Rerchswehrtapelle unter Leitung von Obermusilmcister Loder verschönt wird, findet am 17. Mai die Fe st Wanderung der verschiedenen Zweigvereine des Taunusklubs mit dem Ziel Butzbach statt. Während am Vormittag der vom Butzbacher Taunusklnb errichtete neue Aus sicht stempel auf Dem Schrenzer geweiht wird, findet nach der Mittagspause ein Wandererfestzug durch tue Straßen Butzbachs und darauf gemütliches Zusammensein in der großen Halle auf dem Markt- Platze am Wetzlarer Dor statt. Gelegentlich des letzteren sollen Musikstücke. Männerchore und Wanderlieder zum Dortrag lommen. und außer- dem soll das Storch sche Märchensptel „3n der Zohannisnacht am Hausberg", in das Beigen und Heimatlieder verwoben sind, aufgeführt teer* den. Das Machest der Zeitschrift .Der Launus" ist eine B u tz b a ch n u m m e r. die Bilder aus Dergangenheit und Gegenwart unserer Stadt bringt. - Verschiedene Zuge von Gießen nach Frankfurt und umgelehrt halten vom 1. Mai ab wieder auf u n s e rcr Station. Dor allen Singen kann man von 10.47 abends aus Gießen und kitrz nach 11 -ilpr nachts aus Frankfurt hierherkommen, was Geschäftsleuten und Theaterbesuchern lebt wüt- kommen ist
zrrcis Büdirrgen.
-t Aid da. 22. April. Am Dienstag hielt im Cafe Storck die Evangelische Volksgemeinschaft eine Versannnlung. Dir beiden Pfarrer Weidner- Ober-Lais und H a u p t- Greßen sprachen über das Thema „ilnferc evangelischen Pflichten in den letzten Tagen vor der Reichspräsidentenw a hl - An der Hand zahlreichen Materials aus der Vergangenheit und der Gegenwart betonten beide Redner. daß es sich bei der Reichspräsidentenwahl am Sonntag nicht um Republik oder Monarchie handele, sondern um evangelisch oder römw. Die Gefahr der Katholisierung unseres Reiches werde durch die Wahl von Marr nur noch verstärkt Die Treue zur evangelischem, Kirche gebiete es jedem Wähler und jeder Wählerin, am Sonntag n i ch t f ü r M a r x zu stimmen
* Stockheim, 22. April. Für die Kandidatur Hindenburgs sprach hier am Sonntagnachmittag Herr Weiher (Gießen). 3n klaren Ausführungen ging der Redner auf die Kandidatur Hindenburgs ein. Dieser Mann, der aus allen Schichten des Volkes heraus als Präsidentschaftskandidat gefordert sei, bedeute für das Volk die Abkehr vom Barmatgeist und Rückkehr zum alten deutschen Geist der Arbeitsfreudigkeit und Einfachheit. Es gelte, nicht zum Wohle einer Partei, sondern zum Wohle der Allgemeinheit zu arbeiten. Anschließend behandelte Pfarren- Weidner (Oberlais) unabhängig vom Reichsblock die Frage, ob ein Evangelischer überhaupt den ausgesprochenen Zentrumsmann Marx wählen könne. Gestützt auf reichhaltiges Material verneinte er dies ganz entschieden und kritisierte die Haltung der evangelischen Pfarrer, die für die Kandidatur Marx einträten.. Zeder, der noch etwas evangelisches Bewußtsein in sich habe, müsse am kommenden Sonntag Hindenburg wählen. Zn der anschließenden Diskussion wurden einige Fragen beantwortet.
Kreis Schotten.
