Sozialdemokraten sürhindenburg
Lie sozialdemokratische Fraktion des Preußr- schen Landtages hat zwei Vorsitzende, Herrn Heilmann und Herrn Grezesinski. Es wird den Herren heute unbequem sein, das) sie beide als Kronzeugen für den Feldmarschall von Hindenburg ausgerufen werden können. Herr Heilmann hat im Kriege einen Artikel grschrie- ben, der wie eine Fanfare in der eigenen Parier wirkte und in dem kriegerischen Sah ausklang, ich gehe zum Hindenburg, wahrend Herr Grezesinski in der Revolutionszert Vorsitzender des Arbeiter- und Soldaten- -ats von Kassel war und in dieser Eigen- scha't eine Bekanntmachung erließ, worin er sagte: „Hindenburg gehört zu dem deutschen Volte und 2)ent deutschen Heer Er hat sein Heer zu glanzenden Siegen ge'ührt und sein Volk in schwerer Stunde nicht verlassen. Are iat Hindenburg in der Größe seiner Pflichterfüllung uns näher g e st a n- >cn als heute." Der Aufruf klang aus in >er Forderung, den Frldmarschall. für den die ärgerliche und soldatische Bevölkerung Kassels nur Gefühle der Verehrung undH och- a ch t u n g habe, vor jeder Belästigung zu sichern. Dieselben Herren, die damals so überzeugte Anhänger Hindenburgs waren, geben sich alle Mühe, ihn herunterzureißen und ihm die Verehrung des Volkes abzusprechen, die sie ihm damals öffentlich bescheinigten.
Die Reichsratsbeschlüsse zur Auswertungsfrage.
Berlin. 23. April. (WB.) Zu den gestrigen Reichsratsberatungen zur Steuerreform ist noch nachzutragen: 3m Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen soll die Abfindung der K.-Schatze in der Weise erfolgen, daß für die 16,7 Millionen 1923 °/U>roz. K.-Schähe 50 Reichsmark Ablüsungsschuld und für die 50 Milliarden 1924er K.-Schähe ebenfalls 50 Reichsmark Ablösungsschuld gewährt werden sollen. Bei mündelsicheren Anlagen gilt die Markanleihe in Höhe des doppelten Geldwertes ihres Erwerbsprcises als Alt- besihanleihe. Die Tilgung der Anleihe-Ablo- sungsschuld erfolgt durch Auslosung zum Rennbetrage und nicht durch Auslosung mit Prämien unter Aufwendung des gleichen Betrags, wie er in der Regierungsvorlage vorgesehen ist. Eine Vorzugsrente wird den Altbrsihern aller Markanleihen des Reiches, nicht nur den Altbesihern von Kriegsanleihe gewährt. Die Vorzugsrente wird auf airdere Dlnterstuhungen öffentlich-rechtlicher Art voll angerechnet. Den bedürftigen Altbesihern von Markanleihen des Reiches, die insgesamt weniger als 1000 Mark Nennwert besitzen, wird eine ein- malige Barabfindung von 15 Reichsmark für je 100 Mark gewährt. Für unannehmbar erklärt die Reichsregierung die vorgesehenen Aenderungen Aenderungen und verlangt die Wiederher st ellung der Regierungsvorlage bezüglich der Auslosung der Ablösungsschuld mit Prämien', ebenso sei die Bestimmung über die Gewährung einer Vorzugsrente nur an die bedürftigen Altbesiher von Kriegsanleihen wiederherzustellen. Desgleichen soll der Abfindungsbetrag nur bedürftigen Altbesitzern gewährt werden. Die Dorzugsrente wird in Höhe von 180 Reichsmark jährlich nicht auf andere Llnterstühungen ange- t rechnet
$ Die Frage der Ermäßigung der Lohnsteuer.
