(Miete, Bedienung pp.) zu beanspruchen. Auch hieraus hat Miniskerialdirettor Urstadt bisher immer verzichtet. Da er öfter nach Gießen fährt, bedeutel seine Verzichtleistung ebenfalls eine wesentliche Ersparnis für die Staatskasse.
Durchschnittlich erhielt Ministerialdirektor Urstadt im Kalenderjahr 1924 (seit Stabilisierung der Mark) eine Aufwandsentschädigung von monatlich 117 Rm., im Kalenderjahr 1925 (nach Erhöhung der Entschädigungssätze) eine solche von monatlich 154 Rm.
Die während der Inflationszeit gewährten Entschädigungen waren bei der Auszahlung infolge der Geldentwertung meist vollständig entwertet.
2. Nach einer Bescheinigung des Landtaasamts ist es nicht richtig, daß Ministerialdirektor Urstadt „bis vor kurzem auch noch die Tagegelder eines Abgeordneten für diejenigen Sitzungen liquidiert hat, denen anzuwohnen er als beamteter Vertreter der Regierung verpflichtet war". Solange Ministerialdirektor Urstadt Abgeordneter war, 'hatte nach der angeführten Erklärung des Landtagsamts der Rechnungsdienst des Landtags keinerlei Veranlassung, die vom Abgeordneten Ur- stadt eingereichten ^agegelderliquidationen zu beanstanden, da sie weder den Bestimmungen des Gesetzes über die Tagegelder und Reisekosten der Landtagsabgeordneten, noch sonstigen Bindungen von feiten des Gesamlministeriums zuwiderliefen.
Ferner wird in dem erwähnten Schreiben des Landesamts dem Abgeordneten Urstadl ausdrücklich bestätigt, daß er als Mitglied des 3. Ausschusses an den Sitzungen dieses Ausschusses teilgenominen, aber keine Tagegelder dafür in Ansatz gebracht hat.
3. Da angenommen werden muß, daß den Herren Unterzeichnern der Anfrage die gesetzlichen Bestimmungen über die Tagegelder der Abgeordneten bekannt sind, so darf in der Verquickung dieser Sache mit der Beamteneigenschaft des Ministerialdirektors Urstadl und gleichzeitigem mehrmaligen Hinweis auf „seinen hohen Gehalt" der Versuch erblickt werden, den Ministerialdirektor U r st a d t in der Oefsenllichkeit und namentlich auch in den Augen der ihm unterstellten Beamten herabzusetzen. Gegen solchen Versuch erhebe ich namens der Regierung entschieden Einspruch. Die Regierung gedenkt vor wie nach alles zu um, um ihren Sparerlassen durch das gute Beispiel der höchsten Beamten den nötigen Nachdruck zu verleihen. Die Regierung kann aber nicht glauben, daß diesem ihrem Bestreben durch Anfragen, wie die vorliegende, gedient wird.
gez. Ulrich.
Oberhessen.
Landkreis (Pretzen.
y. Dau bringen, 22. Dez. Trotz eifriger polizeilicher Nachforschung ist der vor kurzer Zeit begangene Einbruch in das der Firma S ch e i d h a u e r & Giessing in Mainzlar gehörige und im hiesigen Wald gelegene Häuschen, in weichem zum Betrieb notwendige Spreng st offe aufbewahrt und entwendet wurden, nicht aufgeklärt. Die Sprengkörper wurden vorschriftsmäßig unter Verschluß gehalten, und nur durch gewaltsamen Einbruch konnte der Zweck der Täter erreicht werden. Sollte es sich um einen dummen Streich handeln, so kann nur gewünscht werden, daß derselbe nicht gelegenUich noch sehr bedauerliche Folgen nach sich zieht.
