Ausgabe 
23.12.1925
 
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Die Nsichsgarantie für Stickstoffwechfel.

Berlin, 22. Dez. (TU.) Zu dem Beschluß des Haushaltsausschusses des Reichs­tages, einem zu bildenden Dankenlonsortiurn ge­genüber für S t i ck st o f s w e ch f e l, die non jetzt an bis zum Ende des Düngerjahres ausgenommen werden, eine Ausfallgarantie des Rei­ches bis zur Höhe von 20 Millionen Reichsmark ?,u schaffen, wird folgendes mitgeteilt: Der Spick­st offabsah erfolgt zu ungefähr gleichen Teilen durch die landwirtschaftlichen Bezugs- und Abiah- organisationen, insbesondere die Genossenschaften einerseits und durch den Düngemittelhandel an­dererseits. Angesichts der starken kurzfristigen Verschuldung der Landwirtschaft war es das Bestreben der Reichsregierung, Vorsorge zu treffen, daß Dechselverbindlichteiten aus dem Bezug von Dünger für die Frühjahrsbestellung nicht bereits nach drei Monaten fällig werden, sondern deren Bezahlung bis nach der neuen Ernte oufgeschoben werden kann.

Soweit der Bezug durch die landwirtschaft­lichen Organisationen geschieht, erfolgt die Fi­nanzierung in der Hauptsache durch diePreustische Zentralgenossenschaftskasse, die neue Dünger­wechsel bis nach der nächsten Ernte prolongierte. Soweit der Bezug von Stickstoff durch den Handel erfolgt, mußte ein neuer Weg gefunden werden, um die Prolongation der Wechsel zu sichern. Cs find Verhandlungen mit einem Dankenkon - fortium angebahnt, mit dem Ziele, dah dieses Konsortium die Prolongation der über den Dün­gerhandel laufenden Wechsel bis zur nächsten Ernte übernimmt. DaS Konsortium ist aber nach den geführten Verhandlungen nur dann bereit, diese Aufgabe durchzuführen. wenn ihm eine A u S f a l l g a r a n 1 i e in bestimmter Höhe ge­geben wird. Diese Garantie soll nach dem vom HaushaltsauSschuh des Reichstages gefaßten Be­schlüsse vom Reich in Verbindung mit dem S tickstosfshndikat übernommen werden. Cs handelt sich also bei diesem Beschluß des Haus­haltsausschusses lediglich darum, die Prolongie­rung der neuen Stickstoffwechsel bis zur nächsten Ernte zu sichern. Eine Garantie für den einzelnen Bezieher oder Händler wird dadurch, wie auch im Haushaltsausschuh des Reichstages zum Ausdruck gebracht wurde, nicht übernommen.

Gin neuer Fememord?

Berlin, 22. Dez. (Abendblatt.) Das Acht- Uhr-Abendblatt berichtet aus Frankfurt an der Oder von einem neuen Fememord. Es handelt sich um den Wachtmeister Willy L e g n e r . der seit rund zwei Oahren verschwunden ist. Zwei Kriminalkommissare der Berliner politi- tischen Polizei haben in der vorigen Woche in Frankfurt an der Oder ihre Ermittelungen aus­genommen und nunmehr der Mutter Legners, die längere Zeit von fragwürdigen Personen über den Verbleib ihres Sohnes getäuscht worden ist, mitgeteilt, die Polizei sei sich durchaus im klaren darüber, daß Legner einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei; er liege in der Rähe von D ö b e r i tz vergraben. Die Schwester Legners wurde von fremden Personen gewarnt, die Rachforschungen nach ihrem Bruder nicht weiter zu betreiben, sonst würde es ihr und . ihren Kindern schlecht gehen. Auf Anfrage bei der letzten ihr bekannten Dienststelle in 3üter- bog erhielt die Mutter am 11. Dezember d. I. den Bescheid, daß der Sohn im Februar 1923 dem Arbeitskommando der dritten Division ^(Leutnant Schulz) Berlin, Kurfürstenstratze, ^überwiesen worden sei. Schulz ist der zur Zeit in Landsberg an der Warte im Gefängnis sitzende Führer der Fememörder, der kürzlich aus dem Untersuchungsgefängnis auszubrechen versuchte,

Südtiroler Schulelend.

