— Dichtung und Dicht Eine Schilderung der deutschen Lil
von
Copyright 1925 bh A Scherl ®. m. b. H., Berlin.
21. Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
Pelzmärtel.
«in Nürnberger Spielzeugrornan.
Nach dem Italienischen der Teresah erzählt Gustav W. Gberlein.
Es ist zweifelhaft, ob man einer bwnrtfgw «rn meisführung beitreten kann. Die sehr intereflantG 'Anlagen zu der Regierungsvorlage ergeben em BU| der Verteilung der Lohnsteuerpflichtigen nach bat Familienstande und nach der Höhe bts dtn» kommens.
Die Regierung rechnet in ihren Aufstellung« mit 19 Millionen steuervsUch.igen Arbeitnehmer^ Es sind zur Zeit 32,3 Millionen Steuerkarten ausgestellt. Unter die nunmehr auf 1300 Mk. erhöht» Grenze des nicht steuerbaren Einkommens falten <V> Millionen Arbeitnehmer. Don den 19 Million« Steuerpflichtigen werden
11,4 Millionen als ledig,
7,6 Millionen als verheiratet J angesehen. Von diesen als
ohne Kinder 1,2 Millionen,
mit 1 Kind und 2 Kindern je 1,4 Million«, mit 3 Kindern 1,1 Millionen, mit 4 Kindern rund 875 000, mit 5 Kindern rund 600 00 ufw.
bis zu 9 und mehr Kindern rund 121 000.
Bet der Verteilung nach der Höhe, des Einkorn- inens ergibt sich, daß 89 Prozent mH entern Einkommens bis zu 2400 Mk. anzunehmen sind. Da bl» zu einem Einkommen von 2040 Mark die Steuerfreiheit nach den bisherigen Familienermäßigungen vom dritten Kinde an besteht, könnte das Min^r- ergebnis durch eine stärkere Berücksichtigung der 11 Prozent Arbeitnehmer der mittleren und höheren Einkommen nach ihrer Kinderzahl nicht so außerordentlich hoch ins Gewicht fallen.
Steuer- und Sozialpolittk hängen eng zusammen. Wenn in der Reichsverfassung den kinderreichen Familien die ausgleichende Fürsorge des Staates zugesichert wird, so kann diese staatliche Maßnahme im wesentlichen nur in Steuererleichterungen bestehen, da eine Gehalts- und Lohnpolitik zugunsten der Kinderreichen sich vom Staate nur den Beamten gegenüber durchführen läßt. Diese Steuermäßigungen müssen den notwendigen Ausgleich gegen die Sonderbelastung bieten, die die kinderreiche Familie ohnehin infolge ihrer Kopfzahl durch jeden Gegenstand des notwendigen Lebensbedarfs in der indirekten Besteuerung erfährt. Jede neue Beölastung, jede Steiaerung des Preises der notwendigen Lebensbedürfmfle bedeutet eine Einschränkung der Lebenshaltung für die kinderreiche Familie, in den meisten Fällen einen weiteren Verzicht auf wertvolle Kulturgüter. Die kinderreiche Familie leistet In einer Zeit des Geburtenrückgang«, der sich vielfach zur Furcht vor dem Kinde steigert, in der Aufzucht der künftigen Staatsbürger dem Vaterlande einen erheblichen Dienst. Die Blüte und die Zukunft Deutschlands steht und fällt mit dem Wohle der kinderreichen Familien. Wenn jetzt, um glatte Summen herauszustellen und die steuerliche» Berechnungen zu vereinfachen, die Senkung der Lohnsteuer nach dem Regierungsentwurf sich auf eine Erhöhung des steuerfreien Einkommens beschrankt, so muß unbedingt daneben eine erhebliche Ermäßigung für die kinderreichen Familien eintreten.
Diese Ermäßigungen müßten wenigstens den Zustand wiederherstellen, der nach dem Steuerüber- lettun^sgesetz in der Zeit vom 1. Juni bis 1. Oftober
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Lenders.
(Aus der «Radio-Umschau'.)