: Beuern, 22. Dez. Am Sonntagabend sprach im hiesigen Volksbildungsverein (Vorsitzender Lehrer Rau) im Saale des Christoph Wagner der Geschäftsführer des Gießener Naturheil- - Vereins, Herr Paul Scholz von Gießen, über das Thema: Rechte Ernährung — Freude und langes t Leben: falsche Ernährung — Krankheit und früher Tod. Der Redner verstand es, in kurzer Zeit die Auf- ' merksamkeit der Zuhörer zu fesseln. In leichtver- , stündlicher Weise wies er darauf hin, daß gerade unsere Landbevölkerung in der Lage sei, sich zweckmäßig und gesundheiterhaltend zu ernähren durch kräftiges, grobes Brot und sonst so wenig wie möglich verkunstelte Nahrung. Sein Vortrag gipfelte in dem Grundsatz: Zurück zur Natur und damit zur Einfachheit! An den Vortrag, der namentlich von Frauen gut besucht war, schloß sich eine Aussprache un. Der reiche Beifall legte Zeugnis darüber ab, wie gut die Ausführungen des Redners gefallen Haden. 3m Namen des Vorstandes dankte der Vorsitzende dem Redner für seine vortrefflichen Belehrungen.
* 2! l b ach, 23. Dez. 3n dem gestrigen Bericht über die Bürgermeisterwahl in 2l l b a ch ist durch die falsche Auswechselung einer Korretturzeile in der Setzerei eine iln»
Franziska.
Boman von Liesbet Dtll.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Mit Franziska war eine Wandlung vorgegangen, feit sie Mariot gegenüber spielte. Etwas 11 bestimmtes war in ihr plötzlich zum Leben erwacht, alles Unentschlossene, das Gelangweilte, Unzufriedene fiel ab, ihr träger Gang wurde elastisch, ihre Bewegungen sicher, ihre Augen leuchtend. Mit zusammengebissenen Zähnen arbeitete sie, von einer inneren Macht gestachelt, die sie bleich werden ließ bei seinem kritischen Blick unb erröten bei einem halben Lächeln, nach einem Lob verdursten und nach einem einzigen persönlichen gütigen Wort verhungern ließ. Zu einer früheren Zeit hätte der Helenaerfolg sie in einen Rausch versetzt: jetzt ließ er sie kühl. Soubrettenrollen, daS war nicht, was sie erstrebte, sie fühlte, daß sie mehr konnte. Sie ließ sich durch die glänzende Aufnahme, die ihre Helena gefunden, nicht beirren, solange man sie nicht zu den großen Rollen zuzog. lleberall hatte die Ebenhausen den Vorzug, bei der die Tageszeitungen das ausgeglichene Spiel lobten. Freilich „ausgeglichen", wenn man einmal 20 Jahre lang die Drünhilden und Isolden singt... In dem Wagnerring lieh man sie nicht zu, alle führenden Rollen waren darin besetzt, und zu den „Rheintöchtern" drängte sie sich nicht. Sie hatte sogar gebeten, sie von der Partie zu befreien. Die Elisabeth im .Tannhäuser", als sie für die Ebenhausen eingesprungen war, war ein kläglicher Mißerfolg. Für die heroischen Rollen paßte sie eben nicht.
Stimmlich tagen sie ihr alle, die Höhe und Tiefe ihres weichen Mezzosoprans schienen unbegrenzt. Seit sie die neue Schule durchgemacht hatte, konnte sie mit ihrem Atem haushalten, und gegen das Tremolieren ging Mariot unerbittlich vor. Er fang ihr mit seiner weichen Stimme, die jedem Tenor Ehre gemacht, ein paarmal solche Stellen höhnisch vor, daß sie ihm hätte ins Gesicht springen mögen.
Aus jeber Probe kam sie nach Hause wie betäubt. MarivtS Blick faß fest in ihr, prüfend,
klarheit entstanden. Richtig ist der in Betracht kommende Sah wie folgt zu leien: „Der Gegenkandidat Otto Zimmer, der beim ersten Wahlgang mit 116 Stimmen unterlag, kandidierte bei der zweiten Wahl nicht wieder, an seine Stelle trat der Landwirt Heinrich Philipp Schäfer, welcher 99 Stimmen erhielt."
i. Ettingshausen, 22. Dez. Gestern abend fand im Saale des Gasthauses Walter die Weihnachtsfeier der hiesigen Schule statt. Die Eröffnungsansprache von Lehrer Knö11, der die Er- schienenen im Namen des Schulvorstandes begrüßte, wies auf die Bedeutung des Weihnachtsfestes hin. Abwechselnd mit Gesängen zeigten die nun folgenden Darstellungen der Binder, die fleißig eingeübt waren, die Freuden des Winters und besonders die finnige Schönheit des Weihnachtsfestes. Lehrer Simon schloß' den freundlich verlaufenen Abend mit einer Ansprache, in der er aufforderte, auch anderen eine Weichnachtsfreude zu bereiten. Er empfahl den Stauf der Wohlf-ahrtsbrief- marken und kündigte eine Sammlung für die Zeppelin-Eckener-Spende an.
