Ausgabe 
22.6.1925
 
Einzelbild herunterladen

muffe es sich entschließen, eine klare und offene Haltung einzunehmen. Wie es sich auch wende, es werde der Tatsache nicht entkommen, daß die Stunde da fei. in der es alle feine Verantwort­lichkeiten überwinden müsse.

Deutscher Reichstag.

Volksgesundheitsdebatte vor leeren Bänken.

Berlin, 20. Juni. Als Präsident Lobe um 1.15 Ußr die Sitzung eröffnet, sind kaum 30 Abgeordnete im Saal anwesend. Vach Erledigung Deiner Vorlagen nimmt das Haus die Weiterberatung des Etats des Innern beim KapitelGesundheitswesen" auf.

Abg. Dr. Moses (Soz.) weift aus die un­geheure -Zahl der Todesfälle an Kindbettfieber hin. Hier sei die Zahl der Todesfälle von 21,9 Prozent im Jahre 1923 auf 46 Pro ent im Jahre 1924 gestiegen. (Hört! hört!) Schuld an diesen Verhältnissen trügen zum größten Teil mit die W->hnungsverhältnisse. Der Vedner begrüß;, daß die Regierung die Vor- arbe'ten )ül ^eVeichsgesundheitswoche in Angriff genom..:en habe und bespricht dann dir Kämpie der Bergarbeiter gegen die Unter­nehmer, die sich weigerten, die Familienhilfe einzuführen, trotzdem die Bergarbeiter erklärt hätten, die Kosten für diese Hilfe selbst zu tragen. Ausführlich kommt der Vedner dann auf den Geburtenrückgang zu spreüen, der, wie schon Minister Schiele ausgesprochen habe, auf die wirtschaftlich schweren Verhältnisse zurück usühren sei. Es sei typisches Zeichen,wenn beisp'.elsreise die allgemeine Geburtenziffer der Stadt Berlin gegenüber dem Jahre 1876 im Zähre 1923 nur noch knapp ein Vieris betrage.

Gegenüber der Haltung der Regierung zu dieser wichtigen Frage weist der Redner auf die g ohen An st re n gungen Frankreichs hin, die in der Erkenntnis beruhten, daß das, was heute im politischen und wirtschaftlichen Leben aller Kulturnationen in die Erscheinung trete, in dem BevölkecungsproblLM seine letzte Wurzel hebe. Tie Schutzzoll- dez.r. Agrar- zoll vor tage bezeichnet der Red er. vom ge­sundheitlichen Standpunkt aus oetracheet, als ein Attentat auf die Volksgesundhe't Wenn alle notwendigen Lebensmittel durch Zölle ver­teuert würden, könne die leibliche Gesundheit, für die sich der Innenminister Schiele eingesetzt hebe, niemals erreicht werden. Der Redner er­innert an ein Wort Friedrich Raumanns, der 1902 bei den Kämpfen um die S ßutz- und Zoll­vorlage den Ausdruck gebraucht habe: Ser Tuberkelbazillus weicht dem besseren Brote. Mit dem billigeren Brot werden die Lungen freier und stärker.

Staatssekretär Zweig ert: Der Reichs­minister des Innern bedauert, besonders bei der Beratung des KapitelsVolksgesundheit" durch seine Krankheit am Erscheinen verhin­dert zu sein. Er hat mich beauftragt zu er­klären, daß ihm die Vollsgesundheü besonders am Herzen liege. Ein gesundes und starkes Volk zu schaffen ist das Ziel, um das die bewußten Deutschen unserer Tage kämpfen (Zuruf links: Redensart!) Auch feien bedauerlicherweise die Gesundheitsverhältnisse unter den Erwerbslosen und den kinderreichen Familien keineswegs gute. Der Staatssekretär dankt dann im Vamen der Regierung den in- und ausländischen Stellen - für die dem armen Deutschland gewährte tat­kräftige Hilfe unZ> hebt hervor, daß Maß- V nahmen getroffen seien, die Speisung und Unter» stützung der Bedürftigen fortzusetzen, wenn die * ausländischen Quellen versiegen. Die Durch» ,t führ ung des Sachverständigengut- achtens dürfe nicht auf Ko st en der Volksgesundheit erfolgen. Die Re­tz ierung werde für besondere Maßnahmen für die Volksgesundheit stets eintreten und bitte des­halb auch die im Ausschuß vorgesehenen Etats- erhöhungen für die Volksgesundheit zu ge­nehmigen.