DienStag, 22. Dezember:
3.30 biS 4 Uhr: Die Stunde bet Iuaend. 4JO bis 6 Uhr: Rachmittagskonzert des Haus- orchesterS: Viels W. Gäbe. 6 bis SLO Uhr- Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Ubr: Funkhochfchule ^cmkfurt a. M. (Abt. Gesundheit-Wissenschaft).- „Die Ausdauer und ihre Pflege". Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Fürstenheim. 7 Uhr- Uebertragung aus dem Frankfurter OpemhauS: ^Cavalleria Austicana", Oper in einem Akt von Pretro MaScagni. Anschließend: «Die Dajazzi". Oper in zwei Akten und einem Prolog
der Führerlosen". Sein Bestes hat er in dem Buche „Aus den nördlichen Kaltalpen" niedergelegt. Band 2.1 der „Bücher der Bildung" bietet unter ccm Titel „Einsame Bergfahrten" eine Auswahl de» Schönsten «u» dem längst vergriffenen klassischen Werk«. " 719
Schutz den Kinderreichen!
Von Direktorin Dr. Matz, M.d.R.
Bei der Schlußberatung des Einkommensteuergesetzes wurde im Reichstag ein Initiativantrag angenommen, der die Reichsregierung verpflichtet, sofern das Aufkommen aus der Lohnsteuer in der Zeit vom 1. Oktober 1925 bis zum 31. März 1926 den Betrag von 600 Millionen Reichsmark übersteigt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine Er- Höhung der Abzüge der kinderreichen Familien und des steuerfreien Betrages herbeiführt. Schon jetzt hat sich ergeben, daß das Aufkommen in der Lohnsteuer erheblich über 100 Millionen Mark im Monat hinausgegangen ist. Wie eine Uebersicht der Regierung nachweist, sind in den sieben Monaten vorn April bis Oktober 1925 insgesamt rund 869 Millionen Mark an Lohnsteuer vereinnahmt worden, d. h. durchschnittlich monattich ca. 125 Millionen. Infolgedessen hat die Regierung bereits jetzt einen Gesetzentwurf über die Senkung der Lohnsteuer vorgelegt, dem der Reichsrat zugesttmmt hat. Dieser Gesetzentwurf erfüllt allerdings nicht die erste Forderung des damaligen Jnitiattvgesetzes, die Erhöhung der Abzüge der kinderreichen Familien, sondern lediglich die zweite Forderung, die Erhöhuna des steuerfreien Betrags. Die Regierung schlägt eine Erhöhung des steuerfreien Gesamtbetrages von monatlid) 80 Mark auf monatlich 100 Mark vor, wobei der allaemeine steuerfreie Betrag auf 60 Mark und die Werbungskosten und Sonderleistungen je auf 20 Mark erhöht werden sollen. Mit Rücksicht auf die einfachere Berechnung empfehlen sich die runden Summen, die gewählt sind. Obwohl die Regierung durch diese Maßnahmen eine Mindereinnahme von 237 Millionen erwartet, bedeutet die Erhöhung des steuerfreien Betrages für den einzelnen Steuerpflichtigen lediglich eine Ersparnis von 2 Mark monatlich. Diese ist selbstverständlich in einer wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Zeit jehr willkommen und kommt neben dem Steuerpflichtigen auch der Wirtschaft zugute, indem durch die, wenn auch geringe Er- Höhung des dem Steuerpflichtigen verbleibenden Einkommens, ein Steigen der Kaufkraft eintritt.
Die Tatsache, daß wettere Familtenennäßigun- aen nicht voraesehen sind, ist jedoch außerordentlich bedauerlich. (Eine Erhöhung der Abzüge bei kinder- reichen Familien wäre deswegen um so mehr berechtigt, weil die Lage der kinderreichen Familien sich mit dem Inkrafttreten des Einkommensteuergesetzes am 1. Oktober verschlechtert hat. Die Mehr- leiftungen, die sich für die einzelne kinderreiche Familie, und zwar mit wachsender Kinderzahl ht einer unverständlichen Steigerung ergeben haben, sprechen sich in der Tatsache aus, daß die (Einnahmen aus der Lohnsteuer im Oktober trotz der steigenden Arbeitslosigkeit um eine Million Mark Mnüber dem September gestiegen sind. Diese eine Million Mehreinnahme bedeutet ausgesprochener- mafjcn eine Sonberbelaftung der Kinderreichen. In der Begründung der Regierungsvorlage wird aus- geführt, daß die Erhöhung der Familienermaßi- gungen, wie sie von den verschiedensten Parteien im Reichstag gefordert worden sind, das Lohn- lo™raÄmmen Leblich unter den Betrag von 1200 Millionen Mark jährlich herunterfenken und unerträgliche Steuerausfälle zur Folge haben würde.