Vs. Langsdorf, 22. Dez. Die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur hatte für gestern abend zu einem Vortrag des dentfchrussischen Kolonisten W. O. Heine über seine „Erlebnisse im bolschewistischen Rußland" in den Schulsaal eingeladen. Herr Heine, seiner Abstammung nach ein Schwabe, hat den Krieg als russischer Offizier mitgemacht und später gegen die Bolschewisten gekämpft und unter ihrer Schreckensherrschaft Fürchterliches erlitten. Der hochinteressante Vortrag, der bis zum Schluß fesselnd war, fand bei den Zuhörern großen Beifall. Was Herr Heine vorbrachte, waren Tatsachen, die dazu beitragen möchten, vor dem mancherseits gepriesenen Bolschewismus zu warnen, der unser Volk nur tiefer ins Elend bringen würde. Viel Anklang fanden auch die Lieder, welche der Vortragende nach seinen Ausführungen auf der Balalaika, dem Rationalinstrument der Russen, darbot.
Kreis Friedberg.
Ss. Friedberg, 22. Dez. In der Reihe der vielen hier veranstalteten Weihnachtsfeiern bildeten unstreitig das von der Jugendgruppe der Turngemcinde veranstaltete Krippenspiel von Kaiser den Höhepunkt. Zum ersten war die Dar- stellung eines solchen Spieles für unsere Stadt etwas Neues und Eigenartiges, und dann bietet unsere herrliche Liebfrauenlirche für derartige Zwecke einen Raum, wie er schöner und stimmlingsooller wohl kaum gedacht werden kann. Eine zahlreiche Zuhörerschaft folgte deshalb mit Spannung und Ergriffenheit den Vorgängen auf der vor dem Altar errichteten Empore: die jugendlichen Darsteller waren mit Feuer und Flamme bei der Sache, sowohl der musikalische wie der darstellerische Teil waren auf voller Höhe. So waren der Gemeinde in dem in Halbdunkel gehüllten, von dem Kerzenglanz der Weihnachtsbäume stimmungsvoll erleuchteten Raume einige weihevolle Stunden geboten, und es ist zu hoffen, daß der Versuch, diese so volkstümliche Kunst zu beleben, hier Nachahmung finden wird.
sf. Friedberg, 22.Dez. Die gestrige Abend- sitzung der Stadtverordnetenversammlung war die letzte der seitherigen Zusammensetzung, der Bürgermeister nahm daher Gelegenheit, bei Schluß der Sitzung den Mitgliedern, besonders den aus dem Kollegium ausscheidenden, Worte des Dankes für ihre mühevolle und undankbare Aufgabe zu widmen. Aus der Taaesordnung ist das folgende von allgemeinem Interesse zu vermerken: Der seit- ber in der Großen Allee abgehaltene Wochen markt soll wieder auf dem früheren Platz auf der Kaiser st raße verlegt werden. — Eme längere Debatte, die teilweise recht erregte Form annahm, rief der Punkt der Tagesordnung betr. Verabreichung von Brennmaterial für Erwerbslose hervor. Beig. Dr. Leuchtgens referierte in feiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter über die Verhandlungen im Landtage. Der Landtag habe zwar eine weitgehende Unterstützung befürwortet, jedoch dafür keine Mittel bewilligt. Die Unterstützung sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Fürsorgeverbandes, aber überall seien die Kassen leer. Die Kommunisten beantragten, jeder Erwerbslosenfamilie noch vor Weihnachten je 20 Mk. auszuzahlen. Der Finanzausschuß hatte oorgeschla- gen, jeber Familie zwei Zentner Brennstoff und jeder Einzelperson ein entsprechendes Quantum zu verabfolgen. Nach längerer Debatte wurde ein Der-
abwägend, scharf, es war etwas Besitzergreifendes darin.