Schotten, 22- April. Zm 82. Lebensjahre starb jetzt der Pfarrer t R. Karl Rö - iteer. Er war lange Zähre hier beruflich tätig und verlebte daselbst auch seine Ruhestandsjahre. Zm Herbst vorigen Zahres durfte er noch die Freude erleben, seinen Sohn als einen seiner Amtsnachfolger einziehen zu sehen. — Dem Vogels- be rger Höhenklub wurde die Genehmigung erteilt, eine Lotterie zu veranstalten, deren Reinertrag dem Baufonds für das Zu gendheim an der Herchenhainer Höhe überwiesen werden soll. Diele hessische Stadt- und Landgemeinden haben gleichfalls Zuschüsse zu dem Dau bewilligt. -- Auffällig ist es.
daß die S ch w a lb e n dis jetzt nur Der eins eit zu sehen sind. Manche wollen daraus schließen, daß uns noch kalte Tage beschert seien.
' Gedern, 22 April. Zn einer gut besuchten Versammlung bei Stiebeling wurde hier am Sonntagabend die Frage der Reichsprasi- dentenwahl behandelt. Der Vertreter des Reichsblocks. Herr Weiß er - Gießen, stellte in kurzen Ausführungen die überragende Persönlichkeit eines Hindenburg der parteipolitischen Einstellung eines M a r x gegenüber. Dort sei der wahre Wale, dem gesamten Volke zu dienen, hier das Bestreben, nur der eigenen Partei zur Macht zu vm- helsen. Das Volk aber wolle klar sehen. Cs habe genug von parteipolitischen Schiebungen. Hindenburg biete die beste Gewahr, daß wieder Sauberkeit und Ordnung bei uns ein- ziehen. Die gleiche Frage von der Einstellung eines evangelischen Geistlichen, der sich um die Zukunft der evangelischen Kirche Sorge macht, behandelte Pfarrer Weidner-Ober- Lais. Unter diesem Gesichtspunkt kam auch er als überzeugter Republikaner und Verfechter der demokratischen Weltanschauung zu d»r Einstellung. daß man angesichts der jetzigen Kandidatenaufstellung als Evangelischer nur für Hindenburg seine Stimme abgeben dürfe.
lg. Gedern. 22. April. Der Ausschuß für die Errichtung eines Kriegerdenkmals, der sich aus Vertretern der verschiedenen Vereine und Körperschaften zusammensetzt, beschloß nach längeren Erwägungen, das Denkmal am Schloßberg zur Aufstellung zu bringen. Der Platz soll eine würdige Ausgestaltung erfahren Zur Beurteilung liegt dem Denkmalsausschutz bis jetzt ein Entwurf des Gewerbelehrers Gustav Limpert von hier vor.
Kreis Alsfeld.
M Alsfeld, 22. April. Stadtvor- standssitzung. Zu Beginn der Sitzung wurde an Stelle des Herrn Hans Braun, der fein Amt niedergelegt hat, der dem gleichen Wahlvorschlage angehörige Spinnereiarbeiter Kurt Steinbach in sein Amt als Mitglied der Stadtvertretung eingeführt und von dem Vorsitzenden vorschriftsmäßig verpflichtet. — .Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende den schulärztlichen Bericht des Kreisarztes Medizinalrat Dr. Zinsser über die schulärztliche Tätigkeit im abgelaufenen Schuljahr 1924 bekannt. — Ein Gesuch des Berthold Ram- s p e ck um Abgabe eines Bauplatzes in der Siedlungsanlage in der Rambach wurde genehmigt und das zu dem Bauvorhaben erforderliche Gelände zum Preise von 1 Mk. pro Quadratmeter käuflich abgetreten. Gleichzeitig wurde dem Gesuchsteller ein städtisches Daudarlehen in Höhe von 3750 Mk. zur Errichtung seines Aeubaues nach Form A der Richtlinien und Bedingungen der Stadt zur Unterstützung des privaten Wohnungsbaues gewährt. — Das von der Stadt kürzlich erworbene Haus der Frau Richter- Hofmann an der Altenburger Straße wurde zu demselben Preise von 6000 R.