Ausgabe 
23.10.1925
 
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mit den Lurch den Krieg geschwächten Kapitalien der Fremden nicht mehr zu scheuen braucht. Die Benachteiligung der fremden Konkurrenz durch die Erhöhung der Zolle muh zwangsläufig der einheimischen Industrie ganz neue Zrckunftsmöglichkeiten eröffnen. Die chinesische Kausmamischaft sicht den Augenblick gckonunen, die Wirtschaft des Landes auf nationaler Basis neu aufzubauen, und sie macht aus dieser wirt­schaftlichen Chance der nationalen Bewegung durchaus kein Hehl. Beben Rußland war sie es, welche den Boykott dec englischen Daren ge­stützt hat. der. wie die Dinge nun einmal lagen, das einzige Mittel darstellte, um die fremden Mächte zum Einlenken zu bewegen.

Die Instruktionen, welche die Vertreter Japans und Amerikas für die Peking- konferenz erhielten, lauten auf möglichstes Entgegenkommen auch in den Fragen, welche auf der Konferenz von Washington nod) nicht zur Diskussion gestanden haben. Beide Län­der haben guten Grimd, sich als Freunde Chinas zu zeigen und hoffen aus ihrer Nachgiebigkeit Vorteile für ihre chinesische Durchdringungs- Politik zu ziehen. Englands Standpunkt in der Chinafrage hat Cl>amberlain bei der Ver­abschiedung des englischen Gesandten für Peking Sir Ronald Marleah in der ..China-Association" offiziell zum Ausdruck gebracht.Wir sind bereit. China auf halbem Weg enigegenzu- kommen. Voraussetzung hierfür ist. Last eine Atmosphäre beiderseitigen guten Willens ge­schaffen wird, die vorläufig eine fremde Macht (gemeint ist Japan) noch geschickt zu hinter­treiben versteht. Zugeständnisse können wir nur machen, wenn in China der innere Friede und die Einigkeit wiederhergestellt werden, und eine durch­greifende Zentralgewalt imstande ist. die über­nommenen Verpflichtungen zu erfüllen, und für Leben und Sicherheit zu sorgen, die heute noch durch die bestehenden Verträge gewährleistet sind."

Diese Zugeständnisse knüpfen vorläufig an unerfüllbare Bedingungen an. und die chinesischen Generale bemühen sich, den Beweis von der mangelnden Zentralgewalt vor aller Welt wieder einmal . zu erbringen. Die Kantonesen sind in die Provinz QJunnon ein­gedrungen. und der plötzlich wieder aufgetauchte Wu-Pei-Fu rückt von den mittleren Vangtsepro- vinzen ostwärts gegen Schanghai vor. Die beiden alten Brandherde Chinas sind wie vor 10 Mo­naten wieder in lustigem Flackern begriffen, und niemand kann sagen, ob nicht auch der Borden wieder ergriffen wird. Das Heranrücken der Zoll- lonferenz ist ohne Zweifel der Anlaß dieser wiedererwachten Kampftätigkeit, denn ein Ge­lingen bedeutet für die glücklichen Schützen einen Goldregen von Zöllen, ben sich keiner der Macht­haber gern entgehen lassen will.

Oberheffen.

Landkreis Gicftcn.

Watzenborn-Steinberg. 21. Oft. Für die diesjährige Gemeinderatswahl ist in unserer Gemeinde voraussichtlich mit zwei Wahlvorfchlägen zu rechnen. Die bürgerlichen Parteien werden sich auf eine Liste, die sich aus Landwirten, Arbeitern und Handwerkern zusammensehen wird, durch eine vorbereitende Kommission einigen. Um sich gegen den Vorwurf eigenmächtigen Handelns zu sichern, hatte die Kommission zu einer nochmaligen Durchsprache dec Angelegenheit zu einer Versammlung im Goldenen Stern" eingeladen. Die Versammlung war nur schwach besucht. Unter diesen Umständen formte die Versammlung auch kein endgültiges Ergebnis zeitigen. Da auch die sozialdemokratische Partei noch einen Wahlvorschlag einreichen wird, wird der Jdealzustand einer Einheitsliste in unserer Gemeinde wohl nie Wirklichkeit werden. Augenblicklich haben die sozialdemokratische Par­tei 8 und die bürgerlichen Parteien -1 Sitze im Gemelnderat.

