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Wirkung nicht bestehen kann, zu fördern und damit auch die Zusammenarbeit der Völker zu beschleu­nigen. Bedingungen, die für das Weiterbestehen unserer Zivilisation wesentlich sind. Wenn ich meine Gedanken bis zu Ende verfolge, wurde ich sagen, daß die kommenden zehn 3ahre ent­weder den europ äisch en Frieden organi­sieren oder die Stationen Europas dem schreck- l ich st en Kriege nahebringen toeröeii. Dies sei ein Verfalltag, den kein Staatsmann, wenn er nicht verbrecherisch sein wolle, außer acht lassen dürfe. Ministerpräsident Painleve ging alsdann auf die Finanzlage Frankreichs ein und erklärte, es gebe bei der Lösung dieses Problems drei Etappen zu durchlaufen.

Wir verlangen, bah man ohne Schwäche die Marokkvpolrtik der Regierung unterstützt. Er erinnere an die Leichtfertigkeit, mit der gewisse verärgerte Kritiker ohne Sach­kenntnis die delikatesten Fragen anschneidcn und im voraus tadeln. Es sei dies das, was die Philosophen den synthetischen Tadel a priori nennen. Man verbreite, dah der Angriff der im Rorden des Ourgdhagebietes provoziert wor- Rifleute durch die Errichtung von Militärposten den sei. Wenn diese Posten nicht bestanden hätten, hätte man nicht verfehlt, die verantwortlichen Behörden der Nachlässigkeit anzutlagen, die nichts getan hätten, um die Grenzen der französischen Zone zu schützen. Die Regierung sei um so mehr flcnciql, sich darüber auszusprechen, als es sich um Akte handle, die ausgeführt worden sind, be­vor sie zur Macht gekommen sei. Akte, die sie im übrigen völlig billige, und für die sie auch die ganze Verantwortung über­nehme. In Wahrheit habe Marschall Lyau- t e y in dem Zeitpunkt, als das voraufgegangene Ministerium zurücktrat, um Hilfe gerufen. Durch plötzliche Einbrüche der Süffeute seien die fran­zösischen Posten umzingelt worden, und die Ein­dringlinge hätten Fez bedroht, indem sie die Frankreich treuen Stämme bis in die Gegend von Fez selbst zum Wanken zu bringen suchten. Es habe sich nicht darum gehandelt, gerechte oder ungerechte Beschuldigungen zu erbeben, sondern darum, den Eindringlingen den Weg nach Fez zu versperren. Dies sei geschehen, und die Ein­dringlinge seien bis zu den Grenzen der fran­zösischen Zone zurückgeworfen worden. Frank­reich begehre nicht einen Quadratfuß üher die ihm vertraglich zugesicherte Grenze hinaus. Es handle sich darum, die Respektierung dieser Grenzen zu erzwingen, damit ein dauerhafter und sicherer Friede demnächst in Marokko wieder­hergestellt werde.

Neue Kampfe in Marokko

Paris, 22. Mai. (WTB) In dem heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Doumergue abgehalienen Minister­rat ist beschlossen worden, dem Parlament einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, durch den Zusatz­kredite für Marokko bewilligt werden. Nach Beendigung des Ministerrats erfiärte Mi­nisterpräsident Painlevtz den 3ournaliftcn die Sage in Marokko sei unverändert. Ec habe die Volke Wahrheit gesagt. Man möge sich auf neue Zusammenstöße gefaßt machen, weil die Regierung den sehr ernsten Wunsch habe, die Lektion zu erteilen, die erforderlich sei.