~ Abg. Hordenkamp (Dntl.) tritt für die Stärkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ein. die jetzt der einzige Aktivposten Deutschlands sei. Wohnungs- und Ernährungsftagen seien bald einer guten Regelung entgegenzuführen. Der Redner begründet dann einen Antrag seiner Frak­tion, der in allen Schulen den GesundheitS- unterricht obligatorisch einfüfrren will. Der Presse sei besonders zu hänfen, daß sie in den letzten Jahren in beständig wachsendem Umfang außerordentlich wertvolles und aufklärendes Ma­terial für die Pflege der Volksgesundheit habe erscheinen laffen. Der Redner tritt dann für den Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Tuberkulose, für ein Irrengeseh und alle sonst geplanten ge- setzkchen Maßnahmen gegen schwere Krankheiten ein. Die Deutschnationalen würden auch ein Der- wahrlostengesetz befürworten und würden für Maßnahmen gegen den Alkoholmihbrauch für Jugendliche eintreten.

Die Sterbeziffer der Säuglinge sei erfreu­licherweise gegenüber der Vorkriegszeit zurück- gegangen. Die Geschlechtskrankheiten hätten in Deutschland nach der Devolution eine erhebliche Ausbreitung erfahren. Deshalb sei das baldige Zustandekommen des Gesetzes gegen die Ge­schlechtskrankheiten erforderlich. Zum Schluß fetzt sich der Redner für die Aerzteschaft ein, deren Erhaltung im Interesse der Volksgesund­heit erforderlich sei. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Schreiber (Z.) spricht über die Medizinalpolitik des Deutschen Reiches. Mit Rücksicht auf die Länder könne allerdings ein Reichsgesundheitsmini st erium nicht gebildet werden. Hungerblockade, verlorener Krieg, passiver Widerstand, Inflation und Sta­bilisierung hätten eine unerhörte Gesundheits­krise in Deutschland geschaffen. Die Tuberkulosen- Heime müßten auch im Auslandsdeutschtum ge­fördert werden. Die deutsche Medizin werde an der geistigen Durchdringung von Oesterreich einen hervorragende Anteil nehmen müssen. Ebenso sollten junge Ausländsdeutsche, die in ihren Heimatstaaten medizinische Prüfungen abgelegt haben, sich in deutschen Kritiken betätigen dür­fen, auch wenn sie nicht das deutsche Staats­examen hätten. Fortbildungskurse für das AuS- landsdeutschtum seien eine nationale Rotwen- digkeil. Dem Alkoholproblem könne man nicht teilnahmslos gegenüberstehen. Heuchelei und ülnwahrheit in der amerikanischen Alkohol- gesehgebung sollte man Deutschland ersparen. Aber keine deutsche Kulturpolitik könne die Tat­sache übersehen, daß durch Anwachsen des Alko° Holismus die Kulturmission des deutschen Volkes geschwächt werde. Redner lenkt dann die Auf­merksamkeit auf die schwer geprüften Badeorte des besetzten Gebiets. Im Interesse des Deutschtums müßten diese Badeorte nach

DerSiebenstaatenflug der deutschenPresse.

Berlin, 20. Juni. (Wolff.) Das 3unfers- Jlugjeug ist heule vormittag um 8.50 Uhr auf dem Flughafen Tempelhos ;u dem Sieben-Staatenslug der deutschen Presse bei strömendem Regen auf- geftiegeu.

Die an dem Fluge teilnehmenden Pressevertreter haben kurz vor dem Start folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten v. Hindenburg, Ber­lin, abgesandt: Die am Sieben-Staatenfluge teil­nehmenden Vertreter der deutschen und österreichi­schen Presse entbieten Ihnen beim Start ehrfurchts­vollen Gruß.

