Ausgabe 
24.1.1925
 
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Wie der amtliche Preußische Pressevtenst mUtctll, $at Ministerpräsident Braun darauf noch im Laufe d«S heutige» Abends an den Präsi- de nte n des Landtags folgendes Schreiben gerichtet:

Ich beehr« mich, ergebenst mitzuteilen, daß das Kabinett heute beschlossen hat, in seiner Gesamtheit zurückzutreten. Wenn auch daS Ergebnis der heutigen Abstimmungen deS Landtages daS Kabinett berfassungsrechtlich nicht zwang, zunützutreten, hat es gleichwohl den Aiicktritt beschlossen, da die Haltung der Parteien ein ersprießliches Arbeiten für da« Wohl des Landes nicht mehr gewähr­leistet.-

Die Berliner Presse zum Sturze des Kabinetts.

Berlin, 24. 3cm. (211.) DieÄreuj» zertuna" freut sich, daß endlich das rote preu­ßische Kabinett gestürzt ist. Jeder nationale Deut­sche wisse, welche Wunden die sozialdemokratische Klassenherrschaft der preußischen Verwaltung ge­schlagen habe. Die rechtsgerichteten vaterlänoi- schen Kreise insbesondere hätten unter der Fuch­tel des Herrn Severing erfahren müssen, daß es zweierlei Bürger im preußischen Staate gäbe. Die Herren Severing und Braun und leider auch ihre bürgerliche Gefolgschaft haben sich mit demOrdnungsstaate" Preußen gebrüstet, in Wirklichkeit hinterläßt die bisherige Koalition ein ruiniertes Staatswesen, dessen Wie­deraufbau mit großen Schwierigkeiten verknüpft sein wird, denn die Sozialdemokraten haben es während der Zeit ihrer Gewaltherrschaft verstan­den, bis ins kleinste hinein den gesamten Ver­waltungsapparat Preußens in Anordnung zu bringen und zu verseuchen.

DieT rutsche Zeitung" ist der An­sicht, daß die Neuorientierung in Preußen ihren Ausdruck darin finden muß, daß die Deutsch- nationalen als nunmehr in D.ttracht kom­mende stärkste Koalitionspartei die gleichen Aem- ter besetzen, die die bisherige stärkste KoalitionS- Partei, di« SPD., innegehabt hat, Vürn wird sich keiner Täuschung darüber hingeben dürfen, daß daS Zentrum, ohne dessen Hilfe kein Minister gewähtt tr-erten kann, durchaus nicht völlig um- gelernt hat. sondern daß es, wie seine gewesenen Koalitionsgenossen nur der Hot gehörchend den Weg frei gab für eine Verschiebung nach rechts.

DieDeutsche Allgem. Zeitung" schreibt, die große Koalition fei solange ri ch- tig gewesen, als sie die tatsächlich zweck­mäßigste Zusammenfassung der für positive Staatsarbeit reifen Kräfte ermöglicht hätte, inzwischen habe sich jedoch dre KräfteverteÜung im Innern ganz entschieden verschoben und es sei falsch, an einem Koa- litionSgedanken, mit nur zeitweiliger Gel ung so stark festhalten zu wollen, wie es von der So­zialdemokratie,den Demokraten und selbst einem Teil des Zentrums geschehen sei.

DerVorwärts" läßt seine ganze Wut hauptsächlich an den Kommunisten aus, die gemeinsam mit den Rechtsparteien die Regierung gestürzt hätten. Auf Preußen komme es an und die Kommunisten wären schlechte Knechte der Reaktion gewesen, wenn sie nicht auch ihre Aermel aufgekrempelt und in die Hände gespuckt hätten, um den Sturz herbeizusühren. Di« Kommunisten hätten mit den Scharfmachern von Recht« eine Koalition abge­schlossen. um auS der preußischen Regierung und iZfer preußischen Verwaltung die Arbeitervertreter yinauSzuwerfen. Die Regierung Luther sei das er! der Kommunisten, ebenso jetzt der Sturz der preußischen Regierung.

