Ausgabe 
22.12.1925
 
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28 liberale Mitglieder, während die neun Provin­zial rate nach den lebten Wahlen insgesamt 696 (früher 680) Mitglieder zählten, und zwar 317 (335) Katholiken, 243 (207) Sozialdemokraten, 107 (133) Liberale, 18 (2) flämische Nationalist , 8 Kommunisten und 3 verschiedene.

Die Zahl der eingetragenen Wähler betrug 2 302 029.

Die Sozialdemokraten, die schon im April bei den Wahlen für die Kammer und den Senat einen bedeutenden Sieg errungen hatten, waren fest davon überzeugt, auch diesmal als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Sie werden zwar in einigen Provinzen einige stimmen den Kommunisten übei- lassen müssen, aber andererseits haben sie fast überall das gewonnen, was die Liberalen ver­loren. Und in manchen Provinzen waren die libe­ralen Verluste gar nicht unerheblich.

Es ist schwer zu sagen, welche Anzahl Katho­liken, Sozialdemokraten Unb Liberale von den neu gewählten Provinzialräten in den Senat geschickt werden wird. Solange aber eine katholisch-sozia­listische Koalition in Belgien regiert, werden die beiden stärksten Parteien sich auch in der Verteilung dieser Mandate zum Nachteil der sehr geschwächten Liberalen einigen können.

Revolution in Zentralasien.

Von unserem p.-Mitarbeiter.

Russisch-Turkestan, das seit dem Jahre 1923 in steigendem Maße eine innere Befriedung und allmählich eine aufsteigende Wirtschaflsenttvicklung zu zeigen begann, scheint gegenwärtig vor neuen politischen und vor allem triegerischen Ereignissen zu stehen. Trotzdem die russische Presse ständig das Durchsickern von Nachrichten über die allem An­schein nach revolutionären Ereignisse in Zentral­asien hat verhindern wollen, mehren sich die An­zeichen eines großen antibolschewistischen Aufstan­des im Herzen von Asien. Der Ernst der Lage kommt am besten dadurch zum 'Ausdruck, daß be­reits aus dem europäischen Rußland bedeutende Truppenkontingente der Raren Armee nach Turke­stan in Marsch gefetzt wurden. Man scheint also von der gegenwärtigen Aufstandsbewegung eine ernsthafte Gefährdung der russischen Herrschaft in Asien zu befürchten unb will eine entstehende anli- bolschewistische Bewegung im Keime ersticken.

Um diese neuen Ereignisse in ihrer Bedeutung voll verstehen zu können, bedarf cs eines Rück­blicks auf die letzljährigeu Ereignisse in Zentral­asien. Bereits das zaristische Rußland sah in »einen turkestanischen Besitzungen eine wirtschaftliche unb politische Vorpostenstellung im Kampf um Asien, van der aus es nicht nur eine wirksame politische Bedrohung Indiens, sondern auch des gesamten vorderasiatischen Orients auszuüben vermochte. Als 1917 die Revolution ausbrach, gelang es dem Bol­schewismus in kurzer Zeit, mit feinen Schlag­worten desSelbstbestimmungsrechrs der Völker" imb desSchutzes der nationalen Minderheiten" die afiatstMen Vollsiuasfe»» auf die Seite des Kom­munismus zu ziehe»» unb so diese wichtigen Roh­stoffländer den» russischen Reiche zu erhalten. Le­diglich das eigentliche Turkestan in seinen südlichen und östlichen Teilen lehnie die ganze Revolution geschlossen ab. Hierbei spielte die zwar durchweg monarchische Gesinnung der eingeborenen Bevölke­rung im eigentlichen Turkestan eine geringere Rolle als vielmehr ihr überaus fonjerootiver Mo- hammedanismus, der »ehr bald in scharfen Wider­stand zu dem anfangs stark tirche»»- unb religionv- feindlichcn Kommunismus geriet. Als bis Bolfche- -wisten versuchten, die Moscheen unb Religion? schulen zu schließe»» unb die Kirche in jeder Weise l zu ücrunqlimpien, begann der bis dahin passive Widerstand der eingeborenen Bevölkerung sich in * einen bewaffneten Ausstand zu verwandeln, der , mit seinen zahllosen Kämpfe»» unb Massenerhsbun- gen von 1918 bis zum Jahre 1923 dos blühenbe Baumwolland Turkestan fast fünf Jahre lang zu einem Schauplatz wilden Bürgerkrieges »nachte. Die Bedeutung unb Ausdehnung dieser Kümpfe kommt am beste»» dadurch pim Ausdruck, daß eine Befriedung des Landes und Niederwerfung des Aufstandes erst möglich wurde, nachdem Trotzt» selbst mit den Kerntruppeii der Roten Armee nach Turkestan kam unb den Basmatschiaufstand, wie diese Kümpse in Turkestan genannt wurden, mit Waffengewalt liquibierte. Von einer wirklichen Beruhigung des Landes und einem beginnenden wirtschaftlichen Wiederaufbau konnte aber erst die Rede sein, als der Bolschewismus die erste Phase seines Revolutionskommunismus überwunden und vor allem seins ablehnende Haltung gegenüber der islamitischen Kirche aufgegeben hatte. In gewissem Umfange wurde dem Lande eine Selbstverwaltung zuerkannt und vor allem eine freie Religionsaus- nr iunn riinn 1111 . j_ - nn~ tu iiirn~r~niirn 11 UH.miwiMlwillill

