Nr. 298 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) . Montag, 2l. Dezember (925 — w niiiiinMinmr mi ■ -tjtt.. *nstf
Für den Weihnachtsbüchertifch.
835
werden!
686
des Dichters nicht verlassen hätte.
halten.
Roman von ®.
Ida Boy-Ed AnS alten und
mein starkem Maße, besonders der letztgenannte, in dem Hamsun, der Große, sogar noch sein Werk „Segen der Erde" weit übertrifft. In diesen Dichtungen hat man besondere Zierden des guten Bücherschrankes vor sich, die bleibenden Wert be- 1493, 252
—S chibes. Bon Alma Johanna Koenig. (Lerlag Philipp Reclam jun., Leipzig, Preis 80 Pf.» — Eine fesselnde Hundegeschichte, die sich durch eine -geradezu verblüffende Kunst des Vor- trc.ges, durch straffe Gliederung und flotten Gang der Handlung aus,zeichnet. Schibes, ein Hundebastard, ist der einzige Freund eines Waldschmiedes, in dessen Einsamkeit eine Zigeunerin dringt. Der Hund, der den bösen Dämon seines Herrn in ihr erkennt, wird zu ihrem erbitterten Feind. Ein förmlicher Kampf zwischen dem Weib und dem Hund um die Seele des Herrn bricht los. Der Hund fällt zum Opfer. Diese Erzählung ist in ihrer knappen Prägnanz, in ihrer überquellenden Fabulierfreudigkeit ein kleines Meisterwerk. 378
— Norbert Jacques: „D e rKaufherr von Schanghai (Verlag Ullstein, Berlin), ein Roman voll packender, geschickt geflochtener Handlung, der bei dem augenblicklich starken Interesse für chinesische Dinge sicher viele Leser finden wird.
647
— Roda Roda, der Mann mit der roten Weste, hat nette Geschichtlein zu einem hübsch ausgestatteten Bande „D e r E y e g a r t e n" (Bild- und Buchverlag in Berlin) vereinigt. Reizende Frechheiten sind darunter, aber auch manches, was besser die Schublade
neuen Tagen. Novellen. Ganzleinen 6,50 Mk. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachf., Stuttgart und Berlin. Was Ida Boy-Ed, die fem- finnige Dichterin hier schuf, geht über die Ziele der Unterhaltungsliteratur hinaus. Die echt oolkstüm- limen Erzählungen, das reife Können und ein gütig verstehender Humor berühren unendlich wohltuend. Das Buch ist ein echtes deutsches fiaiis* buch. 806
— Rudolf Presber, der humorvolle Plauderer, der Causeur par ercellence, erfreut durch einen neuen Band lose zusammenhängender Erzählungen voll Grazie und Spannung. Das frühere „Die Zimmer der Frau von Sonne n f e Is“ war witzig schon durch feinen Rahmen, durch die Ide«, die kleinen lustigen und traurigen Abenteuer dieser Menschen, die eine kuriose Welt hier in ein Berliner Pensionat zwangsweise zusam- menweht, zu verbinden. Dem neuen Buch „D e r Tisch des Kapitäns" (Verlag Dr. Eysler & Co. A.-G.. Berlin SW 68; Preis in Seinen
Schöne Literatur.
