Ausgabe 
22.6.1925
 
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Montag, 22. Juni 1925

<75. Jahrgang

Nr. 145 Erstes Blatt

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesten

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Die Schwierigkeiten des Linkskartells.

Paris, 21. Juni. (WTB.) Wie Haoas aus Toulouse berichtet, Hal der Exekutivausschuß der so­zialistischen Vereinigung des Departements Haute Garonne eine Tagesordnung angenommen, in der die sozialistische Fraktion ausgesordert wird, die Unter st ützungspolitik gegenüber dem Mi­nisterium Painleve aufzugeben. Diese For­derung wird u. a. damit begründet, daß kein ernst­hafter Versuch gemacht worden sei, den Frieden in Marokko durch direkte Verhandlungen mit den Rif­vertretern aufrechtzuerhalten und daß die sozia­listische Partei jede Eroberungsaklion verurteile.

Wie der .Lntransigeant" mitteilt, hat der sozia- listische Abg. Compere Morel, der Verfasser der­jenigen der drei Tagesordnungen, in der die sozia­listische Partei zur Aufkündigung des KarteUoer- haltnifses mit den Radikalen aufgcsordert wird, ver­sichert, daß eine Mehrheit von 120 Abstimmenden sich für seine Tagesordnung aussprechen werde. Dies würde übrigens, wie Compere Morel erklärt, nicht ein einfacher Bruch fein. Wir Sozialisten wür­den, im ganzen genommen, unsere Handlungs­freiheit wieder nehmen.

Nach Ansicht des sozialistischen Aba. Compere Morel, so fährt derJntransigeant" fort, würde also das Kartell weiterbe st ehe n. Wenn also ein neues Kabinett H e r r i o t zur Re­gierung käme, was die Sozialisten erhofften, wür­den die Anhänger Compere Morels dieses Kabi­nett unterstützen, wie sie das voraufgegangene Mi- nifterlum unterstützt haben. Wir könnten, so habe Compere Morel noch erklärt, für ein Kabinett stim­men, dellen Politik in gewissen Punkten mit dem sozialistischen Programm in Widerspruch steht, aber unter der Bedingung, im Austausch für diese kleine Konzession nennenswerte Genugtuungen zu erlan­gen. Das Ministerium PainlevL rebe den So­zialisten diese Genugtuungen nicht.

Die französisch-spanische Konferenz.

Paris, 22. Juni. (TU.) Wie aus Madrid berichtet wird, hatten die Hauptdelegierten der fran- Ä-spanischen Konferenz gestern nachmittag einen mgSaustausch über die Kontrolle der Ländergrenzen. Auf spanischer Seite trat man zur Verhinderung des Schmuggels für d.e Ausdehnung der Bewachung auf den Hafen von Tanger ein, was Frankreich für unzweckmäßig hielt, weil die Zollbeamten schon Tag und Nacht Dienst hätten. Man hielt cs für wichtiger, in verstärktem Maße die Pfade und Schluchten ent­lang der französischen und spanischen Grenzzone zwischen dem Gebiet von Tanger und d e m R i f zu überwachen. Weiter haben die Haupt- bekgierten die etwaigen Friedensbedingun­gen geprüft, unter denen Frankreich und Spanien im gegebenen Augenblick mit Abd el Krim unter­handeln wollten. Heute findet keine Sitzung statt, sondern ein Automobilausflug nach Toledo.

Wie der Sonderberichterstatter derLibertä" in Madrid von einer hochstehenden spanischen Persön­lichkeit erfahren haben will, würde das Inkraft­treten der Beschlüsse, die bei den franzö­sisch-spanischen Verhandlungen in Madrid gefaßt würden, von dem Ergebnis der spanischen Verhand­lungen mit Abd el Krim abhängen. Der Groß­industrielle Echevarieta aus Bilbao, so schreibt der Berichterstatter, der immer mit Abd el Krim ver­handelt habe, sei nach Ajdir unterwegs, umsvon Abd el Krim selbst die endgültigen Bedingungen für eine Verständigung kennen zu fernen.

