eine solche kann sich mir allmählich auswirken, muß sich aber auswirken, je mehr die Preissenkung durch Die vorerwähnten Umstände gefördert wird. Auf keinen Fall darf der nicht sofortige Eintritt der Preissenkung ein Grund zu Lohnerhöhungen sein, denn es ist ein schwerer Irrtum zu glauben, daß hohe Lebensmittelpreise durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden können. Solange die Wirtschaft nichts verdient, solange die Produktion nicht geftei- gert und auf diese Weise verbilligt wird, solange haben Lohnerhöhungen nur selbst wieder preisstei- gernde Wirkungen. Ein ebenso großer Irrtum ist
es anzunehmen, daß die wirtschaftlichen Verbände (Handelskammern, industrielle und kaufmännische Verbände) Preissenkungen aus eigener Macht her- beiführen können, solche können sich nur aus der Marktlage ergeben, die ein Produkt aus Angebot und Nachfrage ist. Der Staat und mit ihm alle Bürger sollten sich sagen, daß nicht durch Gesetze, Verordnungen, Reden und Beschlüsse der Wirtschaft aufgeholsen werden kann, sondern nur dadurch, daß man ihr und Gemeinden wie der Bevölkerung über- Haupt der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft anpassen muffen."
Die Tagung des (öustav-Adolf-Verems.
volkstümliche Versammlungen.
Ju der Ltadtkrrche.
k. Die am Dienstagabend in der S t a d t k i r ch e stattgefundene Versammlung war außerordentlich stark besucht. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch ein Lied der Gemeinde: „Lobet den Herrn".
Oberkirchenrat Herrmann-München, Mitglied des Zenttalvorstandes des Gustav-Adolf-Ver- eins, der die Versammlung leitete, führte in einer kurzen Begrüßung etwa folgendes aus: Der Guftav-Adolf-Verein hat viele Freunde und Verehrer in Gießen, von den Männern der hohen Wissenschaft bis zum einfachen Mann. Das Verständnis für den Guftav-Adolf-Verein und die Hingebung für die Gustav-Adolf-Sache hat feit der letzten Tagung in Gießen nicht nachgelassen. Es ist in diesen Tagen viel gesprochen worden von der Bedeutung des Gustav-Adols-Vereins, aber das Wichtigste ist, daß er der Bruderhelfer vieler Gemeinden ist. Es handelt sich jetzt besonders um die Erhaltung der im Ausland befindlichen evangelischen Gemeinden, die durch den Krieg und seine Folgen schwer zu leiden haben. Wir hören heute von verschiedenen Rednern von der Not unserer evangelischen Brüder im Ausland. Was hier geboten wird, soll uns das Herz öffnen und uns veranlassen, unseren evangelischen Brüdern da draußen zu helfen.
Hierauf sprach der erste Redner Senior D. Stöckl - Wien. Er berichtete über etliche Aufgaben aus Oesterreich, insbesondere über Kärnten, das von vielen evangelischen Brüdern bewohnt ist. Er schildert die Schwierigkeiten, unter denen Kirchen und soziale Anstalten geschaffen wurden, die heute vor dem Zusammenbruch stehen, weil Geld an allen Ecken fehlt. Zum Schlüsse legte der Redner Verwahrung dagegen ein, daß man ihn als Sprecher einer außerdeutschen Diaspora bezeichnet. Er beendete seine Ausführungen mit den Worten: „Wir gehören zu euch, habt uns lieb und helft uns".
Der nächste Redner, Pfarrer Z i e r m a n n - Oebenburg (Ungarn) gab feiner Freude Ausdruck, daß es ihm nach langer Zeit wieder vergönnt ist mit vielen evangelischen Glaubensgenossssen zusammen zu weilen. Die Feinde möchten das Rumpfungarn gerne ganx aufteilen. So sei es auch mit der kleinen evangelischen Kirchengemeinde in seinem Wirkungskreis. Schwere Kämpfe müßten gegen innere Feinde, insbesondere Sekten, geführt werden. Ein wirksames Mittel hiergegen fei Die Schaffung von Kirchen, die Anstellung von Pfarrern, die Erbauung von Schulen und die Verteilung geeigneter Schriften.
