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Nr. 94 Zweites Blatt

Frankfurter Meffebrief.

Fortschritte in der Technik auf der Frankfurter Frühjahrsmesse.

Don Dipl.-Ing. Mangold, Duisburg.

II.

3m Anbau des Hauses der Lechnil befindet sich die grobzügig angelegte Sonderausstellung über die Anwendung der Elektrizität in der In­dustrie. im Gewerbe und im Haushalt. Sie ist auS dein Grunde noch besonders interessant, weil die gleichzeitig stattsinbende Sonderausstcllung über die Verwendung de- DaleS in der Haupt­halle des Houses der Technik das Gegenstück dazu bildet.

3n der Industrie und dem Gewerbe wird besonders zum Antrieb non Werkzeug- und Spe­zialmaschinen bei einigermaßen billigem Strom­preis der Elektrizität ein große- VerwenÖungS- gcbiet -ukommcn. Die Vorteile des Elektromotors für derartige Maschinen sind in betriebstech­nischer Hinlicht so groß, daß man ihm, wenn nur irgend möglich, den Vorzug geben wird. Etwas anderes ist es dagegen im Haushalt. Ohne Frage ist auch hier die Elektrizität die sauberste Energiequelle, bei gewöhnlichen Verhältnissen aber doch teurer als Gas. Die Sache ändert sich natürlich sofort da, wo durch da- Vorhanden­sein von Wasscikraftanlagen die Stromkosten nur ganz gering sind. Hier kommt bann auch eine weitestgehende Anwendung der Elektrizität in Frage

So dürfte die mustergültig ausgestattete große Hotellüche für die Schweiz oder Schweden bzw. Norwegen. dagegen wohl kaum für Mittel­und Aorddeutschland in Frage kommen. DaS nämliche ist von der elektrischen Vadeeinrichtung oder von der elektrischen Warmwasserbereilung zu sagen. Allerdings dürfen wir nicht verschwei­gen, daß durch den Wärmespeichcr, welcher den billigen Rachtstrom für die Warmwasscrerzeu» gung benützt, die Elektrizität auch hier mit dem Das sehr erfolgreich in Wettbewerb treten kann. Aber im allgemeinen ist das elektrische» Heizen und Kochen den Kreisen Vorbehalten, wo es die Verhältnis c gestatten, nicht auf die Encrgiekosten in erster Linie zu sehen. Ganz anders liegen die Dinge bei Krankenhäusern und ähnlichen In­stituten. wo für die gebrauchten Apparate das Da« nicht in Frage konunt und auch die Kosten­frage erst hinter den Forderungen der Hvgiene kommt.

Eine wichtige Anwendung dcS elektrischen Lichte- ist die Schaufenster- und Reklamebelcuch- tung Auf einem besonderen Stand werden dem Besucher die verschiedenen Arten der Licht- und Schaufenster-Reklame vorgeführt.

Im übrigen ist die Elektrotechnik nur in Kleinapparaten zum täglichen Gebrauch besonders im Haushalt lStaubiauger. Heizkissen, Haar­trockner usw.) vertreten. Größere elektrische Ma­schinen und auch das Fernsprechwesen fehlen fast ganz. Die Radio- und Rundfunkapparate, welche in einem Teil der Werkhalle gegenüber dem Hause der Technik sind, zeigen manche be­achtenswerte Reuerung.

Die Balltechnik und damit verwandle In­dustrien sind in diesem Frühjahr, von dem man eine lebhafte Steigerung deS Baumarktes er­wartet, gut vertreten.

Die Ambi Riaschinenbau 21. G. Berlin SW 68, welche in ihrem eignen Haus der Technik ausstelll. hat in ihren Baumaschinen eine Reuhell herausgebracht, welche man als ein Ergebnis auf dem Baumarkt bezeichnen darf. Es ist dies ein Handsteinformer (D R.P.?, siehe Abbildung) zur Herstellung von Rormalsteinen aus Kies oder Schlackenbeton. Bei ihm sind die ilntcrlagäbrcttci, welche sonst wegen ihrer großen Anzahl hob? Anlchaffun.?stostcn bedingen, nicht mehr erforderlich, unö jedermann ist in der Lage, sich rasch und billig 2kormalsteine selbst herzustcllen. Der Handsteinsormer, welcher ohne welleres von jedem jugendlichen ungelernten Ar- beiter zu bedienen ist, stellt bis zu 1030 Rormal­steinen im Tage her. Seine einfache Konstruk­tion besteht aus einem Rahmengestell, in dem beweglich ein Stampfkolben angebracht ist. Im unteren Teile des Rahmens befindet sich der heb- und senlbare Formkasten. Der Apparat wird

GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, 2 April 1925

unmittelbar aus den Erddoc-eu aufgefetzl und das mit Fülltrichter in ihn geschüttete Material rach dessen Entfernung mit wenigen Schlägen fest' gestampft. 2kun wird der Formkasten hoch­gezogen, so daß die sesttzestampften Steine frei« liegen und der 2lpparat über sie hinweggcschoben werden kann. Rach zwei biS drei Tagen sind die Steine so well erhärtet, daß sie gestapelt werden können. Die Handsteinformmaschinc ist bequem von einem Mann tragbar und kostet 95 Mk

Schwend & E 0., Baden-Baden Zeigt seinen bekannten Schornsteinautsatz. welcher die Fugwirkung des Kamins wesentlich verbessert und dadurch eine Ersparnis an Schornsteinlänge erzielt, wöbet die Kamine nicht mehr über den First hinausgcführt werden müssen. 2llle seine Teile tonnen ohne weitere- für jede Kaminform zusammen gebaut werden und vermeiden jede Metallteile, wodurch eine hohe Lebensdauer er­reicht wird.

Ambi Handfteinformcr.

Ferner wird erstmalig ein Mörtelmischer ge­zeigt, welcher ganz erhebliche Verbesserungen aus­weist. Das Mischgut wird an ihm mit voller Kraft vorwärts, gleichmäßig aber mit halber Kraft rückwärts transportiert. Dadurch wird ein doppelter Mischvorgang erzielt. Durch die Eigen­art der Schneckenwindungen wird eine derart intensive Mischung erzielt, wie sie mit ähnlichen Maschinen bislang nicht erreicht werden konnte.

Die Wosserzufuhr ist in Form einer Drausc- röhre angebracht, an die dir Leitung direkt ange­schlossen wird. Diese Anordnung gewährt ein­wandfreie Einstellung der erforderlichen Wasser­zugabe. wodurch ein gleichmäßig durchfeuchtetes Mischgut entsteht.

Weiler finden wir d.e bekannte Formenreihe zur Ambi-Massivbauweise. welche sich nun seit 15 Iahren in jeder Weise bewährt hat, sowie eine Dachziegelmaschine zur schnellen und billigen Herstellung wetterfester Dachziegel aus 'Beton, ein Detonpfostenformer, einen Walzenbrecher neuester Bauart u. a. m. Auf dem Gebiete des inneren Ausbaues zeigt Ambi wieder seine Bade-, Wasch- und Tolletteneinrichtungen.

3m Landmaschinenbau sehen wir die Ge­treide- und Grasmäher, die Garbenbinder. Vieh­futter-Schnelldämpfer und Schrot- und Backmehl- mühlen der Ambi-Werke.

In der Ditumitekt-Dedachung von I. QI. Braun, Stuttgart-Cann st att gibt es ein Deckmaterial, welches aus bester Wollfilz­pappe und Qloturbitumen hergestellt und voll­kommen geruch- und teerfrei ist. Es kann selbst bei der größten Hitze niemals abtropfen und hat sich dadurch in den Tropen besondere Beliebt­heit verschafft. Mit tot- und grünfarbiger Ratur­best reuung ist es von ganz eigenartig schöner Wirkung. Seine Wetterbeständigkeit bewahrt es jahrelang in demselben Anstrich, und es dürfte gewöhnliche Dachpappe an Haltbarkeit über­treffen.

Die Erzeugnisse der Stop-Dübel A. G. B e t l i n W 30 finden immer toieber großes Interesse und ständig weitere Verbreitung. Der Stop-Tübel kann ohne Gips oder Zement in jeder Wand eingeschlagen toeröen. Die Wand wird hierbei bedeutend weniger beschädigt als beim Vorschlägen eines Loches.