lieber die Haltung des Zentrums weih dieGermania" zu sagen, daß nach dem Verhalten der Deutsc^n Volkspartei, ins­besondere nach ihrer Entwickelung in den letzten Wochen, man sich eine Zusammenarbeit mit ihr in Preußen nur noch sehr schwer vvrstellen Lime. Die Zentrumspartei werde auch in dieser schweren Stunde staatspolitische Erwägungen in den Vordergrund stellen. Die Bildung einer bürgerlichen Koalition könne für das Zentrum nicht in Frage kommen, ganz abge­sehen davon, daß auch die demokratische Partei dies in Preußen noch viel weniger mit­machen würde als im Reiche.

DasDerl. Tageblatt" prophezeit, daß b^i der Wahl des neuen Ministerpräsidenten durch den Landtag der Kandidat der drei bisherigen Regierungsparteien un­ter allen Umständen eine Mehrheit finden werde.

Die Regierungsbildung in Hessen.

(Von unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt, 23. Ian. Mit Spannung er­wartete man heute den Ausgang der Besprechun­gen zur Regierungsbildung auf der Grundlage eines Kabinetts der Mitte, das nur mit Hilfe der Demokraten ermöglicht toerten kann. Die Unterhandlungen zwischen den Vertretern des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, des Bauernbuntes und der Demokraten haben, wie verlautet, noch zu keiner bindenden Erklärung der Demokraten geführt; diese werden erst zu den Vorschlägen und zu der neuen Lage in einer Sitzung ihrer Fraktion, die am Montag nach­mittag stattfindet. Stellung nehmen. Die Demo­kraten scheinen geneigt, ihren Beschluß, an der bisherigen Koalition festzuhalten, zu revidieren, aus der Erwägung heraus, daß bei der Staats- vräsidenteinoahl im Landtag niemand die nach $eE Verfassung notwendige absolute Stimmen­mehrheit erhalten würde, wenn die Demokraten aus chrem bisherigen Standpunkt verharren und etwa in einem Wahlgang Doentano gegen Ulrich für letzteren stimmen würden.

DasDarmstädter Tagblatt" veröffentlicht heute eine längere Zuschrift zur hessischen Regierungskrise ausZentrumskreisen. Es heißt darin:Das Zentrum hat noch die Ini­tiative zur Regierungsbildung. Rachdem di« Sozialdemokratie die Brücken zwischen sich und ihrer alten Koalitionspartei (Zentrum), insbe­sondere auch durch ihre Presseäußecung endgültig abgebrochen hat, gibt es für eine Regierungs­bildung in Hessen noch zwei Möglich, keiten: eine Regierung der Mitte mit Einschluß der Demokratie, oder et na Koalition zwischen Sozialdemokra tie, Demokratie und Kommuntsmus. In die letzte Kombination könnten die Demv' traten doch unmöglich gehen, denn dann dienten sie nicht hessischen Interessen, sondern sie unter- vWrsen sich russisch-bolschewistischer Diktatur. Hof­

fentlich hat sich die heffstche Demotrane eine ge­wisse Selbständigkeit gegen ihren linken Rach- bar gewahrt, der selbst eine Regierungskombi­nation mit sich unmöglich gemacht hat. Rttvgluckt auch der obenerwähnte Versuch zur Bildung einer Regierung, dann bleibt nur noch em Aus­weg: die Auflösung des Landtags"

Die Finanzlage der Reichsbahn.

Tagung des Vcrwaltungsrats der deutschen Reichsbahnges« lls aft.

