Ausgabe 
23.12.1925
 
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Rt. 530 Zweites Blatt

Mittwoch, 25. vezember (925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Türkische Schicksatsstunde

Von unserem »J.=Slorefponbentcn.

Konstantinopel, Dezember 1925.

Nicht nur wegen der leidigen endlosen Mossul- fragc, sondern mehr noch wegen der Zuspitzung der inneren politischen Lage, läßt sich wieder ein- mal von einer Lchicksalsstunde der Türkei sprechen, von einer der schweiüten und gefährlichsten aller Schicksalsstunden vielleicht, welche die türkische Ge­schichte zu verzeichnen hat.

'2(1 s vor mehr als Jahresfrist die Große Na­tionalversammlung der Türkischen Republik zu ihrer zweiten Session zusammentrat, gab es poli­tisch nur eine einzige Partei, die kemalistischc Volkspartei". Dies war erklärlich, denn diese Partei und mit ihr die Große Nationalversamm­lung waren in einer Stunde geboren, als der Feind im Lande war uni) außer in der Fähigkeit der Führer nur in rückhaltloser Einigkeit die .Rettung des Vaterlandes liegen konnte. Damals hat die parlamentarische Form genügt, um die Handlungen der Führer zu decken und das Land zu retten. Es war aber selbstverständlich, daß mit dem Schwinden der äpßeren Gefahr auch wieder die Verschieden­heit der politischen Anschauungcn zur Geltung kommen mußte, um so mehr, als die in der Volks­partei vereinigten Abgeordneten eben durch die Verschiedenheit ihrer Anschauungen zur Gründung von mindestens einem Dutzend politischer Parteien urädestinier. erschienen. Co kam es zur Gründung ber oppositionellenRepublikanischen Fortschritts­partei", welcher der größte Teil der oppositionellen Abgeodrneten angehörte, während nur einige we­nige Abgeordnete sich als Wilde keiner Partei an- fchlossen. Diese Republikanische Fortschrittliche Partei gewann im Lande rasch und zusehends An­hang, auch weil ihre Führer populäre Leute wie Rauf Bey, Ali Fuad Pascha, Kiasim Karabekir Pascha waren, |o daß die Kemalisten sich vor der Gefahr sahen, ihre Herrschaft, welche nichts anderes als eine Parteidiktatur darftellte, zu verlieren. Auch die gesamte Prefse, soweit sie diesen Namen über­haupt verdient, war auf Seite der Opposition ge­treten? Da gab bekanntlich der Ausbruch des Kur- denaufstandes der kemalistischen Parteileitung eine willkommene Gelegenheit, sich die unbequeme Oppo­sitionspartei vom Halse zu schaffen. Es wurden außerordentliche Gerichtshöfe mit besonderen weitgehenden Vollmachten und Ausnahmegesetze czeschassen. Die Presse wurde vollständig geknebelt. Die fähigsten Köpfe der türkischen Journalistik wurden verhaftet, vor das Ausnahmegericht ge­schleppt und zum Teil in die Verbannung geschickt, soweit sie nicht zu Kreuze krochen und erklärten, sie seien nunmehr vom Gegenteil überzeugt, was sic vorher behauptet hätten. Verschiedenen Blättern wurde das Erscheinen überhaupt verboten, schließ­lich wurde die Republikanische Fortschrittspartei wegen angeblicher Verbindung mit den Aufständi­schen als' solche aufgelöst, ihre Parteiduraus ge­schlossen und das Parlament auf Ferien geschickt. Die kcmalistische Diktatur war wieder in ihrer In­tegrität hergcstellt.