Innsbruck, 22. Dez. (TU.) 3n der Schule in S t. Ulrich-Gröden wurden die Kinder vom Lehrer Adosser ausgesrogt, wie ihre Eltern über Mussolini und den König sprächen. Einige Kinder machten abfällige Bemerkungen. Darauf erstattete der Lehrer Anzeige; die betreffenden Eltern wurden in Ketten abgeführt. 3n verschiedenen Orten Südtirols ist von den italieni­schen Schulinspektoren verfügt worden, dah der neue faszistische Gruß nicht nur in der Schule prattiziert werde, sondern dah auch die Vorgesetzten und Carabinieri auf der Straße in dieser Weise von den Kindern gegrüht werden müssen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident hat den beiden in Südamerika befindlichen Schiffen der Reichs­marine, KreuzerB e r l i n" und Vermessungsschiff M e t e o r", folgenden Glückwunsch gesandt, dem sich der R e i ch s w e h r m i n i st e r uno der Chef der Marineleitung angeschlosscn haben: Zum Weihnachtsfest sende ich den Besatzungen Berlin" undMeteor" und der Deutschen Atlan­tischen Expedition Grüße treu gedenkender Heimat und Wünsche für die weitere erfolgreiche Fahrt! von Hindenburg, Reichspräsident."

Im Laufe des Dienstag haben der Reichs­kanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n für den Weihnachtsurlaub Berlin verlassen; sie werden voraussichtlich erst nach Neujahr zurückkehren. Auch die übrigen Reichs- Minister werden in den nächsten Tagen verreisen. Die Stellvertretung des Reichskanzlers hat, wie schon früher, so auch diesmal der Reichs- wehrmini st er Dr. Geßler übernommen.

Der Finanzausschuß des Hessischen Land- ta g s wird Mitte Januar zusammentreten, um den jetzt fertiggestellten Staatsooranschlag für 1926 zu beraten. Das am 12. Januar zusammentretende Landtagsplenum wird voraussichlllch nur eine Woche lang tagen.

Der Höchstkommandierende der italienischen Ar­mee, General M o n t u o r i, wellte vor einigen Tagen in Darmstadt, wobei er u. a. dem hessi­schen Innenminister von Brentano einen Be­such abstattete und ihm gleichzeitig auch feine Glück­wünsche aus Anlaß seines 70. Geburtstags aus- drückte.

*

Nach einer Meldung aus Tokio ist der Kai­ser von Japan an einer Gehirnentzündung schwer erkrankt.

Die englische Regierung, die nach deut­schem Beispiel gleichfalls eine Veröffent­

lichung aus ihren Vorkriegsarchiven zur Geschichte des Weltkrieges beschlossen hat, will die erften Bände noch vor Jahresschluß erscheinen lassen. Sie werden aber nur die Tage vom 28. Juli bis zum -1. August 1914 umfassen. Die Herausgabe erfolgt durch Professor Morley.

Kunst und Wissenschaft.

Das Jubilänmskttnftinftitnt der Universität Marburg.

Marburg, 22. Dez. Der Vorsitzende des Ar­beitsausschusses für die Jubiläumsgabe zur Vier­hundertjahrfeier der Universität Marburg, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Troeltsch, teilt mit: Mehrere Blätter innerhalb und außerhalb der Provinz Hessen-Nassau halten kürzlich die Mit­teilung gebracht, daß die von dem Herrn Finanz­minister zur Begutachtung des von der Hochbau- abtellung seines Ministeriums ausgearbeiteten Bauen t wii rfe s ungerufene preußische Aka­demie des Bauwesens zu einer vernichten­den Ablehnung des Entwurfes gelangt fei. Diese Nachricht ist unzutreffend und vielmehr folgende richtig: Die Akademie hatte zur Vorberei­tung ihrer Entschließung aus ihrem Kollegium einen Ausschuß gebildet, der aus folgenden drei nichtbeamteten Architekten: Bielenberg- Ber­lin, Professor B l u n ck - Berlin und Professor G e ß n e r - Berlin sowie aus dem gleichfalls nicht zum Finanzministerium gehörigen Gencralkonfer- vator der Kunstdenkmäler in Preußen, Ministe­rialrat Hiecke vom Kultusministerium in Berlin, bestand. Dieser Ausschuß entsandte die Herren Bielenberg und Geßner nach Marburg, um sich auch durch Inaugenscheinnahme des Bauplatzes und seiner Umgebung sowie des Stadtbildes zuverlässige Unterlagen für die Beurteilung zu verschaffen.