Höntsch & C0. in Dresden-Rieder- s e d l i tz, die neuerdings auch im Rheinland und Westfalen vertreten sind, stellen Modelle ihrer gut durchdachten und billigen Holzhäuser aus, deren einzelne Telle maschinenmäßig im Groß­betrieb hergestellt werden. Ihr Holzstabgewebe dürste ein außerordentlich guter und billiger Derpuhträger sein. Die Firma stellt dieselben auf eigenen Holzbearbeitungsmaschinen her. Wei­ter ist auf ihre Gewächshäuser hinzuweisen, die gebrauchssertig einschließlich der Heizkesle'anlagen geliefert werden.

Bei D y ck e r h 0 f f & Widmann in Bicb- rich a. Rh. sind großeBeionrobre, 1000/1500 Durchmesser, sowie eine in diesem Rohre schar- rierte Fläche, an welcher man das feste Ge­füge des Betons sieht, bemerkenswert. Qlus dem Kanal- und Straßenbau sind u. a. zu sehen. Brunnenringe, Sinkkasten. Drainage- und Fern- heizröhren, Pflaster- und Rundsteine, Trottoir- platten, Wasserrinnen usw. und in kleinen Mo­dellen Kaminsteine, Zaunpfosten, Frühbeetkasten, Qlbortgruben usw.

Der Stand selbst ist aus Schlackenbetondielen sowie Formsteinen hergestellt. Gegenüber von diesem Stande sehen wir einen aus Terrazzo- material hergestellten Kamin sowie einige Ter- razzo-Wand- und Bodenverkleidungen und Trep­penstufen, welche die Firma als Spezialität jetzt im Großen anzusertigen gedenkt. Ferner ist noch hinzuweisen auf die Wascheinrichtungen aus Ter­razzo, die Triol- und Schlackensteine usw. und Kunststeine für den inneren Ausbau. Die für den Bahnbau in Betracht kommenden Asbeionschw I- len finden mehr und mehr statt Holz- und Eisenschwellen Verbreitung.

Bamberger Leroi & C0., Frank­furt a. M., eine der bedeutendsten Fabriken für sanitäre Errichtungen jeder Art, besitzen im Haus dcr Technll einen größeren Stand, auf welchem komplette Steingut- und Feuerton-Ap­parate (Waschtische, Badewannen, Klosettanla­gen, Spülkasten sowie Marmorwaschtische) aus­gestellt sind.

Für Hotels, Sanatorien usw. bringen sie ein neues Waschtischmodell unter dem Barnen Columbus-Waschtisch" auf den Markt. Er ist in seiner Konstruktion vollständig neu und das

hygienisch Einwandfreieste waS man auf diesem Gebiete zeigen kann, auS dem einfachen Grunde, weil man sich hier in fließendem, temperierten Waller tralcbcn kann und nicht mehr wie seither, das Becken zum Waschen benutzt wird.

Aus der Provinz.

Landkreis v',. s;en.

!*! Klein-Linden, 22. April. Seinen 8 0. Geburtstag feierte der hiesige Kirchen­vorsteher und Fel-geschworene Phil. I u n g. Er ist Altveteran und machte die F 'dzügg von 1866, 1870 71 als Kanonier bei der 25. hessi­schen rellenden Batterie mit. Lange Iahre war er Mitglied deS Gemeinderats und deS Ort<- gerichtS.

r (Brün berg, 21. April. 'Bet der gestriger Holzoer st etgcrung die letzte tn diesem Jahre im hiesigen Stadtwalde wurden für der Raummeter dur.bschnitlich folgende Preise gezahlt Buchenscheiter 21 Mk, Btichenkuüppel IbMk .Cichen- scheiter b;w. Rundholz 18 Mk.. Btichenknuppel 10 Mk., Buchenstockholz 15 Tlf, Eichenstockholz 14 Mk. Buchen reisig 3,50 Mk. und Eichenreisig 1 Mk. Die hiesige Oberrealschule i. E. hat gestern das Schuljahr 1025 mit her Aufnahme non 47 neuen Schülern eröffnet. Die Gesamtzahl der Schüler in allen Klassen von Seria bis einschließlich Ober' prima beziffert sich auf 158 gegen 253 bei Beginn des vorigen Schuljahres. Davon flammen aus (Brün- berg 83 von den Auswärtigen sind 6 aus der oberer .Klosse 1,1 voller Pension hier untergebracht, der Best kommt täfilidi mit der Bahn aus Richtung Mücke Londorf. Saasen und Ettingshausen.

Mreifi Friedberg.

