Ausgabe 
22.4.1925
 
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t i r und eine Politik des sozialen Fort« schritts und der fiskalischen Gerechtig leit entsprechend dem Ausfall der Wahlen vorn 11. Mai befolge. Sie lehnt jeden 3u|afo ab und geht zur Tagesordnung über." Dan den Stommunlftcn und von anderer Seite werden noch verschiedene Gegenresolutionen eingebracht. Die Re­gierung beantragt darauf die Priorität der la« gesordnung Cazals und stellt die Bertraueno« frage. Die Abstimmung erzielt 304 Stimmen gegen 218 Stimmen. Die Mehrheit zugunsten der Regierung beträgt also 86 Stimmen.

durchzufuhren versuchen.

Die ministerielle Erklärung beschäftigt alsdann mit der

Innenpolitik.

Jedermann kenne den Ernst dec Lage. Aber

eine internationale

Das Kabinett Painleve vor der Kammer

Das Vertrauensvotum mit 304 gegen 218 Stimmen angenommen.

gantfation beitragen, die das Land, eifrig gefördert hat und die wir weiter verfolgen

Paris. 21 April. (WTD.) Seit vielen Jahren ist ein solcher Andrang zu einer Kammer­sitzung. wie er heute festgestellt wurde, nicht erfolgt. Das Publikum hat sich buchstäblich um den Zugang zu den Tribünen geschlagen, und cs kam oft zu heftigen Auseinandersetzun­gen, namentlich der Einlas) herrschenden Damen, deren Gezänk bis in den Sitzungssaal zu hören war. Don der Kammer bis zur Konkordlenbrücke hatten Hunderte von Menschen Aufstellung ge­nommen. in der Hoffnung, während der Sitzung noch Einlas) finden zu können. Kurz nach 3 Ahr strömten die Abgeordneten in tenSihungs- saal. Als der ehemalig: Ministerpräsident Her- riot erscheint, erhebt sich d'.c gesamte Linke und bringt ihm stehend minutenlang eine stür- mtsche Ovation dar. Es ertönt der Auf: Es lebe Herriot." "Wenige Minuten darauf er­folgt der Eintritt des neuen Kabinetts. Zuerst erscheint Ministerpräsident Painleve. hinter ihm Außenminister "Sri and. unmittelbar ge­folgt vom Finanzministec Caillaux. Don der rechten Seite vernimmt man Zurufe, die Caillaux gelten. Jedoch versteht es D'.zepräfid'nt Duisson geschickt. diese Zurufe dadurch abzulürzen, datz er rasch den Demissionsbrief des ehe­maligen Kammerpräsi denten Painlevä verlicsl.

Ministerpräsident Painleo« besteigt alsdann die Rednertribüne, um von der ministeriellen Erklärung Kenntnis zu geben. Roch selten dürfte in einem Parlament die programmatische Erklä­rung einer neuen Regierung st ü r m i s ch e r unterbrochen worden s in. als die der f.an- zösischen Regierung. Wiederholt unterbrachen d e Abgeordneten der äußersten Rechten die Aus­führungen des Ministerpräsidenten, indem sie auf Eaillaur weisen und sich in den beleidi­gendsten Zurufen ergehen. So vernimmt man wiederholt den Ruf:R i e d e r m i t C a i l l a u x" undSeine Ernennung ist eine Beleidigung der ®efaftencn."

Die Regierungserklärung lautet:

Dio Regierung, die sich Ihnen heute vorstellt, fleht, wie die vorLusgegangene Regierung, vor zwei ungeheuer schweren und dringenden Pflich­ten der Verantwortung: Sie muh für die Zu­kunft die Sicherheit wahren und das ft- nanzielle Gleichgewicht s cherstrlln. Dor di sen beiden Prcb'emen fen in d esem Augen­blick alle anderen, so wichtig sie auch sein mögen, zurückstehen. Dah es fast sieben Jahre nach einem siegreichen Kriege, während dem unser Land so schwere, so heroische und so schmerzliche Opfer gebracht hat. die Beunruhigungen kennen­lernte. unter denen es im Augenblick leidet, ist für es eine bittere Enttäuschung. Aber man muh der Wahrheit ins Antlitz schauen. D c behaarliche Hoffnung, die Reparationen zu erlangen, die di- Gerechtigke t erfordert, und die die öffentliche Meinung nach so viel Ruinen und Leiden verlangte, die aber die Wirklich­keit verweigert hat, hat wiederholt das Mögliche undurchführbar gemacht. Das allge­meine Stimmrecht hat. da man der illusorischen Hoffnung müde war. seinen Willen darin kund- gegeben: Friede in der Sicherheit und in der Achtung durch Aufrechterhaltung der Verträge, wirtschaftliche Stabili­tät in einem Regime steuerlicher Gerechtigkeit: das sind die groben Hoffnungen, die sich airs der letzten Volksabstimmung herausheben. Sie haben die Tätigkeit der letzten Regierung ge­leitet. und auch unsere Regierung wird sich von ihnen leiten lassen. Zur Durchführung der doppelten und schwierigen Rufnähe. die uns zu­fällt. fordern wir die Mitarbeit aller Büqer Frankreichs. bei denen das Rationalgefühl höher stebt als Parteileidenschast und wir schaftl'ches Öntereifc. Bei den kommenden internationalen Verhandlungen wird die Regierung die Fort­entwicklung der

Ausführung des Dawesplanes ebenso wie die Regelung der Frage der interalliierten Schulden, die so schwer auf uns lastet, weiter verfolgen. Aber über alle dem wird sie sich bemühen bie Garantien des Friedens und der Sicherheit zwischen den Völlern. die gestern srch To stark und so mutig in der Feuerlinie

gestanden haben, zu perinehren. Frankreich b.mbt allen seinen Alliierten treu. Es wird gegenüber allen Rationen gerecht und friedfertig sein, denn es hat den tiefen Wunsch, dazu beizutragen, dah der Welt die Ruhe und die Stabilität gegeben wird, die sie nötig hat. Aber die erste Bedingung eines dauerhaften Friedens in. dah Frankreich selbst in Sicherheit ist. Sicherheit, Schiedsgerichtsbar­keit und Entwaffnung, das sind die drei Dorbedingungen, auf denen sich das Protokoll von Genf ausbaut. Das ist der erste Vorbote eines großen internationalen Friedens. Dir find diesen drei Bedingungen ergeben und toenben unsere Bemühungen auf das doppelte Ziel, die vollkommene Einigkeit mit den Völkern aufrrcht- zuerhalten, die unsere Waff-ngenosTen waren, und gemäß dem Willen aller Vereinigungen ehe­maliger Frontkämpfer die Autorität und die Organisation des Völkerbundes weiter zu entwickeln, damit alle Staaten ihm beitreten kön­nen. um die Wiederaussöhnung Europas vor zubereiten, ohne die unsere Zivilllallon dem Untergang entgegengeführt wird. Die glückliche Lösung dieser auswärtigen Probleme wird im Weitesten Mähe zurZMilderung und Re-

Deutschland uni er denselben Bedingungen wie die anheim Machte dem Völkerbund beitrete, so fei anzunehmen, dah der Frieden nicht länger gestört werde. Bedrückend sei mir, dah andere Mächte dem Bund fern blieben.

Leon Blum erklärte, dah seine Partei dem neuen Kabinett das Vertrauen ausspreche. Die Abg. Cazals und Blum bringen bann folgende Tagesocdnun gern:Die Kammer ist fest ent Ichlossen, Im Einverständnis mit der Regierung die wirksamste Lösung zur Durchführung der vollftän« biacn Sanierung der Finanzen ausfindig zu machen. Sie vertraut der Regierung, dah | i e