Der dritte Redner Probst Ti11elbach - Litauen schilderte die Not unserer deutschen evangelischen Brüder in diesem Land, die durch den russischen Staatsbankerott und später durch den finanziellen Zusammenbruch Deutschlands alles verloren haben. Auch der Mangel an geistlichen ^Arbeitskräften macht sich dort außerordentlich bemerkbar. Die Arbeit ist aber auch dadurch außer- STrbentlid) schwer, daß Einrichtungen der Inneren Mission völlig fehlen. Trotz dieser Not will der '»Redner entgegen dem ihm erteilten Auftrag nicht um Gaben zu bitten, weil er bei den Verhandlungen hier in Gießen hat erfahren müssen, daß die Verhältnisse in anderen Ländern nod) viel trostloser sindals in Litauen. Er versprach, bei seiner Synode dahin wirken zu wollen, daß von dieser den andern noch schwerer bedrückten Glaubensgenossen geholfen wird.
Der nächste Redner, ein Pfarrer aus Galizien, schilderte die furchtbare Not der dortigen evangelischen Glaubensgenoffen und die dort geleistete soziale Arbeit. Er berichtet von dem Wachs- tum der dortigen Anstalten, die wegen Mangels an
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Stegemann.
18 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Mit einem Schlag erkannte er, daß Ruth an feiner Seite einen langen schweren Kampf ausgefochten hatte, und er erinnerte sich an Hanns Ingold, den Knaben, an die Zeit, da zwei blutjunge Menschen im erwachenden Lebensdrang sich lieb gewonnen hatten und hatten lieb Awinnen müssen, denn es gab ja keinen anderen Zungen in Rheinau, wie Ruth einmal in ihrer impulsiven Wahrhaftigkeit gesagt hatte. Dieser Traum war schon vor sieben Zähren ausgeträumt worden. Und heute kam Hanns Zngold nach seiner großen Riederlage, um für immer Abschied zu nehmen.
Engechardt wollte es ihnen leicht machen. Er räusperte sich.
„Also ich wünsche Zhnen alles Gute, Herr Zngenieur. Sie brauchen die weite Welt und ein Feld für Zhre Taten. Die Heimat ist zu eng für Sie. Geben Sie mir noch einmal die Hand. Behalten Sie die Heimat trotz allem lieb! Leben Sie wohl! Ruth wird Sie bis ans Tor begleiten."
Und bevor Hanns antworten und Ruth Einspruch erheben konnte, ging er hastig ins Haus.
Wieder fiel Schweigen ein. Rur das Rauschen des Rheins... Dann schritt Ruth langsam in den Garten hinein, und Hanns Zngold ging stumm neben ihr her. Die schwarzen Bäume wichen beiseite, die Büsche duckten sich, unendlich dehnten sich die duftenden Wege ins Weite.
Keins sprach. Und zweimal kamen sie am Tor Dopüber, schlugen einen Seitenweg ein und gingen tiefer in den Garten.
Ruth konnte nicht sprechen. Sie hatte in den letzten Sagen zu viel ausgekämpft. Als ob sie hinter einem Sarge gingen, so war ihr, als ob sie nun ihre Jugend, ihren Anteil am Glück, ihre große Lebenserwartung begraben müßte.
Er ging neben ihr, aber es war nicht meh/ Hanns Zngold. Sie hatte ihn geliebt, war von ihm geliebt worden und hatte dann die Hoff« nungen wieder verkümmern sehen, die vor sieben
Mitteln vor dem Zusammenbruch stehen, erläuterte die dortigen Schulnöte und gibt ein kurzes Bild über das kirchliche Leben, insbesondere in seiner Eigenen Gemeinde. Er schließt mit den Worten: „Wir wollen nicht nur eure Gaben, sondern auch euch und eure Liebe, mir bleiben deutsch und evangelisch, Treue um Treue."
