Ausgabe 
24.8.1925
 
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Aus dem Reiche der Frau.

Bakterien durch . . ,

Instrumente usw.

Eine weitere Eintrittspforte für bakterielle Keime und andere Parasiten ist die Haut. Wir pflegen in diesen Fällen nonSchmutzinfektion" z» sprechen. Durch die Insektion der Haut bekommt

Dorspielende Kinder.

Don Hans Arnold.

'Wenn sich mir jemand mit den Worten nähert: Bitte sagen Sie mir doch einmal ganz aufrichtig Ihre Meinung'", so erfüllt mich dies Anliegen von vornherein mit tiefem und nicht ungerechtfertigtem Mißtrauen. Denn ich habe sehr oft die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß die Leute meine aufrichtige Ansicht nur dann hören wollen, wenn sie mit der ihrigen übereinst,mmle und womöglich noch em biß­chen mit der schmackhaften, wenn auch nicht immer zuträglichen Sauce der Schmeichelei übergoßen war. Ich hüte mich denn auch sorgfältig, jemand meine aufrichtige Meinung" zu sagen, wenn ich ihm nicht mitteilen kann, was er gern hört! Ich schweige dann Heber! . ..

Der Kulturmensch kommt nun aber oster in ine peinliche Lage, seine Ansicht nicht verschweigen zu können, und ich trage jeden Mitmenschen, was er tut und tun soll, wenn ihm zugemutet wird, über den Kunstwert desVorsviclens" von Kindern zwischen sechs und vierzehn Jabren zugleich liebenswürdig und offenherzig zu entscheiden.

Daß Eltern sich an den Musikbestrebungen und leistungen ihrer Nachkommenschaft erfreuen, dos ist eine liebenswürdige Schwäche, die jeder nachsichtig beurteilen wird, namentlich derjenige, der selbst Kin­der hat. Aber daß die guten Freunde und getreuen Nachbarn sich diese zweifelhaften Ohrenschmäuse auch mit strahlender Begeisterung anhören sollen, das ist wirklich ein bißchen viel verlangt. Und ganz davon abgesehen, ist dieses Borspielen ä tout prix ein Vorgang, der nach meiner Ueberzeugung jedem pädagogischen Grundsatz ins Gesicht schlägt. Ein Kind darf nur dann, und erst dannvorspielen", in dem Sinne, daß es andere mit feinen Leistungen erfreuen soll, wenn es wirklich etwas Gutes, Korrektes, musi- tnlifd. Empfundenes zum Ausdruck bringen und technisch beherrschen kann. Und welches Kind kann das? Es gibt ja so hochmusikalische Kinder, aber sie sind unter der Unzahl der Durchschnittsoirtuöschen so selten und spärlich verstreut wie Goldkörner unter dem Weizen, und auch ihnen wäre es besser, sie spielten nur Lehrern und Eltern vor, denn zu frühes und übertriebenes Lob wirkt auf Talente wie die sengende Sonne auf zarte Blumen, sie entwickeln sich überrasch und welken ebenso, ober sie verküm­mern in der Empfindung: ,Lo, wenn ich die Sache schon so schön mache, da brauche 'ch mir ja keine

Mühe weiter zu geben!" Das liegt nun einmal in der menschlichen und bejonders in der kindlichen Natur. Diese hochbegabten Kinder ober, wie gesagt, sind große Ausnahmen. DasSumps- und Wiesen- lind", das Durchschnittskind, spielt im besten ,ralle schlecht und recht sein kleines Stück herunter! Man soll aber erwachsenen Leuten nicht zumuten, dies Klimpern" zu hören, und Kindern nicht, cs zum besten zu geben. Man vergegenwärtige sich einmal diese Dorspielszenen mit allem Zubehör. Das zehn­jährige Töchterchen, nennen wir es Lärchen, erscheint im Familienkreise, niedlich aufgedonnert, und wird alsunsere Musikalische" stolz und froh etikettiert, eine Bezeichnung, die sie mit verschämtem Lächeln über sich ergehen läßt. Das allgemeine Gespräch wird von dem Augenblick an matter, es strebt, von den Eltern gelenkt, sichtlich dahin, einen Anknüp­fungspunkt zu dem bedenklichen Wort zu finden: Lorchen soll etwas vorspielen!"

