Einzelbild herunterladen

bewert V«.egu.uvnen .or^geirtzt nxscOen ronncrt. dm kommenden Donnerstag werden £toei Ver­treter der deutschen Schwerindustrie, Fritz T h y s ° len unö Direktor Bruhn, in Paris eintreffen, um wirtschaftliche Verhandlungen mit Vertretern der französischen Schwerindustrie einzuleiten.

Die Finanzlage der Reichsbahn.

Berlin. 21. März. (Wolff., Die Aus­schüsse und der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft berieten über die finanziellen Verhältnisse der Gese'l.chaft und die Sicherstellung der Reparationszahlungen. Der Verwaltungsrat stellte fest, daß von der in der Oeffentlichkett wiederholt behaupteten Thesau» rierungsvolitik der Reichsbahn keine Rede sein kann, daß vielmehr die äusserst gespannte Finanzlage der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft iorderi, jede neue Ausgabe durch entsprechende Erhöhung der Einnahmen auszugleichen. Den Ausgleich von Mehrausgaben auf einem Gebiet durch Ersparnisse auf einem anderen Gebiet zu finden, ist nicht möglich. So muh auch die durch die letzte Lohnerhöhung bedingte Mehr­ausgabe aus dem Wege der Tariferhö­hung wieder he rein geholt werden. 3n der EinzelerörLerung der Deckungsfrage stimmte der Derwaltungsrat mit der Hauptverwaltung dahin überein, daß die Erhöhung der Güter­tarife der deutschen Wittschafl erspart werden solle, dast auch die allgemeine Erhöhung der Personenlar ife diesmal zu unter­bleiben habe. Vielmehr soll der Ausgleich darin gefunden werden, das; die besonders stark ermäßigten Sondertarife erhöht werden. Auch hierbei wurde den sozialen Vedürsnisfen möglichst Rechnung getragen. So bleiben die be­stehenden Lariferleichterungen für Fahrten von Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmern, hilfs­bedürftigen Stadtkindern und ähnliche Vergünsti­gungen des Personenverkehrs vorläufig unbe­rührt. Dor allem aber werden die Arbeiter­wochenkarten von der Erhöhung nicht be­troffen. Dagegen müssen die Tarifsätze der Zei t- karten des allgemeinen Verkehrs erhöht wer­den. Hinsichtlich der Verwendung von Mitteln für die Ausgestaltung der Bahnanlagen wurde der Grundsatz aufgestellt, daß die A.lsp.üche auf Sicherheit des Betriebes allen anderen Ansprüchen voran zu gehen haben. Neubauten können zur Zell wegen Knapphell der Mlltel nur dann Weller gefördert werden, wenn sie kurz vor ihrer Beendigung stehen, ober wenn ihre baldige Durchführung einen besonderen wirt- schafllichen Nutzen verspricht. Auch die Fahrzeua- und Lokomolivbeschajfung muh sich vorläufig weiter in engsten Grenzen bewegen.

Dre Ruhrent chädigungen.

Berlin, 21. März. (WTB.) Der Unter­suchungsausschuß des Reichstages für die Ruhrentschädigungen hat heute seine zweite Sitzung abgehalten. Die Regierung wurde um Vor­legung eines Entwurfes zur öligen,einen Orien­tierung über die ganze Materie ersucht. Der Auf­stellung des endgültigen Arbeitsplanes stellen sich Dorläufig noch große Schwierigkeiten engegen. Der Berichterstatter Dr. Hertz (Soz.) legt einen vor­läufigen Arbeitsplan vor, demzufolge unter ande­rem untersucht werden sollen, die eigentlichen Zcch- lungcn während des Ruhrkanrpfes, die Anrechnug der Zahlung der sogenannten Restforderung des Rubrindustrie aus den Reparationsleistungen des Ruqrkampfes und die Zahlungen bezw. Anrech­nung der Beiträge aus den eigentlichen Micumlie- ssrungen.