Berlin, 24. Jan. (TU.) Die Ausschüsse und der Verwaltunasrat der Deutschen Reichs­bahn-Gesellschaft haben in dieser Woche in Ber­lin getagt. Einen Hauptgegenstand der Bera­tungen bildete die Finanzlage der Gesell­schaft und besonders die S i ch e r st e l l u n g d e r Reparationszahlungen. Die erste Rate von 100 Mill. Mk. wird am 1. März 1925 gezahlt werden. Die Finanzlage der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft erweist sich immer noch als so gespannt, daß bei etwaiger nicht zu um­gehender Erhöhung der Ausgaben von einer gleichzeitigen Erhöhung der Einnahmen nicht abgesehen werden kann. Sine solche mühte gegebenenfalls in der Erhöhung der Per­son e n t a r t f e und unter Umständen in der Steigerung der Tarife für Zeit­karten gefunden werden. Unter den Tarif­fragen, die behandelt wurden, standen im Vor­dergrund der Siegerländer Eisenerz- und ter Brennstoff-Aus nahmetarif. Der Derwaltungsrat glaubte einer weiteren Herabseh'ing des Siegerländer Erz-Ausnahme»

tarifes nicht zustimmen zu können zumal er erst kürzlich über das Maß der letzten allgemeinen Tarifsenkung ermäßigt worden Ist. Einer Herabsetzung des Drennstoff-Ausnahme- tarifs soll nur dann näher getreten werden, wenn gl ichze t g durch Entg g nkommen dr übrigen W risch ftskre.se die Hebung des Wirtschaftsverkehrs und damit die bis­herigen Frachteinnahmen gesichert s nd.

Der Derwaltungsrat ist damit einverstanden, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft nach ihrem Ermessen flüssige Gelder ter Deutschen Verkehrs-Kreditbank zur bankmäßigen Verwaltung überläßt unter ter B tengung, daß die Deut'ch? Verk.chrs-K editbank sich ifdyt mit allgemein -n Dan'geschä ten befaßt un.) demgemäß sich nicht zum allgemeine Kreditinstitut entwickelt. Die Gelder dürfen durch die Bank nur an an­erkannte angesehene Danken g e geben werten. Die Kreditgewährung der Verkehrs- Kreditbank ist gebunten an di? Zustimmung tes Aussichtsrats und tes Heb'rwaHun;S:u s^iss-s ter Dank, die nach den Wünschm des Verwal- tungSrats ter Deutschen R.chstehngesellschaft zu­sammengesetzt fein müssen.

Das deutsch-polnische Abkommen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 23. Januar. Am Regierungstisch Iustizminister Frenken.

Präsident L ö b e eröffnet die Sitzung um 1.25 Uhr. Auf der Tagesordnung steht das Deutsch-polnische Abkommen über StaatSangehörlgkeitS- und Optan- te nfra gen.

Abg. Kube (Rationalsoz.) lehnt die Ver­einbarung ab. Bisher seien 30 000 kleinbürger­liche Besitzer deutschen Stammes von der pol­nischen Regierung ausgewiesen worden,

Abg. Frhr. von Freytag-Loringho- ven (deutschnatl.) stellt fest, daß der Vertrag sehr ungünstig sei. Gr lasse erkennen, daß unsere Diplomaten den Polen nicht gewachsen waren. Der Vertrag gibt den Polen zahlreiche Möglichkeiten zu Schikanen. Der Redner fordert Repressalien gegen Polen. Polen sei unser Feind, vielleicht in noch höherem Grate als Frankreich. Polen gebärde sich mit 40 Prozent Fremd lämmigen als Nrtionalsturt Es sei Win- schasllich schwer erschüttert und von Parteitämpfen zerrissen. Wir müssen den Deutschen in Polen die Treue halten. Beschämend sei die Benachteiligung der deutschen Optanten. Die Polen arbeiten zielbewuht auf die Entdeut­sch u n g der früheren deutschen Ost­mark hin. Darum wünschten sie auch, daß möglich st wenig Deutsche die polnische Staatsangehörigkeit erlangten. Die für Deutsch­land Optierenden wurden ausgewiesen. Das einzige Gute sei, daß überhaupt ein Vertrag zustande gekommen sei. Die Polen batten in Schlesien zahlreiche Häuser und sonstigen Grund­besitz erworben. Vielleicht könne man das als Konipensation verwenden. Deutschland müsse es unbenommen sein,

die polnischen Heb ergriffe gegen Danzig zurückzuweisen, denn Danzig sei xnxb bleibe eine deutsche Stadt. (Beifall.) In den Herzen aller Deutschen in den Grenzbezirken lohe ein glühender Haß gegen Polen. Polen sollte an das Bibelwort denken:Wer Wind sät, wird Sturm erntenI" (Beifall recht-.)

