Ausgabe 
24.10.1925
 
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Der griechisch-bulgarische Konflikt.

Bulgariens Appell an den Völkerbund. - Eine Ratssitzung inParis.

Ueberreichung der deutschen Entwaffnungrnote

Parts, 24. Oft. (SSL) Von der deut­schen Botschaft in Paris wurde gestern folgen­des Kommunique ausgegebenDer Bot­schafter von Hoesch. der Freitag früh wieder nach Paris zurückgekehrt ist, hat am selben Vormittag dem Generalsekretär der V o t» schafterkonfercnz durch einen stellvertre­tenden Botschaftsrat eine Bote über den Stand der Abrüstungsfrage über- reichen lassen. Am Rachmittag hatte der deutsche Botschafter wiederholt Unterredungen mit Bri- and und dem Generalsekretär des Quai d'Orsay, Berthelot. Herr- von Hoesch, gab beiden Herren einen Uebcrblick über die Eindrücke, die er in Berlin gewonnen habe. 3m weiteren -Verlauf der Unterhaltung wurden Aragen zur Sdracke gebracht, die mit der künftigen Ge­staltung des Verhältnisses beider Länder im Zusammenhang stehen.

Wie verlautet, ist die 'Rote unverzuglio^den alliierten Botschaftern zugestellt Vordem Man erwartet, daß die Botschafterkonferenz bereits Montag zur Prüfung des Schriftstückes zusam­mentreffen wird. Die Abendblätter glauben zu wissen, daß die Rote folgende Punkte enthalt:

1. Die bereits ausgeführten Abrüstungsmah- nahmen.

2. Maßnahmen, die Deutschland weiterhin auszuführen gedenkt. .

3. die Punkte, über die zwischen der Rerchs- regierung und der interalliierten Kontrollkom­mission noch keineVerständigung herbei­geführt wurde. .

In der Rote heißt es zuin Schluß, die deut­sche Regierung werde mit Genugtuung von der Festsetzung eines Datums der Räu­mung des Kölner Gebietes durch die Alliierten Kenntnis nehmen.

Keine Ausweisung deut­scher Optanten aus Polen

Warschau, 23. Off. (1DXB.) Die Bemühun­gen der deutschen Gesandtschaft hoben nach Jah­resfrist doch zu einem erfolgreichen Abschluß ge­führt. Minister des Aeutzern Gras Skrzynski erklärte heute mittag dem deutschen Gesandten Rauscher, daß die polnische Regierung in An­betracht der seit Locarno eingetretenen politi­schen Entspannung sich heute in der Lage sehe, aus das Recht zu verzichten, die für den 1. Rovember zum Verlassen Polens bestellten deut- schcn Optanten des Landes zu verweisen. Die deut­sche Gesandtschaft hat zugleich die deutschen Gene­ralkonsulate und Konsulate in Polen zwecks recht­zeitiger Benachrichtigung der deutschen Optanten hiervon in Kenntnis gesetzt.

Die Caillaux-Krise.

Paris. 24. Oh. (WTD. Fuickspruch.» Rach demMatin" hat der gestrige Kabinettsrat einen dramatischen Verlauf genommen. Kaillaut hotte sich in Allgemeinheiten über seine Finanz- pläne geäußert, worauf Kultusminister de Mon- z i e sein Erstaunen darüber ausdrückte, daß sechs Monate, nachdem Caillaux Finanzminister ge­worden sei, er nicht einmal ein umfassendes Programm ausgearbeitet habe. Eaillaux habe lebhaft erwidert, aber die große Mehrheit der Anwesenden sei zurückhaltend gewesen. Eaillaux habe dann die Ausarbeitung der definitiven Gesetzentwürfe in Aussicht gestellt. Man habe ihm nahegelegt, zurückzutreten, damit ein anderer Finanzministcr die Finanzsanierung durchführen könne. Kaillaux habe aber geant­wortet, er werde das Finanzministerium nur auf Grund einer Abstimmung im Par- I a m e n t verlassen. Gegen den Gedanken des Rücktrittes des gesamten Kabinetts habe Vriand erklärt, das sei nicht angängig, der Außenminister müsse von der Kammer unverzüg­lich die Erörterung des Abkomntens von Locarno fordern, dessen Ratifizierung sobald wie möglich erfolgen solle, was aber durch eine Kabinettskrise hinankgeschoben werden würde. Schließlich babe man sich für eine Vertagung des Kcchinetlsrates auf den kommenden Montag ent­schieden.

