ndl“ spricht bereits von der Möglichkeit einer Demission des Kabinetts ivegen der zwischen Cattlaux und einzelnen Mitgliedern des Kabinetts sich ergebenden Meinungsverschiedenheiten.
Die Wirren in China.
Hamburg, 22. Oft. (WTB.) Nach einer heute bei dem Ostasiatischen Verein eingetroffenen telegraphischen Nachricht der deutschen Handelskammer in Schanghai sind die Städte Schanghai. Sutschau. Wasih. Tschinkiang und Nanking von Truppen des Gouverneurs der Provinz TschekiaNg kampflos befett worden. In Schanghai herrscht völlige Nutze. Der Eisenbahnverkehr von Schanghai bis nach Mulden ist gestört.
Wu-Pei-Fu erklärte in einer Unterredung, er sein ein Gegner der Bolschewisten, die er für das zerstörende Element in China halte. Er fügte hinzu, er erwarte die Hilfe des Generals Feng, der unter dem Namen des christlichen Generals bekannt geworden ist. Dann werde er Tfchang-folin, den mandschurischen Heerführer, a n g r e i f c n . Die europäischen Mächte waren übel beraten, wenn sie vor Wiederherstellung geordneter Verhältnisse die geplante Z 0 1 lkonse - ren.j abhielten. Eine derartige Konferenz könne nicht als rechtmäßig anerkannt werden. Die Generäle der Tschekiangarmee behaupten, daß sie die 7000 Mann starke Mukdenarmee in der Nähe von Nanking gefangengenommen hätten. General Wu-Pei-Fu versichert, daß alle 18 Provinzen ihn unterstützten mit Ausnahme von Amman, Kungsu, Schantung und Tschili, und daß die Armee der verbündeten Provinzen 300 000 Mann stark sei.
Schwere Unruhen in Aegypten.
London, 22. Ott. (WTB.) Nach einer Meldung aus Kairo brachen in Trmtah, wo sich Tausende von Pilgern anläßlich eines religiösen Festes eingefunden hatten, schwere Unruhen ous, in deren Verlaus 5 4 Personen getötet und 43 verwundet worden sein sollen.
Die Unterdrückung der deutschen Presse in Südtirol.
Vogen, 23. Oft. (Wolff.) Nachdem der Präfekt die Zeitung „Landsmann" wegen ihrer unentwegten Verteidigung des Deutschen verboten hat, stellen jetzt auch die „Bozener Nachrichten" nach 33jährigem Bestehen ihr Erscheinen ein. Damit erscheint jetzt in S ü d- tirvl feine große Zeitung mehr in deutscher Sprache. Die Bozener Nachrichten waren bereits zweimal beschlagnahmt worden, weil sie die italienischen Ortsnamen entgegen einer Verfügung nicht angewandt hatte.
Preußischer Landtag.
DerMißtrauensautrag gegen Severing mit 22V gegen 158 Stimmen abgclehnt.
Berlin, 22. Oft. (WTB.) Die allgemeine Nussprache zum Zustizhaushalt wird fortgesetzt.
2lbg. Falk (Dem.): „Niemand hat das Recht, dem Nichter oder dem Staatsanwalt die freie Meinungsbildung und -äußerung zu verkümmern. Niemand kann ihm verwehren, zu den großen Fragen, die unser Volk bewegen, Stellung zu nehmen. Am Richterlich. im Deratungs- zimmer und im Amtszimmer der Staatsanwaltschaft hat Parteipolitik aber zu schweigen. In weiten Kreisen unseres Dolles hat sich aber das Gefühl eingestellt, daß nicht immer mit gleichem Maße gemessen wird. Wo solche Fälle sich zeigen, muh mit aller Strenge eingegriffen werden. Der Forderung, an Stelle des jetzigen Nichtertums ein Wahlrichtertum zu sehen, tonnen wir nicht beitreten. Einen Dreyfusskandal hat es bei uns nie gegeben. Wir empfehlen die Annahme des demokratischen Antrags. Vertreter der Anwaltschaft zu hören bei Geschäftsverteilung und Besetzung freigewordener Stellen. Wir halten weiter fest an unserer Forderung auf Wieder - einsührung der Schwurgerichte.