is. Steinbach, 22. Oft. Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl wurden vom Bauern­bund unter Berücksichtigung des Gewerbes sowie vom^Arbeiterverein je ein Wahlvorschlag cingereicht. Trotzdem hier schon mehrmals Wäschediebstähle vorkamen, wird immer noch nachts solche leicht­sinnig in Gärten hängen gelassen. So wurden in den letzten Tagen wieder aus verschiedenen Gärten die besten Stücke gestohlen, während überall die alten Sachen hängen blieben. Die Bautätigkeit war in diesem Jahr in unserer Gemeinde recht rege, sieben neue Wohnhäuser wurden gebaut und zum Teil schon bezogen. Außerdem wurden in vielen Hofreiten Verbesserungen vorgenommen, so daß ein großer Teil Bauhandwerker dauernd Ar­beit finden konnte.

: Aus dem Busecker Tal, 22. Oki. Die in den letzten Monaten recht ungewöhnliche Witterung, die auf den naßkalten Spätsommer einige sommerlich heiße Herbstwochen folgen ließ, zeitigt jetzt ihre Folgen. So hat manches Natur­kind die Jahreszeit vergessen. Man findet jetzt beim Pflügen der Aecker nicht nur einige, nein Hunderte von Maikäfern, die der Erd­oberfläche zuwandern. An manchen Hecken blühen die wilden Rosen, die sogar ihren süßen Duft mitgebracht haben, aber vergeblich auf unsere Bienen warten: denn diese sind bereits schlafen gegangen. Daß der Herbst reife Aepfel zeitigt, ist ein altes Naturgesetz: aber daß neben den Aepfeln, an denselben Zweigen, bei einzelnen Bäumen be­reits wieder Blüten stehen, das ist doch höchst verwunderlich. Endlich sind einige Gemeinden unseres Tales dazu übergegangen, gegen die in ungeheuren Mengen auftretenden Feldmäuse in den Krieg zu ziehen. Die Gemeinden haben Er­wachsene und Jugendliche angestellt, welche die Mäuselöcher in unseren Feldern, insbesondere in den Kleceäckern, mit vergiftetem Weizen belegen. Hoffentlich folgen bald andere Gemeinden diesem Beispiel, damit die Schädlinge, die jetzt namentiid) der neuen Aussaat verderblich werden können, endlich vernichtet werden.

v. Lond o rf, 22. Olt. Für die hiesige G c - mcinderatswahl sind bis jetzt 3 Listen aus­gestellt worden, eine Liste der Arbeiter und zwei Listen der Landwirte, welche beiden Listenverbin­dung vereinbart haben. Zu einem großen Wahl­kampf scheint es aber nicht zu kommen. Am

Sonntag hielt der hiesige Turnverein sein diesjähriges Abturnen ab. Die turnerischen Lei­stungen zeigten, daß der Verein gute Fortschritte ge­macht hat. Auch die Dnmenrtcge zeigte recht gute Leistungen. . ,

v. ans der Rabenau, 22. Oft. Die Maul- und Klauenseuche, welche schon sehr lange in der hiesigen Gegend geherrscht hat, scheint in den meisten Gemeinden vorbei zu fein, so daß dieselben aus dem Sperrgebiet zum Beobachtungsgebiet gekommen sind. Hoffentlich wird es bald ganz frei, damit die Schranken, die dadurch Handel und Wandel gezogen waren, bald fallen. In der jetzigen gelbarmen Zeit wäre es sehr zu begrüßen, damit die Landwirte das Vieh, besonders Zuchtvieh, ohne Beschränkungen abfetten können.

