Ausgabe 
22.5.1925
 
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erklärt. Nur l>aben lie gewünscht, daß in das Gesetz eine Bestimmung ausgenommen wird, wo­nach die zuständige Handäskammer vor Ver­leidung des Depot- und Depositenrechts an Dank- Unternehmungen in Gemeinschaft mit der örtlichen Reichsbankstelle gutachtlich gehört werden muh.

Dem Entwurf eines F u t t e rnr i t t e Ige­le tz e s konnte die Handelskammer nicht zustimmen weil es dem Futtermittelhandel die Lebensbe- dingungen aufs äußerste erschweren

In einem Bericht an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft über Mißstände im Straße «handel haben die hessischen Han­delskammern zur Beseitigung der aus diesen Ge­bieten hervorgetretmen Auswüchse folgende For­derungen gestellt: 3m Straßenhandel dürfen nur leichtverderbliche Waren vertrieben werden. Aus­nahmen von dieser Regel sind nur mit Genehmi­gung der höheren Verwaltungsbehörde nach vor- ausgegangener Anhörung der zuständigen Han­delskammer zulässig Dec Stravenhandel ist von einer Konzession abhängig zu machen; gewissen­hafteste Prüfung der Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeil des Strahenhändlers ist unbe­dingte Voraussetzung. Dem Strahenhändler ist die Verpflichtung auszuerlegen, ein deutliches Schild mit Flamen, Wohnort und Strahe an seinem Stand oder Gefährt anzubringen.

Eindringliche Klagen des Vereins der Schuh­händler von Gießen und Umgegend wegen Aus­schaltung des Einzelhandls infolge un­mittelbaren Bezugs von Schuhwerk aus der Fa­brik hatten der Handelskammer Veranlassung ge­geben, eine Aussprache zwischen den Vertretern des Vereins, der örtlichen B-Hörden und größerer Fabrikunternch.nungen herb izuführen. Die Han­delskammer richtet auch an di.ser Stelle nochmals die eindringliche Bitte an alle Unternehmungen und Behörden, ihrerseits darauf hinzuwir.'en daß 'Beamten- und Arbeiterschaft sich bei ihren SHuh- b.zügen nur des ortsansässigen Schuhhandels be­dienen.

Ein Schriftwechsel mit der Reichsbankstelle Gienen gibt der Handelskammer Anlaß, sich auch vor der großen Oeffentlichkeit für die Not­wendigkeit der P f en n i g r ech n u n g im ge­samten Verkehrsleben einzusetzen und anJe. die es angeht, nicht nur an die Geschäftswelt sondern auch an die Reichs- und Landesbehörden die eindringliche Bitte richten, zwecks Förderung der Verbilligung der Lebenshaltung sich des Pfennigs wieder zu bedienen und Abrundungen nach oben unter allen Umftän&en zu vermeiden.

Einer gegen die steigende Lohntendenz gerichteten Erklärung der Handelskammer Mainz hat sich die Handelskammer einstimmig ange­schlossen.

3n Wiederholung des bereits früher einge­nommenen Standpunktes hat sich die Handels­kammer für einen bald g n Abschluß l es deutsch­spanischen Handelsvertrags ausge­sprochen.

Wie bereits int Jahresbericht 1924 bargelegt wurde, hält die Handelskammer auch weiterhin die baldige Herabsetzung dec Gütertarife zur Belebung der Wirtschaft für ein dringendes Gebot.

Nach Uebergang der Aufsicht über das ganze kaufmännische Schulwesen auf das Lan­des amt für das Bildungswesen ist von diesem den hessischen Handelskammern die Zusicherung gegeben worden, daß es alle Fragen des kauf­männischen älnterrichtswesens In engster Füh­lungnahme mit den Handelskammern behandeln werde.

Die Versuche der Handelskammer, eine dritte Ortsbriefbestellung herbeizufuhren, muß-- ,ten aus bestimmten Gründen einstweilen zurück- gestellt werden; sie sollen zu gelegener Zeit wieder i , aufgenommen werden.

Die Handelskammer hat sich im Sin verständ­ig nis mit den kaufmännischen Organisationen gegen den geplanten Wegfall der Sonntag sbrief- - beftellung erklärt und dem Deutschen In­dustrie- und Handelstag von dieser Stellung­nahme Kenntnis gegeben.