FriedensvorschlägeAbd.elKrims an Frankreich?

London, 22. Juni. (TU.)Daily News" be­richtet, Abd e l K r i m habe durch eine bekannte Persönlichkeit Frankreich Friedensvor- f dj l ä g e unterbreiten lassen.

Französische Verstärkungen nach Marokko.

Paris, 20. Juni. (WTB.) Der parlamenta­rische Ausschuß der Heereskommission der Kammer, der nach Marokko entsandt wurde, lenkt, wie die kommunistischeHumanitä" mitteilt, in seinem ersten Bericht die Aufmerksamkeit des Heeresaus- schusses und des Kriegsministeriums darauf, daß in möglich kurzer Frist die bereits vorgesehenen Ver­stärkungen an Mannschaften und Material ein­geschifft werden müßten.

Amundfens Flug.

Berlin, 20. Juni. (Wolff.) Nach einem wei­teren Bericht über Amundsens Polarslug mußte das eine Flugzeug der Expedition,U. 24", auf dem ersten Notlandungsplatze im Polareise, etwa 330 Kilometer vor dem Pol, zurückgelassen werden. Es war so stark eingefroren, daß die Kräfte der Polarslieger nicht ausgereicht hätten, beide Maschinen frei zu machen. Außerdem mußte das verbleibende Benzin beider Flugzeuge vereinigt werden, um den Rückflug wenigstens eines Appa­rates zu sichern.Die schrecklichste Zeit unserer Reise" sagt Amundsenwar der Rückflug. Der starke Wind zwang uns, Kurs auf das Nordkap zu nehmen.

Plötzlich entdeckte der Führer, daß die Stabilisie- rungsflädjen sich nicht wehr bewegen liehen und es somit unmöglich geworden war, das Flug­zeug stabil zu halten. So entschloß sich der Führer unseres Flugzeugs, Larsen, ans dem Wasser niederzugehen. Das geschah etwa 40 Kilo­meter nördlich des Nordkaps. Etwa eine Stunde glitt dvs Flugzeug sodann auf dem offenen Meere dahin,

Die Iahrtausendfeier in Koblenz

bis es in Fugle Bay an einem Eisberg v e r - ankert werden konnte. Wir waren gerade dabei, uns eine Mahlzeit zu bereiten, als wir plötzlich den SeglerS j o e n i v" erspähten, der unseren Anker­platz 28 Stunden vor derHobby" erreichte."

Amundsen betont weiter, daß die Expedition keineswegs enttäuscht sei, da sie an ihrem Landungs­

platz eingehende Beobachtungen und Vermessungen vornehmen konnte und etwa 160 000 Quadratkilo­meter eines bisher unerforschten Abschnittes des Eismeeres erkundete. Die Forscher hoffen, durch die gemachten Erfahrungen in der Lage zu sein den Nordpol beim nächsten Versuch wirklich zu erreichen.

mit den anderen Böltern geben. Gottfried Keller mahnt unsachtet jedes Mannes Vaterland, aber das deine liebe!". In den wechselseitigen Beziehungen der Hationen und der Menschheit I möge so die Achtung des Vaterlandes eines jeden zum Ausdruck kommen. Darum verlangen wir, daß auch unser Vaterland geachtet werde. Wir aber toollen es Don ganzem Herzen lieben, wir wollen uns selbst be­jahen, wir wollen weiterwirken für uns und für die Welt.

