Ausgabe 
22.1.1925
 
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Donnerstag, 22 Januar 1925

175. Jahrgang

Ur. 18 Erstes Statt

über

beschloß vor, fr: geändert ro­

dle 6taatäform nicht n soll. (Gelächter links.) Mir

Sitzungsbericht.

Berlin, 21. San. Die Aussprache die Regierungserklärung wird fortgesetzt.

Abg. Dr. Koch- Weser (Dem.)

ist es sehr ernt fiarum, in dieser unser Volk spaltenden Frag? der Staatsform schon bei Be­ginn meiner Tätigkeit die Einmütigkeit der Regierung festzuftcllen. Zu den Angriffen gegen die Minister Reuhaus und Schiele erklärt der Reichskanzler, bei beiden handele es sich um Persönlichkeiten, die die besten Kräfte des Beamtentums für die Re- gierungsarbeit mitbrächten. Dr. Reuhaus sei, um seine außerordentlich geschätzte Kraft im Mini­sterium zu erhalten, in einem sehr schmeichel­haften Brief von der Leistung des Verfassungs­eides entbunden worden. Der Brief trage die Unterschrift des damaligen Ministers Fisch­beck. (Große Heiterkeit.) Herr v. Schlieben habe unter vier Finanz Ministern, Wirth, Hermes, Hilfferding (Heiterkeit) und Luther eine schwierige Tätigkeit gehabt, und die volle Anerkennung dieser Minister gefunden. Der Reichskanzler weist darauf hin, daß er sich vergeblich bemüht habe, linksstehende Persönlichkeiten für sein Kabinett zu gewinnen. Wenn in den nächsten Tagen die Regierung die Billigung der Mehrheit finden sollte, so werde sie alle Kräfte für das Wohl des Vaterlandes einsetzen. (Lebhafter Beifall rechts.)

Darauf wird die Weiterberatung der Be­sprechung auf Donnerstag vertagt.

betont, das ganze deutsche Volk fei einig in der Verurteilung der rechts- und vertragswidrigen Weiterbcsetzung der Kölner Zone. Wenn wirk­lich Verfehlungen von untergeordneten Organen oorgekommen sind, so bieten sie doch für die Richträumung nicht einen Grund, sondern nur einen Vorwand. (Lebhafte Zustimmung.) Wir werden mit aller Kraft darauf dringen, daß auch solche Vorwände and der Welt gefd?afft werden. Weder die Soldatenspielerei, noch die Super- llugheit untergecrfr.c.cr Organe darf noch Vor­wände schaffen. (Lebhafte Zustimmung links.) Wenn fetzt eine Rechtsregierung kommt, so ist das die Folge der fünf Jahre langen Be­drückung und Richtachtung Deutschlands durch die Entente, die dazu geführt hat. daß schließlich auch das Zentrum matt geworden ist. Jede Regierung wird die Außenpolitik fort» setzen müssen, die wir fünf Jahre lang gemacht haben. Das beweist auch die Regierungserklärung, deren a u h e n p o l i t i s ch e m T i! wir im gretzen und ganzen z u st i m m c n können. Die Deutsch- nationalen im Kabinett werden die Außenpolitik auch nicht ändern können. Sie verschaffen uns aber das Mißtrauen des Auslandes. Dieses Miß­trauen ist unberechtigt. Sm Auslande begeht man den Irrtum, unsere Deucsch:rationalen für Wölfe in Schafspelzen zu hal.e r. Tatsächlich ha­ben sie nur Wolfspelze umgehängt; was dar­unter steckt, brauche ich nicht zu sagen. Wir wün­schen von der neuen Regierung nic.;t Aggressivität imd Aktivität, sondern Passivität und Zurück-

Tine zweite Kanzlerrede.

