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aiiionen man unter Mindestzölle [teile. Bedenk- 11 ch erscheine der Reichsregierung die völlige Frei­gabe van Gefrierfleisch. Im ganzen glaube die Regierung ihre Bedenken über gewisse Einzel- uunfte des Komprornifles zurückstellen zu können. Auf eine Anfrage des Abg. Breitscheid teilte der Minister noch mit, daß die beteiligten Ressort­minister ihre Zustimmung zum Kompromiß c/pfben hatten.

Lon den Sozialdemokraten wurde in Gestalt eines Antrages ein Ernährungs-Jn- lens ioierungs Programm für die Land­wirtschaft vorgelegt, das u. a. Abbau der Jn- duftriezölle, Verlängerung der Zollfreiheit für Le- bensmittel um ein Jahr, eingehende Prüfung der Lage der Landwirtschaft durch einen parlamentari­schen Nntersuchungsausschuß, Aufhebung sämtlicher Ausfuhrverbote für Agrarprodukte und Aufhebung der Umsatzsteuer mindestens für Brotgetreide fordert.

Der Lteuerausschuft

des Reichstages erlebte die Verbr auchs - steuern. Bei der Weinfteuer ea-gab die 2T6* ftimmunf Mlehnung PL>es Steuersatzes, so daß sie Dorlage ohne Steuersatz an daS Plenum kommt. 6in Antrag der Sozialdematraten und Demokraten wurde angenommen, der die LI n 1 e r- stühung von Tabakar beiter n, Arrgestell- len und Hausgewerbetreibenden vorsieht, soweit sie durch das Gesetz arbeitslos werden. Ange­nommen wurden auch die Anzekdorschriften über die Verbindung von Banderolen - und Materialsteuer bei der Zigarette. Für das Inkrafttreten deL Gesetzes kommt frühestens der 1. Oktober in Betracht. Zugestimmt wurde auch einem deutschnationalen Antrag auf Errichtung eines Tabak-Forschungsinstituts.

Die Not des Saargedietes.

Sie fortschreitende Räumung des Ruhrgebietes hat automatisch ein immer schärfer werdendes Auf­treten der französischen Besatzungsbehörden im süd­lichen Teile des Rheinlandes ausgelöst. Nun haben sich auch die Vertrauensmänner des Völker- b u n de s an der Saar zu dem französischen System der Drangsalierungen und des Terrors bekannt. Es ist noch in aller Erinnerung, daß die saarländischen Eltern aus Anlaß der I a h r i a u s e n dfe i e r ihre Kinder vom Schulunterricht fernhielten. Dieser Bor­gang hat im Kreise der Saarkommisfion eine heftige Erregung hervorgerufen, an alle Lehrer ist sofort eine Verfügung ergangen, jenen Kindern, die seiner­zeit den Unterricht versäumt haben, die Verwei­sung von den An st alten anzudrohen oder sie auch vom weiteren Besuch der Schule aurzuschlie- ßen. Natürlich ist ein T s ch e ch e der Handlanger der nach der französtschen Pfeife tanzenden Saarkom- mifsion, es konnte ja auch nur ein Tscheche sein, da bekanntlich die tschechische Nation in der Unter­drückung und Schikanierung des Deutschtums in Böhmen so ziemlich das Unglaublichste leistete, was auf diesem Gebiet überhaupt zu erreichen war.