7 Dr. Hertz schlägt ferner die Vernehmung vpn unparteiischen Sachverständi­gen vor und nennt dazu zwei Direktoren des Reichskohlenverhandes, Direktor Stutz und Direk­tor L o c f f l e r , sowie den Geschäftsführer des Reichskoklenrates, Berghauptmann B e n n h o l d. Dor DorfilMde Dr. P e r l i t.i u s (Zentr.), bezeich­net zwei Fragenkomplexe als maßgebend für die Arbeiten des Ausschusses.

. 1. Was ist materiell gegeben worden?

2. Welche Rechtsgrundlage war dafür maß­gebend?

Letzter Punkt fei noch völlig ungeklärt. Don ihm aus könne man in Einzelheiten eintreten. Es sei fraglich, ob man nach der Größe der einzelnen Komplexe vorgehen soll, da in diesem Fall das Bild leicht verschoben werden könnte.

Dem Arbeitsplan Dr. Hertz wird von den De­mokraten, dem Zentrum und der Deutschen Volks­partei zuges-iinint, wobei jedoch von den Abgg. Essen (Zentr.) und Hugo (D. Vp.) verlangt wird, daß zue r st die Rechtsgrundlage geprüft werden soll. Die Deutsche Volkspartei behält sich außerdem, wie auch die Kommunisten, Ergänzungen zu dem Hertzschen fertigen Ar­beitsplan vor. Der deutschnationale Ver­treter tritt dem Vorschlag der Vertre­ter der Deutschen Volkspartei bei.

Der Vorsitzende empfie' lt daraus für die Füh­rung der Verhandlungen drei Probleme:

1. Wieviel murin: gezahlt?

2. Sind Die Zahlungen zu hoch gewesen?

3. Sind Schäden überhaupt nicht vergütet worden?

Die von dem Abg. Herg in seinem Arbeits­plan genannten Ardeitsanträge werden als vorläu- sige allgemeine Richtlinien angenommen. Dann vertagt sich der Ausschuß auf den 2. April.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. März. Heber die Kredit­gewährung an den gewerblichen □Ritte Ifta n 'p berichtet der Abg. Wienbeck (Dntl.). Per Ausschuß ersucht die Reichsregie- rang, zur Milderung dec augenblicklichen Strebit« not der selbständigen mittelständischen Gewerbe die Reichsbank zu veranlassen, eine Summe von 30 Millionen Mark der Preuhischen Zentralqe lossenschaftskasse und der Genossen-- schoftsabteiliing der Dresdner Bank als Dar­lehen auf ein Jahr baldigst zur Verfügung zu stellen mit her Maßgabe, die daraus zu gewäh­renden Kredite an die Kreditnehmer der gewerblichen Kreditgenofsensch f- t e n zu einem wesentlich billigeren als den bisherigen Zinssätzen wciteczugebcn. Sollte die Beschaffung der Summe auf diesem Wege nicht möglich sein, so soll sie aus Mitteln der R e i ch s p o s! zur Verfügung gestellt werden. 3m Einverständnis mit den Spitzenverbänden des mittesständischen Gewerbes und des ge. -r en Genossenschaftswesens sollen welle e Mußnah en erwogen werden, um dauernd die notwendigen Kredite für den gewerblichen Mittelstand zu be- schafsen und zu verbillige^

Abg. Dr. Schneider-Thüringen (Dntl.) \ berichtet über die vorläufige Entschädi­gungsregelung. Bei der Rotlage bet* jenigen, die durch Liquidations- ober Gewalt­schäden betroffen worden sind, war eine vorläufige Regelung erforderlich. Es sind Mlltel durch einen Rachtragshaushalt bereitgestellt, _bie baü> zur Verteilung gelangen formen. Damit soll der end­gültigen Regelung der Entschädigungsfrage nicht vorgegriffen werden. Der Ausschußanlrag wird angenommen. Angenommen wird auch ohne weitere Aussprache der sozialdemokratische An­trag auf Sicherung der Wahlfreiheit.

Es folgt bann die erste Lesung des vom Ausschuß für Dildungswesen eingebrachten Gesetz- entwurfs über den

Lehrgang der Grundschule.