Der Gast, will er sich nicht einer namenlosen Ge­mütsroheit schuldig machen, ist verpflichtet, jubelnd auszurusen:Ach ja, ach ja!"

Lorchen'" ruft die Mutter,komm schnell, Herr so und so mochte s o g e r n , daß du ihm etwas vor- spielst'" Lorchen sträubt sich.Ich kann ja nichts!" erwidert sie in kläglichem Ton, eine Feststellung, die mit der Wahrheit betrübend übereinzustimmen pflegt.

Ach, du kannst schon!" stellt die Mutter mit ruhiger Bestimmtheit fest.Spiele doch das: Tim tim, timdelim tim tim!" und gibt dem Hörer durch diesen Gesang einen verlockenden Vorgeschmack künf­tiger Hochgenüsse.Das habe ich so lange nicht ae- Ipielt! wehrt Lorchen verstimmt ab.

..Dann spiele doch das andere: Pumperum, pum pum didelititi!" trällert die Mama.

Lorchen, wenn sie ein normales Kind ist, wird ungezogen, will nicht, weint und stampft mit dem Fuß. Der Gast bittet dringend und feurio:Ach, lasten Sie doch das Kind, quälen Sie es nicht/' und hofft egoistisch, daß Lorchens Geheul ihr einziger musikalischer Vortrag bleiben wird. Aber die Eitern halten es bei diesem bedenklichen Wendepunkt für pädagogische Ehrenpflicht, Lorchen zu bändigen. Sie wird ins Nebenzimmer geführt, man vernimmt ein leicht klatschendes Geräusch, das den Zuhörer auf den Gedanken bringen kann, zu dem beabsichtigtenTim tim timdelim" würden Kastagnetten gefttmmt. Dann erscheint das beklagenswerte kleine Dprer elterlicher Eitelkeit von neuem, dick verweint. Nun spielt Lor­chenVariationen", ein böses Unterfangen, bei dem

Es ist nicht meine Absicht, das ganze große Heer der Infektionskrankheiten hier auf^u zählen und die für ,ede einzelne charakteristische Art und Weise der Uebertragung auf das Kind zu schil­dern. Ich will vielmehr ganz allgemein in kurzen Zügen die Wege aufdecken, auf denen Krankheits­erreger Eingang in den kindlichen Organismus finden können. Ich will weiter ausführen, unter welchen Bedingungen eine Infektion und sei es auch nur ein ganz banaler Schnupfen besonders gefährlich zu jein pflegt. Und ich will endlich etwas über die Verhütung der Ansteckung sagen.

Don den Wegen, deren sich die Infektionserreger beim Eindringen in den kindlichen Körper bedienen, ist der weitaus wichtigste der von den Schleim­häuten des Mundes und der Luftwege ausgehende. Ich will nur einige von den Krankheiten aufzäh­len, die auf diese Weise das Kind befallen. Da sind in erster Linie die so häufigenErkältungs­krankheiten" zu nennen: Der gewöhnliche Schnup- sen, der Rachen- und Luftröhrenkatarrh. Weiter sind anzuführen: die hochfieberhafte Mandelentzündung, die Lungenentzündung, die Tuberkulose (die, wenig­stens in den meisten Fällen, sich zuerst in den Xlungen anjetzt); ferner: die Diphtherie, der Gelenk­rheumatismus, manche Formen der Gehirnhaut­entzündungen und noch viele andere.

Woher und auf welche Weise lomemn nun Bakterien auf diese Schleimhäute? Da ist zunächst zu sagen, daß schon beim gesunden Menschen eine große Anzahl an und für sich harmloser Bakterien auf diesen Schleimhäuten vorhanden sind, die jedoch jederzeit für den Körper gefährlich werden können, wenn derselbe durch irgendwelche Ursachen (Er­kältung, schlechte Pflege, schlechte Ernährung, ander- weitige Krankheiten) in seiner natürlichen Wider- standssähigkeit (Resistenz) gegenüber den Bakterien geschwächt wird. Neben dieser Art von Ansteckung, die man dieSelbstansteckung'' nennen könnte, spielt eine große Rolle dieFremdansteckung", d. h., die Uebertragung von Krankheitskeimen von außen her, besonders von Mensch zu Mensch. Hier ist in bezug auf die Atmungswege in erster Linie die Tröpfcheninfektion" zu nennen: die Aussaat von Bakterien durch den feinsten Sprühregen, der beim Sprechen, Niesen und Husten erfolgt. Don gerin­gerer Bedeutung für die Schleimhäute des Mun­des und der Atmungswegc ist das Einführen von Bakterien durch die Finger, durch Eßbestecke, durch

Jur Psychologie der Mode.