diesem Augenblick habe sich Elemenceau hoben und sei gegen Caillaux vorgegangen. Die Kammer habe damals die Immunität aufgehoben. (Don der Linken wiro gerufen: Aus den Wunsch von Eaillaur selbst!) Eaillaur sei verhaftet und vom Staatsgerichtshof unter der Beschuldigung des Einverständnisses mit dem Feinde verur­teilt worden. Eaillaur hätte nach seiner Ansicht Utz Revision des Prozesses fordern müssen. Er habe es aber vorgezogen, durch die niedrige Pforte einer A m n e st i e in die Kammer zurück- zukehren. Dcrtrand erklärt, er verweigere der Regierung nicht nur das "Vertrauen, sondern er betrachte auch, die Aiwrsenheit Eaillaur' in der Kammer als eine Herausforderung der

Toten und der Lebenden.

Rach zwei weiteren Interpellationen über die Anwesenheit Caillaux erklärt

Ministerpräsident Painleve

er habe die Bildung der Regierung nur wegen der finanziellen Schwierigkeiten übernommen. Er habe besonders gualifizierte Män- n c r für die Mission ausgesucht, die ihm ver­traut worden fei. Wie könne die Kammer an ihm zweifeln, da e r es gewesen fei, der Foch und Petain an die Spitze deö französischen Heeres gestellt habe. Er könne auch daran er­innern, dah er es gewesen sei, der das Ein- heitslommando vorbereitet habe. Wenn man politische Prozesse beurteilen wolle, müsse man aus der Atmosphäre herauskommen, die das Land ins Fieber verseht habe. Er müsse widersprechen, dah Eaillaur an den Kämpfern gezweifelt habe. Während des Krieges, als man gerade die Front stabilisiert habe, habe Eaillaur zu ihm gesagt, Frankreich sei gerettet, Frank­reich atme wieder. Er habe den Vorschlag ge­macht, man möge diese Tatsache benutzen, um eine ? rohe Anleihe aufzulegcn, um die Kriegs­osten zu decken. Schon damals habe er die

große Einkommensteuer schaffen vollen.

Ein fünfter Interpellant, Dlaisot. be­mängelte die Zusammensetzung des Kabinetts und verwickelte Briand in ein heftiges Wort-- aefecht. Es fommt zu minutenlangen Tumult- uenen. Dlaisot erinnert an einen Ausspruch Painlevvs zu der Zeit, wo Briand M.nistcr- Präsident war. Painlevo soll gefegt haben: .So­lange wir diesen Ministerpräs be ten haben, ist etwas faul im Staate Dänemar k." Blaisot fährt fort, sich über die e nzeinen Pe:i- lichkeiten des Kabin tts l ltig z t machen u d hält auch Steeg, dem ehemaligen 03:;: trauten Mi le- ranbS, seinen politischen Gesi nnunqs- wechsel vor. Die breiteste A igrifssfläche b ete aber Briand, dem Dlaisot immer schärfer zuletzt.

Der Abg. Fabry wünscht ergänzende Aus­künfte über die Sicherungsfrage. Er er­innert an die Erklärung Herriots, nach der baS Rheinland das letzte Unterpfand für die

Sicherheit Frankreichs

bedeute. Aus dem Generalbericht der Kontroll­kommission gehe hervor, dah die deutsche Armee zur Zeit zwar nicht losschlagen könne, dah sie aber übereinegewaltigeSpa'nn- kraft verfüge und sehr bald dieselbe Lei- stungsfähigleit wie 1914 erreichen könne. Der Redner fordert die Regierung auf, die Gut­achten des Marschalls Foch so schnell wie möglich zu veröffentl chen. Der deutsche Garantievoischlag sei Wohl nur erfolgt, um die Veröffentlichung des Kontrollberichts zu Hinter­treiben (I) Dem Vorschlag Deutschlands müsse man mit einer gewissen Zurückhaltung begegnen. Boncourt und de Iouvenel hätten wiederholt die Rotwendigkeit d:r ständigen Kontrolle der entmilitarisierten Rheinlandzone betont. Die Mehrheit folgte den Ausführungen des Redners mit wachsender Ungeduld. Aus der Ioumalistentribüne werden Zwischenrufe laut. Der Redner Ichlieht mit den Worten: Wir haben mit Deutschland eine Reihe wichtiger Fragen zu regeln. Hüten Sie s i ch vor voreiliger Räumung. Es werden sonst nur zwei Möglichkeiten übrig bleiben: ent­weder Krieg oder Erniedrigung.

