Ausgabe 
22.4.1925
 
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Aushebung eines revolutionären bulgarischen

Klubs in Berlin.

-Berlin, 21 April. (Sil.) Der Abteilung la des Berliner Polizeipräs.diums ist es gelungen, im Westen Berlins die Mitglieder eines revo­lutionären, kommunistischen Klubs bulgarischer Studenten zu verhaften und 38 junge Studenten f e st z un e h me n. die sich in dem Lokal zu einer Sitzung versammett hotten. Die Ermittlungen der Polizei gehen noch weiter, da mit Sicherheit drmit gerechnet w:r'en nrutz, daß noch weitere Angehörig e der Bereinigung sich aut freien Fuß befinden. Die verhafteten Studenten sind im Berliner' Polizei­präsidium eingehenden Derhören unterzogen wor­den. Das Ergebnis der bis zum heutigen Tage vorliegenden Untersuchung ist im wesent ichen den maßgebenden deutschen Behörden, vor allem denn Auswärtigen Amte, mitgeteilt worden. Wie wir weiter hören, schweben wegen der Der- haftungen und wegen d:s Materials, das dort beschlagnahmt wurde, bereits Derha dlungen zwi­schen dem deutschen Auswärtigen Amte und der bulgarischen Gesandtschaft. Der bulgarische Ge­sandte ist am Montag im Auswärtigen Amt über den Stand der Angelegenheit informiert worden.

Intervention der Großmächte?

Wien. 21. April. ($U.) In diesigen diplo­matischen Kreisen wird er Härt, die italie­nische -Regierung beabsichtige sich mit den übrigen Großmächten ins Einvernehmen zu sehen, falls die bulgarischen Ereignisse ciirc verhängnisvolle Wendung nehmen sollten, durch eine bewaffnete Intervention dem Treiben der Kommunisten auf dem Balkan ein Ende zu bereiten.

Aach Meldungen aus Sofia hoben bie ehe­maligen Minister der agrar-kommumstr- sch en Partei an die interalliierten Mächte folgendes Telegramm gesaugt:Interven­tion im Interesse der Menschheit! Regierungstruppen haben gestern 5000 neue Verhaftungen vvrgenommen, 500 Personen wurden standrechtlich erschössen."

Der Finanzausgleich.

Das Ergebnis der Berliner Ainanz- ministerkonfereuz.

Berlin, 22 .April. (Wolff.) Gestern nach­mittag fand im preußischen Finanzministerium eine Konferenz der Finanzminister der Lander statt, die sich mit der Stellung der Lander zu den Finanzvorlagrn der Reichsregierung beschäf­tigte. Wie dasBerliner Tageblatt" mitteilt, ein'gien sich die Iinanzminister.dahin, 9 0 Proz. von der Einkommen- und Körper- schastssteuer und 30 Prozent von der Umsatzsteuer zu verlangen, wahrend die Reichsregierung von der Einkommen- und Körperschaftssteuer nur 75 Prozent und von der Umsatzsteuer nut 20 Prozent gewähren will. Die Länder auf dem Standpunkt, daß, wenn ihr Anteil an den genannten Steuern nicht über die Sätze der Regierungsvorlage er­höht wird, die Länder und Gemeinden die Realsteuern stärker heranziehen

müßten. Die Konferenz der Fiuanzminister bil- . ligte ferner die bisherigen Abstünmungsergeb- \ elfte der Reichsratsbeschlüsse, wonach eine all- gemeine Hhpvthekenauswertung ans 20 Prozent erfolgen soll und lehnte die Dewertungs- , grundlage der Vorlage der Reichsregierung für eine zehnprozent'ge Zusahaufwertung der erst­fälligen Hypotheken ab.

Die ßanbtagsauf&öfung in Oldenburg rechtskräftig.