Berlin, 22. Avril. (WTB.) Die sozial demokratische Reichstagsfraktion Hal den Reichsfincmzminfiter in einem Schreiben ersucht, die L o h n st e u e r mit Wirkung vom 1. 5. ab zu ermäßigen. Nunmehr ist die Antwort des M i n i st e r s eingegangen, in welcher, dem „Vorwärts" zufolge, erklärt wird, daß die Entscheidung über die Ermäßigung der Lohnsteuer nur vom Reichstag erfolgen könne, und zwar nach Vorlegung aller Steuergesetzentwürfe. Man bobe sich dann Darüber schlüssig zu werden, ob Teilstücke als besonder» dringlich vorweg erledigt werden sollen. Der Minister persönlich trete dafür ein,, daß das bezüglich der Lohnsteuer zu geschehen habe.
Trauerfeier für Dr. Hoefle.
Berlin, 23. April. (WTB.) In Anwesenheit zahlreicher Parlamentarier fand heute nachmittag im Hause des verstorbenen früheren Reichspostministers 2r. Hoefle eine Trauerfeier statt. Vom Reichs / a n z l e r Dr. Luther und dem früheren Reichskanzler Dr. Marx sowie von zahlreichen anderen Ministern des Reiches und Preußens waren B eile idskundgeb ungen eingegangen. Auch die deutschen Beamtengewerkschasten ehrten den Ver storbenen durch die Niederlegung eines Kranzes. Reichsarbeitsminifter Brauns hielt eine Gedenkrede.
Der Gesundheitszustand Kutt Kers.
Berlin. 23. April. (WTB.) Der Gesnnd- heitszustand Kutislers verschlechterte sich derart, >aß int Hinblick auf die entfte Situation der I itersuchungsrichter nunmehr dem Antrag der 3 .rteibigung zustimmte, daß die Privatbe» a n bl u n g Kutiskers gestattet werde. Auf und der veränderten Umstände hatte auch der »wteibiger Kut.flers einen neuen Haftent- assungsantrag gestellt. Angesichts dieser j tschridang hat der Äntersuchunrsrichter unter ustirnrnung b.t Staatsanwaltsä'aft den Dorschlä- ,.n des Verteidigers zugestimmt und für den ommenben Montag ein Aerztekon>ilium i das U tersuch mgsg f i gni? berufen, das über die Haftfähigkeit Kutiskers ein Gutachten abgeben soll.
Neue politische Morde in Sofia.
Vor e’net Rcfiicrungsbildnnft.
Sofia, 23. April. (TU.) Gestern abend ereigneten sich h'.er wieder zwei polttNche Mord» •aten. Ein Führer der Bi.uernpartei, Prutktm, ',er zur Zeit Stambulinskis Pvlizeivrüsident von Sofia war. und der ehemalige Kriegsminister im Kabinett Stanrbul nskls. B u r a w i e w , wurden auf offener Straße von unbekannten Tätern erschossen. Prutttm wurde seinerzeit l-e'chul '■igt, als Polizeichef im Auftrag SiamvulinsklS das Boinbeitattentat int Theater Odeon in Sofia veranlaßt zu haben. Die polizeilichen Maßnahmen
zur LInterdrüctung des Aufstandes werden immer schärfer. Gestern wurden sämtliche in Bul- garienansässigen Russen verhaftet, wobei nicht berücksichtigt wurde, ob sie kommunistischen Organisationen angeboren oder nicht.
Zn politischen Kreisen verlautet, der König habe den Wunsch, int Interesse der Wiederherstellung des Friedens so bald wie möglich ein Kabinett auf breitester Grundlage mit der Uebernahme der Regierungsgeschäfte zu betrauen. Gegen diesen Plan habe sich der Ministerpräsident Zantow ausgesprochen, der einen solchen Regierungswechsel kurz nach dem Aufstand als ein Sy st em wechsel betrachtet, der augenblicklich unter allen Umständen vermieden werden müßte. Die Absicht des Königs, eine liberale Regierung zu bilden, stoße nicht auf den Widerstand des Militärs, sondern lediglich auf den Widerstand Zankows.
10 000 Mann Truppen- Verstärkung in Bulgarien.
P a r i s , 24. April. (TU.) Wie „Petit Journal" erfährt, hat die B o t s ch a f t e r k o n f e - r e n z die Forderung der bulgarischen Regierung um eine Truppenverstärkung von 10 000 Mann in vollem Umfange bewilligt. Ursprünglich hieß es, daß nur 7000 Mann gewährt würden.