Für die am 19. d. M. stättfindende Vollsitzung des Landeseisenbahnrats sind der Reichsbahn- direktion Frankfurt a. M. durch den Vertreter der Kammer in diesem Gremium eine Reihe von Anträgen und Wünschen bezüglich des Eisen­bahnverkehrs im Kammerbezirk übermittelt worden. Bei Prüfung des Sommerfahrplans, der am 5. Juni d. 3. in Kraft tritt, konnte die Han­delskammer zu ihrer lebhaften Genugtuung fest­stellen, daß die von ihr schon seit 3ahren ver­fochtenen Anträge auf Einrichtung einer Spät­abendverbindung auf den Strecken Gießen Gelnhausen, Gießen Marburg, Gießen Fuld a nun endlich Berücksichti­gung gefunden haben. Da dies bezüglich der Strecke Gießen Butzbach noch nicht in dem erwünschten Matze der Fall ist, hat die Handels­kammer Schritte getan, damit auch auf dieser Strecke den Bedürfnissen der Bevölkerung Rech­nung getragen wird.

Nach Anhörung der beteiligten Kreise hat sich die Handelskammer gegen den Antrag auf Einreihung von fertigen Z i g a r r e n k i st ch e n aus Holz in das Tarifverzeichnis II, Teil IB ausgesprochen.

Die Handelskammer richtet auch an dieser Stelle an die Kaufmannschaft des Kammerbezirks .die Bitte, die Bestrebungen auf Schaffung eines Luftverkehrs'-afens in Giehen durch Zeichnung von Ali.cn der in Gründung begriffe­nenLuftfahrtgesellschaft für Lahngau und Ober» Hessen A. G." tatkräftigst zu fördern.

Die Frage der Lahnkanalifierung ist in ein entscheidendes Stadium eingetreten; die Handelskammer gibt dec bestimmten Erwartung Ausdruck, daß gleich dem vorbildlichen Vorgehen des Kommunallandtages W esbaden nunmehr auch der Prooinziallandtag für Oberhessen die Mittel für den Ausbau des zu schaffenden Schiffahrtsweges in anteiliger Höhe bewilligen wird.

Einem allseitigen Verlangen entsprechend richtet die Handelskammer auch an dieser Stelle an alle Unter ehmungen ih:e; Bezirks die Bitte, an ihrem Teile für eine Unterbringung aus- geschiedener Heeresangehöriger nach Möglichkeit beizutragen.

Die Handelskammer lenkt erneut die Auf­merksamkeit der bezirkseingesessenen Kaufmann­schaft auf die von ihr geschaffenen Ein- riajlungen, nämlich das Einigungsamt in Sachen des unlauteren Wettbewerbs, das Schiedsgericht für Handel und Gewerbe sowie die Steuer- und Buchsührungsberatungsstelle.

Das Derkehrsbureau der Industrie- und Handelskammer zu Berlin hat eine Zusammen­stellung der Verjährungsfristen des bür­gerlichen Rechts im Auslande nach dem Stande vom Januar 1925 herauSgegeben

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

Wieseck, 22. Mai. Seit langen Jahren besteht hier der Brauch, am Nachmittag des Himmelfahrttages ein Waldfest am Fuße des Hangelsteins, imDlockswald", abzuhalten. Dieses Jahr luden derTurnverein Wies eck" und der Gesangverein3 u g c n b g r u n b ge­meinsam hierzu ehr Begünstigt durch das sehr gute Wetter hatte die im herrlichsten Buchen­hochwald stattfindende Veranstaltung einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen. Die Kapelle M a n f konzertierte. Die gebotenen Darbietungen gesanglicher und turnerischer Art fanden lebhaften Beifall und zeugten von sehr viel Lust und Liebe zur Sache. Wie schon bei anderen Gelegenheiten, konnte man auch hier die Beobachtung machen, daß die gezeigten Volks- spiele und -tänze am meisten ansprachen. Bei eintrekender Dunkelheit wurde unter Vorantritt der Kapelle der gemeinsame Heimmarsch ange­treten.

Kreis Büdingen.

