Ausgabe 
22.8.1925
 
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Ur. 196 Erster Blatt

175. Jahrgang

Samstag, 22. August 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrttck und Verlag: vrühl'fche Universilätr-Vuch- und Steinöruderel R. Lange in Sietzen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze Z.

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Die Wirtschastskrisis.

Die Wellwirtschaftskrisis, zum guten Teil die Folge einer falsch verstandenen, über­spannten Reparationspolitik, äußert sich vor ollem in einer nun schon Monate mit wach­sender Stärke anhaltenden A b s a tz k r i s i s namentlich auf dem internationalen K oh- len m a r k t c. Ihre verkehrswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Ursachen sind hier schon mehrfach dargelegt. Meldungen von Be­triebseinschränkungen, Stillegungen und er­schreckender Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folge der Absatzkrisis füllen täglich die Spal­ten der Zeitungen. Regierung, Industrie und Arbeiterschaft in England sowobl wie in Deutschland sind in gemeinsamer Arbeit emsig bemüht, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, in die gesteigerte Produktion einer­seits, Kapitalmangel und Uebersättigung des Markes andererseits die Weltwirtschaft ge­bracht haben.

Deutschland leidet hierunter besonders hart, weil neben der Absatzkrisis und der Kapi­talknappheit dos Gespenst der Teuerung drohend einherschreitet, Lohnerhöhungen als Folge der Preissteigerung verteuern die Pro­duktion, verschärfen die Absatzkrisis in unserer Industrie, die bei steigenden Löhnen und stei­genden Unkosten immer geringere Aussicht hat, auf dem ohnehin lustlosen Weltmarkt zu konkurrieren. Die Unmöglichkeit einer Be­kämpfung der Teuerung durch Lohnerhöhun­gen hat der Schiedsspruch anerkannt, den Reichskommissar M e h l i ch Mitte der Woche in den Lohndifferenzen im rheinisch-west­fälischen Kohlenbergbau fällte. Er erklärt, daß den geforderten Lohnerhöhungen zwangsläu­fig Preissteigerungen folgen müßten, die die Absatzkrisis verschärfen, zu weiteren Stillegun­gen und Feierschichten führen müßten und da­mit die Kaufkraft der Arbeiterschaft empfind­lich schwächten. Das Problem der Teuerung muß von der Preisseite angefaßt wer­den. Denn das ist uns ollen doch in den In- flationsjahrcn mit fühlbarer Deutlichkeit ein­gehämmert worden, daß die Löhne den Prei­sen erfolglos nachrennen, eine Steigerung der Kaufkraft durch Lohnerhöhungen solange also problematisch bleibt, als nicht auf die Preise im Sinne einer Senkung oder Stabilisierung eingewirkt wird. Der Kampf der Arbeiter um auskömmliche Lebensbedingungen darf nicht unter der Parole Lohnerhöhungen, sondern Preisabbau erfolgen, sollen wir uns nicht in eine Krisis heillos verstricken, die in ihren weiteren Auswirkungen den sozialen Frieden erneut zu erschüttern droht. Erhaltung des Wirtschaftsfriedens ist aber die einzige Basis, von der aus sich Möglichkeiten bieten, der Wirtschaftsk r i s i s Herr zu werden.

