verfielen, denn die Briese kamen nicht nur aus Kollegen kreisen, auch Damen der Gesellschaft schrieben an ihn.
So einfach war es indessen nicht, mit einem zurückgewiesenen Verehrer Partien zu singen. Es gab Momente, da er sie in seine Arme nehmen mutzte, sie hörte, wie er zwischen dem Singen mit den Zähnen knirschte, das Herz schlug ihr schon, wenn er seinen grotzen, muskulösen Arm nach ihr ausstreckte. Er konnte auch tückisch werden, oft lenkte er es, daß sie Len Einsatz verfehlte, und Sicherheit war nicht Franziskas Spezialität. Sie hatte angstvolle Augenblicke, so oft sie zusammen spielten, er hatte so einen festen Griff, mit dem er sie herrisch an sich zog. — Lind jedesmal wurde er kühner. Aur zu, der Lag kommt doch noch einmal, wo du dich nicht mehr sträubst. — Dieses naive Sicgesbewutztsein eines von den Frauen ver- wöhnten, blasierten Mannes empörte sie. 11 nb sie hatte in ihrer Annahme recht.
3m Grund war StephanSberger ein kühler Mensch, sinnlich, aber fal:. Gesellschaft von Männern war ihm lieber, und er zog eS vor, statt wie die Kollegen mit den Kolleginnen Ausflüge zu unternehmen, täglich an seinen Stammtisch in die „Bavaria" zu gehen, wo er auch einmal mit Leuten von anderen Berufen zusammenkam und man bei einem ausgezeichneten Bier politisierte. Er fanb einen so energischen, festen Widerstand bei Franziska, datz er es aufgab. sie in der Garderobe während der Pausen aufzusuchen, doch er gab die Hoffnung, diesen zu brechen, nicht auf. Er wartete nur.
„Diese Bott ist doch eine fade Gans", sagte der innere Worth eines Tages zu Hasse, als sie in ihren weihen Kitteln beim Agarkochen vor dem mit Linoleum bespannten Lisch im Laboratorium standen. Hasse ging einer Erfindung nach, bei der ihm Worth aus Gefälligkeit assistierte, weil man sich auf den La- boratoriumSdiener nicht verlassen konnte. „Gestern hat sie das Zerl'.nchen gespi lt wie eine Pimpernell, da ist mir die Ebenhausen am Heinen Finger lieber."
(Fortjegung folgt.)
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Nr. 275 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 24. November 1925
Franziska.
Roman von Liesbet Dill.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Diese Geige bezauberte alle, die an den Tischen sahen. Die Paare faßen Hand in Hand, ihre Rerven vibrierten be idem Gesang, der sich durch die laue Sommernacht in ihre Herzen, ihre Rerven vibrierten bei dem Gesang, dev von diesem Zaubertrank, der wie ein süßes Gift durch ihre Adern rann. Die Kellner lehnten an den Tischen mit halbgeschlossenen Augen, und Franziska kamen die Tränen.
Sie war so glücklich. Sie wäre für ihn und mit ihm gestorben. Er war einer der Männer, deren Temperament eine Frau mit in den Tod reihen kann. Es war, als ginge ein Feuerstrom durch ihre Adern, als lodere in ihrem Herzen eine immerfort brennende Flamme. Sie fühlte ihren Puls schon rascher schlagen, wenn sie seinen festen Tritt auf der Treppe hörte, und wenn er eintrat, setzte ihr das Herz fast aus. „Du verbrennst mich," sagte sie oft, wenn sie sich aus seinen Armen löste, „du erstickst mich!" Sie schöpfte Luft, ritz das Fenster auf, es war ihr, als nehme er ihr alles, Atem, Worte »die kühle lleberlegung, mit der sie bisher allen Männern gegenübergetreten war. Bei ihm vergaß sie alles. Alles übrige versank, verblich erlosch, sie sah nur ihn, dachte nur an ihn und lebte für ihn.
Eines Tages zeigte Franziska ihm einen Brief ihrer Mutter, auf billigem, rauhem weißen Bogen, von einer unbeholfenen Hand geschrieben mit vielen Fehlern und ohne Züchen.