zu erblicken war als ein dichterRosenschleter? dogen die Störche dix Flügel ehr und ließen sich auf dem Wolkenschifs langsam zur Grde herab. Voden, und in diesem Augenblick ertönte von Kaum merkte man's, so sanft berührte es den Voden, und in diesem Augenblick ertönte von
„Augen schließen!"
irgendwoher eine Stimme:
Aach einer Weile kam ein neuer Befehl: „Augen auf I“ >
ODaS war das? Die Wolke war verschwunden, und ein wundervoller Garten dehnte sich vor den staunenden Reisenden, so weit das Auge reichte. Unzählige große Schmetterlinge schwärmten um leuchtende Blumen, und aus einem langen Schattengang, der sich in lautet blühenden beeten verlor, traten lächelnd hervor die drei Puppenfeen Euphrasia, Zerlina und Sinsorosa.
„Willkommen im Feenland", sagte Euphrasia indem sie ihre Maske aus schwarzer Atlasseide aus Pompadourseibe war, und einen Fuß im Gavotteschritt vorsetzte.
. » haben euch erwartet", sagte Zerlina, indem sie ehre Maske aus schwerzer Atlasseide abnahm.
„Womit wnnen wir dienen?" sagte Sinforosa, indem sie sich zierlich fächelte.
Die Kinder rieben sich die Augen. So, wie mwi sich Feen vorstellt, sahen diese drei Damen nicht gerade aus. Die trugen ja keinen goldenen, mit Sternen bestickten Schleier, die hatten ja nicht einmal einen Zauberstab in der Hand! Das waren Feen, wie man sie au Hause auch haben konnte, für den Werktag sozusagen.
Und in der Tat, die Spielzeugfeen sind zwar muntere, entzückende Persönchen, aber keine imponierenden Erscheinungen. Auch mit ihrer Macht Nt es nicht weit her. Die große Fee, die Fata ■ OKorgana, hatte sie nur vorausgeschickt, um den Reisenden Mut zu machen. And das war gut Jo, denn als sie nun vor dem Feenschloß an- tomen und hoch oben auf der großen Freitreppe Morgema selbst stehen sahen, umgeben von allen Feen des SudenS und ihrem Hofstaat, einem bunten Gefolge von Zauberern, Hexenmeistern. Waldgeistern^ Zwergen und geschäftig herum- wuselnden Wichtelmännchen, da hätte sie ohne
de« Gwckenzuges ansichtig geworden, zogen sie auch schon daran. Ein barfüßiger Mensch kam, um zu öffnen. Er empftna sie voll Freude, war aber nicht wenig erstaunt, sie eine fremde Sprache sprechen zu hören. Otto und Liefet hätten ihm gerne erzählt, wer sie waren und woher sie kamen aber leider konnten sie sich nicht mit ihm unterhalten, denn das Mönchlein verstand kein Deutsch. Zum Glück war die Dachrinne deS KlösterchenS von Hunderten von Schwalben bewohnt, und die guten Schwalben zwitscherten gleich auf deutsch und italienisch loS:
Wir verstehen'- wir schon. Aoi ft, not ft, not ft, abbiamo capiitittilto.“
DaS war nun freilich sonderbar: die Schwal- ben verstanden die Kinder, die Kinder verstanden die Schwalben, daS Mönchlein hingegen ftel von einer Derwunderung in die andere.
„DaS rann ja gut werden", sagte Liesel verblüfft. „Wenn die Feen auch so sprechen wie diese- Kapuzenmännchen, tote sollen wir unS da verständigen V
tl »Die Feen sprechen tote ihr", zwitscherten die Schwalben.
DaS hörten die Kinder gern. Dem Mönchlein aber wurde recht eigen zumute, alS es sah, wie die Kinder und die Schwalben sich unterhielten Wenn er daS doch auch könnte! Sr fühlte sich so einsam in seinem Klösterchen. Wenn die Kinder wenigstens eine Zeitlang dableiben würden!