ö. Nidda, 18. Mai. Das gestrige öffentliche 51 ü n ft l c r f o n 3 e r t im Kasino dahier bot seinen Besuchern einen außerordentlich hohen Kunstgenuß. Frl. Adele Renz aus Darmstadt bewies sich als vollendete Biolinkünstlerin von ganz hervor­ragender Begabung und geradezu staunenswerter technischer Fertigkeit. Kraft, Schönheit und Wohl­klang des Tones verbunden mit unbedingter Sicherheit und fetiener Meisterschaft im Spiel gaben ihren Darbietungen das Gepräge vollendeter Kunst, die auch die technisch schwierigsten Lagen spielend" zu beherrschen weiß. Auch die Auswahl der Vortragsstücke: Präludium und 'Allegro von Giuliani Pugnani, Jagdstück von Jean Bapl. Cen- tier, Ballettmusik von Schubert, Notturno Opus 27 Nr. 2 von Chopin-Wilhelmy und Spanischer Tanz von Sarasate, war eine äußerst glückliche. Nimmt man hinzu, daß Frl. Renz weder eines Notenpultes noch einer Partitur bedarf, vielmehr alles aus dem Gedächtnis spielt, so läßt sich denken, daß ihr Spiel ganz außerordentlich leb­haften Beifall fand, ebenso wie dies in den vielen anderen Orten ihres Auftretens der Fall war. Frau K u l l m a n n verstand es vortrefflich, sich bei der Klavierbegleitung verständnisvoll in die tempera­mentvolle Eigenart der Künstlerin h-neinzuver- setzen, und wußte den Flügel so geschickt zu mei­stern, daß auch hierdurch der glänzende Erfolg mit erreicht werden konnte. Auch das rühmlichst bei uns bekannte Ackermanns che Quartett bot wie­derum Ausgezeichnetes. Die Sinfonie in bl-Moll von Schubert, Andante aus der V. Sinfonie von Beethoven, das Trio I von Haydn und die Ouver­türe zur OperDer Freischütz" fanden durchweg eine vortreffliche Wiedergabe.

Nidda, 20. Mai. Die im Juni stattsin- denden Bürgermeisterwahlen scheinen fast allerorts im Zeichen bewegter Wahlkämpfe zu stehen. Während in der Vorkriegszeit in den Landgemeinden das Bürgermeisteramt ein ehren­amtliches war, und aus diesem Grunde nur mit einer verhältnismäßig geringen Vergütung bedacht wurde, hat die neue Landgemeindeordnung in finanzieller Hinsicht ihm den ehrenamtlichen Cha­rakter genommen, so daß auch Nichtbegüterte in der Lage sind, sich um den Bürgermeisterposten zu bewerben. So ist es nicht wunderlich, daß die Zahl der Kandidaten gegen früher stark zugenommen und vielerorts Stichwahlen notwendig werden. In einem größeren Orte der Wette rau nennt man nicht weniger als 7 Kandidaten, die ernsthaft daran denken, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben.

Kxeis Scholten.

* Schulten, 22. Mai. Die Landwirt­schaftskammer wird am Mittwoch, 27. Mai. eine große Tierschau über reines Vogelsberger Vieh in Schotten abhalten. Zirka 250 Tiere sind angemelfcet. Reichliche Preise stehen zur Prämiierung zur Verfügung. Die Tierschau wird einen ausgezeichneten Ueber- blick geben über die Rotviehtierzucht im Kreis, die glänzende Fortschritte gemacht' hat. Am 3. Pfingstfeiertag hält die Stadt Schotten in alter Form ihren Markt, verbunden mit großer Prämiierung, Verlosung und Volksfest, ab. (Siehe Anzeige.)