Franziska.

Roman von L i e s b e t D t 11.

26. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

,,'IDenn ich etwas mach', mach ich's ordent­lich", verteidigte sich Franzisia auf Hasses Vor­halten, daß man auch das Nackte anbeuten könne. Olein, das kann man eben nicht," ries Franziska, wir b'ben jetzt genug vom Qlngeixeuteten. .Du mutzt dir eben die Ebenhaufen als Carmen anschauen. Du bist so recht der Inbegriff des großen Pub­likums, dem wir nie zahm, nie fade, nie unwahr genug sein können. Schau, das ist doch ein merkwürdiges Verlangen, daß ich als Helena ein Korsett tragen soll und einen Anstandsrockl Ihr wollt sie doch sehen, wie sie war!"

Wie recht hat man, von dem Zartgefühl der Frauen zu sprechen", sagte Hasse bitter.

Er ging nicht mehr in dieSchöne Helena". Warum nicht?" sagte sie. Sie flanb vor ihm mit trotzig flammenden Augen, hochaufatmend, kampfbereit.Die Maler malen doch auch Akte, so viel wie die Schwester vom Aapoleon hab' ich immer noch an, und das war eine Königin." Cine schöne Königin", sagte Hasse. Jawohl, sie war schön, und es ist von ihr das Kunstwerk da, das ist ihr Verdienst", sagte Franziska.3d) bin Künstlerin, und ich will einKunstwerk" geben. Das ist der Tlnterschied zwischen der Ebenhausen und mir..

Wer sich seinen Leidenschaften überläßt, ist ein verlorener Mensch.

Es war etwas in Hasse aufmerksam ge­worden, das auf eine Schrankenlosigkeit in Fran­ziskas Wesen hindeutete, sie überflieg leicht das Maßvolle. Sie wurde, wenn sie ausgingen, drau­ßen leicht so lustig, daß alle Aachbarüsche sich mitamüsierten, daß er weder ihr helles Lachen, nod) ihre ungenierten Bemerkungen, die wie Raketen auf fliegen, unterdrücken konnte.

Hasse hatte bis jetzt vermieden, Franziska mit seinen Freunden zusammen zu bringen. Aber

Übung gewährleistet, so daß man im Jahre 1924 aus Reisen in Turkestan den Eindruck erhielt, als ob das alte BaumwvUand allmählich einer inner­politischen Beruhigung und wirtschaftlichen Erstar­kung entgegengehen würde. Wohl flackerte der |og. Basmatschiaufstand hier unb dort gelegentlich noch einmal aus. ohne die Herrschaft der Russen in Tur­kestan ernstlich gefährden zu können.

