wie andere 2<e<$ißftrcitigteiien dem Schiedsgericht unterstellt.
Ich stehe nicht an, schon allein diesen einen Punkt, die Verwirklichung DeS SchiedsgerichtS- aedankenL. in LIebeveinstimmung mit den letzten Ausführungen beS britischen Außenministers als eine auherordentlicheSrrungenschaft für die Aufrechterhaltung dcL Weltfriedens und der guten Beziehungen zwischen den Staaten zu betrachten. (Sehr wahrl in der Mitte.) Kleber diese für Deutschland durchaus wichtige praktische Veränderung hinaus bedeutet der Abschluß des Westpaktes, und zwar nicht nur als politische Zukunstähoftnung, sondern als irrnnittelbare vertragliche Wirkung, eine grundsätzliche R e u - gruppierung der Mächte Frankreich, Belgien, Italien, und England standen Deutschland bisher als geschlissene Einheit gegenüver. Jetzt wird eine Politische Vertragsgemern- schaft geschlossen, der alle fünf Lander auf dem Fuße der Gleichberechtigung angehören. Der Gedanke eines Sicherheitspaktes gegen D'utsch- land ist endgültig beseitigt.
Wir haben stets offen ausges.rochLN, das) unsere Stellung zu den Oiifrcgtn nicht die gleiche ist wie zu örn Westfragen, daß deshalb auch im Rahmen *;et Sicherheitdrr'- handlurgrn e'ne dem Wesiralt gleichende in irgendeiner Weise ans He 9tc?r*ei ab- gestellte Reaelung für den Osten nicht in
Betracht kommen könnte. _
Das; Deutschland nicht die Macht und nicht den Willen hat, im Osten Krieg zu führen, brauche ich nicht erneut zu betonen. Wir haben keinen anderen Wunsch und kein anderes Interesse, als auch unsere östlichen Beziehungen sich auf fried Lid) en Wegen entwickeln zu sehen. Ein Beweis dafür find die in Locarno paraphierten Schiedsverträge mit Polen und der Tschechoslowakei. Sie gleichen inhaltlich genau den Schiedsverträgen mit Belgien und Frankreich, nur mit dem grundsätzlichen Unterschied, das; sie sich nicht wie diese letzteren an einen besonderen Sicherheitspakt an- lehnen.
Im Zusammenhang mit diesen Schieds- vcrträgen hat Frankreich in Locarno, wie der französische Außenminister in der Schlußsitzung der Konferenz mitteilte, be sondere Vereinbarungen mit Polen und der Tschechoslowakei abgeschlossen. Deutschland ist an ihnen nicht beteiligt, und sie bilden auch keinen Bestandteil des Vertragswertes von Locarno. Durch diese Sondervereinbarungen sind die nun einmal bestehenden Bündnisse Frankreichs mit Polen und der Tschechoslowakei den Bestimmungen des Westpattes angepaßt und dadurch sowie durch die Eingliederung in das System der Böllerbundssatzung auf eine Grundlage gestellt worden, die als Klärung und Verbesserung des bisherigen Zustandes begrüßt werden kann.
Das ganze System von Verpflichtungen, wie ich es soeben geschildert habe, gipfelt schließlich im Völkerbund, dessen Organe die oberste Instanz für die Entscheidung über die Durchführung jener Verpflichtungen bilden. Eine umfassende internationale Rechts- und ZriedenS- vrdmmg, wie sie das letzte unb höchste Ziel deS Völkerbundes bildet, kann nicht nur auf die bestehenden Zustände abgestellt sein, sondern muß auch Raum für die Entwicklung des Völkerbundes schaffen.
Den Frieden sichern, heißt vor allem die friedliche Entwicklung sichern. Ein Versuch, da) Dölkerleben in einen Zustand 6er Erstarrung zu versetzen, könnte zu nichts an»
• berent als zu einer gewaltsamen Sprengung der unnatürlichen Fesseln führen. Dur darum kann es sich handeln, di« Entwicklung aus den Dahnen der Gewalt in die
Dahnen deS Rechts zu leiten.