Rach ihrer Rückkehr nach Berlin hat die Akademie einige Anregungen zur Abände­rung des Entwurfes gegeben. Diesen Anre­gungen hat die Hvchbauabteilung des Finanz­ministeriums entsprochen und einen drmgemäß abgeänderten Entwurf der Akademie vvrgelegt. Die Akademie hat darauf diesem ab­änderten Entwürfe einstimmig ihre Zu­stimmung erteilt. Das schriflliche Gutachten der Akademie, sowie der Entwurf sind bereits in Marburg eingetroffen und werden dem Ar­beitsausschuß für die 3ubiläumsgabe zur 400- 3ahrfeier der Universität Marburg vorgelegt werden. Rdan hofft, alsbald mit der Bauaus­führung beginnen zu können, damit diese groß­zügige Schöpfung des 3ubiläumSkunstinstituts noch rechtzeitig zur 4003ahrfeier der Univer­sität im 3uli 1927 fertiggestellt werden kann.

Eia echter Rubens entdeckt.

Dec Direktor der Kunstsammlungen des sächsischen Königshauses hat im Privat- besitz des ehemaligen Königs von Sachsen das llrbild destruntenen Herkules" von Rubens aufgefunden. Das Bild wurde bis­her als Kopie des in der Dresdner Galerie hängendentrunkenen Herkules" angesehen. 3n Wiälichkett ist indessen das Galeriebild eine Werkstattwiederholung. Das jetzt wieterentdeckte Original im Besitze des ehemaligen Königs ist auf Holz gemalt und wird als ein sehr gut erhaltenes Werl dsS niederländischen Meisters bezeichnet.*

(Ein Borschenschaflerdrama.

Die große Zeit vor hundert 3ahren, da die deutsche Burschenschaft gegründet wurde, um für die Einheit und Frecheit Deutschlands zu kämpfen, hat Karl Reurath zum Vorwurf eines neuen Dramas benutzt, das er unter dem Titel F r e i h e i t s st u r m" soeben vollendet hat. 3m Mittelpunkt der Handlung steht der 3enenser Privatdozent Karl Folien, ein geborener Ober- Hesse, der feurige Künder eines neuen freiheit­lichen Staates, und sein Freund Karl Sand, der Mörder Kotzebues, dessen Schicksal den Hinter­grund des starkbewegten Dramas bildet. Das von Karl Reurath behandelte Thema dürfte um so interessanter sein, als diese stürmisch bewegte Zeit mit unserer Gegenwart sehr viel gemein hat.

Zahnärzte und Zahntechniker.

Zwischen den Organisationen der deutschen Zahnärzte und der Zahntechniker fanden auf Ein­ladung des Wohlsahrtsrninisteriurns Einigungs- Verhandlungen statt, die die Schaffung eines ein­heitlichen Zahnärzteverbandes auf akademischer Grundlage zum Ziele hatten. Die Verhandlun­gen führten zu einem Tlebereinkommen, das unter gewissen Bedingungen die Approbation von Zahntechnikern als Zahnärzte vorsieht. Gegen den Boykott der deutschen Wissenschaft.