Oldenburg, 22. April. (WTB.) Der olden- burgische Staatsgerichtshof fällte in dem Verfas­sungskonflikt zwischen der oldenburgischenRegierung und der Mehrheit des Landtages die Entscheidung, daß die Auflösung des Landtages durch die Er­klärung der Regierung in der Sitzung vom 25. 3. 1925 verfassungsrechtlich zulässig war. Eine Begründung dieser Entscheidung steht noch aus. Rach der Entscheidung bleibt es also bei den von der oldenburgischen' Regierung vorgesehenen Neuwahlen zum Landtag am 24. 5.

gum Tode Dr. Hoefles.

Berlin, 21. April. (TU.) Wie der Amlliche Preußische Pressedienst von zuständiger Stelle er­fährt, yat auf den übereinstimmenden Antrag der Aerzte des chedwigskrankenhauses und des Ge­richtsarztes heute die Sektion der Leiche des früheren Postministers Dr. Hoefle stattgefunden. Nach dem vorläufigen Gutachten der Aerzte hat die gerichtliche Sektion eine bestimmte Todes­ursache nicht ergeben. Die Aerzte haben sich ihr abschließendes Urteil über die Todesursache bis nach Vornahme der chemischen und mikroskopischen Untersuchung der von ihnen entnommenen Leichen­teile Vorbehalten.

Die bayerischen DemokraSen.

München, 21. April. (XU) Die bisherigen Mitglieder und Abgeordneten dir Demokrat scheu Partei, Staatsminister a. D. Dr. Müller --Mei­ningen, Dr. Hamme rschmidt und R'kolaus Stolz sind nunmehr formell aus dieser Partei ausgeschieden. Es handelt sich bekanntlich um die Konsequenzen ihrer Stellungnahme zu Gunsten der Kandidatur Hindenburg.

Dr. Marx am Rhein.

Koblenz, 21. April. (WTB.) Heute abend hielt Dr. Marx hier eine Rede, in der er u. a. erklärte, wenn jemals ein Gebietsteil des deut­schen Vaterlandes seine nationale Treue bewiesen habe, seien es die besetzten Ge­biete gewe'en. Ih.e Bevölkerung habe in den letzten Jahren mehr als jede andere Bevölke­rung Deutschlands gezeigt, was eine nationale Tat sei. Das Rheinland habe für ganz Deutsch­land und ganz Deutschland habe für das Rhein­land Opfer getragen. Er hoffe wieder auf die endgültige Freiheit Deutschlands und auf Ueöerwindung der materiellen Rol. Die harten Leiden seien eine Läuterung für das Boll und das Vaterland geworden. Mehr denn je habe das Boll den Gedanken des Frie­dens und der Arbeit schätzen gelernt, denn das deutsche Boll wol'e den Frieren Deutschlands, Europas und der Welt

Die Alli arten seien vertraglich dc; pflichtet, die besetzten Geb - t« zu be­stimmten Fristen zu räumen. Die Räu­mung der nördlichen Rheinlandzone

sei, ohne daß die Gründe der Richträumung klar mitgeteilt worden seien, verzögert worden. Mit dem deutschen Volke und insbesondere der rheinischen Bevölkerung erwarte er, daß in kür­zester Zeit nicht mir die nördliche Rheinlandzone, sondern auch das Ruhrgebiet von der Be­satzung befreit werden. Der Geist, der das rhei­nische Boll stets beseelt habe, werde es auch die Geduldsproben siegreich bestehen lassen, bis über das Rheinland die goldene Sonne der Frei­heit aufgehen werde.

Hindenburg und Amerika

Der Dawesplan. Die Schnldlüge.

London, 21. April- (TU.) Generalfeld­marschall von Hindenburg hat dem Ber­liner Korrespondenten der UnitedPreß, d.r ihn in Hannover besuchte, ein Interview gewährt. Bezugnehmend auf den Dawesplan habe Hindenburg erklärt, daß dieser Plan einer R e - Vision bedürfe, und daß er hoffe, daß die Dereinigten Staaten die Gründe dieser Revision anerkennen würden. Ferner bezeichnete Hinden­burg es als Lüge, trenn von der deutschen Kriegsschuld gesprochen wird. Er hoffe, daß Ainerirn Deutschland seine Hilfe nicht versagen werde, damit es sich von diesem Schandfleck freiwaschen könne. Sodann habe Hindenburg er- tlärt: Sie werden begreif en, daß in Deutschland dar Eindruck vorherrscht, Amerika habe Deutschland gegenüber noch viele Versprechungen zu halten. Unter Ver­trauen, das wir seinerzeit in den Präsidenten Wilson g seht hallen, ist start getäuscht worden.