Darauf unterbricht das Haus die Beratung und geht über zu den Abstimmungen über die angeforderten Mittel und die Anträge zum Haushalt des Ministeriums des Innern.
Heber das von den Deutschnationalen beantragte
Mißtrauensvotum gegen Severing wird namentlich abgestimmt. Die Kommumsten sind zwar vollzählig im Saale, geben aber feine Stimmkarten ab. Die Mehrheit der Wirtschaft- sichen Vereinigung stimmt für das Mißtrauensvotum, während der Rest sich der Stimme enthält. Für den Mihtrauensantrag sind 158. dagegen 220 Stimmen bei sechs Stimmenthaltungen abgegeben worden. Die Ablehnung des Mih- trauensantrags wird von der Linken mit lautem Beifall aufgenommen, der sich durch Händeklatschen verstärkt, als von der Reckten gezischt und gerufen wird: „Das nächste Mal!"
Die Anträge des Hauptausschusses zur Verwaltung des Innern und zu den Angelegenheiten der Polizei werden angenommen.
Bei der wiederausgenommenen allgemeinen Besprechung zum Iustizhaushalt setzte sich Abg. H a a s e - Liegnih (Wirtsch. Vgg.) dafür ein, daß in der Frage der Behandlung der Aufwertungsmrträge die Gebührenfreiheit auch auf Hypotheken ausgedehnt werde. Protestieren müsse seine Partei dagegen, daß die Vertreter der Anwaltschaft nach dem Vorschlag des Abg. Falk bei der Wahl der Richter gehört wer- den sollen. Das gefährde die Unabhängigkeit des Richterstandes.
Abg. Koerner (V.) teilt unter lebhaftem Hört! Hört! seiner Parteifreunde mit. daß er von Staatssekretär Fritze vom Justizministerium wegen Aeußerungen, die er als Abgeordneter gegen den Minister getan hat, in feiner Stellung als Beamter zur Verantwortung gezogen worden sei. Auch sei ihm die Ministerialzulage vorenthalten worden, die doch ein Teil seines Gehaltes sei.
Staatssekretär Fritze erwidert, daß eine Verständigung mit dem Abgeordneten Dr. Koerner in den von ihnen berührten persönlichen Angelegenheiten ausgeschlossen sei. In der Angelegenheit der Ministerialzulao? müsse Dr. Koerner den Protestweg beschreiten.
Abg. Stendel (D. Vy.) betont, die große Mehrheit der preußischen Richter stehe den Zielen des Republikanischen Richterbundes fern. Die Hntersuchungsausscküsse dürften nicht in die Be° tuAuisfe der ordentlichen Gerichte eingreifen. 1
Der griechisch-bulgarische Konflikt.
lieber Entstehung und Weiterentwicklung des bulgarisch-griechischen Konflikts, der zum Einmarsch griechischer Truppen in bulgarisches Gebiet und zur Besetzung der Stadt Petritsch geführt hat, kann man sich aus den sich widersprechenden Meldungen nur schwer ein zutreffendes Bild machen. Der Bericht des griechischen General ft abs über den Grenzzwischensall, der in der griechischen Note an die bulgarische Negierung angeführt ist, kommt zu folgendem Schluß:
1. Die Bulgaren hätten als erste das Feuer eröffnet, und zwar überraschend ohne Provokation und ohne Beweggründe.
2. Die Bulgaren hätten absichtlich und nach sorgsamer Vorbereitung Streitkräfte zn- s a m m e n g e z o g e n , wie sie sonst nicht für einen bloßen Grenzzwischensall eingesetzt werden. Sie hätten außerdem Maschinengewehre eingesetzt, wodurch bewiesen sei, daß die am Kampf beteiligten Streitkräfte stärker waren als eine Jn- fanteriefompagnic.