Anläßlich des Besuches amerikanischer und Pariser Aerzte in Deutschland faßte die medi­zinische Fakultät der Universität Berlin einen Beschluß, worin sie sich auf den Standpunkt stellt, daß ein offizieller Verkehr mit wissenschaftlichen Vereinigungen von ehemals feindlichen Staaten solange unmöglich ist, w'e der Ausschluß der deutschen Sprache sowie der deutschen und österreichischen Gelehrten besteht.

Das Analphabetentum in Buhlen .

Das Kommissariat für TlnterrichtswZen ver­öffentlicht interessante statistische Datcn über das Analphabetentum In Rußland. Die Zahl der Kinder, die Schulen besuchen, beträgt 8 Mil­lionen, von diesen sind 6 Millionen Dolksschul- besucher. 3m ganzen besuchen nur 59 Prozent der schulpflichtigen Kinder die Schulen. Daraus geht hervor, daß die Zahl der Analphabeten fortwährend wächst. 3n die Mittelschulen gehen etwa 1 Million Schüler, etwa 400 000 in tech­nische Schulen mit Mittelschulcharalter. Die Hochschulen werden von 171 000 Hörern besucht, während 1 210 000 Schüler die Schulen zur Be­seitigung des Analphabetentums besuchen.

Aus aller Welt.

Fast eine Million Rundfunkteilnehmer.

Die Zahl der deutschen Rundfunkteilnehmer hat am 1. Dezember wieder erheblich zuge­nommen, und zwar in sämtlichen Sendebereichen, insbesondere auch durch die Freigabe des Rundfunks im besetzten Gebiet. Die Gesamtzahl der am 1. Dezember ongemeldeten Hörer beträgt genau 966 804, der Zuwachs im Rovember also 53 028, das sind täglich 1768 Reuanmeldungen.

Das Ende deS Postillions.

Am ersten Weihnachtsfeiertage werden sämtliche Berliner Pferdep ost- wagen durch Kraftwagen ersetzt sein. Am diesem Ereignis einen äußeren Ausdruck

zu geben, wird sich ein Zug von 30 blumen­geschmückten Pferdegespannen von dem Packet- Postamt in der Scharnhorststraße nach dem Post­fahramt begeben. Die Postillone werden in ihrer alten Tracht kutschieren. Am Postfahramt wird der Zug von Vertretern des Reichspostministe­riums abgenommen werden. Auch wird dort zum letzten Male daöLied des Postillons" auf dem alten Posthorn ertönen.

Sic Schneeberhältnisse im Schwarzwald.

Der in den letzten Tagen eingetretene Wandel in der Witterung, in der Hauptsache hervorge­rufen durch warme Fönluft, hat die Verhältnisse für den Wintersport im Schwarzwald ungün- st i g beeinflußt. 3n den niederen Lagen fällt Regen, in den höheren Lagen nasser Schnee, so daß die Slibahnen schlecht befahr­bar sind. Der Feldberg meldet eine Schneehöhe von über einem Meter, aber schlechte Ski­bahnen. Auch von den anderen Wintersport- Plätzen gehen keine günstigen Rachrichten ein, jedoch rechnet man mit einer Aenderung der Wit­terung und dem Eintritt neuen Schneefalles.

Festnahme des Kölner TNuseumsdiebes.

In Paris ist der Kölner Handelsangestellte Fritz Reinberger festgenommen worden, als er den Versuch machte, das am 28. Februar von ihm im Kölner Wallraff-Richartz-Museum gestohlene, Bartholomeo zugeschriebene Ge­mäldeDie Madonna mit dem Kinde" an einen Amerikaner für 300 000 Franken zu verkaufen. Reinberger ist geständig; er ist bis zu feiner Aus­lieferung an die Gerichtsbehörden in Köln ins Ge­fängnis eingeliefert worden.

Boni Zuge zermalmt.

Dienstag nachmittag wurden non dem Stral­sundBerliner Personenzug zwischen Stargard (Mecklenburg) zwei polnische Schnitter überfahren, die vermutlich im Schneesturm auf Las Bahngleise geraten waren. Dem einen Schnitter wurden beide Beine abgefahren. Der zweite Schnitter scheint sofort getötet zu sein. Die völlig verstümmelte Leiche wurde durch Zufall erst beim Halten des Zuges auf dem Neu-Strelitzer Bahnbof durch das Lokomotivperfonal entdeckt. Der Körper war unterhalb des Lokomotivkeffels eingeklemmt und konnte nur mit größter Mühe entfernt werden.