Franziskas Mutter hatte sich die Karriere ihrer Tochter anders vorgesteltt: das Theater war für sie eine Schaubühne, von der herab ein Mädchm sich um so vorteilhafter verheiraten konnte. „Und wenn's ein Heiner Beamter ist," schrieb die Mutter, „nimm ihn."
Die Muttes zürnte in jedem Brief, Franziska sollte wieder zurückkommen nach Wien, in die Bähe, dann konnte sie bei der Mutter wohnen imb hatte doch ein Heim.
Adolf Damaschke.
Don Oberbaurat Otto B e r t h.
Dem jüngsten Ehrendoktor unserer Lan- desunioersitöt widmen wir zu seinem 60. Geburtstag gern folgende warme Schilderuna seines Lebenswerkes, ohne selbst dazu kritisch Stellung zu nehmen oder in eine Diskussion ,einer 'Bestrebungen eintreten zu wollen. Hin- gcwiesen sei nur noch auf seine bei Grethlein & Co. in Leipzig erschienenen „Lebens- erinnerunge n", deren zweiter Band soeben vorliegt. D. Red.
Am 24. November d. I. wird Adolf Damaschke 60 Jahre alt; ein Mann von vielen geliebt, von manchen gefürchtet, von anderen wieder verkannt. Woher kommt Damaschke, wie ward er zu dem, was er ist, was ist er?
Damaschke ist ein Kind des Volkes. Die Tischlerwerkstatt seines Vaters und die kleine Wphnung lagen im zweiten Hof einer Berliner licht- und luft- armen Mielkaserne. Arbeit, Arbeit in Not und Dunkelheit das Gebot, unter dem die Eltern standen; Elend, Kummer, Verbitterung das Los der zu- fammepgepferchten Hausgenossen. Ein weiches, unter der Umgebung schwer leidendes Herz hat der Knabe, einen festen Willen, der sich gegen diese schändlichen Zustande.mitten in der stolzen Kaiser- ftadt aufbäumt, einen scharfen Verstand, der früh schon auj Wege, ihnen zu begegnen, sinnt. Lehrer und Geistliche werden bald auf den wissenshungrigen fleißigen Knaben aufmerksam.
Der begabte Sohn des armen Mannes ergreift die Laufbahn des Lehrers, 1886 tritt er als Volksschullehrer in den Dienst der Stadt Berlin. Begeistert für seinen Beruf, gibt er sich ganz den ihm anvertrauten Kindern, aber, will die Saat auch auf» aehn? Er sieht bald, wie Wohnungselend, wirtschaftliche Not und der daraus entspringende Alkoholis» mus das verwüstet und verwüsten muß, was er ausgestreut hat. Woher das Elend, roorin wurzelt es? In rastloser Arbeit verliest er sich in das Studium der Geschichte, der Philosophie, der Volkswirt-
Jahre 1890 hält der Bund für Bodenbesitzreform in Berlin eine Tagung ab, der Damaschke als Zuhörer beiwohnt. Diese Bewegung, die dis in das 18. Jahrhundert zurückgeht, hatte neuerdings durch das Buch des Amerikaners Henrn George „Fortschritt und Armut" (1879) einen starken Anstoß erhalten. George zeigt, daß der Boden nicht vermehrbar ist, also Monopolcharakter hat. Da jede Beschäftigung des Kapitals und der Arbeit die Benutzung von Grund und Boden erfordert, hat also der private Bodenbesitzer die Macht, sich einen Teil von deren Ertrag anzueignen und das um so mehr, je ertragreicher die Arbeit ist; er ist also, ohne etwas dazu zu tun, Nutznießer der Arbeit der andern, durch die der Wert seines Besitzes steigt. Das begründet letzten Endes den Unterschied zwischen arm und reich. Als Mittel dagegen will George dem Staat das Recht auf Einziehung der Grundrente geben, eben jenes unverdienten Mehrwerts, durch eine Steuer, die alle anderen Steuern ersetzt. Ein Hauptvertreter der Goorgeschen Lehre in Deutschland war Michael F l ü r s ch e i m , Gründer des Bundes für Bodenbesitzreform und der Hauptredner auf der erwähnten Tagung des Bundes im Jahre 1890.