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld. 20 Mai. (Stadtver- ordnetensihung.) Unter Mitteilun­gen gab der Vorsitzende das Ergebnis der An­käufe an Grundbesitz für die Stadt bei der letzten Versteigerung von Massegrund- stücken der Feldbereinigung am 1. Mai bekannt. Es wurden die von der beauftragten Kommission getätigten Ankäufe von zirka 8,25 Morgen für 6385 Ml. genehmigt. Der Kaufpreis soll, falls erforderlich, durch Kapitalaufnahme gedeckt wer­den. Verkauf von Grundstücken: Ein von der Feldbereinigung erworbenes Grundstück auf der fogenannten Leimenkaute wird auf An­suchen des Anliegers Wilhelm Stein diesem zum Selbstkostenpreis einschließlich der erwachsenen Un­kosten für iitogefamt 575 Mk. käuflich abgetreten. Der Kaufpreis ist mit 6 Prozent vom 1. Mai 1925 ab zu verzinsen. Wegverbreite- run.g der Siedlungsanlage in der Rombach: Hierzu wurde dem Beschlüsse der Dollzugskommission vom 30. April l. 3. zuge­stimmt. Anläßlich der letzten Voranschlags­beratung war der Anschluß der st ä d t i -- scheu Bleiche an das städtische Strom­netz angeregt worden. Demzufolge wurde in der heutigen Sitzung beschlossen, diese anzuschließen. 3n der Mitte des eigentlichen Dlcichplatzes soll außerdem ein Lichtmast mit einer besonders star­ten Lampe angebracht werden. Der Firma Remy & C o. wurde für die vorübergehende Benutzung ihrer Tankanlage, solange bis die städtische Autohalle fertiggestellt ist, für die Inanspruchnahme von feiten der Reichspostver­waltung zur Lagerung von Oel und Benzin für die in AlSfeld stationierten Postkraftwagen eine monatliche Gebühr von 25 Mk. bewilligt. Freiwillige Feuerwehr: Aus Antrag der Bürgermeisterei wurde dem derzeitigen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, Ludwig Martin dahier, die Dienstbezeich­nungStädtischer Branddirektor" ver­liehen. Allgemein anerkannt wurden seine Ver­dienste um den Ausbau der Freiwilligen Feuer­wehr in Alsfeld. Genehmigung von Pachtverträgen: Die Verpachtung eines Kellers im Hochzeitshaus an den Mineralwasser­händler Johannes Bocher für 60 Mk. jährlich vom Rechnungsjahr 1925 ab wurde genehmigt, ebenso die Verpachtung eines Stück Garten­landes an den städtischen Faselhalter Peter Krug. - Für die Errichtung einer Ingen d -

herberge auf der Herchenhainer Höhe wurde dem Vogelsberger Höhenklub ein ein­maliger Beitrag von 50 Mk. bewilligt. Für die Herausgabe eines illustrierten Werkes über d i e Stadt Alsfeld, das der Privatdozent Dr. May er- Barkhausen in Marburg plant, wurde diesem ein Beitrag von 1000 Mk. gegen 5 Stimmen bewilligt. Die dazu gebrauchten Klischees gehen in das Eigentum der Stadt Alsfeld über, welche nach näherer Ver­einbarung der Derlagsbuchhändler Eiwert in Marburg auf Wunsch zur Benutzung freigibt. Die Uebertragung der Fischereipacht in der Krebsbach an Arnold Etling wurde genehmigt, der an die Stelle des von Alsfeld versetzten Pächters H. Machleid tritt. Außer­halb der Tagesordnung wurde beschlossen, die Angelegenheit bezüglich Lieferung der Parkettfußböden für die Festhalle und den Saal imDeutschen Haus" der Bau- kommission zur Aufklärung zu überweisen.

Kreis Wetzlar.

d. Wcnlar, 21. Mai. Ein Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich am Mittwochnachmittag auf der hie­sigen neuen Lahnbrücke. Ein IZjähriges M ä d- d) e n fuhr mit seinem Fahrrad über die Brücke, als aus der entgegengesetzten Richtung ein Lastkraftwagen die Lrücke gleichfalls passierte. Das Mädchen kam auf bisher nicht festgestellte Weise mit seinem Rade plötzlich zu Fall und vor d a s L a st- a u t o zu liegen, das es direkt überfuhr. Der Tod des Kindes trat auf der Stelle ein. Die von der Polizeiverwaltung fofort angestellten Zeugen­vernehmungen ergaben, daß der Lastkraftwagen­führer nicht verbotswidrig gefahren ist. Die Ge­tötete ist die Tochter eines' bei der Firma Hollmann beschäftigten Gartenarbeiters. Der Lastkraftwagen gehört der Firma Gertrudisbrunnen zu Biskirchen an der Lahn.

