüdl. Wie wir erfahren, haben sich die vereinigten Ausschüsse der Stadtoerord- netenve 'ammlung bereits eingehend mit dieser äußerst wichtigen Angelegenheit befaßt und die Vergesellschaftung der hiesigen Werke in eine Aktiengesellschaft in Aussicht genommen.
• Darmstadt, 23. Aov. 3n Griesheim bei Darmstadt wollten einige jungen mit einem Flobert Spatzen schießen. Hierbei traf der 15jährige Karl Rees den 13- jährigen Schüler Görlisch, den Sohn einer Kriegerwitwe, so unglücklich ins Auge, daß der Verletzte sogleich starb. — Der Dar, der, wie gemeldet, einem Bärenführer abhanden gekommen war. ist in der Rähe von Worms ermittelt und seinem Besitzer wieder zugestellt worden.
WSR. Offenbach a. M., 23. Rov. Auf tragische A r t u n d W e i s e ist gestern nachmittag der im hiesigen Dankhause S. Merzbach & Co. tätig gewesene Dankbeamte Friedrich Seickel ums Leben gekommen. Gegen 5 Ähr nachmittags kehrte Seickel ermüdet von einem Fußballspiel zurück, nachdem er mit seinen Freunden für den Abend eine neue Verabredung getroffen hatte. 3n seiner Wohnung bereitete er sich auf einem Samowar Tee. Während das Wasser zu kochen anfing, legte sich Seickel aus das Sofa und schlief ein. Das Wasser kochte dann über, wobei die Flamme ausgelöscht wurde, so daß das Gas ungehindert aus der ßeitung entströmen konnte. Die durch den Gasgeruch aufmerksam gewordenen Hausbewohner veranlaßten gegen 9 Ahr die Oeffnung des Zimmers, wobei Seickel tot aufgefunberr wurde. Gr stand im Alter von 21 Jahren.
Rheinhessen.
WSR. A l z e 1), 23. Roo. Dei einer in der Sigen Gemarkung veranstalteten Treibjagd en die Llagdpächter fast 500 Hasen zur Strecke gebracht.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
n Wetzlar, 23. Nov. Bekanntlich hat die Staotgemeinde das alte Deutsche Ordensbaus, in dem bis zum vorigen Jahre das Kinderheim untergebracht war, zum städtischen M u s e u m umbauen lasten. Nachdem nunmehr alles aufs schönste eingerichtet ist, soll die feierliche Einweihung am kommenden Freitagnachmittag stattfinden. Zu dieser Einweihung sind seitens des Bürgermeisters eine große Zahl Einladungen ergangen.
3 Wetzlar, 23. Nov. Auf tragische Weise ist in dem nahen Burgsolms der Postschaffner Müller ums Leben gekommen. M., ein äußerst tüchtiger Beamter von nur 32 Jahren, war als Vertreter des erkrankten Postboten feit einiger Zeit in Burgsolms tätig, wo er auch mit feiner Familie wohnte. Am Samstag wollte er, wie alltäglich, zu dem *7 Uhr morgens auf dem Bahnhof Burgsolms-Oberndorf eintreffenden Postzug gehen, um die Post für Burgsolms abzuholsn. Etwa 50 Meter vor dem Bahnhof kreuzt die Bahnlinie die Landstraße, die von Oberndorf kommt. Durch irgendwelche Umstände, die noch nicht aufgeklärt werden konnten, ist Müller, der einen Postkarren bei sich führte, auf die er Wegkreuzung zu Fall gekommen. In die em Augenblick kam der Zug herangefahren und chleiste Müller, lrotzdem der Lokomotivführer im letzten Augenblick mit aller Macht bremste, eine Strecke mit. Hierbei erlitt der Mann so starke Verletzungen am Kopfe, daß er kurze Zeit später verstarb. Der Verunglückte, der auch in Burgsolms allgemein beliebt war, hinterläßt eine Witwe mit zwei unversorgten Kindern. Es wird von dem Ergebnis der Untersuchung abhängen, inwieweit sonstige Umstände, wie die anerkannt schlechte Beleuchtung sowohl der Maschine wie auch oes Bahnhofs mit an dem Unglück schuld sind.
Kreis Biedenkopf.
XX Biedenkopf, 23. Nov. Der Flächeninhalt des Hinterlandkreises beträgt 67 697 Hektar. Mit dieser Ziffer nimmt unser Kreis unter den 18 Kreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden die erste Stelle ein. Die Gemeinden umfassen nach der Volkszählung am 16. Juni d. Is. eine Gefarntbevölkerung von 53 351 Köpfen, 26 030 männlichen und 27 321. weiblichen Geschlechts. Mithin nach der vorletzten Zählung (1. Dezember 1910) eine Zunahme von 4765 Personen.
4 Königsberg, 22. Nov. Am Totensonntag wurde auch hier eine Gefallenen« Ehrung veranstaltet. Zur Verschönerung der Feier trug der Gesangverein durch stimmungsvolle Lieder bei, die Schulkinder sprachen Gedichte. Nach einer Ansprache von Pfarrer N e u b i n g in der Kirche sprach Lehrer Becker am Denkmal ergreifende Worte und trug ein sehbstverfaßtes, sinnreiches Gedicht vor, in dem den Gefallenen Dank zum Ausdruck gebracht wird.