Um 10 Uhr besteigt Briand die Redner­tribüne und lagt, seine Auffassung über die Frage der Außenpolitik bestehe darin, die innige Zusammenarbeit mit den A l irrten aufrecht zu erhalten und nichts ohne sie zu tun. Der Frieden fei noch nicht fest begründet, aber man müsse sich vor Uebertreibung hüten. Dte Si­cherheit Frankreichs ergebe sich für den Augen­blick aus dem Dölkerbundspakt. Er könne nicht annehmen, dah die Mächte, die eine Unter- schrill geleistet hätten, nicht zu ihrem Wort stehen würden.

Die auswärtige Politik der neuen Regierung stimme mit der deS letzten Kabinetts überein. Sobald vonseiten Deutschlands die geringste feind­selige Handlung innerhalb der cntmilitarilierten Rheinlandzone erfolge, befinde sich Frank­reich im Zustand der Rotwehr, so dah ihm unverzüglich alle im Völkerbund zusammen­geschlossenen Staaten zur Seite ständen. Frank­reich fei dank des D ö l k e r b u n d p a k t e s nicht länger isoliert. 3m übrigen seien noch weitere Besprechungen im Gange. Deutsch­land tterxc in den "Verhandlungen versuchen, die gröhten Verteile f ür sich heraus zuschlagen. Sache Frankreichs sei« es. sich nicht Übervorteilen zu lassen. Deutschland beantrage, in den Völ­kerbund auf genommen zu werden. Wenn

Bulgariens Kampf gegen die Revolution. Der zweite Attentäter erschossen.

Sofia. 21. April. (WTB.) Rcgierungs- truppen und Volksmiliz haben die kommunisttsche Bewegung in den Kreisen Schümm und Warna vollständig niedergeschlagen. Ein großer Teil der Revolutionäre hat sich bedingungslos ergeben. Bei dem Dors: Klissuar versuchte eine bewaffnete Bairde von Emigranten aus Süd- flawien die bulgarische Grenze zu überschreiten: sie wurde jedoch mit Maschinengewehren und Artillerie zersprengt.' Die Re- gierung Zankow ist letzt Herr der Lage. 3n ganz Bulgarien wurden bisher über 3 0 0 Gefangene in die Gefängnisse cingeliefcrt. Verhandlungen werden weiterhin in großer Zahl vor genommen.

Die beiden Führer deS linken Flügels der Day.ernbattd, P« trini und Grantfcho - r otn, wurden, als sie sich ihrer Verhaftung durch die Flncht entziehen wollten, erschossen.

Heute nachmittag tritt die Sobran je zu­sammen. Von Aegierungsseite verlautet, dah für die bei dem Attentat Verunglückten eine ent­sprechende Pension genehmigt tocrien soll. Den Kaufleuten, die von dem Attentat betrost.n wurden, soll ein Moratorium gewährt werden.

Gestern abend entdeckte die Polizei im Osten Sofias ein neues Komma nist en ne st. De Kommunisten verweigerten die ikie.gabe und zogen sich, als die Polizei daL Haus mit Bom­ben belegte, in einen D: ton unter st and zurück. Schließlich geriet das Gebäude in Brand, unb als es der Polizei gelang, einzuini. g-n. sand man sämtliche Einwohner des HauseS. die einer Bombe zum Opfer gefallen waren, tot auf.

Unter ibn n befand sich Kosta Iankosf, einer der beiden Arhe:er deS Ak.entatS in der Kathedrale.