!! Ettingshausen, 22. Oft. Am Sonntag fand auf Beschluß einer Bürgerver­sammlung eine Vorwahl zur Gemeinde-- r a t s w a h l statt. Jeder Wahlberechtigte sollte seine Kandidaten ohne Parteiunterschied wählen. Das Ergebnis waren ungefähr 7 0 Kandida­ten. von denen die 9 ersten auf die gemeinsame Liste' gesetzt und am Wahltage gewählt werden sollen.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 21. Oft. Seit einigen Jahren veranstaltet in dankenswerter Weise Herr Prof. Dr. Karl Schmidt eine Reihe von Schüler tonzcrten, b. h. regelmäßige mu­sikalische Veranstaltungen für Schüler und Eltern bezw. alle Freunde der Augustinerschule. Hervor­ragende Künstler, besonders von Frankfurt, haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt, so z.D. Paul Hindemith, die Mitglieder des Opernhausorchesters Herrn. Hock, G. Graf, außer­dem Rud. Schüttauf, Ottm. Gcrster, Gust. Lan- zew-ski. Rosa Stein u. a. Im letzten (37.) Schülerkonzert spielte Herr Gotth. Graf zu­sammen mit dem obengenannten Leiter der Kon­zerte die Sonaten op. 162 und 137 Br. 2 von Schubert und wußte durch seine entzückende Aus­legung alle Hörer in feinen Bann zu ziehen. Dann fang noch Frau Wally K i r s a m e r, Leh­rerin am Hoch'schen Konservatorium, neue wenig bekannte Lieder von Schubert, welche durch voll­kommene Beherrschung des Gedanklichen und Stimmlichen eine köstliche Leistung boten.

sf. F r i e d b e r g, 22. Oft. Zur Einweihung des neuerrichteten Jugendheimes in dem öst­lichen Türmchen des Burgtores hatte der unermüd­liche Vorfämpfer der Jugendbewegung, nlubien- rat Dr. Riedel von der Schillerfchule, eine 'An­zahl von Gästen cingeladen, um das nunmehr der fog. Bilstein-Gruppe des Jung-V. H. C. gehörige stimmungsvolle Heim in gebührender Weife in Benutzung zu nehmen. Die Gäste sammelten sich in dem Burghose und wurden dort von Dr. Rie­tz e l mit einer Ansprache gegrüßt, in welcher er einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Ge­schichte des Burgtores warf. Der Raum, der früher wohl von Landsknechten besetzt war und zu Der- teidigungszwecken diente, wurde später vollständig vernachlässigt und diente zum 'Aufbewahren alter Akten und allerhand Gerümpels. Es ist kaum zu glauben, was kunstfertige Hände daraus geschaf­fen haben, cs ist dem Vorsitzenden mit Hilfe von Freunden und Gönnern gelungen, einen Raum zu schaffen, der, was Behaglichkeit und stimmungs­volle Ausstattung betrifft, wohl seinesgleichen weit und breit nicht finden dürfte. Nachdem die Gäste im friedlichen Sturme dieBurg Bilstein" genommen hotten, begrüßt von einem Gesänge der wackeren Bilsteinerinnen. entwickelte sich bald eine gemütliche Stimmung, getragen durch ein ge wählte? musikalisches und künstlerisches Programm. Glückwünsche überbrachten namens der Schiller- schulc, aus welcher die Mitglieder der Gruppe zum größten Teil hervorgehen, Oberstudiendirektor Philipps, namens des V. H. E. Prosesior Schaum und namens der Jung-V. H. C. Haupt­mann Huck. Ein Teller D. H. E.-Suppe, Bil- steinschnittchen, ein Gläschen Tauffteiner (der aber wohl an den Ufern des Rheines gewochfen war) und zum Schluffe eine Taffe Kaifee sorgten für das leibliche Wohl der Gäste, musikalische Darbietun­gen der Gruppe. Violin- und Harmoniumvortrage, Lichtbildervorführungen einer Rheinreise in ebenso vorzüglicher Weise für das geistige Wohl. Jeder der Besucher wird wohl das Gefühl mitgenom­men haben, einige unvergleichlich schöne Stunden verlebt zu haben. Auf alle Fälle bildet das neue Heim ein mustergültiges Vorbild für derartige Ein­richtungen. Der ,,Verein ehemaliger A u g u st i n e r f ch ü 1 c r" veranstaltete aus An­laß der 75jährigen Jubelfeier der Realschule einen Festabend, der bei überaus starker Beteili­gung einen durchaus schönen Verlaus nahm. Ein Prolog, gedichtet von Frau Professor Kloos und vorgetragen von Oberprimaner Niedcrhof, eröffnete die Feier: in dankenswerter Weife hatte sich das 1. Friedberger Doppelquartett in den Dienst der Sache gestellt und trug durch seine vorzüglichen Leistungen sehr zur Verschöne­rung des Abends bei. Den Hauptpunkt des Pro­gramms aber bildete die Aufführung des Lustspiels von Fulda,Das Recht der Frau", welches unter der bewährten Regie non Herrn Bitsch und bei vorzüglicher Besetzung aller Rollen sich des größten Beifalls erfreute.