Dem sucht auch bi? Völkerbundssatzung Rechnung zu tragen, insbesondere durch den bekannten Satz, daß Verträge, die unanwendbar geworden find, und internationale Verhältnisse, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden könnte, einer Revision unterzogen werden muffen. Mag man die praktische Verwirklichung dieses Satzes, der für alle Arten von Verträgen und für alle Arten internationaler Verhältnisse gilt, zur Zeit auch noch skeptisch beurteilen, so kommt es bei unseren gegenwärtigen Dettachtun- gen doch in erster Linie auf das Prinzip an, und dieses Prinzip steht außer Zweifel. Heber- blickt man das Gesamtergebnis von Locarno, tote es hiernach jetzt zur Entscheidung vorliegt, so bedeutet die Annahme des DertragswerkeS den Entschluß zu positiver Mitarbeit im Völkerleben. Selbstverständlich bedeutet jeder positive Entschluß gleidjgeitig auch eine Bindung. Ich vermag aber nicht zu ernennen, inwieweit sich ein Wachsen der deutschen Kraft, da» die Voraussetzung jeder für Deutschland und die Allgemeinheit nützlichen deutschen Betätigung tm Völ- ferleben ist, durch Abseitsbleiben von der Döl- ferenttoidlung vollziehen sollte. Wenn behauptet worden ist, Deutschland gebe durch den Eintritt in den Völkerbund seine Souveränität auf, so ist dies sicherlich eine völlig schiefe Auffassung. Deutschland unterwirft sich beim Eintritt in den Völkerbund nur denseloen Beschränkungen, denen die anderen Völkerbundsmächte, einschlreß- lich der Grotzstaaten. unterliegen. Gewiß ergibt sich hier ein tatsächlicher Hnterfchied durch die militärische Machtlage. Aber inwiefern wirkt sich dieser Machtunterschied geringer zu Deutschlands Rachtell aus wenn Deutschland dem Völkerbund fernbleibt ? Nachdem der Punkt deS Artikels 16 befriedigend geklärt ist, muß der Gesichtspunkt überwiegen, daß
uns die Zugehörigkeit jum Völkerbund Möglichkeiten eröffnet, die wertvoller sind als diejenige Art von Selbständigkeit, die in Wahrheit nichts
ist als Isolierung und Pnssivllak.
Deutschland wird selbstverständlich das größte Gewicht darauf legen, auch mit den nicht zum Völkerbund gehörigen Staaten, an die es natürliche Inter- effen binden, die besten Beziehungen zu pflegen und zu entwickeln.
Was das Verhältnis Deutschlands zu Rußland anbetrifft, so hat Deutschland unmittelbar vor der Abreise der Delegation nach Locarno durch A b ° schloß des deutsch-russischen Handelsvertrages feinen klaren Willen kundgetan, durch den Abschluß des Locarnovertrages keinerlei Trübung feiner freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland entstehen zu lassen.
Das Deutsche Reich wird, wenn die Zustimmung des Hohen Hauses erfolgt, den Dertraa von Locarno in der festen Absicht abschließen, auf dem dadurch eröffneten Friedenswege mit aller Kratt voranzuschreiten. Ungeachtet der großen grundsätzlichen Bedeutung, die ich dem Vertragswerk von Locarno beilege, erwarte ich nicht, daß nun die Dinge der 5ßelt, die Deutschland angehen, mit einem Male ihre
Genau vuuig üti.'.r.i. uxueii uet üeuijcheu Reichsregierunq, der Länderregierungen und aller anderen ösfenttichen Organe Deutschlands, insbeson- heit der Volksvertretungen, wird in Gemeinschaft mit dem ganzen deutschen Volke auf der Grundlage von Locarno darauf abzuzielen haben, daß wir sowohl auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiet in immer steigendem Maße Nutzen aus der Her- stellung eines wirklichen Friedens in Europa ziehen. (Lebhafter Beifall in der Mitte, Zischen rechts.)