Wir wären Amerika dankbar, wenn es seinen großen politischen und wirtschaftlichen Einfluß dahin ausüben würde, daß die Welt die be­rechtigten Forderungen Deutschlands anerkennen wird, nämlich, daß der Dawesplan einer Ab­änderung unterworfen werde. Die Revision des Planes müße aber mit friedlichen Mit­teln angestrebt werden. Wir wünschen den Frieden und wir sind uns unserer Verant­wortung vor Gott und der Welt bewußt. Wenn Deutschland den Eindruck getoimü, daß man es nicht erniedrigen wrll. so wird es auch eher bereit sein, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Die Deutschen sind in dem Gefühl des Stolzes einig. Wir haben unser Haupt gebeugt. Aber wir sind nicht nieder­geschlagen. Deutschland hat durch Jahr­hunderte hindurch der Welt unschätzbare Dienste geleistet. Wir hoffen, daß man sich dieser Tat­sache erinnern wird, wenn Deutschland ledig­lich sein gutes Recht fordert. Der Ge- ' rechtigkeitssinn ist im deutschen Volkscharakter die stärkste Eigenschaft. Dieser Sinn wird und Helsen, uns vom Schandfleck der Kriegsschuld freizumachen.

Amerika und RutzlanD.

Conbon, 22. April. (WTB.)Morning post" meldet aus Washington, es verlaute, daß das Staats­departement an die amerikanischen Botschafter in Europa eine Rote gesandt habe, in der zu deren privater Information mitgeteilt wird, daß die Politik Amerikas hinsichtlich dec An- erkennung Sowjet-Rußlands keine Aenderung erfahren habe, und daß vorerst die von Staatssekretär Hughes gestellten B e - dingungen erfüllt werden muhten, bevor die Frage einer Anerkennung Sowjet-Rußlands angeschnitten werden könne.

Kleine politische Nachrichten.

Der König und die Königin von England sind von Palermo nach Genua ab- gereist und werden ihre Reise am Freitag in Paris unterbrechen. Sir werden mit dem Prä­sidenten der französischen Republik D oumergue zusammentreffen und am Rachmittag am Grab des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder­legen. Roch am selben Abend werden sie nach London Weiterreisen.

Die (Zahl der Arbeitslosen hat in England in der letzten Woche um 38 447 äu­gen om men. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt rund 1 208 000.

Der Dizetönig von Indien wird am Donnerstag m Doover erwartet und in einem Sondrrzug nach London fahren, wo ihm ein großer Empfang bereitet werden soll.

Rach einem Telegramm des Gouverneurs von Portugiesisch-Westafrika befinben sich die Einwohner der Insel Eanhabas im Ausstande. Treu gebliebene Truppen und ein Bomben-Flugzeug sind zur Riederschlagung des Aufstandes ausgefchickt worden.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter SUuiftfoqe 1925.

Die Stadt Frankfurt a. M. bereitet für die Tage vom 3. bis 9. Mai einen Zyklus künstle­rischer Veranstaltungen vor, die hohen Anforde­rungen entsprechen werden. R.'ben einer Aus­stellung von Meisterwerken deutscher Fayeneen im Kunstgewerbemuseum finden je zwei Auf­führungen im O'-ernhaus ("Rheingold" undFi­garos Hochzeit") und Schauspielhaus (Louis Ferdinand, Prinz von Preußen" von Fritz von Unruh, undSie Andacht zum Kreuz" von Caldern), ferner zwei Orchesterkonzerte und ein Chorkonzert statt. Die Orchest.ckonzerle wird Pro­fessor Clemens Krauß (Frankfurt a. M.) lei­ten; ihr Programm wird klass.sche und moderne Musil bringen. Für die ß ei hing des Chorkon­zertes, das etwa 302 Mckw rlende zählen wird, ist Prrfessor Siegfried Ochs (Ber.in) gewonnen, der Kantaten un) Gesänge von I'oh. Seb. Bach und Heinrich Schütz dirigieren wird. Zum Besuch der sieben Deransta'.tungeu werden Abonnements zu wesentlich ermäß'gten Preisen auögegeben. Einzelheiten sind aus der Bekanntgabe im An­zeigenteil ersichtlich. Das Programm der Kunst­lage sieht ferner die Herausgabe eines Fest­buches vor, das Beiträge hervorragender Per­sönlichkeiten enthalten w.rd.

