Ausgabe 
22.8.1925
 
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einen internationalen Ruf besitzt, zu erholten. Aber es bedarf nur ganz geringer Opfer, kaum merkbar für den einzelnen, wenn ein jeder mithilft. Wir find arm an Geld und Gut geworden. Aber wahr­haft beklagenswert ist das Volk erst dann, wenn cs keinen Pfennig mehr übrig hat für ideale Zwecke und feinen geistigen und moralischen Anlagen sich nicht mehr erhalten kann oder mag. Wir müssen ent­schlossen sein, wie unser Recht, so auch unfern Willen zur Betätigung auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet zu betonen. Alle w i e ein Mann! Nur so werden wir uns im Kreise der Kulturnationen wieder zur Geltung bringen und uns Platz verschaffen, auf den wir ein Anrecht haben. Ich gebe mich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß unser Appell an das deutsche Volk nicht ungehört verhallen möge.

Dr. Eckeners Rede wurde mit großem Bei-- fall ausgenommen. Dann trat Staatsmimster a. D. Dr. Schmidt-Ott im Ramen der Rot­gemeinschaft der deutschen Wissenschaft dafür ein. daß das deutsche Volk seine großen Sorgen einmal zurückstelle, um eine große Idee durchzustehen, und zu fördern.

Neichstaqspräsident Löbe

brachte die besten Wünsche der deutschen Volks­vertretung und daneben der deutschen Ar­beiterschaft aller politischen Einstellungen. Die deutsche Arbeiterschaft ohne Unterschied der Partei und der Wirtschaftszugehörigkeit verfolge dieses Werk mit aller Sympathie. Mit bangen­dem Herzen haben Hunderttausende nach der Stunde geblickt, als Dr. Eckener den deutschen Zeppelin nach Amerika führte und mit jubelndem Herzen haben sie seinen Erfolg begrüßt. Dieses starke Interesse möge sich jetzt in materielle Hilfe umsehen. Professor Matsches versprach im Ramen der deutschen Ingenieure tat­kräftige Hilfe und Professor Her gesell wünschte im Ramen der deutschen Wis­senschaft, daß der Wissenschaft ein Luftschiff zur Verfügung gestellt werde, das die große Auf­gabe lösen werde, die Dr. Eckener sich gestellt habe. Dr. Dovifat-Berlin versprach für den Reichsverband der deutschen Presse ein prächtiges Eintreten für die deutsche Volkssamm­lung. Am Schluß dankte Generaldirektor Cols- mann für das Versprechen aller Kreise des deutschen Dolles dafür, ein Werk vollbringen zu helfen, das Deutschland im Sinne einer Kulturmacht wieder der Freiheit ent­gegenführen wird.

Lohnverhandlungsn bei der Reichseisenbahn.

Berlin, 21. Aug. (WTB.) Die Verhand­lungen der Deutschen Reichseisenbahngesellschaft mit den Vertretern der Gewerkschaften über die Lohnforderungen wurden heute fortgesetzt. Die Vertreter der Reichseisenbahn erklärten, daß die Gesellfchaft nicht in der Lage sei, eine all­gemeine Lohnerhöhung zuzugestehen. Die Mittel zu einer allgemeinen Lohnerhöhung könnten nur durch eine Erhöhung der Ta­rife beschafft werden. Tariferhöhungen und all­gemeine Lohnerhöhungen wirkten aber ver­teuernd auf die Produktion. Die Ver­treter der Reichseisenbahngesellschaft machten den Vorschlag, zusammen mit den Gewerkschaften Lohnerhöhungen nur in den Gebieten zu verein­baren, in denen die Löhne der Reichseisenbahn­arbeiter in einem offensichtlichen Mißver- h ä l t n i s zu den Löhnen der vergleichbaren I n- dustriearbeiter stehen. Die Reichseisenbahn glaubt für diese Lohnerhöhung etwas mehr als 20 Millionen Mark aufwenden zu können, ohne zu Eichungen der Tarife schreiten zu müssen. Die . Gewerkschaften leh ntenjede weitereDer- 1 Handlung auf dieser Grundlage ab.