Während der nahezu ein halbes Jahr wäh- reden Parlamentsferien wurde mit Hilfe der Aus­nahmegerichte das Werk vollendet. Nur an die Führer der Opposition selbst wagte man sich nicht heran. Wohl aber haben die Verhältnisse in der feit einigen Wochen wieder eröffneten Nationalver­sammlung gezeigt, daß dort die Opposition ebenso wenig laut atmen darf, wie im sogenannten Par­lament Mussolinis. Jin übrigen wurde eine Reihe von Reformen Kleiderreform und so weiter eingeführt, von welchen man naiver Weise unter anderem annahm, daß man mit ihnen Europa gegenüber gute Figur machen würde, welche aber ganz abgesehen von religiösen Gründen auch das Stilgefühl und das dem türkischen Volke eigen­tümliche Gefühl für Würde und Charakter aufs Tiefste verletzen mußten. Trotz der strengen Zen­sur, das heißt der Gefahr, welcher die Presse durch Veröffentlichung nicht genehmer Mitteilungen läuft, trotz der Schwierigkeiten zuverlässige Nach­richten zti erhalten, läßt sich feststellen, daß sich des ganzen Landes eine große Erregung bemächtigt

hat. 3n den verschiedensten räumlich weit ausein­anderliegenden Teilen der Türkei, wie in den Pro­vinzen Erserum (Osianatolien), in den Provinzen Trapezunt und Kastamuni am Schwarzen Meer, in Siwas in Inneranatolien, in Marasch im Sü­den und an anderen Orten tarn es zu ernsten Unruhen gegen die Regierung, welche um so be­zeichnender |ind, weil ihnen gegenwärtig die Or­ganisation zu fehlen scheint und sie als spontane Ausbrüche des Volkseinpfindens zu werten sind. Hinzu kommt nach die Einführung neuer drücken der »steuern, der Monopolisierung wichtiger Ver- brauchsmittel, wie Zucker und Petroleum lind einer finanzpolitisch wie volkswirtschaftlich gleich ver­werflichen Steuerreform der Kopfsteuer.

Dabei funktioniert der Verwaltungsapparat durchaus nicht wie er fall und der Backschiich hat keineswegs aufgehört seine Rolle zu spielen. Fer­ner werden aus dein verarmten Lande große Summen gezogen, die geopfert werden, um aus A n gora eine Hauptstadt zu machen, die sich vor

Mossulkonferenz in Genf sich der Delegierte Tewsik Ruschdi Bey hinsichtlich der türkischen Forderungen ttnd Haltung in der Mosjulsrage weit vorsichtiger und bescheidener ausdrückte, als früher bei anderen Gelegenheiten. Tatsächlich scheint es nunmehr wegen der Wendung, welche die innere Lage ge­nommen hat, fraglich, o b man s i ch ge­gebenenfalls der Gefahr eines Ap­pells an die Waffen aussetzen darf.

Aus Hessen.

Eine flicqicrnnfldaithuort.

Darin stadt, 22. Dez. Auf die in Nr. 291 vom 12. Dez. veröffentlichte Anfrage der Deutschen Vvlkspartct hat der Staatspräsident fol- genbe Antwort erteilt:

Auf die mit geschätztem Schreiben vom 10. d. Mts.;bermitteltc Anfrage der Herren Abgeord ncten Dingeldey und Genossen, betreffend Spar-

Ms SMßlK UHASszeZAMg

Obevtzesses-s und desLadnsebieteS ist in fei- nsm if SH.Lahvgang dev Gietzenev Ameksev

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ist seine Oienstass und SamstasS evschei- rrerrde VettaseGießener LamMenbSattev"

Die eimiM MideebeMHe

ift seine eisens süv das AeimatLeNet Veav- beite.e Donnevstassgabe Hekmat im Bild"

Dee sachveEandise Aaigedee süv Lan-Lvivrsrhast, Gartenbau und Vieh­zucht ist seine SveitagsbeilaseDie Schatte"

dem Auslande sehen lassen kann. Ueberdies geben das Konzessionswesen und die zahlreichen Schwie­rigkeiten, welche Handel und Produktion in diesem Lande finden, einer Gruppe von Leuten, die in besonders guter Beziehung zur Regierung stehen, eine Art Monopol des Geldverdienens.