Aber Otto und Liesel waren schon im Begriffe sortzugehen. Sie hatten nun in Erfahrung gebracht, waS sie über die Feensprache wissen wollten, und wußten nichts Besseres, als möglichst bald im Feenland einzutreffen. Sie verabschiedeten ftch kurz, wobei ihnen der Mönch, der ein Gemüsegärtner war, zwei prächtige Fenchelköpfe überreichte. Alle drei erröteten, der
Einsamkeit, dem der Erlöser Tod schon so schnell folgen sollte. 608
— Eck ermann: Gespräche mitGoethe, herausgegeben von Dr. Richard Müller-Freienfels. 4 Bände in 2 Doppelbänden mit 568 und 709 Seiten und lö Lllüecn in Kupfcrtie^ruck. (Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin). Die Aufzeichnungen Eckermanns über feine Unterhaltungen mit Goethe find ein notwendiger Bestandteil unserer klassischen Literatur geworden. Die vorliegende Ausgabe, die der bewährten Hand von Richard Müller-Freienfels anvertraut worden ist, ist besonders wertvoll durch den Abdruck der Briefe Eckermanns an feine Braut und der „Beiträge zum Studium der Poesie", durch die seinerzeit Goethe auf Eckermann aufmerksam geworden ist. Ein sorgfältig gearbeitetes Register erleichtert die Benutzung des gehaltvollen Werkes. 700
Graf Hermann Keyserling, der Führer der Darmstädter „Schule der Weisheit" hat die Anregung zu einem „Ehebu ch" gegeben, das er nun mit dem erläuternden Untertitel „ein« Sinngebung im Zufammenklang der Stimmen führender Zeitgenossen" beim Verlag Niels Kampmann in Celle herausgibt. „Das Buch der Ehe will helfen. Deshalb sind Mut und Reinheit die beiden Urquellen feines Geistes". Kein Zweifel, daß Voraussetzungen und Ziel in hohem Maße erreicht sind. Sehr scharf und ungeschminkt stellt der Herausgeber das Eheproblem. Richt minder lauter und ernst beleuchten Mitarbeiter wie Frobenius, Tagore, Paul Ernst, Jakob Wassermann, Thomas Mann, die Fürstin Lichnowsky, Ricarda Huch, um nur einige herauszugreifen, die Entstehung der Ehe, die Eheideale der orientalischen Völker, die geschichtliche und soziale Entwicklung der Ehe im Okzident und schließlich die Ehe in allen ihren differenziertesten Beziehungen zum Leben. Abgesehen von seiner großen kulturpolitischen Bedeutung weist das Buch Wege in die Zukunft, an denen vorbeizugehen unklug wäre. 645
— Das Bildungsproblem behandelt Stu- bienrat Dr. V. Hen ry in einem streng methodisch gegliederten Werk, mit dem auseinanderzufetzen sich für Psychologen und Pädagogen — und welcher Pädagoae muß nicht auch Psychologe fein — gleicher- weise lohnt. (Verlag Quelle & Meyer, Leipzig.) 654
— Die schmucke und preiswerte Kunstwort- Bücherei (Verlag G. D. W. Collwey in München) hat ihre Reihe um weitere zehn Bändchen vermehrt. Bestes Gedankengut aller Zeiten und Völker, aus der schönen Literatur sowohl, wie aus den Gebieten der Philosophie und Kunst sind hier vereinigt zu einer kleinen auserlesenen Bibliothek, die manch großen Bücherschrank überflüssig macht. Als neue Bände bringt der Verlag Hölderlins Gedanke n l y r j k, von C. K. Fischer ausgewählt und ein- gleitet, eine prächtige Auswahl aus der Weis- ) e i t d e r B e d e n , der P. Th. Hoffmann eine auf- chlußreiche Einführung voranschickt. Die G e - chichte von Heming von Beate Bruns geht auf altisländifche Sagen zurück, und von nordischer Kraft spricht auch diese Dichtung. Eine moderne Dichterin aus dem Kunstwari-Krecs ist mit Marianne Bruns (Seliger Kreislauf) vertreten. Die unver- gönglichen Elegien des Properz bringt Otto APeltin neuer, schöner Uebersetzung. Die Sammlung RuffifcherErzähler wird fortgesetzt mit zwei Kosakenmärchen von Gogol. Die beiden folgenden Bändchen sind der G e d a n k e n d i ch t u n g der R o m a n t i k e r Vorbehalten. Auf naturwisienschast- liches Gebiet führt Anton Campa mit feinem inter- effanten und tiefgreifenden Aussatz „Die Physik in d e r K u l t u r". Den vorläufigen Beschluß der Reibe macht ein erstes Bändchen BiblischerGe- schichten aus dem Alten Testament. 583 m — Ernst von Bergmann. Von Arend Buchholtz. Mit Bergmanns Krieasbriefen von 1866, 1870/71 und 1877 sowie tageouchartigen Driesen aus San Remo über die Krankheit Kaiser Fried» richs. Vierte revidierte Auslage. Mit zwei Por- träts von Ernst von Dermann. Elegant gebunden 24 Mk. Verlag von F. C. W. Vogel in Leipzig. Kein würdigeres Denkmal konnte Ernst von Berg, mann, dem großen Meister der Chirurgie und prachtvollen Menschen, gesetzt werden, als diese schone Biographie. Es ist ein Lebensbild Ernst von Bergmanns, das eine Fülle interessanten Stoffes bietet. So sind schon Bergmanns Wiener Jugend- briefe von bestrickender Anmut, und vollends sind es ferne Reifebriefe aus Rußland, Spanien, Kon- ftantinopef ufw. Don besonderem Interesse sind vor allem die Aufzeichnungen Bergmanns über Krankheit und Tod Kaiser Friedrichs, die man nicht ohne tiefe Ergriffenheit über das tragische Geschick des Fürsten lesen wird. 841
Mönch als schüchterner Gastgeber und die Kinder, weil sie noch nie ein solches Gewächs gesehen hatten.
„Wiesenstelz," schrien sie von weitem, „hier ist nichts zu wollen. Los, abfahren!"
Die gefällige Störchin machte sich sofort bereit, aber Schnabelspitz und. Luginsland klap- perten höchst unwillig.
„Was für ein Ton!- sagte Luginsland.
„Halten die uns denn für Gepäckträger?" sagte Schnabelspitz, und schon zog sie beleidigt daS Dein hoch. „So, nun gerade nicht, jetzt schlafe ich.
__ Erst alS der Morgenhrmmel sich rötete, erklärte fie sich bereit, den Flug wieder auszu- nehmen. Leb wohl, schöner blauer See! Weiter ins Land hinein!
„Wo sind wir jetzt?" fragte Otto.
„3m grünen Umbrien", antwortete LuginS- land. „Wenn wir Zeit hätten, könnten wir unS von den Schwalben dte Geschichte vom heiligen Franziskus und seinem zahmen Wolf erzählen lassen. Die schönste Legende, dte es gibt. Vielleicht ein andermal."
„Hoffen wir'S", sagte HanS Sachs ein wenig bedauernd.
man wichtige Dinge vorhat, kann man sich nicht damit aufhalten, Altweiber- geschichten anzuhören", bemertte Krachauf trocken. „Hüte deine Zunge", mahnte Kunigunde. „Hter gibt es keinen Wind, dem du die Schuld für deine Streiche In die Schuhe schieben kannst, und keine Grotte, um ein zweites Mal Otto und Liesel aufzunehmen."
