flr. 69 Erster blatt
175. Jahrgang
Montag, 23. Mürz 1925
toerbcn.
ern wollten.
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Die OterDenhrfe ber damaligen furchtbaren Lage ist Gott sei Dank glücklich überwunden. Das ist daS Verdienst der Reichsreg erung Der Kampf um den Rhein ist nach unserer Tieberzeugung zugunsten Deutschlands entschieden. Zwischen der Scylla französischer Raubbundpolitik und der Charvbdis des Bolschewismus im Innern werden wir auch in Zukunft unser Staatsschiff hindurchlenken müssen.
roten Erde während des Ruhrkampf.^s. der nach seiner persönlichen Meinung zu stark nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitet worden sei. V!enn es uns nicht gelinge, die Einheit im Sinne Bismarcks zu erhalten, seien wir verloren. Denn auch in der Rachkrieaszett der Staat von Stufe zu Scufe gesunken sei, so sei andererseits eine Wendung in der Seele des Dolles er-kennbar. und gerade die Reichs- Präsidentenwahl solle beweisen, ob wir noch den Willen zur Erneuerung in uns tragen. Die Persönlichkeit b?6 Präsi- aeaten müsse daher über den Parteien stehcar. Werin es gelänge, Dr. Jarres aus den Präsi- dcntensluhl zu erheben, werde Deutschlands Stellung dem Ausland gegenüber mit einem Schlage sich ändern. Die ganje Welt werde in der Präsidentschaft Dr. Jarres den Beweis sehen, daß unsere nationalen Kräfte wieder erwacht find Die ehemaligen Frinde würden dann Deutschland als einen ernstlichen Faktor in ihre Rechnung einsehrn müssen. Don Frank- reich fei allerdings nichts zu erhoffen. Sein Bestreden führte einzig und allein dahin, das Rheinland an sich zu reihen.
Staatspräsident Dr. Hellpach in Bremen.
Bremen, 22. März. (TU.) Gestern abend sprach der demokratische Kandidat für die Reichs- prasidentenwahl Dr. Hellvach im Tivoti- theater. Dr. Hellpach stellte fest, dah einer nationalen Wiedergeburt jedcSmal eine geistige Erneuerung vorangehen müsse. Die Deut-
Großadmiral von Tirpitz über Jarres.
Elberfeld, 22 .März. (TU.) Der Reichsblock. Ortsgruppe Elberfeld, veranstaltete gestern äbend eine Kundgebung für die Reichsvräsi» dentenwahl, zu der auch Grohadmiral v. Tirpih erschienen war. Rachdem der Abg. W a r m u t h die Persönlichkeit Dr. Jarres gewürdigt hatte, begrüßte Admiral v. Tirpih die Westmark und würdigte die Verdienste der Männer der
Der Sicherungspakt.
Britisch-französischer Meinungsaustausch über die deutschen Vorschläge.
Erscheint täglich, außer Soniu unb Feiertags.
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Furück zu Bismarck!
Dr. Jarres spricht in Hamburg.—Die Wahrheit über die„Dersackungspolitik
brachte. Seine Worte, aus denen die Sorge für die Zukunft herauSklang, enthielten einen Appell: „Sie werden die Gesinnung, die Sic heute durch Ihre Anwesenheit an den Tag logen, in der Mitte des nächsten Jahrhunderts zu betätigen in der Lage sein, wahrend ich, 'eit langem zur Untätigkeit verurteill, der Vorzeit angehöre.'' Ich darf wohl sagen, dah die akademische Jugend, die damals diese Worte vernahm, treu bismarckisch gesinnt innerlich entschlossen war. dieser Mahnung zu folgen Aber die damals für die Geschicke Deutschlands verantwortlichen Kreise waren nicht von dieser Gesinnung erfüllt. Die AbkehrvonDiSmarck war der Beginn unseres nationalen Unglücks. Sie hat uns nach Versailles geführt.
Wenn wir unser Doll einer neuen Zukunft entgegenführen wollen, und das ist die nationale Aufgabe, in deren Dienst wir unsere ganze Kraft -u stellen haben, dann müssen wir zurück zu D i S m a r ck.