Abg. Dr. Landsberg (Soz.): Für un­sere Stellungnahme ist entscheidend, ob die An­nahme des Abkommens die Lage der Deutschen im jetzigen Polen verbessert oder nicht. Die Folgen einer Ablehnung des Vertrages wer­den sein, daß alle den Deutschen ungünstigen Bestimmungen bestehen bleiben, vielleicht noch verschärft werden. 90 000 Hektar Boden in Polen find in deutscher Hand. Daraus ergibt sich die große Bedeutung des Vertrages für uns. Die Regierung sollte schleunigst in einem gemeinverständlich abgefahten Merkblatt den Beteiligten zeigen, welche Rechte sie haben. Was die Polen in ihrem Lande den Deutschen zu­fügen, das kann Deutschland auch den bei uns lebenden Polen zufügen. Darin liegt ein ge­wisser Schutz unserer Landsleute. Der Hinweis auf diese Gemeinsamkeit der Interessen teiter Länder ist unseren Landsleuten nützlicher, als wenn wir hier den Polen Sottisen sagen.

Abg. v. R h e l n b a b e n (D. Vpt.): Wir verkennen nicht die vielen ungünstigen Bestim­mungen des Vertrages: aber seine An­nahme i ft notwendig. Polen ist nun ein­mal unser Rachbar, mit dem wir eine Verstän­digung finden müssen. Wir wollen diese Verstän­digung aber nur auf dem Boten ter Gleich­berechtigung. In dem Vertrag sehen wir immerhin ebne Verbesserung der bisherigen Der- yaltnisse-

Reicyskomnnpar L e w a l d vom auswär­tigen Amt erkennt an, daß ter Vertrag wenig Anlaß zur Freute gebe. Er sei aber eine Aus­legung des Versailler Vertrages, und darum ständen wir bei den Verhandlungen den Polen mit gebundenen Händen gegenüber. Der Vertrag enthalte viele ungünstige Bedingungen, aber er schütze andererseits auch 90 000 Hektar deutschen Bodens in Polen. Gin Merkblatt über die den Deutschen im Vertrage zugestandenen Rechte werte herausgegeben werten.

Der Vertrag wird angenommen.

Es folgt die dritte Beratung tes Handels­abkommens zwischen Deutschland und Spanien, verbunden mit der Beratung tes Antrages Dr. Scholz (Dt. Dpt.) auf Einset­zung eines besonderen Hantelsvertragsausschusses.

Gegen die Stimmen ter Sozialdemokraten wird die Einsetzung eines besonderen Aus­schusses für Handelsverträge beschlossen, dem ter teutsch-spanifche Vertrag überwiesen wird.

Die Rovelle zum Handelsgesetzbuch wird in allen drei Lesungen angenommen.

Präsident Lobe regt an, den sozialdemokra­tischen Antrag auf Erhöhung der Sätzeder Erwerbslosenfürforge und Gleich­stellung der Sähe für männliche und weibliche Erwerbslose auf die Tages­ordnung zu sehen.

Abg. Behrens (Dtntl.) betont, es bestehe volle ilebereinftimmung darüber, daß die Lei­stungen erhöht werden sollen. Strittig sei nur die Frage der Gleichstellung ter Frau.

Ministerialdirektor Weigell vom Reichsar- beitsministerium warnt vor einer Gleichstellung ter Sähe für männliche und weibliche Erwerbs­lose, dann würden die Unterstühungen in manchen Fällen den Lohn übersteigen.

Der Antrag wird in ter Fassung des Sozial­politischen Ausschusses angenommen. Es liegen mehrere Anträge über längere Vertagung des Reichstags vor. Es wird beschlossen, die nächste Sitzung am 3. Februar abzuhalten. Polen lüftet die Maske. Eine bcbrntfnuie Sejmsrüunq. Die

Polen itn Danziaer Volkstag.