Preußischer Landtag.

Berlin. 23. Oft. (WB) Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Abg. Gieseler (V.) folgende Erklärung ab: Ich stelle fest, daß der Minister Hirthsiefer bis heute seine Be­leidigungen gegen mich außerhalb des Hauses nicht zu wiederholen gewagt hat, so daß ich noch nicht die Möglichkeit hatte, ihn zu verklagen. Meine Gewährsleute, welche keine Spitzel, son­dern ehrenwerte und angesehene Wiener Männer sind, bestätigen nochmals ausdrücklich den Sach­verhalt so. wie ich ihn vorgetrogen habe (daß der Minister in Wien in betrunkenem Zustand mit zweifelhaften Frauenspersonen gesehen sein soll. D. Red.), und sind bereit, ihre Aus­sage vor Gericht zu beeiden. Darüber habe ich eine eidesstattliche Versicherung aus Wien in Händen. Ich fordere daher den Minister Hirthsiefer nochmals auf, seine Beleidigungen gegen mich außerhalb des Hauses zu wiederholen.

Die allgemeine Aussprache zum Justiz- haushalt wird sodann fortgesetzt.

Abg. Menzel-Halle (Komm.) erklärt, die Belastung der unteren Beamten in den Gefäng­nissen sei vikl zu groß. Der Berliner Straf- v-lllzugspräsident möge sich Rußland zum Mu st er nehmen, das auch seine Gefan­genen menschlich behandele. Der Redner schildert unter lebhaften Kundgebungen seiner Parteifreunde eine Reihe von Fällen, in denen Gefangene grausam mißhandelt worden seien.

Abg. Dr. Grzimet (Dem.): äänberuhigt ist die große Mißstimmung, die in weiten Kreisen des gesamten Volkes über die Einstellung der Juristen und der Richter zutage getreten ist. 3n die Iufti,z Verwaltungsstellen und in die Staatsanwaltichaft sind auch Republikaner zu berufen, damit eine gesunde Mischung angebahnt wird. Die Dor- und Ausbildung dar Juristen hat auch Menschlichkeit und Volkstümlichleit zu umfassen. Die Anhörung der Anwaltskammer bei der Geschäftsv-erteilung würde von wesent­lichem Ruhen sein. Die gemeinsame Ausbildung der Derwaltungs- und Iastizreferendare ist not­wendig . Zur Popularisierung der Rechtspflege bleibe noch so viel wie alles zu tun.

Abg. Mulle (Dtfch.-Völk.) An d.e Stelle rt Rechtssicherheit ist eine Rechtsunsicher­ei t getreten. In der Politisierung unseres

Mit dem Eingreifen des Völker­bundes, dessen Rat auf Verlangen der bul­garischen Regierung zum Montag nach Paris einberufen worden ist, tritt der griechisch-bul­garische Konflikt in ein neues Stadium Gleich­zeitig tauchen aber auch zahlreiche Probleme auf, die zu lösen, Sache des Völkerbundsrates fern werden, wobei dieser aber zu bedenken hat, daß wohl kein anderes Volk mit Ausnahme des griechischen und des bulgarischen mit so großer Spannung und Aufmerksamkeit nach Paris chauen wird, wie das deutsche. Hängt doch von dem Schiedsspruch und den Handlungen des Ra­tes außerordentlich viel für die Verträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ab. Rehmen wir einmal an, der Völkerbundsrat kommt zu der übereinstimmenden Ansicht, daß Griechenland einen wohl über­legten Ü e b e r f a l l ausgeführt habe. Was wird er in diesem Falle beschließen? Wird er, falls sich Griechenland einem Beschluß, der den Rückzug des griechischen Militärs fordert, widersetzt, Bulgarien mit aus r eiche ndenStreit- kräften sofort zu Hilfe eilen?