— Die Diotima-Klassiker des Berlages Walter Hädecke in Stuttgart haben sich binnen kurzem eine gesicherte Stellung auf dem ,a gerade mit Klassiker-Ausgaben überschwemmten Büchermärkte errungen. Das verdanken sie einmal ihrer einfach würdigen äußeren Ausstattung, die, ohne in buch- lcchnischen Snobismus zu verfallen, ernst vornehme Bände zeitigte, zum andern der sorgfältigen Druckausstattung und schließlich der ausgezeichneten Mitarbeiter, die der Verlag für die Herausgabe seiner Klassiker gewonnnen hat. Uns liegen vor K l e i st s Werke und Briefe, die Manfred Schneider in 1 stattlichen Bänden bearbeitete, ferner Novalis, des seltsam weichen, tief religiösen Romantikers Werke in 1 Bande,, den Wilhelm v. Scholz besorgte. Neben diesen Ausgaben hat der Verlag auch noch sein Augenmerk aus die Herausgabe umfangreicherer Werke der Weltliteratur in äußerlich stark zusammen- gedrängter Form gerichtet. Dar wurde ermöglicht durch sehr sorgfältig hergestellte Dünndruckausgaben, von denen u. a. auch Fritz Reuters Werke zum erstenmal In dieser Form erschienen sind. „U t m i n c 31 r o m t i b", einer der bedeutendsten Romane un-
unb neuer Zeit geben prächtige Volks- uni) Landschaftsbilder von nah und fern, und der letzte Abs<Atttt .Von Narus Geschlecht" erzählt nm schlichter Drohe von den Wundern der deutschen Flugtechnik. 817
— Adolf Paul. Frau Sybrecht und die drei Hühnerdiebe. Kriminalgroteske aus der Zeit der Befreiungskriege. Umschlag. und Einbandzeichnung von Paul Renner. Preis geheftet 3 Mk., in Seinen gebunden 5 Mk. (Verlag von Albert Langen in München.) — Adolf Paul, der Verfasser des Buches „Die Tänzerin Bar-
ferer ßtteratur in seiner glücklichen Bereinigung von sonnigem, befreiendem Humor und tiefem, sitttlichem Ernst, bedeutend auch wegen der plastischen Schilderung der sozialen Verhältnisse um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, liegt uns in einem schönen, dunklen Ganzlederband vor, ohire die störenden Fußnoten, die durch ein ausführliches Wörterverzeichnis am Schluß des Bandes ersetzt sind. 867/69
— Tiara Viebig greift mit mutiger Hand die ernstesten sozialen Probleme unserer Gegenwart an, und mit dem seinen Takt der gütigen, verstehenden und verzeihenden Frau, die um die Not ihrer Mitmenschen weih und ihnen helfen kommt mit linder Hand, aber auch mit ehrlicher Klarheit und freiem Bekenntnis. Die „Passiv n", ihr neuester Roman (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) schildert den Leidensweg einer der Aermsten der Armen, einet erbarmungswürdigen Mädchens, dessen väterliches Erbe unheilbares Siechtum ist, das ohne Ellerichaus, früh mittellos, in der Welt herumge- stoßen wird, mit dem Makel einer Krankheit behaftet, die die Menschen mehr fürchten als den Tod. Es ist ein tieftrauriges Buch, eine furchtbare Mahnung uir Umkehr, zur Läuterung und sittlichen Erhebung.
713
— Joseph Laufs, der feinsinnige Schilderer nieberrheinilchen Menschentums und nieberrheml- scher Landschaft schenkt uns zu seinem 70. Geburtstag einen neuen Roman, der an Gestaltungskraft und abgeklärter Lebensweisheit seine besten Werk eerreicht. „Die heiligen drei Könige" (Verlag D. Grote. Berlin, geb. 6 Mk„ Gan-leinen 8,50 Mk., Halbfranz. 12 Ml.f schildert ein batte# niederdeutsches Dauerirgeschlecht, wie eS dort unten in dem düsteren, grauen Lande nahe der holländischen Grenze zu Hause ist. Stolz und Leidenschaft durchpulsen diese Menschen. die sich mit zielbewuhter Hartnäckigkeit ihr Lebensschrff nach eigenen Maßen zurechtzimmern. Zehn farbige Bilder des Dichters passen sich dem Rahmen des Romans glücklich an. 883
— Knut Hamsun, Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Deutsche Originalausgabe besorgt unb herausgegeben von I. Sandmeier. (Verlag von Albert Langen in München. Preis geheftet jeder Band 5 Mk., Ganzleinen geb. 10 Mk.) — Der 7. Band enthält den Roman „Die Stadt Segelfoß", der 8. Band bringt den Roman „Segen der Erde", während der 9. Band den Roman „Die Weiber am Brunnen" bietet. Diese Romane fesseln in unge-
— Eira Hellberg, Wenn die Grenze gleitet. In Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. Mit großer psychologischer Feinheit bringt die Dichterin in die tiefsten Gründe der weiblichen Seele ein. Der Wille zur Wahrheit, zur Reinheit, zum Guten, prengt alle Hemmungen. Für dieses so lang bedrückte und nun sich befreiende Weibtum gibt es keine Grenze mehr zwischen Gut und Döse. Hier pricht das innere Gesetz eines sich selbst findenden Menschen eine kategorisch gebietende Sprache. Die Buchstaben des Gesetzes werben zu einem Nichts. Die Grenze gleitet ... 790
— Kriminalinspektor Dr. Stett« n.