Nach einem Gesangsvortrag des Kirchenchors sprach Dekan Reichardt-Siebenbürgen. Er führte unter anderem folgendes aus: Oft ist uns Erreichtes vernichtet morden. Ich mill versuchen zu berichten, mas solches Leid bei uns in Siebenbürgen gemirft hat, mozu uns die größte Not getrieben. Dor allem haben mir jetzt nur eine einzige Partei, deren Programm Erhaltung deutschen Volkstums und evangelischen Glaubens ist. Volk und Kirche ist unser Heiligtum. Man hat unseren Lebenszmeck eingeengt, uns Land enteignet, mir arbeiten aber jetzt desto intensiver und machen dadurch wirtschaftlich Fortschritte. Im Winter beschäftigen mir uns mit Bildungsbestrebungen, um unser Volk zu befähigen, innerlich Durchzuhalten. Unsere Jugend wird für Handel, Handwerk und Technik erzogen, mo Ausdehnung möglich, denn der Eintritt in die geistigen Berufe wird uns außerordentlich erschmerl. Wenn Siebenbürger Studenten in Deutschland ihr Wissen ermeitern wollen, kommt ihnen meitgehend entgegen, denn mir brauchen diese geistigen Führer für unser Volk. Aber noch eines hat die Not bemirkt, insofern als das religiöse Leben und die Opferfreudigkeit bei uns im Wachsen begriffen sind.
Der nächste Redner, Pfarrer P o t r i - B u k a- r e ft, schildert die deutsch-evangelische Bemegung in Alt-Rumänien. Die Deutschen mahnen außerordentlich zerstreut, mechseln ihren Wohnsitz sehr oft, wodurch die kirchliche Arbeit außerordentlich erschwert wird. Der Redner warnt dringend vor dem Zuzug nach Rumänien, wo besonders viele junge Mädchen, in der Hoffnung, eine geeignete Existenz zu finden, einreifen, bald aber in schwere Not geraten. Er berichtet dann eingehend über das Leben dort eingewanderter, sdeutscher Bauern, die am Schwarzen Meer entlang wohnen, bis heute noch sehr kirchlich gesinnt und trotz aller Schwierigkeiten ihr Deutschtum hochhalten.
Einen ergreifenden Bericht erstattete . Pfarrvermalter Sommer-Schutzberg (Iugoslamien). Er erzählte von einer dortigen evang. Kolonie, in der er arbeitet. Ein Dorf, im Urmalb errichtet, mürbe miederholt von Naturereignissen (Ueberschmemmun- gen usw.) heimgesucht, so daß die Demohner auch jetzt mieder vor der Frage stehen, ob sie aufbauen ober ausmanbern sollen. In jahrelanger, mühevoller Arbeit mürben segensreiche Einrichtungen (Gemeinbehaus, Kindergarten, Fortbildungsschule und Schmesternstation) geschaffen, die jetzt mit einem Schlage vernichtet mürben. Was ber Reb- ner hier in kurzen Worten erzählte, mar das Erschütterndste, was an diesem Abend zu Gehör gebracht wurde.
Als letzter Redner sprach D. Koch-Wien über unsere deutsch-evangelischen Brüder in Rußland, deren Zahl über eine Million beträgt. Früher waren ungefähr 300 Pastoren dort an der Arbeit, jetzt sind es kaum achtzig. Früher war Rußland reich, jetzt ist es ein Trümmerhaufen. Redner schilderte die politische Not in Rußland. Wer nicht Kommunist ist, hat kein Recht, feine Kinder dürfen keine Bildungsanstalten benutzen. Ueberatt Not und Elend. Die Hungersnot hat eine halbe Million evangelischer Brüder zum Wandern gezwungen, viele sind unterwegs umgekommen. Wer sich nach kirchlichem Leben sehnt, wird als Staatsverbrecher angesehen. Die Religion wird von den Kommunisten in ber gemeinsten Weise verspottet. Wer Evangelium Haden will, melbet sich zum seelischen unb körperlichen Galgen.
Nach einem weiteren Gesangsvortrag bes Kir- chenchors sprach Oberkirchenrat Herrmann-
Jahren ihr Leben blühend und reich gemacht hatten, ilnb als er wiedergekommen war, da waren sie fremd, neu geworden in ihren Oe-1 danken und Empfindungen voreinander hingetreten und hatten die Gegenwart nicht mehr an1 die Vergangenheit knüpfen können ... da war er ein Mann mit tausend Gedanken und Plänen, die nicht mehr um sie kreisten, und sie, sie war zu eigenem Leben gekommen und nicht mehr das hinschmelzende, tagträumende Geschöpf ...