Damit liegt die Bekämpfung der Teue­rung, als eines der bedeutsamsten Hindernisse auf dem Wege zu einer Stabilisierung der Lebenshaltung, auch im Rahmen des inner« politischen Programms der Reichsregierung. Ihre eminente Bedeutung für die Erhaltung des sozialen Friedens hat der Reichskanz­ler in feiner letzten Rede vor dem Reichs­tag scharf unterstrichen und die Mitwirkung der Regierung bei einer Regulierung der Preise zugesagl. Das wichtigste Moment hier­für dürste in der Ausschaltung jedes nicht un­bedingt für die rationelle Güterverteilung er­forderlichen Zwischenhandels liegen. Ein Vergleich mit der Vorkriegszeit ergibt unter Berücksichtigung der inzwischen einge- tretencn Goldentwertung und der ungeheuer angeschwollenen inneren Lasten (Steuern, Frachten, Sozialabgaben) auf fast allen Märk­ten, vor allem auf dem Lebensmittelmarkt, keine wesentliche Erhöhung der Erzeuger­preise, wohl aber eine durch nichts gerecht- fcrnqte Verlängerung des Weges vom Er­zeuger zum Verbraucher durch (Einbringen zahlreicher neuer Zwischenelemente. Die Rei­nigung des Verteilungsavvarates von all die­sen preisverteuernd wirkenden Zwischenin­stanzen, die ja auch der ärgste Feind des reellen Handels sind, ist die dringendste Auf­gabe im Kampf gegen die Teuerung. Wenn der Kanzler ferner einer gewissenGroßzügig­en in der Kalkulation" bis zu einem ge­wissen Grade schuld an der Preissteigerung ber letzten Wochen gab, so wirb man ihm auch barin Recht geben müßen, baß hier nur der freie Wettbewerb als reinigender Regulator zur Zurückschraubung ungerechtfertigter Zwi- schengewinne führen kann. Von behördlichen Eingriffen wird man sich nach den (Erfahrun­gen mit Zwangswirtschaft und Wuchergesetz­gebung nicht allzuviel versprechen dürfen.

Man hat vielfach die neuen Zölle für die Teuerung verantwortlich gemacht, läßt dabei jedoch völlig außer Acht, daß die Zollgesetze ja noch gar nicht in Kraft getreten sind, es also eine Vorwegnahme eines möglicherweise in Zukunft preisverteuernd wirkenden Elements bedeutet, wenn man die jetzige Preissteige.

25 Jahre Ieppelinluftfahrt.

Die Jubiläumsfeier in Friedrichshafen. Dr. Eckener über die Zukunft der Luftfchiffahrt. Der Polarflug. Eine deutsche Volksspende.

Friedrichshafen, 21. Aug. (WTB.) Die Wirkungsstätte des Grafen Zeppelin prangt im Flaggenschmuct. 25 Fahre sind verflossen, seit Gras Zepoelin sein er st es Luftschiff am Bodensee aufsteigen ließ. Aus diesem Anlaß ver­anstaltete der Luftschiffbau Zeppelin eine G e. denkfeier, die durch einen Begrühungsabend im Saalbau der Zeppelinwohlfahrl eingeleitet wurde. Der Saal war van Werksangehörigen voll besetzt. Dr. Eckener begrüßte die Anwesenden, darunter die Tochter des Grafen Zeppelin, G r a fin Falken st ein-Zeppelin, ferner die Vertreter der Behörden, der Luftschiffahrt, der In­dustrie, der Arbeiterschaft und der deutschen Presse. Heute morgen sind noch zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reiches ein­getroffen, so daß die Zeppelingemeinde jetzt ziem­lich vollzählig in Friedrichshafen versammel» ist. Nachdem der Vormittag durch eine B e s i ch t i - gung der Werke und des Zeppelin-Mu­seums, sowie durch einen Aufstieg zu einer Freibktllonfahrt ausgefüllt war, begann um 1 Uhr das Frühstück, das die Stadt Friedrichshafen gegeben hat. Zu Beginn des Essens wurden die Gäste im Namen der Stadt Friedrichshafen durch den Stadtschultheiß Schnitzler begrüßt, der gleichzeitig den Beschluß der Stadt mitteilte, Gene­raldirektor Colsmann, Dr. Dürr und Dr. Eckener zu Ehrenbürgern zu ernennen. Reichsverkehrsminister Kröhne überbrachte die besten Wünsche und Grüße des Reichsprä- s i d e n t c n und der Reichsregierung und zugleich den herzlichsten Dank für alle, die an dem Werk Mit­arbeiten. Staatspräsident Bazille feierte das Werk Zeppelins als den Ausdruck schwäbischen Könnens »nd schroäbischer Art. Dann hielt