Berlin, 23. Jan. (TU.) Die gestrige Sejmsthung war für b;e Danziger Frage von außerordentlicher Bedeutung. Ministerpräsi­dent L k rr z y n s k i erklä.te:

Danzig biltel sich ein, daß es unsere souve­ränen Rechte m Fr.ge stellen t jm. D.e Kompe­tenz des Völker bundskomm ssars t?.nn s ch nicht auf die Einfchränkung und L-rkle nerung ter Souverän tit d s prln schen Re ches cr'tre en."

Entsprechend diesen dem Friedens erirag hohnsprechenden Aus ührungen des polnischen Min.sterS brachten d e Parteien Anträge ein, in denen fast durchweg Danzig die Sou­veränität abg Krochen w rd. D r Mitrag ter Rechten verlangte vrr allen Dingen schärfstes Vorgehen der R'g erung in der Postfrrge. Am auss hrlichsten ist ter Antrag der B sreiungs- tertei. In einer Entschließung w rd bch übtet, daß ter Name Freie Stadt nur ein historischer Name sei, während Danzig in Wirklichkeit zu Polen g fröre.

Im Danziger Vvlkstag wurde gestern die Aussp rache übet die Regierungserklä­rung über den Danziger polnischen Konflikt fortgesetzt. Als erster Redner sprach ter Vertreter der polnischen Fraktion. Seine Ausfüh­rungen brachten wieder einmal die Bestätigung, daß die von Polen ausgegebene ParoleDanzig den DanzigernI", unter ter die polnischen Ver­treter seinerzeit in den Volkstag eingezogen waren, nur ein Bluff war. Der gestrige Tag hat wieder einmal deutlich gezeigt, daß die Polen sich nicht als Danziger, sondern als Sachverwalter Polens fühlen. Selbst der Redner der Eommu- nistischen Fraktion bezeichnete es als ein Rovum, daß in einem Danziger Parlament ein Abgeordneter sprechen fonrre, ter nach seiner ganzen Einstellung eigentlich in den polni­schen Sejm gehöre.

Amerika will fein Geld.

Reuhork, 23. Ian. (Kabeldienst ter TU.) Die Debatte in de- französischen Kammer veranlaßte den Senator Dorah im Senat zu scharfen Worten über die Schuldenfrage. Riesige Zuhörermengen waren erschienen. Borah erklärte, England bezahle auf Grund der mit Amerika getroffenen Abmachungen annähernd 4 Milliar­den Dollar zu wenig. Von England komme nicht genügend ein, so daß Anrerika zur Tilgung der seinerzeit von England aufgebrachten Summe auf die Steuer zurückgreifen müsse. Der amerikanische Steuerzahler sei also der Dumme. Wenn wir mit Frankreich zu einer Ver­einbarung kommen tote mit England, so bedeutet das, daß wir Frankreich 50 Proz. der Schulden schenken Amerika steht jetzt zu ter Frage, die Rückerstattung wenigstens eines Teiles ter Zah­lungen durchzusehen.

Aber niemand, der die Vorgänge In Frankreich verfolgt, kann sich der Tatsache verschließen, daß Frankreich nicht daran denkt, auch nur einen Teil zurückznerstatten.

Frankreich erhält die Kohlengruben tes Saargebiets und Elsah-Lothringens und außerdem nach amerikanischer Schätzung etwa eine halbe Milliarde Dollar in bar. Frankreich hat ungeheuer gewonnen, selbst wenn man die Kriegsverluste abzieht. Angesichts des Umstandes, daß Frankreich seither kein Angebot einer Zahlung gemacht hat, ist es nicht zuviel gesagt, daß Frankreich augen­scheinlich nicht daran denkt, die Lösung des Pro­blems in Angriff zu nehmen. Das aber ist das eigentliche Programm, dem wir gegenüberstehen. Auf gewisse französische Auslassungen, die an die französische Hilfe im amerikanischen Be­freiungskriege erinnern, ist zu erwähnen, daß Amerika alles, was es von Frankreich erhielt, auf Heller und Pfennig zurückzahlte. Außerdem hat Frankreich Amerika nicht aus Sympathie, sondern aus rein praktischen Erwägungen geholfen. Frankreich hat Ame­rika gegenüber nicht die geringsten Vorrechte. Es hat ledigllch feine Schulden zu bezahlen.