Ferner wurden Telegramme an den Reichs­kanzler Dr. Luther, Ministerialdirektor Dr. Kiez, Pressechef der Reichsregierung, Präsident S a h in - Danzig, Minister Ludwig- Wien, an den Außen­minister Schwedens-Stockholm, den Außenminister Dänemarks-Kopenhagen, den Außenminister Un­garns-Budapest und den Bundesrat in Bern sowie an Professor Junkers-Dessau abgesandt.

Zwischen and^ng au? Rügen

Saßnitz (Rügen), 20. Juni. (T U.) Rach glän­zendem Start in Danzig und schönem Flug bis zum StettinerHaff setzte plötzlich dichter Rebel ein, der sich über Rügen soweit steigerte, daß die lleberquerung der Ostsee dem erfahrenen und vor­sichtigen Piloten nicht geraten erschien. Infolge- des'en mürbe eine Zwischenlandung auf Rügen beschlossen, die 6.20 Uhr zwischen Jagd­schloß Granitz und Sellin auf Gronitzer Feldmark glatt ersolate. Die Passagiere naßmenjne Landung zum Anlaß, Vergleiche zwischen dem Siebenstaaten­slug und Amundsens Rordpolflug in humorvoller Weise aufzustellen.

Die Sie^enstaaten-Ftteger in Kopenhagen.

Kopenhagen, 22. Juni. (TU.) Da sich am Sonntagvormittag über Rügen ein starkes Nebel­lager zeigte, günstigere Wetternachrichten aber aus Malmö und Kopenhagen eintrafen, startete das Großflugzeug des Sicbenstaaten-Fluges nach 3 Uhr zur Weiterfahrt nach Kopenhagen. Es hatte anfangs noch mit niedrigen Wolken unbjtarfcn

Böen zu kämpfen. Nach der ersten halben Stunde besserte sich das Wetter und der Flug ging über klarer See in wundervollem Sonnenschein über Wolken und Regenböen hinweg in 1000 Meter Höhe mit ruhiger Stetigkeit auf Malmö zu, wo über Stadt und Flugplatz eine Schleife gefahren und Meldebeutel mit Post und Luftgrüßen an den schwedischen Postminister I u h l i n und die schwe­dische Presse abgeworfen wurden. Um 15 Uhr landete das Flugzeug in Kopenhagen. Die Flugzeit betrug 1$ Stunden.

Dieser Sonntagsflug war infolge der Besse­rung des Wetters, der reizvollen Abwechslung von Landschaft und See an der vielgestaltigen Südküste Skandinaviens bisher der interessanteste Teil der großen Luftreise. Nach Angabe des Flugzeugfüh­rers Horn arbeiten die Maschinen in immer plan­mäßiger Sicherheit. Die Motoren find ausgezeichnet intakt.

Nach derAnkunft des Großflugzeuges vom Sie- benstaaten-Flug fand eine Rundfahrt durch die Stadt Kopenhagen statt. Im Anschluß daran emp­fing der dänische Journalistenoerband die Teilnehmer zu einem Festessen in seinem schönen Heim, bei dem Redakteur Breidal im Namen des dänischen Journalistenoerbandes Gruß und Will­komm entbot und die Hoffnung aussprach, daß die­ser Flug die Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland befestigen möge. Schriftsteller Roth- München dankte im Auftrage der Flugteilnehmer für die überaus herzliche Aufnahme und gedachte der Unterstützung, die von Dänemark aus deutschen Kindern in der Zeit schwerer Not zuteil geworden ist. Botschaftsrat Dr. W e i ß ä ck e r überbrachte die Grüße des deutschen Gesandten und des dänischen Außenministers, der dem deutschen Gesandten über den Besuch seine herzliche Freude besonders aus­gesprochen habe. Im Namen der ästererichischen Presse sprach Schriftsteller Olden. Er wies auf die Beziehungen hin, die zwischen dem kleinen Staat Oesterreich und seinem nordischen Gegeppol Däne­mark bestehen. Im Namen von Prof. Junkers dankte der'Nachrichtenchef der Junkerswerke, von Fischer, den Kopenhagener Gastgebern dafür, daß sie sich das vergebliche Warten am Samstag nicht haben verdrießen lassen.