Wo werden diese Streitkräfte angeseht, und wird "Bulgarien zur Etappe, so daß es alle Lasten tragen muß? Wer bezahlt nachher angesichts der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands die Schä­den. und wie wird vor allem der erste De- ch l u h aussehen, der unmittelbar nach dem Zusammentritt zustande kommen und sich mit der Frage beschäftigen muß, ob die griechischen Streit­kräfte ungestört weiter in das entwaffnete Bul­garien einmarschieren dürfen oder sofort dort Halt machen müssen, wo sie gerade stehen? Das sind alles Fragen, die dem Rat sehr viel Kopf­zerbrechen bereiten dürften, weil der Balkan ür die großen Mächte auch heute noch ein heißes Eisen ist, und es jetzt gilt zu zeigen, ob der Völkerbund Autorität und Macht genug besitzt, ein entwaffnetes Voll vor dem ile&erfall eines bis an die Zähne bewaff­neten Rachbarn wirkungsvoll zu schützen und den Störenfried zur Rechenschaft zu ziehen. Bei den vom Balkan kommenden Rachrichtcndurcheinander ist es natürlich für uns unmöglich, festzustellen, wer Schuld an dem Konflikt hat. Fest steht aber schon so viel, daß sich Griechenland dadurch ins Anrecht gesetzt hat, weil es nicht ebenfalls ofort den Völkerbund anrief und somit den An­schein aufkommen ließ, als habe es Bulgarien überfallen. Wir sind jedenfalls gespannt, wie die Pariser Entscheidung aussehen wird.

Der Notenwechsel.

Genf. 23. Oft. (TLl.) Heute um 9 älhr vormittags lief im Völkerrbundssekretariat eine telegraphische Rote der bulgari­schen Regierung ein. die auf Grund der Paragraphen 10 und 11 des Völkerbundspaktes um Interventi on des Völkerbunds- r a t e s im griechisch-bulgarischen Zwischenfall ersucht. Die bulgarische Rote gibt eine ein­gehende Darstellung der am 19. Oktober um 3 älhr nachmittags erfolgten Grenzver­letzung bei Demir -Kapu durch die Gric^ chen. Als Beweis dafür, daß die Griechen die Schuld an dem Zwischenfall tragen, weift die Rote darauf hin, daß der erste Tote auf bul­garischem Boden fiel.

Der Generalsekretär des Völkerbundes erhielt bald darauf ein z wei t es Telegramm der bulgarischen Regierung mit folgendem Wortlaut: Im Anschluß an mein Telegramm vom 22. Ok­tober glaube ich zur Kenntnis des Völkerbundes bringen zu müssen, daß

die griechischen Truppen die Operationen am gestrigen Rachmittag und während der Nacht fortgesetzt haben und auf einer Front von 32 Kilometer Lange und in einer Tiefe

Richterstandes, in dem Abbau von Rich­tern. die lediglich ihrer Pflicht treu geblieben sind, ist man im Begriff, geradezu verhängnis­volle Wege einzufchlagen. Im Punkte der Ver­setzung des Abg. Dr Körners hat gestern der Staatssekretär eine glatte Verletzung der Reichs­verfassung zugegeben.

Staatssekretär Fritze: An Gellnnungs- riecherei denkt das Justizministerium nicht. Richter können aus ihrem Amte nur durch Richterspruch entfernt werken. Was die Versetzung des Abg. Dr. Körners betrifft, so habe ich schon gestern erklärt, daß sie mit einer Tätigkeit als Abgeord­neter nichts zu tun hat. daß sie vielmehr aus dienstlichen Gründen (Lachen rechts) zur Beseitigung eines unerträglich gewordenen Ver­hältnisses erfolgt ist. Don einer Verletzung des Artikels 36 der Verfassung durch mich kann keine Rede fein. (Zurufe rechts.)

