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Ur.95 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Zreitag, 24. April 1925

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Fellachenvolk?

Die Fellachen sind, wie man weih, die ilr- bevöllerung Aegyptens. Die Zivillsation deS ägyptischen Dolles war, nachdem sie ihren Höhe­punkt erreicht hatte, müde und greisenhaft ge­worden und das Dolj unfähig zu nationalem Wollen. So ward sein Land eine leichte Deute fremder Eroberer und ging aus einer Eroberer» Hand in die andere: aus der Hand der Ptolo- mäer in die der Römer, der Byzantiner, der Araber, der Türken und schließlich der Eng­länder. Die Devölkerung aber sank von Stufe zu Stufe, und auS einem Volke, dessen Äultuc- schöpsungen wir heute noch mit ehrfürchtigem Staunen betrachteir, wurde sie zu einem Sklaven» volke.

Wer davon spricht, daß auch wir Deut­schen auf dem Wege sind, zu einem solchen Fcllachenvolk zu werden, begegnet meist ungläu­bigem Spott oder gar zorniger Abweisung. Wie? Ein europäisches Kulturvolk von mehr als sechzig Millionen, das für die Menschheit so unendlich viel getan hat, wie das unsere, sollte im Fella- chenturn enden? Rirnrnermehr! Gin solches Volk kann nicht zugrunde gehen! Aber das ist eine gedankenlose Frage. Wenn so wie das ägyptische auch die anderen gewaltigen Kultur­völker deS alten Orients ins Fellachentum hinab­gesunken. wenn das rörni che, wenn das spanische Weltreich zugrunde gegangen sind, woher neh­men w i r dann das Recht, von dem ewigen Bestände unseres Volkes und unseres Reiches zu reden? ilnb sind wir denn nicht bereits weit genug gekommen auf dem Wege zum Fellachen- tum? Danach fragt man sich nicht in dieser Zell der innerpolitischen Kämpfe, aber gerade un Hinblick auf sie ist es gut, die Frage wieder einmal aufzuwerfen.

Ein souveräner Staat ist das Deutsche Reich nicht mehr, denn unsere politische, unsere militärische, unsere wirtschaftliche Freihell ist zum groben Teil dahin, und auch unser Staatsgebiet ist uns kein sicherer Besitz. Roch immer hausen fremde Gewalthaber im Ruhrrevier, noch immer wird das Kölngebiet widerrechtlich von den Frem­den beseht gehalteil, und die Frage, wann sie es endlich zu verlassen gedenken, wild kaum noch erörtert. Go stehts um unsere' staatliche Sou­veränität. Sind wir denn aber wenigstens sicher, ein freies Volk zu bleiben, insofern, als wir das Recht zur Betätigung eines eigenen nationalen Wille ns behalten? Wir. würden uns einem gefährlichen Irrtum hingeben und uns einer geradezu verbrecherischen Leichtfertigkeit schuldig machen, toeiun wir uns in Sicher hell wiegen wollten, indem wir diese Frage ohne weiteres bejahen. Wiederholt haben wir gegen die Art und Weife Einspruch erheben müssen, in der das Ausland sich tn unsere Reichs­präsidentenwahr einzum.fchen erdreistete, und haben darauf aufmerksam gemacht, dab dieses Verhalten vollkommen unvereinbar ist mit dem Sclbstbestimmungsrecht. auf dcnt wir so gut wie andere Kulturvölker Anspruch zu haben glauben. Glauben! Aber je länger es dauert, desto schwankender wird der Boden, auf dem dieser Glaube beruht.