Roman von Lürdenau. (Verlag Otto Liebmann. Berlin.) — Sine Erzählung voll starker Spannung, die den Leser von Anfang bis Ende gefangen halt. Man wird das Buch, in dem der Knoten geschickt geschürzt unb in fesselnder Weise gelöst wird, mit Genuß lesen. 1261
Politik unb Geschichte.
_ — Friedrich Meinecke, D i e Idee der Staatsräson in her neueren Geschichte (verlegt bei R. Oldenbourg in München, geh. 10 Mk„ Seinen geb. 13 Mk., Halbleder geb. 15 Mk.). Es zeugt von dem außerordentlichen Interesse, das auch Laienkreise der Geschichte unb nicht nur den zahlreichen Memoirenwerken ober Darstellungen ber Tagesgeschichte, sondern auch dem unzugänglichsten Zweige der Wissenschaft, ber Geschichtsphilosophie entgegenbringen, wenn ein so gewichtiges, schwerflüssiges Werk wie bies jüngste Friedrich Meineckes, des Berliner Historikers, schon in so kurzer Zeit die dritte Auflage erlebt. „Staatsräson ist die Maxime staatlichen Handelns, das Bewegungsgesetz des Staates. Sie sagt dem Staatsmann, was er tun imzß, um den Staat in Gesundheit und Kraft zu erhalten. Und da der Staat ein organisches Gebilde ist, dessen volle Kraft sich nur erhält, wenn sie irgendwie noch zu wachsen vermag, so gibt die Staatsräson auch die Wege und Ziele dieses Wachstums an." Das in drei kurzen, prägnanten Sätzen die Definition, wie sie Meinecke feinem Buch voranstellt, die Basis, von der er in grandiosem Zuge die Idee der Staatsräson in der Entwicklung der staatsphilosophischen Theorien von Machiavell bis zur Gegenwart verfolgt. Den Kampf zwischen dem Streben nach Macht, als dem Triebe, der die Gattung Mensch zu geschichllichem Leben erweckt hat und erst 6taatengrünbungen unb damit die Erziehung des Menschen für große über- individuelle Aufgaben ermöglichte, der Kampf zwischen dem Machttrieb, ber Herrschlust unb dem ibealen Gefühl für Recht unb Sitte, bem ethischen Verantwortungsgefühl, dieses ewige Hin unb Her, bieses Gespaltensein in Natur unb Geist ist ber Inhalt bieser philosophischen Begrünbungen ber Staatsräson, ber Staatsnolwenbigkeit von Machiavell über Richelieu, Friedrich den Großen, Hegel unb Fichte zu Ranke, Treitschke unb unserer Gegenwart. Das Fazit des rückschauenben Historikers für Gegenwart unb Zukunft ist bie Erkenntnis, baß Staatsräson, Machtpolitik, Machiavellismus unb Krieg niemals aus ber Welt zu schaffen fein werden, weil sie mit ber Naturseite des Lebens untrennbar zusammen- gehören, beide, Machtpolitik und Krieg, vermögen auch nicht nur zerstörend, sondern auch schöpferisch zu wirken, aber ein Ideal ist diese Machtpolitik für Meinecke nicht. Der Staat soll sittlich werden unb nach ber Harmonie mit den Sittengesetzen streben, auch wenn man weiß, baß er sie nie ganz erreichen kann, baß er immer wieder sündigen muß, weil bie harte, naturhafte Nottvenbigkeit ihn bazu zwingt, ber hanbelnbe Staatsmann aber muß Staat unb Gott zugleich im Herzen tragen, um ben Dämon Machtstreben, ben er boch nicht ganz abschütteln kann, nicht übermächtig werben zu lassen. 1260