Abg Heil mann (S.) Wir wünschen ja alle, daß der Iustizminister noch lange in voller Kraft an seinem Platze stehen möchte. Aber sein Gesundheitszustand legt ihm bei der Führung der Geschäfte manche Hemmungen auf. Es geht nicht an, daß das Ministerium noch langer ohne leitende Hand bleibt. Wir kranken nach wie vor an dem ilebcl der Klassenjustiz. Wir wünschen an der Spitze des Justizministeriums einen Mann zu sehen, der einen festen Schritt geht und in wahrer republikanisch-demokratischer Gesinnung seines Amtes waltet.

Abg. Dr. Schmitt (Z.) Wir fordern, daß der Erziehungsgedanke beim Strafvoll­zug in den Vordergrund gestellt wird. "Wir for­dern besonders den älnterricht für die Gefan­genen.

Abg. Meyer (D. Dp.) erklärte, Bevorzu­gung von republikanisch gesinnten Richtern lehne die Deutsche Volkspartei entschieden ab. Eie ver­lange, daß alle Richter ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung angestellt und befördert werden. Don der Deutschen Volls­partei stamme der Antrag, wonach nicht das subjektive Moment, betont wurde, sondern all­gemein das objektive, daß die Beamten auf dem Boben der Verfassung loyal ihr Amt zu führen haben. Der Redner forderte vermehrte Ausftiegmöglichkiten für die Justizwachtmeister, trat für die Wünsche der Kanzleibeamten, Durch­führung der kleinen Iustizreform zur Entlastung der Richter ein. Der Strafvollzug müsse von Humanität erfüllt sein. Auch die ärztliche Versor­gung der Gefangenen müsse sicher gestellt werden. Eine Konkurrenz des Handwerkes durch Gefäng- niSarb'iter sei tunlichst zu beschränken

Abg. Dr. Dolezhch (Dntl.) lehnt gleichfalls eine Bevorzugung republikanisch eingestellter hö­herer Beamter ab. Der Redner fordert Ver­

don 10 Kilometern auf bulgarischem Gebiet vorgedrungen sind.

ilnfere Verluste betragen bis jetzt drei getötete Soldaten, sechs Soldaten und ein Offizier wurden verwundet, während sieben Soldaten verschwan­den und ein Techniker schwer verwundet wurde. Von den Einwohnern von P e t r i t s ch, das von den griechischen Truppen beschossen wurde, wurden sieben verwundet. Ramens der bulga­rischen Regierung erneuere ich mein gestriges Gesuch Sie möchten die Güte haben, den Völker­bund dringend einzuberufen.

gez. K a l k o f s, Minister des Aeußeru.

Der Generalsekretär Sir Eric Drum- mond setzte sich sofort mit dem Vorsitzenden des Völkerbundsrates. B r i a n d. telephonisch in Verbindung. Es wurde beschlossen, eine außer­ordentliche Ratssitzung für Montag, den 26. Oktober, 4.30 ilf»r nachmittags nach Paris einzuberufen und alle Ratsmitglieder hierzu unverzüglich einzuladen.

Vriand hat als amtierender Vorsitzender des Dölkerbundrates an . die bulgarische und griechische Regierung folgendes Telegramm gerichtet:

Der Generalsekretär des Völkerbundes be­rief. gestützt auf Artikel 11 des Paktes, den Rat für den nächsten Montag zu einer Sondersession nach Paris ein. In dieser Tagung wird der Rat zusammen mit den Vertretern Grie­chenlands und Bulgariens den ganzen Fragenkomplex prüfen. Indes bin ich gewiß, einen Wunsch meiner Kollegen zu interpretieren, wenn ich die beiden Regierungen an die Dorpslich - tungen, tvolche ihnen als Mitglieder des Völkerbundsrates auferlegt sind, auf Grund des Art. 12, nicht zum Kriege zu schreiten und an die schwerwiegenden Konsequenzen, welche nach den Pakten aus dessen Verletzungen sich er­geben würden, erinnere. Ich ermahne die beiden Regierungen, unverzüglich die nötigen Instruk­tionen zu erteilen, damit die Prüfung des Streit­falles durch den Rat nicht durch neue irt i (i* täris che Operationen unterbrochen werde, sondern daß die Truppen jeder Regierung fofort, hinter ihre Grenzen zurückge­zogen werden, gez. Brian d."