Die gegenwärtige Aufstandsbewegung in Zen­tralasien umfaßt vor allem die Turk»nenensteppe, das Gebiet des frühere»» Emirats Buchara sowie das Ferghanagcbiet, als Zentrum des mittelasiati­schen Baumwollbaues. Der Schwerpunkt der Auf­standsbewegung liegt im Gebiete der Turkmenen, des mutigsten und friegerifdiften Nomadenstammes Mittelasiens. Hier ist es den» Turkmenenführer Ehudajar Khan gelungen, Streitkräfte von über 15 000 Mann an der afghanischen Grenze zusam- menzuziehen, die unter der grünen Fahne des Pro­pheten von Offizieren der alten zaristischen Armee unterstützt, die bolschewistische Herrschaft in Turke­stan bedrohen. Offensichtlich im Zusammenhang hiermit steht die soeben gemeldete Erhebung der Tekke-Turkmenen zwischen der Kaspischen und der Mittelasiatischen Bahn unter dem kaiserlich russischen Obersten Tschubanoff, der ebenfalls über recht bedeutende Streitkräfte verfügt und eine Ver­einigung mit den Aufständischen an der afghani­schen Grenze erstrebt. Die Frage nach der Ursache dieser Aufstandsbewegungtn^ benen sich die wieder erwachten Basmatschi im Ferghanagebiet anschlie­ßen, wirft interessante Streiflichter auf die gegen­wärtige politische Lage in Zentralasien und die an den dortigen Vorgängen interessierten Mächte. Die Bolschewisten versuchen ihre Stellung in Zentral­asien nach Möglichkeit zu kräftigen, indem durch die am 1. Oktober in Kraft getretene rufsische Wehr- neriaffung die Turkmenen wie auch die anderen Völker Turkestans, die bisher stets vom Dienst im russischen Heer befreit waren, in die Rote Armee eingereiht werden sollen. Bei der bekannten mon­archischen Gesinnung ünd überaus großen Tapfer­keit und Freiheitsliebe dieser Bergvölker war von vornherein mit Schwierigkeiten zu rechnen, die wohl den äußeren Anlaß zu den gegenwärtigen Aufstandsbewegungen gegeben haben. 'Aufreizend hat fernerhin noch das oft sehr eigenmächtige Vor­gehen der russischen. Vertreter in Turkestan gewirkt, die entgegen der von Moskau angeorbneten Milde­rung des politischen Systems die islamfeindliche Propaganda wieder aufnahmen und dadurch große Erbitterung hervorriefen.

Eine ausreickiende Erklärung für den großen Umfang des gegenwärtigen Aufstandes vermögen die obigen Gründe einer versuchten Einstehung der Turkmenen zum Heeresdienst sowie die ver­stärkte Sowjetpropaganda aber kaum zu geben. Man kommt vielmehr, ähnlich wie bei den seiner­zeit von England gegen den persischen Diktator Rim Khan auf gehegten Jomrid-Turkmenen an der persisch-russischen Grenze zu der Vermutung, daß auch diesmal (inglanb die Unzufriedenheit der tnr- kesta nischen Bevölkerung. besonders der Tekke- Turtmenen benutzt, um Sowsetrußland Schwierig­keiten in Zentralasien zu schaffen unb so die Stel­lung der jowselruffische»» Diplomatie in Europa zu schwachen. Für diese Wahrscheinlichkeit spricht u. a. die Anwesenheit monarchistischer russischer Offiziere in den Streitkräften der Aufständischen sowie die über Erwarten gute Ausrüstung der Armee Chu- dasar Khans, an der nur England ein Interesse naben kann, da Persien bereits seit dem Jahre 1921 mit Rußland einen Freundschaftsoertrag geschlossen hat, dessen Spitze deutlich gegen die englischen Ex- pansionsgelüste gerichtet ist. Außerordentlich be­zeichnend für den politischen Hintergrund ist übri­gens die Stellung der turkmenischen Streitkräfte an der afghanischen Grenze, von wo aus England ihnen genügend Rückendeckung zu geben vermag.