Während also die innerpolitische Lage eine solche geworden ist, daß man trotz einer gewissen Langsamkeit des politischen Entwicklungstempos, wie sie dem Osten eigentümlich ist, immerhin auch mit Ueberraschungen rechnen kann, ist die aus­wärtige Lage keineswegs rosiger anzusehen.

Jedenfalls hat es sich als ein schwerer Fehler gezeigt, daß die Kemalisten gerade im gegenwär­tigen Augenblicke, im Gefühle ihrer sich auf Bajo­nette und Polizei stützenden Macht, der Psyche des Volkes so wenig Rechnung tragen zu müssen glau­ben. Die Kemalisten hätten auch größere politische Einsicht bewiesen, wenn sie die oppositionelle Partei nicht aufgelöst, sondern Gelegenheit gegeben hätten, daß in einer wirklichen Volksvertretung die verschiedenen in der Nation lebendigen, politischen Anschauungskomponenten frei zum Ausdruck kom­men, und jene wahre Resultierende gefunden wird, welche der Lage der Nation entspricht und zeitge­mäß ist. Angora dürfte dies heute selbst einge­sehen haben und es ist symptomatisch, daß auf der

samkeit in den höheren Verwaltung s° (teilen; hier Ministerialdirektor Urstadt (I. 1. Nr. 859), beehre ich mich, das Folgende ergebenft zu erwidern:

.1. Ministerialdirektor U r ft a 61 wurde am 9. Oktober 1921, als Nachfolger von Dr. Strecker, parlamentarischer Präsident des Landesamts für das Bildungswesen und am 1. April 1922 zum nichtparlamentarischen Ministerialdirektor beim San- besamt für das Bildungswesen bestellt. Nach einem bei meinen Akten befindlichen Ausweis des Städti­schen Wohnungsamts Darmstadt und einer schrift­lichen Bestätigung dieser städtischen Behörde ist Mi­nisterialdirektor Urstadt seit 23. Juni 1922 unter Nr. 9660 B als Wohnungssucher für eine 7-Zimmer-Wohnung vorgemerkt. Eine Wohnung wurde ihm aber bisher niemals ange­boten. Daß er während des Nuhrkonflikts (1923) nicht auf Ueberrocifung einer Wohnung drängte, ge­schah aus Rücksicht auf die zahlreichen Ausgewie- fenen, die untergebracht werden mußten.

In der Zeit, als man von Obcrhesfen nur auf dem großen Umweg über Offenbach und Hanau nach Darmstadt gelangen konnte, und dann in der Inflationszeit waren Lehrer, Eltern und andere Staatsbürger, die Anliegen an das Landesamt für das Bildungswesen hatten, sehr froh, daß Ministc-

riqlöireftor Urstadt fast jeden Sonntag in Gießen zu sprechen war und ihnen dadurch mühsame und kostspielige Reisen nach Darmstadt ersparte. Er hatte von 111 Uhr und ort auch nachmittags jedesmal h10 Besuche. Diese Einrichtung hat er bis jetzt bei­nhalten.

'Nicht nur seine Sonntage bat Ministerialdirek­tor Urstadt zum Teil geopfert, sondern auch in Gie­ßen und anderen Orten Oberhessens ohne Berech­nung von Tagegeldern und Uebernachtungskosten zahlreiche Dienstgejchäfte erledigt.

Bei der Zuteilung von Wohnungen in den neu erbauten Beamtenhäusern übte Ministe- rialbireftor Urftabt ebenfalls Zurückhaltung, die sicherlich von den sehr zahlreichen anderen Bewer- bern gant anders beurteilt wird, als cs anscheinend in der obigen Anfrage geschieht. Eine dem L.»bes­amt für das Bildung, wesen zugestandcne 6-Zi: u er° Wohnung wurde beispielsweise einem ausgewiesenen Cberldjulrut »geteilt. Auch die Berufung von Pro- fefforen ber Technischen Hochschule machte solche Zu- rückhattuna notwendig, denn die Herren nehmen einen Ruf meistens nur an, wenn ihnen baldige Zuteilung einer Wohnung zuaesichert wird.