: P o h l - G ö ns, 22. Ort. Vergangene Rächt wurde in den hiesigen Bahnhof, und zwar in den Güterschuppen und Schalterraum, ein ge­brochen. Die Einbrecher, die ein Fenster ein­geschlagen und durch dieses eingeftiegen toaren, entwendeten 35 Mk. in bar und Fahrckarten. Die Spitzbuben müssen recht ortskundig gewesen sein. Kürzlich wurden in unserer Gemeinde während der Bacht verschiedene Hoftore angebohrt, anscheinend, um mittels Haken durch diese ge­bohrten Löcher die Riegel zurückzuziehen, lieber- Haupt ist es auf dem Lande mit der Sicher­heit nicht gut be ff eIT t. Wurde doch vor einigen Tagen ein vierjähriges Mädchen am Abend auf der Ortsstrahe von einem bis jetzt noch unbekannten Oltann unsittlich belästigt.

i. Butzbach, 22. Ott. Heute fand imHessi­schen Hof" die Generalversammlung der B ii tz b a ch - L i ch e r Eisenbahn-Aktien­gesellschaft statt, zu der der Gesellschaftsvor- flantz und die beteiligten Aktionäre zahlreich er­schienen waren. Von feiten der Staatsbehörde waren Kreisdirektor Gebhard- Friedberg und Regierungsrat Dr. Braun- Gießen anwesend. Die Versammlung wurde von dem Aufsichtsrats-

vorfitzendcn Medizinalrat Dr. Vogt geleitet. Der Bericht des Vorstandes und Aussichtsrates über das Geschäftsjahr 1924/25 wurde von Regierungsbau­meister N o a ck - Berlin vorgetragen. Die Obli­gationsschulden betragen nach dem Aufwertungs­gesetz jetzt 220 000 Mk. 15 Proz. Aufwertung, die voll verzinst werden nach den gesetzlichen Vor­schriften. Das Geschäflsjahc soll von jetzt ab mit dem Kalenderjahr zusammcnfallen. Die entsprechen­den Satzungsänderungen wurden von dec General­versammlung beschlossen. Die Aufsichtsratsmitglie­der Medizinolrat Dr. Vogt, Direktor Vogt, Bürgermeister Dr. Kayser, Bürgermeister Völker und Psarrer Nies wurden wieder­gewählt. In den Gesellschaftsoorstand wurden Di­rektor Dr. Lenz und Prokurist Freund beide aus Berlin neugewählt. Den Schluß der Ver­sammlung bildete die Übliche Aussprache über die F n h r p 1 a n w ü n s ch e der Gemeinden. Die Auf- sichtsratsmitglieder Bürgermeister Völker und Pfarrer Nies sollen mit dem Gesellschaftsoorstand vor wesentlichen Fahrplanänderungcn verhandeln und die Wünsche der Gemeinden vertreten.

<£ Bad-Nauheim, 21. Oft. Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten fand unter dein Vor­sitz'des Beig. Kling statt. Mit einer Ausnahme nah­men sämtliche Mitglieder des Kollegiums daran teil. Es wurde zunächst als Vorarbeit für die kommende Stadtverordnetenwahl die Einleitung der 6 Wahl­bezirke Dorgenommen, ebenso wurden die Schrift­führer und die Beisitzer für die Wahl bestunmt. Für die Erweiterung des Gcrätehaufes der Feuerwehr wurden 32 000 'Ml. bewilligt. Der Umbau ist not­wendig, nndjbem durch Neuanschaffung von Ge­räten in letzter Zeit, u. a. einer großen neuzeitlichen Automobildrehleiter, die seitherigen Räumlichkeit^ nicht mehr ausreichen. Vorgesehen ist auch eine Heizungsanlage. Die Neukanalisation der Karls- ftrciße, d. h. die Anlage von Sielbauten, erfordert nach den vorliegenden Plänen städtischerseits 50.000 Mark, etwa 4-5 000 Mk. haben die Anlieger für Herstellung der Zuführungskanäle zu tragen. Das Projekt, das in zwei Teilen beraten wurde, fand die Zustimmung der Versammlung für den zweiten Teil gab es allerdings nur eine knappe Mehrheit.