-M. an den Brauereiarbeiter Philipp Knierim verkauft. An den Verkauf wurde die Bedingung geknüpft, daß der Käufer in dem Hause eine Wohnung dem Wohnungsamt zur Verfügung stellt. Die für die Herstellung des Hauses aufgewendeten Kosten mutz der Käufer der Stadt ersehen. — Riederlegung eines Wohnhauses in der Hersfelder Straße: Die Eigentümer des Hauses Hersfelder Straße 15 fließen darum nach, das nach ihrer Angabe baufällige Haus abreißen zu dürfen, um dieses durch einen Reu- bau zu ersetzen. Da nach dem Gutachten der Bau- Polizeibehörde eine Riederlegung des ganzen Gebäudes nicht unbedingt notwendig ist, wurde die Genehmigung zum Abbruch des Hauses am Kraft und Döring gemäß Artikel 2 Ziffer a der hessischen Wohnungsmangelverordnung vom 1. Oktober 1924 nicht erteilt - Feldbereinigung. Auf Antrag einer Anzahl angrenzender Grundbesitzer so.len Ö'.e be dm Wege innerhalb der neuen Siedlungsanlage in
der Rambach, die für den jetzt dort einsetzen- den Verkehr zu schmal sind, auf 7,50 Meter Breite erweitert werden. Zur Bedingung hierfür wird gemacht, daß die Feldbereinigung Alsfeld den Zufahrtsweg entlang dem Grundstück des H. Schäfer II. auf dieselbe Breite bringt. Ferner wurde einem Ersuchen der Vollzugskommission der-- Feldbereinigung entsprechend beschlossen ein Drittel der Kosten zur Herstellung^ einer Ableitung der Abwässer hinter dem Finanzamt zu übernehmen, in die anderen Zweidrittel teilen sich der Fiskus und die Feldbereinigung. — Die Gewährung einer Entschädigung an den Freiherrn v. R i e d e s e l in Altenburg für die beiden Eichen am sogen. „Wahl" an der Krebsbach, die unter Denkmalschutz stehen und der Stadt im Feldbereinigungsverfahren zugeteilt worden sind, wurde auf 63,60 Mk. Holzwert festgesetzt.
Das übliche Maiblasen vom Tu r m d er Walpurgiskirche wurde für dieses Zahr der Kapelle Müller gegen eine Vergütung von 1 Mk. pro Mann und Abend übertragen. — Zum Oktroi-Kontrolleur wurde der Stadtsekretär S e i p p e I und zu dessen Stellvertreter Stadtasfistent Weber gewählt. — Die für das Zahr 1924 festgesetzten Zagd - und Fischereipachtgelder sollen auch für das Zahr 1925 gelten, da voraussichtlich in diesem Zahre eine Erhöhung des Ertrages aus Zagd und Fischerei nicht zu erwarten ist und auch der Fiskus eine solche nicht vornimmt.
1*1 Alsfeld. 22. April. Der Bullenhalter Zofes freutet der Gemeinde Vockenrod wurde beim Füttern des Gemeindebullen z u Tode gedrückt.
PI Burg-Gemünden. 22. April. Em mehrtägiger Obstbaukursus wird im nächsten Monat für die Orte Rülfenrod, Elpenrod. Otterbach, Hainbach. Rieder-Gemünden unter Leitung des Obstbauinspektors Wiesner aus Gießen abgehalten.
L^reiS Lauterbach.
.. Lauterbach, 22. April. Zn der jüngsten Stadtvorstandssitzung wurden der Pflegc- foftenbeitrag zu Solbadekuren für drei Kinder genehmigt. Das Gesuch der Dresch- maschinenaesellfchaft umUeberlaffung eines Platzes für eine Dreschhalle mußte abgelehnt werden: der in Aussicht genommene Platz rann zu diesem Zweck nicht veräußert werden. Für die zu errichtende Jugendherberge auf der Herchenhainer Höhe wurden 50 Mk. bewilligt. Der Ankauf der Stadtmühle wurde beschlossen; die Wasserkraft soll zur Herstellung elektrischer En er g j e nutzbar gemacht werden. Die Erwerbung eines Licker- und Wiesengrundstücks am Eichberg unterhalb des Hochdruckbehälters wird beschlossen. Das angefallene Grubenholz wurde der Holzfirma Ph. Overbeck n Bottrop als Höchstbietendem zugeschlagen. Die Kanal- und Wasserleitungsarbeiten für den Ausbau der Goethe- straße sowie die Wasierleitungsarbeiten in der Linden st raße werden der Firma Hermann Hardt dahier übertragen. Der Mietvertrag mit dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft für das hier zu errichtende Feldbereinigungsamt wurde gutgeheißen.