— Der Verlag F. Bruckmann 21.«®. in München bringt soeben bie Ausgewählten Aufsätze unb Briefe von Alfred Dove heraus, einem ber geistreichsten Schriftsteller aus ber Epoche 1870 bis 1916, der vor seiner zweiten Professur in Freiburg 1897 als Redakteur ber Allge- meinen Zeitung in München unb später als Herausgeber ber letzten Bände von Rankes Weltgeschichte über den engeren Fachkreis hinaus sich zahlreiche Freunde und Derichrer gewann. Was er auf dem Gebiete ber Geschichte unb Politik geschrieben, ist fast unerreicht an Glanz und Leuchtkraft unb per sönlicher Tiefe des Stiles, wie zugleich an geistvoller Prägnanz. Besonders aber sind seine Briefe, Die ihn als einen ber feinsten und vornehmsten Menschen feiner Zeit kennzeichnen, eine köstliche Bereicherung unserer deutschen Briefliteratur. Da er in regem Gedankenaustausch mit bedeutenden Männern, wie Freytag, Heyse, Ranke, Treitschke, Mommsen unb anberen geftanben ist, bilben seine Briefe neben einer höchst genußreichen Lektüre auch wertvolle Do-
5,80 Mk., in Halbleder 7 Mk.) liegt der gleiche Gedanke zugrunde, eine Frühlingsfahrt ins Mittel- tneer. ein Reisetagebuch, das zu einer Sammlung amüsantester Geschichten aus dem bunten Leben bet Mitreisenden wird.
— Iugendsehnen.
Kröhne. (Verlag F. W. Grünow. Leipzig.) — (Bin Buch voll feiner Stimmung, das man mit Freud« unb Spannung liest. Prächtig sind 6e- fvnder« die handelnden Personen gezeichnet. Das Buch verdient eine Empfehlung. 1210
— Friedr. Hufs ong, Hirsewcnzel.
<8tne neue Auslese. Verlag: August Scherl, G. m. b. H^ Berlin. Ganzleinen geb. 5,50 Mk. Dem ..Russischen 6t“ ist ein neuer Band köstlicher Zettsatiren, Äugenderinnerungen und Reiseschil- benrnflcn gefolgt. Alle feine Röte unb Sorgen, alle Wirren und Llnzulänglichkeiten der Gegenwart kann man auf ein paar glücklich: Tage spurlos vergessen bei der Lektüre von Hussongs neuer Auslese. Bunte Reiseerlebnisse aus alter
| berina" unb bes Bluct-erromans „Das heilige Donnerwetter", Adolf Paul, von dem man ja schon weiß, wie echt im Zeitkolorit und wie amüsant er langst vergangene Geschichten zu erzählen versteht, hat in dieser „Kriminalgroteske" ein kleines Meisterwerk geschaffen. Jede einzelne ber Gestalten des Buches ist mit vollendeter Menschenkenntnis und Meisterschaft geschildert. Ein Werk, das das Zeug dazu hat, ein echtes Volksbuch zu
lumente für das geistesgeschichttiche Deutschland zu Doves Zeiten. 734
— Studienrat Dr. Fritz Geyer- 'Alexander ber Große und bie Diadochen. (Wissenschaft unb Bildung Nr. 213.) Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Unter voller Beherrschung bes Duellrnmatermls versteht ber Verfasser es, uns die Riesengestalt Alexanders anschaulich zu machen. Nach einer kurzen -Schilderung seiner Jugend folgen wir seinem Siegeszuge, bc- u.unbern seine gewaltigen Leistungen als Regern, seine einzigartige Stellung als Staatsmann und Feibherr, seine Verjchmelzungspläne, seinen Versuch als Gottkönig Asiaten wie Griechen gleicher Weise feine Anerkennung als Weltherrscher zu er möglichen. Ein Ausblick auf die Umgestaltung bes Reichs unter ben Diadochen schließt das anregende Buch. 561
— Zu ber ausgezeichneten Sammlung Men scheu, Völker, Zeiten, eine Kulturgeschichte in Eiuzeibarstellungen, die Max Kemmerich im Verlage von Karl König in Wien erscheinen läßt, hat Alfred Brunswig von der Universitär Münster eine feine, auch in ihrem breit angelegten philosophi- idjen Teil sich bem Rahmen bes Gesamtwertes ein fugende Monographie über Leit» nitz beigesteuert, bie wie alle Werte bieser Reihe, durch bie Wieder - gabe zeitgenössischer Bildwerke reich illustriert ist.