M leit von deutsche:. Aerzten empfohlen und von utschen Leibenden besucht werden.

Abg. Dickes (D. Vpt.) b.z.ichnet e' auch künftig als dringende Pflicht der Re evung, gegen die Ausbreitung der Geschlecht^krank- heiten sich mit allen Mitteln zu wenden und fordert ein Bewahrungsgeseh für die Jugend. Der Redner dankt bann den fremden Stauten, die wie Amerika, Schweden usw. der deutschen Jugend durch Kinderspei's ungen in schwerer Zeit geholfen haben. (Beifall.) Künf- tig müsse Deutschland sich aber selbst Helsen und cs müsse eine Jugend heranziehen, die im­stande fei, Deutschland in der Welt wieder die Stelle zu verschaffen, die ihm zukomme. Da es heute keine allgemeine Wehrpflicht mehr gebe, müßten von der Regierung alle Bestrebungen auf sportlichem Gebiet tatkräftig unterstützt wer­den. Die Jugend müßte auch besonders vor den Gefahren des Alkohols gewarnt wer­den und auf diesem Gebiet werde die Deutsche Volkspartei ihre Mitarbeit nicht versagen.

Geheimrat Hamel vom Reichsinnenmini- rium betont, daß das Ministerium nicht auf­hören werde, mit gewohnter Energie auf dem wichtigen Gebiete der Volksgesundheit zu ar­beiten. Eine auf Veranlassung des Zentralaus­schusses für die Auslandshilfe veranstaltete Rund­frage habe ergeben, daß

21 Prozent der Schulkinder speifebedürftig, 25 Prozent erholungsbedürftig und 18 Pro?.

unterernährt

wären. Besonders auffällig sei, daß jetzt viebe Kinder mit Kropf behaftet seien. Wenn hier Zahlen über Geschlechtskrankheiten ge­nannt sind, so dürfe doch die Tragik nicht über­trieben werden. Das kommende Gesetz gegen die Geschlechtskrankheiten werde f. d. Volksgesundheit beste Dienste verrichten. Was den Geburten­rückgang anbetreffe, so werde bei einem ge­sunden vorwärtsstrel enden Voll, vier Kinder den Grundstock der Familie bilden müssen. Bezüglich der von dem Abg. Moses (Soz.) angeregten Aufklärung breitester Volksschichten über ge­sundheitliche Probleme durch große Veranstal­tungen und Vorträgen rfTärt der Regierungs­vertreter, daß der Verband der Deutschen Krankenkassen diesen Gedanken mit Begeisterung aufgegriffen habe und in seiner Durchführung von der Regierung unterstützt werde.

Abg. Frau Arends en (Komm.) nennt die im Etat des Gesundheitswesens eingesetzten 1V2 Millionen einen ganz geringen Betrag, aus dem die Masse des Volkes auch schon ersehen könne, daß sie von solchen Etatsberatungen nichts zu erwarten hätte. Für die Bekämpfung der schweren ansteckenden Krankheiten, insbesondere der Tuber­kulose, fordert die Rednerin Zulassung der Mit­arbeit der Arbeiterschaft, vertreten durch die Gewerkschaften und Betriebsräte. Hm den großen Kamps um seine Befreiung führen zu können, müsse das Proletariat los vom Alkohol, der es zu Sklaven der Besitzenden mache.

Abg. S p a r r e r (Dem.) bedauert, daß bei der Finanzlage des Reiches die Etatsposition für das Gesundheitswesen nicht die genügende Stärke erfahren könne. Wenn auch die Gesund­heitsfrage Sache der Länder sei, so müsse dotch vom Reiche in dieser Angelegenheit mehr Ini­tiative erwartet werden, wozu es ja bas> Reichsgefundheitsamt zur Verfügung habe. Dieses Amt müsse ein Institut der For­schung, Förderung und Befruchtung fein. Diese Aufgabe könne es nicht ausführen, wenn das Besoldungsverhältnis derart fei, daß Autori­täten auf dem wichtigen Gebiete der Volksgesund­heit das Amt verließen, weil sie in Privat- diensten besser bezahlt würden. Im übrigen unterstreicht er, daß es notwendig sei, die ge­planten Gesetze gegen den Alkoholmißbrauch. Ge­schlechtskrankheiten und Tuberkulose bald in Kraft treten lassen imb begrüßt, daß die Sterblich- kejtsttsfer im ganzen betrachtet heute noch unter die der Vorkriegszeit herabgesunken fei. (Beifall links.)