Starkenburg und Siheruheffen.
' Darmstadt, 22. April. Geh. Rat Prof. Dr. Karl Schering ist hier im Alter von ZI Zähren gestorben. Er stammte aus Scharnbeck bei Lüneburg und wirkte seit dem Zahre 1889 als Professor der Physik an der hiesigen Technischen Hochschule. Seine Arbeiten bewegten sich auf dem Gebiete von Licht. Magnetismus und Elektrizität. Er be- lleidete auch die Würde eines Rektors und trat nach sehr erfolgreicher Lehrtätigkeit vor einigen Zähren in den Ruhestand.
' Nassau.
bl. Dillenburg, 22. April. Zm August wird in unserer Stadt die Feier des 5 0 j ä h r i - g c n B c st e h e n s des W i l h e l rn s t u r m s, verbunden mit einem Heimatfest, begangen
werden. — Das Flußbett der Dill wurde in jüngster Zeit wiederholl einer Besichtigung unterzogen. Durch die angerichteten Hochwasserschäden wurden Instandsetzungen unerläßlich. So hat man in letzter Zeit bereits mit kleineren Arbeiten, wie Uferbefestigungen, Ausschachtungen usw. begonnen, die zu gegebener Zeit weitergesührt werden sollen. Die Dlll ist in manchen Städtchen des Dilltales wie auch für die großen Wiefenflächen bei Hochwasser gefahrbringend, weshalb hier nur durchgreifende Maßnahmen Abhilfe schaffen können.
fpd. Frankfurt a. M.. 22. April. Die sozialdemokratische Stadtverord- netenf raf tion stellte beim Magistrat den Antrag auf völlige Arbeitsruhe in allen städtischen Betrieben, Bureaus und Schulen am 1. Mai. Für lebenswichtige Betriebe soll Sonntagsdienst angesetzt werden. Außerdem fordert die sozialdemokratische Fraktion die ü m b c n c n= nung der Kronprinzenstraße in Friedrich-Ebert-Straße. Auf den Ausgang der Abstimmung in der nächsten Stadtverordnetensitzung darf man gespannt sÄn
Messe-Auskehr in Frankfurt.