Don Dr. Carl Gruber-Szcredai.

Unzähligemal ist im Laufe der Jahrhunderte gegen die Herrschaft der Mode gepredigt und gezetert worden. Aber erst in unjerer Daseinsperiode wurde der Kreis dieses Begrifies der sich ja vordem im wesentlichen aus die menschliche Tracht be­schränkte ,zu einem die mannigfachsten Gebiete des Publikumsgeschmacks umspannenden ausge­weitet. Die Aeußeruimcii des in diesem Sinne als Mode erfaßten öffentlichen Geschmacks haben im 19. Jahrhundert erst jenen breiten Wirkungsradius erlangt, innerhalb dessen heutzutage fast lebe Le- bens- und Kunstäußerung gelegen ist. Neben an- deren Ursachen ist es besonders das rasende Tempo unseres schnellebigen Zeitalters, welches die Mode so große Gewalt erlangen ließ. Rascher als früher, sozusagen von Jahr zu Jahr, ändert sich der Ge° jchmack und dies nicht nur in den Kleiderformen, sondern auch in der Industrie, in Kunst und Lite­ratur.

Herrscherin und zugleich vornehmste Dienerin der Mode ist die Phantasie. Darum ist sie so unbeständig und launenhaft. Kunst und Leben und Leben und uunst werden in ewigem Kreislauf durch einander befruchtet. Immer wieder roirb,man finden, daß die Farben der Maler und die Farben der Schnei­der enge Berührung haben, daß Frauenbilder gro­ßer Künstler die Linie der Schönheit bestimmend beeinflusten. Der Künstler von überragender Eigen­art zwingt die Welt zu sehen, wie er sieht, seine Schönheit anzunehmen. Allerdings läßt die Mode diese Bahnbrecher oft jahrzehntelang im Verborge­nen. Döcklin Leibl, Rostetti und Burne-Iones, Mil- lei, Manet um nur einige der erst jünqft mo- dem gewordenen Künstler zu nennen sie alle haben dieses Schicksal geteilt. Schließlich aber wer- den ihre der Zeit voraneilenden Werke modern, be­stimmen Linien, Farben, Stoffe, Gefühle und Ge­danken!

Auch Werke der Dichtkunst machen oft solcherart Mode. GoethesWerther" z. B. hat einen senti­mentalen Taumel geschaffen, der durch alle Länder ging. Wenherhastes Schmachten ist Jahrzehnte hindurch die Liebesmode aller Völker gewesen. Jeder Jüngling wünscht sich so zu lieben, jedes Mädchen so geliebt zu sein." Wertherhafte Bücher und wertherhafte Bilder überfluteten die Welt, die jungen Männer legten Werthertracht an und der Name Lotte, schwebte auf ihren Lippen als Stenn- wort dessen, wonach jegliche Sehnsucht ging, als Verkörperung gefühlvoller, mimosenhaft zarter Weiblichkeit.

Die Mode tritt immer despotisch auf. Sie ist die rrbittcritc Widersacherin der Eigenart. Ihr wesent­liches Kennzeichen und ihre natürliche Folge ist die Uniformierung des Geschmacks, die bedingungslose Unterwerfung der Einzelneigungen fordert. Mehr ober minder willig wird das Diktat der Tyrannin erfüllt. Die meisten Menschen in erster Linie die Frauen beugen sich ihrem Gebot und wenn auch nur aus dem Grunde, weil das Abweichende auf­fällt, Befremden bei anderen, Unbehagen bei dem Betreffenden selber erregt.