1 Keine Einigung im Baugewerbe

Berlin, 22. Aug. ($11.) Die Verhand­lungen im Berlin er Bauarbeiter streik sind abgebrochen worden. Die Verständigung scheiterte daran, daß die Gewerkschaften an einer erheblichen Erhöhung der Löhne für Hilfsarbeiter und Ungelernte fest- hielten. Die Arbeitgeber erklärten demgegenüber, sie könnten mit Rücksicht auf die P r e i s s e n - kungsdolitik der Regierung nicht über ihr letztes Angebot hinausgehen, da die Löhne, die sie bei den gestrigen Verhandlungen für die ge­lernten Arbeiter geboten hätten, bereits über das hinausgehen, was die Arbeitgeber der getarnten Wirtschaft gegenüber verantworten fönnten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird nun­mehr der Generalaussperrungsbe- s ch l u ß am 28. August verwirklicht.

Verkauf der

Deutschen Allgemeinen Zeitung.

Berlin, 21. Aug. (WTB.) DieDeutsche Allgemeine Zeitung" und die Rorddeuische Druk- kerei und Verlagsanstalt A.-G. in Berlin ist aus dem Besitz der Buch- und Zellstoffgewerbe Hugo Stinnes G. m. b. H. in die Hände eines Konsortiums übergegangen, das unter Füh­rung des bekannten Papierindustriellen Waller S a l i n g e r und des Dr. August Weber, Berlin, steht, die die Zeitung in der bis­herigen Richtung fortzuführen gedenken. Der Kaufpreis beträgt 3 Mill. Mark und ist bar bezahlt worden.

Die Räumung

des Sanktionsgebietes.

Berlin, 21. Aug. (TA.) Die Nachrichten aus Düsseldorf besagen, daß bereits am Sams­tag das Sanktionsgebiet, also vornehmlich die Städte Düsseldorf, Duisburg, Ruhrort, Meide- rich, von den französischen Truppen geräumt fein wird, am 24. August auch von den belgischen Truppen. Die Besatzungskommandos werden nach Belgien zurückgehen, während die französischen Truppen ins altbesetzte Gebiet zurückverlegt wer­den. Man darf die dringende Hoffnung aus­sprechen, daß die damit entstehende neue Be­lastung des altbesetzten Gebietes nur vorüber­gehend ist .Mit der Räumung des Sanktions­gebietes wird ein Gebiet von 502 Quadratkilo­meter und rund 876 000 Einwohnern nach vier­jähriger Fremdherrschaft wieder frei. Das bereits geräumte Einbruchsgebiet um­faßt 3196 Quadratkilometer mit 3149 019 Ein­wohnern, so daß am 25. August ein Gebiet von 3898 Quadratkilometer mit 4 624 067 Ein­wohnern wieder freies deutsches Land ist.

Ueberreichung der Antwortnote cm Montag.

Paris, 21. Aug. (WTB.) Wie Havas mit- teilt, hat der französische Botschafter in Berlin den Auftrag erhalten, die französische Antwortnote der deutschen Regierung am Moritaazu überreichen. Die Veröffentlichung der Note werde erst am Freitag stattfinden. DieT ä g I. Rund­schau bemerkt dazu: Im allgemeinen ist es für uns nicht neues, daß Frankreich sich zu allen Din­gen, die einen weiteren Schritt zu einer Besse­rung der Lage irnd Befriedung Europas herbei­fuhren sollen, unendlich viel Zeit läßt. Es ist notwendig, diese gegenwärtige Sachlage schnellstens festzustellen, da wir sehr bald wieder der Behauptung begegnen werden, Deutschland habe die Verhandlungen in die Länge gezogen.

Die Stockholmer Mchenkons erenz Arbeiterschaft und Christentum.Die abendländische Knlturkrisis.