Kleine politische Nachrichten.
Die Verhandlungen des Wirtschafts- ausschussesdesVölkerbunbe s über die Abschaffung der Ein- und Ausfuhrbeschränkungen werden am 25. Mai in Genf beginnen. Sie werden sich vor allem mit dem Wiederaufbau Mitteleuropas beschäftigen, besonders mit der wirtschaftlichen Wiederherstellung Oesterreichs. Das Wirtschaftskomitee des Völkerbundes hat die Länder Mitteleuropas, Oesterreich, Deutschland, Ungarn und Jugoslawen, aufgefordert, zu den Beratungett Vertreter zu entsenden.
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Der englische Ministerpräsident hat an Lord Balfour die Einladung gerichtet, in das Kabinett einzutreten als Groß siegel- bewahret, um die Stelle auszufüllen, die durch ben Tod von Lord Curzon freigeworben ist.
In Belgien hat der sozialistische Parteikongreß mit 413 gegen 173 Stimmen beschlossen, die Verhandlungen zur Bildung eines Kabinetts ein zu stellen.
In Paris tarn es nach einer Wahlversammlung, die von dem Abg. Taittinger geleitet wurde, in der vergangenen Rächt gegen 12.30 Uhr zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Mitgliedern der Mille- rand-Liga und Kommunisten, die sich vor dem Lokal versammelt hatten. Es gab drei Tote und acht Schwerverletzte.
Hochschulnachrichten.
Gesellschaft für evangelische Pädagogik.
Eine Gesellschaft für evangelische Pädagogik unter dem Vorsitz des früheren Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiums von Magdeburg, Geheimrat Dr. W a s s n e r , hat sich im Anschluß an den Frankfurter Reichselterntag konstituiert. In der Grün- dungssihung ist eine Reihe namhafter Persönlichkeiten aus Fachkreisen, Vertreter pädagogischer und evangelischer Verbände beigetreten. Die Geschäftsführung der Gesellschaft liegt beim Reichselternbund in Berlin-Steglitz.
Tagung der deutschen Zivilprozehrechtslehrer.
In München begann am Donnerstag die Tagung der deutschen Zivilprozeßrechtslehrer. Geheimrat Dr. Wenger, Rektor der Universität München und Staatsrat Dr. Meyer, Vorsitzender der Juristischen Studiengesellschaft München, begrüßten die Teilnehmer aus dem Reich und aus Oesterreich. Am Abend hielt die Juristische Studiengesellschaft anläßlich der Tagung eine Festsitzung ab, auf der Staatsrat Dr. Meyer besonders den Vorsitzenden des deutsch-italienischen Schiedsgerichtshofes in Rom, Dr. S o l d a 11, und die Rektoren der Universitäten München und Wien begrüßte. Der Rektor der Wiener Universität, Hofrat Sperl, hielt den Fest- Dortrag, in dem er den Gedanken der internationalen Zuständigkeitsverordnung für den Zivilprozeß darlegte.
Aus aller Welt.
Das Baden-Badener Schachturnier.
Auf dem internationalen Schachgroßmeisterturnier in Baden-Baden wurde am Donnerstag die sechste Runde gespielt. Sir Thomas-England verlor gegen Colle-Belgien in 28 Zügen. Mieses-Deutsch- land verlor gegen Rubinstein-Polen in 31 Zügen. Te Kolste-Holland verlor gegen Riemziwoitsch-Däne- mark m 37 Zügen. Remis wurde die Partie Reti- Defterreid) gegen Pates-England in 53 Zügen. Ebenfalls mit remis endete die Partie Dr. Teybal-Tschecho- slowakei gegen Dr. Tarrasch-Deutschland. Spielmann- Oesterreich gegen Grünfeld- Oesterreich wurde remis mit dem 42. Zuge. Das Damenbauerspiel Saemisch- Deutschland gegen Torre-Mexiko endete überraschenderweise mit dem 21. Zuge remis, obgleich der Berliner Meister einen Springer mehr hatte. Rabino- witsch-Rußlcmd gegen Dr. Tartakomer-Oestcrreich endete remis mit dem 50. Zuge, damit hat Dr. Tar- takower alle sechs bisher gespielten Partien zum remis geführt. Die unvermeidlich englisch aespielte Partie Earl-Deutschland gegen Bogoljubow-Ukraine endete ebenfalls mit remis. Abgebrochen wurde die Partie Marchese Roselli-Jtalien gegen Marshall-U. S. A. in ungeklärter Stellung. Älsechin-Frankreich war spielfrei.