Nachdem Präsident L o e b e noch von einem während der Rede Dr. Luthers eingegangenen kommunistischen Mißtrauensvotum gegen die Neichsregierung unter Gelächter der Mitte Kenntnis gegeben hatte, wird nach 12.30 Uhr die Weiterberatung auf Dienstag vormittag 10 Uhr vertagt.
Die 5oMtiften Md Lscarno.
Loebr
verteidigt d-c Politik der ^raktior:.
Breslau, 23. Roo. (WTB.) Reistagspräsi- dent Loebe veröfentlicht heute in der „Breslauer Volkswacht" einen offenen Brief an seine schlesischen Wähler, in der er die Annahme des Locarnogcfetzes durch die sozialistische Reichstagsfraktion verteidigt und dem Wunsche seiner schlesischen Parteifreunde entgegentritt, das Gesetz e r ft nach den Neuwahlen zu verabschieden. Die deutsche Politik habe schon einmal eine historische Stunde verpaßt, als Herriot und Macdonald in Genf mit großer Geste die Einladung zum Völkerbund ausgesprochen hätten. Man wisse nicht, wie nach einer zweiten Enttäuschung, die Deutschland dec Welt bereiten würde, die Situation für die deutsche Außeupoltik sich gestalten würde. Es sei auch wirtschaftlich unmöglich, die Verantwortung für eine mögliche neue Erschütterung der weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu tragen, die schließlich letzter Endes vermehrte Arbeitslosigkeit zur Folge haben müßte. Derjenige Teil der sozialdemokratischen Partei, der von der Reichstagsneuwahl eine Stärkung ifjrer und der Mittelparteien erhoffe, hätte wahrscheinlich recht, aber auch der schönste Sieg der Sozialdemokratie würde doch nur eine Koalition ermöglichen, die innerpolitisch zu unbefriedigenden Halbheiten führen müsse und das auf Kosten außenpolitischen Verlustes. Die Sozialdemokratie, die die Fahne der Verständigung durch die Jahre des Hasses getragen hätte, dürfte lein Mißverständnis über ihre außenpolitische Haltung und über die Haltung Deutschlands auffommen lassen. Die „Breslauer Volkswacht" bedauert auch nach diesen Darlegungen ihres führenden Abgeordneten die Vermeidung von Neuwahlen. Ihrer Meinung nach hätten diese vor der Verabschiedung des Locarno-Vertrages in einigen Parlamenten des Auslandes eine parlamentarische Grundlage für eine starke Regierung zur Durchführung von Locarno geschossen, während eine Minoer- heitsregierung wieder mit wechselnden Mehrheiten arbeiten werde.
Mißtrauensvotum der Deutschnationalen.
Berlin, 23. Aov. (VDZ.) Die deutsch- nationale Fraktion des Reichstags hat am späten Abend in einer Fraktionssitzung nach langer Aussprache über die politische Lage einstimmig Den endgültigem Beschluß gefaßt, das VertragS- toerk von Locarno a b z u l e h n e n und ein M i ß - trauensvotum gegen das Reichskabinett zu beantragen, dessen Formulierung morgen erfolgen wird.
Ruhland und der Völkerbund.
Moskau, 23. Nov. (WTB. Funkspruch.) Litwinow, der stellvertretende Außenkommifsar, erklärte bei einem Presseempfang, das von der Presse der ganzen Well verbreitete Gerücht, die Sowjetregierung habe ihren Standpunkt gegenüber dem Völkerbund geändert, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Die Sowjctregierung betrachtet den Völkerbund nach wie vor als einen verschleierten Bund der sogenannten Großmächte, die sich das Recht angemaßt haben, über das Schicksal der schwächeren Völker zu versügen. An dem Wesen des Völkerbundes wird auch durch den Beitritt Deutschlands nichts geändert, vielmehr besteht bei einigen Mächten lediglich die Absicht, Deutschland im Rahmen des Völkerbundes zur besseren Durchführung ihrer sow- jetfeindlichenPolitik auszunutzen. Die Sowjetunion ist, wie die Vereinigten Staaten non Amerika, fest gewillt, nach wie vor einer solchen Organisation fernzubleiben.