Fortsetzung der politischen Aussprache. Reichsregierung und Staatsform

Haltung. Wir werden der Regierung in der Außenpolitik nicht von vornherein Opposition machen. 3n der Regierungserklärung wurde die Wahrung der Staatsautorität betont. Dazu ge­hört vor allem, daß dem Staatsoberhaupt, dem Reichspräsidenten, die schuldige Achtung und Ehrfurcht erwiesen wird. Wir ersuchen darum den Reichskanzler, er möge den Reichsinnen­minister anweisen, daraus Bedacht zu nehmen, daß der Vizepräsident deS Reichstages dem Reichspräsidenten die ihm zukommende Ehre er­weist. (Beifall links.) Weiter möge der Retchs- innenminifter verhindern, daß das Magde­burger Urteil, das wir aufs Tiefste und Schmerzlichste bedauern, ausgenüht wird zu einer Hetze gegen den Reichspräsidenten. (Unruhe rechts.) Wir fragen den Reichs­kanzler: Mißbilligen Sie jede Agitation gegen die Republik und rücken Sie ab von Leuten, die Ihr Kabinett als Instrument ckegen die Republik benutzen wollen? (Der Reichskanzler nickt.) Wir werden die Antwort der Regierung auf meine Fragen abwarten. Auf keinen Fall denken wir daran, ihr Reutralität zuzufagen. Wenn uns die Antwort befriedigt, werden wir ihr zunächst freies Spiel lassen, ehe wir uns auf Grund ihrer Taten weiter entscheiden. (Lebhafter Bei­fall links.)

Abg. Leicht (Bahr. DolkSP.):

erklärt, daß das Zentrum sich seiner ausschlag­gebenden Stellung wohl bewußt sei. Daher habe es auch eine Fülle von Bedingungen gestelll. Der Redner erklärt, seine Parteifreunde hätten auch mit Befriedigung vernommen, daß d i e Beziehungen zwischen dem Reich und den Ländern besser gestaltet werden sollten. Seine, Partei fordere größere Selbständigkeit der Qänber. Es müsse heißen: Staaten, und nicht Reichsprovinzen. Dann fordert der Qtebner noch den Abbau der übermäßigen Besteuerung. Die heimische Produktion müsse durch Schutzzölle in den erforderlichen Grenzen geschützt werden. Ge­rade dem neuen ReichSstnanzminister müsse end Herz gelegt werden, bei der Gehaltsregelung die Temperatur seiner Gefühle für die unteren und mittleren Beamten zu steigern. Wir sind bereit, für die Erhaltung der sozialen Idee Opfer zu bringen. Richt weniger liegt uns an der Erhal­tung des konfessionellen Frizens. Dem Beamten­tum wünschen wir Parität in der Anstellung und im Abbau. (Beifall in der Mitte.) Die Wah­rung des konfessionellen Friedens muß vor allem gefördert werden angesichts bedauerlicher Vor­gänge in der letzten Zeit.

Abg. v. Gräfe (Datioualsoz.):

Als man im vorigen Jahre über die Dawes- g e s e h e an das Voll appellierte, da gingen die nationalen Parteien in den Wahlkampf mit der Parole: Gegen die Daweslesehel Das Doll, das nach dieser Parole wählte, wurde durch die Deutschnationalen getäuscht, die die Annahme der Dawesgesetze ermöglichter! und jetzt, nach der Weiterbesetzung der Kölner Zone, müsse so­gar Dr. Stresemann die Pleite seiner Dawes- pvlitik eingestehen. Und nun geschieht das Merkwürdigste! Die beiden Unterhändler bei der Pleitepolitik bleiben an der Spitze der Regierung. Wir können eine solche Regierung niemals unter­stützen, denn in dieser Pseudorepublik sind alle Regierungen nur Marionetten der tatsächlich re­gierenden Börse. Angesichts der vielen Korrup­tionsfälle der letzten Zeit erscheint es uns zwei­felhaft, ob in der neuen Regierung der Herkules sitzt, der diesen Augiasstall reinigen könnte. Wir verfügen über geradezu erschreckendes Material. Ich verzichte darauf, es heute vorzutragen. Es betrifft auch die Familie des Reichspräsidenten. (Rach diesen Worten rufen die Sozialdemokraten minutenlang laut dem Redner zu: Kommen Sie doch heraus damit!) Geradezu ekelhaft ist der Byzantinismus, den die Demokraten ihrem Götzen Ebert gegenüber zeigen. Wir verlangen, daß Abgeordneten die Uebernahme oder Beibehal­tung von Aufsichtsratsposten gesetzlich ver­boten wird. Seine Freunde Eöunten dem Dilli- aungsantrag für die Regierung nicht zustimrnur. Sie würden aber auch fein Mißtrauen zum Aus­druck bringen, um nicht den Kampf der Wirth und Severing zu unterstützen.