Kunstausstellung in Darmstadt.

Zu der Großdeutschen Kunstausstellung, die im 'Jiohmcn desDarmstädter 5 o*ni m e r 5" im Stöbt. Aussteilungshaus auf der Mnthilüenhöhe vor- onftal>ct wird, haben außer hessischen Künstlern zahlreiche andere aus den deutschen .Kunststädten, wie München, Karlsruhe, Stuttcort, Berlin u. a. ihre Beteiligung zugesagt. Aus Karlsruhe und Ba­den werden vertreten sein: Nagel, uon Vollmann, fiempfmg, Bergmann, Dill, Fehr, Gebhardt, Hau- eisen: aus Stuttgart: Kerschensteiner, Julius Kurz, Canbenbcrger, Nägele, Eckener, FaurS, Kapell,

Breyer, Alfred Schmitt; aus München: Stuck, Hayek, Hickher, Becker-Gundahl, Schramm-Zittau, Erler, Habermann, Eugen Wolff, Hammel, Urban, Zügel, Schinncrer, Julius Dietz, Heß, Unold, Kas­par u. a. Auch Plastiken und Graphiken werden auf der Ausstellung gezeigt werden.

Aus aller Mell.

Der zweite deutsche Akadenrikertag.

(Von unserem Sonderberichterstatter.)

Mit zwei großen Stunögebungcn fand der Deut­sche Akademikertag seinen Abschluß. Außer den zahl­reichen Tagungsteilnehmern waren in letzter Stunde noch Hunderte von Akademikern nach Elberfeld ge­eilt, um an dem Fackelzug und an dem anschlie­ßenden Festkommers teilzunehmen. Ganz Elberfeld war auf den Beinen, um dieser glanzvollen Kund­gebung beizuwohnen. Fast eine halbe Stunde dauerte der Vorbeimarsch der Fackelträger, die von der Elber- elder Stadthalle quer durch die Stadt zum Rachaus- ilatz marschierten, wo die Fackeln zusammcngewor- en wurden. Die Stadthalle erwies sich als zu klein ür die Zahl der zum Festkommers versammelten Akademiker. Allein an die hundert Chargierte im Wichs waren anwesend, ganze Korporationen waren geschlossen von den westdeutschen Hochschulstätten herübergekommen. Die große Festrede hielt Dr. B l u n ck - Hamburg. Noch gewaltiger war die Kund gebung auf Schloß Burg bei Remscheid. Etngeleitct durch Feldgottesdienste der beiden Konfes- ionen und eine Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges erreichte sie ihren Höhepunkt imBe­kenntnis Großdeutschlands zum Deutschen Reiche". Vertreter Deutschösterreichs, Sudetendeutschlands, Siebenbürgens und des Baltenlandes schlossen sich in begeisterten Ansprachen diesem Bekenntnis an. In derKonkordia" zu Remscheid fand der zweite Aka­demikertag dann sein offtzielles Ende. Das gast­freundliche Verhalten der Elberfelder Bürgerschaft verdient noch besonders heroorgehoben zu werden. Nicht nur, daß alle großen Säle der Stadt bereit- gestellt waren, daß den Tagungsteilnehmern freie Fahrt auf den Straßenbahnen und der Hochbahn gewährt wurde, so muß allen denen, die in Elber­felder Familien während der Tagung Unterkunft fanden und das waren die meisten der von außerhalb gekommenen Akademiker diese Zeit in angenehmster Erinnerung bleiben.