Die Sittlichkeit spielt wie dies von Ethno­logen und Kulturhistorikern längst feftgefteUt ist bei den Modeentscheidungen nur eine Rolle von untergeordneter Bedeutung. Wohl sind einzelne Fragen der Moden wie z. B. jene der Tiefe des Ausschnittes, der bloßen oder verhüllten Arme usw. feit dem 16. Jahrhundert unablässig von Mo­ralisten behandelt worden. Letzten Endes fällt über das, was anstößig ist und was nicht, dennoch die Mode selbstherrlich ihr Urteil. Als Beispiel mag die Frauenklcidung des Directoire und Empire hier an­geführt werden. Das einzige Kleidungsstück dieser Epoche war die Tunika aus durchscheinendem Stoff, wenn nicht gar Musselin. Dennoch wurde dieses keine Rätsel mehr übriglassende Kostüm, das wie die Chronisten berichten eher einem die Gestalt umschleiernden Nebel glich, nicht etwa nur von leichtfertigen Mädchen und Frauen, sondern auch von den berühmten Damen erster Kreise und anderen widerspruchslos getragen, sicherlich ohne die Empfindung oder Absicht, gegen Scham und Sittlichkeit zu verstoßen. Erfreulich ist diese unbe-

schränkte Macht der Mode gewiß nicht. Das Ideal edler und keuscher Herzensne.gung uerfinnbilbet jedem aufrechten Mann sicherlich weit eher die blumenholde Anmut züchtiger Weiblichkeit, wie sie etwa Burne-Iones gc,chaisen Hal, als die unbeküm­mert sich enthüllendeepartanerin" des Directoire und Empire. Aber gerade das angeführte Beispiel wirft grelles Schlaglicht auf die ertahrungserprobte Tatsache, daß die Mode befehlen kann, was sie will, es wird befolgt und in Ordnung befunden.

Trotzdem darf als feststehend gelten, daß im größeren Teil der Fälle die Mode bei aller Selbstherrlichkeit der Moral mit weitgehenden Kon Zessionen entgegenkommt. Gerade in der Ge­schichte der menschlichen Tracht wird man die beste Bestätigung dafür finden, daß biamentrale Gegen­sätze wie der oben erwähnte doch nur ver- einzelt auskommen. Meist wird von Moral und Geschmack dasselbe Ziel angestrebt, dasselbe gutge- heißen oder verdammt. Die Vorzüge des Körpers heroorzuheben, seine Mängel zu verhüllen mag als berechtigtes Ziel jeder Mode anerkannt werden. Was darüber hinausgeht oder diesem Ziel zuwider läuft, kann nur in die Kategorie der oft ab­scheulichen Verirrungen des Modegeschmacks ein­gereiht werden.

3nfdtion$wege, Infektionsgefahren und Infektionsverhütung

im Säuglings- und Illeinkindesalter.

Don Dr. 6. Schmal, Eharlottenburg.

das Kind Furunkulose, borfig-eitriae Hautaus- schlage. Krage, die verschiedensten Pu Krankheiten der j)aut. Durch die Infektion von kleinen Wun­den, beim Neugeborenen speziell von der Nabel- rountc aus, mit bestimmten Bakterien kann das Kind einen Starrkrampf bekommen.

Eine dritte Eintrittspforte für alle möglichen Erkrankungen stellt die Schleimhaut des Magens und des Darmes dar: für Ruhr, Typhus. Cholera, manche Formen von Darm- und Bauchjelltuber- kulose, für die verschiedenen Wurmkrankheiten und andere mehr. Die Bakterien bzw. bu Wurmeier können mit ber infizierten Nahrung ausgenommen werden, ober sie können burch bie mal mfeknosern Material beschmutzten Finger, Instrumente usw. borihin gebracht werben.

An vierter Stelle enblich (ohne baß bamit bie Reihe der Insettionswege erschöpft wäre) möchte ich die Schleimhäute der Harn- und Geschlechisweae nennen. Beim Säugling, besonders beim weib­lichen, ist die aufsteigende Entzündung der Harn- wege von der Harnblase zum Nierenbecken, vom Nierenbecken bis in das eigentliche Nierengewebe selbst, häufig. Richtige Pflege verhütet sie in vielen Fällen.

Die Gefährlichkeit einer Infektion hängt keines- weg», wie man gewöhnlich annimmt, nur von der An des Infektionserregers ab. Freilich ist nicht zu bestreiten, daß unter sonst gleichen Bedingungen ein Typhus eine schwerere Erkrankung ist als ein gewöhnlicher Schnupfen. Aber man muß beden­ken, daß eine Infektionskrankheit einen Kampf bar- stellt zwischen dem eingedrungenen Krankheits­erreger und dem befallenen Organismus. Der Ver­laus und schließliche Ausgang dieses Kampfes hängt von dem Kräfteverhältnis der beiden (Geg­ner ab. Wir sprechen von einem verschiedenen Grad bei Virulenz (Infektionskraft) bei den Bakterien und von einer geringen oder hohen Resistenz (In- fektionswiberstanbsfäyigkeit, in ihrem höchsten Grade: Immunität) bei dem befallenen Organismus. Von der ersteren soll hier nicht die Rede sein, wohl ober von der letzteren. Und zwar sollen einige Säuglings- bzw. Kindertypen aufaezählt werden, bei denen erfahrungsgemäß die Widerstandskraft gegenüber Infektionen besonderes gering ist.