Die Pariser Gewaltigen scheinen den gegenwär­tigen Augenblick wirtschaftlicher Not an der Saar für geeignet zu halten, um Frankreichs Ein­fluß auf die saarländischen Verhältnisse noch erheb­lich zu verstärken. Der Währungsverfall in Frankreich hat die saarländischen Bergarbei­ter in eine geradezu katastrophaleNotlage gebracht, da sich die frcmzösiichen Bergherren bisher stets weigerten, die Löhne entsprechend den Kurs­rückgängen des Franken zu erhöhen. Die Dinge sind jetzt soweit gediehen, daß zwischen dem Lohn­niveau und dem Niveau der Lebensmittelpreise eine ungeheure Spanne besteht. Die Bergarbeiter wollen es jetzt auf eine gewaltsame Austragung der Lohn- ffreitigfeiten ankommen lassen, mit einem Streik < u f den Saargruben ist binnen kurzem zu rechnen, wenn sich die französischen Grubenbesitzer nicht im letzten Augenblick für die Annahme der cmfgestellten Lohnforderungen aussprechen sollten. Daran ist aber kaum zu denken, die Politik der französischen vergwerkrdesitzer geht einzig und allein darauf hinaus, aus dem Saargebiet herauszuschin­den, was sich überhaupt nur herausschinden läßt. In den Gruoen wird ein ungeheurer Raubbau getrieben, der jetzt schon soweit gegangen ist, daß ganze Ortschaften wegen der durch den Abbau wich­tiger Pfeiler entstandenen Erdsenkungen in die Gefahr des Einsturzes gekommen sind. Die Hauptlast der französischen Ausbeutung haben natürlich die Lohn - und Gehaltsempfän­ger zu tragen. Damit aber die deutschen Berg­arbeiter auch weiterhin willige Objekte der fran­zösischen Grubenbesitzer bleiben, haben diese sich schleunigst aus Frankreich zahlreiche Panzer- automvbilkolonnen verschrieben, die in dem Augenblick in Tätigkeit treten sollen, in dem es der deutsche Bergarbeiter wagen sollte, die Arbeit nie« derzulezen. Streiken die Bergarbeiter, bann werden eben die französischen Maschinengewehre spielen. Das nennt man Dölkerversöhnung, die angeblich die Hauptaufgabe der Liga der Nationen ist.

Die Krisis im Saarkohlen- dercchcm.

Saarbrücken, 24. Juli. (T. U.) Die Versuche der Gewerkschaften, den drohenden Streik im Saar'oergbau in letzter Stunde im Interesse der All­gemeinheit zu verhindern, sind von der Berg- werksdirektion strikte abgelebt worden. Trotz­dem von einem Bruttoertrag der Saargruben in den Jahren 1920 bis 1923 von 509 Millionen allein 228 Millionen Frcs. als Reingewinn in die französische Staatskasse geflossen sind und seitdem bedeutende Gewinne aus den Berg­werken herausgewirtschaftet werden, will die fron- osische Verwaltung bei der statistisch festgestellten ßprojentigen Teuerung unter keinen Imständen über die angebotene öprozentige Lohn- rhöhung hinausgehen. Infolgedessen ist jetzt bereits i mehreren Dertrauensmänneroersammlungen der 'ergarbeiterorganifationen beschlossen worden, aus er für Sonntag einberufenen Reoierkonfe- en j den General st reit zu proklamieren. Die aarregicrung selbst hat sich trotz mehrfacher ifforberung bisher geweigert, in dieser für 5 gesamte wirtschaftliche Leben des Saargebiets T;erit wichtigen Lebensfrage es handelt sich um ja 74 000 Bergleute zu vermitteln. Dafür d aber gestern aus der Richtung Saargemünd ie g'.ße.e Anzahl Tanks in das Sa arge- e t transportiert worden, die anscheinend die Aus- tt'mg von Land und Leuten des Saargebietes rch das französische Grubenkapitat mit mili« .irischer Waffengewalt unter stützen llen. Die Erregung unter der Bergnrbeiterbevöl- rung ist derartig groß, daß es in den kleineren rubenbezirken bereits zu mehrfachen ernsten Zwi- 'cnfäUcn gekommen ist.

Schwere Niederlage der Franzosen in Marokko.

Räumung dcr Stellung vor Fez.

Madrid. 24. 3ulL (I.1L) Nach Meldungen aas Tanger wurden die Jrautojen, obwohl sie neue Reserven cinsehten, unter schweren kämpfen ge­zwungen. die Stellung von $ e 3 Z u r ä u - m e n. Auch bei A i n 2N a t o n e f wurden die Fran­zosen trotz Einsetzung von 10 Bombenstugzeugen geschlagen.