Havas berichtet auS Fez, im Wssten sei die Lage ruhig. Es hätten feindliche Einbrüche bei Ouled Qlulat stattgefunden. Eine Abteilung des Generals Ehambrun habe den mittleren Front­abschnitt und die ganze Gegend des oberen Ouergha-Gebiets gesäubert. Der rechte Flügel dieser Abteilung habe Mediuna trotz des ver­zweifelten Widerstandes der Rifleute, die eine Schützengrabenstellung verteidigten, erreicht. Der linke Flügel fei bis Mulay Ain Dschenane ge­langt. Die feindlichen Verluste seien beträchtlich, die französischen im Hinblick auf die eingesetzte Truppenzahl nur schwach. Zahlreiche feindliche Abteilungen hätten sich nach Norden gefluchtet. Es werde sogar gemeldet, daß ein von Abd el Krim aufgewiegelter Stamm sich unterworfen habe. 3m Osten übe der Feind bei Dranes und bei Deri Kaffane einen Druck aus. Aber da die Operationen im mittleren Frontabschnitt die Aufmerkscnnteit der im Osten stehenden feind­lichen Stämme auf sich gezogen hätten, scheine sich eine leichte Entspannung bemerkbar zu machen. Die Lage sei hier jedoch noch immer ernst.

Die Mission Malvys.

Steine gemeinsame Operationen mit Spanien.

Madrid. 23. Mai. (WTD. Funkspruch) Der französische Minister Malvh hat gestern abend die Rückreise nachParis angetreten. Rach Pariser Blättern sei er von seinen -Unter­redungen befriedigt. Trotz der offiziell bewahrten Reserve forme man versichern, daß die Mission Malvys zwar nicht zur Vereinbarung einer spanisch-französischen miltä- rischen Zusammenarbeit, jedoch dazu geführt habe, daß den frartzöfischen 2er uppen die Geneh migung erteilt werde, in die spanische Zone einzu­dringen, wenn die Entwicklung der militäri­schen Operationen den französischen Oberkomman­dierenden dazu zwingen sollte, den Feind auf spanischem Einfluß unterworfenes Gebiet zu ver­folgen. Selbstverständlich würden die französifchen Truppen in ihr Gebiet zurückkehren, so­bald der Feind niedergekämpft fei. Spanien fei der Ansicht, zumindest gegenwärtig eine mili­tärische Operation nicht unternehmen zu können, und zwar noch weniger in der internatio­nalen Zone, in der Frankreich jetzt von den Spaniern volle Freiheit erlange, nach seinem Belieben zu handeln. Das Direktorium sei der Ansicht, daß in der Zone des spanischen Pro­tektorates Ruhe herrsch- und gedenke die Spanien unterworfenen Gebiete anders als durch Militärische Mittel zu befrieden.

Neue Kabinettskrifis in Belgien.

Brüssel. 23. Mai. (Wolff. Funkspruch.) Der Mißtrauensantrag gegen das belgische Kabinett van de Vivere durch den liberalen Abgeordneten Max ringe- bracht, ist mit 98 Stimmen der Liberalen und Sozialdemokraten gegen 73 Stimmen der Katho­liken bei 9 Stimmenthaltungen angenommen worden. Van de Vivere hat sich unmittelbar darauf in das Palais begeben, um dem König seine Demission zu überreichen. Sn poli­tischen Kreisen erwartet man die Bildung eines katholifch-soziali st ischen Kabinetts

Man nimmt an, der König werde den gemäßigt- sozialistischen Kammerpräsidenten B r u n e t mit der Bildung des neuen Ministeriums beauf­tragen.

Die Agrarzölle.

Aussprache der Gewerkschaften mit dem Reichsernahrungsminifter.