Das Schachgroßmeisterturnier zu Baden-Baden.

Am Dienstag wurde die fünfte Runde des inter­nationalen Schachgroßmeisterturniers gespielt. Niem- zorvitsch-Dänemark verlor eine englische Partie gegen Alechin-Frankreich in 60 Zügen. Colle-Belgien ver­lor ein Damengambit gegen Dr. Trcybal-Tschecho- slowakei in 26 Zügen. Torro-Mexiko gewann ein Damenbauernspiel gegen Thomas-England in 38 Zügen. Pates-England gewann eine spanische Partie gegen Kolste-Holland in 48 Zügen. Bogoljubow- Ukraine siegte in einer holländischen Partie über Mieses durch eine glänzende Opferkombination in 35 Zügen. Mit Remis endete die Partie Rubinstein- Polen gegen Rabinowitfch-Rußland nach dem 38. Zuge. Das Damengambit Dr. Tartakowers-Oefter- reich gegen Spielmann-Oesterreich endete in 35 Zü­gen mit Remis. Das Damenbauernspiel Gruenfeld- Oestereich gegen Saemisch-Deutschland ergab Remis durch ewiges Schach. Schließlich wurde die Partie Dr. Tarrasch-Deulschland gegen Reti-Oesterreich nach dem 29. Zuge Remis. Die Partie Marshall-U. S. A. gegen Carl-Deuischland ist in günstigerer Stellung für Marshall abgebrochen worden. Roselll-Italien war heute spielfrei. Der Stand nach der fünften Runde ist folgender: Alechin-Frankreich führt mit 41 Punkten, Rubinstein-Polen hat 4 Punkte. Dann folgen Rabinowitsch-Rußland mit 31, Punkten, Mar- shall-U. S. A. mit 3 Punkten und einer Hängepartie, Bogoljubow-Ukraine und Torre-Meriko mit je 3 Punkten.

Autounfall durch den tschechischen Außenminister.

In Warschau kam es zu einem unangenehmen Zwischenfall. Ein Regierungsauto, in dem um sechs Uhr abends der tschechische Außenminister B e n e s ch in Begleitung des tschechischen Gesandten durch die Stadt fuhr, um einige offizielle Besuche abzustatten, ü b e r f u I) r in der belebten Hauptstraße, als es einem Radfahrer ausweichen wollte, einen neun­jährigen Zeitungsjungen, der an der Hand feiner Mutter am Bürgersteig dahinschritt. Der Kleine wurde auf der Stelle getötet. Wie derRo- botnik" meldet, gelang es der Polizei nur mit Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten, da die empörten Passanten den Kraftwagenführer lyn­chen wollten, und auch gegen die beiden Autoin­sassen, die sie nicht kannten, eine drohende Hal­tung einnahmen.

Brudermörder.

Aus Boppard wird berichtet: Der 38jährige verheiratete Arbeiter Wilhelm Lamberti hat feinen Bruder Heinrich, mit besten Familie er einen Streit gehabt halle, auf offener Strafte mit einem Metzgermesser erst 0 chen. Der Brudermörder, der schwer kriegsbeschädigt ist, wurde verhaftet.

Galtenmörder.

In Neuhofen erschlug der arbeitslose Tage­löhner Siehl seine 24jährtge Ehefrau mit einer Eisenstange und legte ihr einen Strick um den Hals. Der Täter wurde iil Mannheim festgenom­men und gestand, seine Frau im Streite erschlagen zu haben.

Kchiffsungiück bei Reuschottland.

Der japanische JrachtdampferRmfuku Maru", der mit einer Weizenladung von Boston nach Ham­burg unterwegs war, ist 180 Meilen südöstlich non Halifar gesunken. Der DampferDijmpic", der zur Hilfeleistung abgegangen war, ist zu spät gekommen. 48 9)lann der Besatzung derRai- fufu Maru" sind ertrunken.

Wirbelsturm in Argentinien.