?? Berging mit Recken und Schabernack, mit Sticheleien und Zünkerein, denn daS Volk der Spielsachen ist von jeher etwa« streitsüchtig ge- toefen, die Zeit, und niemand merkte, daß die Störche die Flugrichtung geändert hatten. 3m "W fliegend, tote um ihre Spur zu verbergen näherten sie sich allmählich einer rosa Wolke, ote unbeweglich mitten am Himmel stand und k« schien. Aus einmal sah sich
die Reisegesellschaft In einen Wirbel von Rosen- blättern hmemgezogen, tote auf einem durch lauter Rosen fliehenden Strome glitten sie dahin. Sie waren in die Wolke geraten. Und als ringsum, oben und unten, nichts anderes mehr
— Dichtung und Dichter dar Zeit. Eine Schilderung Der deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte. Von Albert Soergel. Neue Folge: Im Banne des Expressionismus. 896 Seiten mit 342 Abbildungen. R. Doigtländers Verlag in Leip- zig. Gcmzleinenband 24 Mk. Das zuerst im Jahre 1911 erschienene Werk Soergels gilt als eine der besten Darstellungen der Zeit etwa von 1880 bis 1910. Jetzt tritt der Verfasser hervor mit einer „Reuen Folge", die er „Im Banne des Exvressio- nismus nennt. Dieses neue Werk umfaßt die Zeit etwa von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Diese Zeit der Umwälzungen erfüllt Literatur und Kunst der Expressionismus, der ebenso leidenschaftlich sich verdrängende wie bekämpfte Ausdruck eines neuen Wollens und Strebens. Die
— Bruno H. Bürgel: „Vom Arbeiter zum Astronomen" und „Weltall und W e l t g e f ü h l". (Beide Werke im Ullstein-Verlag, Berlin.) Der Astronom, Philosoph und Dichter Bruno H. Bürgel wurde am 14. November d.I. 50 Jahre alt. Vom Fabrikarbeiter hat er sich em- porgearbeitet „u den Höhen des geistigen Lebens. Kaum einer versteht es so wie er, die schwierigsten und tiefsten Probleme so klar und anschaulich darzustellen, daß der einfache Mann sie versteht. Dabei sind seine Darlegungen erfüllt vom Zauber dichterischer Gestaltung und oft ergreifender poetischer Schönheit. Seinen eigenen schweren Werdegang schildert er in schlicht-sachlicher Weise in dem Buche „B o m Arbeiter zum A st r o n o m e n". Als neuestes Werk seiner Feder erschien jetzt „W elt- all und Weltgefüh l". Das Buch zeigt, wie das menschliche Denken und Fühlen zu allen Zeiten von den Anschauungen über die Natur und die Ge- heimnisse des Weltalls beeinflußt wurde, wie Sternkunde und Sterndeutung die Grundlage der ältesten Weltreligionen und der naturphilosophischen Systeme aller Kulturen darstellte. Auch dieses Werk hinterläßt tiefftc Eindrücke und regt den Leser in hohem Maße zum Nachdenken an. 855 u. 685
Darstellung erstreckt sich im wesentlichen, doch mit verbindenden Ueberleitungen, auf Einzelpersönlich- feiten und Einzelwerke, diele aber durch eine Menge von wörtlich mitgeteilten Ausschnitten aus den Werken erläutert und belegt, so daß der Leser den Dichter mit dessen eigenen Worten erlebt. — Fast ebenso wichtig für das Verständnis sind die 342 Abbildungen, in denen sich die innigen Beziehungen der bildenden Kunst zur Dichtkunst auftun. Es sind vorwiegend Bildnisie, aber auch Bildwerke, die unmittelbar für ein bestimmtes Dichtwerk entstanden sind; Karikaturen, Satiren, Nachbildungen von Revollitionszeitsckriften: darunter, zur Heiterkeit stimmend, Dadaisten-Flugschriften: endlich eine Menge Proben von Dichter-Handschriften. Ein Werk, das zur Orientierung in der modernen Literatur bald jedem unentbehrlich wird. 642
— H. A. Kor ff: Die Lebensidee Goe- thes (Verlag I. I. Weber). Der kürzlich von unserer Landesuniversität als Nachfolger Albert Kösters berufene Literarhistoriker faßt in diesem Buch eine Reihe, zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Anlassen entstandener Aufsätze zusammen, manches davon ist auch durch Vorträge weiteren Kreisen unserer Stadt bekannt geworden. Einen Entwicklunasgana zeigen diese Aufsätze, der über das rein stoffliche Interesse hinaus fesselt. (428