In jener Anspiache hatte ftch der Fürst auch über die deutsche Zwietracht und über den deutschen Parteigeist ausgesprochen »md betont, man müsse in allen Kämpfen, sowie die nationale Frage auftaucht, doch immer einen Sammelpunkt haben, und das fei für uns das Reich, nicht wie eS gewünscht werden könnte sondern wie eS besteht. Diese Worte, so fort, die Bismarck auf die Verhältnisse des alten Kaiserreichs anwandte, gelten sie nicht in vollem Umfang für das Inner- politische Kampfseld unserer Zeit? Es scheint mir, das) uns gerade die Aufgabe, dem Reich ein neues Staatsoberhaupt zu wählen, m hohem Maste die Verpflichtung auferlegt, über Parteizersplitterung und Klassenunterschied hinweg das Sammelnde und Einigende rn den Vordergrund zu stelleir. Rur der Gedanke, dast hinter unserm Reichsblock groste Parteien und Gruppen des gesamten deutschen Wirtschaftslebens. von Handel und Industrie. Mittelstand und Handwerk, Arbeitern des Geistes und Arbeitern der Hand, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinigt sind, hat mich veranlassen können, dem ehrenvollen Ruf zu folgen und mich ihrem Wunsche gemäh um die höchste Vertrauensstelle im Staat zu bewerben.
Wir kämpfen für die Erneuerung des Staates auf nationaler, christlicher, sozialer Grundlage.
Rational ist für uns der Ehrentitel eines leben Deutschen, der gewillt ist, auf dem Boden des Staates, für den Staat und 'ür d t e Wiederaufrichtung des Vaterlandes zu arbeiten. Es wird uns vor- getoorfen, dast wir reaktionär seien. Aber sind nicht diejenigen reaktionär, die den Staat rn seiner jetzigen Unzulänglichkeit als etwas für alle Zeiten Gültiges ansehen und sich einer vernünftigen Reform widersehen?
teren Katastrophen entgegen gehen. Demokratie sei nicht nur eine Frage der papiernen Verfassung, sondern vor allem des inneren Menschen. Das Selbstbewuhtsein deS Einzelnen und das Verantwortungs ° Dewusttfein dem Staate gegenüber müssen jedenr einzelnen von Grund aus anerzogen werden! Mit diesem Wort muh der Gefahr der Entschlummerung der Republik entgegengetreten werden.
Die Kandidatur Ludendorff.
M ü n ch e n. 23. März. (TU.) Wie bk „Münchener Reuesten Rachrichten" hören, sind von der norddeutschen völkischen Bewegung Bestrebungen vnr Gange, um General Ludendorff zum Verzicht auf die Präsidentschafts-Kandidatur zu bewegen.
unverantwortlichen Schwäche und einer leichteren und bequemeren Gegenwa rtslösung willen die nationale Zukunft unseres Volles und des Rheinlands preiszugeben, oder wir, die wir mit starker politischer Tat. wenn auch unter vorübergehenden schweren Opfern, das Rheinland in seiner Staats - und Reichszugehörigkeit sich Die Rervenkr-se der damaligen fui
schen seien stets auf halbem Wege stehengeblieben. Rach dem unerhörten Riederbruch sei dem deutschen Doll sozusagen als Gnadengeschenl rn der Rot die Staatsform der politischen Mündigkeit in den Schoh gefallen. Deutschland stehe jetzt vor der Frage, ob es sich dieser enlledigen wolle oder nicht Hier Hege die Grundbedeutung der jetzigen Wahlhandlung. IBenn das deutsche Volt heule die Polltische Mündigkeit, die rhm seit 1918 in den Schoh gefallen fei, nicht ausbaue und vertiefe, werde es toer-
Hamburg. 23. März (TU.) Im Stablis- fement Sagebiel sprach am gestrigen Sonntag Dr. IarreS als Präsidentschaftskandidat in zwei Ssten Versammlungen des Reichsblocks. Wegen ungeheuren Massenandrangs muhten P a - calleloersammlungen abgehalten___2....
Die Kundgebungen wurden durch Vorträge ein» aeleitet. Dr. Jarres führte u. a aus: Mit Hamburg verknüpft sich für mich eine stolze und ewig denkwürdige Erinnerung an Bismarck und an den schönsten Tag meines Lebens. Am 1. April 1895 durfte ich an der grohen Hul - digungSfahrt der deutschen Studentenschaft teilnehmen, die dem Alten Sachsenwald zu seinem 80. Geburtstag die Gefühle einer unauSlöschbaren Dankbarkeit und Treue dar-
bat stehenden Gebiete betreffen. Mit einem Worr, es werde dadurch seine Stellung als Grohma chtwiederzurückerobern. Das Problem der Sicherheit aber zeige seine Schwierigkeiten in der Tatsache, dah Berlin dem territorialen Status quo im Westen, aber nicht den territorialen Status quo an den Ostgrenzen des Reiches garantieren wolle. Außerdem werde Reichsauhenminister Dr. Stresemann baldigst die Frage der Räumung der besetzten Gebiete aufwersen, und man könne sich fragen, ob die englische Regierung nicht die Frage der Entwaffnung Deutschlands, namentllch hinsichtlich der Räumung der Kölner Zone unter demselben Gesichtswinkel wie Frank- reich betrachten wolle. Schließlich aber müsse man darauf Hinweisen, dah die Gntmilitari- sierung des rechten Rhei nuferS Sara n t i e n biete, auf die man unter keinen mständen verzichten könne. Der Pakt müsse also neue Sicherheiten zu den alten hinzufügen, und es wäre unzulässig, die Sicherheit abzuschwächen, die man dem Sieg der afilterten Soldaten verdanke.