Zu den wenigen englischen Blättern, die sich, wenn auch nicht immer mit Erfolg, bemühten, uns Deutschen gerecht zu werden, gehörten bisher die LondonerDaily R e w s". Auch in der An­gelegenheit unserer Präsidentenwahl strebt das Blall nach einer Art von Objektivität, aber es ist eben ein englisches Blatt, für das d'.e Welt aufjer England nur von nebensächlicher Bedeu­tung ist. insbesondere aber unser Deutschland, das der Rormalcngländer schon soweit im Wüsten- sande des Fellachentums begraben sieht, daß er es erst recht als etwas Rebensächliches glaubt be­handeln zu können. Heber den hannoverschen Hindenburg-Tag lassen sich »Daily Rews" von ihrem Sonbn:berichterstatter einen z'emlich aus­führlichen Aufsatz senden, und der Mann saht darin seine Eindrücke über H'ndenburg in die Worte zusammen:Ern ehrlicherer Mann als ich dachte, eindrucksvoller und einfacher."

Vieles von dem, was Hindenburg sagte, so fährt der Gewährsmann derDaily Rews" fort, habe Aufrichtigkeit geatmet und feine Erklärung: Ich Bin gewohnt, meine Pflicht zu tun" werde ihm, dem Korrespondenten, wegen der Kraft, mll der sie vorgetragen wurde, immer im Ge­dächtnis bleiben. Aber die meisten Leute in Eng- land und fast alle in Frankreich würden niemals bereit sein. Hindenburg allein als das Symbol deutschen Rationalbewußtseins hinzunehmen, sie mürben ihn nur ansehen als 6 Y m b 0 l einer deutschen Einheit, die die übrige Welt nicht dulden zu können überzeugt fei.

Da haben wir es, und das ist echt: llnjcren Willen zur deutschen Einheit, so wie er sich in unserem Rationalhelden Hindenburg verkörpert, wird die übrige Welt nicht dulden! Sie ist bereit, unS gut zu behandeln, wenn wir uns fügsam zeigen, bereit auch, uns in diesem Fall zu för­dern, soweit es geht. Aber zeigen sich unter uns Reigungen und Bestrebungen, die der Welt, das heißt England, nicht passen, so zieht man den Knebelstrick fester. So hat's England mit den ihm unterworfenen Fellachenvölkern in Indien und Aegypten immer gemacht, und so soll's auch mit dem deutschen Volk geschehen. Wir brauchten diese plumpen Anmaßungen nicht allzu tragisch zu nehmen» wenn nicht in Deutsch­land selbst die Fellachengesinnung bereits weit, ach, nur allzu well um sich gegriffen hätte.

Was wir in Aegypten sehen, das ist das Ende des Weges zum Fellachentum. Den An­fang sehen wir bei uns: in weiten Kreisen keine Fähigkeit mehr zur Hingabe an ein großes natio­nales Ziel, kein Glaube mehr an die Macht des nationalen Gedankens, an die Kraft natio-

Der Wahlkampf.

Dr. Jarres spricht im Berliner Sportpalast für Hindenburg.

Berlin, 23. April. (XII.) Bei der großen Kundgebung der im R e i ch s b l 0 ck vereinigten Parieren im Berliner Sportpalast hielt die HauptrÄte Reichsminister a. D. Dr. 3 a r- res. Er führte u. a. aus:

ilnertoartet wurde mir die Ehre zuteil, im ersten Wahlgang um den höchsten Vertrauens­posten des deutschen Volkes mit meinem QI amen und mit meiner Person bienen zu dürfen. Ich habe mich ihm gestellt. Es hat viel Lärm in der Gasse gemacht. Meine Mahnung, beit Kampf rit terlich zu führen, ist wirkungslos verhallt. Erhebend bleibt aber auf der an­deren Selle die Tatsache, daß der Grund­gedanke einer überparteilichen Be­wegung auf christlicher, nationaler und sozialer Grundlage, der ich meinen Rainen geben durfte, schon im ersten Wahlgang einen so starken Widerhall im ganzen Volk gesunden hat. Don Beginn der Wahl­bewegung an war es der Wunsch des Reichs­blockes, das gesamte-deutsche Büraer- tum in all seinen Schichten ohne Unterschieb des Bekenntnisses und der Lebensstellung Ar­beitgeber und Arbeitnehmer, Arbeiter des Geistes und der Hand in Stadt und Land aus brei­tester Basis zu vereinigen. Was im ersten Wahlgang nicht vollkommen gelang, konnte und sollte nach unserem Willen im zweiten W a b I g a n g nach Kräften erstrebt werden. Don mir wußte man, daß meine Person kein Hinder­nis für eine solche Verständigung bilden würde, aber