Ein Tausch feiner Gießener W o h - nung gegen eine Darmstädter konnte zunächst nicht in Betracht kommen, weil die hochbelagie Adoptiv- mutter seiner Frau vertraglich da-.- Recht auf be­stimmte Zimmer hatte, und weil schwer leidend nicht mit nach Darmstadt hätte überziehen können. Mit ihrem Tobe ist nunmehr ein etwaiger Wohnungstausch ernstlich ins Auge gefaßt.

Es ist also nicht richtig, baß Mintstcrialdirektor Urftabt

a) in Darmftabt längst eine angemessene Woh­nung hätte zugewiesen werben können.

Es ist auch nicht richtig, baß

b) anberen Beamten bie Aufwanbsentfchäbigung für Führung doppelten Haushalts tnfogen wird, sobald ihnen eine auch nur notdürftig ausreichende Wohnung nachgewiefcn werden kann. Die Aufwandsentschädigung fällt erst fort, wenn sie bie Wohnung wirklich bezogen haben. Recht oft wirb bie nachgewiesene Woh­nung als ungeeignet abgelehnt. 'Slinirterial- bireltor Urftabt ist übrigens nicht ber einzige berhöchsten Beamten", bem in den zurück- liegenden Jahren Aufwandsentschädigung f;r Führung doppelten Haushalts infolge ber Umstände gezahlt werden mußte. Wie andere Beamte würde auch Ministerialdirektor Ur» stabt gerne schon längst auf Auswandsent- schödigung verzichtet haben, wenn er nur um­ziehen unb bie Vereinigung mit seiner Fa- milie hätte Herstellen können. Bei bem bis­herigen Umstand bringt er Opfer, nicht nur an Bequemlichkeit, Gesundheit und fcelifd'cr Be­friedigung, sondern auch an Geld. Die Auf­wandsentschädigung deckt bei weitem nicht seine Mehrausgaben.

Die Aufwandsentschädigung des Mi­nisterialdirektors Urstadt erfolgt nicht nur unter genauer Beachtung der für die Gewährung von Aufwandsentschädigungen bestehenden Bestimmun­gen, sondern sie bleibt wesentlich unter den nach diesen Bestimmungen zulässigen Beträgen.

So kann z. B. nach dem Schreiben des Mini- fteriums der Finanzen vom 15. Februar 1923 Nr. F. M. I. Li. 9017 die Aufwandsentschädi­gung bei Beurlaubung ober bei Abwesenheit vom Dienstort bem Beamten bis zur Dauer von drei Tagen voll belassen werden. Ministerialdirektor Ur- stabt hat auf diese Vergünstigung verzichtet und er­hält Aufwandsentschädigung nur für die Tag, an welchen er in Darmftabt ununterbrochen anwesend ist. Er hat auf diese Weise im Kalenderjahr 1924 an 93 iaaen und im Kalenderjahr 1925 bis 1. Dezem­ber 1925 an 89 Tagen keine Entschädigung erhalten.

Ferner hat Ministerialdirektor Urftabt nach dem Rundschreiben des Reichsministers ber Finanzen vom 27. August 1924 Nr. I. B. 18 133 - (Reichs- befolbungsblatt von 1924, S. 278) währenb ber Dauer seiner Abwesenheit vom Dicnftort außer ber für bie vorgenannten ersten 3 Tage zu zahlenden vollen Entschädigung für bie weitere Zeit ber Ab­wesenheit bie für bie Beibehaltung ber Wohnung am Dicnftort erwachscnben tatsächlichen Auslagen

Weihnacht im Süden.