Eine über Neuyork aus Buenos Aires kom­mende Meldung berichtet, daß ein Wirbelsturm in der Provinz Corrientcs schwere Verheerun­gen angerichtet hat. Hunderte von Häusern wurden zerstört. Großer Schaden wurde unter dem Vieh angerichtet. Vier Personen wurden tödlich verletzt.

Allmählich ftärlcr b'toö'ft, aus südlicher bis westlicher Richtung z riickdred2r.de Winde, etwas toärm ?r. auch nachts, später Regeuncigang.

Das vom. Ozean her über die britischen Inseln ostwärts vorgedrungene Gebiet hohen Druckes reich, heute morgen in langgestreckter Form von SÜd S.a dlnavi n bis zur D s aya Gl ickz .it ig hv es sich abg schwächt und wird an der Rordn.Lstseiw von einer neuen Depression stark b drängt u b z rückg' rängt. Zunächst tKV stärkt sich für untei ©ebiet noch die Hochdruck- Wetterlage allmählich dürste sich jedoch der Liebergang zu trüberem Wetter anbaynen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. April 1925.

Adolf Steul verhaftet.

Wie wir in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten, ist der von der Staatsanwaltschaft Gießen wegen Mordes steckbrieflich verfolgte Metzger Ä d 0 l f Steul von Bellersheim ani Montagabend , in Frankfurt a. M. f e st g e n 0 m m e n worden. Steul ist dringend verdächtig, am 14. Sept«nber v. Is. die in Bellersheim bedienstete Elisa­beth Wirth von Muschenheim, mit der er ein Derhättnis hatte, ermordet zu haben. Die Leiche der Wirth war einige Sage später bei einer Streife in einem Steinbruch bei Bellers­heim mit durchschnittenem Halte aufgefunden worden.

Die A b st i m m u n g s b e z_j r t e für den zwecken Wahlgang der ReichsPräskdentenMahl werden in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt- gegeben. Gewählt wird wieder von 9 Uhr vor­mittags bis 6 l.lhr nachmittags. Stimmscheine können bis einschließlich Freitag beantragt wer­den. Räheres in der Bekanntmachung.

spd. Lehrauftrag an den Direktor unserer städtischen Handelsschule. Aus Frankfurt a. M. wird uns gemeldet: Dem Direktor der städtischen Handelsschule in Gie­ßen. Dr. Feld, ist ein Lehrauftrag zur Ber tretung der Handelspädagogik unb der Handels- schulmethodck in der Wirtschafts- und sozialwissen­schaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt erteilt worden

!*! D i e Erweiterung der Lupus- heilstätte. Im Jahre 1912 13 wurde vom Hessischen Heilstättenverein die Lupusheilstätte im Anschluß an die Kliniken erbaut. Durch die zahlreichen Ausnahmegesuche zeigte es sich bald, daß das Lupusheim ein dringendes Bedürfnis war, so daß man schon gleich nach dem Kriege an die Erbauung eines weiteren Flügels dachte. Die Ausführung wurde jedoch durch die In­flation verhindert. Seit einigen Wochen hat der Heilstättenverein den Reubau in Angriff genom­men. Der Zudrang zu dem Heim ist so start, daß es stets voll beseht ist, und daß stets ZO bis 100 Reuanmeldungen bzw. Aufnahmegesuche vor- liegen. die erst nach Wochen und Monaten Ber-stck- sichtigung. finden können. Der Reubau wird 303 j Meter lang, 13V> Meter breit und drei Stock­werke hoch. Der gesamte technische Betrieb soll vor allem in diesem Reubau Platz finden. Im Kellergeschoß sollen Zentralheizung und Bor- latsräume, im Erdgeschoß Koch.üche, Waschküche, Räh- und Büg lzimmer eingerichtet werden. Der erste Stock erhält den Röntgensaal und die Männerstation mit 30 Betten. Die Privatstation und die Verwalterwohnung kommen ins zweite Obergeschoß. Die bisherige Derwalterwohnung hat bereits einen Anbau erhalten, sie soll im Erdgeschoß Versuchsstation werden, das erste Stockwerk wird Personalwohnungen abgeben. An­schließend befindet sich der Kaninchen- und Meer- schweinchenstall. In den freiwerdenden Räumen des alten Baues werden das Laboratorium, die Frauenstation und die Baderäume untergebracht. Das künstliche Hallenlichtbad wird um das Dop­pelte vergrößert. Der Reubau wird vom seit­herigen Heim 12 Meter abstehen und durch einen überdachten Gang verbunden. Das südlich ge­legene, bisher als Gartenland benutzte ©elänhc wird vollständig rimgewandelt zu großen Son­nenlichtbädern und wird in drei abgegrcnzteir Räumen für Sonnenliegekuren mit Männerbad. Frauenbad und Privatbad eingeteilt. Jedes Bad erhält einen großen Wasserbehälter von 65 Zenti­meter Tiefe, mit fließendem Wasser. Das übrige Oelänte wird als Spielplatz für die Kranken ein­gerichtet. Der Reubau soll bis zum 1, Juni unter Dach und am 1. Rovember d. I. bezugfertig dastehen.