„Ruth, ich muh gehen. Ich danke Ihnen für diese Stunde. Es ist wieder klar zwischen uns. Ich habe Sie sehr lieb gehabt, Ruth."
Langsam, mit verhaltener Stimme hatte er gesprochen, während sie still nebeneinander herschritten.
Ruth antwortete nicht. Ihre Lippen versagten den Dienst. Und eine Weile war nur der gleichmäßige Schritt zu hören, in dem sie weitergingen, als wäre noch fein Wort von Abschiednehmen gesprochen worden.
„Ruth, Sie wissen, daß ich hier überall auf Widerstand und Unverständnis gestoßen bin. Ich soll ein Frevler an der Ratur sein, sagt Ihr Bater, und ich ginge darauf aus, Rheinau zu verderben, sagen andere. Mein Bater hat mir die Vaterschaft gekündigt und will den Sohn nicht mehr kennen. Run ja, ihm habe ich ja nichts zu verzeihen. Er steht auf seinem Platz und verficht sein Recht, er kann mich in den Laufs-w stoßen und sagen: „Trink den Rhein, Fischersohn, eh' du mir die Wasserweide zuschanden machst," und ich müßte ihm im Untergehen noch recht geben. Aber ich hab' auch ein Recht an mein Leben und an meine Zukunft. Und meine Zukunft hängt jetzt mit allen Angeln an diesem Weck, das mir fertig aus dem Kopf gesprungen ist und nur noch in Stein und Eisen wachsen will. Riedergeschrien haben sie mich, zu Boden geschlagen hätten sie mich, wenn nicht der Bub wie eine Flamme dazwischen gefahren wäre. Ausgelacht, von ihrem dummen, blöden Witz verlacht, bin ich heute durch die Gassen Gegangen. Spießruten gelaufen, Ruth! Weil ich meine besten Gedanken, vielleicht den besten, den einen großen, den ein Mensch hat in seinem Leben, über sie ausgeschüttet Habel Und außer dem Buben, außer dem Bruder, den ich zu
München noch ein kurzes Schlußwort, worauf mit dem gemeinsamen Lieb: „Ach bleib mit deiner Gnade" die schön verlaufene Versammlung ihren Abschluß fand.
In der Johanneskirche.
Wegen Ueberfüllung ber Stabkirche fand eine Paralleloersammlung in ber Johanneskirche statt, die von Generalsuperintenbent D. Gennrich - Königsberg geleitet würbe. Verschiedene Vertreter bes Deutschtums im Ausland kamen zum Wort, nacheinander sprachen Vespermann aus Graz, Senior Dr. Scholtz aus Agendorf (Ungarn), Pfarrer Cu chaNa aus Hermcmnstadt (Siebenbürgen), Pfarrer Oehlert aus Canjaluka (Bosnien), Pfarrer May aus Cilli. (Jugoslawien), Superintendent G r ä m e r aus Ermland und ein Rebn"r aus Polen. Mit Orgelspiel unb Gesang wurde ber Vortragsabend eingeleitet unb geschlossen.
Die zweite öffentliche Hauptversammlung.
* Gießen, 23. Sept. 1925.
Mit ber heutigen zweiten öffentlichen Hauptversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden, Geh. Kirchenrats D. Rendtorff-Leipzig fand die denkwürdige Tagung des Gustav-Adolf- Vereins einen erhebenden Abschluß. Die Reue Aula der Universität als Versammlungsort war wiederum bis auf den letzten Platz beseht.
Zunächst hörte man von dem Schatzmeister den Bericht über die
Zentralkassenrechnung.