der Pakt zwischen Zentrum und Eozialdemo- traten war bereits grundsätzlich festaelegt. Das Geschäft war längst fertig und bedurfte nach dem ersten Wahlgang nur noch deS roten preußi­schen Stempels. Wtr klagen die Parteien der Weimarer Koalition an, daß sie die Wahl deS deutschen Staatsoberhaupts zum Gegenstand einrS politischen Geschäfts herabgewurd'.gt haben. Durch dieses Vorgehen wlld die Verfassung in ihr Gegenteil verkehrt. Angesichts dieses un­natürlichen Wahlbündnisses ergab sich für unS nur noch umso stärker die Rotwendigkeit, unsere Kampffront nach Möglichkeit zu verbrei­tern. Ich empfinde es als eine Ehre, im ersten Wahlgang in der Dresche gestanden zu haben. Runmehr mache ich dem größten, dem be­sten deutschen Manne Platz. Hinden­burg soll und wird uns -um Siege führen. In ihm verkörpert sich unser Programm. Er war uns. er ist uns und bleibt uns der ideale Ver­treter deutschen Wesens: im Glück und im Un­glück.

Der Raine Hindenburg bürgt uns für eine klare und besonnene Polltik. In den schlichten und unantastbaren Erklärungen, die der Feld- marschall am vergangenen Sonntag in Hannover abgegeben hat. ist das Regierungs-Pro­gramm eines weisen Dolksführers enthalten. Wer es nach diesen Erllärungen, die sich mit der grundsätzlichen Einstellung des Volks- blockcs decken, noch fernerhin wagt, Hindenburg als einen Militaristen hinzustellen, der besorgt bewußt die Geschäfte unserer schlimmsten Geg­ner im Auslände. Wenn ein Hindenburg die Verfassung beschwört, so hält er diesen Eid, wie er immer sein Wort in seinem Leben gehalten hat. Wir sehen in der Verfassung von Weimar nicht das Ideal unserer paatsrechllichen Ordnung, aber

nur auf organischem und gesetzlichem Wege kann daö deutsche Doll se'nrr Verfassung d'ejenige Gestalt geben, die am besten seinen Lebens­bedürfnissen entspricht, und hierüber entscheidet trotz aller Fesseln, wie sie uns der Friedens- vertrag auferlegt, nicht das Ausland, sondern das deutsche Volk selbst.

Das gleiche gilt von der Wahl des deutschen Reichspräsidenten. Wll smd nach wie vor der Ausfällung, daß die Staatsumwälzung dem deut­schen Volle keinen Segen gebracht hat. Die Re- volutionäre von 1918 unb ihre Bundesbrüder find sehr konservativ geworden, ja, sie sind tm wahren Sinne des Wortes Reaktionäre, denn sie wollen keinen nationalen Fortschritt dulden. Wir wollen dagegen im Rahmen bei Reichsverfassung einer fortschntt- lichen Entwicklung dienen und unser staatliches Leben erneuern. Dazu gehört aber auch, daß wll ihm die Reinheit wiedergeben, die das beste Erbe der Vergangenheit bleibt und die wir in den letzten Iahren allzuhäufig vermissen mußten. Dazu gehört ferner, daß wll dem

nalen Wellens und nationalen Empfindens, fein Streben mehr nach nationaler Macht, sondern nur noch kalte Skepsis, müde Resignation, ver­schwommene Träumereien von einer allgemeinen Wellverbesserung. Das sind bie Leute, die Bis­marck im Auge Halle, als er sagte:Es gibt eine Feigheit, die es nicht wagt, sich zu wehren und auch nur die Degenspitze weg Zuschlägen, die auf ihre Brust gerichtet ist, sondern sich von ihr durchrennen läßt, nicht Hand anlegt, um die Gefahr abzuwenden, die ihr droht."