Stockholm, 21. Aug. (WB.) In der heu­tigen Sitzung der Konferenz gelangte der vom chwedikchen Bischof Dilling vorgelegte Plan eines Internationalen Forschungsinstituts für wirtschaftsethiiche Fragen zur Verhandlung. Der deutsche Reichstagsabgeordnete Mumm billigte den Plan und führte aus: Die Diktatur und der Klassenkampf sind in der gleichen Weise abzulehnen. Die Arbeiter und die Unternehmer mögen auf die Stärke ihrer Organisationen stolz ein, denn die Zusammenarbeit zwischen ihnen ist nur auf einer breiten Grundlage mög­lich.

Rach weiteren Reden überbrachte Gewerk- chaftsführer D a 11 r u s ch - Berlin die Grüße von 300 evangelischen Arbeiterführern, die den Wunsch hegten, daß das christliche Weltkonzil den Anstatt bilden möge für einen

allgemeinen Angriff gegen die soziale Dot. Der Redner wandte sich gegen die unterschiedliche Behandlung der einzelnen Völker, insbesondere! legen die Prohibitivzölle, die die fre­iesten Länder absperren. Die christliche Arbeiter- chaft bedauert, daß die großen Länder auch heute noch die Ratifizierung des Washingtoner Ab­kommens ablehnen. Diese Ausführungen rourlren deutscher- und amerikanischerseits mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Arbeitersekretär Sprin­ger-Stuttgart erklärte, die Kirche muh, wenn ein Volk durch Verträge eine Sonderbe­handlung erfährt, deren Folge unvermeidlich die Arbeitslosigkeit ist, alles tun, was zur Verhütung solcher Erscheinungen geeignet ist. Der Redner trat für eine produktive Ar­beit s l o s e n f ü r s o r g e ein. Cs ist Pflicht der Christenheit, für eine gesetzliche Regelung der Ar- beitslosenfür^orge einzutreten, und an dem Ar­beitsnachweis mitzuarbeiten.

In den Abendstunden fand eine öffentliche Dersanrmlung statt. Es sprachen der Bischof von Brent, Reuyork und Professor Dr. Brunstäd, Erlangen über das Thema:Das Evangelium und das öffentliche Leben". Pro- essor Brundstäd gab zunächst einen grundsätz­lichen Gedanken über

das Verhältnis zwischen Religion und Kultur. Eine Kultur ist nur dann lebensfähig, wenn sie aus religiösen Quellen gezeugt wird. Sobald beide sich entzweien, kommt es zu einer kulturellen Krise. Die abendländische Kultur steht gegen­wärtig in einer solchen Krise. Der Krieg und die Revolution sind Ausdrücke für diesen Zustand des Konfliktes zwischen Religion und Kultur. Dieser Streit ist die Tragik des Menschentums, die das Christentum als Sünde bezeichnet. Sünde, Tod und alle anderen Hebel des menschlichen Lebens machen den Gegensatz zwischen dem Evan­gelium und der menschlichen Kultur offenbar. Von ihr au8 gesehen ist der Krieg ein Gericht Gottes über die Menschheit, aber ein Gericht, das sich notwendig immer wieder vollzieht. Der Redner wandte sich zum Schluß gegen die falsche Anschauung, aus dem Evangelium ein System des Pazifismus herzuleiten.

Der Reichskanzler über praktisches Christentum.

Berlin, 22. Aug. (TU.) DerTag" veröffent­licht einen Auszug aus der Rede des Reichskanz­ler Dr. Luther, die heute vormittag durch das Präsidium der Konferenz verlesen wird. Er gibt folgende wichtige Stellen der Rede wieder:

Mir scheint die Aufgabe der Religion und be­sonders des Christentums größer denn je. Wir dür­fen nicht durch Erfchlaffungserfcheinungen im Wirk- lichkeitsleben, die vielfach in der Welt und auch im einzelnen religiösen Menschen bemerkbar sind, uns irre machen lassen. Auch die Ausdrucksformen reli­giösen Lebens stehen in geschichtlichem Werden. Solche Erkenntnis kann niemals bedeuten, daß die feste Form nicht erforderlich sei. Umgekehrt spricht alle Erfahrung dafür, daß der einzelne den Weg zu Gott am leichtesten in den festesten Formen fin­det, die ihm von Jugend an vertraut sind. Gleich­wohl werden auch die verschiedenen Kirchen, die heute neue große Zusammenhänge für die Mensch­heit suchen, dem allgemeinen Entwicklungsgesetz un­terworfen sein. Deshalb sehe ich in der Weltkonfe­renz für praktisches Christentum

die Bekundung des willens ;um praktischen Christentum, dessen unser politisches und so­ziales Leben als innere Ergänzung und letzte Be­gründung bedarf.

Heber das Arbeiter-Problem äußert sich der Kanzler folgendermaßen:An Stelle der früheren menschlichen Beziehungen des Ar­beiters zu seinem Arbeitsergebnis und zu seinem Arbeftgeber sind neue große politische und so­ziale Formen getreten. Dieser Ersatz bietet keinen Ausgleich für die großen Kräfte der Liebe, die früher über den erwähnten Verhältnissen le­bendig waren. Alles soziale Handeln, das sich auf die Religion aufbaut, hat den festen Untergrund, der in jedem Menschen als ein Gefäß seeli­scher Werte erscheint. Bei solcher Einstellung ist allgemeine Menschenliebe nicht etwas, was man kann oder nicht kann, sondern für solche re­ligiöse Betrachtungen ist der Sinn für das Wohl der ganzen Menschheit nur eine Art des Dienstes vor Gott."

Die Grabstätte des Reichpräfidenten Ebert.

Heidelberg, 21. Aug. (WTB.) Die Reichs­regierung hat Peter Behrens beauftragt, ein Ehrenmal für das Grab des ersten deutschen Reichspräsidenten auf dem Heidelberger

Vergsriedhof herzustellen. In Berücksichtigung des Wunsches von Frau Ebert, das in unmittel­barer Nähe der Grabstätte hoch aufragende rote Sandsteinkruzifix an seinem bisherigen Standort zu belassen, sieht der Behrenssche Entwurf ein etwa 2 Meter breites und 14 Meter hohes kruzifixartiges Grabmal vor, das nur die AufschriftFritz Ebert" erholten und sich entsprechend dem Charakter des Verstorbenen in schlichten Formen bewegen soll. Die Leichen der im Kriege gefallenen beiden Söhne Friedrich Eberts sollen nach Heidelberg überführt werden und links und rechts vom Grabe des Vaters ihre endgültige Ruhestätte finden.

Polen und der Sanziger Hafen.

Die Völkerbttttdskommission zum Danziger Griefkaftenftreit.

Genf, 22. Aug. (TU.) Die Völkerbundskom- Mission, die vom Rat beauftragt war, die Danziger Hasengrenze für den polnischen Postdienst festzu­legen, hat ihre Arbeiten beendet. Der Kommission liegen sowohl die polnische wie die Dan­ziger Auffassung vor. Erstere ging von dem Ge­sichtspunkte aus, daß unter dem Danziger Hafen nicht nur die Hafenanlagen und die Wasserober­fläche zu verstehen seien, sondern die Stadt mit jenen Geschäften, Banken und Handelsunterneh­mungen, die die Schiffe im Hafen befrachten und die technischen Anlagen des Hafens für ihre Handlesbeziehungen ausnutzen. Nach der Dan­ziger Auffassung dagegen waren unter dem Ha­fengebiet nur d i e Hafenanlagen und die Wasseroberfläche zu verstehen. Der pol- nische Postdienst soll sich daher auf den Teil des Hafens erstrecken, der dem Danziger Hafen­rat unter st eh t.

Der Bericht der Kommission macht (ich den pol­nischen Standpunkt mit geringer Einschränkung zu eigen. Das Hasengebiet soll alle wirtschaft- lichen Unternehmungen umfassen, die mit dem

Hasen in engerem Zusammenhang stehen.