Hierauf ergriff

Reichskanzler Dr. LuLher

das Wort., (Bei seinen ersten Worten rufen die Kommunisten lärmend: Amnestie! Amnestie!) Der Reichskanzler stellt zunächst mit Befriedigung fest, daß sein außenpolitisches Programm im Reichstag eine breite, zu stimmende Front gefunden habe, auch bei den Parteien, die in d.r Regierung nicht vertreten sind, und sie innerpolitisch zum Teil bekämpfen. Diese Tat­sache war eine wesentliche Stärkung der außenpolitischen Position der Reichsregierung. Der Kanzler stellt weiter fest, daß in keinem Stadium der Verhandlungen der Räumung der Kölner Zone von einer der beteiligten Mächte der Vorschlag einer Kompromihlösung gemacht worden sei in der Weise, daß die Räu­mung der Kölner Zone in Verbindung mit der Räumung anderer Gebiete gebracht wird. Es sei aber auch eine falsche Annahme, daß durch die Entscheidung der Alliierten über die Kölner Zone auch die Ruhrräurnung verschoben worden sei. Der Kanzler erklärt dazu: Uns liegen maß­

Die Aufwertungsfrage.

Aus dem Rei stagsaueschuft. Di« neuen (ttescy» ntwürfe.

Berlin, 21. Ian. (Wolff.) Der Ausweg tungsauSschuh des Reichstags befaßte sich unter dem Vorsitz Steinigers (Dnt., mit l:-ii deutschnationalen Antrag auf Aushebun g der Verordnung über die einstweilige Regelung der Aufwertung vom 4. Dezember 1924 und auf Verlängerung der in Artikel 2 der Verordnung bezeichneten Fristen bis zur geser.licheii Qleu- regelung der Aufwertung. Zur Begründung des Antrages führte Best (Dnt.) aus, daß die Verordnung einen Versuch zur Stützung der von vielen Gerichten als verfassungswidrig beanstan­deten Dritten Steuer Notverordnung und eine mißbräuchliche Anwendung des Artikels 48 der Reichsm- assnng darstelle. Keil (Soz.) sprach sich r die sofortige An­nahme des deutschnationaien Antrags au5, um eine Klärung des Geltungsberichts des Artikel 48 der Reichsverfassung herberzu- führen. Dr. Schotter (Z.), Dr. Wunderlich (D. (D.), Emminger (B. Dpt.), Dietrich-Baden (Dem.) und Stoen en (Komm.) widersprachen dem Antrag. Auf Ersuchen der Regierung wurde die Beschluß­fassung auf Dienstag nächster Woche vertagt.

DieDeutsche Allgenreine Zeitung" erfährt, daß die in der K a n z l e r r e d e angekündigtem Gesetzentwürfe über die Aufwertung un£ die Steuergesetzgebung größtenteils bei den zu­ständigen Ministerien bereits ausgearbei­tet vorlägen. Der Gesetzentwurf, der die Revision der Dritten Steuernotverordnung betrifft, sehe eine wesentlich höhere Quote der Hy­pothekenaufwertung vor, und zwar bis 25 Prozent. Auch die Rückdatierung der abgelösten Hypotheken solle eine Reu­regelung erfahren. Alm den Hausbesih die durch die vorgesehene Hypothekenaufwertung zu- fallende Mehrbelastung zu erleichtern, dürfte ein Ausgleich dadurch geschaffen werden, daß eine entsprechende Ermäßigung der HauS- zinssteuer erfolgt. Eine höhere Aufwertung der 2 n d u st r i e o b l i g a t i o n e n soll mit Rück­sicht auf die der Industrie durch das Dawes-Gut- achten auferlegten Lasten nicht erfolgen. Das genannte Blatt bemerkt allerdings, daß cs bis zum Aedaktionsschluß eine Bestätigung dieser Mitteilungen nicht erhalten konnte.