3ankoff ist ein Sohn des verstorbenen Ober­sten Zankofs. bei in der mazedonischen Bewegung eine hervorragende Rolle g spielt hat. Ec selbst war Chef der militärischen Abtei­lung der Kommunisten und cineS der cinHuf)- reichsten Mitglieder deS D:h:imkomite«'>.

Aus ergänzenden Ein ekhe len üLer d e Or­ganisation des Attentats in der Ka­thedrale geht hervor, dah die ehemaligen Offi­ziere 3 a n l o w und M u n kow im März d 3. mehrmals bie Decke der Kirche unter­such t e n . wo der Explosivstoff n eberge'e^t wer­den sollte. Die Höllenmaschine wurde auf dem Toden der mittleren Hauptkuppel um 7.30 Lhr morgens am Tage der Explosion niedergelegt. Auherdem wurden Pakete mit Explosiv­stoffen im Dachstuhl der Kathedrale verteilt. Ein Automobil wartete In der "Nachbarschaft, um den jungen Mann, der die Zündschnur in Brand letzte, und den Küster wegzubringen. Das Automobil sollte ftc nach einem vorher bestimm - len Ort in Rordbulgarien fahren, von wo aus sie ins Ausland zu gelangen hofften. Dieser Plan mißglückt infolge der schnellen Maßnahmen, wodurch jedes Derlassen der Stadt verhindert wurde.

Die Llrheber des Attentats rechneten damit, den König und die Minister zu töten, Unruhen hervorzurufen und sich In den Besitz der Macht zu sehen, was unfehlbar die Besetzung Bul­gariens durch jugoslawische Truppen t nd Balkan- wirren herbeiführen würde.

Die Verschwörer batten neun hervor­ragende Dersönlichkeiten auS Re- gteLung8 ft elfen bezeichnet, unb ihren Hel­fershelfern den Befehl erteilt, diejenigen von die­sen Persönlichkeiten u m z u b r i n g e n, die sich am leichtesten einem Angriff barbieten würden, um dadurch das gefamte Offizierkorps und den König zu veranlassen, an dem Trauergottes- dienst in der Kirche teilzunehmen.

Die Liste bet Toten des Attentates übersteigt die Zahl 200 Auherdem sterben täglich in den Krankenhäusern Leute, die bei der Explosion verwundet tr:rben sind. 3mtncr neue Lei­ch c n werden bn den Aufräumungsarbe t:n ge­funden. Die Zahl der Schwerverwundeten wird auf etwa 300 geschätzt.

dürfe nicht übertreiben. Ein großer Fortschritt sei en dem Tage erzielt worden, an dem die Regierung, die der jetzigen boraufg?gangen ist, .mutig ihren Willen bekundet habe, die budge­täre Einheit wieder herzustellen. Die jetzige Regierung halte es für ihre wesentlich.' Aufgabe, diese beizubchalten, und in vollem Einverständnis mit dem Parlament werbe sie sich bemühen, diese Ansicht beim Budget zur Geltung zu bringen. Die Regierung verpflichtet sich formell, für das 3ahr 1925 nur einen Budgetentwurf vorzulegen, in dem alle Staatsausgaben so weit wie möglich herabgemindert und durch Steuern ge­deckt werden, da keine Ausgaben von nun ab mehr dem Staatsschatz zufallen füllen. Die Auf­rechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts mache die Pflicht zur Rotwendigkeit, jede Debatte zu vermeiden, die irreführende Mißverständnisse unb leibenschaftliche Polemiken Hervorrufen könnte. 3n diesem Sinne wolle die Regierung, um aus den parlamentarischen Debatten über die Be­ziehungen der französischen Repu­blik zum Vatikan herauszukommen, e neu besonders qualifizierten Vertreter beim Vatikan aufrechterhalten. Alle M tglieder der Regierung, welcher Ueberzeugung sie auch seien, seien einig darüber, im Rahmen der all­gemeinen Wirtschaft zu verlangen, daß eine un­angebrachte unb dem öffentlichen Kredit schädi- genbe Auseinandersetzung nicht mehr erfolgen werde. Aber wenn man auch alle Glaubensbe­kenntnisse respektieren wolle und entschlossen sei. alles zu vermeiden, was die Gewissensfreihell beunruhige, bleibe die Regierung doch der ßaicngefBegebung der Republik tief er­geben