Die Kommission ist aber anderseits der Auffassung gewesen, daß der Teil der Stadt, der dem Hasen zugezählt werden soll, nicht größer als notwendig fein dürfte. Die Kommission glaubte daher nach Recht und Billigkeit die Grenze für den polnischen Postdienst auf das Zentrum Danzigs zu beschränken, wo eine genügend große Anzahl von Unternehmungen sich befindet, deren Tätigkeit sich auf die Benutzung des Hafens richtet. Inner­halb dieses Gebiets dürfen überall polnische Postkasten auf gehängt werden. Für die postalische Bedienung derjenigen polnischen Arbeits. geoäube innerhalb Danzigs, die außerhalb der neuen Hafengrenze liegen, wie beispielsweise das polnische Generalkommissariat, soll innerhalb von drei Monaten auf gütlichem Wege eine Regelung gefunden werden.

Alhucemas unter dem Feuer der Riskabylen.

Madrid, 22. Aug. (TU.) Die Rifleute haben mit Artillerie und Maschinengewehren die spanische Insel Alhucemas, die nicht weit von der Küste entfernt liegt, angegriffen. Die Beschießung war außerordentlich heftig. Die Rif­batterien nahmen im Laufe des Tages das Feuer verschiedentlich wieder auf und brachten den spa­nischen Truppen große Verluste bei. Die Zahl der Toten auf spanischer Seite hat sich wesentlich erhöht. Der Kommandant der Festung, Ober ft Mvnasteric, wurde durch Granat­splitter schwer verwundet. Das Kanonen­bootCanalejas" hat die Verwundeten ab­transportiert. Amtlich wird mitgeteilt, daß die französis<ch-spanische Blockade der Rifküste lücken­los durchgeführt sei. Die Blockade wird von 19 französischen und 18 spanischen Schiffen durchge­führt. An der Lleberwachung des Küstengebiets von Tanger sind vier englische Torpedobootzer­störer beteiligt.

Aus aller Welt.

Schwere Unwetter tu Mitteldeutschland.

Donnerstag nacht ist in der Gegend van Gerb- ftäbt ein schweres Unwetter nieöergeaangen. Meh­rere Häuser sind zerstört worden, Menschenleben da­gegen nicht zu beklagen. Der Regierungspräsident G r ü tz n e r ist in das Unwettergebiet abgereist, um sich persönlich von der Größe des Schadens zu unterrichten. Durch einen feit Menschengedenken nicht erlebten Walkenbruch ist der Bahnkörper zwischen Sasdersleben und Helleben an verschiede­nen Stellen so stark unterspült, daß beide Gleise unbefahrbar wurden. In Helleben sind bei dem Wolkenbruch zwei Häuser, deren eines von einer Eisenbahnerfamilie bewohnt war, eingestürzt. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu bekla­gen, wenn auch bei den Rettungsarbeiten einzelne Eisenbahnbedienstete leider schwere Verlet­zungen erlitten haben. In Gerbstädt sind von un­gefähr zehn Häusern die Vorderwände ein« gestürzt. Es handelt sich um Lehmhäuser mit so­genannten Wellerwänden. In der Ottostraße sind sämtliche Keller ersoffen. Mindestens 20 Häuser, die vorzugsweise oder ausschließlich von Bergarbeitern oder Berginvaliden bewohnt waren, sind in Mit­leidenschaft gezogen worden. Sieben Häuser sind voll­kommen zerstört. Die übrigen 13 bis 14 sind aufs schwerste beschädigt.

Schweres Cisenbahnnnglück in Amerika.