Dr. Eckener

eine Rede über die Zukunft des Luftschiffbaues. Er betonte.zunächst, daß trotz be-; Bedenken gegen Festlichkeiten in der heutigen Zeit nützlich und wohltätig sei, in einer Erinnerungsfeier vor Augen zu führen, bah der Luftschiffbau Zeppelin eine Geschichte und zwar eine drama­tische, hinter sich hat. Vielleicht wird diese Feier eine gewisse Bedeutung auch für daS deutsche Volk haben, das an der fast legendären Gestalt des selbst bei den schwersten Schicksals­schlägen nie verzagenden Grafen Zeppelin sich aufrichten und in seinen heutigen Voten von ihm lernen möge, daß der Glaube an sich selbst und an seine Mission und sein un­verzagtes Weiterarbeiten endlich einmal die Ge­schicke meistern und zum Siege führen mutz, iicbefblidt man im ganzen die Geschichte des Zcppelinschen Werkes, das in technischer und finanzieller Hinsicht in den letzten Jahren von der Substanz gelebt hat, so sieht es fast so aus, als ob sie nach harten Kämpfen und Ringen heute in höchster Tragik sich vollenden sollte. Die Idee droht mit ihrem Siege und durch ihren Si?g zum Erliegen zu kommen, denn sicherlich ist es gerade die Lebens - und Leistungsfähigkeit des Zeppelinschiffes, dem bi£ Besorgnisse und Maßnahmen der feind­lichen Politik gellen. Die Meinung eines großen Teiles der Welt war die, daß das Lustschiff seine Volle ausgespielt habe, wo sie kaum be­gonnen hatte.

Aber das Luftschiff hatte seine Leistungs­fähigkeit in eben dem Maß« gesteigert wie das Flugzeug. ES war zum Instrument ge­worden, daS den Luftverkehr großen Snls über weiteste Entfernungen zu tragen geeig­net war.

Es galt nun, den Beweis hierfür der Welt nach dem Kriege zu erbringen. Die Verfügungen der Entente verhinderten die Erbringung des Beweises. Die Entente bezeichnete die Groß- luftschiffe, die sie nicht kannte, als nutzlose, ja

tung schon mit den Zollerhöhungen begründet. Man mag fachlich zu den neuen Zollgesetzen stehen wie man will, bas liegt für jeben Ein­sichtigen auf ber Hanb, bah bie maßlos über­triebene Opposition gegen bie Zollvorlagen ein gut Teil Schuld an bem Hinaufschnellen ber Preise trägt. Gegen biefe gefährliche Sug­gestion muß j e b e r Front machen, Erzeuger wie Verbraucher und nicht zuletzt ber reelle Hanbel, ber mit berartigen spekulativen Machenschaften nichts zu tun hat. Alle betei­ligten Kreise müssen sich zu verständnisvoller Bekämpfung ber Teuerung zusammenfinben: Dehörben, Industrie, Hanbel unb Arbeiter­schaft: Größte Sparsamkeit in ber Verwen­dung öffentlicher (Selber, Verzicht auf alle nicht unbebingt notroenbigen Abgaben, in Indu- ftrie unb Hanbel, Umstellung auf rentables Probuktionsverfahren, schärfste Kalkulation unb Ausmerzen des unreellen Zwischenhan­dels, bei ber Arbeiterschaft schließlich Verzicht auf probuktionshemmenbe Lohnkämpfe unb Streiks, bie bie Teuerung nur verschärfen können. Preise unb Löhne müssen in Einklang gebracht werben, sollen mir nicht im Winter einer Wirtschaftskatastrophe zutreiben, bie ber InflationsErifis an Schärfe nichts nachgibt, sie können es aber nur durch Preisabbau, nicht burch fortgesetzte Lohnerhöhungen.