Zortsetzung der Feindseligkeiten?

Sofia, 23. Oft. (B. Z.) Die Griechen setzten ihren Vormarsch auf bulgarisches Gebiet fort. Bei ihrem Einfall über die Grenze, geschützt durch Dunkelheit und Rebel, nahmen sie drei bilgarische Grenzstellungei' ein. Dann rückten sie etwa 6 Kilometer längs des Struma- Stromes vor in der Richtung auf Marnopols. Vormittags wurde das Dors Markokost inovo im Strumatal östlich von Petritsch beschossen. Ein griechisches Flugzeug belegte die Brücke beim Bahnhof Levunovo mit Bomben. Die Gerüchte von einer Einnahme der Stadt Petritsch haben sich dagegen nicht bestätigt.

Der bulgarische Generalftab hat beschlosst, daß die bulgarischen Truppen, die sich lisher vor den vordringenden Griechen zurück­gezogen haben, nunmehr in Aktion treten sollen. Der Kriegsminister hatte eine Besprechung mit dem Sofioter Garnisonskommandanten, dem er Instruktionen in diesem Sinne gab. Donners­tagabend sollen die bulgarischen Truppen zum Gegenangriff übergegangen sein. Alle in Sofia stationierten ausländischen Zeitungs­korrespondenten sind gestern nach Petritsch ab­gereift.

In Paris liegt dagegen die Rachricht vor, die Bulgaren hätten ihre Truppen in dem­selben Augenblick zurückgezogen, in dem die bulgarische Regierung den Völkerbund zur Regelung des Streitfalles angerufen habe.

mehrung der Kammern für Handelssachen. Abg. Arteldt (Wirtsch. Vgq.) legt scharfen Einspruch gegen die Praxis vieler Strafanstal­ten ein, die Konkurrenz, dia die Strafanstalten dem freien Gewerbe machen, auf die Spitze zu treiben. Rach weiteren Darlegungen des Abg. G e h r m a n n - Rathenau (K.) und des Abg. Lüdicke (Dntl.). der einen Fall anführt, wo die Besetzung einer Richterstelle mit einem Re­publikaner zugestandenermaßen aus politischen Gründen erfolgt ist. schließt die allgemeine Be­sprechung. Das Gehalt des Iustizminiftecs und die Besoldung im Ministerium werden bewilligt und der Gesetzentwurf zur Abänderung der Ge­richtsgemeinschaftsverträge angenommen, v.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg wird auf einige Tage nach Hannover kommen. 21m Montag, 26. Oktober, sind die Spitzen der Be­hörden zu einem Essen geladen.

Ein Schutz verband der Dorkriegs- Pfandbriefinhaber bildete sich in Berlin (Hohenzollernstrahe 7). Der Verband bezweckt den Zusammenschluß der Inhaber von Dorknegs- Pfandbriesen zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei den zuständigen Regierungsstellen und gegen­über den Hypothekenbanken Der Umlauf an Vorkriegspfandbriefen wird auf mehr als fünf Milliarden Mark geschätzt. Der Aufwertungs­betrag ist somit etwa l1 4 Milliarde Rentenmark, die sich auf viele Tausende von kleinen Sparern verteilen.

Wie dieDeutsche Tageszeitung" mitteilt, ist die frühere volksparteiliche Abgeordnete Frau Katharina v. Oheimb der Wirtschafts- Partei beigetreten.