Bad-Ra uhei m. 22. April. Unter Bad das immer mehr als Ort für große Kongress« gewählt wird, ciuxirtct Ende dieser Woche großer Besuch. Die Deutsche Röntgengesell- fchast (Gesellschaft für Röntgenkunde unk Strahlensorschung» hält in den Tagen vom 25 bis 27. April hier ihre 16. Tagung ab. 70C bis 800 Röntgen-Aerzte werden erwartet. Dii Tagesordnung weist neben den Plenar- unk AuSschußsihungen 70 wissenschaftliche Vorträgt aus den Gebieten der Diagnostik, B ologie. The­rapie. Röntgenphtzstk und -techmk auf. Außer­dem ist eine Ausstellung von Röntgenappa raten und -geraten vorgesehen. Die Bad- und Kur­verwaltung hat cm 1 eichhaltiges Untei haltungs Programm aufgestellt. Ein Ausflug nack Gießen wird mit der Bes chtigung der dortiger UniversitätSinstitute bekannt machen. Ernc größere Anzahl von Pressevertreterin. du auf der Frankfurter Messe tociTcn. lich­teten dieser Tage unserer Badestadt einen B fu<t ab. Sie waren hochbefriedigt von den muster­haften Einrichtungen des BadeS. - - Der Zweiq- verein vom Roten Kreuz veranstaltet? ir diesem Winter eine Reise allgemeinoerständlichei Vorträge. Ein Lichtbilder-Voitrag von Dr. Ga­briel über »Krüppclfürsorgc' beschloß gestern abend das Unternehmen, das sehr viel Anklanf gefunden hat.

vw. Butzbach, 22. April Wi. wir hören, sind aus den über 200 Bewerbern für den hie­sigen Bürgermeisterposten zur engeren Wahl 40 ausaeschieden worden Während die Bereitschaften unserer hiesigen Schutz­polizei am 2. und 3. Mai ein S p 0 r t s e st in den verschiedensten sportlichen Hebungen ab- halten, das auch durch ein Konzert d?r Gießener CineimvoltwurzelstdeSes'mdheits.'etzel die schon sehr alt ist, beruht aus der Erfahrung daß eine Blutrcinigung im Frühjahr von größtem Vorteil für die Gesundheit ist. Die Verdauungs. organc werden durch Anwendung eines erprobten Mittels, wie es die seit 50 Jahren bekannten und beliebten Apotheker Rich. Brandt S Schwei erpillen sind, zu größerer Tätigkeit angeregt unö dadurch die der Gesundheit sehr schädlichen Schlacken deS Stoffwechsels, (verbrauchte Sülle usw.) aus Blut Darm unö Gefäßen auf angenehme, natürliche unö unschäöliche Weise entfernt, so Öaß eine wohltuende Erfrischung ÖeSganzenttörperS eintritt Manverlangc stets die echten Apotheker Aich. Brandt'- Schweizer. Pillen, die in allen Apoth. zu Rm. 1.50 erhältlich find. Extr. Selin pal. 1,5 Extr. Achill mosch Alo- < - Absynth.aa 1,0. Extr. Trif. Gent. La0,5 Pulv. rad. Gent. Trif. äa q.s.f.pll.50.

Feuer am Nordpol«

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.

Don Karl-August von Laffert.

23. txortlcpung (Nachdruck verboten.)

Frankreich wunfchl nichts Sehnlicheres als den völligen Friedens,zustand", entgegnete der Gesandte. Aber das stets revanchelüsterne Deutschland läßt es nicht dazu kommen indem es sich immer aufs neue Öen gerechten Bestimmungen des Friedens von Ver­sailles zu entziehen versucht. Unb-jo lange befinden wir uns noch, wenn auch sehr gegen die Absicht des friedliebenden Frankreich, im latenten Kriegszu- stände mit Deutschland. Auch aus diesem Grunde müssen wir daher die $)crausgabe der als Kriegs- material anzu seheirden beiden Flugzeuge verlangen.

Der Minister wand unö drehte sich. Die Ange­legenheit wurde recht peinlich, unö die Stimmung ferner Frau würöe auch nicht rosiger weröen, wenn das Gespräch noch lange dauerte.

.Ich persönlich vermag in dieser wichtigen An- gelenheit nicht allein zu entscheiden. Morgen werde ich dem Herrn Ministerpräsidenten die Sache oor- legen. Vielleicht wird sogar ein Ministerrat nötig fein."