lieber die Aussichten der gegenwärtigen Revolu­tion in Turteslan läßt sich ein einigermaßen ab­schließendes Urteil heute noch nicht abgeben. Falls es Ehudajar Khan gelingen sollte, sich mit Öen Streitkräften der Tekke-Turkmenen an der Mittel- asiatischen Bahn, etwa in der Gegend von Mertv unb Buchara zu vereinigen, dürste es zu folgen­schweren Kämpfen kommen, die dor eben wieder beginnenden Erholung des turkestanischen Baum­wollbaues den Todesstoß versetzen und Turkestan wieder zu einem hungernden, unter den Schrecken des Bürgerkriegs leidenden Lande machen würden. Bon entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der politischen und kriegerischen Ereignisse und die etwaigen Aussichten der Aufständischen dürste fer­nerhin die Haltung der Bevölkerung in den beiden Volksrepubliken China unb Buchara fein, über bic sich gegenwärtig nur Vermutungen äußern lassen. Die russische Regierung scheint ben Ernst der Lage voll erfaßt gu haben unb beorbert bebeutenbe Truppenkontingente nach Turkestan, die besonbers

Worth und Goeckel sahen schon auf der Terrasse des Kaninchenberges, als sie eines Abends hin-- auffamen, und man setzte sich an einen Tisch zu­sammen. Es war ein warmer, milder Sommer­abend. Der ganze Hiimnel funkelte Don Sternen, ferne stand der dunkle Wald, an dem Himmel erschienen allmählich immer mehr kleine blitzende Sterne, drunten dämmerte die blaue Tiefe der lichtblinkenden Stadt im Talkessel. Sie saßen bis nach Mitternacht hier oben bei Spargel, Flädle und Sekt. Sin reiner, kühler Aachtwmd wehte. Franziska war am vergnügtesten. Sie fand in Worth einen wortwitzigen Gegner, mit dem sie raketenähnlich aufsteigende Gedanken aus­tauschte, er parierte elegant. Berauscht von der Schönheit des Abends, trunken von der milden Sommerlust, lehnte Franziska in ihrem Stuhl, träumerisch, launenhaft und lachend. Sie war echt an diesem Abend, ungeschminkt, die Herren waren entzückt von ihr. Hasse war schweigsam geworden.

Als man zusammen nach Hause ging, bot Worth Franziska den, Arm durch den dunilen Wald. Unb während sie lachend über die Wur­zeln fliegen und sich im Gebüsch verirrten, hörten sie, wie Hasse unb Goeckel hinter ihnen über einen neuen Agarfilter, der rascher wie dec alte funl- tionierte, sprachen. Goeckel waren ein paar Glas­platten der Pestversuche kaputt gegangen, der Versuch war hin, er mußte neuen Aährboden anftztzen, es war zu ärgerlich.

Gol: im Himmel, dachte Franziska, das reden die in einer Sommernacht.

Als sie vor Franziskas Wohnung antamen, schloß Hasse ihr auf, lieh sie eintreten, zündete ihr das Licht an und verabschiedete sich formell.

Am anderen Abend tarn er eine Stunde später wie sonst, unb es gab eine Auseinander­setzung zwischen ihnen, bie Franziska zuerst, keines Wortes mächtig, anhörte. Dani» wehrte sie sich. ..Herrgott noch einmal, was hab' ich benn ver­brochen!" rief sie, wahrend sie feuerrot den Hut sie hatten eben ausgehen wollen auf den Teppich warstWas ich gestern gesagt habe, als ob ick) das noch wissen sollte."Das soll