Don Gustav W. Eberlein, Rom.

Auf die Frage nach den ortsüblichen Weih- nachtsgeb: buchen anttrortet der Römer kurz und bestimmt, mit einer gewissen beschleunigten Mund- wässcrigkeit.Aal, Kapaun, Kuchen."

Das gilt, mit einigen lokalen Schattierungen und Zutaten, für ganz Italien. Mit Essen, Trinken und Lärm feiert ber Südländer alle Feste und die Quantität der natürlichen Lust­barkeit ist der beste Wertmesser für die Bedeu- tung des Tages. Je weiter wir uns von der Ratur entfernen, um so mehr öffnet sich das Reich der Seele, um so stiller, verinnerlichter wird in Weihestunden der Jubel. Man konnte auch vielleicht Ratur mit Kindheit gleichfetzen und dann versteht man noch leichter, warum den Kindern des Südens und der Sonne das Sieges­fest des Lichtes weniger zu sagen hat als uns in Frost und Schnee Erwachsenen. 3e weiter nach Süden, desto hoher und heiterer der Him­mel, desto weniger Bedürfnis nach einer heime- ligen, auch von innerlicher Wärme durchschwing- len Stube.

Ist es nicht so, daß wir erschüttert schauen in den Schein der Kerzen, während die Kinder Lärm machen und nach guten Dingen greifen? Wo der tiefere Sinn steckt, der Südländer fragt nicht und brauch nicht danach zu fragen, er auf jeden Fall ist der Beschenkte. Ergo bibamus...

Das nordische Christ Und mag wissen, wo alle die Aale Herkommen. Das glitzert und glitschert, als sei an Ort und Stelle, gleich auf dem Marktplatz selber der große Fischzug erfolgt. So stürmisch ist der Andrang der einkaufenden Familienväter, (in Italien geht der Herr zu Markt, wie er auch die Ehre, in der Oeffent» lichkeit die Kinder hüten zu dürfen, für sich in Anspruch nimmt), daß die Stände und Duden die ganze Rächt hindurch feilbieten, Unb bis zu den Knien sitzen die Geflügelverkäuser in den abgerichften Federn. Unb zu Bergen türmen sich ine Riesen bomben des panettone, deä tra- dionellen Kuchens, einer Art Gugelhops, der sich besonders von Mailand aus in Lawinen über die Halbinsel ergießt. Es wäre aber ungerecht, zu behaupten, das ganze Lebensmittelgebirge werde an einem Tage vertilgt, o nein, so aske­tisch darf man Weihnachten nicht feiern. Der fest frohe Röömer will nicht nur am 25. Dezember fein Huhn im Topfe haben, sondern jeden Tag, bis zur Defana, am 6. Januar. So lange dauert doch die angenehme Angelegenheit!

So lange sagen daher auch bie Tannenbäume auf den Straßen: Rimm mich mit! Etwas fremb nehmen sie sich ja aus, importiert, man wußte es bisher gar nicht anders, als daß sie wie andere exotische Gewächse auch mit bem Wurzel- ballen verkauft werden. Wer einen G irten hatte, konnte sie nach dem Fest einpflanzen und in ber Sonnenglut eingehen sehen wie Palmen in Lon­doner Gasthofkübeln. Daher sind findige deutsche Köpfe auf den Einfall gekommen, einen Teil des Schwarzwalds kurzerhand nach Rom auf das Pflaster zu verpflanzen, ohne Wurzeln. Die Christbnumstäi'der aber fehlen noch. Gott, was tut's! Die Papierrvsen und Orangen, die man dranhängt, trägt auch ein krumm stehender Daum. Unendlich geschmacklos steht so mancher Sproß nordischer Waldesherrlichkeit nun zwischen Trich­tergrammophon unb unsagbaren Hausgreueln. Waldwcben und Weih n acht swe bat, der Italiener, der blindlings alles abholzt und jeden Buchfink niederknallt, versteht es nicht. Er hat das nicht, was wir ein gemütliches Hcim nennen, er kehrt dem Christbaum also bald den Rücken und geht aus Was soll man in der Ofleria oder bei Bekannten anderes tun als gut essen unb trinken?