Wan lese das erschütternde Kapllel, daS Oswald Spengler in seinem Buche vom Untergang des Abendlandes über diese unsagbar triste Derfallserscheinung geschrieben hat. Es fängt an so ungefähr sagt er mit den Menschen der ewigen Angst, die die Welt­geschichte für gleichgültig erklären, und endet bei ben Aposteln des Weltfriedens. IedeS Doll

Eigenleben der Länder innerhalb deS Reichsverbandes wieder zur nötigen Geltung ver­helfen. Wir verwahren uns aber auch dagegen, bah man das Schicksal unseres preußischen Staates irgendwelchen Experimenten austie- fcit. Wir wünschen an bet Spitze bes Deutschen Reichs eine Persönlichkeit zu sehen, btc außerhalb bes Parteigetriebes steht, die besten Kräfte ohne Ansehen bei Person, ber Herkunft unb beS Berufes zur Führung ber Reichsgeschäfte heranzieht, Kultur unb Wirt­schaft forbert, Ordnung unb Sitte schirmt, ben Frieden unter ben Bekenntnissen unb Be­rufen fördert, für gerechten unb sozialen Ausgleich sorgt unb bas Reich mit WürDe vertritt.

3n unserem Hindenburg haben wir diesen Mann. Er ist nicht der politische Gefangene irgendeiner Partei oder irgendeiner ParteUonstellation. Fällt die Wahl deS deutschen Volkes auf ihn, so wird er In der Lage sein, frei von jeglicher politischen Bindung, nur dem eigenen Gewissen verantwortlich, der Gesamtheit deS Volkes zu dienen.

Seine Persönlichkeit bietet uns die Gewähr, daß er diese Freiheit des Gewissens und Handelns nach allen Seiten und in jeder Beziehung wahr­nehmen wird. Er bürgt unS dafür, daß ber brutsche Rame in der ganzen Welt zu Ehren kommt. Mit Stolz hat es mich erfüllt, daß mir der treue Eckehart des deut­schen Dolles beim ersten Wahlgang seinen Se­gensspruch mit auf ben Weg gab. Heute geht mein Mahnruf von meinen Lippen unb von meinem Herzen an das deutsche Doll, diesem würdigen Bannerträger unserer großen vaterlän­dischen Sache zu folgen. Die Millionen, die bei ber ersten Wahl mich mit ihrem Vertrauen beehrt haben, werden, so bin ich überzeugt, meiner Parole folgen. Aber das genügt nicht! Das Heer ber Richtwähler, ber Gleichgül­tigen unb Lauen, bie sich im ersten Wahl­gang abseits hielten unb auf ihr Wahlrecht ver­zichteten, gilt es jetzt mobil zu machen. Sie stehen durchweg auf unserem politi­schen Boden. Solche Gleichgültigkeit mag bei der Ungewißheit des ersten Wah'gang?s ver­zeihlich erfcheinen, jetzt aber, wo eS um bie Ent- fcheibung geht, würde sie zu einer s chwer en Versündigung am Volke werden."

Die Rede wurde mit stürmischen lang an­haltenden Beifall ausgenommen. Rach Vorfüh­rung vaterländischer Lichtbilder sprach noch für dir Wirtschaftspartei der Adg. Drewitz. Für die k.sche Freiheitsbewegung sprach der Abge­ordnete K u b e und für den Frauenausschuß ber Deut '-nationalen Vcllspartei 21 ma Grete Leh­mann. Das Schlußwort sprach der Deutsch- vottsparteiler Dr. C u r t i u s.

Sven Hedin an Hindenburg.

Hannover, 24. April. ($11.) Sven Hebln hat an Generalfeldmarfchall von Hindenburg fol- genbes Telegramm gerichtet:

Stockholm, 23. April 1925.