In der Rähr von Granito in Colorado sind zwei Touri st enzüge aufeinanderge- stoßen. Als der Beamte des Stellwerks be­merkte, daß der eine Lolomotivführer das Halte­signal nicht beobachtete und daß ein Zusammenstoß unvermeidlich sei, telegraphierte er sofort um Absendung eines Rettungs­zuges. Der Zusammenstoß ereignete sich erst eine Viertelstunde nach der Absen­dung des Telegrammes. Die beiden Züge waren mit Ausflüglern voll besetzt. Die Lokomottve und 5 Eisenbahnwagen sind voll­ständig zertrümmert worden. Die Zahl der Toten beträgt 15, die der Verletzten 75. Zahl* reiche Reisende, die den Zusammenstoß voraus­sahen, konnten sich durch Abspringen noch rechtzeitig retten.

Luftschiffahrtslinie Aegypten-Indien.

London, 21. Aug. (WB.) Der Leiter der Abteilung für Handelsluftschiffahrt im Luftfahrt- Ministerium, General Sir William Defton Bran- cker hat sich zu Schiff nach Aegypten begeben.

Drancker wird von Aegypten nach V.ig'"d.

ran und Duchir am persischen Gol, fliege r. ;?->-> ihn vier Flugzeuge, von Vorderindien lonmr >, erwarten werden. Don dort aus wird er.i(3?v r nach Indien fliegen. Brancker erklärte, daß Die erste Handelsliftfahrtlinie von Kantara in Mu- ter-Acghpten nach Karachi ungefähr 2403 Meilen im kommenden Januar geflogen werden fan.t. Der älteste Bergmann Deutschlands verunglückt.

Herne, 21. Aug. Aus der ZecheMont Cenis" ist gestern der 79jährige Hauer K u n - nert verunglückt. Er erlitt eine Quetschung, an deren Folgen er noch gestern abend gestorben ist. Kunnert war der älteste Hauer der Zeche der älteste aktive Bergmann Deutschlands. Er war Veteran von 1864, 1866 und 1870/71.

Das große So«.

Das große Los beider Abteilungen in Höhe von je 500 000 Mark ist nach Berlin gefallen und zwar sind die glücklichen Gewinner kleine Beamte und Kaufleute, die Achtellose gespielt haben.

Jakob Christof Heer gestorben.

Der bekannte Schriftsteller Jakob Christof Heer ist am Donnerstag an einem schweren Herzleiden gestorben. Heer ist auch in Deutschland durch zahlreiche Romane, wieDer König der Bernina",An heiligen Wassern",Laub- gewind",Der Weiterwart" u. a. bekannt ge- gewvrden.

Wettervoraussage.

Halb bis ganz bedeckt, südliche bis westliche Winde, mäßig warm, Niederschlagsneigung.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20,4 Grad Celsius, Minimum 13,0 Grad Celsius. Nieder­schlagsmenge: 0,3 Millimeter.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. August 1925. v

Polizeibericht.

Bei der hiesigen Kriminalpolizei ist eine silberne Taschenuhr mit Goldverzierung sichergestellt. Innen ist der Rarne Franz Lotter, Butzbach, und die Rr. 897924 eingraviert. Den ^lrnständen nach ist die Uhr durch Diebstahl erlangt.

Seit dem 31. Juli 1925 wurden in hiesiger Stadt erneut mehrere Wohn ungseinbrüche ausgeführt, wo außer Bargeld nachstehende Silbersachen u. dgl. entwendet wurden: Eine Armbanduhr mit schwarzem Ripsband, eine sil­berne Taschenuhr mit der Eingravierung Heinrich Vogel, Gießen und daran befindliche Doublt» kette, eine Armbanduhr mit langer Halskette, ein dunlelgrauer Sakkoanzug mit bläulichen Längsstreisen, eine Kaffeekanne, eine Teekanne, eine Milchkanne, ein Tablett, eine Zuckerdose, eine Zuckerzange, ein Besteck, ein Kaffeelöffel gez.Karl", acht große Messer, sieben Heine Messer, elf große Gabeln, elf kleine Gabeln, elf Eßlöffel, drei Flaschenunterseher, eine Torten­schaufel, ein Eierbecher mit Löffel, ein Feder­halter, eine große Suppenkelle, zwei Saucelöffel, ein Dlumenkörbchen, ein Ständer für eine Zucker­dose, sämtlich aus Silber, ein altes Pvr- zellankännchen (Delfter) mit weißem Grund und violetten Blumen, ein Tablett aus Messing, ein Pokal aus Silber (ca. 30 Zentimeter hoch, am Fuß die Aufschrift: W. Lejeune s. l. Freund E. Rosenberg zum 50. Geburtstag). Dor Ankauf der gestohlenen Sachen wi^d gewarnt.