Obwohl die Griechen das Feuer eingestellt hätten, und obwohl ein griechischer Hauptmann mit der weißen Fahne versuchte, mit den Bulgaren in Verbindung zu treten, hätten diese das Feuer nicht nur eingestellt, sondern den Offizier getötet und auf diese Weise ihre Absicht verraten. Die Tatsache, daß das bulgarische Bataillon, das den Angriff ausführte, von bewaffneten Zivilpersonen begleitet gewesen fei, beweise, daß die bulgarische Offensivbewegung wahrscheinlich darauf abzielte, den Einfall der Komitatschis auf griechisches Gebiet zu erleichtern. Auch habe der Angriff an einem Ort ffattgcfunöen, der nahe an der Eisenbahnlinie Dedeagastch—Demirhissar gelegen sei.
Gegenüber dieser offiziösen griechischen Darstellung teilt
die bulgarische Gesandtschaft in Berlin der Telegraphen-LInion über den Konflikt folgendes mit: Sofort nach der Tötung des griechischen Soldaien auf bulgarischem Gebiet hat die Zusammenziehung größerer griechischer Streitkräfte, die jedoch schon früher in Bereitschaft gehalten waren, begonnen. Die Griechen beschossen darauf einen bulgarischen Posten und setzten dann weiter bedeutende Kräfte ein, darunter auch Artillerie. Nachdem die bulgarischen Posten vertrieben waren, drangen die Griechen in das bulgarische Gebiet ein. Die Stadt Petritsch wurde von Artillerie beschossen.
In Anbetracht dessen, daß die griechische Regierung dreimal den Vorschlag der bulgarischen Regierung auf Einsetzung einer ilnterfu- chungskommission unbeantwortet gelassen bat, ergibt sich die unumstrittene Tatsache, daß Bulgarien es mit einem von griechischer Seite schon lange vo r ber e fl c t c n Ang riff zu tun habe. Der Verband bulgarischer Journalisten und Schriftsteller in Berlin erklärt der Tele- graphen-IInion weiter, daß die. Aufmerksamkeit des griechischen Volkes von den schweren inneren Parteikonflikten abgelehnt werden soll. Hierzu habe die Militärpärtei mit General Pangalos an der Spitze den Vormarsch der griechischen Truppen auf bulgarisches Gebiet eingeleitet, der gegen das Völkerrecht verstoße. Trotz aller Verträge und des Völkerbundes als obersten Schiedsrichter habe Griechenland angegriffen.
Die Meldungen, wonach bulgarische Posten einen griechischen Posten und einen Ortskommandanten getötet hätten, entbehrt jeder Begründung. Das völlig entkräftete und entwaffnete Bulgarien, das rings von Feinden umzingelt fei, würde sich keinesfalls llebergriffe erlauben, die zu Konflikten mit den Nachbaurn führen konnten. 9m Augenblick
Kunst und Wissenschaft.
Jur Nachfolge BaMngs.
Darmstadt, 23. Oft. (Eigene Meldung.) Dem Finanzminister wurde eine Entschließung zugestellt, in der es heißt. Die unterzeichneten Mitglieder des parlamentarischen Theaterausschusses erheben schärfsten Einspruch gegen die Vorgänge anläßlich der Ernennung des Herrn Kapellmeisters Rosenstock zum Generalmusikdirektor. Sie legen folgende Vorgänge fest: Der Ausschuß wurde ohne Angabe der Tagesordnung einberufen: der Vorsitzende, Staatsrat Balser, brachte die Frage der Wiederbesetzung der Genera l m u s i k d i r e k t o r st e l l e zur Sprache; Intendant Legal hielt einen längeren Vortrag über diele Frage, worin er die ^Übertragung der Stelle an Herrn R o s e n st o ck empfahl. B e- vor das erste zu Wort kommende Ausschuhmitglied keine Ansicht dazu nöflig klarlegen konnte, verabschiedete sich Herr Legal, weil er einer in das Stadthaus in der gleichen Angelegenheit einberufenen Versammlung beiwohnen muhte. Die Ansicht der anderen Ausschuß- mitglieder hat er überhaupt nicht gehört.