Ihr Herz klopfte, sie befand sich wie int Fieber. Von diesem Blick ging eine magische Kraft aus, die einen mit einem Schlag heraus- hob aus dem Dunkel, es war, als lodere der kurze, rasche Blick Flammen. Sie fühlt«, daß sie stieg in der Achtung der Menschen als Künstlerin. In ein Meer von Licht getaucht, lag jetzt die Welt vor ihr in unbekanntem Glanz. Die Luft, die sie einatmete, schien etwas von einem Zauber zu haben, der betäubt und in einen leichten Rausch versetzt. Wenn sie den Fuß auf die Straße setzte, auf einen Wagenschlag oder eine Treppe, wenn sie des Mittags ihre Mahlzeit im Metropol einnahm, fühlte sie aller Augen auf sich ruhen, die jungen Männer setzten das Monokel ein. Franziska hatte Furcht vor sich selber. Dor diesem stürmenden Gefühl, das in ihr arbeitete, und den Gedanken, die sie durchzuckten, wenn sie alle die begehrenden Augen auf sich gerichtet sah.
Es war, als ob die Menschen in der Stadt auf sie aufmerksam geworden seien, sie kamen von allen Seiten an sie heran, sie fühlte es, wie eine Gefahr, die sich ihr nahte.
Gestern war sie aufgestanden im Restaurant vor diesen sie verfolgenden Blicken, sie lieh ihr Essen stehen und ging durch die Straßen. Ein wappengeschmücktes, blanklackiertes Coup6 folgte ihr durch den Regen, sie erkannte jemand darin, dessen Augen sie oft von seiner Loge aus verfolgten. Als sie eine katholische Kirche sah, trat sie dort rasch ein.
Die Kirche war matt erleuchtet, ein paar Kinder saßen am Eingang, durch den bläulichen Duft von Weihrauch schimmerte das rote Licht der ewigen Lcunpe. Ein alter Mann nahm die Spitzendecken von den Alläreit ab, .seine Dchritte hallten aus den Steinfliesen. Franziska setzt« sich in einen der Skrohstühle und verbarg ihren heißen, verwirrten Kopf mit den aufrührerischen Gedanken in den Händen. Immer wieder drängte sich ihr ein anderes Bild vor Augen... Mariot.
3n der Dunkelheit schaute es zum Fenster hinein, es sah ihr auf der Straß« aus jedem
mittlungsantrag Koch, jeder Familie noch vor Weihnachten J 0 Mark und jeder Einzelperson 5 Mark auszuzahlen, mit großer Mehrheit angenommen, außerdem der Vorschlag des Finanzausschusses auf Lieferung von Brennstoff. Die weitere Regelung dieser Angelegenheit soll dem Finanzausschuß der neuen Stadtverordnetenversammlung überwiesen werden. Die Stadt behält sich Ersatzansprüche an die zur Unterstützung verpflichteten Stellen vor. — Der Ertrag der städtischen Weidenanlagen wurde, wie in den Vorjahren, der Blindenanstalt zum Preise von 4,50 Mark für den Zentner überlassen. — Die städtische Hunde st euer wurde auf 24 Mark festgesetzt, jeder weitere Hund kostet je ¥2 Mark mehr. — Die in früheren Jahren bestehende P fe r d e m a r f 11 o 11 e r i e , die durch den Krieg in Wegfall kam, soll versuchsweise wieder eingeführt werden. — Verschiedene Anforderungen für die Freiwillige Feuerwehr, Erneuerung des Schlauchmaterials und Anschaffung eines Rauchhelms, wurden einstimmig bewilligt.' — Auch in diesem Winter will die Friedberger Winterhilfe, wie in den letzten Jahren ihre segensreiche Tätigkeit wieder aufnehmen und zunächst jeden TaH 2 5 0 Portionen warmes Mittagessen an Minderbemittelte ausgeben. Es steht der Gesellschaft noch vom vorigen Winter ein kleiner Betriebsüberschuß zur Verfügung, im übrigen ist sie wieder auf freiwillige Gaben angewiesen.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 22. Dez. Wie wir bereits früher berichteten, ist in dem Schloß zu Büdingen seit einiger Zeit der Messingkäfer aufgetreten. Nunmehr wurde vor kurzem festgestellt, daß er auch in dem alten K r e i s a m t s g e b ä u d e sich eingenistet hat. Am häufigsten scheint er hier im ersten Stock sich zu befinden. 9m Erdgeschoß ist er in den Bureauräumen noch nicht festgestellt worden. Aber auch in der Mansarde in einer Wohnung hat er Schäden anyerichtet. Zur Bekämpfung der Schädlinge ist bis setzt noch recht wenig unternommen morden. Sehr gespannt ist man auf die warme Jahreszeit, da sich dann zeigen wird, ob der Messingkäfer tatsächlich auch bereits in anderen Häusern steckt, wie man jetzt schon munkelt. Zur Winterzeit ist der Schädling schwer festzustellen, da er sich dann wegen der Kälte in geschützte Winkel verkriecht und eine Art Winterschlaf hält. Das einzige Mittel, den Stäfer zu bekämpfen, ist die Vergasung. 9n diesem Falle werden sämtliche Räume des befallenen Hauses mit Blausäuregas ungefüllt. Inwieweit jedoch das Gas auch die in den Holz- wänden und unter den Fußböden sitzenden Tiere erfaßt, läßt sich nicht sagen, da man noch zu wenig Erfahrung mit der Vergasung des Messingkäfers hat.