fpd. Frankfurt a. M., 22. April. Die Messe nähert sich ihrem Ende, in allen Hallen rüstet man bereits zum Aufbruch, viele Stände sind schon leer, die Aussteller abgereist. So läßt sich jetzt am Schluß ein Urteil über die Ergebnisse dieser zwölften Musterschau geben. Mll dem geschäftlichen Erfolg ist man, ähnlich wie auch im September 1924. selten wirklich, viel öfter gar nicht zufrieden. Man gibt aus den Kreisen der Ausstellung und der Messeleitung gern zu, daß es um die geschäftlichen Ergebnisse auch nod) viel ungünstiger stehen könnte. Frankfurt kann sich rühmen, der Messe außerordentlich viel Ausländer zugeführt zu haben. Diese rühmen Die Aebersichtltchkeit der Messe und ihre Vorbild- liche Einteilung nach Warenzweigen, übten aber auch Kritik. Der Erfolg der technischen Messe ist unbestreitbar, ihre frühere Eröffnung war aber ein Mißgriff und wird sich wohl kaum wiederholen. Die Tabakmesse blickt auf recht geringe Erfolge zurück. Auch die Radioabtellung hatte kleinen Absatz. Gleichfalls war die Abteilung für hauswirtschaftliche Artikel nicht von Erfolg begleitet. Die Aussteller Solinger Stahl- Waren kamen nicht auf ihre Kosten. Allerdings zeigten Franzosen für diese Abteilung großes Znteresfe. Die Textilabterlung brachte nicht un = mittelbaren glänzenden Erfolg, aber Die Stimmung geht doch dahin, daß das Geschäft doch vielerlei Anregung erfährt. Herrenbekleidung wurde gut verkauft, ebenso Damenkleider und Wäsche. Es wurde vielfach bereits Winterware verkauft mit sehr langen Krediten. Die sehr reichhaltige Ausstellung von Getränken und Lebens- mitteln hatte befriedigenden Absatz. Möbel fanden anfangs recht guten Absatz, später flaute das Geschäft ab. Für Reifeartikel und Galanteriewaren waren die ersten Tage gut. Schmuck und Kunstgewerbliches fanden wenig Käufer. Dagegen ist man mit dem Absatz der Parfümerien zuftneden. Die Sonderausstellung Sowjetrußlands begegnete lebhaftem Zrrtevesse. Der Absatz in Spielwaren ist nicht befonders rühmend gewesen. Alles in allem eine Messe, die gleich ihren Vorgängerinnen schwer unter den wirtschaftlichen Verhältnissen litt. Zu bemerken ist. daß hier wie auch anderswo die Preise der deutschen Erzeugnisse sich vielfach als zu hoch erwiesen.
ttirche und Schule,
Born hessischen Landeslehrervereiu.
* In Ergänzung unseres Berichtes über die Bad-Nauheimer Tagung des H e f s i f ch. Landeslehrervereins wird uns noch mitge- teilt: Der mit großer Mehrheit in den Geschäfts -
IRflhltf 0t. Weinretche. MottenSther ävillJH* Den Grimmigsten der 2Hottcnlöter
Der langweilige Nachmittag.
Don Ada Baronin Fircks.
Der noch einigermaßen junge Herr v. P., Äur- länder und in jener Zeit noch Besitzer eines schönen Fideikommisses, merkte, daß er in feinem Lehnstuhl eingefchlafen gewesen war. —
Er machte die Augen aus. — Allerdings. — Zwischen dem Zuerst und dem Jetzt ein Zwischenraum. Dies merkte man am Licht, das noch um einen Schatten schläfriger geworden war als vorhin. — Die llhr schlug: — eins, zwei, drei! — „Gott schwer' Not!" — also hatte man saft zwei Stunden schlafen können, obwohl man erst um halb ein llhr aus dem Bett gestiegen war. Das Mittagessen war schuld. Sakuska, — Fischsuppe, Schweinebraten, gebrannte Creme. — Oh Gott, man hatte also genug in sich! — Bon P. machte die Augen wieder zu. Da er aber zu grübeln anfing, so blieb der Schlaf aus, was ihn verstimmte. — Woran dachte er? — An das langweilige, blödsinnige Schnarchen der llhr im Eßzimmer? — an das Harmonika- gewinfel im Souterrain? —
„Lakftigal!" schrie er, daß es deutlich genug war.
Das Spiel verstummte, und der Alle zeigte sich.
„Häng den Pendel aus!"
„Den Pendel . . . gnädiger Herr Baron . . .?" „Du Schafskops, — geh'."