Durch ausfirömende Gase vergiftet.

In der Wohnung eines Arbeiters in Eisum wurden sämtliche Familienmitglieder gestern nacht in dem gemeinsamen Schlafzimmer durch Gas ver­giftet, das einem mit brennenden Briketts gefüllten Behälter entströmt war. Der 73jährige Ehemann ist bereits geftorben, während der Zustand feiner Ehefrau besorgniserregend ist. Auch ein zwölfjähri­ger Junge, der gleichfalls im Schlafraum über­nachtete, ist geftoroen.

Verbrüht.

3n einer (panischen Eisengießerei stürzte ein mit siedendem Wasser gefüllter Kessel auf acht in demselben Raum befindliche Arbeiter, die so schwer verbrüht tourten, daß sie bald daraus terft arten.

Tragisches Ende einer Paddelboot-Weltreise.

Der waghalsige Versuch des Deutschameri­kaners R ö h r l e, eine Weltreise in dem Paddel­boot zu unternehmen, entete mit dem Unter* gang des Reifenden. Röhrle befand sich auf dem Wege über Boston nach Reuhork. Bei einem plötzlich einsehenden schweren Sturm kenterte das Doot und Röhrle ertrank. Seine Leiche wurde bei St. Leonard an Land, gespült.

Jugendlicher Lebensretter.

Am Bahnhof in Llnterbalbach (Franken) fuhr die drei 3ahre alte Anna Rüdel mit dem Schlit­ten den Bahndamm hinab und dabei in die Tauber. Sie wurde schon von der Strö­mung fortgerissen, als auf das Geschrei des Schwesterchens der herbeieilende 14jährige Fritz Klumpp kurz entschlossen nachsprang und die Kleine vor dem Tote des Ertrinkens rettete.

verprügelte Separatisten.

In Sobemheim tauchten vier jener käuf­lichen Subjekte, die während der Separatistenzeit in französischem Solde standen und damals die Be­völkerung brandschatzten und bedrückten, plötzlich als Hausierer wieder auf in der Erwartung, daß ihre Schandtaten vergessen seien, und daß Gros dar­über gewachsen sei. Die Burschen würden wie­dererkannt und erhielten ihre Belohnung in einer derartigen Art, daß die Polizei sie in Schutzhaft nehmen und mit der Bahn abtransportieren mußte.

Ein weiblicher Kommerzienrat in Oesterreich.

Der österreichische Bundespräsident Hainich hat der 77jährigen Vorsteherin der Genossenschaft der Modistinnen und Modisten, Frau Ottilie Wagner, den Titel eines Kommerzialrates verliehen, der dem deutschen Kommerzienrat ent­spricht.

Weihnachtslotterie in Spanien.

Tanz Spanien stand Dienstag unter dem Eindruck der Weihnachtslotterie. Lau sprecher ver­kündeten die Gewinnummern auf den Plätzen Madrids. Der Hauptgewinn in Höhe von 15 Mil­lionen Peseten entfiel auf ein Los, das in 20 Teilen gespielt wurde. Außer einem Bankbeamten und zwei Antiquaren sind die Gewinner arme Leute Br>:sträger, Kohlenschipper, Kastanienver- käuferinnen und Kellner im Palasthvtel. Den siebenten Gewinn in Höhe von 1 Million Peseten, gewannen Madrider Modistinnen.

Wettervoraussage.

Ruhiger, leichter Nachtfrost, noch einzelne Nie­derschläge (teils Schnee), nördliche, später wieder südliche Winde.