Abg. Dr. Runkel (D. Dp.) berichtet Wer die Ausschußverhandlungen. Der Ausschuß legt folgendes Gesetz vor: Der Lehrgang der Grund­schule umfaßt vier 3ahresttassen (Stufen). 3m Einzelfalle köirnen besonders leist ungs» fähigeSchüler unter Zustimmung der Grund­schullehrer und mit Genehmigung der Grund- aufsichtsbehvrde schon nach dreijährigem Besuch der Grundschule zur Aufnahmeprüfung für eine mittlere oder höhere Schule zugelassen werden. Das Gesetz soll am 1. April in Kraft treten. Die näheren Bestimmungen zur Durch­führung sollen durch Land^sgesetzgeoung eben­falls bis zum 1. April d. 3s. geregelt werden.

Abg. S ch r o e k (Soz.) befürwortet einen An­trag, für die Grundschule allgemein eine Dauer von sechs Fahrest lassen zu be­stimmen. Beseitigt werden soll die Bestimmung, daß besonders leistungsfähige Schüler schon nach dem butten 3ahre in eine höhere Schule über­gehen können. Rach den Wünschen der Sozial­demokraten soll das Gesetz erst am 1. April des nächsten 3ahres in Kraft treten.

Abg. Rheinländer (Ztr.) betont die (Rot» Wendigkeit, die Kinder aller Klassen im Sinne der Volksgemeinschaft zusammenarbeiten zu lassen. Die Volksschule soll von der Liebe □der Dolkskreise getragen werden. An den vier 3ahren der Grundschule soll nicht gerüttelt wer­den. Die Hineinziehung der Vorschule in die Grundschule lehnt dec Redner ab. Die Schule sei der Kinder wegen da und nicht umgekehrt. Be­gabten Kindern müsse die Möglichkeit des Hebergangs zur höheren Schule schon nach drei 3ahren gegeben werden. Die Menschen seien nun einmal nicht alle glei ch.

Abg. Runkel (D. Vp.) warnt davor, durch sachliche Aenderungsanträge die Verabschiedung der Vorlage zu verschleppen. 3m Namen der Regierungsparteien legt er selbst einen Abände­rungsantrag vor, wonach beim Hebergang der leistungsfähigen Schüler zur mittleren oder höhe­ren Schule nicht die Zustimmung, sondern nur bie Anhörung der Grundschullehrer erforderlich sein soll.

□Tg. Roenneburg (Dem.) begründet eine Entschließung, bie eine Vorlage fordert, nach der die Lebenshaltungs- und Bildungs­kosten für hochbefähigte Kinder, die zur Heberführung in eine höhere Schule geeignet sind, von dem Reich den Landern und den Gemeinden zu tragen find, wenn diese Kinder infolge der sozialen und wirtschaftlichen Lage ihrer Ellern sonst nur Dolksschulbildung erhell­ten würden.

Abg. Frau Lang-Drumann (Daher. Dpt.) hält auf Grund der guten Erfahrungen in Daher n an der vierjährigen Grundschule fest. Die Dayem lieben sehr wenig die Militarisierung und die Schematisierung.

Abg. Mumm (Dntl.) erklärt, daß die Wünsche der Deutschnationalen gerade den unbe­mittelten Klassen zugutekommen sollen. Für die Bemittelten sei es gleichgültig, ob die Schulpflicht um ein 3ahr verlängert werde.

Abg. Frau Vsuels (Soz.) beantragt Zu­rückweisung an den Ausschuß. Hierauf erfolgt Feststellung der

Defchlußunfahigkeit des Hauses, da Soziafdemokraten, Kommunisten und ein Teil der Demokraten den Saal verlassen haben.

Präsident L ö b e beraumt eine neue Sit­zung auf 3 Hhr an.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Ausschußbericht zu dem Antrag, betreffend Aus- nahmetarif der Reichsbahn für Erz unP Kohle.

Der Ausschuß beantragt die Ausnahmetarife für den Eisenerzversand aus den Dergbaugebieten an der Sieg, Lahn, Dill, aus Ober» Hessen und Den benachbarten Gebie- t e n, sowie die Ausnahmetarife für den Brenn­stoff bezug der Gruben zu ermäßigen.