Dazu gehört in aUererfler Linie das Neuge­borene und in noch höherem Grade das Frühge­borene. Ein ganz gewöhnlicher Schnupfen, der beim älteren Säugling und noch mehr beim Kleinkind in wenigen Tagen überwunden wird, kann hier eine schwere, ja tödliche Erkrankung bedeuten. Nur all­zuoft sieht man nämlich aus einem solchen Schnup- fen eine Luftröhrenentzündung sich entwickeln, aus dieser einen Bronchialkatarrh, schließlich eine töd­liche Lungenentzündung. Diejenige Infektions­krankheit aber, die gerade in den ersten Ledens- wochen und Lebensmonaten die verhängnisvollste Rolle spielt, ist die Tuberkulose. Dieses Thema soll ein andermal ausführlicher besprochen werden.

Zu den besonders gefährdeten Kindern gehören in zweiter Reihe Kinder, die schon vorher irgend- wie krank sind, die eine Ernährungsstörung, eine Rachitis, eine Tuberkulose usw. haben. Ich will nur ein Beispiel anführen: die hohe Sterblichkeit der Rachitiker, die das Unglück haben, an Keuchhusten oder an Masern zu erkranken

Diese Erkenntnis muß uns veranlassen, gerade bei diesen besonders gefährdeten Kindern eine An­steckung um jeden Preis zu vermeiden.

Was nun die Infektionsverhütung betrifft, fo könnte man zwei Arten von Schutz unterscheiden: 1. einen aktiven: die Stärkung des kindlichen Or­ganismus und die Hebung seiner Widerstands- fähigfeit im allgemeinen, 2. einen passiven: die Fernhaltung des Kindes von den Ansteckungs- quellen bzw. umgekehrt die Fernhallung der An- steckungsquellen vom Kinde.

Dem ersteren, dem aktiven Schutz, dient zweck­mäßige Ernährung, Pflege und Erziehung des Kinoes. Davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Zum 2. aber, dem passiven Schutz, sollte vor allem die Erziehung und die Disziplin der Erwachsenen speziell der Eltern, beitragen. Die Erwachsenen Sollen sich, wenn sie einen Schnupfen, eine Grippe, Furunkel usw. haben, von den Kindern femhalten. Die Eltern sollen ihr Kind weder selbst abküssen

kein Ende abzusehcn ist. und derBack" flößt sie im Takt durch das ganze Stück hindurch wie ein Me­tronom.

Ist das nun ein Vergnügen für den Gast oder für das Kind?

Immerhin ist mir das ungezogene Lorchen noch bei weitem sympathischer als das selbstbewußte Karolinchen. Dieses Exemplar der vorspielenden Kin- dersorte sträubt sich nur aus Ziererei, es will gebeten sein, und man kann ihm keinen größeren Schmerz bereiten, als wenn man auf sein wiederholtes, lang- gezogenes:Ich möchte wirklich lieber nicht spielen!" kühl und einverstanden erwiedert:Dann lasse es nur bleiben, mein Kind!"

In diesem Fall pflegt Karolinchen, wenn man das gefährliche Thema längst und erleichterten Her­zens verlassen hat. sich auf den Zehenspitzen zum Klavier zu schleichen und heimlich einen Ton anzu- schlagen, dies Verfahren so lange wiederholend, bis lemanb aus der Gesellschaft unvorsichtig ausruft: Aha! Nun will sie doch spielen!" Meist aber kommt cs nicht so weit. Karolinchen wird von Anfang an stürmisch gebeten, angeflehi. die Unterhaltung der ganzen Gesellschaft dreht sich minutenlang um das interessante Thema: Wird Karolinchen spielen oder nicht? _

