Iean-Frangois Millet.
Bit feinem 50. Todestage am 20. Januar.
S3on Dr. Karl Gersten berg. Professor an der Universität Halle.
'Wenn man ein Bild Liebermanns aus seiner keifen Zeit, wie die Retzflickerinnen (1889) aufmerksam betrachtet, wird man gewahr, das; die eigentliche Wirkung von etwas anderem ausgeht als von der farbigen Erscheinung und dem far-- bigen Geflimmer der Luft. Die gewöhnliche Meinung, daß hier in einem naturalistischen Jude otc Frauen unrhythmisch-zufällig bei ihrer Arbeit über das weite Feld verteilt seien, trifft nicht ml Es ist mehr darin als eine Situation des Augenblicks, es schwingen in dem Bilde vielmehr jene Rhythmen, die die menschlich:- Gestalt in ihrer täglichen Arbeit annimmt. Diese Einen-' aenschaft, die Erfassung der arbeiterrden Menschen in ihrem Zusammenhang mit der umgebenden Statur gehört zu den umwälzenden Refor- frnen. die die Malerei der zweiten Hälfte Des 19. Jahrhunderts brachte. Liebermann ist nicht der Schöpfer dieser neuen Auffassung gewesen, sondern er hat sie in Frankreich kennen gelernt dessen bildkünstlerischer Kultur die führende und anugenbe Rolle im 19. Jahrhundert zugefallen war. Diese Wendung zu den einfachen, psycho- logisv) scheinbar reizlosen Inhalten und ihren Rhythmen ist mit dem Ramen Millets verknüpft,
Mittet war Dauernnraler, was zunächst nicht Diel besagt, wenn er es auch in einem neuen Sinn war. Wenn andere Bauern malten. ae= schah cs mit* Dem Hochmut des Städters, der sich überlegen dünkt und mit lächelnder Herablassung oder spöttischer Reugier ihr Treiben beobachtet. Alle diese Maler schilderten den Bauern nur bei Hoch-eitsschmäufen und Kindtaufen, beim
Die Danzig-polnische Spannung.
D an zig. 21. Ian. (Wolff.) Die Genfer Aachricht über die Erörterung des Danzig-- Polni schen Konflikts auf der nächsten Tagung des Dölkerbundsrates ist dahin zu ergänzen, daß der Rat des Völkerbundes sich mit der Frage der Berechtigung der polnischen Posteinrichtung in Danzig entsprechend dem
fttr rtcpiig gefallenen Standpunkt. Man hat unS angegriffen wegen unseres Verhaltens am 9. Januar bei dem Protest wegen der Richt- räumung der Kölner Zone. Hier handelt es sich darum, daß die Absicht des Ministerpräsidenten weniger auf eine würdige Kundgebung hinausging, sondern darauf, zu Doi'umenliercit: Mir tonn keinerI (Lebhafte Zustimmung rechts.) Der Ministerpräsident hat alle Schuld denen zugeschoben. die den Krieg gemacht haben.
Das ist das autinationalste Wort, das jemals ein Ministerpräsident gesprochen hat.
Es ist unerhört von einem Ministerpräsidenten, so gegen sein eigenes Volk zu steuern. (Stürmischer Beifall rechts.)