Danach belief sich das Vermögen am 31. Dezember 1924 auf 624 123,38 Mk. Für die allmähliche Wiederauffüllung des Vereinsvermö- gens ist gesorgt. Die Einnahmen des Vereins, die der Berichterstatter im Vergleich zum Jahre 1913, dem letzten normalen Wirtschaftsjahr vor dem Kriege, unb zum Jahre 1924 zum Vortrag brachte,, weisen eine erfreuliche aufwärtsstrebende Richtung auf. Mit besonder er Freude hob der Berichterstatter hervor, daß dem Verein von einem Freund, der seinen Rarnen nicht genannt haben möchte, 600 000 Mark gestiftet worden seien. (Lebhafter Beifall der Versammlung). Gestützt auf diese schöne Gabe habe der Verein im lausenden Jahre bereits annähernd eine Million Goldmark verteilt. Der Weiterentwicklung der Vereinsfinanzen könne man mit Vertrauen entgegensehen. — Mit herzlichem Dank für die vortreffliche Kassenführung wurde dem Schatzmeister Entlastung erteilt.
Anschließend sprach Pfarrer D. Dr. Schubert- Rom über die
Deutsche evangelische Kirche in Italien
Sein feinsinniger, von tiefster Liebe zu seiner Heinen Gemeinde in Rom zeugender Vortrag zeigte deren geschichtliche Entwicklung und warb darum, der kleinen Gemeinde immer warmherzige Liebe zu schenken und bei Besuchen im Rom teilzunehmen an ihrem vortrefflichen Glaubensleben. Der Vortrag fand bei der Versammlung besten Widerhall.
In feierlicher, außerordentlich eindrucksvoller Weise ging nun
die Aeberreichung der Festgaben
vor sich. Die Reihe ber Gäoenbringer eröffneten die Geschwister Waltraut unb Gisela von Eisenhart-Rothe, sowie Doris unb Lenore Krenzien, das fieinfte der Mädchen war allerliebst in hessische Tracht gekleidet, mit der hier gesammelten Gießener Ä i n b ergab e, die sich auf 3363,50 Mcvrk belief. Die Ueberreichung ber Gabe begleitete eines ber Mädchen mit dem Vortrag des nachstehenden, von Pfarrer Bechtolsheimer - Gießen verfaßten Gedichts:
In Hessens altberühmten Gauen Ist Gottes Segen recht zu sehn. Am Rheinstrom hoch die Berge blauen, Die Halme auf dem Kornfeld stehn. Am Reckar rauschen dunlle Wipfel, Am Mainstrom hämmert die Fabrik, Und von des Oberwaldes Gipfel Dringt weit hinaus des Wandrers Blick. Wohin man schaut, ein frohes Regen Vom Frührot bis zur dunklen Rächt, Doch bei der Arbeit allerwegen Des treuen Gottes wird gedacht, Roch lebt der Väter fromme Sitte,
Roch betet man in Haus unb Feld, Roch steht in unsres Volkes Mitte Der, der uns alle trägt und hält.
Allüberall die Glocken Hingen,
Allüberall braust Orgelton,
Und frommer Menschen Stimmen fingen
Und preisen Gott auf seinem Thron.
Wir Kinder fingen fromme Lieder Am Sonntag in dem Haus des Herrn Und knien betend vor ihm nieder Und loben ihn von Herzen gern.
Wir denken aber auch in Treue
Der Glaubensbrüder fern unb nah, Und heute steht vor uns aufs neue Die Rot in der Diaspora.
Drum haben wir aus frommem Triebe Im Sammeln fleißig uns geregt, Don Haus zu Haus und voller Liebe Scherflein auf Scherflein froh gelegt. Rehmt, liebe Herrn, was wir hier bringen. Gott segne das, was wir getan, Er lasse euer Werk gelingen!
In seiner Hut hinauf, hinan!