Mit fröhlichen Herzen seit ber Volkerwande- xung sind die beiden Ufer des Rheines mit dem Deutschen Reiche verbunden durch deutsche Sprache und deutsche Lieder, durch deutsche Arbeit I und deutsche Kunst. Don der Quelle des Rheines bis zur Mündung haben, soweit uns die Geschichte bekannt ist, Deutsche gewohnt, die damals und heute zusammen fein sollen mit bem großen deutschen Vaterlands. Das soll der Sinn dieser Feier sein, und diesen Sinn soll die ganze Welt erkennen. Der Herr 'Oberpräsident hat erkannt, was das Rheinland seiner Verbunden­heit mit Deutschland und Preußen verdankt Ich aber als preußischer Staatsminister bar] betonen und tue es gern, was Preußen dem Rheinland verdankt. Die Wechselbeziehun- gen zwischen Ost und West haben den beiden Teilen zum Segen gereicht, weil über alle poli- I tische Gegensätze hinweg das Einig en de ge­sucht wurde. Es war ein fegenspendendes Geben und Rehmen. Darum sollen und werden die I Kräfte, die im Rheinlands lebendig sind, nur die Möglichkeit haben, die Geschicke ihrer eigenen Provinz zu lenken. Sie werden auch auf die Geschicke des preußischen Staates und des Deut­schen Reiches Einfluß nehmen, weil sie Staat und Reich »etwas zu geben haben, xic etammc, die seit Menschengedenken auf beiden Ufern des Rheins deutsch sind und frei sind, schworen heute I aufs neue; Wir wollen ihn. er muß uns ge­hören! Es lebe der freie deutsche Rhein! Es lebe das Deutsche Reich! Hoch! Hoch- Hoch!

Am Mittag gab die Stadt Koblenz ihren Ehrengästen ein Festessen Dabei ergr ff

Oberbürgermeister Ruffell das Wort und betonte einleitend, daß die Bürger I von dem Rhein und der QUofel vor Vaterlands- liebe und Heimatstreue glühten Heute am Ehren­tage des Vaterlandes und des Rheinlandes gelte der c-fitc Gruß dem Herrn Reichspräsidenten, dem früheren lieben Mitbürger und jetzigen hoch­verehrten Ehrenbürger. Der Redner sprach dann von den schweren Zeiten, die das Rheinland durchleben müsse und erwähnte, daß die Zei­tungen in Verbindung mit dem Rainen Koblenz Kunde gegeben hätten, von mancher das Rhein» land schwer treffenden Bedrückung. Sie hätten aber auch Nachrichten gegeben von deutscher Treue am Deutschen Eck. Selbst heute sei das Engelsbrld der Freiheit den Rheinlanden noch nicht er­schienen Aber Mann für wann erwarteten die Rheinländer ihr Recht auf Befreiung von den Fesseln der Besetzung zum vertragsmäßigen ver­min. Nimmer wird das Reich zerstört, wenn ihr einig seid und treu. Dieser Ruf grüße in Stern gemeißelt von dem Denkmal am Deutscyen Eck. Dieser Rus sollte sich täglich jedem Deutschen auf die Lippen drängen. Er richtet an das deutsche Volk die inständ ge Ditte, di: Einheit des Reiches zu wahren, die Einigkeit iißter den Botts- flämmcn und den Parteien zu fördern. Die Bürger der Stadt Koblenz geloben, getreu dem Wahlspruch ihrer Stadt, auch weiterhin ihrem Daterlande und dem Rhein treu zu bleiben. Russell schloß mit einem Hoch auf das mit dem Rhein untrennbar verbundenen Vaterland

Als Vertreter der Reichsregierung sprach der Reichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiete. F renken. Auch er betonte, daß nur Einigkeit das deutsche Volk wieder emporfuhren könne. Das Sinnbild dieser Einigkeit sei Koblenz das sich an der Stelle erhebe, wo die Mosel und der Rhein die Deutschen beider Ufer zu- einanderführten. Die Zusammenfassung der rhei­nischen Kräfte im letzten Jahrtausend habe Wun­der gewirkt. Man müsse diesen Zusammenhang pflegen und darüber wachen, daß die gesammelten Kräfte nicht auseinanderfielen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Rhein und das Reich Vereinigt auf ewig!", das von den Anwesenden mit Begeisterung ausgenommen wurde.

Der Glückwunsch des Reichs­innenministers.