Gedankenvoll verläßt der junge Damaschke die Versammlung; das dort Gehörte laßt ihn nicht los. Er denkt nach. Woher die Mietkaserne, die den armen Mann vergiftet und heimatlos macht? Der hohe Preis des Bauplatzes ist chr Urheber.er zwingt dazu, jeden Fleck auszunutzen und soweit in die Höhe zu gehen, als irgend möglich. Woher der hohe Preis? Auf die Arbeit des Dorbesitzers ist er nicht zurückzufühen; die starke Nachfrage nach Grund und Boden für Bauzwecke hat den Preis in die Höhe getrieben, und sie ist lediglich die Folge der tüchtigen Arbeit der Allgemeinheit, des Aufblühens von Staat und Stadt. Der Vorbesitzer des Grundstücks steckt also einen gänzlich unverdienten Wertzuwachs in die Tasche und diesen Wertzuwachs müssen bis in die fernste Zukunft alle verzinsen, die auf dem Grundstück wohnen und arbeiten; er ist die Ursache, daß das Volk sich eng zusammenpfercht. Damaschke erkennt, daß es eine soziale und — überaus nationale Pflicht ist, gegen diesen unverdienten Wertzuwachs anzugehen, ihn seinem Urheber, der Allgemeinheit, zuzuführen und für soziale Zwecke zu verwenden; eine vor Wucherhänden gesicherte Heimstätte für
jede tüchtige deutsche Familie zu ermöglichen, den entwurzelten Deutschen wieder Heimatfest zu machen wird sein Lebensziel. Heimstätte, Nahrung, Kleidung — Urelemente, Vorbedingungen jeder Kultur; alle Bestrebungen zur Hebung des Volkes bleiben nutzlos, wenn jene Vorbedingungen nicht erfüllt find.
Damaschke wird Mitglied des Bundes für Bodenbesitzreform; in unzähligen Versammlungen vertritt er feine Ueberzeugung, er entfaltet eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. Um sich ganz seinem hohen Ziele widmen zu können, gibt er Lehrerberuf und Beamtenrechte auf. 1898 wird er Vorsitzender des Bundes; vorher hatte er die Annahme eines Programms durchgesetzt, das alles lltopistischc ausschloß. Der von ihm geprägte Satz: „Der Bund deutscher Bodenreformer tritt dafür ein, daß der Boden, die Grundlage alles nationalen Daseins, unter ein Recht gestellt werde, das seinen Gebrauch als Wohn- und Werkstätte fördert, das jeden Mißbrauch mit ihm ausschließt und das der Wertsteigerung, die er ohne die "Arbeit des einzelnen erfährt, dem Volksganzen nutzbar macht" ist feit dieser Zeit das Programm der deutschen Bodenreformer. In kluger Beschränkung auf das Erreichbare, mit der nachhaltigen Energie des geborenen Führers entwickelt er nun die ganze Stoßkraft des Bodenreformgedankens. Der Bund, früher ein in theoretischen Betrachtungen sich ergehender Debatlierklub, wächst und wächst, viele Zehntausende strömen ihm zu. Die neben der „Deutschen Volksstimme" (jetzt Bodenreform), einer Wochenschrift, zwanglos erscheinenden Hefte der „Sozialen Zeifragew gewinnen außerordentliche Verbreitung; die Bodenreform erhält eine feste Kampfgrundlage in dem Hauptwerk Damaschkes: „Die Bodenreform, Grundsätzliches und Geschichtliches zur Erkenntnis und Ueberroinbung der sozialen Not". In den „Aufgaben der Gemeindepolitik" gibt Damaschke den Gemeindeverwaltungen ein wahrhaft klassisches Lehr- und Handbuch, dessen Einfluß mehr und mehr im Wachsen ist. Der Politik entsagt, nachdem er einige Jahre Friedrich Naumanns national- sozialer Partei angehört hatte, der Neifgewordene; über den im wesentlichen durch Erwerbsinteressen getrennten Parteien stehend, will er für das Ganze wirken. Tatsächlich sammeln sich um sein Banner Männer und Frauen aller politischen und religiösen Schattierungen. Mit der Vierteljahrsschrift „Jahrbuch der Bodenreform" schafft er ihr „einen wissenschaftlich durchgearbeiteten Hintergrund", seine „Geschichte der Nationalökonomie" wird zu dem am meisten begehrten Werk seiner Art.