Vie französische Regmungrttifis
Bri«nd mit der Kabinettsbildung beauftragt.
Paris, 24. Aov. (Wolff. Junkspruch.) Der Präsident der Republik, Doumergue, hat Briand mit der Kabinettsbildung; beauftragt. Briand erKärte dem Präsidenten, er halte es für feine Pflicht, mit allen Kräften zur Lösung der Regierungskrise beizutragen und übernehme daher den Auftrag. Briand hatte gestern abend mit dem Kammerpräsidenten Herriot eine sehr lange Unterredung. „Avenir" will willen, daß Kammerpräsident Herriot erklärt Habe, wenn Briand das Ministerium bilden werde, fo, würde er feine Mitwirkung nicht verweigern. aber diese würde auch nur erfolgen, wenn die nachstehenden drei Bedingungen erfüllt würden:
1. Driands Programm muß 3um Ausdruck bringen, daß er die Politik des Kartells der Linken betreibt;
2. die Mitarbeit der Sozialisten muh gesichert sein:
3. Painleve muß dem Kabinett nnge= hören.
Aach der Unterredung mit Herriot unterrichtete Briand den Präsidenten der Republik davon, daß er erst im Verlaufe deS heutigen Vormittags eine Entscheidung treffen könne, ob er die Kabinettsbildung übernehme. Briand ist, berichtet HavaS, geneigt, die Krisis zu lofen, er scheint aber nicht entschlossen zu fein, das Präsidium des neuen Kabinetts zu übernehmen. Er will nur Leiter der auswärtigen Angelegenheiten fein, da er die Ansicht vertritt, daß mit dem Abschluß des Vertrages von Locarno seine Aufgabe noch nicht erfüllt ist, sondern erst, wenn die Frage der interalliierten Schulden uno die der Beziehungen zu Rußland gelöst sei. Die Frgge, welche Persönlichkeit Cer Präsident der Republik in diesem Falle mit der Kabinettsbildung beauftragen werde, wurde in den Wandel
gangen der Kammer erörtert. Zwei Persönlichkeiten wurden genannt: Herriot und Senator Paul Doumer (im Kabinett Briand 1921/22 Finanzminifter). Rach dem -Oeuvre" besteht, toemt Briand seine Enquete über die allgemeine Lage beendet hat, die Möglichkeit, ein Kabinett mit den Sozialisten zu bilden. In diesem Falle käme als Ministerpräsident Herriot in Frage. Wenn aber die Sozialisten zu wettgehende Bedingungen stellen, so käme eine Regierung Doumer in Betracht, die sich nach rechts bis zu den Links-Republikanern erstreckt.
Obwohl die sozialistische Kammersraktion noch keine Entscheidung über eine eventuelle Teilnahme an der Regierung gefällt hat, scheint schon jetzt innerhalb der Partei folgende Auffassung vorzuherrschen: Die sozialistischen Parlamentsmitglieder würden ihren Anteil Verantwortung an der Regierung übernehmen, wenn die sozialistischen Abgeordneten, die in das Kabinett cinlreten, gewisse bedeutende Ministerien übernehmen würden, beispielsweise das Ministerium des Innern, das Kriegsmini- fteriurn, das Ministerium für öffentliche Arbeiten und das Finanzministerium. Das Negierungsprogramm müßte direkter von der Doktrin der Sozialistischen Partei inspiriert sein, insbesondere was die wesentlichen aktuellen Fragen der Finanzpolitik, der Außenpolitik, der Kolonialpolitik usw. betreffen. Die Ausarbeitung dieses Programms müßte zu gleicher Zeit wie die Bildung des Kabinetts verwirklicht werden, damit jede lieber» raschung ausgeschlossen wäre.