<£ Steinfurth, 22. Oki. Nächsten Sonntag finde! hier die Beigeordneten st ichwahl statt. Als Bewerber stehen sich gegenüber der seit­herige Beigeordnete Falk und der Gärtner Kon­rad Philippi. Zum Gcmeinderat sind 12 Mit­glieder zu wählen. Bei der vorigen Wahl hatte man sich aus eine Liste vereinigt. Für diesmal liegen drei Wahloorjchläge vor. Wir haben hier sogar einen Berufsstand, der in keinem anderen hessischen Orte mit einer eigenen Liste austretcn dürfte. Es sind die Gärtner, d. h. dix Rosenzüchter, die hier sehr zahlreich vertreten sind. Zur Liste des Gärtnervereins kommen noch die Wahlvorschlägc der Arbeiterschast und des Bauernbundes.

Kreis Büdingen.

L Bingenheim, 22. Oft. Gestern und heute zogen mehrere Züge Schneegänse nach Süden. Sie flogen nicht in geordneten Zügen, son- dern schwärmten seitlich aus, gingen sehr tief und waren weithin vernehmbar.

L Echzell, 22. Oft. Der im Nachsommer ge­gründete Kleinkaliber-Schützcnvcrein hielt an mehreren Sonntagen fein erstes Preis schießen. Die höchste Punktzahl beim Prcis- schiehen erreichte Gendarmerie - Wachtmeister Schneider.

Unter-od) mitten, 22. Ott. 2lb 1. November halten wieder a,l [ e Züge der Strecke NiddaSchotten auf unserer Sta­tion. Damit ist ein unerträglicher Zustand be­seitigt, der die Gemeinde zu wiederholten Ein­gaben an die Reichsbahnverwaltung zwang. Wor es doch seither so, daß Reisende, dir hierher wollten, nach Ober-Schmitten weiterfahren muhten, um von dort wieder zu Fub zurückzu- ßvg (plj 3J<£DU1 UÄjswgSUOk'UVUN UlH uda(p] lieber)a^ren der Station bei dem Spätzug be­merkbar, da der Rückweg bei' Dunkelheit zurück­gelegt werden muhte. Für die Haltestelle Koh­den, an der alle Züge vorübersahren, ist noch keine Acnderung des bestehenden Zustands vorgesehen.

Kreis Alsselv.

er. Homberg, 22. Oft. Der diesjährige K alte Markt" war vom Wetter bestens be­günstigt, so daß man schon eher von einem Warmen Markte" sprechen mühte. Die vortrcsf- lichc Witterung hatte zahlreiche Besucher an- gelockt. Der Schweinemarkt war mit 320 Ferkeln befahren, die auch gröhtenteils gehandelt wur­den. Das Paar 7 Wochen alter Ferkel kostete durchschnittlich 70 Mk., ältere 80 bis 90 Ml. Der Krämcrmarkt erfreute sich ebenfalls eines groben Zuspruchs, so daß wohl alle Kaufleute auch mit Rücksicht auf die zur Zeit herrschende Geld­knappheit mit dem Absätze zufrieden sein können. Derwahre Jakob" fehlte gleichfalls nicht. Auch war den Besuchen durch einen Momeitt- Photvgraphcn Gelegenheit geboten, ihr Bildnis in der Tasche Heimtragen zu können. China­wurzeln, die gegen Grippe, Zahn- und Kopf­schmerzen helfen sollen, konnte man käuflich er­werben. Die Berg- und Talbahn war stets be­setzt. auch hatten die beiden Tanzlokalc über Besuch nicht zu klagen. Ist doch derKalt ? Diarkt" von alters her ein besonderer Festtag, den man sich in hiesiger Gegend so leicht nicht entgehen labt.