Es kommt der große Krieg. Damaschke sagt sich, die fieberkranke Zeit nach 1871 darf sich nicht wiederholen. Ihm, dem Bodenreformer, ist es nicht zweifelhaft, daß ein neues Reich nur dann von ' Dauer sein kann, wenn es jeder redlichen Arbeit ehrliches Brot und eine unpfänbbare unverlierbare Heimstätte gewährt. Er gründet den Hauptausschuß für Kriegerheimstätten. Es ist bekannt, wie die Kriegerheimstättenbewegung begrüßt und warm unterstützt von den Heerführern, insbesondere Hindenburgs das ganze Volk ergriff, und wie ihr Ziel schließlich sich nicht verwirklichen ließ infolge des unglücklichen Ausgangs des Krieges und — der Wühlarbeit der heimlichen und offenen Gegner Damaschkes. Es ist klar, daß ein Mann, den den Boden jeglicher Schacherei entziehen, den unverdienten Wertzuwachs der Allgemeinheit zusühren will, Geg- nre haben muß; der spekulative Grundbesitz in der Stadt, der Rentengroßbesitz auf dem Land fühlten sich bedroht. Schon 1912 hat sich ein kapitalstarker „Schutzverband für Grundbesitz und Realkredit" ge- bildet zwecks Bekämpfung der Bodenreform. Aber der Kampf, der sich nun enspann, lenkte gerade die Aufmerksamkeit auf die Bodenreform und führte ihr Mengen von Anhängern zu; die bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Rechts- und Volkswirtschaftslehre, es seien nur Rudolf Sohrn und Adolf Wagner genannt, treten nun offen auf die Seite Damaschkes. Die für die Kriegerheimstätten geleistete Arbeit ist nicht vergeblich, aus ihr entwickelt sich dos aanz mit hodenreformerischem Geist durchtränkte Reichsheimstättengesetz. Damaschke" wird Vorsitzender des „Ständigen Beirats für Heimstättenwesen" im Neichswirtschaftsministerium, eines Ausschusses zur Förderung der Heimstättenarbeit, in dem die Berufsorganisationen der Arbeiter, Angestellten und Be- amten aller Richttmoen vertreten sind. Und schließlich findet feine Mühe ihren Lohn in der Fassung des Artikels' 155 der neuen Rcichsversossuna der die Bodenreform zu einem Grundrecht des deutschen Volkes macht. Noch ist dieses Grundrecht nicht zur
Sie führte alle die Freundinnen an, die sich kürzlich glänzend und reich verheiratet hatten. „Verkauft", nannte eS Franziska, sie schcmderte. Hasse legte den Vries fort, ohne ein Wort zu sagen.
Sie nahm seine Hand, um mit seinem Wappenring zu spielen. „Es ist schad, daß die Mama so denkt, aber du mußt das nicht mißverstehen, das ist einmal so ihre Art. Well sie mich nicht mehr im Haus hat, will sie ihre Fittiche über mich breiten, auch wenn ich weit fort bin. Für sie ist die Che der Unterschlupf für die Frau; obwohl sre's, weih Gott, nicht beneidenswert hat, macht' sie mich am liebsten doch verheiraten. Sie kennt das Theater und weiß, wie's da zugeht, aber begreiflich machen könnte ich es ihr doch nicht, daß ich glücklich bin." Unö sie nahm plötzlich seine schmale Hand und drückte sie an ihre Lippen, ohne daß er eS hindern konnte.
Hasse schmerzte der grobe Vogen und diese unorthographisch-: Schrift; er dachte, was muh sle für eine Erziehung gehabt haben und was für ein Zuhause. Lind er Iah seine Mutter in ihrem prünesarbigen Damllleid vor dem Heinen Douletisch ihre nach Reseda duftenden Vrief- chcn zaubern, diese schöne, geistvolle Frau, die immer zu ihrem Sohn sagte: Genieße dein Leben, aber binde dich nicht. Seine Mutter würde diese Verbindung mit Franziska verstehen, sie sogar billigen, aber den Gedanken an eine Heirat mit einer Dühnendame, deren Ruf noch nicht einmal über die Grenzen ihres Theaters gedrungen war, würde sie ihm nie verzeihen. Und im Grunde genommen dachte Hasse wie seine Mutter.