Wesentlich günstiger lautet natürlich der Bericht der französischenHaoas"agentur. Danach haben die Rifkabylen einen lebhaften Dorstoß auf A i n Aicha und A i n Ttaatuuf unternommen. Als sie unter starkes Feuer der französischen Artillerie aller Kaliber genommen wurden, flohen sie nach Norden, wobei sie die Bevölkerung und das Vieh aus allen Dörfern nördlich der Linie Djbel Aghil- Taunat-Senhadja mit sich führten. Teile der neuen Division konzentrierten sich in der Gegend von T a z a. Die aus verschiedenen Frontabschnitten heute vormittag eingetroffenen Nachrichten bestätigen, daß in der allgemeinen Lage eine Entspannung eingetreten sei. Marschall Petain habe sich nach dem Frontabschnitt von Quezzan begeben, wo er mit dem aus Fez eingetroffenen Oberkommandierenden der Marokkotruppen, General Raulin, zusam- mentreffeen werde.

Das französisch - spanische Tangerabkommen.

Die französisch-spanische Marokkokonfe­renz hat ihre Arbeiten beendet. Als letztes Abkom­men wurde ein Dertraa unterzeichnet, der nach den Blattern die Neutralität und Sicherheit Tangers gewährleisten soll. Was eigentlich unter diesem Abkommen verstanden werden muß, läßt sich aus diesem knappen Angaben um so weniger er­sehen, als ja durch den Vertrag von Algeciras Eng­land und I t a l i e n an der Garantierung der Neu­tralität der Tangerzone mitbeteiligt sind. Es darf allerdmas nicht übersehen werden, daß vor Ab­schluß des Abkommens Spanien und Frankreich be­sonders mit London Fühlung genommen Haden, in der Absicht, England zur Beteiligung an der Blockade zu bewegen. Frankreich und Spanien sind sich vollkommen darüber klar, daß die auf der Konferenz beschlossene Blockade der Rifküste voll­kommen unwirksam verlaufen muß, wenn nicht auch der internattonalisiete 5)afen von Tanger in die Maßnahmen eingeschlossen wird, lieber Tan­ger erfolgt unter den Augen der Franzosen und Spanier bie Belieferung der Rifkabylen mit Waffen und Munition. Trotzdem schei­tern alle Versuche, die Beteiligung der E n g l ä n - d e r bei der Verhinderung dieses Zustandes zu ge­winnen, an der Berufung der englischen Regierung auf den Vertrag von Algeciras. England lehnte eine Beteiligung mit der Begründung ab, daß diese Abd el Krim, der bis jetzt peinlichst die Neu- tralität Tangers gewahrt habe, veranlassen könne, sein bisheriges Verhalten gegenüber England zu ändern. England will jede Gefahr einer kriegerischen Verwicklung mit den Rifkabylen vermeiden. Spanien und Frankreich haben sich vorläufig dadurch einiger­maßen zu helfen gesucht, daß sie ohne die Ge­nehmigung Englands uno Italiens ihre V o l i z e i - kräite in Tanger verdoppelt haben. Da­mit haben sie aber nur erreicht, daß England und Italien nur um so sorgfältiger alle Schritte der beiden Mächte in Marokko überwachen. Es wäre möglich, daß sich das Abkommen in Marokko auf diese Verstärkung der Polizeikrast bezieht und ihnen nachträglich einen Schein des Rechtes gibt. Frag­lich ist aber, ob praktisch durch diese Berdoppelung der Polizeikräfte erreicht werden kann, daß die Waf­fenlieferungen über Tanger an bte Rifkabylen auf- bören. England wird besonders darüber wachen, daß sich die Polizeikräfte /einerlei Uebergriffe zuschulden kommen lassen, durch die die Neutralität Tangers verletzt wird. Für England ist die Berufung auf den Dlgeciras-Vertrag ein willkommener Anlaß, sich von einem Eingriff gegen Abd el Krim fernhalten zu können, da es sicher von einem gegenteiligen Ver­halten Schwierigkeiten in anderen Teilen seines weitausgedehnten Kolonialreiches fürchten müßte. AsgebsicheM-enrbe-ingMgett

Mi) el Krim*.