— Otto Günther: Friedrich Schiller. Sein Leben und seine Dichtungen. Mit über 700 Abbildungen nach zeitgenössischen Bildern und Illustrationen. Herausgegeben mit Unterstüt- zung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach. Preis in Seinen gebunden 22,50 Mk. — Das Buch stellt sich die Ausgabe, Schiller seinen Kreis und seine Dichtungen in Bildern aus seiner Zeit aufleben zu lassen. Es bringt in seinem ersten Teile alle zeitgenössischen Bildnisie von Schiller, die bei der Frage nach des Dichters Aeußerem irgendeine Rolle spielen, es berücksichtigt die demDichter nahestehenden oder mit ihm in Verbindung getretenen Persönlichkeiten in größtem Umfange, es bringt zahlreiche Bilder von Oertlichkeiten, an denen Schiller geweilt hat. Auch eine Anzahl von Handschriftenproben werden veröffentlicht. Jrn zweiten Teile sind über 300 Illustrationen zu Schillers Dichtungen bis zur Zeit von etwa 1830 wieder- gegeben worden. In einer umfangreichen Einlei- tung unterrichtet der Verfasser, einer unserer besten Schlllerkenner, in lebendiger, kundiger Darstellung über Schillers Leben und Dichtungen. (Verlag von J.J. Weber, Leipzig.) 812
— Zur Lebensgeschichte Tolstois find in der letzten Zett eine Reihe wichtiger Dokumentensammlungen erschienen, von denen mit am wichtigsten die ^Briefe sind, die zwei Töchter des Dichters In verschiedenen Ausgaben fast gleichzeitig publizierten. ^Tatjana Suchotina Tolstoi leitet einen Bond Briefe unfeine Frau ein, die der Wiener '»Verlag Paul Zsolnay mit einer Reihe von Bildern Soeben hat erscheinen lassen. „Schritt für Schritt", so djreibt die Tochter, „entfaltet sich darin die innere Tragödie dieses großen Einsamen, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Menschen zu vereinigen, und dem es nicht beschieden war, mit dem Menschen, der ihm zunächst stand, und den er am meisten liebte, eine solche Vereinigung zu finden." Mit diesen Sähen ist die Bedeutung dieser Briefsammlung am treffendsten charakterisiert. Sie spiegelt die seltsame und ergreifende Geschichte dieser Ehe wider, die vom innigsten, zärtlichsten Verbundensein, vom vertrautesten Zusammenleben lange fünfzig Jahre hindurch bis zur inneren Entfremdung der Gatten, bis zu jener seltsamen Flucht des gequälten Dichters in die
sowie alle Arten «. Hautunrelnlgkelteo, HauteUMchilei ß IQtchen, Mitesser, eU. verschwind, d. tlgl. Oe brauch d echt« iftexfeenpfend -3easchn>efeL-&ife von Bergmann * Co., Bodebeul. überall zu haben.
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Vorbereitung bet Glanz geblendet, fte toären ge- storben vor Ehrfurcht, so majestätisch war der Anblick, so überwältigend der Eindruck der müchw tlgen Fee. Auch dte Zauberer mit ihren Zuckerhutmützen wirkten fast beängstigend. Äur Krach- aus — man weiß ja, daß dte Rußknacker voe «P1*?.11? Respekt haben — wagte zu flüstern: „Es steht aus, als ob fte Nürnberger Erker auf öem Stopfe hätten." So erhaben aber auch tbt Auß°r-s, war. di- F-- Morgan- halt- eint ötimme so süß und weich tote ein Wangew-' ftreuhefa. Und mit dieser streichelnden Stimme Hub fte nun an:
>^'?be Kinder, getreue Spielwaren, mutige wtorche! Von heute an betrachte ich euch alS meine teuersten Gäste. Euer sei dieses Schloß, euer der Garten. Meine Zwerge sind euere Diener, meine guten Kobolde euere Gefährten meine Zauberer euere Ratgeber. Pelzrnartin hat mich wissen lassen, tote und warum der große Kreuzzug der Rürnberger Spielwaren beschlossen wurde. Run Wohl, ich gewähre euch meinen öchut) und meine Hilfe, ich verspreche euch, einen Zauberrat einzuberufen, auf daß er überlege tote man Peter Tand dem Gefängnis entreißen kann, in dem er schmachtet. Seid ihr zufrieden?"
Morgana glaubte eine sehr schöne Rede gehalten zu haben unfr erwartete nichts anderes, als daß Otto und Liesel sich in Dankesbeteuerun- gen ergehen und ihr ein über das andere Maj die Füße küssen würden. Statt dessen machten die armen Kleinen große Augen und sahen sie ängstlich an. Wenn sie recht verstanden hatten, dann war also Vater nicht hier, sondern irt Nürnberg, man hatte ihn ins Gefängnis ge- worfen, und dort litt er nun Hunger und Kälte "ach feinen Kindern! Otto und Liesel fühlten, tote ihnen etwas das Her» zusammenprehte imb in die Kehle stieg, daß fte 3u ersticken meinten. Sie fielen einander in dte Arme und brachen in herzzerretßendeS Schluchzen aus.
Das also war die Ankunft im Feen land! $cen mfl6ten manchmal zu schweig«! verstehen , murmelte Hans Sachs zwischen M Zahnen,
(Fortsetzung folgt)