(Eine deutsche Mount-Lveresl-Lxpedilion.
Beim Empfangsabend für die enalische Mount- Everest-Expedition im Deutschen Alpenver - ein in Berlin wurde die erstmalige Mitteilung über den Abschluß der Vorbereitungen für eine deutsche Mount - Everest-Expedition gemacht, die am 2 Juli sich von Venedig aus au den Weg machen wird.
Tunnrleinsturz auf der Schwa.-Waldbahn.
Wie wir aus Offenburg hören. ist der aui der Schei e bei Schwarzwalobahn aus einer Höhe von 834 Mtr. zwischen ben Orten Ruß» lach und Sommerau in der Rahe der Station Sommerau liegende kleine Sommerau-Tun- nel heute abend zwischen 6 3) und 7 Ubt eln- gestürzt. Ein Zug befand sich während deS Vorfalls nid)t im Tunnel, so daß nur der Tun- | nelfchaden zu beklagen ist. Aus der Strecke Tri
berg—Sommerau ist der Eisenbahnverkehr durch Einsturz gesperrt und wird durch Ürnfteigen mit Autos aufrechterhalten. Wie das Blatt weiter berichtet, handelt es sich bei dem Einsturz um den östlichen Eingang des Tunnels, der durch das Loslösen von Felsmasseir aus bisher noch nicht aufgeklärter Weise bewirkt wurde.
Eine Friedrich-Ebert-Straße in Berlin.
Der Berliner Magistrat hat einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung zuaestimmt, die Budapester- und Sommer-Straße in Friedrich- Ebert-Straße umzubenennen, aber einem Teil des Kurfürstendammes zwischen der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche und der Cornelius-Brücke den Namen Budapester Straße zu geben. — Arme Postboten'.
Großf:uer in Berlin.
Bei der A.E. G. in der Ackerstraße entstand aus noch unbekannter Ursache Feuer. In den Kellerräumen steht ein umfangreiches Oellager in Flammen. Durch die große Rauchentwicklung sind die Löscharbeiten der Feuerwehr, die mit 8 bis 10 Zügen zur Stelle ist, sehr erschwert. Es wird eine weitere Ausdehnung des Brandes befürchtet. Es sind neun bis zehn Personen verletzt worden. Der Oberfeuermann von der A. E. G. mußte schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
Dillardspiel mit tödlichem Ausgang.
Wir hören aus Buer: Ein Zuschauer beim Dillardspiel, der versehentlich von dem Queue eines Spielers getroffen wurde, geriet mit diesem in einen Wortwechsel, In dessen Verlauf der Spieler dem Zuschauer derart mit dem Queue über den KoPf schlug, daß der Getroffene besinnungslos niederstürzte und kurze Zeit darauf verstarb. Der Täter wurde verhaftet.
Ein Todesurteil.
Dor dem Stettiner Schwurgericht wurde "gegen den FleischergeseUen Stelzenburg verhandelt, der unter der Anklage stand, seine 39 Jahre alte Frau ermordet zu haben. Der Angeklagte bequemte sich erst nach her Urteil^ Verkündung zu einem Geständnis. Das Urteil lautete wegen Mordes auf Todesstrafe.
Hinrichtung zweier Mörder.
In Gera fand im Gefängnishof die Hinrichtung der wegen Erdrosselung ihrer zehnjährigen Tochter zum Tode verurteilten Frau Schellhardt aus Gera und des toegen Ermordung seines Schwiegervaters zum Tode verurteilten Zimmermanns Seifert aus Auma statt. Die letzte Hinrichtung in Gera erfolgte im Jahre 1908.