Drei der vier anwesenden Ausschuhmitglieder vertraten die Ansicht, man möge aus der Zahl der über 60 Bewerber um die Stelle geeignet erscheinende Herren aussuchen, mit ihnen in Verbindung und Verhandlung treten, außerdem müsse man ein Urteil über ihre musikalische Eignung zu gewinnen suchen. Dem Ausschuß wurde nicht mitgeteilt, daß "über die Ernennung des Herrn Rosen st ock 7, och am gleichen Tage entschieden werden solle. Auf Befragen gab Staatsrat Balser der Ansicht Ausdruck, der Ausschuß müsse in dieser Angelegenheit um seine Meinung befragt werden.
Die unterzeichneten Ausschuß Mitglieder erklären auf Grund dieser Tatsachen:
a) Die sofortige Ernennung des Herrn Rosenstock zum GeneralmusiDirektor ist gegen ihren R a t erfolgt.
b) Die obigen Feststellungen zwingen zur Annahme, daß die Ernennung des Herrm Rosenstock v o r Anhören des Ausschusses b er ei tß geplant war. daß der Ausschuß nur der Form halber befragt wurde, und daß die H m st ä n d c der Befragung aus die Absicht einer Heber rumpe- l u n g des Ausschusses schließen lassen.
c) Die Unterzeichneten sehen darin eine Nichtachtung des Ausschusses und ver- langeit aus diesem Grunde dessen alsbaldige Einberufung.
gez. Kindt. Hat lern er. Dinge ldey.
Abg. Dr. Leuchlgens hat dazu folgende Erklärung abgegeben. Herr Staatsrat Balser hat mir
seien die schwachen bulgarischen Truppen damit voll in Anspruch genommen, die k o m m u n i st i s ch e n Umtriebe zu unterdrücken. Im Interesse des Friedens und der Zivilisation sei es unbedingt notwendig, daß der bulgarisch-griechische Konflikt im Keime erftickt würde. Vor allem müsse die Autorität des Völkerbundes als oberster Schiedsrichter aufrecht erhalten werden.
Heftige Grenzkämpfe.
A t h e n, 22. Oft. (WTB. Funkspruch.) Amtlich wird gentelbet, daß die Bulgaren in Demir- Capu Verstärkung erhalten Ijaben. Die Besetzung der bulgarischen Stadt Petritsch sei nur ein Pfand für die Ausführung der im griechischen Ultimatum enthaltenen Bedingungen. Es soll bereits zu lebhaften Kämpfen zwischen Griechen und Bulgaren gekommen sein. Die griechischen Truppeir sind in Bulgarien vorgerückt und haben nach einem heftigen Kampfe mit Maschinengewehren zwei bulgarische Dörfer beseht.
Alliierte Vermittlungsversuche.
London, 22. Ott. (SU.) Das britische Außenministerium veröffentlicht eine Erklärung, daß es in keiner Weise am griechisch^bul- aarischen Grenzkonflikt interessiert sei. Das Außenministerium ist der Ansicht, daß keine der beiden Mächte über die für einen Krieg notwendige,r Mittel verfüge und daß die Angelegenheit in mehreren Tagen auf friedlichem Weg geregelt werde. Die Gesandten der Alliierten unternehmen alle Anstrengungen, um den Ausbruch des Krieges zu vermeiden, doch wurden bisher von den beiden Regierungen — Griechenland und Bulgarien — einander gegenseitig gerichtete Noten unbeantwortet gelassen.
3m Zeichen des Völkerbundes.