England und die deutsche Ostgrenze.
London, 22. März. (WB.) Die Frage des Sicherheitspakies steht weiterhin im Mittelpunkt der Presseerörterungen. Der diplomatische Berichterstatter des Observer hält es für möglich dah nach dem französisch-britischen Meinungsaustausch em britisch-deutscher und vielleicht auch ern französisch-deutscher Meinungsaustausch statt- ftnden werde, während zur Formulierung der Ergebnisse eine Konferenz folgen könne. Der Berichterstatter betont erneut, dah weder die britische noch die deutsche öffentliche Meinung bereit seien, für immer die Integrität des polnisch e n K o r r i d o r s oder des polnischen Teils O b e r s ch l e s i e n s aufrechtzuerhalten. Grohbri- tannien betrachte die deutsche Ost grenze als eine Gefahr für den Frieden und tonne sie daher nicht wie die Westqren.zen garantieren. Ein westlicher Friedbnspakt sei das erste Ziel, das klar erreichbar sei. Die deutsche Regierung schlage ein Schiedsgerichtsabkommen mit Polen vor. Ein östlicher Pak! bedeute für Deutschland eine R e v i s i o n . wenn die Zeit dafür gekommen sei. Für Polen be> beute er eine Garantie der nationalen Unab* hangigkeit Wenn das deutsche Angebot verächtlich zuruckgewiesen werde, so geschehe dies nicht im Rmnen der Sicherheit. Deutschlands mutiger versuch, den französischen Besorgnissen Im Osten und Westen im Sinne der Völkerburchssahung zu begegnen, habe eine vollkommen neue bi pl om atischePhase eröffnet. Stresemanns Vorichlage hätten augenblicklich eine Mehrheft in Deutschland hinter sich Für den Zweck des Dichtheit sei die Garantie der deutschen Rechtsparteien besonders wertvoll Abe, der günstige Augenblick, der sie hervorgebrachl habe, werde, wenn einmal verpaht. kaum wieder- rehren.
Frankreichs Nachruf für Turzon
ii5n 2x' ^ätl' <IU-> Die Nochrichl „or fern Tode Lord Curzons hat in Frankreich kein Bedauern heroorgerufen. Die Tatsache, daß Curzon der erbittertste Gegner der ursprünglichen frankophilen Politik Chamberlains war, wird m der fresse im Zusammenhang mit der Erwäh- nung der Möglichkeit eines künftig glatteren Der laufe der franfo=englifd)en Verhandlungen hervor gehoben. Die Blätter betonen die führende Rolle Curzons in der Nachkriegszeit. Es fei ihm qe= Umgen, bemerkt der „Temps", während der mer Knegsiahre das f r a n k o - e n g l i s ch e Bänd- L'd nicht unwesentlich zu lockern. Das Blatt wirft ftm auch seine O r i e n t p o l i 11 k vor und meint, es habe nicht überrascht, daß ihm Baldwin daher bei der letzten Kabinettsbildung nicht da-- Autzenmmisterium anoertraute.
Die Pariser Wirtschafts- Verhandlungen.