Dieser einfache Brief schloß sie noch enger an ihn. Sc fühlte, er war ihr Halt, ihr Beschützer, ihr Erzieher geworden, äu ihm rettete sie sich, wenn wieder der dunkle Strom des Theaterlebens gegen sie anbrang.
An Franziska wagte sich niemand mehr heran, sie war von einer Kälte, einem Stolz, gepanzert mit einer saft beleidigenden Richt- achtung allen Huldigungen gegenüber. StephanSberger, der Dariton, der über alle Frauen siegte, wenn er als Torero, „in dem Stierrampfe
Durchführung gelangt, aber Millionen Deutsche stehen dazu bereit Das hat in den letzten Tagen erst eine Abstimmung im preußischen Abgeordnetenhaus bargetan.
Ein hochgesinnter, warmherziger und dabei kluger und fester Mensch, der uneigennüjugft in voller Wahrhaftigkeit einem erreichbaren Ziele zur wirklichen Hebung und Sicherung seines Volkes und Vaterlandes zuftrebt, und dem auch der grimmigste Feind die weiße Weste lassen muß, das ist Adolf Damaschke, der nun Sechzigjährige; feit 1919 Ehrendoktor der Universität Münster und nun auch unserer Gießener alma mater. Die beste Kenn- Zeichnung seines Lebenswerkes hat vielleicht Hans Thoma gegeben, der die Stiftung feines berühmten Bildes „Der Hüter des Tals" an den Bund deutscher Bodenreformer mit den Worten begleitet: „Das ist hohe Kunst und vielleicht höchster Staatsberuf, die Selbstsucht wie auch die Gewissenhaftigkeit zu organisieren, lebensfähig zu machen zum Segen für das Volk."
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
L Wieseck, 23. Rov. Anläßlich des 20jährigen Bestehens der Freien Turner- schäft W i e s e cf findet im kommenden Jahr am 3., 4. und 5. Juli das Bezirksturnfest des 3. Bezirks, 9. Kreis im Arbeiter-Tur n- und Sportbund hier statt. In einer gutbesuchten auße.ordentlichen Generalversammlung wurden die erforderlichen Ausschüsse für die Durchführung des Festes gebildet und gleichzeitig beschlossen, mit dem Jubi'ärmsturnsest die Weihe einer neu anzuschaffenden Fa--ne zu verbinden. Schon vor einiger Zett wurde seitens der Ge-- meinte ein genügend großer Festplatz im „Ried" zur Verfügung gestellt. Infolge der zentralen Lage Wiesecks wird die turnerische Beteiligung sehr groß und auch sonst das Turnfest von den Vettrksvereinen stark besucht werden. Die nun- meyr zur Eröffnung kommende Autoverbindung Wieseck—Gießen wird zur Delebung des Verkehrs wesentlich beitragen und bei dieser Gelegenheit d'.e Feuerprobe der Bewältigung größeren Verkehrsandranges bestehen müssen.
Bg. Großen-Buseck, 22. Rov. Anläßlich des T o t e n f e st e s fanden hier z w e i Gotte s d i e n st e statt, von denen der zweite dem Gedächtnis der Gefallenen geweiht war. Während beim Vormittags^ottesdienste der M ä d ch e n ch o r zur feierlichen Ausgestaltung beigetragen hatte, beteiligte sich bei der Gedächtnisfeier der Gesangverein Sängerkranz durch Vortrag zweier Chore, die stimmungsgemäß und tiesempfunden unter Leitung deS bewährten Dirigenten K. Ricolai zu Gehör gebracht wurden. Zu beiden Seiten des Atars standen die umflorten Fahnen genannten Vereins und der Kriegerkamerad» schäft Großen-Buseck, die stark vertreten war. Der Posaunenchor erweiterte die Feier durch ein Vorspiel und das Lied „Ich hatt einen Kameraden". Die Gedächtnisrede des Ortsgeistlichen forderte Pflichterfüllung von jedem Einzelnen in gleicher Weise, wie sie von Öen Gefallenen betätigt worden sei. Unter Glok- kengeläute wurden öie Ramen der Gefallenen verlesen, worauf die erhebende Feier ihren Abschluß fand.