Mll Verwunderung höre ich, baß in Deutsch­land Befürchtungen geäußert werden, die Wahl Ew. Exzellenz würbe im Ausland wie ein Signal für Revanche und Reaktion wirken. Aus meinen Beobachtungen heraus möchte ich Cw. Exzellenz versichern, baß biese Befürchtungen g r u n b l 0 s sind. Weite Kreise bes Aus- l a n b e s betrachten Ew. Exzellenz als Ver­körperung ber guten Eigenschaften besbeutschenDolkes und werben in Ihrer Wahl die Rückkehr zu all dem sehen, was im brutschen Volk gut unb wertvoll erscheint

gez. Sven Hedin.

Botschafter von Maltzan zur Hindendurgkandidatur.

Berlin, 23. April. (Wolff.) Botschafter Freiherr von Maltzan hat im Deutschen Verein in Reuy 0 rk am 19. April erklärt, bie Amerikaner deutscher Abstammung seien ber beste Beweis ba üi, baß man unter ber weisen Leitung ber Republik eiiolg- reich unb glücklich ar bellen könne. D es be­deute ein gutes Beispiel für Deutschland. Ohne Rücksicht auf Parteizuaehörigkeit müsse sich heutzutage jeder in Den Dienst des Vaterlandes stellen. Kein Geringerer als Hin­denburg habe dies bereits im Iahre 1918, als er s i ch Ebert zur Verfügung g e -

bringt solchen Abfall hervor. Mögen auch be­deutende Ramen darunter sein, vom Standpunkt der wirllichen Geschichte betrachtet, sind sie min* bertoertig.

Das römische Voll hat über den Rest ber Antike gesiegt, weil es die Fellacheninstllte des Hellenismus für die Haltung seiner Politik auszuschalten wußte. Eine Rat'ron ist Menschen­tum in lebendige Form gebracht. Das praktische (Ergebnis well verbessernder Theorien ist regel­mäßig eine formlose und deshalb geschichtslose Masse. Alle Weltverbesserer und Weltbürger vertreten Fellachen ideale, ob sie eS wissen oder nicht. Ihr Erfolg bedeutet die Abdankung der Ration innerhalb der Geschichte, nicht zugunsten des ewigen Friedens, sondern z u - gunften anderer. Die babylonische, chine­sische. indische, ägyptische Welt gingen aus einer Eroberer Hand in die andere unb bezahlen den

stellt, das mllitärisch besiegte Heer in die Re- publll zurückgefühlt und Ebert durch ben im Magbcburger Prozeß bekannt gewordenen B.ref gedankt habe, erkannt. Diese Tatsache sei die beste Gewähr ba'ür, daß Hindenburg bei seiner eventuellen Wahl loyal zur Repu­blik stehen würde. Analoge Aeußerungm bat Botschafter von Maltzan am 16. April in der amerikanisch-deutschen Hand:lS'ammer gemacht.

Marx in Stuttgart.

Stuttgart, 24. April. ($11.) Im über» füllten Saal ber Lieder halle sprach in einer Wahlversammlung deS Delksblocks gestern abend Reichskanzler a. D. Dr. Marx. Die Eingänge zur Liederhalle waren von Hunderten von Per­sonen umlagert, die keine Karlen mehr betamen und beim Eintreffen des Präsidentschastskand«- baten Hochrufe ausbrachten. Als Dr. Marx die Rednerbühne betrat, wurde er von der Ver­sammlung. bie sich von den Sitzen erhoben hatte, stürmisch begrüßt. Stürmische Hochrufe unb leb­hafter Beifall dankten Dr. Marx für seine Aus­führungen, die sich in den selben Grdanken- gängen bewegten wie dir in zahlreichen and eren Städten gehaltene Rede. Anschließend fpriK)en ber demokratische Abgeordnete Heuß und ber sozialdemokratische Abgeordnete R 0 ß m a n n. Reichskanzler a. D. Dr. Marx sprach noch in drei weiteren Lokalen in Stuttgart.

Die Hypothekengläubiger und Sparer.