als verbrecherische Dinger und lehnte es ab, welche zu bauen. Flugzeuge allein sollten existenzberechtigt sein, ätns aber, die wir die außerordentliche Leistungsfähigkeit der Schiffe kennen und ihre Verwendbarkeit im Fernverkehr erweisen wollen, hindert sie, diesen Beweis zu erbringen. Run kommt allerdings die Entente in diesem etwas peinlichen Dilemma plötzlich auf den Einfall, Starrluftschiffe von mehr als 30 000 Kubikmeter Inhalt als Kriegsfahrzeuge zu ver­bieten. Mit dieser Entscheidung wurde nicht ein­mal dem formalen Recht, wie es sich angeblich aus dem Diktat von Versailles ergeben sollte, Rechnung getragen; denn dieses Diftat bestimmt nur, daß die bewaffnete Macht Deutsch­land keine Luftschiffe besitzen darf, sagt aber nichts über den Privatbesch von Luft- schiffen. Es ist nicht wahr, daß das Luftschiff heute noch als Kriegsinstrument in Betracht käme gegenüber den modernen Flugzeugen mit ihren modernen Angristswaffen, wenigstens für absehbare Zeit nicht in Europa, wo wir nicht über Helium verfügen.

Wohl aber ist das Starrluftschiff geeignet, ein gatu unvergleichliches Verkehrsmittel für große Entfernungen zu werden. Wir haben einen kleinen Beweis dafür erbringen können durch die Fahrt nach Amerika, die spielend und mit absoluter Sicherheit durchgeführt wurde. Es ist nicht anzunehmen, daß ähnliche Leistungen in naher Zukunft von Flugzeugen ausgeführt werden können. Es müßten dazu schon neue Kraft­quellen gefunden werden an Stelle der jetzigen Benzinmotoren. Aber selbst wenn die Flugzeuge einmal das Weltmeer überfliegen könnten, tväre das Luftschiff damit nicht abgetan, denn die An­nehmlichkeit des Reisens im Luftschiff ist viel grötzer als im Flugzeug. Wenn man Bedenken hinsichtlich der Schwierigkeiten beim Landen äußert, so geb* man da von ganz falschen Vor­aussetzungen aus. .Bfart denkt gewöhnlich an einen Verkehr von jedem beliebigen Ort aus und über beliebige Strecken. Ich war immer der Meinung, daß die Auswahl meteorologisch geeigneter Lan­dungsstationen und die Wahl geeigneter Strecken Vorbedingungen für einen regelmähigen Luft­schiff verkehr bilden, daß aber bei Erfüllung bie­der Vorbedingungen sich Verkehrsmöglichkeiten mit dem Luftschiff von ungeahnter Tragweite ergeben.

Ein« sehr bedeutungsvolle Aufgabe fällt dem Luftschiff als wissenschaftliches For.

schungSinstrument zu.

Rach dem Urteil der arktischen meteorologischen und fahrtechnischen Sachverständigen ist das Polargebiet, das gegenwärtig im Vorder­gründe des Interesses steht, für eine Aufschlie­ßung durch das Luftschiff sehr geeignet On der Tat wird man im Zeppelin tagelang über der Arktis zu fahren und Zwischenlandungen vorzu­nehmen imstande fein und ebenso bequem wie erfolgreich das Polargebiet durchforschen können. ES wird nicht mehr eine Quelle von Strapazen und beständiger Lebensgefahr fein, die Arktis zu durchfahren, um schlielich nur mit mäßiger Ausbeute oder gar unverrichteter Dinge knapp gerettet heimzukehren. Es wird vielmehr ein Genuß fein, über die Eisfelder in der ununter­brochen strahlenden Sonne ruhig dahinzusegeln und mit der Kamera schauendem Auge in wenigen Tagen mehr aufzuzeichnen und sestzuhalten als Hunderte von mühseligen Schlittenerpeditionen in Jahrzehnten Heimzubringen vermochten. Wenn die Rordpolfahrt mehr als ein ehrgeiziger Sport, wenn sie eineälnternehmungimwissen- schaftlichen Interesse ist, dann muh das fahrbereit daliegende Luftschiff mit heran­gezogen werden, um diesen Interessen nutzbar ge­macht zu werden. Sollen diese Aufgaben und Möglichkeiten alle unerfüllt bleiben, weil man

Die Preisgestaltung.