.dariS 21. März. (WB) Die seft Anfan» voriger Woche wieder ausgenommenen deutsch französischen Wrrtschaftsverhandlwigen werden tn alnterkommissionen geführt von de- nen die ^nescch mit den allgemeinen juristischen Deriragsbedmgungen beschäftigt, die andere dagegen die Aufgabe hat, die Listenfragen zu Haren. Man glaubt aber, daß Ende kommender Woche die Beratungen in Dollf iv nr^en dw>
standen wir vor der ungeheueren Gefahr, daß einmal die finanzielle Unmöglichkeit, von Reichs wegen die notwendigen Gelder auf die Dauer in das besetzte Gebiet zu schicken, aus der anderen Seite die Verzweiflung der De- ^“enmg zur Trennung des Rheinlandes von Deutschland führen formte. Dem konnte meiner Meinung nach nur durch eine starke poli- tische Tat entgegengewirkt werden. Die geeignete Grundlage dafür bot uns die von Deutschland leider viel zu wenig ausgewertete Curzon-Rote der englischen Regierung vorn August 1923, in der der Ruhreinbruch offen und klar als Bruch des Versailler Vertrags erklärt wurde. Unter Berufung hierauf hätten wir nach meiner- Ansicht den De- sahungsmächten Frankreich und Belgien bekanntzugeben. daß wir unS so lange diesen Mächten gegenüber von dem Friedensvertrag entbunden halten, als nicht wieder Vertrags- und v ö l k e r r e ch t s m ä h i g e Zustände im besetzten Gebiet hergestellt seien.
Ich war mir klar darüber, daß dieser Schrftt schwere Opfer für das besetzte und unbesetzte Gebiet bringen werde, halte aber auch heute noch das, was dann gekommen wäre, nicht für schlimmer als was auf dem fogeannten Derständigungs- toege über uns gekommen ist. Diese von mir vertretene Politik hatte mit Preisgabe des besetzten Gebiets nichts zu tun. Bald daraus erwies sich leider nur zu sehr die Richtigkeit aller meiner Befürchtungen. So peinlich es mir ist, so darf ich doch bei den Angriffen, die jetzt wegen der damaligen Rheinpolitik geigen mich unb meine Freunde erhoben werden, nicht weiter verschwiegen werden, daß
maßgebende Führer des rheinischen Zentrums und der rheinischen Demokratie, anS deren Kreisen die Angriffe gegen mich kommen, damals In ber kritischen Zeit sich nicht gescheut haben, als den einzig noch bleibenden Lösungsweg vorzuschlagen, die Zugehörigkeit des Rheinlandes zu Ländern und zum Reich prelSzugeben und einen felbflän- digen Staat außerhalb des Reichs herzustellen.
Ich frage, wer angesichts dieser Sachlage Der- sackungspolitik getrieben hat, diejenigen, die am Ende ihrer Politik nur die Möglichkeit eines vorn Reich losgelösten autonomen Staates sahen, die bereit waren, in einer vielleicht menschlich verzeihlichen, national aber
Paris, 22. März. (Wolff.) Ministerpräsident H e r r i o t empfing gestern abend den fran- zölifchen Botschafter in London Fleuriau. Rach dem „Echo de Paris" wird dieser vier bis fünf Tage in Paris bleiben, damit der Standpunkt der französischen Regierung zu schwebenden wichtigen Fragen geklärt werden kann. Der „Petit Parisien" glaubt als Grund der Reise Fleuriaus angeben ju können, daß die britische Regierung die Absicht habe, die deutschen Anregungen in der Sicherheitsfrage zur Grundlage von Verhandlungen zu machen, ohne ihrerseits neue Anregungen zu geben. Die französische Regierung lehne die Verhandlungs- basis nicht ab. da sie feine Derständigungsmög- lichkeit ausschließen wolle, aber die beiden Regierungen hätten Ungenauigfeiten und Lücken in der deutschen Verbalnote über den Sicherheitsvorschlag gefunden. Deshalb habe ein ernster Meinungsaustausch zwischen Paris unb 'Berlin stattgefunden, der ermöglicht habe, gewisse deutsche Formeln in befriebigenber Weise zu erweitern. Trotzdem bleibe das Wichtigste noch au tun. Man müsse neue Aufklärungen von der deutschen Regierung fordern. London unb Paris feien übrigens einig, dah
Grundbedingung für den Abschluß der Sicher, heitspatte der Eintritt Deutschlands in den
Völkerbund
sei. Die Frage, wer zu dem Sicherheitspaft zugelassen werden könne, sei noch nicht geregelt, aber auch in dieser Hinsicht erweitere sich der Horizont. Cs fei nicht unmöglich, daß man zu einem europäischen Defensivpakt gelange, dem nur gewisse Länder, wie beispielsweise Holland. fernbleiben würden, die der Gefahr eines Konfliktes nicht ausgesetzt seien. Englischerseits erhebe man gegen ein derartiges europäisches Protokoll Einwände im Hinblick auf die deutsch-polnischen Schwierigkeiten. Am Quai d Orsah habe man die Hoffnung, sie beseit i gen zu können. Ab:r selbst wenn die ostpreußischen Probleme ungelöst blieben und einen allgemeinen europäischen Pakt nicht ermöglichten, auf den die französische Politik hinarbeite, könne man aimchmen, daß Frankreich zwar seinen osteuropäischen Allianzverpflichtungen treu bleiben, aber den Pakt an - nehmen werde, dem nur bie westeuropäischen Mächte und Deutschland an» gehörten.^ Frankreich werde sich aber zu gleicher Zeit bemühen, dieses Abkommen durch andere zu ergänzen, die den osteuropäischen Alliierten Frankreichs Genugtuung gäben.