Berlin, 23. Mai. (TU.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Graf K a - n ih, hat gestern die Spitzen gewerk­schaften zu einer Besprechung über die vor- geschlagenen Agrarzölle empfangen. Erschienen waren von den Spitzengewerkschaften der frei­heitlich-nationale Gewerkschaf ts- r in g deutscher Arbeiter Angestell - ten- und Beamten verbände und der Allge meine Deutsche Gewerkschafts­bund. Graf Kanih beleuchtete in seinen Aus­führungen alle Gesichtspunkte, die die Reichs­regierung bewogen haben, die landwirtschaftlichen Zölle vorzuschlagen. Die Vertreter des Gewerk­schaftsringes wiesen auf den vermeintlichen Widerspruch hin, der darin bestehe, daß die Landwirtschaftszölle durch Sicherung einer ge­wissen Freigrenze als Anreizmittel zur 3n t e n s i v i e r u n g der Landwirtschaft dienen sollen, und das; die Reichsregierung gleichzeitig mit einem Preisdruck der durch die 3nten- sivierung gesteigerten Mehrerzeugung rechne. Es sei zu erwarten, daß namentlid) sei­tens der Großlandwirt schäft der Versuch gemacht würde, solches durch vergrößertes Massenangebot ausgelöstes Preisangebot durch Kartellisie- r u n g s m a st n a h m e n zu verhindern. Die von den Freien Gewerkschaften gestellte Frage nach der voraussichtlichen Höhe der Belastung der einzelnen Verbraucher durch die Zölle und die wahrscheinliche Höhe der Einnahmen durch das Reich konnte natürlich nicht in dec gewünschten Weise beantwortet werden. Der Reichslandwirt" fchaftsminifter stellte weitere Besprechungen mit den Gewerkschaften über einzelne Fragen noch in Aussicht.

Serina zur gollfrage.

Berlin, 23. Mai. (WTB.) In einer Ver- fammtung der Deutschen Weltwirtschaft­lichen Gesellschaft hielt gestern abend Ge­heimrat Prof. Dr. gering einen Vortrag, in dem er erklärte, die erste Forderung zur Beseitigung der Schädigung der heimischen Landwirtschaft sei der Abbau der industriellen Hochschuh - zolle, die A u f h e b u n g de r A u ssuhrver- bote und die Aufhebung der U in saß - steuer auf notwendige Lebensmittel Geschehe das nicht, so könnten der Landwirtschaft angemessene Ausgleichszölle nicht versagt werden. Von einer dauernden Einrichtung von Lebensmittelzöllen in dem verarmten Deutschland könne er sich kei­nen' Vorteil versprechen, da diese Gehalts- und Lohnbewegungen Hervorrufen und auch die Industriepreise erhöhen würden, die dann die Landwirtschaft nicht tragen könne. Sering bezeichnete schließlich als eine der Aufgaben der Landwirtschaft, die Errungenschaften der Technik allen bäuerlichen Betrieben zugänglich zu machen.

Neue Steuererleichterungen.

Berlin, 22. Mai. (WTB.) 3m Steuer- ausschuß des Reichstags wurde bei Beratung der abzugsfähigen Sonderleistungen, wie der Beiträge für die Sozialversicherungen und zu den Sterbe­kassen sowie der Versicherungsprämien ufro., die Erhöhung derabzugssähigen Jahres­summe auf 180 Mark und je 100 Mark für die Ehefrau und minderjährige Kinder festgesetzt. Ferner wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, wonach als Werbungskosten auch gelten und also steuerfrei bleiben sollen die Ausgaben der Steuerpflichtigen für Werkzeug, Be­rufskleidung und Fortbildungsz wecke. Angenommen wurde auch ein Antrag, der die Sofien füt die Zusammenlegung von Grundstücken und der Flutzbereinigung von dem steuerpflichtigen Einkommen abziehen will. Der Ausschuß stellte aus­drücklich fest, daß zu den Werbungskaosten auch diä Aufwendungen für Umsatzsteuer gehören. Rach einem wetteren Antrag sollen auch die Z u - weisuugen an öle Wohlsahrlseinrich. tungeu eines Betriebes, die von den Steuerpflich­tigen erhoben werden, als abzugsfähige Sonder- leiflungen betrachtet werden. Angenommen wird schließlich ein Antrag, der zum Kapitel der beim steuerbaren Betrage des iyaushaltungsvorstandes zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder wünscht, daß auch uneheliche Sinder dann mit der Mutter zu­sammen veranlagt werden, wenn sie nicht zu deren haushalt zahlen.

Slresemanns Echo in England.