MemMHsel in Spanien? Priinv dc Rivera verkündet die Rückkehr der z:v Len Gewalt.
Paris, 24. Aov. (SH.) Rach einer Meldung des „Temps"-Korrespondenten auö Madrid hat General Primo de Rivera eine längere Erklärung abgegeben, worin er die Aufgabe des Direktoriums für beendet erklärt und die Stunde für gekommen erachtet, ein aus Zivilisten und Militärs zusammenge- letztes Ministerium zu bilden. Die neuen Minister werden vorwiegend Fachleute fein, jedoch wird auch d i e künftige Regierung einen diktorialen Charakter be- ; ahren. Die im September 1923 in da-3 Ministerium berufenen Generale werden wieder ihre alten militärischen Posten einnehmen, doch werden sie für ihre Verdienste eine ganz besonder« Auszeichnung, u. a. einen lebenslänglichen Se- ratssitz, erhalten. Primo de Rivera plant eine neue Kammer zu schaffen, die zum Seil aus bevorrechtigten Abgeordneten und schließlich aus Abgeordne'en bestehen soll, die nach einem sehr eingeschiä k en Wahlrecht ge vählt werden sollen. Vrimo de Rivera hofft, die Frage der bisherigen Einkommensteuer durch eine K a p i t a l st e u e r ersetzen zu können. Er geht sogar so weit, die Vermögenssteuer für die moralischste aller Steuern anzusehen.
Die Unterbrü&ung des DeuLsch- §ums in der Tschechoslowakei.
Berlin, 23. Aov. (WTB.) Im Anschluß an einen die Entveutschungsmaßnahmen in der Tschechoslowakei behandelnden Vortrag des Professors Klemen l» Wien wurde anläßlich der Hauptousfchußfitzung des Vereins für das Deutschtum im Auslande eine Entschließung gefaßt, in der die tiefe Besorgnis der deutschen OeftentlichkeiL über den systematischen Hnte rdrückungskampf ausgedrückt wird, der sich in der Tschechoslowakei unter Förderung der leitenden Stellen gegen das bodenständige Deutschtum richtet. Das Gewissen der Welt und die vertraglich berufenen Schützer Der Minderheiten werden gegen diesen Mißbrauch der Gewalt in der Tschechoslowakei aufgerufen. um das parteipolitisch zerrissene Deutschtum in der Tschechoslowakei zur Einigkeit aufzufordern.
Eine italienisHe DsAarspsude.
Rom, 23. Aov. (Agenzia Stefani.) Ein Ausruf an das Volk zur Sammlung von Dollars, wodurch die Regierung in den Stand gefetzt werden soll, die Kriegsschulden an Amerika abzu tragen, hat besten Erfolg. Der König, alle Mitglieder der königlichen Fa- mllie, alle Minister und Parlamentsmitglieder sowie Persönlichkeiten aller Kreise beteiligten sich an der Spende. Staatsbeamte, Privatang^stellte, Studenten und Arbeiter zeichneten in Massen. De- merfendtDcrt ist die Beteiligung des Verbandes der Priestervereine, dessen Vorstand in einem Aufruf die Geistlichkeit zur regen Mitarbeit an die fern vaterländischen Werk auffordert.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers Dr. Luther den Reichskanzler mit der Wahrnehmung Der Geschäfte des Reichsjustizministers und den Reichsministec Dr.. Brauns mit Der Wahrnehmung Der Geschäfte Des Reichsministrrs für Die besetzten Gebiete beauftragt.
Der Hessische Landtag ist auf Dienstag, 8. Dezember, einberufen worden. Die Tagesordnung enthält außer dem Staatsvoranschlag etwa 100 Beratungsgegenstände. Dis Tagung ist auf 14 Tage berechnet.