Endlich pflegt sich ein Hausfreund oder Onkel zu erbarmen und dem Greuel wenigstens in dieser Ge- stall ein Ende zu machen. Er bietet Karolinchen schalkhaft den Arm, zerrt sie. die sich unter wiederhol­tem:Ach nein!" vor Ziererei und Sträuben win- bet. hinter sich her, und Karolinchen Hüpft als zwerghafte Primadonna zum Klavier. Die Sitzhöhe wird minutenlang ausprobiert, das Notenpult wird höher geschraubt. Nach all diesen, die Ermattung aufs höchste spannenden Vorbereitungen bekommen wir etwa die liebe Weise zu hören, die geduldige Elternohren seit Generationen oorgeübt und vor- getragen wird:Mädchen, warum weinest du, weinest du so sehr? Weinest du nur dessentwegen, daß du mußt die Treppe fegen?"

Ist bie kleine Künstlerin in den Gefilden der Har­monie etwas weiter vorgedrungen, so gibt sie uns einSalonltück" zum besten. Dieses pflegt sich durch reizende Titel, wiePlauderndes Bächlein oder ...Hüpfendes Zicklein" u. a. heroorzutun und könnte feiner Tonfolge nach genau so gut:Schmorbraten mit Sauce" heißen. Auch den NamenSalonstück" rührt es ohne anscheinende Berechtigung, da es ent­schieden in keinemSalon" erdacht und für keinenSalon" gut genug ausgeführt wird. Karo-

noch von Großmüttern und Tanten abküssen lasten. Sie sollen es. wenn sie es im Wagen aussahren. nicht von allen möglichen bekannten und unbekann­ten Menschen besehen, bewundern, beniesen, de- husten und anstecken lasten. Sie sollen ihr Kind nur solchen Menschen zur Psiege anoertraucn. deren Gesundheitszustand ihnen als einwandfrei bekannt ist. Denn der wichtigste Satz bei der Infektionsoer. hütung heißt: die gefährlichste und häufigste Quelle aller Infektionen ist und bleibt der kranke Mensch.

Für Küche und Haus.

Rheinische Haussuppe.

Eine lichte Luttereinbrenne wird mit Suppe auf- gegossen. Dann gibt man nubelig geschnittene Peter­silie, Sellerie, einige Dlumenkohlstückchen und eine Hand voll Reis hinein und läßt alles zusammen lochen. Aus gehacktem Rindfleisch, ztoei cingeweich- ten. abgerindeten Semmeln und einem Lössel Mehl werden kleine Flcischknödel geformt und rechtzeitig In der Suppe gar gekocht.

Gefüllte Muscheln.

Eine Farce, bestehend aus ?3 gehackten Sar­dellen, 2 rohen Eiern, einer halben aufgeweichten Semmel, Fett, Salz, etwas Mehl und einer größe­ren Menge gehackter Reste von Kalbsbraten, laßt man zehn Minuten dünsten. Mit Butter ousge- strichene Muschelformen werden damit gefüllt, ein wenig mit Parmesan bestreut, eine Viertelstunde lang im Rohr gratiniert.

Pfeffergurken

Ganz kleine grüne Gurken, höchstens einen Fin* ger lang, werden sauber gewaschen, gebürstet und abgctrocknet. Nun legt man sie in einen Steintopf und übergießt sie mit scharfem Essig, der vorher mit etwas Salz und ganzem Pfeffer aufgekocht wurde. Am nächsten laae gießt man den Essig wieder ab, kocht ihn nochmals auf und gießt ihn abermals über die Gurken. Am dritten Tage läßt man die Gur­ken in dem Essig in einem tadellosen Eisentopf auf dem Feuer kochendheiß werden und darauf in einem Porzellangefäß einige Tage verdeckt stehen, dis sie wieder eine schöne grüne Farbe angenommen haben. Dann packt man sie in nicht zu große Glä­ser und gießt frischen ausgekochten Weinessig dar­über. Die Gläser werden verbunden und an kühlem Orte aufbewahrt.

Wiederherstellung des Lackglanzes auf Gummi­schuhen.