Karlsruhe, 23. April. C-ßrioatttelegramm.) Der Landesverband Baden des Hypothekenglaubiger und Sparerschutzoerbandes für baj Deutsche Reich faßte einstimmig eine Entschließung, m der es heißt:Die Wahl des Reichspräsidenten ist nicht Parteisache', hier entscheidet nur die Persönlich­keit. Dr. Marx erkennen wir als erklärten «feind unserer Bestrebungen. Er hat als Reichskanzler die 3. Steuernotoerordnung erlassen. Er hat auch den früheren Reichspräsidenten zur Erlassung der ner fassungswidrigen Verordnung vom 4. Dezember 1924 bestimmt, nachdem unter seiner Mitwirkung der Währungsbetrug am deutschen Volke verübt worden war. Hindenburg ist ein Mann, der auf sich selbst steht, weder verkettet mit dem Parteigetriebe, noch mit eigennützigen Wirtschaftsmächten. Ihm dür­fen wir vertrauen, daß er, die Worte seines Aufrufes wahrmachend, die Heiligkeit des Rechts auch zugunsten der entrechteten Sparer wieder zur Geltung bringt, und daß er nötigenfalls gegen eine ungerechte Ent­scheidung der Reichstagsmehrheit von seinem oerfas- sungsmäßigen Recht der Anrufung des Volksent- scheids Gebrauch machen wird.

Rnttdfttnkreden ber beiden Kandidaten

Berlin, 23. April. (Wolff.) Während Hindenburg ferne Rundfunkrede Frei­tag abend um 8 llhr halten wird, wird Marx feine Rundfunkrede morgen abend nicht, wie «ngekündigt, um 9.15, sondern erst um 9.30 Uhr halten. .

Das Reichsschulgesetz.

Berlin, 23. April (WTD.) Di Vor­bereitungen für das Reich^fchulgest'tz (Dole 1 sur Ausführung von Artikel 146 Aos. 2 der Reichs- Derfaffung) sind bei dem Reichsmintsterium i Innern soweit gefördert worden, daß der Ent­wurf kurz nach dem Zusammentritt des Reichs­tages dem Kabinett vorgelegt wer. cm kann. Grundlegend für diesen Entwurf ist fol­gende Bestimmung ber Reichsversal sung: Der Wille ber Erziehungsberechtigt:n ist möglichst zu berücksichtigen. Dresem L.i.wort muh bet neue Gesetzentwurf unter Berüc.iichti- gung der schullechnischen. pädagogischen, finan­ziellen und Schul^erwaliungsi ckece'sen ge e -)t werden. Unsere auf christlicher Grundlage er­wachsene Kultur erfordert auch für die Be­kenntnisschule, in der Kinder des glei en Religionsbekenntnisses von Lehrern ihres Be­kenntnisses gemäß bem'elben unterrichtet und er­zogen werden, freie Bahn. DaS zu erlassende Gesetz muh Vorsorge treffen, baß in der ge­samten UnterrichtSverwa tung, Schul-.ch und Lehrerblldung auf die besonderen Bedürf i'se ber Bekenntnisschulen gebührend Rücksicht ge­nommen wird. Das gleiche gilt verfassungs- gemäh auch von den Weltanschauungsschulen.

Kampf mit ihrem Blute. Das war i h r Friede. Erst hatten sie für sich geblutet, jetzt mußten sie es für andere, und oft genug ;u deren Unterhaltung. Das ist ber Unterschied.

Diese Sätze schrieb Spengler, lange bevor er diesen Wahlkampf erlebte. Aber noch kämpfen wir gegen dieses Fellachentum. das er uns so ein­dringlich schildert. Noch haben wir bie gläubige Zu­versicht, daß unser Kampf mit einem vollen Siege enden wird. Verzagen wir aber 'n diesem Kampfe, folgen wir nicht mit Hingebung aller Kräfte der Fahne, die Hindenburg uns ooranträgt so ist'- um uns geschehen, unb ber Wüstensand des Fel­lachentums breitet sich über den Strahlenglanz des deutschen Namens. Das halte sich ieder von uns vor Augen. Wer weiß, worum es geht in diesem Wahlkampf, der wird keinen Augenblick im Zweifel sein über den Weg, den er zu wählen hat.