in technischer Hinsicht ben Aufslänbischen überlegen sind. In Anbetracht des immerhin als gut zu be­zeichnenden Standes der Roten Armee sind die Aussichten dieses lokalen Turkmenenaufstanbes selbst bei starker englischer Rückendeckung nicht übermäßig groß, trotzdem die anerkannte und be­rühmte Tapferkeit dieser Bergvölker den russische»» Truppe»» manches zu schaffen machen wird. Der Enderfolg muß naturgemäß doch auf feiten der um vieles überlegenen Russen fein, so daß es nur zu bedauern ist, wenn eins der tapfersten und tüch­tigste»» Völker Zentralasiens zu ben englischen ißer* suche»» einer fortgesetzten Beunruhigung Zentral­asiens mißbraucht wird unb so bie englische Aus­beutungsherrschaft in Asie»» stützen hilft.

Oberhessen.

Lauvkrets Gredcrr.

V Klein-Linden, 21. Dez. Die Gefolg­schaft 5 Klein-Linben der Bruberschast Gießen des2 u n g b e u t s ch e n Ordens" feierte am Samstag im Saale derBurg" ihr Weih- n a ch t s f e st. Der Abend begann mit dem Liede Stille Aacht, heilige Aacht". Daran schlosse»» sich Gebichtvorträge einiger Iungschwestern unb Sungbrüber, sowie zwei Gesangsvorträge breier Sd)western. Ei»» Gießener Ordensbruder hielt barauf eine Weihnachtsansprache int Orbenssinne. Dani» wurden vor» vier Brüder»» lebende Bilder zu der Melodie:Ich hat!' einen Kameraden" gestellt. Im weiteren Verlauf des Abends er­griff dec Gießener Bruder noch einmal das Wort, um in schlichten Worten über bei» Bruber-- gedanhen zu sprechen. Hierauf folgten noch ein Zwiegespräch eines deutschen Vaters mit seinem Sohn unb das Gedicht:Vergessen" vor» Paul Warnecke, bie mit großem Beifall ausgenommen wurden. Ein daraus folgender Schwank:Leut­nants Geburtstag" aus der Friebensz it be­wirkte starke Lachsalven bei den zahlreichen Gästen. Aach einigen Musikstücke»» und einem lebenden Bild, das einen Gelehrten, einen Land­mann, eine»» Arbeiter unb einen Iungdeutschen zu einem jungdeutschen Treuschwur vereinigte, würbe mit der Gewinnverteilung aus der Ver­losung begonnen. Daran schlossen sich noch einige Musitvorträge. Bemerkenswert ist, daß diese jungdeutsche Weihnachtsfeier nicht mit einem Tanzvergnügen endete, sondern durch einige jung- deutsche unb vaterländische Lieder ihren Ab­schluß fand.

Lollar, 21. Dez. Aus der jüngste»» G e- mein beratefifoung ist zu berichten: Die Hundesteuer für bas Jahr 192 6 wurde für ben ersten Hund auf 10 Ml., für den zweiten auf 16 Mk., ben dritten auf 20 Mk. und für den vierten auf 26 Ml. festgesetzt. Zu diese»» Sätzen tritt bie staatliche Hundesteuer von 12 Mk. Ein von Müller Christ, Holzmühle, eingereichtes Gesuch um Befreiung vor» der Steuer für seinen zweiten Hund wurde abgelehnt. Bei der Festsetzung der Vergnügungs­steuer einigte man sich auf folgende Sähe: Oesfentliche Tanzvergnügen 15 Mk., Maskenbälle unb Kostümfeste 30 Ml., größere Veranstaltungen im Freien für jeden Tag der 'Veranstaltung 50 Mk., alle anderen Vergnügen 10 Mk. Zu Viehabfchätzern wurden Ludwig For-- b a ch, Wilh. Schmidt, als Stellvertreter Hch. Moos VI. und Ludwig Geißler V. ernannt. Zu der von Staat ttnb Kreis vorgesehenen Summe zur Kinderspeisung, bewilligte der Gemeinderat in Anerkennung dieser so ssgens- reiche»» Einrichtung 150 Mk.