Hessen-Nassau.

bl. Dillenburg. 20. Mai. In der Reit­halle des hiesigen Landgestüts fand am Sonntag unter Beteiligung von ca. 300 Personen eine große Kundgebung gegen den Alkohol und für das Gemeindebestimmungsrccht statt, in welcher Prof. Dr. Hans Schmidt-Gießen einen Vortrag überDie Bedeutung der Alkohol­frage für den Zusammenbruch und Wiederaufstieg Deutschlands" hiell. Der Referent gab ein Bild von den schlimmen Folgen des Alkohols für Staat und Familie und forderte, nachdrücklichst für das G e m e i n d e b e st i m m u n g s r e ch t einzutreten, damit dem deutschen Volke neuer Lebensmut und neue Gesundheit wiedergegeben würde. An der Aussprache beteiligten sich verschiedene Herren, so auch u. a. der Geschäftsführer der Brauerei­vereinigung, S ch u n k - Siegen, der eine andere Form des Schankstättengese'tzes für richtig ansah. Ein starkes Verkehrshindernis bildeten die über den ganzen Bürgersteig in der Markt­straße reichenden Haustreppen. Nunmehr hat die Stadtverwaltung angeordnet, daß die Treppen in die Häuser zurückverlegt toerben müssen. Etliche Bewohner haben schon der Anordnung Folg? geleistet, während sich einige anscheinend doch nicht von ihrem Alten trennen können.

Limburg a. d. L.. 20. Mai. (WB.) Bei der Rückkehr von einem Schulausflug gerieten die Kinder einer Schule von Holzen- bauten bei Limburg in ein Gewitter. Ein Blitz schlug in eine Gruppe ein, wodurch e i n Knabe getötet und mehrere Kinder gelähmt wurden.

Turnen, Sport und Spiel.

Vom Arbeiter- Turn- und Sportbarud.

Gießen I.Wieseck I.

t Ein Spiel, über dessen Avsgang man von vornherein nicht im Zweifel war. Die Gießener Ni a n n s ch a f t hat die vorübergehende Schwäche schnell überwunden und befindet sich heute wie­der auf ihrer vom Vorjahre her bekannten Spiel­höhe. Die W i e s e ck e r 1. Elf macht eine Krise durch, wie sie keinem Verein erspart bleibt, sie muß gegenwärtig für vier ihrer besten Spieler, die fast alle wegen Krankheit am Spielen verhindert sind, Ersatz einstellen. Daß es der Wiesecker Mannschaft trotzdem gelang, das Spiel in der ersten Hawzeit offen zu halten, gereicht ihr zur Ehre. Ein starker Gewitterregen machte eine ^stündige Unterbrechung notwendig. Beim Abpfiff der ersten Halbzeit war das Spiel noch für beide Parteien resultatlos, die Ecken verteilten sich mit 2:2 gleichmäßig. Beim Wiederanstoß zeigte sich Gießen mit umgestellter Mannschaft, dadurch wurde die Durchschlagskraft des Sturmes erhöht, leider wurde das Spiel aber auch körperlicher und unruhig. Der Linksaußen Wiesecks mußte zu allem Ueberfluß bald nach Halbzeit wegen einer Fußverletzung ausscheiden, so daß die Ueberlegenheit Gießens immer mehr in Erscheinung trat. Durch einen unverhofft, aber gra­ziös getretenen Ball geht Gießen durch seinen Rechtsaußen in Führ u n g, der Halbrechte konnte in der letzten halben Stunde zwei weitere Tore erzielen. Gegen Schluß des Spiels war Wieseck säst völlig auf die Verteidigung angewiesen, die einzelnen Durchbrüche wurden meistens schon von der Verteidigung Gießens aufgefangen. Ein schöner Durchbruch Wiesecks nach dem ersten Tor für Gießen führte zu einer Ecke, die fast den Aus­gleich gebracht hatte, mit viel Glück konnte der Gießener Tormann im letzten Augenblick retten. Der Spielverlauf der zweiten Halbzeit entsprach dem 3:0-Sieg der Gießener, wenn auch die Wie- secker das schon fast sichere eine Tor verdient hat­ten. Eckeir 4:3 für Gießen.

Gießen II.wieseck II.

Die Gießener 2. Mannschaft entschied auch die­ses Spiel mit 3:0 für sich, wobei das erste Tor ein Abseitstor war, aber ja am Resultat nichts ändert. Den Ausschlag gab die körperliche Ueberlegenheit Gießens, Die Wiesecker Mannschaft wurde stark verjüngt, die neue Ausstellung zeigte besonders im Jnnenstunn rechte schone Leistungen und verspricht ein recht beachtlicher Gegner zu werden. Gießen hatte die größere Wettspielerfahrung und den Vor­teil des starken körperlichen Uebergewichts.