Selbstmordversuch eines Mörders.
In 5)amborn wurde auf der Rheinwiese die Ehefrau eines Bergmanns aus Hamborn durch drei Messerstiche e r st o ch c n. Rach der Tat versuchte sich der Mörder im Rhein zu ertränken, wurde aber von Passanten gerettet und in H a f t genommen.
Den Wirt ermordet.
Rach einer Meldung aus Memel wurde dort der 82jahrigc Oberpostschaffner a. D. Pauli ermor - d e t aufgefunden. Als Täter kommen zwei junge Arbeiterinnen in Frage, die vor einiger Zest böi Pauli gewohnt haben. Sie haben wahrscheinlich ihren früheren Wirt erschlagen und dann beraubt, worauf sie sich zu einem Tanzvergnügen begeben haben.
vom Schultor erschlagen.
Ein schweres Unglück ereignete sich an der katholischen Volksschule in Essen-Mendorf. Zwei Kinder, die mit ihren Schulgefährten an dem Schul - t o r schaukelten, wurden von dem plötzlich zu- sammenstürzenden einen Teil des Tores b e g ra - ben. Ein Kind war auf der Stellö t o t, während das andere mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geschafft werden mußte.
Flugzeugabsturz.
Am Mittwochabend ist auf dem Flugplatz eines der zur Zeit in Weimar stationierten Flugzeuge der Hüffnerwerke (Paderborn) infolge Versagens des Motors abge stürzt. Der Pilot Fink und die Gymnasiallehrer Dalberg und Ander- s c n konnten sich zwar durch Abspringen retten, erlitten aber erhebliche Verletzungen. Das Flugzeug wurde sehr stark beschädigt.
Schwerer Auto-Unfall.
Rom, 21. April. (WTB. Funkspruch.) Bei Ancona überschlug sich ein Automobil, weil durch allzu heftiges Bremsen zwei Gummireifen auf einmal platzten. Drei Insassen wurden sofort getötet, der vierte lebensgefährlich verletzt.
Vootsunfall auf der Ruhr.
Drei Schüler aus Bochum, die eine Ruderpartie unternahmen, sind aus unbekannter Ursache mit ihrem Boot die Ruhr h i n a b g e t r i e = ben. Das Boot fetzte über ein 1 Meter Hobes Wehr hinweg ohne umzuschlagen. Dann aber trieb es infolge der reißenden Flut gegen den Pf e i - I e r einer Brücke und schlug um. Zwei Schüler ertranken, wahrend sich der dritte durch Schwimmen rettete. Die Leichen konnten nioch nicht geborgen werden.
Gefaßte Schmuggler.
Von Beamten der Grenzstation Kohlscheid wurde eine Schmugglerbande in Stärke von 12 Mann in einem naheliegenden Eisenbahntunnel gestellt und f e ft g e n o m m e n. Unter den Verhafteten befand sich ein russischer Staatsangehöriger. Die der Bande abgenommene Schmugglerware bestand aus 3552 Kilogramm Kaffee, 75 Kilogramm Pfeifentabak, 15 Kilogramm Feinschnitttabak, 12 Kilogrämm Kakao und Schokolade, 7000 Zigaretten und 20 Block Zigarettenpapier.
Erdbeben in Italien.
Aus Rom wird unterm 23. April berichtet: Heute nachmittag nach 14,30 Uhr (2,30 Uhr M. E. Z.) ist hier an verschiedenen Stellen ein ft a r f e 5 Erdbeben verzeichnet worden, das in den Fabriken eine allgemeine Panik auslöste aber keinen Schaden verursachte. In Brescia wurde der Erdstoß um 13,4« Uhr (1,48 M. E. Z.) verspürt. In Venedig herrschte um diese Zeit ein ft a r f e r O r - f an , begleitet von Hagel und Blitzschlägen.
„LoS Ang'.les" auf der Rückreise.
Das Zeppelin-Luftschiff hat die Dermudas- infcln gegen 10 Uhr vormittags bei glänzendem Wetter unter dem Jubel einer zahlreichen Menschenmenge verlassen.