Berlin, 20 Juni. (WTB.) Das Reichs­innenministerium richtete an den Oberbür­germeister Russell, Koblenz, folgendes Tele-

Das Deutschtum des gesamten Rheingebietes gedenkt feiner 1000jährigen Reichsverbundenheit. Wenn Deutschlands Zerrissenheit in diesem Jahr­tausend ein Vordringen romanifierter Art zugelassen hat, so erwarten wir von der Zukunft, daß aus un­serer tiefen Erniedrigung der unbeugsame Wttle zur Volkseinheit und zur selbjtverantwortlichen porige- ftaltung unserer deutschen Kultur erwächst. Ge­denken Sie dort unweit der Stammburg des Reichs- freiherrn vom Stein, dieses Mahners und kraft­vollen Vorkämpfers deutscher Volkseinheit und deut­schen SulturroiUens.

Koblenz, 20. Juni. iWolff.) Bei dem Fest­akt, der heute hier anläßlich der Jahrtau­send f c i c r stattfand, hielt der Oberpräsident der Aheinprovinz, Dr Fuchs, eine Rede, in der es u. a. heißt; Wir gedenken der Grüße und des Treugelöbnisses, das im Rainen des leider am persönlichen Erscheinen verhinderten Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung der Herr Reichskanzler, und von der preußischen Regierung der §crr Ministerpräsident den Brü­dern und Schwestern am Rhein entboten haben. Der Redner bezeichnet die Kölner Jahrtausend­ausstellung mit ihren wertvollen Schätzen als eine feierliche Manifestation dafür, wie das Rheinland mit dem Reiche unlösbar verwachsen sei. In einem Jahre, das zum Rückblick auf ein Jahr­tausend rheinisch-deutscher Schicksalsgemein'chast einlade, sei es eine Ehrenpflicht, auch desjenigen Ereignisses zu gedenken, das in der wechselvollen Geschichte ein ganz besonderer Markstein fei: die

Vereinigung des Rheinlandes mit Preußen, wodurch nach dem rheinischen Dichter Immer- manneine mächtige historische Wahlverwand- schäft geknüpft wurde, die nur fruchtbringend sein könne.

Im Jahre 1915 sei es durch den Krieg nicht möglich gewesen, in feierlicher Form auf das preußische Jahrhundert der rheini- chen Geschichte hinzuschauen. Wenn wir Rhein- änder heute mit stolzem Gefühl dessen bewußt eien, was unsere Geisteskraft und unserer Hände Arbeit für Staat und Reich bedeutet, so erkenne das Reinland nicht immer dankbar und freudig an, was der Staat Preußen ihm in hundert­jähriger Schicksalsgemeinschaft gebracht habe: Den Antrieb zu einem ungeheuren kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg. Mit besonders Herz- sicher Dankbarkeit gedenke er der großen Ver­dienste, die Preußen gerade in den letzten Jahren ich um das Rheinlaird erworben habe. Preußen habe gerade dadurch bewiesen, daß es ihm heiliger Ernst sei, mit den von ihm befolgten Grund- ähen, die der Ministerpräsident in Düsseldorf in feierlicher Form als die bewußte Bejahung der völligen Entscheidungsfreiheit der alten kulturellen Kräfte des Rheinlandes bezeichnet hat und an denen auch in Zukunft festgehalten werden soll. Wenn die preußische Verwaltung und die rheinische Bevölkerung weiterhin in gegenseitigem Verständnis Hand in Hand ar­beiten, könne der Erfolg nicht ausbleiben. Rach weiteren geschichtlichen äleberblicken und Hin­weisen auf unsere rheinischen Dichter schloß der Oberpräsident mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf unserPreußisch-deutsches Vaterland!"

Im (Hamen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung sprach

Minister Dr. Höpker-Aschoff.