Nidda, 22. Noo. Bekanntlich ist der N a ch m i 11 a g s z u g am Samstag auf der Strecke Nidda — Schotten feit 14 Tagen um etwa 2 Stunden früher gelegt, damit den aus den Städten kommenden Wintersportlern Gelegenheit geboten ist, noch vor Eintritt der Dunkelheit den H o h e r o d s k o p f zu erreichen. Dieses Entgegenkommen der Reichsbahnverwaltung hat aber für die Arbeiter des Himinelbachschen Sägewerks den Nachteil, daß sie gezwungen sind, zwei Stunden früher mit der Arbeit aufzuhören, um den Zug benutzen zu können. Da das Sägewerk unter der Einwirkung der bestehenden Absatzkrise in der Holzindustrie ohnehin schon zur Kurzarbeit gezwungen und an jedem Montag die Arbeit aussetzt, ist der Ausfall zweier Arbeitsstunden eine weitere Schmälerung des Wochenverdienstes. Die Arbeiterschaft ist deshalb ungehalten über die Verlegung des Zuges, zumal am ersten Samstag nur 16, am zweiten nur 25 Wintersportler den Zug in Anspruch nahmen. — Die Holzhauer arbeiten haben sich durch den hohen Schnee, der seither im Walde lag und auch unter der Einwirkung des Tauwetters so rasch nicht verschwinden wird, stark verzögert, so daß in vielen Distrikten die Arbeit erst im Februar beendigt fein wird. Vielfach sind auch weite und beschwerliche Anmarschwege zurückzulegen, die gleichfalls nicht förderlich wirken. Holzversteigerungen haben noch nicht statt- gefunben.
)( Ortenberg, 21. Dez. Am gestrigen Sonntag sanden hier zwei Weihnachts- veranstaltungen statt. Rachmittags um 4.30 Tlhr wurde den Kindern unserer Klein- kin der schule in der von zwei schönen Christ- bäumen hell erleuchteten Kirche beschert. Zuvor erfreuten die Kinder die zahlreich erschienenen
Männergesicht entgegen, mit seinen grauen, kalten Augen, die doch so heiß aufleuchten konnten, und seinen Mund, der ihr nur Bitteres gesagt. Der Augenblick zwischen einem Vorhang und der Tür ihrer Garderobe nach der Helena- Premiere hatte alles in ihr verwandelt. Dort hatte er sie an sich gerissen, gepackt wie eine Deute, und ihr einen Kuh auf den Racken gedrückt. Sie fühlte die Stelle wie ein Feuermal brennen, jedesmal, wenn sie mit Hasse allein war. Er war so vertrauensvoll, er glaubte an das Ehrenwort der Frauen.
Gott schütze mich vor einem Zurück, dachte sie. Mach' mich frei und stark, gib mir Kraft, erhalte mich ihm, betete sie. Ich will ehrlich bleiben. Franziska schaute zu der Mutter Maria aus, die auf ihrem schmalen Hauvt die goldene Krone trug. Aber diese Heilige sah sinnend und ernst auf sie herab. Ähre feine Gloriole funkelte durch die Dämmerung. An dem Altar ging ein alter Invalide auf seinem Krückstock vorüber, er bekreuzigte sich. Ein junger Priester kam durch den Haupteingang geschritten und marf der Knienden einen Blick aus seinen dunklen Augen zu, ein melancholischer, verzichtender Blick. An der kleinen, holzvergitterten Tür seines Beichtstuhles drehte er sich noch einmal nach ihr um, bann ging er zögernd hinein. Die Tür fiel Au, aber es war ihr, als schauten seine dunklen Augen sie durch das Holzgitter immer noch fragend an...