London. 22. Mai. (WB.) Die poli­tischen Wochenschristen äußern sich verschiedent­lich za der Reichtagsrede des deutschen Außen­ministers. New S t a t e s m a n crtlärt Strese- rnanns Ausführungen über die Kölner Frage für korrekt. Die Alliierten hätten in dieser Sache einen Fehler begangen. Sie hätten so­wohl gegen d i e Form des Bersaillcr Vertrages verstoßen, als auch ihr Vor­gehen in oberflächlicher und geringschätziger Ma­nier begründet. Es fei bedauerlich, das) man auf Stresemanns ironischen Hinweis auf die 5 Mo­nate, die die Alliierten schon gebraucht hätten, ohne sich über die Note an Deutschland einigen zu können, nichtzu e r w i d c r n i m st a n d e sei.

Nation schreibt zu Stresemanns Bemer­kung über die Frage der Räumung des Ruhr­gebiets, es stehe so vieles darunter der u t c Wille Amerikas auf dem Spiel, d l die französischen Staatsmänner sicher davor >.ück- schrecken werden, das Londoner Abkommen, wo­nach das Ruhrgebiet Mitte August zu räumen ist. zu zerreißen. Trotzdem werde ganz Eu­ropa aufatmen, wenn das Ruhrgebiet tatsächlich im August geräumt wird. ES werde bann eine für internationale Verhandlungen äußerst gün­stige Atmosphäre entstehen.

Saturday Review sagt, es sei er­mutigend zu sehen, daß (Dtref cniann sich immer noch bewußt sei, daß eine der wichtigsten Aus­gaben der deutschen Außenpolitik darin bestehe, eine klare Regelung der Frage der W e st g r e n z e n zu treffen, und daß nach seinen Worten die deutsche Regierung ihre tatkrästige Mitwirkung be ider Losung des Sicherheits- Problems nicht verweigern könne

Unruhen in Persien.

London, 23. Mai. (WTB. Funkspruch.) Wie Daily Telegraph" berichtet, liegen aus

Teheran beunruhigende Nachrichten vor. Der Aus­stand gegen die Teheranregierung nahm einen größeren Umfang an. Die persischen Turk­menen fordern von Teheran Autonomie. Das persische Heer sei schwach und schlecht ausge­rüstet. Die persische Regierung geht gegen die dortigen bolschewistischen Q[ g e n ten vor. Die persische Polizei hat in der fowjetrufsischen Gesandtschaft eine große Menge Dokumente be­schlagnahmt, wogegen die Sowjetvertreter scharfen Einspruch erhoben haben.

Kleine politische Nachrichten-

Reichspräsident von Hindenburg ist heute nachmittag mit dem Zug 6.14 Uhr in Begleitung seines Sohnes, des Majors v. Hindenburg, in Hannover eingetroffen. Ein besonderer Empfang war nicht vorgesehen. Der Reichspräsident, der au sdern Bahnhof stürmisch begrüßt wurde, begab sich sofort im Auto nach seiner Billa in der Seelhorstst-raße.

3m Aufwertungsausschuß des Reichs­tags wurden heute u. a. zwei Anträge, die den Auf­wertungsbetrag auf 50 Proz. bzw. 40 Proz. des Goldmarkbetrages festgesetzt haben wollten, abge- lehnt und der Äom promißantrag. der die Aufwertung auf 25 Prozent vorsieht, ange- noinme n.

Zu dcu zwischen den zuständigen preußischen Instanzen schwebenden Verhandlungen über eine Erhöhung dos Schulgeldes in Preußen weiß dieVoss. Ztg." mitzuteilen, daß sich das Unterrichtsministerium auf Veranlassung des Finanz­ministeriums entschlossen habe, das Schulgeld um 30 auf 150 Mark jährlich zu erhöhen, wozu dann noch der städtische Zuschlag kommen würde.

Der ,.3ntransigeant" verbrellet die Nach­richt. daß die französische Regierung auf Repara­tionskonto an Deutschland den Bau eines Tunnels unter der Seine und einer Eisenbahnlinie Quilleboeuf-Pont-Audemer unter­nehmen wird. 3m ganzen soll es sich um Auf­träge im Betrage von 325 Millionen Franken handeln. Der Tunnelbau werde jedenfalls der Firma St innes übertragen werden. Wegen des 'Baues der Eisenbahnlinie verhandele man noch mit einer anderen vom3ntransigeant" nicht genannten Firma.

