Ausgabe 
22.5.1925
 
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Feuer am Nordpol.

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.

Bon Karl. August von Lästert.

47 Fortleßung. (Nachdruck verboten.)

Schreiben Hagens an Blankenburg

in Kalrnikowskaja (in verabredeter Geheim­schrift).

Lieber Herr Blankenburg'

Freue mich, daß Nordlanbunternchmeii ein» zuschlagen scheint. 3eBj_ habe ich aber genug Geld hrrgcgcben. Ziehen Sie einmal das Fazir im Hauptbuch. Die Summe ift beachtenswert groß. Bon heule ab muß die Gesellschaft auf eigenen Filmen stehen. Also heißt es Platin verkaufen. Sie haben ja genügenden Vorrat. Der anfangs stark gefallene Preis, verursacht durch das blödsinnige Geschrei der Zeltungen von einer Platinflul. hob sich bereits wieder, als man merkte, daß wir bis­her nichts abgaben. Treten Sie der amerikanischen OficTic näher. Die Yankees müssen ober mindestens 1000 Kilogramm fest kaufen

Vertraulich teile ich mit, baß Frankreich sprungbereit sikt. Augenblicklich rührt es sich noch nicht. Sollte aber die Anlage der weltoersorgenden flraftflation ernst werden, dann fürchte ich, wird es mit gewohnter plumper Hand zulangen.

Einer meiner fähigsten Maschinenkonstruk- teure, Kersten mit Namen, im Feldzuge Artillerie» Offizier und später Flieger, hat ein von mir ge­billigtes Projekt zur Verteidigung Nova Thules ausgearbeitet. Ich schicke ihn nach Kalmikowskaja. Dort soll er mit seinen Gedanken hervortreten, als wenn sie seinem Hirn allein entsprungen wären. Der gute Stratoff wittert sonst sofort wieder In­trigen.

In Nova Thule sehe ich innere Schwierigkeiten voraus. Die Annexion für Deutschland ftehi d-.-ch nur auf dem Papier und ist von niemand an- erkannt, am wenigsten von unserer eigenen Ne» S'erung. Also existiert keine Möglichkeit, etwaige ergehen oder gar Verbrechen anders als durch Faustrecht zu ahnden. Und dabei können Streik), Unruhen oder Sabotageakte von feindlichen Agen­ten provoziert werden, die sich dann auf ihre Un- ueilesjbarkeit berufen.

Bor allen Dingen ist also die Aufstellung .iner gu: bezahlten und absolut zuverlässigen Polizei­truppe nötig. Sodann stelle ich zur Erwägung, ob Nova Thule fich nicht als fclbftänbiger Staat pro­klamieren soll Besprechen Sie das mit Stratoff und eventuell mit dem russis^n Autzenkomrnissar. Es kann ja unter der Hand festgesetzt werden. haft diese Handlung alle etwaigen Vorrechte Rußlands und Deutschlands unangetastet läfjt.

Grützen Sie Stratoff. Obgleich er einer der wenigen fähigen Männern Rutzlands ist bleibt er mir doch immer gleich unangenehm Hagen

Artikel aus dem Bukarester A d v e r u l".

Gestern fand in aller Stille in Schlatz Saratu die Trauung der Fürstin Linda Lahory mit Herrn Alexander Stratoff statt. Die jugendlich schöne Braut entstammt der alten Fonariotenfamilie der PpsUanti. deren Angehörige mehrfach als türkische Verweser unser Land regierten. Ihr erster Mann, Fürst Lascar Lahorn, fiel vor drei Jahren einem Unglücksfall zum Opfer.

Datz Fürstin Linda einen einfachen Herrn Stratoff heiratet, wird nur den wundern, der nichts Näheres von der Persönlichkeit des jungen Gatten weih. Er gehört zu dem neu herauf kommenden Gefchlecht jener Tatmenfchen, denen erst der grotze Krieg und die Revolution den Weg zur (Entfal­tung ihrer Anlagen freimachten. Besonders in dem durch äutzere und innere Feinde verwüsteten Ruß­land gehörte eine kraftvolle Persönlichkeit dazu, um das zu erreichen, was Alexander Stratoff geleistet hat. Eine ganze Provinz, ein neu entstandenes Musterreich im großen Rußland ist seine eigenste Schöpfung. Dort in fiirgifia entstanden auch die ersten Pläne )u jenem Unternehmen, das jetzt die ganze Welt in Spannung hält: die Entdeckung und Ausbeutung des neuen Kontinents nm Nord­pol, der sogenannten Nova Thule.