Paris, 24. Juli. (TU.) Im Mittelpunkt des Interesses steht das vomQuotibien" abgedruckte angebliche Friedensangebot Abd el Krirns, das fol­gende Punkte aufführt:

1. Der Rtssiaat soll anerkannt und vom Völkerbund mit einem Stand ähnlich dem von Afghanistan garantiert werden.

2. Der Sultan von Marokko soll von den Ristenten als oberster Zührer anerkannt werben.

3. Das ganze Gebiet der Djeballa soll in Rifienke einbefchlofsen und das Korbufer des Flusses Uergha die sichtbare Staatsgrenze bilden.

4. Spanien soll Ceuta und Melilla als verleidig-.'.ngsbasis sowie die Cifenerzgruben süd­lich von Melilla behalten. Die Riileute sollen die Erlaubnis erhalten, ein stehendes Heer zu unterhalten. $ßt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes werde der Völkerbund erbeten, eine kleine Anleihe zu gewähren. Frankreich und Spanien sollen Erleichterungen für handel und Eifenbahnkonsimktionen angeboten werden.

wie dasselbe Blatt erfährt, feien die Rif­leute gewillt, ein Drittel der franzSiifchen und fpa- nischen Gefangenen ohne Lösegrld s r e } u - lassen und ihre politischen Agenten aus dem französischen Protektorat zurückzuziehen.

Blatt weigert sich, die politische Persön­lichkeit zu nennen, von der es diese angebfiAen Friedensbeiüngungen des RiffuhrerS erhalten nat. Am Quai d'Orsay weist man darauf hin, daß Abd el Krim im Besitz formeller fran­zösischer und spanischer FriedenS- Vorschläge sei und daß sich eine gemischte französisch-spanische K ommissivn im Lause der letzten zwei Wochen schon zweimal nach Aidir begaben habe und von Add el Krim emp­fangen wurde. Die Kommission stehe unter der Führrmg von Eccevarieta. Gin Brief mit den Friedens Vorschlägen sei bei der zweiten Reise nach Ai.'rir bei QI)') el Krim zurückgelassen wor­den. Gin» A kiwort sei dis zur Stunde auf dem vereinbarten Wege noch nicht erfolgt.

Die Vermutung hat viel für sich, daß die Friedensbedingungen, die außerordentlich be­scheiden e:f ;e'-en, a is einer sranzö i'chen Feder stam.'.en und eS sich lediglich um einen BrrfuchS- badon handelt, nm festzustellen, ob auS dem Rif ein günstiger Wind weht, der vielleicht die 2In- knüpfung von Friedensverhandlungen ermöglicht.

Die Franzosen haben allen Grund, sich um die Wiederherstellung des Friedens in Marokko zu bemühen. Die Aufständischen sind nach wie vor in einer glänzenden Situation, eS muß weiter mit ganz ernsten Verwicklungen^ im übrigen Ma- rollo gerechnet werden. Will Frankreich wirklich Frieden und nicht nur eine Atempause, um dann mit herbeigerufenen Reserven über Md el Krim herzufallen, dann muh eS schon ganz andere Bedingungen zur Erörterung stellen.

Englische Stimmen zum Marokkofeldzug.

London, 24. Juli. (TU.) Nach Ansicht des Korefpondenten desEvening Standard" werden sich die französischen Schwierigkeiten in Marokko in her nächsten Zett noch steigern. Großes! Miß­fallen erregt die Besteuerungsmethode der französischen Behörden in Marokko, die Steuern von Grund und Boden anstatt von dem Ernteertrag ansetzen. In diesem Jahre ist die Ernte in Marokko sehr schlecht. Die Folge sei, daß die Steuer auf die Bodenfläche doppelt schwer empfunden werde und zu weiteren Aufwie­gelungen Anlaß gebe.

In einem Aufsatz über die Bedeutung des ma­rokkanischen Krieges fragt derOutloo k", wie es komme, daß die größte Militärmacht der Welt Freiwillige einfteUen müsse. Der Grund fei, daß die französische Militärpolitik in Europa einen Vernich­tungskrieg als Möglichkeit ansehe, bei dem jeder waffenfähige Franzose notwendig sei. Die Franzosen müßten aus diesem Grund Freiwillige für Marokko mobil machen. Die Deutschen seien m.t ihrer Ansicht völlig im Recht, wenn sie die R ü u m u n g der Ruhr vor dem festgesetzten Datum nicht als Freundlichkeit gegen Deutschland betrachten, sondern fie auf den Druck der französischen Lage in Afrika zurückführen.