Das Sonntagsharmonikagedudel nahm also feinen Fortgang, und v. P. machte den Versuch, sich selbft ein wenig zu erheben, um nach dem leidigen Pendel zu sehen. Doch fügte er sich ins Unabänderliche, sank wieder zurück und zerbrach sich den Kops darüber, mit wem in aller Welt er prö- fsrence spielen sollte, da der nichtsnutzige Pastor heute fünf Meilen weit fort vikarierte und der Doktor in höchst mäßiger Gesellschaft einen Kommers veranstaltete. — Man hatte also selbst gar nichts vor, --nichts, — nichts, gar nichts'.--Bon P. machte feine Augen wieder auf, lugte über die Tischplatte. Ein Buch lag do, — Christian Morgensterns „Palma Kunkel". — Die Palma Kunkel selbst
auf dem Einband konterfeit, aber zu weit weg. Man tonnte mit der Hand unmöglich bis dahin reichen. — Etwas näher hier herzu sah man dafür die .Grundlagen Chamberlains". — Man hatte geflern oder oorgeftern ober vorvorgestern ein wenig darin geblättert. — Sollte man? . . .? Aber müde war man, — müde war der Herr v. P. — Nun würde er hier so sitzen und nachdenken bis zur T^ezeit. — Lakstigal würde kommen und die Lampe anzünden. — Wozu das'' — Man konnte genau so gut im Dunkln -- nichts tun. — — Und dann, nach dem Teer. v!s zum Abendessen würde man... — Ha. - Lastigal hatte wieder vergeßen, die neue Pc-pyroeschachtel aufzuschneiden. — Wie Sollte man nun rauchen, ich bitte? — Das Mester war nicht da, und Lakstigal, das dumme Huhn, spielte Harmonika.
„Lakstigal!!!"
Eine Winterfliege kroch auf dem Tisch herum, auf die Schachtel, über den Tabak, wieder hinaus,— jetzt auf die Nase der „Palma Kunkel". Und blieb dort. Also halte die Palma Kunkel eine große, schwarze, lebendige Nase; — sie flog auf und verschwand in der Tapete.
Die Uhr drüben stieß und schnarchte immer noch, schläfrig und dumm: „Zeit!--Zeit! —
Zeil!--Zeit!"
Die Harmonika grunzte im Baß, orgelte im Diskant. So überstürzten sich lästig die Eindrücke, daß man absolut keinen Schlaf fand. — Man gähnte, — es half nichts. — Man gähnte noch pinmnl. „Zeit!--Zeit! — Zeit!--Zeit!" Und von
neuem fing man zu denken an: Weil der Schnee schmolz, dachte man tiefsinnig, wurde es naßer und naßer draußen. — Februar. — Noch war's Zeit. „Zeit!--Zeit! — Zeit!--Zeit!" — In der
Hauptstadt tanzte man bereits. Allerdings ein großartiges Vergnügen und--anstrengend! — Zwei
Wochen lang tanzte man oder noch mehr in jeder Nacht von 9 bis 4 Uhr mit den „Cousinen". — Sehr amüsant' — Dann soff man, schlief darauf un genügend, um verkatert bis zum Ueberdruß, die „Cousinen" im Schlitten spazieren zu fahren und dann von neuem — — zu tanzen. — Du lieber Gott! — So hatte man also gerade genug von dem
Einmal gehabt und fuhr nie, — niemals mehr in die Hauptstadt; und langweilte sich hier lieber einigermaßen bequem im Lehnstuhl.
Der Herr v. P. gähnte nun wieder furchtbar (aut. Das zerriß erbarmungslos die Stille, und das Leder im Seßel knarrte, als er sich auf die andere Seite herumdrehte.---Da fiel ihm das Gesicht
der LUy Merjeanne vom thsatre frankois in Paris ein, dies Gesicht, das er einstmals gekannt hatte, — es war ziemlich lange her. — Der Bewegungen der Franziska Heinrichs erinnerte er sich undeutlich, sie erschienen ihm, im Vergleich zu denjenigen der Lily Merjeanne.grotesk. — Das meiste Gedächtnis verband ihn schließlich noch mit der Bulgarin Sina Bugowlina. — Wo war die? — Za, mein Gott, wo sollte sie denn sein? — Und Herr v. P. streckte seine Beine von sich und gähnte noch lauter. — Es gab also hier nichts! und auch nicht die leiseste, geringste Abwechslung heute z. B. — nicht die flcnifte Zerstreuung! ---M den Fenstern draußen tropfte
es naß und kalt wie eben nur im Februar, wenn der Schnee nicht weiß, was er cigentlid) soll. — Es tropfte. — Was ließ sich also aus diesem trostlosen, jagdlosen, sinnlosesten aller Monate machen, noch dazu, wenn es »onntag war und niemand zur prsssrence kam?! — Und dunkel wurde es, wurde immer dunkler, aber immer noch nicht dunkel genug für die Lampe, — du lieber Gott, — und langweilig!