Die Vergleichsverhandlungen Der preußischen Regierung mit den Vertretern des Hvhen- zollernhaufes übet die Höhe der Abfindungssumme stehen vor dem Abschluß. In nächster Woche wird eine entsprechende Vorlage dem preußischen Kabinett vorgelegt werden. Schon jetzt kann aber gesagt werden, daß die in der Presse verbreiteten Zahlen — es ist zum Seit von einer Milliarde gesprochen worden — als p h a n t a st i f ch bezeichnet werden müssen.
Das britische Unterhaus hat eine von Premierminister Baldwin eingebrachte Entschließung angenommen, in der dem König anläßlich des Todes der Königin-Mutter Alexandra das Beileid des Hauses ausgesprochen wird. Für die Entschließung hatten sich auch Macdonald und Lloyd George ausgesprochen. Alle Redner gedachten in anerkennenden Worten der Verstorbenen und hoben die Beliebtheit hervor, deren sie sich beim Volke erfreute.
Wettervoraussage.
Wechselnd bewölkt, frische nördliche Winde, Frost, meist trocken.
Während das nordöstliche Fallgebiet feine Sage unverändert beibehält, hat sich die Hoch- drucklage von England her ein wenig in östlicher Richtung ausgebreitet. Immerhin können Ausläuser des Tiefs zeitweise in südwestlicher Richtung vordringen und vorübergehende Störungen bewirken. Später dürfte mit zunehmender Aufklärung zu rechnen fein.
Temperatur: ailarimum 1,3. Minimum 0,5, Riederfchläge 1,2 Millim., Morgentemperatur 1,3 Grad Celsius.
In unterrichteten Kreisen verlautet, daß der russische Außenminister Tschitscherin in den nächsten Tagen in Paris eintrifft, um persönlich mit der französischen Regierung zu verhandeln. Gleichzeitig wird der französische Botschafter in Moskau, Herbette, in Paris eintreffen.
Die Meldungen, nach denen der Heilige Stuhl cs ablehnte, die Mitteilung über der Amtsantritt des neuernannten jugvfiaoij.chen Gesandten Iowanowitsch entgegenzunehmen, ließen auf das Bestehen eines Konfliktes zwischen der jugoslavischen Regierung und dem Vatikan schließen. Aach Erkundigungen an zuständiger Stelle ist festzustellen, daß der Zwischenfall in Wirklichkeit ein Mißverständnis war, das nunmehr erledigt ist.
Das Eisenbahnunglück NonBellmzonavorGericht
Lörrach, 23. Nov. (TU.) Der heute in Del linzona vor dem ersten Kantonalen Gericht des Tes° (ins beginnende Prozeß zur Feststellung der Der antwortlichen an dem Eisenbahnunglück von Bel linzona vom 23. zum 24. April interessiert Deutsch land einmal deswegen, weil unter den 15 Todesopfern — neun Reifende und sechs Bahnbeamte — mehrere Deutsche waren, darunter Staatsminister H e l f f e r i ch mit seiner Mutter, außerdem aber auch wegen der technischen Seite, da sich das Unglück, das allgemein auf die veralteten völlig u n genügenden Sicherungsanlagen des Rangierbahnhof.s von Bellinzona zurückgeführt wird, durch die Explosion des Gasbc Halters eines badischen Dierachsen wagens vergrößerte.
Aus der Anklageschrift des Staatsanwaltes sei skizzenhaft folgendes wiedergegeben: Das Unglück wurde durch Di? Verspätung des Gu.ernach! zuges 8572 eingeleitet, der fahrplanmäßig uui 2.30 Hhr auf dem Rangierbahnhof von Dellii- zona S. Paolo eintreffen sollte, den der Rord- süd-Zug 70 um 2.28 UEjr morgens' passierte Der Rachtgüterzug hatte Verspätung und wurdc vom Schnellzug in Ambri-Piotta, eine Stativ: vor Dem Gotthard-Tunnel überholt. Der angeklagte Stationsgehilse Or eilt verständigte Di Stationen bis Diasca, das er ersuchte, die Mel düng vom Heberholen durch den Schnellzug nach Bellinzona weiterzugeben. Die Zwischen Rationen Osogna und Castione waren während Der Rächt unbesetzt. Der stellvertretende Vorstand von Biasca, Riega, behauptet, er habe sich nur verpflichtet die Meldung bis zur 3tob Ichenstcttion Claro toeiterzugeben. Dllinzona erfuhr durch diese Hnterlassung die Heberholung zu spät.