Ostseefahrken der „Buckau".
Das Flettner Rotorschiff „B u ck a u", das seit Ende Februar zunächst im Hamburger und später im Altonaer Hafen zur Besichtigung lag, ist nach Kiel abgefahren. Dort sotten einige Arbeiten an dem Sckstff vorgenommen werden, worauf bte Buckau^ regelmäßige Ostseesohrten nufnebmen wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 24. April 1925.
** Die städtische Winterhilfe, wie sie auf Grund der Beschlüsse der Stadtverord- ncten-Versammlung stattgesunden hat und die in Verbilligung von Brot, Kartoffeln und Äofrlcn bestand, hat mit Ablauf des Monat Marz ibt Ende gefunden. Es ist dankbar anzuerkennen, so schreibt uns das städtische Wohlfahrtsamt, daß auch die hiesigen Kartoffel- und Kohlenhändler durch Herabsetzung ihrer Preise zur Verbilligung beigetragen haben. Die hiesige Bäcker-Innung gewährt, unabhängig von der Winterhilfe, auch jetzt noch an 40 Fürsorgeempfänger (Klein- und Sozialrentner, sowie verschämte Arme) wöchentlich einen Zweipfundlaib Brot unentgeltlich. Auch hierfür gebührt chr der besondere Dank der Oeff ent lichtest. Denn gerade diese Spende kommt Kreisen zugute, deren Lage besonders schwer ist. Zum Teil sind es Personen^ oder Familien, die trotz schwerer Rotlage twe öffentliche Unterstützung sonst nicht in Anspruch nehmen
' Eine Sitzung des Provinzial- ausschusses der Provinz Oberhessen findet morgen, Samstag, vormittag im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage der Ober- hessischen Basaltwerke Ignatz Seipel, 'Mühlheim a.M., g'gen das Kreisamt Büdingen auf Aufhebung deö Polizeibefehls vorn 15. Dezember 1924; 2. Antrag der Firma Gebr. Stein in Alsfeld auf (Srteilung der Genehmigung zum Betrieb einer Anstalt zum Trocknen und Ctn- salzen von gellen; hier: Berufung der Firma Gebr. Stein gegen das Urteil des Kreisaus- schusses des Kreises Alsfeld vom 29. Dezember 1924; 3. Antrag der Gemeinde Wölfersheim auf Enteignung von Gelände des Christian Schutt in Wölfersheim zur Erweiterung und Pflasterung der Haingrabenstraße.
Der Mörder Adolf Steul von Bellersheim wurde gestern abend abend von Frankfurt a. M. nach hier überführt. Er kam kurz nach 9 Llhr unter starker Bedeckung auf dem Bahnhof an und wurde in geschrossenern Auto in das Untersuchungsgefängnis verbracht.
* • DomKulturbauamtGießen wird uns zu dem Bericht in Rr.92 »Aus dem Vogelsberg" betr. Oedlandme'ioraticnen, mitgetcilt, daß es fein „Kulturbauamt Lauterbach" gibt Die Oedlandmeliorationen im hohen Vogelsberg werden durch den zum SSulturbauamt Gießen gehörigen, in Lauterbach wohnenden, Kulturbau- Oberinspektor Kunz, der hierzu vom Mimst erium für Arbeit und Wirtschaft. Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft einen Sonderauftrag hat, ausgeführt. In Oberhessen gibt es nur zwei Kulturbauämter: das Äulturbauamt Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld, Schotten und Lauterbach und das Kulturbauamt Friedberg für die Kreise Friedberg und Büdingen.
* * Aus dem Stadttheaterbureau wird mrs geschrieben: Zwei Fachmitglieder, die sich hier allgemeiner Beliebtheit erfreuten, scheiden aus dem Verbands unseres Stadttheaters aus. einmal Frau Sturmfels, die ansStadt- thsater nach Rostock geht, wo auch ihr Gatte tätig ist, sodann Herr Baum, der an das Münchener Schauspielhaus verpflichtet worden ist, aber noch diesen Sommer in Bad-Rauheim mitwirkt.