Noch keine Klärung in Hessen.

Darmstadt, 21. Jan. (Eigen. Der.) Wie verlautet, wird der Landtag Mitte nächster Woche zu einer Tagung zusammentreten. Die Regie­rungsbildung steckt noch immer in dem Stadium der Verhandlungen: Gerüchte wollen von schar­fen Auseinandersetzungen innerhalb der Zen­trumsfraktion wissen, wo sich ein Teil für Fort­setzung der bisherigen Politll, der andere, für die Koalition der Mitte erklärt hat. Es soll sogar die Absicht bestehen, den Landesaus» schuß der Zentrumspartei einzuberufen, um seine Entscheidung anzurusen. Die sozialdemo­kratische Presse bezweifelt, daß ein Kabinett der Mitte zustande kommt: so schreibt derHess. Volksfreund": Linker dein Gesichtspunkt der Kon- strultion eines Kabinetts der Mitte ist es in­zwischen zur interfraktionellen Fühlungnahme zwischen dem Bauernbund und der Deut­schen Dolkspartei einerseits und dem Zen­trum andrerseits getommen. Man wird mit Ruhe den Ausgang dieser Bemühungen abwar­ten können. Das Kabinett der Mitte dürfte ein sehr frommer Wunsch bleiben, da nach der letzten Erklärung der demokratischen Frak­tion eine solche Kombination sich in der hoff- i.ungslosigsten Minderheit befände. Zurzeit stützt sich die Hosfnung der RegierungsbaumeisteL des Zentrums darauf, daß eben diese Erklärung sichnur auf die große "Koalition" beziehe und Die Stellung zu jeder anderen Regierungsgrup­pierung offen lasse.

Preußischer Landtag.

Stürmische Auseinandersetzungen bet der vol tischen Aussprache.

Die Besprechung der Regierungserklärung sowie der gegen das Kabinett Braun gerichteten Mißtrauensanträge wird fortgesetzt.

Ministerpräsident Braun geht zunächst auf die gestrige Rede des Abg. Ladendorff !Wirtschaftliche Vereinigung) ein, der erklärt hatte, daß sich die Auswüchse des Kapitalismus besonders unter dem bestimmenden Einfluß der Sozialdemokraten breit gemacht hätten. Braun erklärt dies für eine Irreführung der öffentlichen Meinung, da die Sozialdemokratie in den letzten Jahren keinen bestimmenden Einfluß hatte. (La­chen rechts.) Leider! (Erneute Unruhe rechts.) Sttes-nnann hat es früher für unstaatsmännisch erklärt, an der Sozialdemokratie vorüber-ug eh en, denn durch ein solches Verhalten könne unter die Arbeiterschaft eine revolutionäre Erregung ge­bracht werden, und man müsse dieses Vorgehen dann Lan de s v erra t nennen. Daß jeht^ nach­dem die Dolkspartei glaubt, ohne die Sozial­demokratie mit den Deutschnationalen regieren zu können, der von Stresemann geschilderte Zu­stand eingetreten ist, ist sehr bedauerlich für Sie (nach rechtS). (Beifall links, Lärm rechts.)

Abg. Stendel (D.Dpt.) wendet sich gegen die Ausführungen des Ministerpräsidenten und fragt, ob es dem Ministerpräsidenten klar sei, daß 'er nicht mehr in seiner Eigenschaft als MinisterpräsiLent, sondern nur noch als sozial­demokratischer Abgeordneter gesprochen habe, liniere Stellungnahme zur Verfassung ist richtig. Wir ziehen alle Konseauenzer- aus dem w» unj