Personen, welche irgendwelche Wahrnehmun­gen über den Verbleib der angeführten Sachen machen können, werden ersucht, dies der Kriminal­polizei mitzuteilen; Verschwiegenheit wird zu- gesichert.

Fe st genommen wurden in den letzten Tagen vierzehn Personen wegen verschiedener Verbrechen und Vergehen.

Am 20. August wurden in einem Hause der Liebigstraße, während die Bewohner ver­reist waren, aus einer Wohnung eine Brillant­brosche und eine Brillantnadel mit einer Perle und drei kleinen Brillanten entwendet.

In der Rächt zum 6. August 1925 wurde in dem Dienstgebäude der Bahnmeisterei I bis V ein Einbruch verübt. Sämtliche Schub­laden wurden mit einem Meißel gewaltsam auf­gewuchtet und ca. 50 Mk. Bargeld entwendet.

In der Rächt zum 19. August wurde in einem Hause der Bahnhofstraße ein Ein­bruchs!) ersuch ausgeführt, zweifellos sind die Täter gestört worden. Heber die Täterschaft ist inzwischen noch nichts bekannt geworden.

Die am 8. Juni hier festgenommenen Ein­brecher Walter Borchert auS Halberstadt uni* Rudolf Reinhold Äuthardt aus Sonneberg hatten, wie bereits bekamrtgegeben, noch nach­stehende Sachen im Besitz, über deren Herkunft noch nichts bekannt ist:

Eine Walterpistole Modell 9 mit 15 scharfen Patronen, eine Scheere, eine schwarze Damen- handtasche mit gelbem Verschluß, mit darin befindlichem Taschenspiegel, Ragelveiniger, Ragel­feile, rotem Federhalter, 2 Bleistiften, eins mit Messinghaller und Ring; ferner eine silberne Brosche mit rundem grünem Stein und vier lilafarbenen Perlen, gez. bzw. Monogramm W. B 900 eine goldene Drille mit den eingravierten Buchstaben F. T. D. und altem Etui, ein Mani­kürkästchen mit Inhalt, ein Paar schwarze Damenhalbschuhe, Marke Fortschritt Rr. 5y4, ein schwarzer Regenmantel (Gumnn) mit Rie­men, Fabr.-Marke Teifun.

Zweifellos sind diese Sachen in der weiteren .Umgebung von Gießen gestohlen worden. Der Eigentumsberechtigte wolle sich mit der Kriminal­polizei in Gießen ins Benehmen sehen.

D i e Vorbereitungen für die große Tagung des Gustav-Adolf- Vereins in Gießen, vom 20. bis 24. Septbr., sind in vollem Gange. Es ist für unsere verhält­nismäßig kleine Stadt eine große Aufgabe und Ehre, für solche Tagung, die aus dem ganzen Reich und ebenso von dem evangelischen Aus­land zahlreich besucht wird, zu rüsten und sie hier zu begrüßen. Wenn es recht gelingen soll, so ist dazu die selbstlose Mitarbeit vieler und die freundliche Unterstützung durch alle Evangelische notwendig. Auf eine Aufforderung des Woh» nungsausschusses im heutigen Anzeigenteil sei hingewiesen.

** Aufgehobene Straßensperre. Da die Walzarbeften in der Kais er alle zwischen Wolf- und Georg-Philipp-Gail-Straße beendet I sind, wird die von dem Polizeiamt unterm 20. Juli I d. Js. angeordnete Sperrung hiermit aufgehoben.