Gepolter auf dem Korridor, — Türen schlagen! — Fernand lief! —
„Gott schwer' Not, — daß man auch gar keine Ruh hat'"
Da stürzte Lakstigal herein, fchlotternd! — „Es brennt!" Schrie er. „Die große Kornfcheune, gnädiger Herr Baron!"
Bon P. hob unmerklich seinen Kopf. „Gott sei Dank", Sagte er nur.
„Was, Herr Baron: — Gott (ei Dank?! ----
Die Unversicherte ist es!"
„Schafskopf!"
Atemlos stand Lakstigal. „Der gnädige Herr Baron müßen aufftehen, — kommen!"
„Ich komme ja schon."
Geschrei im Hof, Tumult! — Der Alte verlor den Verstand und rannte fort, dieweil v. P. gemächlich aufftanb und sich reckte. Seine beiden Beine waren eingeschlafen. Man mußte daher erst ein wenig hin und hergehen. — Und weil Laksti gaJ den Verstand verloren hatte, ohne die Stiefel vorher zu bringen, so steckte o. P. seine Beine mit den gut gefalteten Beinkleidern in die bootsähnlichen Schlurrgaloschen, zog den Zagdpelz über und schlurrte auf den Brandplatz.
Dann war e r es aber, der Herr n. P. selbst, der als erster darauf verfiel, 'die Feuerspritze aus dem brennenden Haus zu ziehen, — er war's, der die verstörten, schläfrigen Sonntagsgesichter allenthalben wachrüttelte, der befahl, bem 'man gehorchte, der in feinen großen Galoschen der Geschickteste mar. und der Eifrigste, und der das Herrenhaus, die Ställe usw. rettete, denn der Wind zog gerade von der Brandstätte her, fegte Rauch und Funken tragend über die Dächer.
„Nicht versichert", hatte Lakstigal gesagt, — „ach was, Teufel!"--Zufrieden ließ v. P. den
Wind durch die Lippen pfeifen, während er als einziger hoch auf der Brandmauer stand, mit dem Schlauch manövrierte, daß der Strahl zischend in die Gluten einbrach, die verkohlten Balken bestrich. „Was Teufel, — unversichert. Dafür hatte man was zu tun endlich, — hatte sich in nützlicher Weise zu bewegen! — Der Herr v. P. unterbrach hierauf ein wenig seinen Rettungsdienst, um anzurauchen, warf das Zündholz in den Qualm, nahm dann wieder den Schlauch in die Hand, arbeitete, bewegte fid), bis es genug war, — stand danach, um cm Uebriges zu tun, wachend noch bei den schmälenden Trümmern bis zu Morgengrauen. Es mar Falt, wenig gemütlich, — unbequem, aber die ganz leise angenehme Vorstellung Schlich (ich in v. P.'s Sinne, wie das z. B. alfo werden mürbe, wenn man nach vollbrachten Mühen wieder ins Haus tarne? — Der Lehnstuhl wartete, — man würde in ihn hinein - sinken, eßen, Schnaps trinken, Tee trinken, wieder Tee trinken. — und in dem ledernen Lehn Stuhl vor dem endgültigen Schlafengehen--vielleicht wirk
lidj noch ein bißchen — — ein schlafen.--
Die kiufg® Mauj-frau i nimmt nur H das e.chte.
mir dem Na=
menzzua:
auf jeder Packung!