Ministerpräsident Braun verliest den Wortlaut einiger Sähe seiner Rede vom 9. Januar aus dem amtlichen Stenogramm. (Wenn es 1918 überhaupt Leute gegeben hat, die die Revolution gemacht haben, dann haben sie diejenigen gemacht, die uns in den Krieg hineingebeht haben. (Andauernder Lärm aus der Rechten.) Diese Sätze halte ich aufrecht. (Andauernder stürmischer Widerspruch auf der Rechten. Die Deutschnationalen und die Rationalsozialisten springen auf und verlassen den Saal unter an- bauernden immer wieder wiederholten Protesten, ebenso ein Teil der Deutschen Bolkspartei. Vizepräsident P o r s ch bemüht sich längere Zeit vergebens, die Ruhe wtederherzustellen.) Wollen Sie, nach dem amtlichen SKaterial, das veröffentlicht worden ist. bestreiten, daß hüben und drüben Kräfte am Werk gewesen sind, um zum Kriege zu Hetzen? Wie ich zur Schuld lüge stehe, habe ich oft genug erklärt. Ich halte die Behauptung des Versailler Vertrages, Deutschland habe allein am Kriege schilld, für die größte Geschichtslüge. Slber diese Geschichtslüge oarf nicht durch eine andere ersetzt werden, trenn es überhaupt erreicht werden soll, das deutsche Voll von dem furchtbavLn Vorwurf zu befreien, daß eS die Allemschuld am Kriege habe. (Stürmischer Beifall links, und in der Mitte, andauernde große Llnruhe rechts.)
Minister des Innern Severing:
mir hat man in der Oeffentlichkeit Landesverrat vorgeworfen und mir unterstellt, ich hätte in Wahlver'anunlungen von der Schuld Deutschlands am Kriege geredet. Ich habe mich in allen Wählerversammlungen aenau so geäußert wie eben der Ministerpräsident. (Lebhaftes Hört, hort! rechts.) Ich habe zunächst hervorgehoben, daß ich mit meiner gesamten Partei und mit allen Deutschen darin einig bin. daß die Behauptung des Versailler Vertrages von der Schuld am Kriege eine Lüge ist, und ich habe etflärt, unseren Einf.uh in der Sozialdemotratie Gouverneur Schnee von einer Schuld der deut- zu kennzeichnen. Slber ich habe, wie der Ministerpräsident. hinzugefügt, dah die kaiserliche Politik bis 1914 mit die Atmosphäre geschaffen hat, die im Juli 1914 zum Kriegsausbruch führte. (Stürmische anhaltende Zurufe auf der Rechten.) Zu meiner Genugtuung hat auch der Republik den Republikanhängern zu überlassen, schen Politik vor dem Kriege gesprochen. (Große Llnruye und stürmischer Widerspruch bei den Deutschnationalen und der Deutschen Bolls- vartei.) An dem Zusammenbruch trugen in erster Linie nach meiner Meinung diejenigen die Schuld, denen daS politische Augenmaß abhanden gekommen war. Ich habe ein gutes Gewissen und schrecke vor den deutschnationalen Lügen nicht zurück. DaS psychologische Moment stir eine 3cchtsregierung soll jetzt gekommen sein. Meines Erachtens ist eine stabile Regierung nur zu schaffen auf dem Boden der großen Koalb« tion. (Stürmischer Beifall auf der Linken und in der Mitte, anhaltender Widerspruch rechts.) 1 Abg. Dr. Preuh (Dem ): Ich würde es für ^gisch halten, die Bildung der Steuerung der "Rupublik den Republikanhängern zu überlassen. -»Der Reichspräsident hat die bewunderungswürdige Selbstüberwindung geübt, das Ministerium der Rechten zu ernennen. (Lachen rechts.) Die Aufgabe Preußens muß es fein, dieselbe Entwicklung für Preußen zu verhindern. Preußen muß der Schuh des Reiches sein gegen die Reaktion. (Lebh. Beifall in der Mitte.)
Die Slbstimmung über die verschiedenen SMH- und Dertrauensan.träge wurde auf Freitag vertagt.
Wortlaut des Artikels 39 drs Danzig-Polnischen Vertrages vom 9. Rovernber 1920 erst dann befassen wird, wenn der hiesige Völker- bundskvmmissar entschieden und wenn einer der beiden Staaten gegen seine Entscheidung Berufung eingelegt hat. Wie bereits vor einigen Tagen mitgeteilt, ist hi Genf nicht beabsichtigt, das verfassungsmäßig vorgesehene Skrfahren im vorliegenden Falle irgendwie zu ändern.