Die jetzige Frau Stratoff gehörte mit zu den Gründern der germono-rufsi sehen Nordlandkom- pagnte. Sie begleitete ihren Gatten auf dem vor jährigen Erkundungssluge nach dem Pol. eine Lei» ftung, die für eine verwöhnte, schöne und gefeierte Frau etwas geradezu einzig Dastehendes bedeutet. Beidem Schiffbruch eines der Flugzeuge soll die

durch ihre bewundernswerte (Energie und Tode. Verachtung ihrem jetzigen Manne das Leben ge­rettet haben. Was war natürlicher, als daß diese beiden durch die gleichen Interessen und durch den selben Drang nach Betätigung ihrer Persönlichkeit ausgezeichneten Menschen sich achten und lieben lernten'

Dir wünfchen dem jungen Paare einen wei teren Ausstieg auf dem begonnenen Wege des Fortschrittes und der Neuschöpsungen. der allein die wahre Kultur der Menschheit verbürgt

Funkentelegramm von Platinia über Archangelsk

An Herrn und Frau Stratoff

m Kalmikowjkaja

3m Namen aller Angestellten und Beamten von Nova Thule senden mir aufrichtige und herz­liche Glückwünsche den Neuvermählten.

Nagel, Sanders.

Kurz vor Beginn der schlechten Jahreszeit traf Hagen in Platinia ein .Der erste spätsommerliche Schneewetiersturm zwang zum raschen Eintritt in bas Regierungsgebäude, wo sich auch die Gast- räume befanden. In der Empfangshalle wurde Hagen von Sanders und Nagel erwartet.

. stückt höbe ich noch uv Flugzeug rief er den Herren zu.Also kann die Arbeit be­ginnen. Was gibt es Neues?"

Seit heute morgen 10 Uhr ist Nova Thule ein selbständiger Staat", sagte Nagel.Die gleichzeitig in Platinia und Pctrolea vorgenommene Abstim- muntz aller Männer und Frauen ergab mit über­wältigender Stimmenmehrheit die Wahl von Herrn Sanders zuin Präsidenten der neuen Republik."

Meine besten Glückwünsche, Herr Präsident Haben Sie bereits ein Ministerium gebildet?"

Nach den mit Stratoff getroffenen Ab­machungen wird mir ein Direktorium von fünf Männern zur Seite stehen. Es besteht aus zwei Ingenieuren, darunter Herrn Nagel, einem Verwal­tungsbeamten und zwei Kaufleuten. Zwei dar­unter sind Russen, ein paar tüchtige und intelli­gente Männer. Stratoff übernimmt die Vertre­tung des neuen Staates Rußland gegenüber sowie im Verkehr mit den übrigen Mächten. Die letzte

Entscheidung in allen Dingen bleibt ober mir, dem Präsidenten. Vorbehalten."

Und welche Geletze sollen gelten?*

.Die russischen, soweit mir sie nicht ergänzen oder einschranken."

Ich halte Ihr Vorgehen für das einzig Rich­tige", erklärte Haarn.Neugierig bin ich aber doch, wie die Mächte sich dazii verhalten rverden. Von Frankreich haben wir jedenfalls die ernstesten Schwierigkeiten zu gewärtigen."

Wir rechnen damit", sagte Nagel.Zu meinem Refson gehört auch die Landesverteidigung. Hauptmann Kersten, der von Ihnen uns gesandte .Kriegssachoerständigc. war nicht untätig. Jedenfalls bereiten wir uns für das kommende Jahr auf einen französischen Angriff vor. Zunächst bat Martens vier gewaltige Kampfflugzeuge erbaut, die durch ihre starke 'Panzerung fiir die kleinen Geschosse fcindsicher Flieger fast unangreifbar sind. Unsere Hauptmarke aber werden die geplanten Verteidi gungsanlagen bilden, die mit neuartigen Maschinen gimehren ausgerüstet sein sollen."

Blankenburg berichtete mir davon." jagi. Hagen,ich hatte aber einige Bedenken. Das Än Über liegt zwischen größtem Gewehr und kleinster Kanone. Verfeuert wird ein höchst brisantes Ex plosivgeschoß. Das widerspricht der Genfer Kon­vention."

Wir treten der Genfer Konvention nicht bei", entgegnete Sanders.Man loll uns in Ruhe lassen, bann geschieht niemand etwas. War uns ober an greift, dem gehen wir mit allen erlaubten ode« auch unerlaubten Mitteln zu Leibe."

Hagen lachte.Schließlich machten es alle kriegführenden Staaten von jeher nicht anders Entweder aber beschönigten sie es mit allgemeinen Phrasen, ober sie fühlten sich so stark, baß niemand da war, der einen Verstoß gegen bas sogenannte Völkerrecht zu rächen ober auch nur zu bemängeln wagte"

Auch wir sind in ber Lage bes Starken" sagte Nagel.Dienorbische Eiswüste ist unsere faft unangreifbare Straft."

Trotzdem wird Frankreich alles versuchen. Nova Thule zu vernichten. Doch nun zu den übri gen Geschäften. Ich sehe, ber Schneesturm hat sich gelegt. Machen wir einen kleinen Rundgang."

(Fortsetzung folgt.)

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