Aus Antrag des Abg. Dittmann (Soz.), der sich dagegen wendet, daß eine so wichtige Materie vor leerem Hause verhandelt werde, vertagt sich das Haus um 5.30 Hhr auf Mon­tag 2.30 ilßr.

M "Ne politische Nachrichten.

Mit dem General öfu Stzu Tseng, dem Gene­ralsekretär des chinesischen Präsidenten, an der Spitze, ist gestern abend eine große chinesische

Delegation, die aus Politikern, Militärs und Technikern- besteht, in Berlin eingetroffen. Tie Delegation, die bereits Italien, England und Frankreich besucht bat, wird sich ungefähr 3 bis 4 Wochen in Berlin aufl)alten. Sie wird die staatlichen, sozialen und industriellen Einrichtungen studieren und Reisen in alle großen Städte des Reiches unternehmen. General Hsu Shu-Tseng nahm in dem Gebäude der chinesischen Gesandt- feßaft Wohnung.

*

Die Delegierten von 48 Hochschulen haben eine Abordnung zum Außenminister und zum Kriegsminister entsandt, die die Forderung er­hoben hat. daß die diplomatischen Beziehungen zu ©roßbritannien abgebrochen werden sollen.

*

Nach einer Havasmeldung aus Madrid nrirb der ZeitungEl Debate" aus Valencia gemeldet daß unter der Leitung deutscher Sachverständiger binnen kurzem in den Werften von Valencia der Bau von Unterseebooten begonnen werde, die für die spanische Flotte bestimmt seien.

Aus aller Welt.

Zwei Arbeiter auf einem Schiffe verbrannt.

Auf einem Motorschiff.geriet bei Düs­seldorf plötzlich ein Teil der Ladung, die ans 1200 Kilogramm Filmabfällen bestand, in Brand. Zwei im Laderaum beschäftigte Ar­beiter kamen in den haushoch em Vorsteigen­den Flammen um. Der Kapitän rettete sich dadurch, daß er über Bord sprang.

Entdeckung der dritten Stadtmauer von Jerusalem.

Wie die Londoner Times in einem Telegramm aus Jerusalem vom 16. Juni berichten, ist es einer englischen Expedition gelungen, in Jerusalem zwi­schen der englischen St. Georgskathedrale und dem italienischen Hospital lange Strecken einer Stadt­mauer aus der Zeit des Königs Herodes zu ent­decken. Es handelt sich um die dritte Mauer, von der Iosephus berichtet. In einer Nische der Mauer fand man ein Mosaik im byzantinischen Stil und ebenso die Inschrift einer Nonne. Die erste Stadtmauer Jerusalems stammt aus der Zeit des Königs Salomon und reicht vom Tor Davids bis $um Tempel. Die zweite Stadtmauer bestand zur Zeit Jesu und ist in ihrem genauen Verlauf noch nicht vollkommen festgelegt. Die dritte Stadtmauer wurde auf gebaut, als die Juden sich zum Kampf gegen die Römer rüsteten und wurde bei der Zer­störung Jerusalems niedergerissen.

Aeberschwemmungskalaslrophe in Celebes.

Wie aus Makassar (Celebes) gemeldet wird, haben in der Nähe von Makassar große Ueber- schwemmungen stattgefunden. Mehrere Gebirgsflüsse sind über die Ufer getreten. Fünf Dörfer wur­den fast gänzlich vom Wetter w e g g e f p ü 11. Der Schaden an Gebäuden und Vieh ist sehr groß. Nach den bisherigen Meldungen sind 13 Leute ertrunken.

Kunst und Wissenschaft.

Vom hessischen Landestheater.