Anläßlich des mehrtägigen Besuches der Königin in der südlichsten holländischen Provinz Limburg fand gestern in Maa­st r i ch t die feierliche offizielle Eröffnung der Arbeiten an dem neuen Iulianakanal statt, bei der die Prinzessin Juliana in An­wesenheit dec Königin, des Prinzgemahls und des Ministers für Wasserbauten und öffentliche Arbeiten den ersten Spatenstich für den neuen Kanal ausführte.

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Der polnische Landtag lehnte das von der radikalen Bauernpartei eiiigebrachte Miß­trauensvotum gegen den Ministerpräsidenten Grckbski mit 182 gegen 153 Stimmen ab.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 24. Oktober 1925.

Aus Wiedersehn!"

Wie oft sagen wir heuteAuf Wieder s"hon!" Nur allzu oft! Das französischeAdieu" ist glück, licherweise nun ganz ausgestorben, dafür haben wir diese deutschen Worte. Gewiß, ein schöner Wunsch ist diesesAuf Wiedersehen", aber meinen wir es denn wirklich immer ganz so?

Leider ist dieser Gruß zu einer leeren Höflich keitsformel ohne jede Innerlichkeit geworden. Nichi überall natürlich! Oft haben uns wenige Worte des Verstehens oder der Teilnahme einem Menschen viel näher gebracht als manche andere Alltagsbe­kanntschaft. Wenn man bann beim ScheidenAuf Wiedersehen" sagt/ist dies mehr als ein Dank-, doch wie oft wird das Wort mißbraucht und gedankenlos nachgesprochen! Wie wenig Aufrichtigkeit, finden mir in dieser Beziehung!

Gin echter Gruß soll grüßen, uns den angerede- ten Menschen näher bringen. Nur die wenigsten Menschen denken daran! Es gibt leider so viele, die zu allen Tageszeiten, beim Kommen und Gehen tets nur ein gleichgültigesn Tag" haben. Ist das überhaupt noch Höflichkeit^Ijt. dieser dumpfe Laut noch ein Gruß? Stumpf und ii?tz«lllos ge­worden sind diese Worte, die mit ,Sinn und be­wußt gesprochen doch so schön klingen.

Ebenso ist es mit dem,, Auf Wiedersehen". Ist es wirklich ernst gemeint, wenn wir zu allen Men­schen so sagen, auch zu denen, die wir nicht kennen, mit denen wir zufällig nur ein paar Worte ge­wechselt haben, um sie nie wiedersehen zu wollen.

Wir wollen daher unserAuf Wiedersehen" nicht zur inhaltlosen Phrase werden lassen »nd nicht so ohne Bewußtsein nachsprechen, denn wir haben ja in unserer reichen deutschen Sprache nicht nur diesen einen Gruß, wenn mir uns von jemand trennen. Auch hier kann man sich selbst erziehen uni) die Oberflächlichkeit bekämpfen. Nichts schadet uns mehr als kalte Höflichkeit ober gar gedankenlose Gleichgültigkeit!

Darum, Deutscher, grüße nicht nur mit deut­schem Wort, sondern auch mit deutscher Herzlich­keit und mit ein wenig Ueberlegung.

Mehener Mochcnmarktpreisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmorkt: bas Pfund: Butter 210 bis 220 Pfennig, Matt« 35, Käse 65 bis 70. Wirsing 8 bis 10, Weiß­kraut 6, Rotkraut 10, gelbe Rüben 10, rote Rüben 5, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 10, Llnterkohlrabi 6, Grünkohl 20. Rosenkohl 40, Feld­salat 100, Tomaten 40, Zwiebeln 12, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 50, Kürbis 6, Pilze 30. Kartoffeln 4. Aepfel 15 bis 20. Birnen 15 bis 30, Honig 40, Trauben 65. Rüsse 40 bis 45. Tauben 80, junge Hahnen 120, Suppenhühner 110, Gänse 110; bas Stuck Eier 16 bis 19, Blumenkohl 20 bis 140, Salat 10, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig.