Der Kern des Sturmwirbels, der unsere Wetter­lage beherrscht, ist von der Bretagne über den Kanal nach Jütland gezogen und schlägt nordöstliche Zug­richtung ein. Wir gelungen allmählich aus seinem Niederschlagsgebiet heraus auf feinen Rücken, auf dem nördliche Winde südwärts vorstoßen. Jedoch ist eine stabile Wetterlage noch nicht gesichert, da west­lich von Irland ein neuer Wirbel erscheint. Bei wechselnden Zuströmen von kälterer und westlicher Luft dürste der Witterungscharakter weiter oer- ändettich bleiben.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8,4 Grad Celsius, Minimum 4,6 Grad Celsius. Niederschläge 2,5 Millimeter. Heutige Morgcntemperatur 6,2 Grad Celsius.

2111$ der Provinzialhauptstadt.

Gießen, ten 23. Dez«nber 1925.

Zur Ablösung der öffentlichen Anleihen.

Amtlich wird mitgeteilt: Zahlreiche Per­sonen teten vor dem Kriege, während des Krie­ges und auch nach Kriegsb-endigung Geld in An­leihen des Reichs oder in solche der Länder angelegt, sich aber die Anlrihewcrtpapiere nicht aushändigen, sondern ihre Forderung in das Reichsschuldbuch oder ein Schuldbuch der Lander eintragen lassen, lieber die erfolgte Eintragung ist dem Gläubiger von ter betreffenden Schuld­buchverwaltung seinerzeit eine Benachrichtigung erteilt Worten, aus der zu ersehen ist. wann die Eintragung in das Schuldbuch erfolgt ist. Ist sie vor dem 1. 3uli 1920 geschehen, so braucht sich der Gläubiger, ter dann sogenannter,Alt- besitzer' ist, um nicktts zu Tufltmern. Seine Schuldbuchforderung der alten TNlrlanleihen wird von Amts wegen, also ohne sein Zutun, in eine Buchforderung ter neuen An- leiheablösungsschuld umgewantelt. Ebenso wer­den ihm von Amts wegen die mit dieser Forde­rung verbundenen AuSIofungsrechte gesichert. So­bald dieser älmtausch von ter Reichsschulden­verwaltung bewirkt ist, erhält ter Gläubiger hierüber eine Benachrichtigung. Bei der gro­ßen Zahl ter Schuldbuchsorterungen erstreckt sich die Ämtauschtätigkeit voraussichtlich bis in den Sommer 1926, sodaß sich die Schuldbuchgläubiger nicht zu beunruhigen brauchen, wenn sie in der nächsten Zeit' noch feine Benachrichtigung er­halten. Schreiten an die Reichsschuldenverwal­tung, welche nicht auS ganz besonderen Anlässen dringend notwendig sind, find daher zwecklos und im 3nteresse der schnellen Erledigung ter dieser Behörde zugefallenen umfangreichen Auf­gaben zu unterlassen.

Anträge auf Bewilligung einer Vorzugs­rente find nicht bei ter Reich sschuldenverwal- tung zu stellen, sondern ausschließlich bei der De^irksfürsorgestelle, in deren Bezirk der Antrag­steller wohnt. Rente wird in ter Regel nur te» düftigen, im Inlaute wohnenden reichsdeut­schenAnleihsalttesitzern" bewilligt.

Das Verfahren über Dara bs indung für imi 3nl<mte wohnende bedürftige Reichsdeutsche, welche als Altbesitzer Papiermarkanleihe über weniger als 1000 Mark baten, ist noch nicht geregelt, sodaß diesbezügliche Anträge zur Zeit zwecklos sind. Sobald die Regelung erfolgt ist, werten die Tageszeitungen hierüber Mitteilung machen.

Ein Schuldbuchgläubiger kann aber auch An­leihealtbesitzer sein, obgleich seine Forderung erst n a ch dem 1. 3uli 1920 in ein Schuldbuch des Reichs oder der Länder eingetragen worden ist. 3n diesem Sonderfall muß sich der Gläubiger umgehend an die zuständige Schuld­buchverwaltung wenden und dort unter Vorlage geeigneter Rachweispapiere (Bankaus­weis, Zeichnungsschein usw.) ten 'Beweis erbrin­gen, daß er sein Geld zum Erwerb seiner Schuld- buchforderung dem Reich tezw. dem betr. Staate bereits vor dem 1. 3uli 1920 zur Verfügung gestellt hat oder die Wertpapiere, welche zur Begründung ter Dchuldbuchsorterung gedient ha­ben, bereits vor dem 1. 3uli 1920 besessen hat. Die Frist für dergleichen Rachweise läuft am 2 8. Februar 1926 ab, sodaß später eingehende diesbezügliche Anträge gegenstandslos sind.