Hieraus wurden noch die folgenden Gaben in die Hand des Vorsitzenden des Zentralvorstandes gelegt: Dom Hessischen Gustav-Adolf-Frauenverein 4115 Mk., vorn Hessischen Hauptvevein ber Gustav-Adolf-Sttftung 32 000 Mk.. vorn Verband Evang. Frauenvereine Hessens 1491,45 Mk., von den deutschen Gustav-Adolf-Frauenvereinen 7364 Mk., die dem Katharinenstift in Wittenberg zufließen sollen, als Bremer Kindergabe 30 000 Mark, ke für den Kirchenbau in Hochstetten (Pfalz) bestimmt sind, außerdem noch eine Altar- bibel und mancherlcä anderes Kirchengerät. Mit den herzlichsten Grüßen ber Evangelischen ber Schweiz überbrachte Pfarrer Schmidt aus Solothurn (Schweiz) zugleich mit einem warmherzigen Bekenntnis zum deutschen Volke eine Gabe von 500 Schweizer Franken von dem Schweizerischen Gustav-Adols-Hilfsverein, die zum Besten evangelischer Pfarrerkinder in Rußland Verwendung finden follen. Ferner erfiärte sich das Dekanat Groß-Gerau bereit, die Kosten für die Erziehung eines evangelischen Pfarrerkindes aus Rußland zu übernehmen. Sämtliche Gaben wurden von dem Vorsitzenden mit herzlichsten Dankesworten an die Spender und die ileberbringer belohnt.
Die große Liebesgabe des Gustav-Adolf- hauptvereins
wurde wie folgt verteilt: Die evangelische Gemeinde in Hattersheim, Kreis Höchst a. M., erhält 28 738 Mk. zum Kirchenbau, für die Errichtung eines Pfarrhauses in Oderberg (Tschechoslowakei) und zur Gründung eines Einwandererpfarramtes in Rio de Janeiro (Brasilien) wurden insgesamt 23148 Mark zur Verfügung gestellt.
Die nächstjährige Tagung
soll nach einer Einladung von Pfarrer D. Niemöller- Elberfeld und nach einstimmigem Beschluß der Versammlung in Düsseldorf stattfinden. Für das Jahr 1927 bittet die Hauptstadt Steiermarks, Graz, den Guftav-Adolf-Verein zu Gast. —
Der Abschluß der Tagung.
Der Vorsitzende Geh. Kirchenrat Prof. D. Rendtorff - Leipzig, betonte in seiner Schlußrede, der Gustav-Abolf-Verein habe allen Grund, am Ende dieser Tagung tief dankbar zu sein. Alles, was dem Verein auf dieser Tagung beschert und geschenkt worden sei, habe ihn stärken können in der Ueberzeuqung, daß er auf dem rechten Wege fei. Dem Hexischen Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung und Dem Zweigverein Gießen gebühre inniger Dank für die überaus sorgsame, umsichtiae und fürsorgliche Liebe, mit der er die Tagung vorbereitet, der Stabt Gießen, der Universität, Der Bürgerschaft Gießens für den herrlichen Schmuck der Häuser und die herzliche Gastfreundschaft gleichfalls tiefgefühlter Dank. In ganz besonderem Maße sei auch dem hessischen Kirchenvolk zu danken, was man bei dem herrlichen Festzug am Sonntag an Erhebendem erlebt Jjabe, sei ohne jeden Vergleich. Der Gustav- Abolf-Verein werde auf diese Tagung mit lebhafter Dankbarkeit zurückblicken. Möge der Segen dieser Tage auch zurückwirken auf die hessische Kirche, ihre Diaspora-Gemeinden, ihre Regierung und Verwob tung und ebenso zurückwirken auf alleGlieder dieser Tagung und des evangelischen Kirchenvolkes, daß sie mit neuer Kraft weiterschreiten auf den Wegen, die Gott gewiesen. Mit Gottes Segen, ohne den wir nichts sind, weiter vorwärts.
Anschließend sprach Generalsuperintendent G e n n r i ch - Königsberg i. Pr. das Schlußgebet. Mit Gemeindegesang schloß die Tagung.
seinem Vater zurückschicken mußte, hat keiner ein Wort des Vertrauens für mich gehabt! Was ich in sieben Jahren erschuftet habe und geworden bin, das haben sie niedergetrampelt. Ich meine nicht die paar Kröten, die ich draußen gefunden habe, ich meine den Respekt, heilige Scheu vor dem eigenen Hirn, wenn es plötzlich eine Idee gebiert, die zum Leben kommen will, und wenn man darüber zugrunde gehen müßte."
Der Rhein sprang nicht stürmischer durch den Lauffen, als diese leidenschaftliche Anklage über Hanns Ingolds Lippen. Mit unterdrückter Stimme schrie er seinen Kampf, feine Rot, die Empörung seiner innersten Ratur in die ruhe« volle Rächt, die kein Ohr für ihn hatte.