Das englische Flottenbau­programm.

Eine Erklärung Baldwins im Unterhaus.

London, 23. Juli. (WTB.) Premier­minister Baldwin teilte im älnterhaus mit, daß im Oktober mit dem Bau von zwei Kreuzern und im Februar mit dem Bau zweier weiterer begonnen werden soUen. Dies bedeute für das gegenwärtige Finanzjahr den Bau von vier Kreuzern und für das nächste 2ahr den von drei Kreuzern. Die Regierung hat ferner beschlossen, jährlich neun Zer - ftörer und sechs Un terseeboote ein* chließlich verschiedener ErgänzungSschiffe zu bauen. Dieser Bau soll im Finanzjahr 1926'27 beginnen. Mit diesem Bauprogramm soll eine Vermehrung der Ausgaben der gesamten Vor- anschläge für die Seestreitkräfte nicht verbunden sein. Die friedliche Weltlage und das Fehlen von irgendwelchem Antagonismus zwischen den Großmächten zur See habe es ermöglicht, die vor zwei Ilahren gemachten Borschläge beträcht­lich a b z u ä n d e r n. Einige der neuen Kreuzer würden dem bestehenden Zehntausendtonnentyp entsprechen. Die anderen würden mit ungefähr 8000 Tonnen etwas kleiner und daher billiger sein. Henderson kündigte an, daß die Opposition am nächsten Dienstag eine Aus­sprache über diese Erklärung Baldwins herbei­führen würde.

Die Kabinettsbildung in Holland.

Amsterdam, 23. Juli. (TU.) Die Presse gibt bereits die voraussichtlichen Mitgli^>er des neuen Kabinetts bekannt: Coliyn Finanz* minifter und Ministerpräsident, van Dijk Kriegsminister, Westerveld Marineminister, van Karnebeek Außenminister, Rutgers Minister fiir Arbeit, Handel und Industrie, d e Geer Zustizminister, DongaertS Minister für Wasserverwaltung, K ovlen Minister des Innern und wahrscheinlich auch für älnterricht. Weiter besteht Aussicht, daß noch ein neues Ministerium für Landbau geschaffen wird. Als Kandidat dafür wird daS Mtt^ied der Ersten Kammer, D i e p e n h o st, genormt. Cs ist fraglich, ob Minister de Graaf Leiter des Kolvnialamtes bleibt. Ms seinen Rachfvlger nennt man den Aba. van Rijckevvrsel. Da der Ministerpräsident protestantisch ist, wird die römisch-katholische Partei den Posten des Präsidenten der Zweiten Kammer für den bisherigen Ministerpräsidenten Ruhsde Beerenbrvuck verlangen. 3n einer stürmi­schen Sitzung hat die sozialistische Partei heftig gegen ein Ministerium unter Leitung von Coliyn protestiert.

Bandenunwesen m China.

Peking, 23. 3uli. (WTB.) Major Mor­gan Palmer, ein Amerikaner aus Chicago, der in der nördlichen Mandschurei im Sntereffe von Flüchtlingen auS den HungerSnotbezirken eine a r m betreibt, ist am letzten Montag von Räubern überfallen worden. 2m Lause des Gefechtes, daS sich entsponnen hatte, wurde Palmer getötet und der Augenarzt Dr. Howard vom Rockesellerinstitut in Peking gefangen genommen. Die anderen Ausländer sind entkommen. Der amerikanische Konsul in Chardin hat sich zu T s ch a n g t s o l i n begeben und ihn ausgelordert, die Freilassung des Arztes zu bewirken. Wie daS Reutersche Bureau er­fährt, hat sich die Lage im Gebiet von Tschenfan und im Linnern von Szetschuan gebessert. Die Konsu'aiSbeamten halten daher im Augen­blick die Räumung der Missionen nicht für notwendig.

Aus aller Wett.

Wrotze Mosr- und WnILbrande in Hannover und der Mark.