• Oroßen-Duseck, 21. Rov. Heute nachmittag wurde d'.e von der Firma Magiros gelieferte 12 Meter hohe fahrbare m echa n i sche Feuerwehrleiter in Anwesenheit des Beigeordneten als Vertreter der Gemeinde, e uer Abteilung der Fre'.w. Feuerwehr und eines V.r- treters der liefernden Firma durch Kreisfeu.r- wehrinspektor D i ck o r e nach Vornahme der vertraglich vorgesehenen Belastungsproben a & genommen und bei i Beigeordneten für die Gemeinde übergeben. Die Belastungsproben haben allen Anforderungen entsprochen.
:—: Beuern, 23. Rov. In der am Sams agabend stattgesunde en ö sentiichen Sitzung des ©emeinberatS, die wichtiger Punkte haiber von Interessenten stark besucht war, wurden nachfolgende Entschließungen angenommen: Um die Wiesen an der Michelbach, an der Kreisstraße nach Bersrod, vor völliger Versumpfung zu bewahren, wird der vorhandene Graben aufgeräumt, eine Schleuse errichtet und ein neuer Graben gezogen. Diese Arbeiten sollen
-I.-W- ' W rrr PFvrrrpwpgm' l « jw i»■ u ■ wi myo iiyTwmi
Sieger", den Schal über der Schulter, überlebensgroß mit seinen schonen Augen und blitzenden Zahnen auftrat, neben dem der weißblonde Heine Tenor Wühler und der dicke Drast wie Zwerge -erschienen, die er in seiner Faust zermalmen konnte, lobte sie dafür. ..Cs ist wirklich brav von Ihnen, Franzerl," sagte ihr Landsmann, wenn sie wieder vor ihm zurück- wich, und er ritz sie an sich, daß sie fast erstickte. „Entschuldigen, gnädiges Fräulein," lachte er. „Qlber bei meinem feurigen Spiel läßt sich so was net vermeiden . . Das nächste Mal küss ich Ihnen die Hand."
Cr hatte e3 in der ersten Zett als amüsantes Spiel betrachtet, eine nach der anderen zu erobern. Diese leichten Siege reizten ihn längst nicht mehr, er nahm sie zum Zeitvertreib mit, wie der Athlet mit seinen Hanteln spielt, um seine Kraft zu erproben, aber er lietz die Deuts bald aus den Händen entgleiten und warf sie weg. Und es gab dennoch Frauen, die sich an ihn festklammerten und ihm verzweifelte CifersuchtSszenen machten, tim StephanSberger fanden jeden Tag heimliche oder öffentliche Szenen hinter den Kulissen statt. Der Kammersänger konnte eine Zigarre dazu rauchen und seine Rolle studieren, so waS warf ihn schon längst nicht mehr auS dem Gleichgewicht, das waren Töne, die er oft gehört.
Ebenso gleichgültig verhielt er sich gegen die bunten Briefe, die ihm nach den Vorstellungen zuflogen. Sc heizte seine Stube damit oder las sie den Kollegen in den Pausen vor, mit und ohne RamenSunterschrift, und korrigierte daS Deutsch mit roter Tinte. »Ihr müßt besser schreiben lernen," sagte er zu den Kolleginnen, ..orthographische Fehler in Briefen stören mich mehr als ein Loch im Schleier. Kannst du denn wenigstens einen ordentlichen Brief schreiben 7' fragte er Franziska.
„Reden Sie mich nicht immer mit du an," flammte sie auf. - „Run, das hab ich mir so angewöhnt auf den damischen Provinzbüh- nen." entschuldigte sich der StephanSberger heuchlerisch, „da versprech ich mich als einmal wieder."