Paris, 22. Olt. (WB.) Das „Journal des Debats" schreibt zum griechisch-bulgarischen Konflikt: „Man wundert sich, daß in demselben Augenblick, in dem die Verträge von Locarno paraphiert werden, was einige Bläkten zur prophetischen Ankündigung der Vereinigten Staaten von Europa veranlaßte. zwei Mitgliedstaaten des Völkerbundes miteinander in Konflikt geraten, und sich um das Statut des Völkerbundes wie um die welken Blätter im Herbste kümmern. General Pangalos hat ein Ultimatum nach Sofia geschickt, und fein Kabinett hat Gelegenheit, die Grundsätze der friedlichen Regelung von Konflikten zu achten, für die der griechische Vertreter beim Völkerbund, Rentis, so warm eingetreten ist. Ader Herr Rentis hat gerade heute demissioniert. Wenn das Anrecht auf bulgarischer Seite liegt, bann ist es wichtiger, es f e st st e l l e n zu lassen, bevor man ein Ultimatum ergehen läßt. Zum Völkerbundsstatut seine Zuflucht nehmen, ist im Augenblick das einzige Mittel korrekten Verhaltens, aber unglücklicherweise entwickelt sich in Griechenland das Regime Pangalos im beunruhigenden Sinne. Pangalos verträgt weder Opposition noch Kritik. Er unterdrückt die Presse und behandelt General P l a st i r a s. den desinteressiertesten Mann ganz Griechenlands, wie einen Verbrecher, weil man ihm die Absicht zuschreibt, die Diktatur zu stürzen. Im Einver- ständnis mit den Anhängern Konstantins, die eine Revanche versuchen, verfolgt Pangalos General Plastiras. Wohin soll das Griechenland führen?"
bei einer Rücksprache^ nichts von, der entscheidenden Bedeutung dieser Sitzung gesagt. Nur deshalb glaubte ich derselben fernbleiben und Geschäfte wahrnehmen zu können.
Der Entscheidnng unter a, b und c ft i m m c > ch zu.
Das Problem des Fernsehens.
Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" melden: Dr. Carolus vorn Physikalischen Institut der Universität Leipzig ist es nach jahrelanger zäher Arbeit gelungen, das Problem des Fernsehens und der F e r n p h o t o g r a p h i e in vollkommen einwandfreier Weise praktisch zu losen. Das Verfahren des Dr. Karolus unterscheidet sich von dem bekannten deutschen und amerikanischen Verfahren der Fernphotographie durch das rasche Tempo seiner Arbeitszeit. Es ist möglich, in einem Zeitraum von wenigen Sekunden ein Bild im Format von 13X18 auf drahtlosem Wege an eine entfernte Stelle zu übermitteln. Jin Laboratorium sind bereits Versuche gelungen, die Geschwindigkeit auf a;M Sekunde herabzudrücken, wodurch das Problem des Fernsehens gelost ist. Der Kern der Karolusschen Erfindung besteht in einer Zelle, der Karolus - Zelle, die imstande ist, ihre Durchlässigkeit gegen Lichtstrahlen in Abhängigkeit von auftreffenben großen Impulsen zu ändern. Auf diese Weise ist es möglich, eine vollkommen trägheitslose Steuerung der Lichtwellen im Lildempsänger zu erreichen. Dr. Karolus hat sich nach Amerika begeben, um von dort aus in Gemeinschaft mit der Telefunken- Gesellschaft in Nauen seine Experimente in großem Stil aufzunehmen. .
Abg. Hofmann-Seligenstadt 7.
Der Zentrumsabgeordnete des hessischen Landtags. I. PH. Hofmann-Seligenstadt ist nach langem Leiden am Mittwoch gestorben. Hofmann war 1907 bis 1919 Genevalsekrctär des Hess. Bauernvereins und Mitbegründer der Mitteldeutschen Emaillewerke in Seligenstadt. Seit 1919 war der Verstorbene Mitglied des Landtags und seit 1921 auch des Finanzausschusses.