Rach den sehr widerspruchsvollen Rachrichten, die man In London unb Paris veröffentliche, könne man sagen, daß bie britische Regierung ber Ansicht fei,
bie deutschen Vorschläge konnten eine Diskussion-- basis schaffen,
unb es fei wünschenswert, bie Verhanblungen nach dieser Richtung zu beschleunigen, ohne daß man formell zu irgendeiner bestimmten Formel Stellung genommen habe. Chamberlain habe nor drei Tagen eine lange Unterredung mit dem deutschen Botschafter in London gehabt unb man sei geneigt, diese Zusammenkunft mit den Gerüchten in Zusammenhang zu bringen, daß Deutschland jetzt bereit Jet, tn kürzester Frist seinen Eintritt tn o e n Völkerbund anzumelben. Lord b'Abernon scheine seine ganze Energie darauf verwandt zu haben, die deutsche Regierung davon zu übet,zeugen, daß sie politisch klug handele, wenn sie sich ber Antwort bes Völkerbundrates auf bie deutsche Rote vom 12. Dezember an» passe. Wenn diese Gerüchte sich bewahrhefteten, dann allerdings würde bie grundsätzliche Entscheidung ber Reichsregierung sofortige Rachwlrkungen auf die Verhandlungen über den Sicherheitspakt auslösen. Die englische Regierung würde darin den Beweis eines guten Willens erblicken, um damit eine Politik zu rechtfertigen, die darauf abziele, Deutschland eng an einem Abkommen zu beteiligen, das
die Schaffung einer besferen Sicherhettsgarantle in Europa
jum Gegenstand habe. Rach Ansicht des , Temps" wäre es jedoch gefährllch, sich Illusionen hinzugeben, denn offenbar habe Deutschland durch seinen Eintritt in den Völkerbund alles zu ge»- toinnen, da es in alle Fragen innerhalb des Vollerbundes eingreisen könnte, die die Kontrolle der besetzten Gebiete und der unter Man-
Dr. Jarres kam bann auf die von links- itehenden Kreisen gegen ihn gerichteten Angriffe wegen ber sogenannten Versack ungspoli- lif zu sprechen. Als ber passive Widerstand aufgegeben werden mußte, weil erüberunfere materiellen Kräfte ging, haben die verantwortlichen Männer des Reichs und des Ruhrgebiets sich zusammengesetzt, um diejenige Lösung zu finden, die für das Vaterland die beste sei. Del diesen Verhandlungen habe ich mit Rach- druck den Gedanken in den Vordergrund ge- P.elll, daß jeder die Verpflichtung habe, die ihm richtig erscheinende Lösung vvrzuschlagen, daß aber der Lösungsweg einmütig und unter freier Verantwortung gefunden werden müsie und daß es bei diesem Suchen nach dem richtigen Wege Gradunterschiede des nationalen Empfindens nicht geben dürfe. In den links- ft e h e n d e n Kreisen wurde damals die 2Iuf- lanung vertreten, man solle dem Verlangen Polncares entsprechen und einseitig .P "putschen Wider st and aufgeben rn ber Erwartung, daß bann die Einbruchsmächte
SyrurfjieBcn un£> fon allen Zustand afebaß» wieder Herstellen würden. Ich habe diese Erwartung als Utopie bezeichnet
Jür 0!^ unb meine Freunde war es klar, daß diese Nachgiebigkeit nicht zum Ziele führen wurde, daß Ile vielmehr neue unendliche Qualen über Deutschland bringen müsse.
Das Ziel der französischen Pollttk ging ja offenbar dahin, die Bevölkerung des besetzten Gebietes auch in den gut gesinnten Kreisen, die von dem verbrecherischen Separatismus nichts wissen wollt, auf dem Wege der Frei- Lc *15 u£ ?? a a 1 * u m f o r m u n g zu bringen. He Frankreich aus politischer Klugheit auf dem Dewaltwege zu erringen sich nicht getraute. So
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
Pnirf rnitPttlag: vrühl'sche Unio-rfttäii-vuch. nnö Stdntruderei H. £an?e in Sieben. Sdjriftlcitnng und Seschäftrftelle: Schniittabe 7.