Das anderwärts viel gespielte Schauspiel des Engländers Sutton Baue ,,U e b e r f a 1) r t" hatte bei seiner Erstaufführung im Hess. Landestheater keinen rechten Erfolg, trotzdem sich Regie und Dar­steller stark dafür einsetzten. Der erste Akt wurde kühl, die anderen etwas wärmer ausgenommen.

Deutsche Wissenschaftler in Mexiko.

Die deutsche wissenschaftliche und industrielle Mission, die über 100 hervor­ragende Mitglieder umfaßt, ist in Veracruz einge­troffen Präsident Calles stellte der Mission einen Sonderzug für die von der mexikanischen Re­gierung veranstaltete Fahrt durch Mexiko zur Ver­fügung.

Wettervoraussage.

Borwiegend beiüölft, nördliche bis westliche Winde, kalt, Neigung zu Niederschlägen.

Das Tief liegt heute über Mitteleuropa und ist int Begriff, sich weiter aufzusüllcn. Von Nor­den strömt kalte Luft ein und bewirkt bei be­decktem .Himmel abermalige Abkühlung. Es scheint, als ob wir erneut einer Hochdrucklage entgegen­gehen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Juni 1223.

** Die Vergnügungssteuer. Dis Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkimdi- gungsblatt den Bürgermeistereien der Landgen'sin- den des Kreises bekannt, es habe bet Stichproben festgestellt, daß in vielen Gemeinden von dem Rechte der Erhebung von Vergnügungssteuern immer noch nicht in der oorgeschriebenen Weise und in dem ge­setzlich möglichen Maße und Umfange Gebrauch ge­macht wird. Das Kreisamt sieht sich daher ver­anlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß es unter feinen Umständen geduldet werden farm, daß in Zeiten, in denen vom Reich, Land und nicht zuletzt auch von den Gemeinden die allgemeinen Steuern, deren Entrichtung sich niemand entziehen kann, in der denkbar schärfsten Weise ersaßt werden müssen, Steuern unerhoben bleiben, deren Entrichtung in­sofern eine freiwillige ist, als es in das Belieben jedes einzelnen steht, an einer steuerpflichtigen Der- anstaltuna teilzunehmen oder nicht.-Um in Zukunft jeglichen Zweifel über den maßgebenden'Gesetzestext zu vermeiden, veröffentlicht das Kreisamt in der gleichen Ausgabe des Amtsverkündigungsblattes die reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Vergnü­gungssteuer mit dem Hinweis, daß diese zur Zeit in allen Gemeinden, in denen feine besondere Steuer ordnung über die Vergnügungssteuer in Geltung ge­treten ist, Gültigfeit haben. Besonders macht das Kreisamt noch darauf aufmerksam, daß es sich bei allen Steuerbeträgen der Steuerordnung um un­bedingt zu erhebende Mindestsätze handelt, die jeder­zeit durch Erlaß einer besonderen Ortssatzung er­höht werden fönnen. Von der Möglichkeit des § 24 der Bestimmungen bezüglich des Erlasses ober der Erstattung von Vergnügungssteuer empfiehlt bas Kreisamt, nur in ganz besonderen Notfällen Ge­brauch zu machen.

** En blich! Rach wochenlanger Trocken­heit, die dem Landmann schon erhebliche Be­sorgnisse um seine Aussaaten einflößte, ging am Samstag abend und gestern nachmittag ein mehrstündiger erquickender Landregen nieder, der in Feld und Garsten gleich vorteilhaft gewirkt hat. Die ärgsten G.rgen um den Feldbau sind damit zunächst mal behoben, es wäre aber doch zu wünschen, daß noch einige Erfrischungen dieser Art bald nachfolgen und im übrigen die Tem- peratur sich etwas sommerlicher gestaltet, als wir sie heute zu verzeichnen haben. Trotz des gestrigen Regens wurde die Ruderregatta aus der Lahn Programmgemäß durchgeführt, dagegen ließ der Leiter der Waldbühne in guter Vor­ahnung des feuchten Ereignisses schon gestern mittag die für die Rachmittagsstunden voige- sehene Aufführungim Hinblick auf das unsichere Wetter" absagen.