Wettervoraussage.
Zunehmend bedeckt, westliche Winde, gleich- bleibende Temperaturen, Regenfälle.
Nur langsam gewinnt das Fallgebiet über England ostwärts an Raum. Sein Kern liegt heute über Schottland. Wir gelangen nunmehr auf seine Südseite, wo wir mit stärkeren Niederschlägen rechnen müssen. Vorläufig ist noch keine Aussicht auf eine Besserung der Wetterlage vorhanden.
Gestrige Tagesiempcraluren: Maximum 17,3, Minimum 11,2 Grad Celsius. Niederschläge: 7,7 Millimeter. Heutige Morgentcmperalur: 12 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 23. Oktober 1925,
Die fremdenfeindliche Bewegung in China nnd die Mission.
Man schreibt uns: Welch unheimliche Früchte die chinesische Fremdenfeindschaft zu zeitigen ttcr- mag, ist seit dem Boxerjahr 1900 in unser aller Erinnerung. Ströme von Blut sind damals geflossen, nicht nur von Europäern, sondern es fielen auch sehr viele chinesische Christen den fanatisierten Boxern zum Opfer. Als Blutzeugen ihres Glaubens haben sie es bewiesen, daß sie nicht nur Reischristen waren, denen es bei ihrem .Hebertritt zum Christentum nur um äußere Vorteile zu tun war. Damals gelang es den Chinesen nicht, den Einflnß der Europäer auf ihre Regierung abzudämmen und die sie selber einengen- den, die Europäer aber in jeder Weise bevorzugenden Verträge mit den europäischen Mächten abzuschütteln: im Gegenteil, mit Waffengewalt wurden sie niedergeworfen und ihnen neue demütigende drückende Fesseln angelegt, so daß auch die chinesische Regierung im Weltkrieg gezwungen war, uns den Krieg zu erklären, trotzdem das chinesische Volk in seinem Herzen auf Seiten der Deutschen stand.
Wir alle wissen, daß heute Nvch-dort drüben alles drunter und drüber geht, und gespannt sind unsere Augen nach dem Orient gerichtet. Die verschiedenen Parteien mit ihren militärischen Führern, die sich gerne einen hohen Titel, wie Feld" marschall oder dergleichen beilegen, werden von den Großmächten, Engländern. Amerikanern. Franzosen, Russen und Japanern gegeneinander ausgespielt und mit Geld und Kriegsgerät ausgestattet . Schwer seufzt das unglücUiche Volk unter diesen Zuständen Kein Wunder, wenn sich von neuem der allgemeine Haß gegen die Europäer in blutigen Aufstanden und Heberfallen auf die Europäerviertel entlädt. Drei Punkte sind es vor allem, die den Unwillen und Groll jedes denkenden Chinesen nähren müssen: 1. Die Fremden haben ihre Exterritorialität, d. h.. sie unterstehen nur der Gerichtsbarkeit ihres eignen Landes, nicht der chinesischen, können also für etwaig; llebergriffe und Straftaten gegen Chinesen nicht belangt werden. 2. Obwohl die führenden Chinesen einsehen, daß das Opium ein furchtbarer Fluch für das Volk ist und deshalb Öen Anbau in China verboten haben, pochen die Fremden, vor allem die Engländer, auf ihr Recht, daß sie nach den bestehenden Verträgen ungehindert das Gift in China ein- führcn dürfen. 3. Die ungeheuren Zolleinnahmen für die Einfuhr fließen nach den Verträgen in ihre Taschen (dies der Grund für Nr. 2). Wir merken, es ist System in der Sache: dort in China ganz ähnlich wie hier bei uns: 1. Exterritorialität dcrBesahungen am Rhein. 2. Opium und französische Liköre und sonstige Luxusartikel. 3. Zölle, siehe Dawcsplan. Aber auch den Chinesen läßt dieses in nns den Genossen der Not, Entrechtung, Bedrückung und Aussaugung erkennen. Deshalb die Sympathie, die der Deutsche und vor allem der deutsche Missionar in China genießen darf. 3a. inmitten all der Kriegs- und Revolutionsstürme im fernen China steht der deutsche Missionar als Bote des Friedens, indem er durch die Verbreitung der Lehre Jesu: ..Gott über alles lieben und deinen Nächsten als dich selbst" den wahren Pazifismus betätigt.