* * Die Zahl der Heilanstalten in Hessen (allg. Krankenhäuser^ beträgt nach einer Feststellung der Zentralstelle für die Landesstatistik im Jahre 1923 77, die Zahl der Betten 7787, die Zahl der verpflegten Kranken 46 092. Auf einen Kranken entfallen 34 Verpflegungstage. Die Zahl der Augenheilanstalten betrug 8 mit 243 Betten, 1560 Kranken und 22 Verpflegungstagen. Anstalten für Geisteskranke usw. gab es 9 mit 3025 Betten und 3209 Kranken Die Zahl der Entbindungsanstalten belief sich auf 6 mit 206 Betten, 1741 Verpflegten und 22 Verpflegungstagen auf eine Verpflegte.
* * D ie Elektrizitätsversorgung Hessens im Jahre 19 2 4. Die mit Elektrizität versorgten Gemeinden verteilen sich auf die einzelnen Kreise toic folgt: Darmstadt 19 von 22, Bensheim 27 von 47, Dieburg 60 von 70, Erbach 69 von 99, Groß-Gerau 29 von 31, Heppenheim 62 von 70, Offenbach 32 von 35, Gießen 80 von 81, Alsfeld 83 von 84, Büdingen 76 von 76. Friedberg 72 von 72, Lauter- bach 67 von 67, Schotten 54 von 54, Mainz 20 von 20, Alzey 49 von 49, Dingen 26 von 26, Oppenheim 43 von 44, Worms 40 von 40; nach Provinzen: Starkenburg 298 von 374, Oberhessen 432 von 434, Rheinhessen 178 von 179; das ganze Land Hessen 908 von 987 Die meisten Hausanschlüsse hat die Elektrische Lieberlandanlage der Provinz Oberhessen (Friedberg) mit 38000, dann folgt die Hessische Eisen bahn-Aktien-Geseltschast (Darmstadt) mit 23 280; die anderen Elektrizitätswerke folgen erst in weitem Abstand.
* * Weinbau und Weinernte 1924 i n Hessen. Die im Ertrag stehende Fläche betrug in Hektar 13131 Weißweinreben, 1285 Rotweinreben (13 114 und 1308 im Vorjahre). Der Mostertrag belief sich in Hektoliter auf 381 106 Weißwein und 25 336 Rotwein, zusammen 406 442, 28,2 von 1 Hektar (für 1923 lauten die entsprechenden Ziffern 136 682 Weißwein, 11910 Rotwein, zusammen 148 592, 10,3 von 1 Hektar). Der Wert in Mark betrug 1924 17 198 026, von 1 Hektoliter 42,1; der Geldrohertrag von 1 Hektar beträgt 1187 Mk. (die entsprechenden Zahlen für 1923 lauten 6 648 600; 44,7 und 461).
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 6-.' Uhr „Die Kaiserin-. — Klavier- und Liederabend 8 Uhr Kcckh. Vereinshaus. — Hypothekengläubiger- und Sparer-Schutzverband 8 Uhr Hindenburg Mitgliederversammlung. — Radfahrer-Verein „Die Wanderer* 8* Uhr Dereinslokal Fruhjahrshauptoerfammlung.
— Der Mandoli neN- und Gitarren- Verein „Aeapolita" wird am Sonntag. 26. April, nachmittags 4l/2 2hr, in der Reuen Aula der .Universität sein 3. Konzert abhalten. Der Verein wird, wie man unS schreibt, u. a. Werke von Strauß, Pressel, Verdi und Ciprandi unter der Leitung von Hans Sonntag zum Vortrag bringen. Infolge Verpflichtung des in Hessen sehr beliebten und zum ersten Male in Gießen wirtenden Ditarrensolisten und Lautrn- sä'-g 's Richard Hinz-Darm st adt wird das Konzert ein besonderes Gepräge erhalten. Der Besuch des Konzerts dürfte sich empfehlen. Im übrigen wird auf daS heutige Inserat verwiese«.
Wttr rau»saftS.
Aach 'ÄegrnsMen bei tsechke'nd« Bewölkung auf westliche Richtung drehende Winde und 216- lühlung.