Kirtorf. 22. Ott Wie schon öfters, bereitete Pfarrer Rheinfurlh von Lehrbach heute wieder den Einwohnern Kirtorfs mit sei­nem Filmost o-2 ichtbilderapparat einen anregenden Abend. Er hatte ein sehr aktuelles Thema gewähltdie Siegessahrt des Z. R. 3 nach A m erik a". An Hand äußerst lehrreicher und interessant er- Bilder gab der Red­ner zuerrst einen lieberblick über die Entwicklung der Zeppelin-Luftschisfahrt überhaupt. Es folgte bann eine eingehende Besichtigung des Luftriesn Z. R. 3" in allen seinen Teilen. Aus nächster Bähe tonnte man dies Wunderwerk deutschen Geistes und deutscher Technik bewundern. Ihren Höhepunkt erreichte die Darbietung, als man im Bild zunächst die 32stündige Probefahrt von ..Z. R. 3" über Deutschland und dann den 67stün- digen Flug über den Ozean, die Ankunft in Beuyork und die Landung in Lakehurch miter­leben konnte. Die sehr zahlreich erschienenen An­

wesenden stimmten zum Schluß das Deutschland­lied an. Der- Reinertrag des Abends ergab die ansehnliche Summe von 25 Mark und wurde der- Zeppelin-Eckener-Spende überwiesen.

(!) Ehringshausen, 22. Oktober. Ain hiesigen Bahnhof lud der Landwirt Georg Rühl von Kestrich Milch ein, welche die Mol­kerei-Genossenschaft Groh-Felda nach hier fahren läßt und nach Frankfurt a. M. sendet. Seine Pferde hatte er in den Stall der Bahnhofs­wirtschaft eingestellt. Als er nach getaner- Arbeit in den Stall zurückkehrte, wälzte sich das eine Pferd nach seiner Gewohnheit. Dabei hatte cs sich in die Leine verwickelt und konnte nicht ausspringen. Als Rühl fejnem Pferde helfen wollte, fiel es auf ihn, und er erlitt einen zweifachen Bruch am Schienbein. Dr. Nern- Groh-Felda legte den ersten Rotverband an. Das Postauto brachte den Verunglückten nach Hause.

(!) Groh - Feldo, 22. Oft. Wie allerorts, so stehen auch hier die Gemeinderats" wählen im Mittelpunkt des Tagesgesprächs. Dis jetzt sind drei Wahlvorschlägc offiziell bc- fannt. Der eine ist vom Gewerbevcrein mit Sattlermeister Völzing als Spitzenkandidaten aufgesteklt, während der Siedlerbund das jetzige Gcmeinderatsmitglied JohannesL c m m I c r als ersten Kandidaten präsentiert. Arft" dem Wahl­vorschlag des Bauernbundes nominiert als erster Landwirt Gustav V ö l z i n g. Wie man bestimmt erfährt, gibt cs noch weitere Borschläge, vor allen Dingen noch von sozialdemokratischer Seite aus. Der Burgfrieden wurde bis jetzt überall gewahrt.

KreiS Lauterbach.

Schlitz, 21. Oktober. In nicht geringen Schrecken wurde die Familie des Lehres Rieger im benachbarten Udenhausen versetzt, als sie dieser Tage, nachdem sie die Ferienzeit anderswo verbracht, ins Schulhaus Udenhausen zurückkehrte. Die ganze Wohnung war auf den Kopf gestellt. An Schränken und Kisten hatte sich eine unglaubliche Zerstörungswut nusgetobt. Was nicht geraubt wor­den war, war sinnlos zerstört worden. Eine Nach­barsfrau, die wahrend der Abwesenheit der Lehrers- fomilie täglich nach den Rechten sah, hotte den Vor­fall zuerst bemerkt. Die Täter sind noch nicht er­mittelt. Man nimmt an, daß es sich um einen Rache­akt handelt.

Starkenburg.

fpd. Offenbach, 22. Oft. Im benachbarten Bieber ftürgte Mittwochnachmittag derFabrik- ueiibau der Firma Odenweller zusammen und begrub drei junge Arbeiter unter sich. Ein sieb­zehnjähriger Arbeiter wurde auf der Stelle g e - tötet, die beiden anderen kamen lebensgefähr­lich verletzt in das Krankenhaus zu Offenbach.