Heber alle diese Fragen kann man am heutigen abend 8 Hhr in der Stadtkirche einen der besten Kenner Chinas und chinesischer Verhältnisse reden hören. Missionsdirektor Dip - per aus Basel, der Leiter der hierzulande wohlbekannten Basler Mission, will einen Vortrag über obiges Thema halten. Er ist bet Bruder des in letzter Zeit vielgenannten Dr. Dippcr von Peking, des von den Chinesen so hochgeschätzten Arztes und Mannes ihres Der- traucns. Er kennt aber auch China und die Chinesen nicht nur durch die beständige Fühlung, die er als oberster Leiter der Baller Mistion mit dem dortigen Gebiete ha!, sondern auch aus eigener Anschauung, war er doch vor dem Krieg selber längere Zeit draußen und hat das ganze Basler Missionsgebiet bereist und gründlich kennen gelernt. Jedermann also, sowohl der für fremde Völker, als auch für die großen Geschehnisse der heutigen Zeit Interessierte, vor allem aber der Freund der Mission wird durch den Besuch dieses Vortrages voll auf feine Rechnung kommen.
Gictzeircr Wochcrrmarktpreisc.
Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt: Butter 215 bis 230. Matte 40. Käse 75. Wirsing 10. Weißkraut 6. Rotkraut 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 20. Römischkohl 10, Unter- Kohlrabi 6. Grünkohl 15, Rosenkohl 40, Feldsalat 100, Tomaten 40. Zwiebeln 12. Meerrettich 30 bis 100. Schwarzwurzeln 50 bis 60. Kürbis 8. Kartvffeln 4. Aepfel 12 bis 20, Dirnen 15 bis 35, Nüsse 45. junge Hahnen 110, Suppenhühner 120, Ganse HO bis 130 Pf. das Pfund: Eier 17, Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15. Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 5 bis 10. Retlick 5 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Sradttheoter: 7} Uhr: „Der Familientag" (Ende nach 10 Uhr). — Stadtkirche 8 Uhr: Missionsvortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vom Niederrhein". — Astoria-Lichtspiele: „Der Schrei aus der Wildnis".
0 D i c N 0 v e m b e r ° M ie 1 e. Wie wir hören, ist beabsichtigt, bic Miete für den Monat November für das ganze Land einheitlich auf 88 Proz. der Friedensmiele festzusetzen.
g Heimat s ch u tz. Eine der erfreulichsten Erscheinungen unserer Zeit sind die auf Pflege der Heimatkenntnis und Heimatliebe in der Schule und im öffentlichen Leben gerichteten Bestrebungen. Auch der Hessische Bund für Heimatschutz, der 1913 gegründet, durch den Well- Irieg ober in feiner Entwicklung gehemmt worden ist, will durch Wiederausnohme seiner Tätigkeit sich mit allen Krasten in den Dienst der guten Sache stellen. Nachdrücklichste Unterstützung aller Volkskreise verdienen die Ziele, die sich der Bund gestellt Hal. Er strebt u. a. 01t: 1. Schutz der Eigenart des Landschastsbilves: 2. Schutz der einheimischen Ti en und Pflanzenwelt: 3. Schutz der geologischen Eigentümlichkeiten: 4. Schutz und Pflege der aus früherer Zeit überkommenen Werke der Bauten, beweglichen Gegenstände, Bodenaltertümer, Urkunden, Stroßen- und Flurnamen: 5. Pflege und Fortbildung der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise-: 6. Pflege der Volkskunst auf dem Gebiet der be*