Die Reichsregierung wird ferner ersucht, dem Reichstag von Vierteljahr zu Dierteliahr über die Betriebsverhältnisse, Derk hrsleistuugen und SeschästSergebnisse der Reichsbahn Bericht zu erstatten.

Der Antrag wird nach Aussprache ange­nommen.

Cs folgt die Beratung des Handels­abkommens mit Guatemala. Bei der Abstimmung bezweifelt Abg. Henning (Dtsch.- Völk.) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Da sch das Bureau nicht einigen kann, muh erneut Aus­zählung erfolgen. Es werden nur 207 Karten ab­gegeben.

Das Haus ist also erneut beschlußunfähig.

Der Präsident beraumt zur Erledigung der Petition eine neue Sitzung auf 3 Hhr 30 Minuten an. Die Petition wird entsprechend den Ausschußbeschlüssen erledigt. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung des Gesetzes über die Erstattung von Rechts­anwaltgebühren in Armensachen. Der Ausschuß sieht vor. dass am 1. April an Stelle ber vollen Gebühr bei einem Werte von 200 bis 500 Mk. 12 Mb. von 500 bis 1030 Mk. 20 Mk. und von mehr als 1000 Mk. 35 Mk. treten.

Abg. Levi (Soz.) lehnt die Vorlage ab. Es gehe nicht an, daß die Nachteile auf einen ein­zigen Stand abgewälzt werben.

Abg. Heyer- Berkin (Dem.) tvendet sich Dagegen, daß eine solche Angelegeirheit, bei der die Ansicht des Hauses weiter auseinandecgehe als beim Handelsvertrag mit Guatemala, vor f a st feerem Hause erörtert werde.

Ein Regierungsvertreter erklärt, daß der Staat selbst den Rechtsschutz der Armen garan­tiere. Die einzelnen Paragraphen der Vorlage werden in zweiter und dritter Beratung an­genommen.

Vor ix-r Schlußabstimmung bezweifelt der 2lbg Dtttmann (Ö04.) die Beschlußfähigkeit beS Hauses Die Auszählung ergibt

Deschluhunfithigkeit des Hauses.

Nächste Sttzung Dienstag, Den 31. März,

Der Rothardtprozeh.

Magdeburg, 21. März. (WTB.) Es wird Frau I e n t s ch - Köpenick vernommen, die im Jahre 1918 in einem Betriebe in Berlin als Mon- tiererin tätig war und ebenso wie ihre Arbeits­kolleginnen am 3. laße des Streiks teilnahm. Die Zeugln war auch in Treptow bei der Versamm­lung und sagt aus, den Frauen sei es hauptsäch­lich darum zu tun gewesen, zu erfahren, wie sie sich zu verbalten hätten, da sie die schöne Ar­beit nicyt verlieren wollten. Aus Zurufe habe der verstorbene Reichspräsident Ebert ge­sagt:Wartet, bis ihr von den Gewerkschaften, bzm. Obleuten aufgefordert werdet. Die Arbeit wird wieder ausgenommen werden." Bon Ge­stellungsbefehlen sei auch die Rede gewesen. Was darauf geantwortet wurde, davon weiß dir Zeugin nichts mehr. -Aus wiederholte Fragen erklärt die Zeugin, daß Reichspräsident Ebert gesagt habe, daß die Arbeit aufgenommen werde.

Die nächste Zeugin Marohn erklärt: Auf dem Alexanderplatz traf ich Leute, die von der Treptower Versammluna zurückkamen und sag­ten. daß die Gestellungsbefehle nicht mehr befolgt zu werden brauchten. Die Zeu­gin h-llte den Eindruck, daß mit dem Eintreten der SPD. in die Streikleitung die Zahl der Strei­kenden sich vermehrt habe.