..Und bis dahin reißen uns die Deutschen aus. Unmöglich!" schrie der Gesandte.Ich vergaß Ihnen auch noch mitzuteilen, daß ein bekannter russischer Bolschewist "an der sogenannten Expedition teil- nimmt."

Dem Minister kam eine Erleuchtung.

..Ein Bolschewist ist mit von der Partie? Das ändert die Angelegenheit. Dann haben wir volle Veranlassung, uns die beiden Flugzeuge einmal näher anzusehen, ob sie nicht vielleicht kommu­nistische Propagandaschriften bei sich führen."

Das ist höchstwahrscheinlich der Fall. Seit langem schon konspirieren die Bockes mit den Bol­schewisten.

Dem Minister kamen neue Bedenken.

Wenn wir aber nichts fiomprimiticrcnbes fin» den?"

In Frankreich würden wir in solchen Falle etwas finden, und auch ich vertraue der Gewandt­heit Ihrer Beamten. Jedenfalls ist das mindeste, worauf ich bestehen muß, die vorläufige Festnahme der Deutschen. Unteröeffen hat Ihr Ministerrat Zeit,

sich zu überlegen, auf welche Weise er unseren be­rechtigten Wünschen nachkommen kann."

Trotz seiner Sympathien für Frankreich war derMinister durch diese Unverfrorenheit verletzt. Jetzt hieß es Zeit gewinnen, damit seine Frau nicht völlig ungenießbar wurde. Er antwortete daher:

Ich werde die Behörden von Hammerfest so­fort anweisen, die Flugzeuge vorläufig sestzuhaUen. Das übrige kann dann der Herr Ministerpräsident morgen entscheiden."

Er erhob sich etwas nervös. Auch der franzö- sische Gesandte stand auf.

.Ich danke (Euer Exzellenz für die wohlwollende Erledigung der für uns höchst wichtigen Angelegen­heit. Ich werde sofort dementsprechend nach Paris berichten."

Er ging, vom Minister geleitet, zur Tur, wor­auf dieser in seine Privaträume eilte. Das Tele gramm nach Hamniersest konnte immer noch am nächsten Morgen abgehen.

13.

Die Landung der beiden deutschen Flugzeuge war für die 2000 Einwohner von Hammerfest, die­ser nördlichsten »tobt der Erde, ein noch nicht da­gewesenes Ereignis. Wie die Funkenstation be­kanntmachte, sollte die Ankunft gegen Mitternacht erfolgen, aber schon von 11 Uhr abends an stand eine vielhundertköpfige Menge an der felsenum- fchlossenen Bucht der Insel Ävalö, die den windge­schützten Hasen des Städtchens bildet.

Herr Karsten, von Geblüt Deutscher, von 'Na­tionalität Norweger, hatte die Vorbereitung zur un­gestörten Landung getroffen. Auf seine Veranlas­sung machten alle im Hafen liegenden Schiffe dicht am jh:er fest, so daß in der Mitte ein weiter freieiWtaum blieb, der durch vier rote Bosen mit darauf wehenden weißen Fahnen markiert war.

Als die Mitternachtssonne ihren tiefsten Stand erreichte, ging ein Aufraunen durch die Menge. Ein Flugzeug wurde hoch über den Felsen der kleinen Insel sichtbar In langiamen Windungen kreisle es tiefer. Jetzt wurde auch der zweite Flieger ge­sichtet, und bald darauf tauchten beide Flugzeuge kurz hintereinander dicht bei den Bojen in das ruhige Wasser des Hafens. Sofort machte ein Mo­torboot los, um Hilfe zu bringen, aber beide Flug­zeuge fuhren mit zu langsamer Fahrt gebroffelten Motoren bis an die Mole, wo sie anlegten.

Von den Decks wurde je eine Landungsbrücke gestreckt, worauf Linda, Sanders, Stralosf und Na­gel ausstiegen, während die Besatzung die Fahrzeuge fest verlaute. Als erster tarn ihnen der Bürger­meister entgegen, der sie auf deutsch herzlich will- kommen hieß. Dann trat auch Karsten herzu und stellte sich als deutscher Wahlkonsul und Vertreter von Derghaus in Christiania vor. Sanders nannte die Diemen seiner Mitreisenden.

Darf ich die Herrschaften bitten, bei mir Quar­tier zu nehmen?" bat Karsten.Für die Mannschaft der Flugzeuge ist Unterkunft im Gasthaus besorgt."