Es überlief sie heiß, sie erhob sich und strich sich über die Augen. Ich mochte dorthin gehen und beichten, durchzuckte es sie, aber zu demselben Priester, der sie so angeschaut? Gott, war man Denn selbst in der Kirche davor nicht sicher? Sie floh wie gejagt hinaus. Die frische Lust einatmend, schritt he raschen Schrittes in die Dämmerung hinein... und der blanklackierte Wagen, der an der Ecke gewartet hatte, setzte sich wieder in Trab und folgte Franziska durch den Regen in die Stadt zurück.
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Wenn sie jetzt mit Hasse zusammenkam, schloß sie die Augen und versuchte sich zu vergegenwärtigen, daß er es sei, sie umschlang ihn und meinte an seinem Hals, zerrissen, verwundet,
Zuschauer durch Aufsagen von herzigen Ge- dichtchen und Singen von wundervollen Weihnachtsliedchen, sowie ganz besonders durch ein sinniges Glockenspiel. Die Gemeinde beteiligte sich mit mehreren Liedern an der schönen Feier. Der Ortsgeistliche dankte allen, die zu der schönen Feier beigetragen hatten, insbesondere „Tante Emma" für alle Mühe und Arbeit im zu Ende gehenden Jahr, und warb bei allen Erschienenen um neue Liebe und Tlnterstnhung für die immer noch mit großen Schwierigkeiten um ihr Weiterbestehen kämpfende Kleinkinderschule. Abends folgte bann die Aufführung des Krippenspiels „Aus Weihnachtswegen" von Wilhelm Schreiner, wohl eines der schönsten Weihnachtsspiele, das wir zur Zeit besitzen. Die Schulkinder, die das ganze Spiel unter der trefflichen Leitung von Lehrer R o ß barboten, hatten sich mit viel Liebe unb Eifer in die einzelnen Rollen hineingedacht und gaben ihr Bestes. Das Spiel wurde an passenden Stellen durch Weihnachtschöre der Kinder und Weihnachtslieder der Gemeind« unterbrochen und hinterließ einen tiefen Eindruck. Es gingen 121,96 Mk. eiif Ttr daß nach Abzug der Unfoften von etwa 40 Mk. für die Schülerbibliothek für die Glocke bzw. Kirchen- Heizung je 40 Mk. übrig blieben.
Kreis Schotten.
_j X? a u b a d), 22. Dez. Ein B ü r g e r v e r e i n, wie ihn andere Städte bereits eingerichtet haben, ist hier in der Bildung begriffen.-Ende voriger Woche tagte zu dein Zwecke eine größere Versammlung im Schützenhof. Malermeister Rühl ist an der Spitze des Gründungskomitees. Es sollen hier vor allem Fragen gemeindepolitifcher Art behandelt werden, wie der Anschluß an die Autolinien der Provinz, die Instandhaltung des Bürgerturms, Errichtung eines Gemeindearchivs, eines Heimatmuseums usw. Auch soll dieser Verein der Erweiterung der Volksbildung dienstbar gemacht werden. — Vorgestern hielt die hiesiae Kleinkinderschule ihre W e i h - nochtsbescherung ab. Das Gebäude dieser Schule liegt unmittelbar am Johann-Friedrich-Stift; es ist zur Zeit von gegen 60 Kindern unter 6 Jahren besetzt, die sich hier einer sorgfältigen Wartung durch eine besondere Schwester erfreuen.