Der Kalismann Sterke aus Adlershof hnt 1918 in (einem Kolonialwarenladen mit Teil- nehmrn der Treptower Versammluna gesprochen. Die Funktionäre sagten, jetzt werde der Streik schnell zu Ende gehen, da die SPD. in die Streikleitung eingetreten sei. Reichspräsident Ebert habe in Der Versammluna gesagt, wer Ge­stellungsbefehle bekommt, möge sich an die Sozial­demokratische Partei wenden. Diese werde sich um die Aufhebung bemühen. Der Dreher Simon, der der Treptower Versammlung beigewohnt hat, bekundet, der verstorbene Reichspräsident Ebert erklärte, die Gestellungsbefehle brauchten nicht befolgt 3U werden. Hierauf wurde die Aussage des kommissarisch vernommenen Professors Dr. Al­fred Weber- Heidelberg verlesen, der im Ja­nuar 1918 im Reichsschatzamt tätig war. Er hat sich um die schnelle Beilegung des Streiks auf dem Wege der Verständigung bemüht und zu diesem Zwecke mit Ebert und Scheidemann ver­handelt. Ebert sagte im Laufe der Besprechung, es käme alles darauf an, daß der damalige Staats­sekretär Wallraf doch noch die Deputation empfange, damit der Streik möglichst rasch beigelegt werde. Dieses Verhallen des Reichsprä­sidenten sei in keiner Weife das eines Mannes ge» wesen, der den Streik förderte oder daraus partei­politische Vorteile erzielen wollte.

Tschechischer Ueberfall auf deutsche Studenten.

Prag, 23. März. (LH.) Das Deutsche Haus war gestern vormittag der Schauplatz eines frechen Einbruchs tschechischer Faszisten. Hm 11 Hhr erschien in den Re- staurat'onsraumlichkrllen eine Gruppe von etwa 50 nach italienischer Fafzistenart mit schwar­zen Hemden bekleideten Personen, darunter eine Frau, und nahm demonstrativ an den Fenster- fitzen Platz. In einem andern Raum faßen deutsche Studenten in ihren Farben. Eine Abordnung der Faszlsten drang in den Raum ein. Einer von ihnen forderte im Namen der tschechischen Faszisten und des ganzen tschechischen Dolles, daß die Studenten binnen einer Minute die Kappen und Bänder entseruen sollten. Das wurde selbstverständlich von den Studenten ve rweigert. worauf die ganze Bande in den Raum stürzte, auf die Studenten Ivsging und ihnen die Kappen vom Kopf riß. ES entstand eine Prügelei, bei der von den Tschechen Stöcke und Totschläger ver­wendet wurden, so daß ein Student blutig geschlagen und mehrere leicht verletzt wurden. Die faszisllschen Eindringlinge wurden von den deutschen Gästen und der herbeigeholten Polizei hinausbefordert. Die Polllei hat für den Schuh aller deutschen Gebäude Vorsorge getroffen. Vier an den Ausschreitungen betei­ligte Personen wurden festgenommen. Bei einer wurden ein Couleurband und ein Brief fest- gestellt. Die übrigen Faszisten wurden nach Fest­stellung ihrer Personalien entlassen. Eine amt­liche Untersuchung ist eingeleitet.

D e Faszistenssier in Rom.

R om, 23 März. (TH.) Die Feier bes sechsten 3ahreötages der Gründung der saszisllschen Ver­bände wurde mit einer Totenmesse für 3000 gefallene Faszisten eingeleitet. Gegen Mittag fand im Augusteo eine Vers ammlung aller fafzistifchen Verbände Roms statt. Die Festrede hielt der polittsche Sekretär Farri» n a e e i, der einen Heberblick über die bisherigen Erfolge und einen Ausblick in die Zukunft des kampfbereiten und unbesiegbaren Faszismus gab. Ein nach Tausenden zählender Zug mll Bannern und Musittorps durch og den KoZo und nahm auf der Piazza Cronna Aufstellung. Gegen y3l Hhr erschien Muss olini auf dem Balkon des Palazzo Ehigi. von den Faszisten und der unge­heuren Menschenmenge stürmisch begrüßt, und hielt eine kurze Ansprache Am Abend waren die öffentliche Gebäude festlich beleuchtet. Zusammen­stöße sind nicht vorgekommen. Die Regierung hatte kste Versammlungen der CoiWattanti und der Muttlatt, die für gestern angesagt waren, vorsichtshalber untersagt.

Aus aller Wett.

Die Opfer des Tornado.