XX Gladenbach, 23. Nov. Bei der Abtrennung des Hinterlandkreises im Jahre 1866 vom Großherzogtum Hessen ist von maßgebender Stelle in amtlicher Form das Versprechen gegeben worden, aus dem hessischen Hinterland solle ein preußisches Vorderland werden. Diese Förderung hätte nur geschehen können, wenn rechtzeitig und in richtiger Linienführung Eisenbahnen in Hin- re r l o n d gebaut worden wären. Heute kann diesem Uebel nur dadurch abgeholfen werden, daß K r a f t w a g e n l i n i e n der Verkehrsnotwendig- i'eit Rechnung tragen. Hoffentlich wird die von Gießen über Krofdorf bis Fellingshau- f_e n vorgesehene Autoverbindung bis zu unserem Städtchen weitergeführt.
Kreis Marburg.
v. R o r d e ck, 22. Rov. Am heutigen Totensonntag fand am Kriegerdenkmal der hiesigen Gemeinde eine erhebende und eindrucks- noilc Gedenkfeier für die Gefallenen unter Beteiligung des Krieger- und des Gesangvereins, sowie ocr ganzen Gemeinde statt. Die Feier eröffnete der Gesangverein mit dem Liede: „Stumm schläft der Sänger", worauf der Ortsgeistlich?, Pfarrer Hilpert, tiefergreif'en te zu Herzen gebende Worte an die Anwesenden richtete, anknüpfend an das Wort: „Sei getreu bis j in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens ' geben". Krieger- und Gesangverein legten je einen Kranz nieder, worauf der Geistliche ein ernstes Gebet und den Segen sprach. Mit dem stimmungsvollen Vortrag des Liedes: „Das letzte Geleit" be chloh der Gesangverein die würdevolle Seiet.
ÄNa! «statt.
WSD. Frankfurt a. M., 23. Nov. Der im Hause Fahrgasie 34 roobnenbe Schreiner Karl Obel wurde heute vormittag gegen -10 Uhr von seiner zu Besuch gekommenen Schwägerin tot im Bette aufgefunben. Die Frau d-. Obel lag zu Bett und schlief. Die Mordkom :.on nahm den Tatbestand auf und veranlaßte bic Sistierung der Frau. Heber die Todesursache des Mannes herrscht noch Unklarheit. Die Leiche wies keinerlei Verletzungen auf. Es ist denkbar, daß ein Schlag
anfall vorliegt. Die Frau selbst £atte ein blaues Auge, was auf einen Familienstteit schließen läßt. In der Nachbarschaft ist bekannt, baß die Ehegatten Samstags und Sonntags sich viel in den Wirtschaften aufzuhalten und dann nicht ganz nüchtern heimzukehren pflegen, wobei es häusia zu Tätlichkeiten gekommen sein soll. Die Untersuchung dürste Licht in die Angelegenheit bringen. — Der kürzlich in Eckenheim durch einen Halsstich getötete Zi - neuner heißt nicht, wie bis jetzt angenommen, Karl Kreutz, sondern Johann Winter st ein. Als vermutlicher Täter kommt der 26jährige Zigeuner Kinophas Schmidt aus Mühlheim am Neckar (Württemberg) in Frage, der angegeben hat, Adolf Winter zu heißen und Papiere auf mehrere falsche Namen eingenäht bei sich trug. Er hat bei der Tat selbst eine leichte Stichverletzung am Bauch und eine ungefährliche Neoolverschußver- letzung im Oberschenkel bavongetragen. Er ist verhaftet und leugnet die Tat, hat aber unzweifelhaft ben Winterstein mit einem bei ihm vorgesun- benen blutigen Klappmesser erstochen. Die etwa 30 vernommenen Zeugen (meistens Zigeuner) sagten übereinstimmenb aus, baß Winterstein unF Schmid! die zusammen zahlreiche Wirtschaften besucht hatten, dabei miteinander Streit bekommen haben. Gegen -2 Uhr nachts suchte der Täter bann Unterkunft im Wohnwagen der Zigeunerfamilie Walther, wurde aber abgewiesen. Der Ermordete folgte ihm nach und hat zwei Schüsse in den Wagen abgegeben, von denen einer den Schmidt leicht traf. Dieser stürzte sich bann von hinten auf Winterstein unb versetzte ihm einen langen tiefen Schnitt in ben Hals. Der Ermorbete hatte noch soviel Kraft, dem Täter zu folgen, hat möglicherweise auch zweimal den Re volver abgebrüeft; doch sind diese Patronen als Versager festgestellt worben. Er ist bann zusammen gebrochen und hat sich verblutet. Auch sein Revolver war stark mit Blut besubelt. Wie jetzt feststeht, ha! der Mörder ben Namen Winter nur beshalb an genommen, weil er Pfingsten 1924 an einem Zigeuner namens E ck st e i n eine schwere Kör perverletzung begangen hat, wegen der er sich demnächst noch vor dem Amtsgericht Reinheim i. £*. zu verantworten haben wirb.