Der Reichstag ist am Mittwoch nun mit der politischen Aussprache nicht fertig geworden, dafür brachte der Lag noch eine zweite Kanzlerrede. die nickst so sehr grundsätz­liche sondern praktische Dinge behandelte anö mancherlei Anfragen beantworten wollte, oie Im Lause der Debatte an die Regierung gerichtet waren. Zunächst hatten die kleineren Parteien daS Wort. Der Demokrat Koch, der mit kalter Reserve sprach und ankündigte, daß 'eine Partei Gewehr bei Fuß bleiben würde. Sine neue Erscheinung zeigte die Wirtschasts- Dartei mit Herrn Dr. Iörrisvn vor, der dem Kabinett alle Unterstützung versprach, wenn es Me Interessen deS Mittelstandes wahre. Auch »er Bayerische DolkSParteiler Leicht sagte die Hilfe feiner Partei zu, verlangte aber dafür tesondere Berücksichtigung der Interessen der Jänber gegenüber den Angriffen des Reiches, hanz auf Kritik war der deutschvölkische Herr 70 n Gr äfe gestellt, der sich mit den verschie­denen Parteien der Reihe nach in mehr ober ntnber heftiger Weise auseinander zu setzen ver­suchte.

Dann Herr Dr. Luther. Soweit er die Außenpolitik bcbanbelte, hielt er sich, offenbar mf Grund einer Verständigung mit dem Außen- ninifter, ängstlich an sein Manuskript. Er stellte mit Befriedigung fest, daß für die Außenpolitik bes Kabinetts Die breiteste Grundlage innerhalb des Hauses sicher sei und verteidigte dann die Außenpolitik gegen eine Reihe von Vorwürfen aus den Kreisen des Zentrums und ider Sozialdemokraten. Er konnte daran erinnern, üaf) für die Regierung die Räumung der e r ft c n Zone eine Selbstverständlichkeit ge= oefen sei und daß sie alle diplomatischen Der- 'uche gemacht hätte, um dieses Ziel sicherzu» teilen, was ihr bisher aber nicht gelungen sei. yür Die Räumung des Ruhrgebietes iber berief er sich auf maßgebliche Erklärungen Der französischen Regierung, daß die Zusage liegen des letzten Termins der Räumung des "Ruhrgebietes nicht geändert werde. Sehr trarnt letzte sich der Kanzler für das bedrängte Oft® Preußen ein.

Sobald er auf die Innenpolitik zu sprechen kam, lieh er das Manuskript fallen rnh sprach frei, waS ihm offenbar besser liegt. Gr suchte die Sozialdemokraten und Demokraten aber seine Stellung zu den Vaterländischen Verbänden zu beruhigen, erteilte auch einen offiziellen Rüffel an Herrn Breit scheid Degen seiner Mitteilung über die Zeitfreiwilligen, Sehr viel weiter kam er nicht, weil hier die o m m u n i ft c n mit Obftruktionsversuchen cinfetzten, indem sie ihn auf das Gebiet der Amnestie zu locken versuchten. Mit einer jede Kritik entwaffnenden Hilflosigkeit sah der Vize­präsident Dr. Ri er diesem Schauspiel zu, bis er schließlich auf unmittelbare Aufforderung des Reichskanzlers in einem Anfall von unange­brachter Energie kurz vor Schluß der Sitzung den Kommunisten Schwarz- Berlin von der vetteren Teilnahme a u s s ch l o ß und die Sitzung mf 5 Minuten vertagte. Weitere Komplika- .ionen ergaben sich glücklicherweise nicht, da Herr Schwarz, der auf acht Tage ausgeschlossen ourde, sich auf Zureden seiner Fraktion ent» chloh, keinen Widerstand zu leisten. Der Kanzler tonnte also seine Rede in Fortsetzungen beenden. ®r nahm sich zum Schluß noch seiner angegriffe­nen Ministerkollegen sehr wckrm an und versprach, daß das Kabinett, sobald die Vertrauensfrage geklärt sei, zum Wohle des Volks­ganzen arbeiten würde.

GieheimAiMiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vrittk und Verlag: vrühl'sche UniverfttätS'vuch- und Stetatntderei R. Lange in Lietzen. Schriftleitung und Geschäftrttelle: Zchufttratze 7.

Das Ausland zur Aanzlerrede.