Die Zahl der bei der Sturmkatastroph« Ver- ungliicften wird sich definitiv erst nach Abschluß der Deerdigungsarbeiten feststellen lassen- Nach Den bisherigen Schätzungen wird im Staate 31- linois mit mindestens 1200 Toten und 3000 Verwundeten gerechnet. Dis jetzt sind erst 738 Leichen identifiziert. W sollen überall Trauer- gottesdienste aogehalten werden. Wegen Pest» aefahr dürfen die Dewohner nur von den Soldaten verteilles destiAiettes Trrnkwasser be­nützen. Von Den Behörden sind umfangreiche Maßnahmen gegen die Pestgefahr getroffen worden.

Belgische Kriegsgerichtsurteile.

Vor Dem belgischen Kriegsgericht hatten sich der Polizeibetriebsassistent Tillmann und der Dachdeckermeister H Böttcher, beide aus Dorste, zu verantworten. Sie wurden beschuldigt, gegen belgische Kriminalbeamte eine beleidigende Haltung eingenommen zu Haden. Ferner sollen sie

sich geweigert haben, mit zur Wache zu gehe», Tillmann soll auch eine Waffe getragen Haden. Die Angeklagten gaben an, daß sie nicht gewußt Hüt­ten, daß sie es mll Beamten zu tun hätten. Als sich diese ausgemiefen hätten, sei von ihnen ber Vorfall bedauert worden und sie seien auch mitge­gangen. Das Gericht erkannte gegen Döllcher auf Frei sprach, gegen Tillmann auf vier Monate Ge­fängnis.

Die Kollegin ermordet.

Am 6. Dezember v. 3S. war auf dem Wegs von Warnemünde nach Diedrichshagen Das aus Berlin stammende stellenlose Dien st mädchen Pauline Spickermann ermordet worden. DaS in dem Orte Delmenhorst beschäftigte Dienstmäd­chen Berta Lasse, das vor der Tat in Gesell­schaft der Ermordeten gesehen worden war, wurde unter dem Verdacht, die Tat begangen zu haben, fest genommen. Sie legte nunmehr ein Ge­ständnis ab, daß sie die Spickermann mll einem Dell erschlug, um sich die Papiere des ihr gleich­altrigen Mädchens zu verschaffen, da sie wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgt werde.

Der Teltower Raubüberfall als Wahlpropaganda".

Die beiden wegen Raubübers a*tl s auf dit Filiale der Teltower Kreissparkasse sest- genommenen Personen sind gestern den Angestell­ten des Beamtenwittschastsoereins in Tempelhof, auf bie kürzlich ein Ueberfall unternommen mürbe, gegenübergeftetll worben. Der eine ber bei­den Räuber, ein 30jähriger Arbeiter Fritz Lorenz aus Dirschau, wurde von den in Tempelhof Uebsr- sallenen wiedererkannt. Im Verlaufe ber Unter­suchung gaben bie Täter an, zur Kommuni­st i s ch e n Partei zu gehören unb bei einem bis­sigen Parteigenossen gewohnt zu haben. Er erklärt zunächst, aus Not gehanbelt zu haben, jetzt ba« gegen sagt Lorenz aus, er habe in Berlin einer illegalen Kampforganisation betreten wollen unb sei aufgefordert worden, sich an einem Ueberfall auf die Kasse in Friedenau zu beteiligen. Der Ueberfall sollte dazu dienen, der erschöpften Kaste Gelb für bie Prasibentenwahl zuzu­führen.

Wettervaraussaqe.

Heller bis halb bedeckt, noch vorwiegend öst­liche Winde, etwa gleichblsibende Temperaturen, meist trocken, Nachtfrostgefahr.

Die beiden alten Fallgebiete sind abgezogen, das südliche liegt noch über vüdosieuropa. Wte erwartet, ist dem Hochdruckgebiet ein neues Tief gefolgt, das von 3sland her nach Süden an Raum gewinnt. Nach dem Durchgang des Hochs dürften wir bei südwestlichen Winden mll einer leichten Milderung und beginnenden Niederschlägen zu rechnen haben.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 23. März 1924.