In Warschau haben die Landtagsllubs der Rechten und des Zentrums in der gestrigen Sejmsitzung einen Dringlichkeitsantrag eilige- bracht, in dem gegen den „Anschlag" auf die Rechte Polens in Danzig Verwahrung eingelegt wird. Die polnische Regierung müsse geeignete Schritte unternehmen, damit sich die Tätigkeit des Danziger Völkerbundskommissars innerhalb der Grenzen seiner Rechte abspiele, llleberdies mülle, solange Polen nicht über volle Zvllgerechtsame in Danzig verfüge, der Warenverkehr von Danzig nach den anderen Zollämtern abgelenkt werden. Die Vereinigung der polnischen Kaufleute r,at auf das Einladungsschreiben der Danziger Messe geantwortet, daß die letzten Ereignisse in Danttg der polnischen Kaufmannschaft die Teilnahme an der Messe unmöglich machten.
Japan und Rußland.
Der Anerkennun^svertrag.
Rach zahlreichen immer wieder ^gescheiterten Versuchen, die japanisch-russischen Beziehungen durch Anerkennung der S wietregierung zu fördern. scheint sich jetzt die Tokioer Regierung endlich entschl.sen zu haben, Sowejetrußland auch de jure anzuerrennen. Den Preis, den sie sich dafür von der russischen Regierung hat zahlen lassen, dürfte in der Anerkennung ausgedehnter Konzessionen für die Kohlengruben und Petreleumfelder auf dem an Rußland toi der zurückfallende i Sachalin bestehen. Auch auf den nach dem russisch-japanischen Kriege in Portsmouth abgeschl^f enen Friedensvertrag hat Japan nicht verzichtet. Immerhin sind diese Bedingungen gegenüber allen früheren von der japanischen Regierung ausgestellten start zurückgeschraubt worden. Slber auch Rußland hat das fLine Opfer der Abtretung von Kohlen- und Petroleumfeldern zugunsten der Wiederaufnahme der dpi mat schen Beziehungen gern gebracht, war es doch auch auf diesem Wege möglich, frühere der Moska er Regierung nicht gerade angenehme Slbmachungen zu annullieren. Für Japan ist die Aberkennung der Konzessionen auf Sachalin von besonderer Bedeutung, da es sich jetzt von der Einfuhr ausländischen Oels und ausländischer Kohle freimachen kann, was in Krieg zzeiten doppelt wertvoll ist.
Der russisch-japanische Vertrag besteht aus sieben Artikeln, welche die Grundregeln für die gegenseitigen Beziehungen enthalten, wie sie sich nach erfolgter Ratifiöation gestalten sollen. D e Sowjetregierung erkennt die Rechtsgültigkeit des Vertrages von Portsmouth an, aber man gibt zu, daß das ohne große Bedeutung ist. Rußland übernimmt die Verantwortung für die Erfüllung dieses Vertrages. Alle anderen Verträge, die vor 1917 geschlossen find, sollen auf einer weiteren Konferenz nachgeprüft oder aufgehoben werden. Der Vertrag sieht weiter die Revision des Fischereiabkvnrmens von 1907 vor. Die beiden Läicher kamen ferner überein, sich jeglicher Propaganda enthalten zu wollen und verpflichteten sich, nicht mit einem dritten Staate keinen Vertrag abzumschließen, der die gegenseitigen Interessen beeinträchtigen könne.