Berlin, 21. Aug. (111.) heute fand in Berlin eine gemeinsame Sitzung ber Vorstände des Reichsverbandes der deutschen Indu­strie und der Vereinigung deutscher Ar­beitgeber statt, an der auch Vertreter säst aller Reichsministerien, einiger Lan­derregierungen sowie der Reichsbahn- oerwaltung und des Reichsbankdirek­toriums teilnahmen.

Der Reichsoerband der deutschen Industrie und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände sind bereit, mit allen Kräften die Wünsche der R e i ch s r e g i r u n g hinsichtlich der Preisgestaltung zu unterstützen. Sie Kalten es für erforderlich, daß die Ermäßigung der Umsatz st euer am 1. Oktober auf 1 Prozent im vollen Umfange in der Prelsge- Haltung auf allen Stoffen der Güter­erzeugung und der Gütervermittlung zum Ausdruck kommt. Sie erwarten deshalb, daß die ihnen angeschlossenen Unternehmungen bei der Preiskalkulation dementsprechend verfahren.

Auf dem Gebiete des Kartellwesens ver­treten die Spihenverbände der Industrie die An­sicht, daß unter der Voraussetzung einer gesunden und verantwortlichen Kartellpolitik Kartelle not­wendig sind. Die gegenwärtige Lage verlangt von den Kartellen, in welchem Maße eine Anpassung ihrer Maßnahmen an die Erfordernisse der gesamten Wirtschaft erforderlich ist. Uebctfpannungen

übercingelommcn ist, Zeppelinluftschifje wider besseres Wissen für Kricgsw assen zu er- klären, und weil man ferner uberrinkam. daS deutsche Volk als Dcrbrechervolk zu erklären, dem man Waffen nicht in die Hand geben dürfe ? Es soll zumindestens eine Erfüllung um viele Jahre hinausgeschoben werden, indem man Deutschland in der Entwicklung ausschaltet, das allein große Erfahrungen auf dem Gebiete des Starrlustschiff- baues besitzt und das vor allen Dingen den Willen und den Ehrgeiz hat. die Kunst dieses Luftschiffbaues in nationaler Tradition zu voll­enden. Ich glaube nicht, daß es die Absicht der Entente sein kann, diese Politik zu verfolgen, wenn sie nicht lediglich die Interessen der Kuttur- menschheit schädigen will, ohne sich selbst einen direkten Nutzen dadurch zu bringen. Wenn irgend etwas der Zusammenarbeit der Natio­nen dient, so ist es gerade der L u f t f ch i s s b a u , der ohne ein flemeinfames Vorgehen undenkbar ist. Ich bin also sicher, daß man mit Rücksicht aus den allgemeinen Kulturfortschritt von der ganz uveck- losen Drangsalierung des deutschen Luftschiffbaus abkommen wird. Zum mindesten aber glaube ich- daß die Entente sich nicht widersetzen wird, wenn ein Gesuch an sie gestellt wird, den B a u eines großen wissenschaftlichen Expe- ditionslustschisfes zu gestatten.