Wir neh'men für unsere Person Ihre liebens­würdige Einladung mit Dank an", sagte Sanders. ..Unsere ßeute dagegen müssen auf den Flugzeugen bleiben, werden aber ihre Mahlzeiten gern im Gast­hof einnehmen."

Alles in Dehnung?" |ragte Stratofs kurz.

Jawohl, Herr Stratoff", sagte Karsten.14 000 Liter Benzin liegen hier bereit, 6000 Liter in der Adoentbai auf dem Bureau des Kohlenbergwerks von Eriksen."

x Die besonders über das Erscheinen einer Dame begeisterten Hammerfester brachen in laute Hochrufe auf Deutschland aus. Dann ging es über die Mole in das kleine, aus lauter niedrigen Holzhäuschen bestehende Städtchen hinein.

Am Ende der Landungsbrücke gab es durch einen uniformierten Beamten einen kleinen Aufent­halt. Der Bürgermeister erklärte, die Polizei bäte um die Pässe der Reisenden. Diese wurden ausge- händigt, und der Beamte versicherte, sie nach Ein­sichtnahme und Sichtvermerk am folgenden Tage zu- rürffteUen zu wollen.

14.

Zwei Tage jpater waren die Flugzeuge aufs neue fahrbereit, die Maschinen gereinigt, die Mo­toren überholt, die Benzintanks aufgefuUL Somit konnte die Fahrt losgehen. Karsten hatte in uner­müdlicher Fürsorge sogar noch einen norwegischen Lotsen bewogen, die Reise bis Spitzbergen mit- zumachen, weil bei den dort häufigen Nebeln die Adventbai nicht leicht zu finden sei.

Die Nordpolkahrer waren um 12 Uhr nachts zum Abschied-esien im gastlichen Hause des deutschen Konsuls oersam/nelt. Die gewohnte Zeiteinteilung schien hier im ewigen (nördlichen) Tage völlig über Öen Haufen geworfen.

Karsten hielt eine längere Rede auf glückliches Gelingen und schloß mit einem Hoch auf Deutsch­land. Hell klangen die Punschgläser aneinander.

Stratoff flüsterte Linda mit malitiöfem Lächeln zu:

Rumänien und Rußland scheint marf hier ganz zu vergessen. Dabei wäre ohne uns beide nie etwas ai.s der Sache geworden."

Die junge Frau antwortete nicht, sondern wandte sich an Sanders:

Wann fahren wir?"

In einer Stunde ist alles bereit. Wir warten nur noch den Wetterbericht aus topitzberhen ab, den die Funkenstation uns zustellen wollte.'

Fürchten Sie irgendwelches Unwetter?" fragte Stratofs.Unsere Fahrzeuge trotzen doch jeder Wit­terung "

Starker Nebel würde unsere Orientierung, starker Sturm unsere Landung erschweren", sagte Nagel.

.Bor allen Dingen haben wir unsere Pälse im­mer noch nicht."

Der Hausherr erhob sich. .

.Ich will mich gleich einmal auf die Polizei­station begeben", sagte er.Diese unbegreifliche Ver­zögerung beunruhigt mich."

Als er gegangen war, meinte Linda

Man hat uns doch fest versprochen, daß wir bereits gestern die Päsie wiederbekommen sollten."

Da steckt eine Niedertracht dahinter", sagte Stratoff.

Don wem denn?" fragte Sanders.

Nun vielleicht von Frankreich. Dic Macht und der Haß des größten Militärstaates reichen weit."

Konsul Karsten kam bald darauf zurück. Seine Mienen drückten Besorgnis aus.

Ich befinde mich in einer recht unangenehmen Lage in meiner Doppeleigenschaft als deutscher Sion* sul und als norwegischer Staatountertan", begann er.

Verraten Sic nur ruhig Ihr Staatsgeheimnis!" rief Stratoff.Man hält untere Päste zurück."

So schlimm ist es nicht", sagt-- Karsten.Der Polizeimajor bat mich. Ihnen mitzuteilen. Sie möch­ten doch mit Ihrer Abfahrt so lange warten, bis fein Vorgesetzter aus Tromsä hier sei. Er ist heute morgen mit dem Dampfer von dort abgefahren und wird in wenigen Stunden eintreffen."

(Fortsetzung folgt)