" Wichtig für den Automobilver- kehr. Auf den Kreisstraßenstrecken Gießen- Steiubach und Gießen Rciskirchen finben in den nächsten Tagen stärkere Eindeckunge,' mit Flickwalzung statt. Den Automobil- besitzern wird deshalb vom Kreisamt empfohleii, diese Straßen bis zum 31. Oktober zu meiden. Den Anordnungen des Strahenaufsichtspersonals wegen Regelung des Verkehrs ist Folge zu leisten.

Das D e r k e h r s s l u g z e ugGieße n" das wie gestern berichtet wegen schlechten. Wetters auf dem Exerzierplatz in Fulda not« landen mußte und dabei infolge unebenen Ge­ländes Propellerschaden erlitt, hatte dadurch eine dreistündige Fahrtunterbrechung. Rach dem Ein- treffen eines Ersatzpropellers aus Srantfurt !vnnte der Flug fortgesetzt werden. Die Maschine kam wohlbehalten im Frankfurter Flughafen on.

** Praktische Neuerung. Im Schalter« raum des Postamts 2 in der Schulstraße ist feit heute eine große elektrische -Ü b r angebrachst womit einem längst fühlbaren Bedürfnis Rech­nung getragen sein büritc.

** Die Gießener Kunsts ammlunz mit der Dr. Hans Bock-Gedächtnis'- Stiftung wird vorrläufig für dieses Jahr nur noch morgen. Sonntag, geöffnet fein. In der Ausstellung, die von April bis Ende Ro» üernber an 31 Tagen geöffnet war. wurden riet Aenderungen im graphischen Kabinett und bcc Professor von Ritgen - Sam m lu n g vorgenomm«. Für die Tages an denen die Kunstsammlung ge­öffnet war, wird der durchschnittliche Besuch auf 45 Personen angenommen. Der Höchstbesuch von 60 biL 70 Personen war an einem Sonntag in September zu verzeichnen Es ist vorgesehen, iie Heizung im Reuen Schloß wieder in Betrrib zu sehen. Vielleicht wird noch die Bestimmung getroffen, auch im Winter an einigen Sonn­tagen' die Ausstellung offen zu halten.

** Blumenpflege durch Sch ulkin-- d e r. Dank dem liebenswürdigen ®ntgegentoir- men der hiesigen Gärtnereibesitzer konnte bie Stadt-Mädchenschule in diesem Sommw wieder auf eine Gepflogenheit zurückkommen, bie früher schon viel Gutes gewirkt hat, aber burä den Krieg und seine leidigen Folgen lange Jahrs unterbunden war. Rachdem die Schule schon im vorigen Jahre durch die Freigebigkeit der ®är= ner in d;n Stand gesetzt worben war, die gan.c Vorderfront ihres Hauses in der SchillerstrahZ mit reichem Blumenflor zu schmücken, fonntiin in diesem Frühjahre den Schülerinnen der beibtn obersten Jahrgänge etwa 250 Blumenstöcke zE Pflege übergeben werden. Auf wie fruchtbarcki Toden die hierdurch gegebene Anregung gefatlffi ist, konnte man an den leuchte irden Kinderaugcn sehen, als bei Der Preisverteilung etwa 50 Kit" der, die ihre Blumen besonders gut und fori- fällig gepflegt hatten, mit Preisen bedacht tvef" den konnten. Auch diese Preise, teunberDolte Sachen, waren von den Gärtirern gestiftet den. Der Gärtnervereinigung gebührt Dank, baB sie in uneigennützigster Weise mit dazu beitrag:, in den jungen Herzen der Schülerinnen bei alli^ Trüben, das unsere Zeit gebracht, die Freu» am Schönen und den Sinn für ein blumeng^ schmücktes Heim wieder zu beleben und zu kro" tigen.

Künstlerische Handarbeiten, d® Thema, das zu allen Zeiten unsere Danwmr.^ interessiert hat und interessieren wird. eib o® morgigen Sonntag und übermorgen, Montag. ii: Haus der Handarbeit, Seltersweg 81, aitS ' stellt. In den beiden großen Schaufenstern lieg®1