Während der Sommerzeit sind die Gummischuhe gewöhnlich in den Ruhestand versetzt. Rur an Regentagen erinnert man sich ihrer und muß dann häufig seststellen, daß ihr Lackglanz verschwunden ist. Zur Wieberauffrischung dieses Glanzes löst man zunächst ein Teil Kampfer in hundert Teilen Wein- geift und sechzehn Teilen Harz auf und gibt bann noch vier Teile venezianisches Terpentin hinzu. Sodann werden zwei Teile besten Asphalts in vier Teilen Terpentinöl aufgelöst und mit einem Teil Zucker und einer genügenden Menge Wasser ver­mischt. Die beiden Lösungen werden vereinigt und ein-n Tag in der Wärme stehen gelöste... Den Lack, der daraus entsteht, erwärmt man und trägt ihn mittels eines weichen Pinsels auf die von allem Schmutz befreiten und vorher mit Spiritus abgeriebenen Gummischuhe gleichmäßig auf. Sie werden dann ihren alten Glanz erhalten.

Das Waschen von Samt.

Zum Waschen des Samtes eignet sich besonders die Rindergalle. Man tut zwei Rindergallen mit etwas Honig und Seife in weiches Wasser und kocht sie unter fleißigem Umrühren. Dann legt man den oamt auf ein reines Brett und befeuchtet ihn mit der Mischung stark, wobei man sich eine» Läppchens bedient. Hierauf wird der Samt auf ein Mangelholz gewickelt und ziemlich lange gerollt. Sodann wird er durch reines Wasser gezogen, aber­mals gerollt und schließlich zum Trocknen au,ge­hängt. Ist dies geschehen, so wird er zur Hälfte getrocknet, mittels in Wasser geweichter und aus­gekochter Hausenblase naß gemacht, zwischen ein Tuch gelegt und solange gerollt, bis er völlig trocken ist. Zum Schluß wird er nochmals mit einem Tuch abgerieben.

lineben bleibt beim Vortrag desPlaudernden Bäch­leins" etwa alle fünfWellen" stecken, beißt sich auf den Finger, klapst sich auf die Hand und beginnt von neuem. Bisweilen spielt Karolinchen, sich des kleinen Mißgriffs anscheinend nicht bewußt, die Me­lodie in E-Dur, die Begleitung dagegen in D-Dur, und stürzt schließlich, wie der Schimmel, der den Stall wittert, gegen Ende der Tonschöpfung im Stolpertempo über etwa vierzig Takte fort zum Schlußakkord.

Nach diesem erfolgt unweigerlich tosender Beifall der Zuhörerschaft, und nicht einer, auch ich nicht, hat den moralischen Mut, die Eltern zu fragen: Aber warum lassen Sie denn das Kind überhaupt Klavierunterricht nehmen, und wenn dann durchaus gespielt werden muß, warum denn vor fremden Ohren?"

Ich frage mich oft, wie solche Kinder zur richtigen Beurteilung ihrer eigenen Leistungen gelangen kön­nen. Kinder halten und Gott sei Dank, daß e» so ist! die Menschen ihrer kleinen Welt im all- gemeinen für gute, brave, aufrichtige Leute unb Freunde, sie hören diese Freunde applaudieren, als ob Taussig oder d'Albert am Flügel säßen, wenn sie ihr kleines Pensum schlecht und recht herunter- klappern, und die Kinder können ja doch nicht an­ders, wie diesen Beifall für bare Münze nehmen.

Ich glaube, daß Ueberschätzung des eigenen Kön­nens, der eigenen Person, am |edem, aber auch auf jedem Gebiet ein großes Unglück ist, und ich frag» zum Schluß meiner Betrachtung noch einmal: Wozu müssen Kinder vorspielen?

Man erwidert mir bann: Das Kind soll feint Scheu vor dem Produzieren des Erlernten ablegen und überwinden lernen! Darauf kann ich nur aus Herzensgrund antworten: Es wäre für unfer musi­kalisches Empfinden in neun Fällen unter zehn ein großes Glück, wenn diese Scheu nicht von so vielen Leuten überwunden würbe! Wir würden bann vor der Strafe sicher sein, empfinbungslos herunter- gebroschene Sonaten, einherftolpernbe Notturnos unb rhythmisch unmögliche Märsche wohlgefällig lächelnd mit anhören zu rnüsten, und das wäre ein großer und realer Gewinn für viele Menschen! Mag doch jeder, ber gern spielt unb singt, im stille« Kämm erlern diese Kunst betreiben, ober ben Seinen wohlverstanben. wenn sie sehr darum bitten! etwas vorspielen: aber wenn man vor fernerstehen« ben Leuten musiziert, bann soll man etwaskönnen*.

SonstKlavier zu!", namentlich für Kinder unte vierzehn Jahren!