Bremen. 24. Juli. (SU.) Ein großer Moor- und Hci brand wütet zur Zeit im L i ch- lenmoor bei Rienburg a. d. Weser. DaS Feuer, das gestern au3j brvchsn war, hat bereit« über 4000 Morgen Moorland ergriffen. Die te-Hsrische Rtthilse von Rien- bürg f ytuie die SinwohneriHast der Moorgrenz- orte beteiligen sich an den -arbeiten.

Reiben großen ausgest-spelten Dorsmeng-on find 1147 Moorbinsem str^cle'i verbrannt. DaS Feuer setzt sieh, vom Ostwald getragen, in westlicher Richkmrg fort. ES sind inzwischen versthiedene

n eu e D r a n d he r d e entstanden. Die umlie- genden Ortschastett sind durch Aorieg lung von dem weiteren Ausbreiten des Feuers gesichert. Das Feuer ist durch die älnvorjichtig^ feit viehhütender Kinder entsta-rden.

In der ßünebttrger Heide '

stehen an der Grenze der Regierungsbezirks Cüneburg und Hannover, vor allem im Kreisq Burgdorf, etwa 5000 Morgen in Flainmea. Der Brand begann bereits am Freitag. Zur Eindämmung und Bekämpfung des großen Bran- deS sind sowohl Formationen der Reichs­wehr wie Polizeitruppen und Mannschaften der Technischen Rothilfe aus Hannover und Lüneburg an der Arbeit. 3m Regierungsbezirk Lüneburg hat der Brand auf den fiskalischen Hoch­wald übergegriffen. Dom Kreise Burgdorf aus ist der Brand auf den benachbarten Kreis R e u- stadt übergesprungen. Auch dorthin wurde Jofort Schutzpolizei zur älnterstühung der Löscharoeiteir geschickt. Man hofft durchaus, den Brand an der weiteren Ausbreitung hirrdern und mehr ein­dämmen zu können. Weder Menschenleben noch die Ernte wurden bisher vemttchtet oder ge­fährdet.

infolge der Dürre entstand im Steckels­dorfer Gemeindeforst bei Magdeburg ein großer Wnldörand, der sich schnell fortpflanzte und bisher den SchoUener und Großwudieker Forst innerhalb zweier Stunden in einem Umfang von mindestens tausend Morgen Wald ergriff.

Das Feuer nahm seinen Weg von Ebelgund nach der Chaussee StepelsdorfSchöllcha und Hot Hot sich von dort durch Funkenflug auf die andere Straßenseite ausgedehnt. Die Verbindung Rathenow chavelsberg i ft durchbro­chen. Zur Hilfeleistung find außer den in der Nähe stationierten Reichswehrregimentern auch Spandauer Pioniere herangezogen worden. Die Dörfer Plietz und Karlstol sind bereits ge­räumt worden. Auch andere Dörfer, an die sich das Feuer bereits herangefressen hat, werden ge­räumt.

Durch Funkensluo entstand im Gebiete der Ober- sörsterei K ü t t bei Hermskruo ein Waldbrand, dem bis gestern abend ein halbes Joch Waldbestand zum Opfer gefallen ist. Feuerwehr und Militär aus Alt­damm wurden herangezogen. Es ist dies der dritte Waldbrand, der in diesem Jahre in der Oberförsterei Kütt entstanden ist.

Die Stuttgarter Stadthalle eiugeftürzt.

Stuttgart, 23. Juli. (TU.) Heute nach­mittag kurz nach 1 älhr wichen die in der neuen großen Stadthalle, die im nächsten Monat durch den Deutschen Kcttholilentag erstmals in Betrieb genommen werden sollte, bereits aufgerichteten sechs großen Holzkonstricktiomtbinder dem Luft­druck und stürzten unter furchtbarem Krach zu­sammen. Zahlreiche an dem Bau beschäftigte Ar­beiter wurden unter den Trümmern be­graben. Die Bergungsarbeiten dauern noch an. Von allen Seiten werden Schwerverletzte in pri­vaten' und städtischen Autos in verschiedene Kran­kenhäuser abtrairsporttert. Dis jetzt sollen etwa 5 Tote und 15 Schwerverletzte geborgen sein. Feuerwehr und Aerzte waren sofort zur Hilfe­leistung erschienen. Die Wucht der stürzenden HoIzmaffen kann man davon ermessen, daß ein unter den Bindern stehendes Gespann (Wagen mit Pferd) buchstäblich zusannnengequetscht wurde.