Er führte u. a. aus:

Wenn der Herr Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident nicht selbst an dieser Feier teilnehmen können so deshalb, weil sie durch dringende Geschäfte verhindert sind, die grade für das Rheinland eine besondere und ernste Bedeutung haben. Vor wenigen Wochen ist dem deutschen Volke eine Entwaffnungs­note überreicht worden und heute haben wir eine neue Rote aus französischer Hand vor uns. Ohne dazu Stellung zu nehmen, darf gesagt werden, daß die ernste Prüfung dieser Roten die erste Aufgabe der Reichs­regierung und der preußischen Staatsregie­rung ist. Als die Vorbereitungen zu diesem Feste begonnen wurden, hatten wir die Hoff­nung. daß der nördliche Teil der Rheinprovinz geräumt sein würde. Vor wenigen Wochen, sechs Wochen nach dem Räumungstermin, haben wir die Grunde erfahren, warum die Räumung nicht erfolgte und wir haben gesehen, was wir in der Entwaffnung getan haben und wie wenig übrig geblieben ist und wir habeii das bittere Gefühl, daß die kleinen Verfehlungen, wenn überhaupt von solchen die Rede fein rann, kein ausreichender Grund sein können, uns unser Vertragsrecht auf die Räumung der nördlichen Zone vorzuenthalten.

Bald kommt der 15. August, an dem nach den feierlichen Zusicherungen französischer, englischer und belgischer Staatsmänner das Ruhrgebiet und die Sanktionsgebiete frei sein sollen.

Ich habe die feste Zuversicht, daß die Staats- männer das Wort, das sie uns in London ge­geben haben, erfüllen werden. Man spricht vom Frieden der Welt und die Staatsmänner der ganzen Welt suchen nach Sicherungen für den Frieden. Der Friede, den auch wir wo! len, kann nur i m Recht der Frei­heit b e g r ü n be t sein. Wir haben keine kriegerischen Gelüste. Wir wollen nicht mit den anderen um die Weltherrschaft ringen. Der Ge­danke der christlichen abendländischen Kultur­gemeinschaft, der in so wunderbarer Weise in der Jahrtausendausstellung zum Ausdruck kommt, ist doch nur eine andere Ausdrucksform des Ge­dankens des Völkerbundes. Wir suchen nur nach der Möglichkeit, das unsrige beizutragen zur Weiterentwicklung der Völker. Dazu möge man uns die Frei­heit der Entfaltung in friedlichem Wettbewerbe

Die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen.

Berlin. 20. Juni. (WTB.) Wie von unk richteter Seite verlautet, hat die deutsche Regien», als Polen sich aus Gründen seiner gegenwärtig, Wirtschaftslage für außerstande erklärte, eine Handelsvertrag mit Deutschland z schließen, den Vorschlag gemacht, ein Provisori sches Abkommen auf der Grundlage gegen fettiger zolltarisischer Meistbegünstigung abzuschiic hen und dabei Polen ein Kohleneinfuhrkontmgeu für oberschlesische Kohle in Höhe von 60 000 Tonne, monatlich zu gewähren unter der Voraussetzung daß während der Dauer des Vertragszustandes d, Liquidation des deutschen Eigentums in Polen nid C f Gegenvorschläge hat die deutsche Regie rung hierauf nicht erhalten. Sie hat aber dessen ungeachtet, um die Verhandlungen zu deschleumye. und zu erleichtern, heute der polnischen Dclegatio, den Entwurf eines bctiaUiertcn Abkommens zugehe! lassen. Die Vorschläge der deutschen Re gier un g bewegen sich in folgender Richtung

Beide Länder gewähren sich für ihre Ein- und Ausfuhr in zolltarifischer Hinsicht die M e i st b e günstigung. , . .

Um einen freien Handelsverkehr z, gewährleisten, sichern beide Teile sich ferner zu, de- gegenfeitigen Verkehr in Zukunft durch keinerlei Ein und Ausfuhrverbote zu hemmen.

Beide Teile erklären sich auch bereit, die z. etwa noch bestehenden Ein - und Ausfuhrvei bote binnen einer kurzen Frist aufzuheben

Soweit die augenblicklichen wirtschasttichen Dei hältnisse in letzterer Beziehung noch gewisse Aus j nahmen für die deutsche Regierung notwendig machen, werden diese sich in geringem Umfang, halten. Die deutsche Regierung erklärt sich dabei bc reit, Polen für diese Waren E i n f u h r k o n t i n g e n t e zuzusichern.