** Meteorologische Dersuchsbal- lons. Zum Zwecke der Wetterbeobachtung ent­senden meteorologische Institute und S.'aHonen im In- und Ausland kleine unbesetzte Dersuchs- ballons. Größtenteils ist an ihnen ein Fund­zettel angehängt, der durch den Finder genau ausgefüllt und an den Adressaten (d. i. die meteorologische Station, die den Ballon entsandt hat) abgesandt werden soll. Gummiballons, die ein Körbchen mit Apparaten tragen, (sog.Re­gistrier-Ballons") sind zur Vornahme automa- iischer Messungen in höheren Luftschichten be­stimmt. Diese Ballons, namentlich aber das .Körbchen mit d e'n Apparaten, bckden ein sehr wertvolles wissenschaftliches Material, das der Sendestelle zurückg^sandt werden muß. Aus dem Körbchen ist eine kurze Instruktion be­festigt nebst Vorschriften für den Finder, wie er mit dem Ballon und den Apparaten umgehen, sie verpacken und zum Transport an die Sende­stelle aufgeben soll. Wenn der Finder genau nach den Vorschriften handelt, wird ihm meisten­teils seitens des meteorvlogisch.m Insti'uts, das den Ballon entsandt hat. eine kleine Belohnung ausbezahlt. Richt nur die Piloten-Dallons, son­dern auch die Registrier-Baklons sind mit Wasser­stoff gefüllt. Da der Wasserstoff ein sehr er- plvdierbares Gas ist. darf einem solchen Ballon falls er nicht vollkommen leer ist niemand mit Feuer, brennenden Zigaretten, Zigarren, Pfeifen und ähnlichem nahen. Erst wenn das Gas aus dem Ballon gänckich entwichen ist, besteht keine Gefahr der Erplvsion mchr. Für daS Jahr 1925 wurden für die Entsendung von Registrier-Ballons intcrnat onol folgende Tage festgesetzt: 14. bis 16. April 17. bis 22. August, 14. bis 19. Dezember. In diesen oder unmittelbar darauffolgenden Tagen ist das Riede"grben in­ländischer oder ausländischer Registrter-Ballons besonders wahrscheinlich. Aber auch zu allen übrigen Zeiten sind Flüge btto. Funde von Ac- gist:ii'r°Vallonü möglich. Aufstiege von Piloten- nur die Einsendung des Fundaettels an den Ballons erfolgen täglich, bei diesen ist jedoch Adicssaten. nicht aber die Rücksendung des Dal- lons selbst erwünscht.

Bornotizcn.

Tageskalender für Mi^ttw0ch. Stadttheater UhrWenn wir Toten er­wachend - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Zaza. das Mädel vom Variete". -- Astoria-Lichtspiele. Unter der Sonne Mexikos".

£ Wiescck. 21 A r l Am Sonntagmittag stüezte das elf Monate alte Kin d des Ar­beiters Karl Pansch aus dem Fenster der im ersten Stock gelegenen Wohnung a u f die gepflasterte Straße, ohne außer einigen