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Wie man jetzt nachträglich erfährt, hat der frühere Gegner Trotzkis, Stalin, hauptsächlich wegen der Opposition gegen Kamenew imd Si­nowjew seinerzeit die Z u ck der u f u n g Trotzkis betrieben und auch durchgesetzt. Uebri= gens sollen die Witwe Lenins und Frau Krupskaja, die Schwester Lenins, die Rück­kehr Trotzkis zur Bedingung ihres weiteren Ver­bleibens in der Partei gemacht haben.

Amundsen erreicht den Nordpol.

Paris, 23. Mai. (1.11.) Jlad) einem Radlo- lelegramm aus Oslo hat Amundsen kur; nach 6 Uhr morgens den Nordpol überflogen. (Er hat ihn nach dem Sönig von Norwegen benannt und sich bann auf den Rückflug begeben.

Arnundfens Nordpolslua, scheinbar von mildem Wetter begleitet, verläuft günstig. Am Pol herrscht keine allzu strenge Kälte. Falls das Benzin nicht ausreicht, sollen 6 M a n n und ein Flug­zeug zurückbleiben. Die Flugzeuge führen eine Fahnenstange aus Aluminium mit der norwegi­schen Flagge

mit. Amundsen erhielt kurz vor der Abfahrt ?in Telegramm des norwegischen Ministerpräsidenten, der ihm im Namen des norwegischen Volkes günstiges Wetter wünschte. Wenn er den Pol erreicht, soll die Ankunftszeit in einer versiegelten Thermosflasche hinterlassen und die Fahne aufgepslanzt werden. Die Fahrtrichtung ist wahrscheinlich 12 Grad östlich Greenwich.

lieber acht Stunden waren bei herrlichem Wetter die beiden Flugzeuge mit Amundsen und G l l s w o r t h nach dem Nordpol unterwegs. 3n nochmals acht Stunden erwartet man die Rückkehr der Polarflugzeuge.

Die Besatzung derFram" und die Ein* wvhnerschaft von Kingsbah find fast ununter­brochen auf den Beinen.

Wie Amundsen vor feiner Abfahrt selbst erklärte, hofft er schon Freitag abend wieder auf Spitz­bergen zu landen . Die Flugzeuge haben außer allen Ausrüstungsstücken für einen längeren Auf­enthalt auf Eis und Wasser Benzin und Oel für eine Strecke von 2600 Kilometer an Bord. Unter der Besatzung befindet sich außer dem Amerikaner Ellworth auch der deutsche Mechaniker Karl Feucht aus Friedrichshagen.

Schon fiebern Minuten nach dem Start waren die Flugzeuge dem Gesichtsfeld der Beobachter an Land entschwunden Der Flug ging zunächst längs der Küste entlang über die Däneainsel und Amsterinsel hinweg in der Richtung nach Norden.

3n ganz Skandinavien erwartet man un­geduldig die Nachricht von Amundfens Rück­kehr, der schon gestern vormittag hätte statt­finden tonnen. Amundsen hat dem Führer seines Degleikflugzeugs Nr. 24 befohlen, für den Fall, daß er verunglücke,

alles Land, das entdeckt wird, in Besitz zu nehmen.

Der norwegische König hat Amundsen telegraphisch Vollmacht erteilt, das Land um den Nordpol herum zu annektieren, eine Tatsache, die zu einigen Reibungen zwischen Nor­wegen, Amerika und Kanada Anlaß geben könnte.

Der arktische Forscher Pc-ter Fr suchen, der Reisegefährte Knud Raß müssens, er­klärte gestern, das; es zwischen Spitzbergen und dem Nordpol weder Land noch offenes Wasser gebe. Altes Land fei Eis. Der dänische Militär­flieger Foltmann meint, daß in der gefahr­vollen Polregion eine Landung wohl möglich, aber ein Aufstieg in den unebenen Gisregionen undenkbar fei.