- Rödgen. 21. Dez. Am Samstag wurde unser neuer Bürgermeister Johannes Wagner für fein Amt verpflichtet. Seine Wahl war seinerzeit von dem seitherigen Bür- genneiftev Kraushaar mit der Begründung an­gefochten worden, daß Wahlbeeinflussung durch Freibier stattgefunden habe. Der Provinzialaus- lchuß wies aber den Einspruch zurück. - - Auch ier sind eine Reihe von Kinder»» an Masern erkrankt: glücklichenoeife sind die ©rfranfungei» bis jetzt gutartig »erlaufe».

5. Rödgen, 21. Dez. An» Samstagabend uer» aiifto.ltetc die hiesige Schule im Saale des Gast­wirts Balscr dahier eine überaus gelungene Weih- »» a ch t s s e i e r. Nach einem einleitenden Begrü- ßungsmarsch, bei» Werkmeister Karl Etzel- müller flott auf dem Kiabier spielte, begrüßte Lehrer Koch, als Vorsitzender des Schulvorstandes, die zahlreich Erschienenen. Alsdann wechselten sehr fein dargestellte dreistimmige Weihnachtschöre unter Leitung des Lehrers L e i s e n h e i m e r mit klei­ne»» und grö'eren Aufführungen der Schulkinder in bunter Reihe ab. Geradezu meisterhaft wurde das MärchenspielMarienkind" dargestellt. Lobend

und anerkennend must auf die technische Hilfe, die die Mitglieder des Schulvorstandes bei der ganzen Feier leisteten, hingewiesen »verden. Ei»» autev Zeichen für _bne. schöne Verhältnis zwischen Eltern­haus und Sck)ule, das in unserer Gemeinde be­steh». Am Sonntagnachmittag 3 Uhr sand in der Kirche die Bescherung für die Kleinkin ° derschule statt. Das Gotteshaus war dicht be­setzt und lauschte den Verschei» und Liedchen der Kleinen und Kleinsten mit viel Teilnahme.

Alten-Buseck, 21. Dcz. Kaum haben ein paar Leute von hier bie Annehmlichkeit beS Wiesecker Autobus erprobt, so macht sich in unserer Gemeinde immer mehr ber Wunsch geltend, er möge doch bis nach unserem Dorfe fahren unb die vielen Arbeiter, bic täglich nach Gießen müssen, abholen. Selbst heute, wo man die vielen Arbeitslosen Hal. gehe»r immer noch täglich 70 bis 100 Arbeiter unb» Arbeiterinnen nach ben» 40 Minute»» entfernten Bahnhof Aöbgen. Für bie Eisenbahn wäre allerdings ein Autobus, der nach Alten-Buseck käme, weniger angenehm.

: Beuern, 21. Dez. Die Vr-cählung an» Anfang dieses Monats hatte hier nächfolaendes Ergebnis (die in Klammern angefügten Zahlen gelten für die Zählung in» vorigen Jahr): Pferde 53 (54), Rindvieh 577 (593), Schafe 3 (50), Schweine 419 (429), Ziegen 238 (226) Federvieh 2567 (2495), Kaninchen 104 und Bienenvölker 39. Auffallend ist der Rückgang in der Schafzucht. Dies ist darauf zurückzuführen, daß in diesen» Jahre eine Schafherde nicht mehr gehalten wurde und die Schafbesitzer gezwungs»» »uaven, ihre Tiere zu ver­kaufen ober selbst abzuschlachten. Unter den 53 Pferden befinde», sich 23 Fohlen, eine Folgeerschei­nung des Krieges. Während in den Vorkriegs­jahren in unserem Dorfe nur ganz wenig Pferde gehalten und Fohlenzucht nur ganz vereinzelt ge­trieben wurde, haben sich nach dem Kriege, infolge der Massenversteigerungen von Militärpferden, die gerade in unserer Gegend während der Demobil­machung ftattfanben, viele Landwirte Pferde an- geschafft. Gezüchtet werde», hauptsächlich kleine Russenpferde, nur einige Landwirte züchten schwe­rere Tiere. Die Zahl der E r w e r b s l o s e »r war infolge des Beginns der winterlichen Holz­hauerarbeit bis auf einen heruntergegangen, im Laufe dieser Woche hat sich ihre Zahl "auf 18 er­höht. Wie im laufende»» Jahr, so wird auch für das Jahr 1926 durchs die Gemeinde eine Hunde st euer erhoben. Sie hält sich aber in niedrigen Grenzen und beträgt für den erste»» Hund 4 Mk., für jeden weiteren 2 Mk. mehr.