FranziSka zerbrach sich den Kopf darüber, | warum die Frauen gerade auf diesen Mann
in den nächsten Tagen vergeben werden. Als Mitglieder des WiesenvorstandeL wurden neu gewählt Jakob Schomber, als Ersatzleute Philipp Sommeriad 6. und Ph. Wilhelm Sommerlad. Die am 1. Dezember stattfindende Viehzählung soll durch Beigeordneten Heinrich Arnold 5. und die Gemeinde, a.smttglieder Phi ipp Arnold, Daniel Ludwig Sommerlad und Jakob S ch o m b c r vorgenommen werden. Der Antrag einiger Interessenten, betrefsend Preisnachlaß für Bauholz zum Scheunenbau, ähnlich wie bei Beschaffung von Wohnungen, wurde vertagt. Alm die neubebaute Straße, die Sche i b e n - gaffe, für den kommenden Winter einigermaßen passierbar zu machen, sollen Fron- s a b r t e n aller Fuhrwerksbesitzer geleistet werden. Rachdem der weitaus größte Teil der Fuhrleute diese Arbeiten bereits vollbracht hat, sollen diejenigen Leute, welche noch nicht gefahren haben, aufge ordert werden, in nächster Zeit die Straße mit Schutt zu befahren. Dem Antrag eines hiesigen Bürgers um A n kauf eines Reihengrabes auf dem hiesigen Friedhof konnte nicht zugestimmt werden, da ein gegenteiliger Beschluß des Gemeinderats im Vorjahr gefaßt wurde und auch die Friedhofsordnung dies nicht mehr zulätzt. Da sich für den bevorstehenden Winter etwa 50 Mann, darunter viele Arbeitslose, am Holzmachen beteiligen wollen, die zuständige Oberförsterei aber der Meinung ist, nur 30 Mann einste en zu können, wurde der Bürgermeister beauftragt, mit der Obersörsterei in Unterhandlung zu treten wegen Einstellung dieser 50 Leute. Cs wurde als dringende Rotwendigkeit be i achtet, allen, die es nötig haben, unbedingt Beschäftigung zu geben, auch wenn die Arbeitszeit dadurch verkürzt werden müßte.
v. K e s s e l b a ch , 23. Rov. Dieser Tage sand in der hiesigen Gemeinde eine Bürgerversammlung statt, um über den Ankauf des zirka 14 Morgen großen Linden st rutschen Gutes nebst Wohnhaus, Scheuer, Stallung usw. zu beschließen. Von den Gegnern des Ankaufs wurde insbesondere die zu hohe Forderung, die schwierige Geldbeschaffung und die zu große Unrentabilität hervorgehoden. Der Ankauf wurde dann auch nach lebha,.er Dllkwsion abgelehnt.
Sll'Clt? jylticö&CUQ.
WSR. Friedberg. 23. Rov. Zum Brande in der Kr> chschen Getreidemühle in Asfenheim wird noch mitgeteilt, daß d'.e Mühle bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt ist. Dec Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Man spricht von einer Versicherungssumme von rund 2llz Millionen Mark.
* Bad-Rauhei m, 23. Rov. Der F i - nanzaußschuß des Landtags besuchte am Samstag Vad Rauheim, um sich von der Rotwendigkeit der Forderungen für Wiederherstellungen am Dach, den Speisesälen usw. zu überzeugen, ebenso die Beschaffung neuer Stühle für den Konzertsaal des Kurhauses und die anderweitige llnterbringuung deS medizinischen Instituts zu prüfen. Für die Wiederherstellung des Daches werden 40 000 Mk. gefordert, sür die neuen Stühle 25 000 Mk. Beschlüsse wurden vom Ausschuß nicht gefaßt; die Angelegenheit soll am Dienstag in der Sitzung des Finanzausschusses entschieden werden.
4- Dad-Rauheim. 23. Rov. Der B i I - dungSverein, der durch seine reichhalttge Bücherei und durch die im alten Rathause am Markt befindliche öffentliche Lesehalle durchs ganze Jahr eine stille, aber segensreiche Arbeit im Dienste der allgemeinen Volksbildung leistet, tritt während der Wintermonate durch Vortragsveranstaltungen noch besonders hervor. Seine dieswinterliche Tätigkeit in dieser Richtung eröffnete er heute mit einem gut besuchten Abend im Kurhause, der dem Gedächtnis von Conrad Ferdinand Meyer gatt. In den Dienst der Veranstaltung hatten sich Frl. Porth lGesang) und Mitglieder der hiesigen Singakademie (Chor) unter Leitung von Musikdirektor Rosenrneyer gestellt. Chor und Einzelgesang gaben ehr unmittelbares Bild von Meyers Dichtung, gesteigert durch daS musikalische Element. Den Höhepunkt des Abends >7.1 bete der geistreiche Vortrag von ©tutienrat Daldt über ,.C. F. Meyers Werke