Aus aller Wett.

Ein Lastauto mit 50 Arbeiter umgestürzt.

Ein schweres Autounglück hat sich auf der von Potsdam nach Spandau führenden Straße zwischen Gatow und Gladow ereignet. Dort fuhr ein Lastanto, das 50 Arbeiter zur Arbeitsstelle fahren sollte, gegen einen Baum, wobei es umstürzte. Alle 3nfaffen des Wagens wurden herausge- schleüdert. Dabei erlitten 50 Arbeiter mehr oder

minder schwere Verletzungen und sind durch Privattrastwagen und Krankenwagen nach dem Krankenhaus in Spairdau gebracht worden, wo sich bei der Untersuchung herausstellte, daß 7 Arbeiter so schwer verletzt worden waren, daß sie in Krankenhausbehandlung bleiben müssen. Es handelt sich hier in der Mehrzahl um Rippenbrüche und Brüche an den Glied­maßen. sowie um innere Verletzungen.

Die internationale Malariakommisfion im Libanon verunglückt.

Ein Automobil, in dem die Mitglieder der Malariakommission des Völkerbundes von einem Besuch des Libanongebietes zurückkehrten, ist in einen Abgrund gestürzt. Dr. Lathian-Groß- britannien, Dr. Barling-Amerika und die franzö­sische Sekretärin Frl. Besson wurden getötet. Ein? andere französische Dame und Dr. Schwellengrebel aus Holland wurden verwundet.

Dos bedrehke Helgoland.

Nach einer Mitteilung aus Hamburg wird sich eine Untersuchungskommission des Reiches und der preußischen Staatsregiernng nach Helgoland begeben, um an Ort und Stelle über geeignete Maßnahmen zum Schutze der durch d,?uc Erd­rutsche bedrohten Insel zu beraten.'

Di« Einkommen in England.

London, 23. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach einer von der Presse veröffentlichten amt­lichen Statistik gab es im 3ahre 1922/23 im ver­einigten Königreich 134 Personen mit einem Ein­kommen von mehr als 100000 Pfund (das sind 2 Millionen Reichsmark) und 119 Personen mit einem Einkommen zwischen 75 000 und 100 000 Pfund jährlich- 85 435 Personen bezogen ein Ein­kommen von mehr als 2000 Pfund jährlich.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Mai 1925

Wandern im Maien.

Vom Grund bis zu den GipfAn Soweit man sehen kann, 3etzt bluht's in allen Wipfeln, Nun geht das Wandern an.

So singt uns jener Sänger, der Dichter Eichendorfs, vor, und in wessen Seele wür­den nicht bei diesen Tönen Helle Akkorde laut, die mitschwingen und mitllingen? 3a, der Maien, der bringt uns Blümelein viel und ruft ht uns die Lust zum. Wandern wach. Wir wandern hinaus nach den Bergen, durch lichtgrünen Wald, wir schauen ins Tal sehnsuchtsvoll und träu­merisch.

3st es nicht eine traumverlorene Zeit, wenn der Flieder blüht? Die schweren Dolden in Blau und Weiß entsenden einen köstlich feinen Duft, der uns fast einschläfern konnte, der uns träumen läßt, von einem Gluck, das wir gekannt, das wiederkommen soll, Und dann di? Reihen von Kastanienbäumen. Sie stehen wie mit Kerzen geschmückt und zeugen mit all der an beton Blüten- Pracht von Auferstehung. 3n all die Pracht hinein ertönen die Weisen der Bogel, die uns das Herz froh stimmen.

Aber dann kommt noch eins hinzu! Es ist die Maiennacht, die sanft wiegend sich wie ein Nebel­schleier über die Erde breitet. Eine Nachtigall singt unter dem Sternenhimmel im Dusch ihr Liebeslied. Dann möchte man träumen und all das vergessen, was uns traurig macht. 11 nb aus dem Träumen heraus finden wir hin zu Löns und fingen ganz leise und innig mit ihm: Herz- blatt am Lindenbaum, o grüner Marentrauin, | es sang die Nachtigall, sang ihren süßen Schall, i sang Liebe, fang Leide, fang Freud und fang Leid lang ist das Leben aber kurz die Maierrzeit. E. R.