* Grünberg, 21. Dez. Bei der an» 18. Dez. in Darmstadt ftattgefunbenen Sparprämien­verlosung des Hessischen Sparkassen- und Giro- verbandes entfielen auf die Einleger der hiesigen Bezirkssparkasse 2 4 Prämien, darunter eine im Betrag vor» 500 Mk. Die betreffenden Sparer wur­den alsbald non dem Ergebnis benachrichtigt.

' Grünberg, 22. Dez. Auf die m dieser Zeitung erschienene Klage über ben Fahr­plan ber Butzbach-Lid)er Eisenbahn hörte man gerüchtweise, baß bie Bahnverwal- tung wenigstens bic Durchführung des Abend- zuges bis nach Grünberg ins Auge gefaßt habe. Da bis heute unb es sind doch schon Wochen vergangen, nichts erfolgt ist. scheint inait die Angelegenheit mit Vertröstungen erledige»» unb das gute Recht unserer Stadt auf bie konzessiv >»s mäßige»» breiZug-- pan re mißachte»» zu wollen. Weber der Stadt­vorstand, noch bie zahlreichen Interessenten sind geneigt, diese Behandlung sich gefallen zu lasse»». Es roerben in Kürze Schritte zur Wahrung un­serer Rechte getan werben. Man plant unter Zuziehung der Gemeinden, die eingrsehen haben, zbaß die Grünberger Interessen mit den ihren übereinstimmen, eine Versammlung aller Streckengemeinbei», zu ber auch bie Re­gierung, der der Schutz ber Gemeinbeinterrssenr obliegt, eingelaben werde»» soll. Man hofft ba- burd) die Bahnverwaltuag zu überzeugen, baß es unrätlich ist, bie Geduld ber Gemeinden, bie sich schon viel haben gefallen lassen muffen/ weiter auf bie Probe zu stellen. Die Konzessions- urfunbe- bietet Handhaben genug, bas Recht ber ftrerfenanlicgenbei» ©emeinben zu schützen. Die Durchführung des Abendzuges ist schon um des­willen wichtig, weil ber bis hierher fahrende Zug drei An s ch s sc/(»»ach' Gießen, nach Fulda und nach Lollar) erreichen würbe. Hoffent­lich zeigt bic Bahnverwaltung bald, bah es ihr barum zu tun ist, nicht nur mit Worten, sondern auch butd) Säten zu beweise»», daß sie in gutem Einvernchmsn mit der Bevölkerung bleiben will.

A l b a ch , ,21. Dez. Nachdem der Äreisaus- fchuß die hiesige B ü r g e r »n e i st e r w a h l für ungültig erklärt hatte, fand gestern Neuwahl statt.

man aber wissen", sagte ec und packte sie zähne­knirschend am Handgelenk.Sieh dich vor, daß du nur Sachen sagst, die du am anderen Tag nicht bereuen mutzt. Wenn du nur wüßtest, was solche Herren am anderen Tage von euch sprechen."

Das brachte Franziska vollends auf.Dann bring mich nicht zusammer» mit solchen Men­schen!"

Sie weigerte sich, mit ihm auszugehen, unb sie schieden im Zorn voneinander.