Deshalb faßten wir in Ausführung einer alten Idee bei Grasen Zeppelin den Plan, eine wissenschaftliche Polarfahrt mit dem Luftschiff zu unternehmen.

ist selbst verständlich, daß durch eine solche Polarexpeditvn nach unserer Meinung inehr als bloß wissenschaftliche Ergebnisse heimgebracht wer­den sollen, nämlich Erfahrungen und Be­weises ürdieCignung deS Zeppelin­luftschiffes im Fernverkehr. Es wäre ein geradezu absurder Gedanke, daß Kultur- Ttottor*n einem möglichen Kultursortschritt such lediglich deshalb in den Weg stellen könnten, weil dieser Fortschritt von Deutschland käme. Selbst wenn ein solcher Gedanke hier und da in gairz chauvinistisch eingestellten Kreisen austauchen ollte, muh er von Staatsmännern ab- je toi ef en werden, bie weiter sehen und ich das Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit der Kulturmenschen bewahrt ha­ben. Wäre es anders, so würde der Kampf aller gegen alle zum Grundsatz erhoben werden, Der nur zu schwerer Beeinträchtigung, wenn nicht zur Vernichtung der abendländischen Kultur füh­ren könnte. Um unsere Pläne durchzuführen und damit das Werk des Grafen Zeppelin zu er­halten und zur Vollendung zu bringen, ist eine Unterstützung des Luftschiffbaus Zeppelin notwendig. Die bisher gemachten Anstrengungen haben das vorhandene Kapital aufgezehrt. Der Dau des L. Z. 126 hat nur eine vorübergehende Hilfe geschaffen. Ohne ihn wäre schon vor zwei Jahren die Aufrechterhal­tung des Werkes unmöglich gewesen. Wir möch­ten die notwendige Unterstützung nicht vom Reiche und nicht von der Industrie unb Finanzwelt er­bitten. die bei ber überaus schwierigen Wirt­schaftslage jetzt auch gar nicht imstande sind, hier Hilfe zu leisten.

wir möchten vielmehr an das deutsche Volk den dringenden Rotruf richten, dos Werk des Grafen Zeppelin nicht imtergehen zu lassen.

Die Zeppelinwerke sind im Grunde genommen auch aus einem B e s i tz st ü ck des deutschen Dolles heroorgegangen, aus der Echterdin- g e r Spende an den Grafen Zeppelin und wer­den geleitet nach Gesichtspunkten, die sich nur aus diesem Ursprung ergeben, im Interesse der weiteren Entwicklung der deutschen Lustfahrt. Es liegt in der Hand des deutschen Volkes, ob es Opfer bringen will, um sich fein nationales Werk, das

und Mißbräuche im Kartellwesen können unter keinen Umständen eine Stützung durch die Spihen- organlfalion der Industrie finden. Diese sind deshalb bereit, eine gründliche Durchprüfung der Grundlagen der Kartelle vorzuneh­men und in Verbindung mit der Regierung unge­sunde Erscheinungen auf dem Gebiete des Karlcll- wesens zu beseitigen. Die Spihenverbände weisen in diesem Zusammenhang darauf hin. daß die von der Oesfentlichkeit vielfach beklagten Er­scheinungen weit weniger durch die Dnbuftciefar- telle, als durch die nicht kontrollier­baren freien Abreden und kartellähnlichen Abmachungen auf allen Gebieten des geroerblid^en Lebens hervorgerufen werden.

Die Spihenverbände sehen die Möglichkeit des von der Regierung erstrebten Erfolges nur bann, wenn sich auch die übrigen Berufs stände und die öffentlichen Betriebe dem Schritt der Industrie anschließen. Die Verringerung der Preisspanne vom Erzeuger bis zum Verbraucher muß erreicht werden. Eine allgemeine Lohnsteigerung würde jeden versuch eines Preisabbaus von vornherein ,um Scheitern verurteilen. Die Erkenntnis muß Allgemeingut werden, daß eine Steigerung des realen Lohnes durch produktive Verbilli­gung und Preissenkung wertvoller ist, als weitere nominelle LoKnerhöbung. 3m Reich, Län­dern und Gemeinden sowie bei allen Privaten muß endlich die Sparsamkeit einsteten. die die Heu- tige Lage Deutschlands erfordert.