Was Elsaß und Lothringen anbetrefse.

wolle die Regierung Mißverständnisse zwischen ihnen und der französischen Regierung verhindern. Die Gesetzgebung kömie nur weiter betrieben werden, wenn man sich mit qualifizierten Räten umgebe und den Respekt der erworbenen Rechte im Hinblick auf eine allgemeine Verständigung und auf die nationale Einheit sichere. Kein Franzose verkenne den reinen unb unauslösch­lichen Patriotismus der Elsaß-Lothringer und ihre 3ahrhunderte alte Tradition nach republi­kanischer Freiheit und republikanischer- Demo­kratie. Die Regierung fei sicher, daß Elsaß und Lothringen den brüderlichen Ruf erhören joerbe, wenn man von ihnen fordere, dah sie die Spuren einer halben 3ahrhundert langen Trennung ver­wischen.

Endlich erwähnt die Regierungserklärung die Pflicht zum Wiederaufbau unb fchl'eßtmit folgenden Worten: Frankreich habe für sich seinen Boden, sein Klima, die Llrbeitskraft und die 3ntelligenz seiner Kinder, fein Gleichgewicht, feine unerschütterliche Ehrlichkeit, bie keine Prüfung je angetastet habe unb die vor keiner Anstrengung zurückschrecke. An feiner Seite stehe das Frank­reich jenseits des M e e r e s. das jeden Tag produktiver werde. Frankreich habe für sich fein Prestige, seinen Heroismus, sein Genie unb jene wunderbare nationale Einheit, die in ihrer Vollkommenhcit wiederhergestellt worben sei. Frankreich erscheine wie ein kräftiges Schiff, das mit Ketten beladen sei. Die Regierung fortxre deshalb Kredit vom Parlament; sie fordere deshalb Zeit zum Handeln und erwarte, dah man sie nach ihren Taten und Erfolgen beurteile. Wenn das Parlament aber kein Ver­trauen zur Regierung habe, dann müsse es sofort das Schicksal des Lande in andere Hände legen, denn die Stunde taffe weder Aufschub noch Ausflüchte zu.

Die Diskussion

eröffnet der kommunistische Abg. Eachin. Er erklärte: Rach feiner Ansicht bestünde zwischen den Grundsätzen der Regierung Herriot und ben Versprechungen der Regierung Painleve Wider­sprüche. Der Redner bespricht alsdann dieAuben- politik unb fordert, daß bet Dawesplan so durchgeführt werde, daß das deutsche Kapllal und nicht der deutsche Arbetter Zahlungen zu leisten habe. Das Genter Protokoll sei noch viel toter als der Versailler Vertrag. Die Angel­sachsen machten andere Vorschläge. Alle Ra­tionen bewaffneten sich, und England suche Verbündete, namenllich gegen Rußland, das man als Feind der Eity von London darstelle. Eachin wies auf die faszistische Gefahr hin. die in Frankreich bestehe, seine Partei werde sich an dem Kampfe gegen Caillaux nicht beteiligen.

Als zweiter 3nterpellant erklärt hierauf der Abg. D e r t r a n b, der Vorsitzende der Ver­einigung der Frontkämpfer, die ehe­maligen Frontkämpfer hätten mll Entsetzen die Ernennung Caillaux zum Finanzminister erfahren.

Er glaube nicht, daß Frankreich schon so weit gekommen sein, um zwischen Eaillaur unb dem Bankerott wählen zu müssen.

Wenn man bis zum 3ahre 1917 zurückdenke. Dann müsse man feststellen, daß der D e f a i t l s m u s gLherrlcht habe, trotzdem das Eingreifen Ameri­kas in den Krieg angekünbigt worden fei. 3n

Nr. 93 Erster

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Mittwoch, 22. April 1925

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175. Jahrgang

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