Zum Vertragsabschluß erfährt die Telunion noch folgende Einze.heiten- Rußland und Japan räumen sich gegenseitig Vorrechte im Han- dels- und Paßwesen ein und verpflichten sich, politischen Verbrechern des Dertragsgegners kein Gastrecht zu gewähren. Japan verpflichtet sich, das bessarabische Protokoll nicht zu unterzeichnen, wenn auch andere Signatarmächte die Unterzeichnung ablehnen. Die Insel Sachalin wird im Marz oder April 1925 von den Japanern geräumt und von den Russen formell besetzt. Die Erdöl- und Steinkohlentonzessionen erhält Japan auf 50 Jahre. Rußland erhält 10—15 Prozent der Grdölerzeugung und 5—8 Prozent der Kohlengewinnung. Der Vertrag ist von Carachan und Iostizawa unterzeichnet. Eine französische Handels- und Industriekommission nach Japan
Paris. 21. Jan. ($11.) Eine französische Handels- und Industriekommission wird am 12. Februar unter Führung eines Regierungsbeamten nach Japan ausbrechen und etwa zwei Monate dort bleiben. Die Entsendung der Kommission soll die wirtschaftliche An- Saufen und Raufen oder beim linkischen Zusammentreffen mit den Städtern und amüsierten sich und ihr Publikum mit der Schilderung des immer als komisch empfundenen Betragens der Dörfler. Mittet dagegen malte als erster die Dauern bei ihrer alltäglichen Arbeit. Slber das geschah nun nicht aus irgendwelchen sozialen Gesichtspunkten, daß Mlllet damit etwa Manifeste für die armen Bauern hätte loslassen wollen. Er war durchaus unsentimental und bedauerte nicht, daß die Leute es so hart hätten, aber er hatte Ehrfurcht vor dieser Slrbeit, die seine Eltern und seine Brüder taten, und die er selber als junger Mann auch verrichtet hatte.
Jean-Francois Mittet war 1814 in dem Rest Gruchy bei Cherbourg in der Rähe des Meeres zur Welt gekommen. In der Zeit, wo andere ihre Akademiestudien trieben, ging er noch hinter dem Pflug. Gr war dreiundzwanzig Jahre alt, als er nach Paris kam, wo ihm die klassizistische Malerei Evntures, in dessen Atelier er arbeitete, außer dem Handwerklichen nichts zu geben hatte. Der normannische Bauer spürte etwas in sich, was er mit den ausgeschliffenen Formen der Pariser Malerei nicht ausdrücken konnte. Erst 1848 entstand das erste Bild seines eigenen Stils: der Kornschwinger, ein Dauer, der einen flachen Korb hin und her schwingt, um die Spreu vom Korn zu sondern. Damals ließ sich Millet in Barbizon nieder, wo schvn die Gruppe der Landschaftsmaler um Rousseau und Diaz festen Fuß gefaßt hatte. Dort hat er lange Jahre her Entbehrung gemalt und gewartet, bis Kritik und Publikum seine Kunst beorissen. Er starb am 20. Januar 1875 mit sechzig Jahren.
Alle seine Hauptwerke, die ihm Weltruf bringen sollten, tote etwa die Ashrenleferinnen und das Angelas-Dild entstanden in den fünf«
Näherung zwischen Japan und Fra«^ reich fördern, die nicht ohne Einfluß auf die politischen Beziehungen zwischen den berden Ländern bleiben dürste.
Die innere Lage Japans.
Der Kampf
um das allgemeine Stimmrecht.
London, 21. Ian. ($11.) Heute beginnt in beiden Häusern des japanischen Parlaments eine der bedeutendsten üüjungen der letzten drei Jahre. Die Mehrheit des Grafen Kato hängt von der Unterstützung der 3 Fraktionen ab, die sich gegenseitig untereinander auf das Erbtt- tcr te bekämpfen. Der bisher vorhandene äußere Zu ammensehung dieser 3 Parteien steht im Be- git f. zu zerbröckeln, sofern nicht ein in letzter Stunde herbeigeführtes Kompromiß die Lage wieder herstellt. Die politische Streitfrage tft wie seit Jahren das Problem des Stimmrechtes für alle Personen männlichen Geschlechtes über 25 Jahre. Alle bisherigen Regierungen haben diese Forderung trotz Stra- hendemonstrationen und Aufstand nicht gebilligt. Die Regierung des Grafen Kato .ist indessen für Unter st ützung dieser Gesetzesvorlage, die aber von einem Teil seiner Anhänger auf das Heftigste bekämpft wird. Die Presse unterstützt die Vorlage, und zwar im Hinblick auf d-e Popularrtät der Maßnahme bei den Massen.