Zweimal setzte Ruth zu einer Antwort an, und zweimal versagte ihr der Ton.
„Ja, ich bin's vielleicht noch nicht gewohnt, das mit mir allein auszumachen, ich brauch' noch jemand, vor dem ich das ausschütten kann! Ich weiß nicht, ob es männlich ist, aber ich tu’ß vvr niemand sonst als vor dirl"
Es war wie ein Schluchzen in feiner Kehle, eiskalte Finger krampften sich um Ruths leblose Hand.
Da blieb sie stehen, hob die Augen zu seinem Gesicht, von dem nur ein heller Schein zu sehen war in der umwölkten Rächt, und sagte voll trotzig verhaltener L ebe:
„Hanns, ich hab' immer an dich gedacht, ich hab' am Brunnen gestanden, als sie dich niederschrien, und gebangt und gewartet, bis es zu Ende war. Hanns, warum gehst du fort?"
„Ruth, du? Du hast um mich gesorgt! Ja, Ruth, dann bin ich ja nicht allein, dann hab' ich ja dich, und dich, dick hab' ich ja lieb. Anders als früher, bewußter, lebendiger!"
Er wollte sie an sich ziehen, ein Glücksrausch war über ihn gekommen. :
„Ruth," bat, befahl er noch einmal, und als sie seiner Umarmung widerstand, schmolz sein Begehren, wurde er sanft, löste sich die leidenschaftliche Spannung seines Wesens, die ihn seit Monaten gefesselt hielt, und langsam glitt er an ihr nieder, drückte das Gesicht in ihren Schoß und hielt ihre Knie umfaßt, von einem lautlosen Krampf durchbebt und geschüttelt.
Regungslos stand Ruth Engelhardt, beide
Hände in fein Haar gegraben, und verheimlichte das Zittern ihrer Knie und die glücklichen Tränen, die langsam über ihre Wangen zogen.
Als er wieder aufstand, waren beide zur Ruhe gekommen.
„Ich reise morgen, ich will draußen für meine Idee wirken. Ich geb’ sie nicht preis."
Mit leisem Jubel in der Stimme rief sie:
„Gibst sie nicht preis! Hanns, dann brauchst du mich. Dann geh', Hanns Ingold, und ich will auf dich warten und an dich glauben, wie ich immer an dich geglaubt habe!"
Lind nun hob Ruth die Arme und legte sie freiwillig um seinen Racken, und ein leiser, glückatmender Seufzer befreite ihre Brust.
Als sie sich küßten, ging jahrelange Sehnsucht zur Ruh'.
Arm in Arm schritten sie langsam zum Tor.
Vom Rhein her Hang der heisere Schrei eines Reihers, der schon vor Mitternacht dem Morgen rief. •
Eine feine, safrangelbe Helle, die noch keinen Glanz hatte, hing im Osten. Resedengrüne und rosenfarbene Töne spielten darin, der Qauffen begann im ersten Morgenschein zu flimmern und schleuderte perlgraue Dünste ins keimende Licht.
Die Rehschnur auf dem Rücken, ging Christian Ingold den schmalen Pfad, der sich zwischen den Schnellen und der Felswand durch die zerfurchten Klippen zog. Die Bleigewichte der Schnur schlugen an die überhängenden Felsen, wenn Ingold vor dem Wasser zur Seite weichen, mußte.
Der Rhein lies voll, im steigenden Lich-t glänzte er wie Bernstein von den Regenfluten, die die Aare in sein Bett gewälzt hatte.
Ingolds Kahn lag am Ausgang der Enge.
Als er das Retz hineinwarf und die schweren Ruder in die Krampe schob, blitzte der erste sichere Tagesschein den Strom hinab. Wie ein feuer» flammendes Band rollte die glänzende Bahn zwischen den waldigen Ufern in die Ferne. Wildenten stießen mit vorgestreckten Hälsen und schnellschlagendcn Flügeln durch die Luft.
Der Vater stand schon im Boot, als Hermann ihn einholte.
(Fortsetzung folgt.)