Tombola spielen! Vier Familien tun sich in der Regel bazu zusammen. Außerbem gibt es große Tombrla und Glückshäfen bei ben zahl­reichen öffentlichen Weihnachtsfeiern ber Wvhl- tätigkeitsvereine. Unb auch die vielen, vielen Krippen in den Kirchen locken zum Aus­gang. Die Kinder springen bie riesige Frei­treppe zu Santa Maria Aracoeli hinauf und halten dort von einer Kanzel aus Ansprachen an bas wundertätige Dimbo, bas santissimo bambino.

Unb bann werben im Lateran bie Kopse der Apostelfürsten ausgestellt unb bann kommt Sylvester und erklingt ber ambrosianische Lob­gesang und bann capodanno, Reujahr unb schließlich die Defana! Die Defana, bie erst ist das richtige Weihnachtsfest ber Kinder, mit un­zähligen Geschenkbuden unb einem unübertreff­lichen Lärm auf ber uralten, zirkush.'.ften Piazza Ravona. Da werden bie Zuckerstengel vor aller Augen aus bunten Fladen gedreht, da gibt es alle Reuerungen der französischen und deut chen Weihnachtssitten, bie man zu ben heimischen hinzugenommen hat, um bie Sache in die Lange 8U ^Das" kirchliche Rom aber wird den Weih­nachtsabend dieses Jahres mit strahlendem Glanz unb historischem Zeremoniell feiern: am 24. De­zember steigt der Papst in bie Petersktrche herab

unb schließt bie heilige Türe. Das heilige Jahr ist zu Enbe. Wer wirb es sein, ber nach 25 Jahren bie kostbare Kelle vertauscht mit dem öffnenben Hammer?

Puppen und Puppenstuben.

In biefer Weihnachtszeit wirb bie Puppe toicber zur Heldin des Tages unb fügt ein neues Kapitel ihrer uralten Geschichte hinzu, bie zu- rückführt bis zu ben prähistorischen Gräbern, in denen man steife, primitive Figürchen ge- funben hat, bie man kaum anbers beuten kann, als als Spielzeug der bamaligen Kinder. Puppen finden sich überall, wo Zeugnisse alter Vergan­genheit wieder ans Tageslicht kommen: beson­ders reich sind die ägyptischen Altertümer-Samm- lungen an reizenden Puppen, aus bem alten Indien haben sich elfenbeinerne Figürchen ge­funden, aus dem Athen des Perikies klassische Tonpuppen, die sogar bewegliche Arme und Deine hatten, und die Puppen der Römerinnen waren so wichtig, daß sie von ihren D.'siherinnen, wenn sie den Kinderschuhen entwuchsen, als Weihgabe am Altar ber Venus niebergetegt würben. Unb doch beginnt bie eigentliche Puppenherrschaft erst mit ber deutschenDocke", der schöne alte deutsche Raine hat sich leider nicht gegen das aus bem Lateinischen stammende Puppe behaupten tonnen. Die Docke war im Mittelalter das Hauptspielzeug für Knaben unb Mädchen; es gab Dockenhansel, Dockengäule, Dockenstuben und wohlschmeckende Pfefferdocken. Auf einer Minia­tur desLustgartens" ber Aeb.isfin Herrad von ßanbsbcrg finden wir die älteste Darstellung deutscher Puppen; zwei Knaben halten hier zwei geharnischte Gliederpuppen an Schnüren und lassen sie miteinander fechten. Gewiß waren solche beweglichen Ritter nur Spielzeug für die Kinder reicher Leute, während sich die einfachen Dürger mit weniger kostbaren Puppen begnügen mußten, solch billiges Spielzeug ist uns aus dem 14. Jahrhundert in Nürnberg, das schon damals als berühmte Spielzeugstadt seine Erzeugnisse in ferne Gegenden versandte, erhalten geblieben; hier wurden um 1860 unter bem Pflaster zahl­reiche aus Ton gebrannte Figürchen gefunden, Puppen, Wickelkinder, Reiter unb Puppenge­schirr, bie in ihren Formen ben heutigen Sonne­berger Spielpuppen aus Holz sehr ähnlich sinb. Manche Puppen haben in ber Drust eine kreis- runbe Vertiefung, in bie wohl von freundlichen Spendern ein Patenpfennig gelegt werden sollte. Bereits 1400 findet man Dockenmnck^- in b-m. Nürnberger Urla... .. , -- .....