Sommer-Sonderzüge der Reichsbahn.

Auf der ui der vergangenen Woche in Baden-Baden uni er Leitung der geschäftsführen­den Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. statt­gefundenen Sommersonderzugkonferenz, an der sämtliche Reichsbahndirektionen und einige Ree­dereien beteiligt waren, wurde beschlossen, auch in diesem 3ahre in den Monaten 3uni, 3uli und August Sommersonderzüge mit 33,33 v. H. Fahrpreisermäßigung verkehren zu lassen. Mit dem Ausgangspunkt Frankfurt a. M. sind fol­gende Zuge in Aussicht genommen:

A. Nach Süddeutschland 1. Nach Mün ch en am 13.3uni, 3., 4., 11., IS. 3uli und 8. und 22. August. Zu diesen Zügen wer­den von den Fahrkartenausgaben Frankfurt a. M.-Hbf. und Hanau-Ost Fahrkarten 3. Klasse und zu dem am 3. 3uli verkehrenden Zuge auch solche 2. Klaste nach Augsburg. München, Berch­tesgaden und Garmisch-Partenkirchen ausgegeben Die Fahrkarten nach Garmisch-Partenkirchen be­rechtigen auch zur Fahrt nach 5tufftcin oder Aschau oder Marquartstein. 2. Nach Basel und K o n st a n z am 4. 3uli und 18. 3uli. Fahr­karten 3. Klasse liegen nur in Frankfurt o. M.- Hbf. auf nach Donaueschingen oder Mülheim (Baden), Freiburg (Breisgau) oder Triberg oder Freudenstadt Neustadt (Schwarza-ald) oder Titi­see und Konstanz (für die Rückfahrt auch gültig von Schaffhausen oder Friedrichshafen).

B. Nach der Nordiee am 4.3uli. Fahr­karten 3. Klasse nach Borkum, 3uift, Norder­ney, Langeoog, Emden Außenhafen und Nord­deich werden auggegeben von den Fahrkarten­ausgaben Frankfurt a. M.-Hbf., Gießen, Dil­lenburg und Siegen.

C. Nach Hamburg Bremen am 4., 14. 3uli und 4. August. Fahrkarten 2. und 3. Ki. nach Hamburg-Altona und Breinen-Hbs. werden aufgelegt bei den Fahrkartenausgaben Frank' surt a. M.-Hbf., Offenbach a. M.-Hbf., Hanau und Bebra. Zur Welterfahrt nach Den <3e> bäöcrn (nordfriesische und oftfriesische 3nseln kön­nen in dem gleichen Umfange wie im Vorjahre in Hamburg und Vremen Anschlußsonderrück­fahrkarten zu ermäßigten Preisen gelöst werden.

D. Nach der Ostsee am 3. 3uli. Zu diesem Zuge werden von Den Fahrkartenausgaben Frankfurt a. M.-Hbf., Offenbach a. M.-Hbf., Ha­nau-Ost, Fulda und Bebra Fahrkarten 2. und 3. Klasse nach folgenden Orten ausgcgeben: 1. He­ringsdorf (Seebad) oder Ahlbeck Seebad oder Bansin, 2. Swinemünde-Hbf. oder Seebad. 3. Ueckeritz oder Kölpinsee oder Koserow, 4. Zin­nowitz, 5. Zempin oder Carlshagen^Trassenheide.

ll. Nach Berlin am 4.3uli. Karten nach Be-rlin-Anh. Bhf. bei den Fahrkartenausgaben Frankfurt a. M.-Hbf., Offenbach a. M.-Hbf. und Hanau-Ost.

F. Nach Schlesien am 5.3uli, 31.3uli/ 1. August. Zu dem Zuge am 5.3uli können .

Fahrkarten 2. und 3. Klasse nach Görlitz, Hirsch- |