Amerika macht ja auch nicht geltend, daß durch ten Befreiungskrieg amerikanische Gebiete verwüstet seien. Ich erinnere daran nur, well Frankreich bis aum U eberdruß darauf hin- gewiesen habe, daß sein Gebiet im Kriege ver­wüstet worden sei.

An höchsten Regierungsstellen wird bervor- gehoben, daß Dorahs Rete die amerikanisch- fvanzösische Schultenkontroverse auf einen Punkt geführt habe, wo Frankreich eine Hare Stel­lung nicht mehr umaeh en könne. Die

.vage des FtnanzmarkteS zeige bereits, daß oie- französischen Kredite zu leiten beginnen. Daher liege eine schnelle Regelung in Frankreichs eige­nem Interesse. Auch tn Wallst reet-K reisen wird allgemein Frankreichs Verpflichtung zur Schuwen- bezahlung hervorgehoben. Die Presse begrüßt ebenfalls lebhaft Dorahs Rete.Gvening Post" betont, daß alle französischen Opfer während des Krieges vergeblich .getoefen wären, wenn nicht Amerika zu Hilfe gekommen feiJournal of Commerce" weist auf das unkluge Verholter Frankreichs hin, einen aggressiven Ton anzufchla> gen und gleichzeitig von Amerika Zugeständnisse zu verlangen.

Ein deutsch-französisches Garantieabkommen?

Paris, 23. Jan. (TU.) Zu ter FragS eines deutsch-französischen Garantieabkommens nimmt man in englisch-französischen K. fen er­neut Stellung. Unterrichtete Pariser Kreise lassen verlauten, es bestehe Grund zu - ter.. Annahme, daß Dr. Luther durch das Anerbieten eines gegenseitigen militärischen Abkom­mens bei der französischen Regierung auf Ent­gegenkommen stoßen würde. Heber ten Eindruck in englischen Kreisen erfährt dasPettt Jour­nal": Die Londoner politischen Kreise kommen­tieren die Meldung, wonach Dr. Lutter Frank­reich einen gegenseitigen Garantiepatt anbieten werde, mit großem Interesse. Man ist ter An­sicht, daß diese Meldung begrüntet ist, weist aber daraus hin, daß die neue Reichsregierung wahr­scheinlich noch keine endgültige Entscherdung ge­troffen hat. Immerhin ist man davon überzeugt, daß Deutschland tem französischen Standpurckt in ter Frage ter Sicherheit größtes Ver­ständnis entgegenbringt. Man hall eine zufrie- tenftellente Lösung des Problems für möglich, wenn die deutsche Regierung Schritte am Quai) d'Orsay unternehme. Allgemein wird ange­nommen, daß die Meldung als Versuchs­ballon losgelassen wurde. Nichtsdestoweniger: geht die Auffassung der mafjgebenten Kreise dahin, daß Deutschland seine Stellung tn Europa erheblich verstärken würde, wenn ter Kanzler Herriot einen Vorschlag auf Unterzeichnung eines Garantiepaktes tatsächlich unterbreite.

Aus aller Welt.

Amerika und die Sonnenfinsternis.

Zur Beobachtung ter Donnenfinster- n i s am 24. Januar sind die weitgehendsten Vorbereitungen seitens ter wissenschaftlichen In­stitute getroffen worden. Der ZeppelinLos Angeles" tritt heute abend eine 24flünbige Fahrt nach Nantucket an. An Bord befinden sich Astronomen ter Washingtoner Stern­warte, die eventuell über den Wolken die Sonneniorvna studieren und photogra­phische Aufnahmen machen wollen.