Gießen III.Wieseck Jugend.

Am tapfersten hielten sich die Kleinsten. Sie holten der 3. Mannschaft der Gießener gegenüber ein 0:0-Resultat heraus. Hier war der körperliche Unterschied besonders groß, aber furchtlos und be­harrlich stellten sie ihren Mann. Wenn die hie und da aufgetretenen schwachen Punkte ausgeglichen sind, ist die Mannschaft recht erfolgversprechend.

Ein erfolgreiche Turnerin.

Die Vorarbeiten für die im Juli in Frank­furt stattfindende Olympiade finb im vollsten Gange.

Gegenwärtig finden die A u s s ch e l d u n g s - kämpfe innerhalb'der Kreise statt, hiervon sind der Sieger in den einzelnen Wettkampsarten zu den Ausscheidungskämpfen des Bundes, die am 7 Juni in Chemnitz statiftnden, zugelaffen. Be- kannllich ist die Teilnehmerzahl der einzelnen Länder beschränkt. An den Geräteweilkampfen kön- nen von Deutschland z. B. nur 16 Turner teil­nehmen. Im 9. (hessischen) Kreis fanden die 'Aus­scheidungswettkämpfe am Sonntag in Frankfun- Oberrad statt, wobei es der Turnerin E m m a Mandler-Heuchelheim gelang, sich im Zwölfkampf an die erste Stelle zu setzen. Da­mit ist ihre Berechtigung zur Teilnahme an den Bundesausscheid ungs - ' e 11 f ä m p f c n in Chemnitz gesichert. Ist die tüchtige und eifrige Turnerin auch dort erfolgreich, was bei fleißigem Training bis dahin möglich ist, so be­steht begründete Aussicht, unsere engere Heimat bei den großen internationalen Wettkämpfen in Frank­furt mit guten Erwartungen vertreten zu sehen.

Faustballmeislerschaften.

Am letzten Sonntag nachmittag wurden in Heuchelheim auf dem dortigen Sportplatz die M e i st e l s ch a f t e n im F a u ft b a 11 ausge­tragen. Die teilnehmenden Vereine tfemiefen eine gute Technik, teilweise besonders oom siegenden Herborn wurde Hervorragendes geleistet. Her­born ist Sonderklasse und wurde Bezirks- m e i st e r. Es spielten am 7. Juni in Frankfurt um die Kreismei st erschuft, in diesem Kampf kann der Vertreter unseres 3. Bezirks mit den besten Hoffnungen cintreten. Krofdorf, do.' außer Konkurrenz spielte, bewies mit den erzielten Resultaten, daß es jederzeit mit den ersten Mann­schaften spielen kann. Der Verlauf der interessanten Wettkämpfe ergab die nachstehenden Resultate:

Guntersdorf I.Heuchelheim I. 46:62. Herborn I.Fronhausen I. 22:95. . Herborn I.Guntersdorf I. 35:74. Herborn I.Heuchelheim I. 38:81. Fronhausen I.Heuchelheim I 82:52. Guntersdorf II.Heuchelheim II. 58:52.

Es erhielten demnach: Herborn 6 Punkte unb die Bezirksmeisterschaft, Guntersdorf 4 Punkte und Heuchelheim 2 Punkte.

Aus dem Deutschen Schwimmverband

vo. Auf der kürzlichen Tagung des Werbe­ausschusses des Deutschen Schwimm- verbandes ersuhr man neue Zahlen über die gegenwärtige Stärke des Deutschen Schwimm- verbandes. Leider zeigen sie einen starken Rück­gang, der Wohl nur zum Teil auf die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse der vergangenen Jahre zurückzuführen ist. Die hohe Kopfsteuer dürfte an der Abwanderung ein gut Teil Schuld tragen. Während der D. S. V. im Jahre 1922 in 747 Vereinen 218 798 Mitglieder zählte, waren es 1923 nur noch 191 030 unb im vergangenen Jahr 1924 gar nur noch 140 142 Mitglieder, die in 758 Vereinen zusammengeschlossen sind. Bei den Vereinsgründungen steht Süddeutschland an erster Stelle, es folgen Schlesien, Hansa-Rord, Berlin und dann West- und Mitteldeutschland.