„Altes und neues Spielzeug."
3m Haus Werkbund hat die Frankfurte>- Messe- und Ausstellungsgesellschaft eine eigenartige, vom kulturhistorischen Standpunkt aus ungemein interessante Spielwar nschau veranstaltet. Direktor Sutter und Dr. Lübbecke haben sich in allererster Linie um das Gelingen dieser reizvollen Ausstellung verdient gemacht. Das Historische und Dölkermuseum sowie eine ganze Reihe Frankfurter Familien haben d'esern ausgezeichneten Gedanken ihre praktisch wertvolle Unterstützung angedeihen lassen. Dereitwilligst haben sich alte Sp'.elwarenschränke geöffnet, Dinge, mit denen einst Urgroßvater oder -mutter spielte, an das Licht unserer Tage zu fördern. M'i Freuden haben viele, all das, was zu den Tributen einstiger schöner Kinderzeit gehörte, zu der Ausstellung beigesteuert und durchwandeln m t liebevollem Stolz die Räume, da ihre Herrlichkeiten unter Glas den Besucher entzücken. Es sind auf diele Weise prachtvolle alte und neue Spielzeuge zusammengekommen. Man sieht Dinge, die von dürftigem Dürgertume erzählen, die kleinen Spezereiwaren- und Puhläden, die behaglichen alten Küchen mit dem mächtigen Rauchfang und bem Kupfergeschirr an den Wänden, und die ganz prächtigen alten Puppenhäuser, deren ganzer architektonischer Aufbau rrebft Wohnungseinrich tung ein getreues Spiegelbild ihrer Zeit sind. Alt-Frankfurt mit seinem behaglichen Leben ersteht aus diesen Spielzeugen, bei welchen sogar der Dleichplatz nicht fehlt rrnd ein getreues Abbild der Hauptwache mit prächtigen Frankfurter Regimentern den Höhepunkt bildet. Schönere Zetten werden in diesen Dingen lebendig. ..Was verloren, kehrt nicht wieder, aber ging es leuchtend nieder, leuchtet's lange noch zurück?" Etwas von diesem Leuchten liegt über den Räumen, die diese Spiefwaren beherbergen. — Aber auch die neueren unb ganz neuen Spielzeuge sind von nicht nur Kinderherzen begeisternder Schönheit. Sehr oft kommt frischer Humor dabei zum Ausdruck, hauptsächlich bei den Tieren und Puppen. Wenn sich das alte Puppenhaus durch seine oft geradezu kostbaren Einrichtungen auszeichnet (man sah Möbel aus S'lber), so ist das Puppenhaus von heute als Demonstrationsobjekt unseres sogenannten Zeitalters der Technik äußerst interessant. Ueberall ist elektrisches Licht eingebaut, der Rad'oapparat und das Grammophon dürfen nicht fehlen, man baut Erker und Wintergärten an. Sehr schon sind auch die elektrischen Straßen- und Eisenbahnen, die bei Jungens wahre Begeisterungsstürme auslösen. Die Aufstellspiele bilden ein Kapitel für sich. Besonders sehenswert ist die SttuwwelPeteraus- gabe in allen Sprachen der Welt und die Ausstellung der Orig'nalzeichnungen dazu. Es ist eine Freude, die Reihen dieser von künstlerischem Geiste und großer Liebe zeugenden Spielzeuge zu durchschreiten: echte Wc hnachtssiimmung bemächtigt sich unser beim Anblick dieser Grund- Posten des Paradieses der Erinnerungen, aus welchen der Mensch nie vertrieben werden kann.
Lent Wüst.
Rundfunk-Programm
des 5kran7>nrt7r Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 25. November:
4.30—6 Uhr: Nachmtttagskonzert des Hausorchesters: Solisten-Nachmittag. 6 bis 7 Uhr: Die Stunde der Jugend. 7 bis 7.30 Uhr: „Der Othello" non Verbi, Vortrag von W. W. Göttig. 7.30—8 Uhr: Stunde des Sübwestbeutschen Nabio- klubs: E. Becker: „Die physikalischen Vorgänge in der Elektronenröhre". 8—8.30 Uhr: Englischer Unterricht. 8.30—9.30 Uhr: Konzert des Hausorchesters. Anschließend: 10 Minuten „Literarisches Preisausschreiben". 10—11 Uhr: Ucbertragung von Kassel. Lceber-Abenb.
r\?T
Rach Münzenberg. Es war bereits am 16. Rovcnnber im „Gießener Anzeiger" bekannt- gegeben worden, daß die Rümmer vom 18. (preußisc'er Buh- und Tettag) ausfällt. Die Ursache lag in einem ilebcrcinlommen mit unserer technischen Mitarbeiterschaft, die tariflich Anspruch auf einen achten Feiertag im 3ahr hat. Dieser Tag fiel für das laufende 3ahr auf den Buh-- und Beklag.
SS?"
für Äüngee/ Äportsleme/ Raucher