Unser neuer Roman

Feller am Nordpol" von Karl August von 2af f ert ist ein Zukunftsroman mit phan­tastischen Ausmaßen, ähnlich den gleichartig« Werken Hans Dominiks. Die Fortschritte d« Technik lassen im Eise des Nordpols unter­irdische Städte entstehen, die dort unter ber ge­frorenen Erdkruste wertvolle Metallager und Oel- quellen ausbeuten. Eine deutsche Expeditton hat bas Land gefunden und befehl, neidvoll erhebt Frankreich die Hand, russische 3ntr(gue spielt da­zwischen, ein kurzes, aber schreckllcheS KriegS- abenteuer eröffnet neue Perspektiven für den großen Krieg, der droht, da hebt Amerika die Hand auf unb dämpft den Wettbranb. Eine große Liebe schwebt verklärend über allem Kampf unh Haß und bringt auch im Menschlichen einen versöhnenden Aus'lang. Wir g'auken, nicht zuviel zu versprechen, wenn wir sagen, daß mit diesem Roman alle unsere Leser und Leserinnen mit Begeisterung, Freude und Spannung mitgehen werden.

2Öte treibt der Gewerbetreibende, Handwerksmeister und Kaufmann seine Forderungen bei?

Don Oberlandesgerichtsrat Dr. Dovensiepen-Kiek.

I.

Während früher, d. h. in ber Vorkriegszeit? diese Frage ungemein einfach zu beantworten war, nämitd) entweder durch Einreichung einer Klage fettens eines prozetzbevollmächtigten Rechtsanwalts beim Landgericht des Wohnsitzes des Schuldners bei allen Forderungen von über 600 G.-M., und bei geringeren Objekten entweder durch den Antrag auf Erlaß eines ZahlungS» bofehles im Mahnverfahren, der Erhebung einer Klage beim Amtsgericht des Wohnsitzes des Schuldners, ohne daß es hierbei der Zuziehung eines Anwalts bedurfte, hat sich heute die Rechts­lage zufolge der tiefeinfchne'denden Abändenm» gen unserer deutschen ReichSzivilpro^eßordnung vom 27.3anuar 1877 durch die zahlreichen nicht weniger als insges. acht Verordnung'^ und Gesetze zur Entlastung der Gerichte vom 9. September 1915. 18. Mai 1916, 11. März 1921. 8. 3uli 1922, 18. August 1923. 13. und 23 Dezem­ber 1923 und endlich vom 13. Mac 1924, sowie durch die äußerst wichtige, sehr umfangreiche Verordnung Über daS Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten vom 13. Februar 1924 derartig grundlegend geändert, daß kein Stein mehr auf dem anderen stehen geblieben ist und das geltende Recht eben wegen feiner Schwerfälligkeit unb Zersplitterung nur äußerst schwer sich übersehen läßt.

Bei allen vermögensrechtlichen Ansprüchen (nur solche legen wir unserem kurzen Rundgang zugrunde) über 500 Gm. farm der Gläubiger nicht selber in eigener Person feine AuSstände ein» klagen, sondern er muh sich zur Anfertigung und Einreichung der Klage der Hilfe eineS beim Prozchgericht, d. h. regelmäßig dem Wohnfitz seines Schuldners, zugelassenen Rechtsanwalts be­dienen. 3nsofern ist der bisherige Zustand un­verändert geblieben Unbenommen bleibt eS aller­dings dem Gläubiger, auch 5e; solchen Ansprüchen beim Amtsgericht des Wohnsitzes seines Schuld­ners den Antrag auf Erlaß eines ^hlungsbefehls zu stellen. Dies kann privatschriftlich unter An­wendung vorgedruckter Formulare, oder auch zu Protokoll des Gerichtsschreibers geschehen. Hier­von wird aber zweckmäßig nur dann Gebrauch zu machen sein, wenn es f!d> um ehren gutwilligen, nur etwa nachlässigen Schuld-rer haüdett. denn, ber böswillige wird leicht Widerspruch erbeben, ohne daß ihm überhaupt triftige Gründe zur, Seite ff eben und dadurch die rasche ®rIebt»aD '