Preußen.

Bon dcr (S.senbahu WetzlarLollar.

T Mit der Einführung des Winterfahrplanes hoffte man, daß endlich der Personen ver­kehr auf der Strecke Wetzlar Lollar a m Sonntag wenigstens mit zwei Zügen hin und her eingeführl würde. Aber man ist wieder nm eine große Enttäuschung reicher gr worden. Auch gab man sich der Hoffnung hin, daß her Abcndzug etwas nach halb 11 Uhr ab Wetz­lar mit Anschluß an den Zug 10.20 Uhr von Gießen wieder eingelegt wurde. Nichts von dem. Leute, die um 9 Uhr von Frankfurt kommen oder noch später in Gießen oder Wetzlar zu tun haben und solche Fälle gibt es viele, müssen den weiten Weg von Gießen oder 'Wetzlar bei Nacht zu Fuß machen. Wie viele würden gerne abends einer Veranstaltung in Gießen oder Wetzlar beiwohnen, wenn nicht der schreckliche Heimweg zu machen wäre. Auch gibt es eine ganze Anzahl Arbeiter, die abends zu Fuß oder per Rad ihre weite Heimreise machen müssen, obwohl sic das Fahrgeld auf ihre Wochenkarte bezahlt haben. Aber noch ein anderes. Statt eine Verbesserung hat der neue Fahrplan für die Bevölkerung des ganzen südlichen Hinterlandes noch eine ungeheure Ber­sch l e ch t e r u n g gebracht. Seither fuhr morgens 4.44 Uhr ab Wetzlar (jetzt 5.32 Uhr) ein Zug, der in Lollar sofort Anschluß nach Marburg und hier Anschluß nach Kreuztal, also nach Biedenkopf, der Kreisstadt des Hinterlandes, hatte. Um J8 Uhr morgens konnte man dort sein. Will oder muß man das heute erreichen, fo bleibt nichts anderes übrig, als a m Tage v o r h e r nach Biedenkopf zu fahren oder bei Nacht zehn bis fünfzehn Kilometer bis Gieße n z u wandern, um hier den Zug 5.27 Uhr zu erreichen. Fährt man mit dem Zuge 6.26 Uhr ab Wetzlar, so muß man bis Uhr in Lollar warten und kommt um 11 Uhr in Biedenkopf an, am Kreisamt, Kreis kaffe, Kreisarzt, .Kreisbauamt usw. gerade bann, wenn Torschluß ist. Muß man mit feinem Anliegen bis zum Nachmittag warten, bann kann man gegen 6 Uhr dort wieder abfahren, und da der letzte Zug ab Lollar um 6.09 Uhr fährt, bleibt wieder nichts anderes übrig, als bis Gießen oder Wetzlar zu fahren und von hier aus den weiten Heimweg bei Nacht zu Fuß zurückzulegen. Ist schon emo 70 Kilometer weite Reise nach einer Kreisstadt, wie Biedenkopf, keine Kleinigkeit, zumal, wenn man zwei Kreisämter, wie Gießen und Wetzlar, hi nächster Nähe hat, fo ist es doch geradezu unver­ständlich, wie einer Bevölkerung von zehn großen Gemeinden eine solche noch versauert und verteuert wird. Früher war die Eisenbahn für das Pu­blikum da, heute ist die Bevölkerung nur noch dafür da, daß sie in Nacht und Nebel neben der E i f e n b a h n h c r l a u f c n kann. Ob wir es wohl noch erleben, daß die Eifenbahnverwal­tung Einsicht und Entgegenkommen zeigt?

Kreis Wetzlar.

r Waldgirmes, 22. Ott. Der Bergmann Friedrich Stamm von hier, der gestern nach­mittag von feiner Arbeitsstätte Grube Raab mit dem Rad über Dorlar nach Hause fuhr, stürzte am Kelsterbach und trug innere Ve rletzun- g e n , wahrscheinlich Nierenquetschungen, davon.

Dillkreis.

bl. Frohnhausen (DiUfrcis), 21. Ott. 5' Laufe des Jahres wurden etwa 1215 Neubauten in Angriff genommen, von denen die Mehrzahl be-