Die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther scheint in Paris und London einigermaßen ent­täuscht zu haben, jedenfalls insofern, als sie keinerlei Angriffsflächen bietet und fein Material z u einer neuen Heye gegen Deutschland abgibt. Infolgedessen herrscht tiefste Ruhe im französischen und englischen Blätterwald, abgesehen von einigen Bemerkun­gen jener Presseorgane, die auch in der harm­losesten Rede eines deutschen Staatsmannes Stoff genug finden, um sie nach bewährtem Vor­bild auszubeuten. Das trifft z. D. auf das cho de Paris" zu, das mit der program­matischen Rede des Kanzlers zwar nicht viel anzufangen weih, aber doch sein Leserpublikum glaubt warnen zu müssen, die Augen offen zu halten und auf der Hut zu fein. Ebenso zurück­haltend verhält sich auch die englische Presse. Dafür dürfte aber der ausländischen Presse die jetzige Reichstagsdebatte reichen Stoff liefern, vor allem die Rede des sozialdemokrati­schen Abgeordntten D r e i t s ch e i d her es nicht unterlassen konnte, das in Frankreich so beliebte und begehrte Thema derEntwaffnung und Ab­rüstung Deutschlands" anzuschneidrn, dazu in einem Sinne, der für die jetzt etwas verlegene Pariser Rechtspresse reichhaltigen Gesprächsstoff abgeben wird

gebliche ErNärungen der französischen Regierung vor, daß sich an den Zusagen des französischen Ministerpräsidenten nichts durch die Entscheidung über Köln geändert hat. (Lachen bei den Kom­munisten.) Zu den Fragen Dr. Breitscheids über die Zeitfreiwilligen kann ich erflären: Darüber, was die Reichsregierung in die­ser Angelegenheit aus nicht mehr beste­henden innerpolitischen Gründen getan hat und wofür sie die Verantwortung trägt, ist der Entente schon vor län - ?erer Zeit eine eingehende Mittel­ung gemacht worden. (Lärm bei den Kom­munisten. Rufe. Dann seid Ihr ja Landesver­räter! Franzosenknechte! Kolonialminister!) lieber diese Mitteilung etwa hinausgehendes Material, über das die Entente verfügt, ist uns weiter nichts zur Rachprüfung übermittelt worden. Die Bekanntgabe solcher Vorfälle ich sage das im Gegensatz zum Abg. Dr. Dreitscheid schadet uns doch, well die Mitteilung, gewaltig übertrieben, von der Auslandspresse in der ganzen Welt gegen uns ausgenutzt werde. (Lebhafte Rufe rechts: Das war noch zu milde gesagt!) Aus die demokratische Frage habe ich noch zu antworten: daß für die vaterländischen Verbände ganz selbstverständlich wie für alle anderen die Gesetze in Anwendung gebracht werden. Graf Westarp wünscht wohl auch nicht eine Förderung dieser Verbände, sondern nur der vaterländischen Bewegung, die wir aller­dings begrüßen. (Lachen links.) Ich bedauere, daß bei der Erörterung der Finanzskan­dale die Person des Herrn Reichspräsi­denten in die Debatte gezogen worden ist. (Lachen bei den Kommunisten/» Seit Jahrzehnten besteht schon die gesetzliche Bestimmung, daß Be­amte nur mit Zustimmung der Behörden Auf- sichtSralsposten übernehmen und daß sie daraus keine Remunerationen beziehen dürfen. Minister, die in ein Kabinett eirttreten, legen vorher ihre Aufsichtsratsposten nieder.

Hebet die Frage der StaatSform

habe ich mich schon in der Regierungserklärung unmißverständlich geäußert Der Abg Koch hat an mich die konkrete Frage gerichtet: Mißbilligen Sie jede Agitation gegen die Republik? Selbst­verständlich ja; anderrsetts beachte ich auch den Artikel 118 der Vw/assung, der jedem Deutschen das Recht der freien Meinungsäußerung inner­halb der gesetzlichen Schranken einräumt. Es liegt bereits ein einmütig gefaßter Kabinetts-

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