Die Spannung auf die Sonnenfinster­nis ist am Vorabend in Neuyork auf das höchste gestiegen. Spaltenlange Artikel in ten Zeitungen stellen alle anderen Geschehnisse tn ten Hinter­grund. Den Hauptpunkt erreichte heute die Auf­regung, als ter Führer ter Los Angeles", Kommandeur Klein, die Mitteilung machte, daß das Luftschiff wahrscheinlich bereits heute nacht von Lakehurst nach Neuyork fsiegen und erleuchtet über der Stadt kreuzen werte. Morgen früh wird dann der Zeppäin» Kreuzer vor Beginn ter Sonnenfinsternis am äußersten Ost-Zipfel von Lang Island erscheinen, um die Beobachtungen zu machen.

Ein Pionier der deutschen Lusttechnik.

Fabrikbesitzer Dr. Richard Gradewitz, einer der ersten Pioniere ter deutschen Flug­technik, ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Der Verstorbene war Präsident des Aeroklubs. Vorstandsmitglied tn der Wissenschaftlichen Ge­sellschaft für Luftschiffahri und hat sich auch um die Motorluftschifs-Studiengesellschaft große Verdienste erworben. 1918 versieh ihm die Tech- nische Hochschule Karlsruhe die Würde eine# Dr. ing. ehrenhalber.

Grubeuexplosi», in Bochum.

Heute vormittag 43/4 Uhr erfolgte aus bis» her nicht gcflärtcr Ursache eine Explosion schlagender Wetter beim Aufhauen deS Flözes 36 der 8. östlichen Abteilung auf der 615 Meter Sohle ter Schachtanlage Hannibal I. Die Explosion hat sich in ter Abteilung Quer­schlag bis auf eine Entfernung von 200 Meter auSgewirkt. Die Explofionsslamme tourte durch die erste Gesteinsstaufchranke aufgehalten. GS verunglückten sieben Arbeiter tödlich, von denen ztoei bereits geborgen werten konn­ten. Fünf Arbeiter^ werten vermißt. Die Auf­räumungsarbeiten wurden sofort ausgenommen.

Eine deutsch-dänische Lustsahrtgesettschaft.

In Kopenhagen tourte eine deutsch-dänische Luftfahrtgesellschaft unter dem NamenSan 6 t Lufttransport" gegründet. AlS Routen, die die neue Gesellschaft bestiegen will, toer* genarmt: Kopenhagen-Berlin, Kopenhagen-Ham­burg, Kopenhagen-Amsterdam und Kopenhagen- Danzig-Warschau.

Schwarze Räuber in Worms.

In ter Donnerstag nacht gegen 12 llfrr wurde hier in wenigen Wochen ter dritte Raub- überfall durch Marokkaner auSgeführt. Der Ehauffeur Philipp Bohn tourte von vier Marokkanern auf ter Rheinstraße angehalten und seiner sämtlichen Wertsachen beraubt Die Bevölkerung ist über den erneuten Raubüberfall in höchster Erregung.

Drahtlose Dottorpromotion.

Berlin, 23. Ian. Die Blätter melden auf Straßburg: Auf ter hiesigen Universität be­diente sich ein Student der Medizin bei Ab­legung seines Doktorexamens ter draht­losen Telephvnie, intern er mittels eines kleinen Radioapparates, ten er an versteckter Stelle am Prüfungstisch angebracht hatte, mit seiner Wohnung eine drahtlose Verbindung her­stellte, wo ein Freund des Kandidaten an Hand einer reichhalligen medizinischen Bibliothek die gestellten Fragen beantwortete. Durch Indis­kretion des Freundes kam jedoch der Betrug ans Tageslicht und ter Kandidat wurde sofort von tem Examen ausgeschlossen.

Der Typhus in Weißenfels.

Die im Dezember infolge einer Milchinfek» tion hier ausgebrochene Typhus-Epidemie ist nach 41 Erkrankungen und 1 Todesiallen zum Stillstand gefommen. Die in Behandlung be­findlichen Neuerkrankungen lasten eine Genesung erhoffen.