3n der geplanten StadthaUe waren 8000 Sitzplätze vorgesehen. Die große Holzkonstruk­tion wird zur Zeit nach dem Zellinger-Shstem auf massive Detonmauern montiert. Der sechste Binder war heute mittag bereits aufgestellt, als unerwartet ein Sturm einsetzte, der den Binder auS seinen ümftridungen löste und die bereits stehenden fünf Binder mit umwarf. Die Halle brach durch den ungeheuren Anprall ganz in sich zusammen.

Schweres Unwetter in Loudou.

L o n d o n, 23. 3uli. (WTB.) Rach dem gestri­gen, bisher heißesten Tage dieses Jahres wur­den ßonbon und die Umgegend in der vergan­genen Rächt von heftigen Gewittern mit Degen und Hagel heimgesucht. Der Blitz verursachte verschiedene Brände. Hunderte von Fenstern wurden vom Hagel zer­schlagen. Der Sturzregen überflutete viele Straßen, so daß daS Wasser in Häuser und Läden einöranfl. Eine Reihe von Personen wurde durch Hagelkbrner von ungewöhnlicher Größe verletzt. Die gestrige Regenmenge war die größte seit Zähren. In der Rähe von Sevenocks wurde eine Feuerwachtstation vom Blitz getroffen und innerhalb von zehn Minuten durch Feuer zer­stört. Ein Spitalfaal in der Rähe von Dart- fold wurde ebenfalls vom Blitz getroffen und brannte ab. Der Saal war glücklicherweise leer.

Schachkongreß tu Breslau.

3n der vierten Runde des Meisterturniers gewann Riemzowitsch durch überlegene Spiel­führung gegen Blümisch. v. Gottschall über­raschte wieder durch einen glänzenden Sieg über Sämisch. Reti hielt seinen Positionsvorteil gegen Prof. Becker siegreich bis zum Schlüsse fest. Grüisteld erbrütfte Moritz in einem hervor­ragend geführten (Jnbfbiel vollständig. Rach acht­stündigem schweren Kampfe mußten sich die beiden Grohin-eister Bvgoljudow-R' b nftein mit remis begnügen. Auch Dr. Tarrafch m> ßte sich gegen Wagirer mit rem:8 zufrieden geben. Sn der vierten Runde deS Rundenturn'er S siegte Schmitt gegenBergmann durch ein älebersehen des letz­teren, Gilg gegen Kafthenner durch gutes Spiel, v. Holzhansen gegen Müller in einer für Holz- Hausen auf Verlust stehenden Partie, Kühn durch starke» Spiel g^gen Hussong. Orb ach konnte gegen Schömnann nach achtstündigem Sp'e'e nicht mehr alt rerniS erzielen, ebenso F:chS gegen Urbach.

Schwerer Aukounsall bei Siegen.

Vergangene Nacht überschlug sich in der Nähe der Kronprinzeneiche ein mit drei Personen ^e- setzter Kraftwagen. Der Kaufmann Fey aus Sie­gen und der Obermeister Werthebach aus Wei- denau wurden getötet, während der dritte der Insassen mit dem Schrecken davonkam.

Derand-rliche Bewöl'-mg, Tcmi>eraturen wenig anstei.ie-d. steilentvei^e R'ederschläge.

Durch die RordwärtSb^wegung deS gestern morgen nach Süddeutsch!and Hine'nreichm" en Qlutläde.-S der westlichen Zyklone wurde die östlich? Lrsistromung un'er°s Oeb etct horäbev- n b ;rJ> westlich? kühlere Lust überwunden, so daß kräftiger (teilweise g?iv't er Hafter) Reg^n Krefc*rrg: und LDkühuing eintrat. D e ©taWiiät der Wr.' -ringe ist zunächst unterbrochen, da die ßuftibru J,T*CTt?;Irng auf dem Kontinent sehr un- reg^imäßig g worden ist und zunächst wechselnde Lr^tströmung in Aussicht steht.