Die Neuregelung des Sleuer- ubzugs vom Arbeitslohn.

Durch das neue Gesetz über die Senkung der Lohnsteuer wurde der Steuerabzug vom Arbeitslohn geändert. Die Reurege- Iimg tritt am 1. 3anuar 1926 in Kraft. Der bis­herige steuerfreie Lohubetrag von 960 Mark jähr­lich (80 Am. monatlich) wurde mit Wirkung ab 1. 3anuar 1926 auf 1200 Rm. jährlich (100 Rm. monatlich), also um 240 Rm. jährlich erhöht. Die Erhöhungen verteilen sich wie folgt: Der steuer­freie Lohn betrag im engeren Sinne wird von bis­her 600 Rm. jährlich (50 Rm. monatlich) auf 720 Rm. jährlich (60 Rm. monatlich) und die Sätze für Werbungskosten und Sonderleistungen von bisher je 180 Rm. jährlich (15 Rm. monatlich) auf je 240 Am. jährlich (20 Rm. monatlich) er­höht. Für die Berücksichtigung des Familien­standes findet, wie bisher, eine Verbindung deS Systems der prozentualen Ermäßigungen mit den festen Abzügen statt. Bei ten festen Abzügen für ten Familienstand blieben die Sähe für die Ehefrau und das erste bis dritte minderjährige Kind unverändert, dagegen sind die festen Er­mäßigungssätze für das vierte Kind von bisher 600 Rm. jährlich (50 Rm. monatlich) aus 720 Rm. jährlich (60 Rm. monatlich), für das fünfte und die folgenden minderjährigen Kinder von bisher je 600 Rm. jährlich (50 Rm. monatlich) auf je 860 Rm. jährlich (80 Rm. monatlich) erhöht worden.

Die Arbeitgeber müssen sich schon jetzt auf die Aenderungen einrichten, damit sie in der Lage sind, den Steuerabzug ab 1. 3anuar 1926 richtig zu berechnen. Die Einzelheiten ter Reuregelung ergeben sich au5 tem Merkblatt, das bei den Finanzämtern demnächst unentgeltlich abgeholt werten kann.

Bornotizen.

Tageskalender fürMittwoch: Stabt- theater: 75 UhrBaumeister Solneß" (Ende 10 Uhr).

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Reiche Abwechslung bietet der Spielplan für die Feiertage. Am Frettag, 25. Dezember, wird, dem Charakter des Festtages entsprechend, eine Darbietung ernsteren Charak­ters gebracht, und zwarLanzelot und S a n ö e r e i n nebst temAp ostelspie l". Die Aufführung dieser Werte hat bisher stets einen tiefen Eindruck hinterlassen und ist auch von der Presse aufs wärmste anerkannt worden. Die Vorstellung wird im Abonnement gegeben. Die beiden Vorstellungen des zweiten Feiertags (Samstag, 23. Dez.) werten außer Abonnement aufgeführt. Die angelegten Lustspiele nach­mittagsS am i Ii en ta g und 'abends »Heim- liche Drautfahrt" haben schon bei ten bisherigen Ausführungen ihre außerortenttiche Anziehungskrast erwiesen. Der Sonntag, 27. De­zember, bringt nachmittags die dritte Ausführung tes WeihnachtsmärchensDie Mäuse- königin" oderWie der Wald in die Stadt k a m". Am Abend dieses Tages findet die Erstausführung ter OperetteDas Dorf ohne Glocke" von Eduard Künneke statt. Auf diese Vorstellung, die im Abonnement gegeben wird, sei ganz besonders hingewiesen. Der Kom-