wg. Gedern, 22. Dez. Am Abend des 4. Adventssonntags fand im hiesigen Krankenhaus eine schlichte, aber eindrucksvolle Weihnachtsfeier statt, zu der sich neben zwei Vertretern des Ausschusses der Anstalt auch die Angehörigen der Kranken, Freunde des Hauses und auch eine Reihe von Personen eingefunden hatten, die früher im Hause während ihrer Krankheit Aufnahme gefunden hatten. In sinnvoller Anordnung wechselten mit einander ab die alten vertrauten Lieder der Weihnacht und Bibelworte. Hofprediger Widmann wies in feiner Ansprache auf den Trost hin, den die Weihnachtsbotschaft gerade den Kranken bringe. Zum Anschluß der Feier erfolgte durch Mitglieder des Jungfrauenvereins unter Leitung der Pfarrfrau die Vorführung eines auf die Höhe der Weihnachtsfreude führenden Weihnachtsspiels „Das Christkind und die Weihnachtssterne", das eine tiefe Wirkung auf alle Anwesenden ausübte. Wie leuchteten die Augen der Kranken in dankbarer Freude, als im Kreise der sterngeschmückten Engelsgestalten das Christkind erschien als Verkörperung der frohen Botschaft. Mit einem dreistimmig gelungenen Chor des Jungfrauenvereins „Wir wollen ihm die Krippe schmücken" klang die schöne Feier aus, worauf noch Rentamtfekretär Bauer im Namen des engeren Ausschusses des Krankenhauses und für die Kranken nebst Angehörigen den Veranstaltern bc Feier freundliche Dankesworte roibmete.
)—( Rupperl sburg, 22. Dez. Im Herbst 1918 ft arbeit bei einer schweren Grippeepidemie von dem hier beschäftigten Kriegsgefangenen- kommanbo 8 Mann, unb zwar 3 Franzosen, ein "Belgier, 1 Italiener, 3 Russen. Die Leichen der 3 französischen Soldaten wurden nun unter Leitung eines Franzosen ausgegrabrn. Zwischenfälle kamen nicht vor. Die Leichen wurden in eichenen Särgen von einem Lastauto abtransportiert, um auf einem französischen Ra- tionalfriedhos bestattet zu werben. — Zn welch erschreckendem Maße die Arbeitslosigkeit zunimmt, erfahren auch wir in unter ent Dorfe. Der Herbergsraum im hiesigen Rathause wird saft jede Rächt von fremden „Brüdern von der Landstraße" in Anspruch genommen. In einer Rocht der abgelaufenen Woche übernachteten dort 8 Personen.
! Herchenhain, 21. Dez. Gestern abend veranstaltete Lehrer Weimer mit der hiesigen hin und her geworfen. Ihr Herz schlug heftig und rasch. Die Angst saß ihr an der Kehle und würgte sie. Ich will's ihm sagen, loderte es trotzig in ihr auf, mag er tun mit mir, was er will, ich kann diese Angewißheit nicht mehr ertragen, aber sie wagte es nicht. Mit Angst sah sie ihn an, ob er noch nichts bemerkt« von dieser inneren Zersetzung.
Die ganze Wirklichkeit war wie mit Schleiern verhüllt, sie lebte wie in einem schwülen Traum dahin. Es war ihr, als trüge sie ein Ressus- getoanb, das den Körper verbrennt, aufzehrt, einhüllt. Sie war verloren, sie fühlte es. Sie hatte Träume, aus denen sie entsetzt erwachte.
Der Kammersänger Stephansbrrger verließ im Frühjahr die Stabt.
Ehe er wegging, waren sie einen Abend zusammen in seiner Wohnung, die Mucki war auch da. Hasse brauchte nichts davon zu wissen und wußte auch nichts davon. Das Weinglas betrachtend, das sie ihm immer wieder füllen mußten, die beiden, die er alle beide gleich liebte, wie er ihnen an diesem Abend versicherte, sagte er: „Rimm dich in acht vor diesen stillen Tigern, eines Tages wird er dir an die Gurgel springen."
Franziska hielt das Sektglas gegen das Licht und sah den Perlen zu, die aufstiegen und zergingen, an ihrer Hand mit den klirrenden Armbändern funkelten der goldenen Schlange grüne Augen.
Sie zuckte die Achseln. „Ich hab' ein gutes Gewissen."
Der Kammersänger lächelte nachsichtig. „Jedermann ist eine Welt. Du bist eine und er stellt eine dar, aber eine andere Welt, in der man Zylinder trägt und Handschuhe, und in der um den Gegenstand des Kampfes mit ungleichen Waffen gefochten wird."
„Rämlich mit echten Waffeir, nicht mit vergoldeten Pappsäb In". rief Franziska dazwischen, die, im Schaukelstuhl auf und niederwippend, an dem Mandelkuchen knabberte. „Für die Ehre der Frau würdet ihr niemals eintreten."
(Fortsetzung folgt.)