brief der jungen Margareta Schleicher, bie sich 1584 von ihrem Vater als Reisegeschenk eine Tlürnb.-rgcr Kronbraut" erbittet läßt erken­nen, welcher Luxus sich mit ber Zeit entwickelt hatte, denn hier handelt es sich augenscheinlich um eine mit ber Brautkrone geschmückte Puppe in ber reichen Tracht ber Patrizierin.

Für biese vornehmen kleinen Herrschiften brauchte man natürlich auch bie entsprechende Ausstattung, und viele Berichte zeigen, daß da­mit ein erstaunlicher Luxus getri:b.n wurde. Kur­fürst August von Sachsen schenkte 1572 zu Weih­nachten seinen beiden Töchtern, die 5 und 10 Jahre alt waren, eine P^ppenküch?, die allein an Zinngeschirr 71 Schüsseln, 40 Bratente'Ier, 36 Lössel, 106 Teller. 28 Eierschüsseln auswi?s; dazu kamen als Einrichtung Tische, Stühle, Schränke, eine Wiege aus Draht. Rähkissen, Badewanne, Barbieroecken, Schrnbzeuge und ein kleiner Hühnerhof. Aber auch der Hinweise auf ben Ernst des Lebens fehlte es nicht, denn die Küche war auch mit zwei Ruten ausgestattet, die sicher nicht nur zum Staat dahinten. Aus Puppenstuben wurden gan e Puppe- s r. bie sich zu wirklichen Kunstwerken von kulturgeschicht­lichem Wert entwickelten Da wurden auch die kleinsten Kleinigkeiten en miniaturc nach' b.loet. Ein Dockenhaus, das Herzog Albrecht IV. von Bayern bauen lieh, kennen wir in s.i er Einrich­tung noch aus den Hofkammer-Rechnungen. Es war eine richtige fürstliche Residenz mit 4 Stock­werken, die im Parterre n?ben ben Ställen auch den Weinkeller unb das Warenhaus, im ersten Stock einen Hof und Baumgarten mit einem aus- gemalten Gartensaal, dann einen kostbar deko­rierten Tanzsaal, in dem gerade ein Puppenball stattsand, unb im oberen Stock einen kirchlichen Raum mit vollständiger Einrichtung, mit Geist­lichen unb Musikern enthielt. Die Wände waren mit reichgeschmückten Tapeten bchängt, silberne Truhen standen in den Zimmern, unb mit Lein­wand gefüllte Schränke. Solche Puppenhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts sind in verschie­denen Museen erhalten, besonders im Germa­nischen Museum. Das eigenartigste unter die­sen Häuschen, bie ein getreues Aböild der gro­ßen Wohnungen boten, ist ein Dockenhaus, bas Anna Köferlin 1631, also mitten in ben Wirren bes Dreißigjährigen Krieges, Herstellen lieh; es war belonbers reich mit Musikinstrumenten und einer Bibliothek ausgestattet, alle bie Wunder, die es enthielt, wurden in einem Flugblatt ge­nau ausgezählt. Auch die Anziehpuppen sind im 17. Jahrhundert aufgekommen.