Gleichzeitig soll eine Vorlage zur Reform des Oberhauses laufen, die aus äußersten Widerspruch der konservativen Kreise stößt. Deshalb werden die beiden nächsten Monate lebhafte Kämpfe bringen und die gegenwärtige Koalitionsreg erung in Japan wird eine schwere Probe zu bestehen haben.
Der amerikanische Petroleumsskandal.
Cs ist noch frisch in aller Erinnerung, daß im vorigen Jahre ein ungeheurer Petroleumskandal, in dem vor allem zahlreich: Mitglieder der amerikanischen Sv e g i c r un g, dann aber auch bedeutende Persönlichkeiten aus dem demokratischen und dem republikanischen Lager verwick lt waren, monatelang die amerikanische Oeffentlichkeit in Aufregung versetzte. Gegenstand des Skandals war die Verpachtung eines für D i e Versorgung der Flotte bestimmten Oelseldes an private Persönlichkeiten für eine mäßige Summe und die Entgegennahme bedeutender Schmiergelder durch hohe Beamte. Am stärksten bloßgestrilt wurde bekanntlich der damalige Präsidentschasts^andidat der Demokraten und Schwiegersohn Wilsons. Mac Adoo. Ein inzwischen vom Senat ring Letzter lllnt'rsuchungs- ausschuß beschäftigte sich sehr eingeb enö mit Den näheren Umständen, Die zu der Verpachtung des dem Marineministerium unterstellten Petrowum- feldes geführt haben. Der von ihm verfaßte Bericht ist jetzt vom Senat angenommen worden. Den Beteiligten toirD vom Sencllsaus- schuh vorgeworfen, daß die Verpachtung des QelfeldeS nicht nur eine skandalöse Schiebung, sondern auch eine schwere Schädigung der nationalen Interessen bedeute, da durch die Weitergabe des Petroleumterrains an Private Der süi> Die Flotte unerläßliche Reserve bestand an Petroleum schwer gefährdet sei. Der Urteilsspruch des Senats muß nun zur Erhebung der S t a a t s a n klage gegen alle beteiligten Persönlichkeiten führen.
Die russische
Moskau, 21. Jan. (Wolfs.) Rach einer Meldung der Rufs. Telegraphen-Agentur hat die von der Regierung einberufene Sachverständigenkommission zur Prüfung Der Einwan- Derungdfrage sich für eine starke Heranziehung geschulter Techniker und Ingenieure aus dem Ausland ausgesprochm. Gleichzeitig bezeichnete es die Kommission als wünschenswert, daß sow- jetistische Ingenieure und Techniker zu praktischer Arbeit in ausländische Betriebe gehen, worauf Die Regierung beim Abschluß von Verträgen mit ausländischen Firmen Dringen soll. Die Gehälter der ausländischen Techniker und Ingenieure sollen durch Cinzelverträge geregelt werden.
Den Postbeziehern
kann der (Siebener Anzeiger nut dann ohne Unterbrechung zugestellt werden, wenn sie den Bezug sofort erneuern durch Einlösung der Postquittung beim Postboten.
ständigen Genesung verlassen würbe. Der General erhofft eine Lösung Der Marokkofrage tu einigen Wochen. Der GeneralDelegierte Des Oberkommissariats in Tetuan kündigte die Rückkehr des Generals Primo De Rivera nach Europa für Den 1. Februar an.
Albanien Republik.
Rom, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) Rach» richten aus Tirana zufolge hat Die Siationalber- sammlung einstimmig Die Republik proklamiert und beschlossen, daß Der 21. Januar als Ratio- nalfest gefeiert werden soll.
Aus aller Welt.
Die deutsche Eiuheitstur-schrist in Tirol.
Der tirolische Stenographenverein in Innsbruck hat sich auf Den Boden der deutschen Einheitskurzschrift gestellt.