Der Sudnord-Schnellzug, der infolge Der umständlichen italienischen Pah- und Zollrevision in Chia'fo eine Stunde Verspätung hatte, war durch den Souschef S ch a a D bereits ab- gefertigt Als er die AenDerung Der Zugreihen- folge Dem Weichenwärter des nörd'i ' n Postens Mimazzoli r.tifteilte, war eZ bereits zu spät. Er konnte die Weiche, Die für Der. Güterzug gestellt war, nicht mehr für den aus Richtung Rord kommenden Schnellzug umstellen. Der Schnellzug üb er fuhr Da) auf Halt gestellte Einfahrtssignal und stieß so mit ö oller Wucht auf den SudnorD-Zug in der Gleiskreuzung auf. Der Führer des RorD- fud-Züges verlor hierbei auch fein Leben. DaS Haltesignal soll allerdings schwer gu sehen gewesen fein.
Angeklagt sind die Stattonsbearnten Orelli, von Arnbrl-Piota und Riegg von DiaSca. daß sie Die Heberholung des Güterzuges durch Den Schnellzug, durch den das Hngluck herbeigeführt wurde, nicht nach Belli- zona weitergerneldet haben, während der Hntcr- stationsvorstand Schaad aus Bellizona angenagt wird, daß er Den Sonderzug habe ausfahren lassen, ohne die S'.cherungsvorkehrun- gen getroffen zu haben. Als Vierter wird der Weichenwärter M i n a z z 0 l a aus Bellinzona beschuldigt, infolge nicht rechtzeitiger Weichen- stcllung den Zusammenstoß herbeigeführt zu haben.
Aus aüer Wett.
BodenreformertagttNst.
Berlin, 23. Rov. (TH.) Der Bund Der deutschen Bodenreform er hielt in der Technifq-211 Hochschule zu Eharlottenburg unter dem Vorsitz Adolf Damaschkes seine 30. Hauptversammlung ab. Damaschke beging gleichzeitig seinen 60. Geburtstag. Es wurden ihm aus diesem Anlaß zahlreiche Glückwünsche übermittelt. Hnter den Anwesenden Begegnete man u. a. Vertretern der Reichsregierung, Der preußischen Staatsregierung, Der Stadt Berlin, des preußischen Landtages, sowie den Anhaltischen Ministerpräfiden- tcn. Dr. Damaschke erstattete Den Geschäftsbericht, au5 dem hervorgeht, daß Der Bund wertvolle Arbeit geleistet und wefentliche Fortschritte in seinen Bestrebungen erreicht hat. Regierungspräsident Krüger-Lüneburg sprach zum Entwurf eines Stadtebaugefetzes und Professor Dr. Boldt-Göttingen über die Bewertung des Bodens im Reichsbetoertungsgefetz. In der Rach- mfttagSsitzung sprach Oberregierungsrat Dr. Hoppe-Dresden über „Mietzinssteuer und Grundrentensteuer". Darauf behandelte der an- haitische Landtagsabgeordnete Pastor Dauin - ecker die Trennung von Dau- und Bodenwerten in Anhalt. Die Schlußsitzung findet am Dienstag statt, an die sich am Abend noch eine Feier des 60. Geburtstages Dr. Damaschkes anschließt.
Ein Drcmer Schausplr.'prels.
Der Goethebund in Bremen begründete unter Mitwirkung Des Bremer Schaufpielhofes und Der Vertriebssst-elle Des Verbandes Deutscher Bühnenschrisisteller und Buhnenkomponisteii in Berlin eine Stiftung, um zunächst Das Deutsche Drama derGegenwart Prak-
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