Falsche Rentenmarkscheine. Wie das Frankfurter Polizeiprüsidum mitteilt, sind von den Rentenmarkscheinen zu 50 Mark aus der Serie P 378 mit drei nachfolgenden Ziffern zahlreiche gefälschte Scheine in Frankfurt a. M. in Umlauf. Es empfiehlt sich daher, bei der Annahme derartiger Rentenmarkscheine besondere Vorsicht walten zu lassen.

* I m Goethe-Bund veranstaltete am Freitag abend die Mandolinen- und Gitarren- vereinigung R e a p o I i t a ein eindrucksvolles Konzert. In exaktem Zusammenspiel trug sie eine Reihe der schönsten Stücke der Mandolinenlite­ratur vor, deren tadellose Ausführung von der hingehenden Arbeit des Leiters. Herrn Sonn­tag, nachdrücklich zeugten. Mit Sicherheit folgten die melodietragenden Mandolinen und die be­gleitenden Gitarren der fein abgestimmten Klang- und Tempogestaltung des Leiters. Das Sarge- botenc war mannigfaltig, Märsche und Tänze wechselten mit Liedern. Phantasien und Pot­pourris: aus der Fülle ragte besonders ein russisches Lied hervor, für das man sich keine passendere Instrumentierung denken könnt? als die hier mit den Lauten gegebene, und nicht zuletzt eine flotte Marschkomposition des Leiters selbst.

Angler -- Versammlung. Der Anglersport-Derein und der Angler-Klub Gießen hielten in dem GasthausZur Lahn- lust" eine Versammlung ab, in der u. a. ein Vortrag des Gauvorsihenöen G. Funk-Hanau über . Krankheiten der Süßwasserfische in unseren heimischen Gewässern" die Versammelten be- schäftigte. In seinen sehr sachverständigen Aus­führungen ging der Vortragende auf alle Fragen ein und gab wertvolle Aufschlüsse, die allseits mit Interesse zur Kenntnis genommen wurden. Der Referent hob besonders hervor, daß auch die zuständigen staatlichen Behörden in Gemein­schaft mit berufenen Fachleuten aus den Kreisen der Sportangler die Bekämpfung der Ursachen der Krankheiten übernehmen müßten, da die Fischereibewirtschastung genau so im Interesse der Volkswirtschaft liege, wie die Land- und Forstwirtschaft. Im übrigen trat der Vortragende für einen engen Zusammenschluß aller Sport­angler im Deutschen Anglerbund ein, de^ heute bereits über 150 Vereine mit etwa 12 000 Mit­gliedern umfasse.

** Pers onalie. Der Landmesser Her­mann König zu Ridda wurde mit Wirkung vom 1. Juni ab zum Oberlandmesser ernannt.

" Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 361 Ochsen, 42 Dullen, 846 Färsen und Kühe, 643 Kälber, 90 Schafe und 3736 Schweine.

Bornottzen.

Lageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Wege zu Kraft und Schönheit".

Aus dem Stadtthea terbureau wird uns geschrieben: Auf die morgige Auf­führung des SchwankesDie vertagte Rächt" von Arnold und Bach fei nochmals aufmerksam gemacht. In Hauptrollen sind beschäftigt die Herren Goll, Rorsolk, Baste und Volck, sowie die Damen Andre. Reffen, Heym, Iüngllng und Marcks.

Kreis Schotten.

Schotten, 20. Juni. Vom Postamt Schotten wird uns geschrieben: ImGießener Anzeiger" ist die Nachricht enthalten, daß die zwischen Schotten und ^Ilrichstein verkehrende Autopost von jetzt ab täglich zweimal fährt. Die Angabe ist unrichtig. Die Auto- post verkehrt vorerst täglich nur einmal mit den seitherigen Fahrzeiten, auch Sonntags. Ob die angeregte zweite Verbindung zwischen Schotten und Ulrichstein zur Ausführung kommt, kann heute noch nicht übersehen werden. Die beteiligten Gemeinden müssen sich zunächst noch über die zu zahlenden Zuschüsse einigen.

? Eichelsdorf, 20. Juni. Die Mäd -> chenfortbildungsschufe hat in der bäu* ccli schen Bevölkerung ihre st ä r k st en Gegner. Das kam seither dadurch zum Aus-