Großer

Rad- und Motorsporttag Wiesbaden.

August Deibel vom Gießener Radf.-Derein 1885 e. 23. startete bei dem im Rahmen dieser Ver­anstaltung abgetragenen StraßenrennenGroßer Straßenpreis von Wiesbaden" (200 Km.) und konnte feinen Siegen einen weiteren schönen Erfolg aiv reihen. Deibel ist in diesem Jahr sehr gut in Form unb hatte dieses schwierige Rennen von Anfang an sicher in der Hand. 20 Km. vor dem Ziel mit Dumm- Köln mit großem Vorsprung in der Spitze liegend ereilte ihn leider wieder das gewohnte Pech, ein Reifenschaden. Dumm eilte nun allein dem Ziel zu, doch bereits zwei M-.nutsn nach b«n (Steger über­fuhr Deibel als Zweiter das Zielband. Ergebnis: 1. Dumm, Köln 7 Stunden, 2. Deibel, Gießen 7 Stunden 2 Min., 3. Hundert mark, Leipzig 7 Stunden 26 Min. Der Gießener Radf.-Verein 1885 e. 23. beteiligte sich auch mit feinen Mannschaften an den Saalsportkonkurrenzen und konnte hier im 6er= Kunstreigen hinter dem Radf.-Verein Zeilsheim als Sieger den 2. Ehrenpreis erringen, wahrend die Radballmannfchaft Gebr. Keßler den 3. Ehrenpreis mit nach Hause nehmen konnte.

Schöffengericht Gießen.

G i e ß e n , 19. Mai. Vierter und letzter Ver- handlunastag gegen die Eheleute Sch. u. Gen. wegen Verbrechens gegen das keimende Leben (§ 218, 219 StGB.), 12. Fall. Eine Ehefrau und zwei Fräuleins haben sich wegen des Verbrechens der vollendeten Abtreibung zu verantworten. Das Gericht nimmt nur bei der letzten Angeklagten Vollendung des Deliktes an und verurteilt sie zu 6 M o n a t e n Gefängnis, bei den beiden ersten Angeklagten wird dagegen nur wegen Versuchs auf 2 Monate bzw. 6 Wochen Gefängnis er­kannt. Ein Mädchen, welche die letzte Angeklagte den Eheleuten Sch. zugeführt hat, erhält wegen Beihilfe 6 Wochen Gefängnis. In dem einen Falle haben die Eheleute Sch. die Abtreibung zu­sammen vorgenommen, in den beiden anocrcp Fällen hat die Ehefrau Sch. als Alleintäterin ge­handelt. Diese wurde wegen der heute abgeurteilten Verbrechen zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus ur.o 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, der Ehemann ; i 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Ehe­leute Sch. waren bereits am 6. Mai, wie wir L * richtet haben, zu 7 Jahren unb zu 2! Jahren Zuch Haus verurteilt worden. Aus dieser und den nor träglid) gegen sie erkannten Einzelstrafen wurden folgende Gesamtstrafen gebildet: Gegen i) : Ehemann S ch. eine Zuchthaus st rafe v>' 8 Jahren 6 Monaten, gegen die Ehefr n 4 Jahre Zuchthaus, je 1 Jahr der erlitten--: Untersuchungshaft wird angerechnet und beiden Verurteilten werden die bürgerlichen Ehrenrecl' auf die Dauer von je,10 Jahren aberkannt.

Aus dem Amtsverkinidiguugsblf.t

Das A m t s v e r k u n d i g u n g s b l a t t 91 r. 4 0 vom 19- Mai enthält: Invalidenversiche­rung. Maul- und Klauenseuche in Bellersheim und Albach. Schafräude in Nieder-Bessingen. Statistik der Weinmost- unb Obsternte im Jahre 1925. Reichsjugenbwettkämpse 1925. Kurse der Biologischen Anstalt aus Helgolanb. Dienst­nachrichten.

Speziell chronische Siuhlverftopsung wirb behoben durch den Gebrauch bet Herber- Kerne, die Sie in Packungen zu 30 Gramm in der Apotheke erhalten. Sicher: llniversitäls-Apothclc zum goldenen Engel. Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben. 486CA