Ein deutsches Schill ttt Schweden beschlagnahmt.
Der deutsche Motorschooner .,R o r D e r - Elbe" aus Hamburg, der mit 60 000 Liter Sprit an Bord in Den Hafen von Sundsvall eingelaufen war, um seinen Proviant zu ergänzen, ist von den schwedischen Zollbehörden beschlagnahmt worden. Das Gericht in Sundsvall hat die Beschlagnahme bestätigt und gegen Den Kapitän des Schooners Anklage erhoben.
Großer Alkoholskaudal iu Aeuhork.
Wie Der „Lokcllanz." aus Reuhork erfährt, haben Die Prohibitionsbeamten einen Alkoholika n d a l aufgeDedt. Der ehemalige Gouverneur des Staates Reu-Ierseh unb Der jetzige Senator Eduard werden beschuldigt, an Der Spitze einer Gesellschaft zu stehen, Deren Kapital sechs Millionen Dollar beträgt, und Die Den Handel mit alkoholischen Getränken zum Gegenstand haben.
Wettcrvnraussaqe.
Südliche bis südöstliche Winde, zeitweise schwächer bewölkt, leichter Nachtfrost, tagsüber milder.
Aus Stabt und Land.
Gießen, Den 22. Januar 1925.
Liebs Langeweile?
Solange man in Der Arbeit ist, sehnt man sich nach Ruhe. Slber hat man diese Ruhe, kann man sie nicht lange ertragen und hat sofort Langeweile. Wer das bestreitet, wohnt entweder weit draußen ganz einsam auf dem Lande, w? Die Menschen andere Sternen haben als in der Stadt, oder er gehört zu Denen, Die von Langeweile ewig geplagt werden und gar nicht merken, wann dieser Zustand einmal eine lllnterbrechunx erfahrt.
Es ist mir neulich mal so auf gefallen, als ich Den ganzen Tag besonders angestrengt gc’ arbeitet hatte und mich am Abend mir selbst überlassen konnte. Das geht anfangs bei einet Zigarre sehr schön. Man sieht den Ringeln nach, Die gegen das Licht verschweben. läßt seine Ge- danken mit ihnen ziehen und gibt sich dem süßen Nichtstun hin, dann merkt man aber, daß dieses Spiel „langweilig" wird. Rervös fängt man an, mit Dem Blcistill oder mit Den Fingern auf die Tischplatte zu trommeln, beißt sich auf Die älnter- lippc und jagt schon vergnügt einem neuen Plans nach.
Solange wir eben beschäftigt sind, fallen wie uns selbst nicht zur Last, erst wenn wir unS überlassen find, wissen wir nichts mit uns cmzu- fangen. 3JnD Dann Plagt uns Dass Gespenst der Langeweile.
Das spanische Direktorium.
Madrid, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) General Primo de Rivera erklärte, daß das Direktorium, nachdem es bereits seit 15 SKonaten bestehe, noch weitere 15 Monate bestehen müsse. Er sei Der Ansicht, daß er Die übernommene Aufgabe vollenden müsse, wie ein Arzt einen Kranken auch nicht vor Der voll-
laini Mr irm ,ih. i un<ir'imuri >ii ui
^iger Jahren, als fein äußeres Schicksal noch dunkel war. Es gelang Millet Darin, mit ein Paar Dauern einen monumentalen Stil in die SBelt zu stellen. Die Gestalten seiner Feldarbeiter sind mit einer großartigen Wucht erfaßt, die die ganze Summe einer Lebensarbeit in einen lllmriß zusammenzuziehen weiß. So tragen s e nicht nur einer augenblicklichen Situation Rechnung, sondern sind typisch für Vergangenheit und Zukunft eines solchen Menschen. In Der großen Geschlossenheit seiner Liniensprache knüpft Millet an Daumier an, aber fein Rhythmus ist abgeleitet aus Der Statur, Die ihm, Dem Bauernsohn, vertraut war. Es find Die uralten Bewegungsmelo- t-ien des menschlichen Körpers bei der Bearbeitung Der Erde. Immer gilt seine Darstellung Dem Menschen, tote er in seinem Umgang mit Der Erde geworden ist. Diese Arbeitsrhythmen tönen unvergeßlich wie ein altes Volkslied aus seinen Bildern heraus. Die Malergeneration des Impressionismus konnte mit Den schweren eckigen Farben Millets nichts mehr anfangen. Das koloristische Problem der Freilichtmalerei drängte in eine ganz andere Richtung. Auch das Be- toegungsproblem hat Der Impressionismus in einem neuen Sinne gelöst. Slber in Dem zu- sammenfassenben Sehen, das den Blick nicht auf einzelnes heftet, sondern das Erdganze berücksichtigt, ist Millet Führer und Vorbild geblieben.