Da ferner der Handelsverkehr sich nicht lediglid auf schrifttichen Wege vollziehen kann, wird in Aus ficht genommen, die Regelung der Behandlung de, beiderseitigen Handlungsreisenden und ihrer Muster in das Abkommen mit einzubeziehen.

Zu den erwähnten Ausnahmen von eine völligen Einfuhrfreiheit, zu denen Deutschland gründ sätzlich übergehen will, gehört bekannllich die K o h l e Trotzdem das Entgegenkommen auf diesem Öebieir angesichts der bekannien schwierigen Kvhlenlage für Deutschland ein empfindliches Opfer bedeutei, hat die deutsche Regierung, um jedenfalls ihrer­seits alles mögliche zu tun und den Abschluß eines provisorischen Abkommens zu ermöglichen, sich be­reitfinden lassen, ihr ursprüngliches Angebot b i s auf 100 000 Tonnen im Monat als äußerstes Kontingent zu erhöhen, aller­dings in der Erwartung, daß si chin der Liquida­tionsfrage für die Dauer des Provisoriums eine den deutschen Interessen Rechnung tragende Regelung finden läßt. Polen wird anerkennen müssen, daß Deutschland seinerseits auf diese Weise alles getan hat, was in seinen Kräften stand, um die beider­seitige Wirtschaft vor einem Handelskriege zu be- I wahren.

Die gestrigen Nachrichten aus Warschau lau­teten überraschender Weise dahin, daß die polnische Regierung die Veröffentlichung einer Verordnung beschlossen habe, welche anscheinend Einfuhr­verbote für zahlreiche deutsche Waren enthalten soll. Es erscheint kaum glaublich, daß diese Nach­richt zutrifft, da die beiderseitigen Delegationen sich ja mitten in Verhandlungen über ein Provisorium befinden und irgendeine Erklärung oder Aussprache über Einzelheiten noch gar nicht ftattgefunben hat. Sollten aber biese Nachricht roiber Erwarten be° grünbet sein, so würbe baburd) eine völlig neue Lage geschaffen sein, die bie deutsche Regierung vor schwerwiegenbe Entschlüsse stellen würde.

DerTemps" zur Sicherheitspaktfrage.

Paris, 20. Juni. <WTD.) DerTemps" beschäftigt sich mit der Rede des Reichs­kanzlers in Düsseldorf. Er geht zu­nächst auf die Haltung zweier deutscher Blätter, desLokalanzeigers" und derDeutschen Ztg.", in der Frage dos Sicherheitspaktes ein, denen er vorwirst, sie gäben den Illusionen nach die man sich in gewissen deutschen Kreisen bezüglich der möglichen Wirkungen des rheinischen Sicher- heitspaftes bemüht habe, zu erwecken bzw. einen Druck auf das Kabinett Luther auszuüben suchte. Man dürfe sich angesichts derartiger Lieber­treibungen nicht auf regen, die besonders den leitenden Staatsmännern in Berlin hinderlich seien. Reichskanzler Luther sei bei wettern klüger gewesen, als er in seiner Düsseldorf Rede erklärte, die deutsche Regierung toerbe die französische Rore mit all der AufmerNamke ' prüsen, die ein so wichtiges Dokument erhe.sche Reichskanzler Luther gebe sich augenscheinlich Über all das Rechenschaft, was Deutschland au allen Gebieten in den Augen der Welt verliere würde, wenn es leichtfertig jene Verantwortung auf sich nehme, die Verhandlungen zur Kon'ol. dierung des Friedens im Welten zum Scheiter zu bringen. .

Es seien übrigens anscheinend n..chiinur d <? reaktionären deutschen Kreise, d'e d.e Wilhelm I straße zu einer intransigenten Haltung treibe wollten: auch Moskau suche Berlin von einem rheinischen Sicherheitspakt abzulenk-m m dem man besonders auch einen Versuch England... , das bolschewistische Rußland zu isol »ren zu erkennen behaupte. Deutschland werde ftw kaum noch einer Illusion über ?ie Möglichkeit emer Zu­sammenarbeit mit dem revol ttionnren Ruh.and hingeben können, die sich ihm böten. Daher