Als er am nächsten Aachmittag in Franziskas Wohnung kam, war sie leer. Das Mädchen empfing ihn unb überreichte ihm einen kleinen Bries, worin eine Eintrittskarte zu einem Wohl­tätigkeitsbasar lag, in welchem Franziska heute zu fingen zugesagt hatte. Trotz seiner Ent­täuschung fuhr er hin, erhielt einen Platz an einec Säule in ben» überfüllten Saal unb kam gerade noch zurecht, als Franziska eine große Arie beendete, die rauschende»» Beifall hatte. Dann kamen ein paar unbedeutende Grieglieder unb dann das StraußscheCäcilie".

Die feurige Begleitung setzte ein. Franziska glättete die kleine Aotenrolle in ber Hand, warf ben schönen dunklen Kops zurück unb heftete ihren Blick über alle hinweg nach ber Enrpore hinaus, wo b;r Hof sah.Wen»» du es wüßtest, was iräumen heißt von brennenden Küssen..." Franziska fang es in einem stürmische»» Tempo, wie er es nie gehört, ber Begleiter griff in bie Tasten und schleuderte die wundervollen Aktorde heraus, daß bie prachtvollen Läuse da- hinrollten wie Perlen gestreut. Sie schloß die Augen... Wenn du es wüßtest, was Leben heißt ... schwoll ihre weiche Summe jubelnd empor, umhaucht von ber Gottheit wildwogen dem Atem zu rauschenden Höhn..." ihre Brust hob sich unter ben weißen Spitzen, die mattgclbe Seide, die ihre Hüfte umspannte, schien auf dieser weißen Haut zu Flammen zu werden, die sie umloberten. ihre Haut schien zu brenne»», ber Atem zu glühen, sie knitterte die Äoten in ihrer Hand. Sie trug keine Handschuhe. Dieser feste weihe Arm unter

dem Hauch von Spitzen, ber junge Hals mit ben blitzenden runden Tautropfen von Diamanten, alles wogte unb erbebte unter einem Sturme... Wen»» du es wüßtest, du lebtest mit mir.. .

Rauschend fielen bie Hände zum Beifall ein. Franziska verneigte sich tief, aber ihre Augen sahen ernst über alle hinweg ...

Haffe verließ ben Saal noch unter dem donnernden Beifall, er hätte nichts mehr hören mögen, in seinem Ohr klang nur dieses Lied. Unb sie ist mein, klang es in ihm. Aber begleitet von nagendem feinem Schmerz. Wie lange, wie lange noch? Ihre A»»gen, bie über alle hinwegglitlen, schienen in eine andere Welt zu schauen, in bie er ihr niemals folgen konnte... Ja, er hatte heut abend das Gefühl, daß sie allein dort hinauf wollte, daß sie ihn ver­lassen könnte, zurücklaffen hier unten, während fie strahlend zu bei» Sternen aufstieg. Es kam ihm visionär ein Bild. Gr sah sie in dem Ver­wandlungsstück, das zu einem Benefiz eines be­liebten Komikers gegeben wurde, auf einem Ruhe­bett liegen mit über ber Brust gefalteten Hän­den und geschlossenen Augen, wie sie hinaufglitt in wollige Hohen, umschwebt von Engeln. Fran­ziska würde ihm entgleiten... ec hielt sie nicht...

Er eilte an ihrer Wohnung vorbei, ihre Fenster marcit dunkel, er wußte, baß sie beut abend eingelaben war. ein Gast der Gräfin, die den Basar eingerichlet hatte. Sie würde in seine Welt heute eintreten, sie hatte sich darauf gefreut wie ein Kind Die Offiziere würden sich an sie heranwagen, die Hosleute in ihren glitzern­den Uniformen, ihre Kühnheiten würden sie be­rauschen, er kannte fie so gut. oh, er war keinen Augenblick sicher, was sie wirklich tun unb' sagen würde... wen»»... Gibt es je ein Warum in dem Leden der Frau? Es firib un­lösbare Scharaden.

Priester, Aatsherren und Frauen legen ihr Gewand nie völlig ab. Aiem.als konnte er ihrer ganz sicher fein, er konnte sich niemals ganz einer drängenden Arbeit bingeben, weil immer diese Furcht in ihm lebte, sie zu verlieren.

(Fortsetzung folgt)