Die Anffittdunq
vvtt Hermann Löns (Geburtshaus.
Hermann Löns ist in Kulm geboten worben, in Der ostdeutschen Grenzmark, und sein Geburtshaus inteveffiert feine Verehrer, wenn er auch freilich bereits als einjähriger Knabe nach Deutsch-Krone kam. Man wußte aber bisher nicht, an welcher Stätte Löns geboren ist. und erst jetzt hat Dr. Erhard Äramev sein Geburts-
Es kann in unserem Leben anscheinend gar nicht bunt genug bergeben; immer brauchen wir etwas Reues. immer mehr Rervenkihel. immer größere Sensationen. Das ist die Richtung, in Die der Stadtmensch geritten toirD, ohne sich retten zu tonnen; aus Furcht vor Langeweile. Manche bilden sich ein. Der Kunst halber ins Theater oder in Konzerte zu gehen, in Wirllich- leit wissen sie nur nicht, wie sie sonst ihren Abend verbrmgen sollen. Es entstünde ein leerer
Haus ausfindig gemacht, worüber er in Den ,.O st - deutschen Monatsheften" berichtet. Die Eintragung int Tauf- und Geburtsregister, aus der sich übrigens ergibt, daß Löns am 29. August 1866 und nicht am 28. August geboren wurde, enthält nicht die Straße, in Der sein Vater, der Gymnafialprofessor, wohnte. Aber nach mündlicher Ueberlieferung, Die Dann durch amtliche Zeugnisse bestätigt wurde, liegt das Geburtshaus Heilige-Gei st-Straße 2. „Still — emft schaut Der Turm der nahen Pfarrkirche auf dieses Haus, das ein Stockwerk mit vier Fenstern und einen geräumigen, ausgebauten Dachgiebel bat", berichtet Der Auffinder dieser Dichtergeburtstätte. „Die Leute aus den Rachbarhäusern schauen auf unö unD wundern sich. Löns Geburtshaus endlich gefunden! Doch nicht umrahmt von Grünem, nicht am Wasser oder im Walde liegend, nein, einfach unD bescheiden und nur aullallend, weil es Das einzige grüngetünchte Haus Der Straßenseite ist. Die Treppe in Der Mitte des Hauses ist noch so ausgetreten, wie sie cs früher war. Silan ist beinahe über alles enttäuscht — liegt Doch sogar unweit Das Gericht und Gefängnis — und Doch, nun wissen wir es, hier ward er geboren, von hier trug man Den Täufling in die einige hundert Schritte entfernt liegende Pfarrkirche, von hier ging die Mutter durch den Klosterhof in Den Klostergarten, der einen so überwältigenden Blick gewährt, durch den majestätisch langsam die Weichsel fließt . .
Ein Kunstkritiker al« Preisträger.
Der frühere Kunstkritiker Des „Hamburgs. Anzeigers", Hans Leip, erhielt bei Dem Wettbewerb der „Kölnischen Zeitung" um den besten Roman Den ersten Preis in Höhe von 10000 Mark. Der Roman Leips führt Den Titel „Godekes Knecht'^