585
— I. A. Farrer: Die europäische Politik unter Eduard VII. (Verlag F. Vruck- niann A.-G. in München), eine auf umfassendem Quellenstudium basierende Geschichte der gesamten europäischen Politik während Der Regierung König Eduards VII. Zum erstenmal ist hier von englischer Seite die ungeheuer bedeutsame politische Rolle Eduards VII., in besten Händen in der Tat bie Fäden ber ganzen europäischen Politik zvsammen- liefen, mit großer Klarheit unb Folgerichtigkeit auf- gebeckt und der Anteil des Königs an der Schaffung ber Atmosphäre, bie schließlich zum Kriege führen mußte, mit seltener Unparteilichkeit unb Sachlichkeit nachgewiesen worben. Das Buch ist für bie Kriegs- schul'dfrage hoch bedeutsam, und gerade für uns Deutsche liegt alle Veranlastung vor, es tenpen- zulernen. 735
Menschen und Völker.
— Unter Indianern unb Riesen- schlangen. Von H. Hintermann. (Verlag Grethlein & Co.. Leipzig. Mit 95 Abbildungen. Ganzleinen 16 Ml.) — Hintermann war der wissenschaftliche Begleiter einer brasilianischen Militärmission, der berühmten Rondo-Expedition. Er führt seine Leser ttef in die noch gänzlich unerforschten Wildnisse Zentralbrasiliens. Auf der Reise wurden mit dem Kurbelkasten (der ja bei keiner modernen Expedition mehr fehlt) Riesenschlangen, Wasserschweine, Brüllaffen und Tapire, ganz besonders aber die Gebräuche der noch in völliger Wildheit und Racktheit lebenden Indianerstämme kinematvgraphifch aufgenommen. Das Buch ist eine spannende Reisebefchreibung und enthält eine Fülle interessanter Tatsachen aus dem Leben der primitiven Menschen, ihre- Sitten und Gebräuche im Quellgebieldes Bin- gu, wo Korperdeformationen und Frauen- und Kinderraub noch gang und gäbe sind. Das sehr reich illustrierte Buch kann allen Freunden gediegener spannender Forschungsbücher empfohlen werden. 839
— China, das Reich ber Mitte ist feit uralten Zeiten baß Land ber Wunber unb unerhörten Reichtums. In unferm kleinen Europa sind wir im Lauf ber Zeit auf unsere „Fortschritte" stolz geworben, aber wenn mir einen Mann wie Marco Polo erzählen lassen, hören wir, daß es vor 700 Jahren in bem unermeßlichen Lande schon io vieles gegeben hat, womit wir Europäer ber Neuzeit uns brüsten wollen. Sogar bas Papier- gelb kannte man, unb obenbrein hatte es ber mächtige Herrscher Kublai-Ähan vermocht, um bie Inflation herumzukommen. Männer wie Sven Hebin fanden bei ihren Entbeckungsreisen bie Schilde- runge» Marco Polos vollauf bestätigt. Es fehlte bisher an einer honblichen zuverlässigen Ausgabe ber hochinteressanten Berichte. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß Dr. Albert Herrmann es unternommen hat, eine Auswahl der interessantesten Schilderungen Marco Polos als 11. Band ber bekannten Leipziger Brockhaus-Sammlung „Alte Reisen unb Abenteuer" unter bem Titel „A m Hofe bes Großkhans" zu veröffentlichen. (Geb. 2,50 Mk., in "Ganzleinen 3,20 Mk.) Vor Jahr- hunberten ein Stachel für den unersättlichen (tzold- hunger ber Menschheit, ist heute Marco Polos Bericht ein großartiges Dokument des ehrlich strebenden, der Erkenntnis der reinen Wahrheit dienenden Menschengeistes, ben fein Zeitalter in feiner Tätigkeit hemmen konnte. Heute erst recht, da die Probleme bes fernen Ostens sich wieder drohend erheben, ist Der Jahrhunderte alte Bericht Marco Polos von besonderem Interesse. Der Band ist mit fesselnden alten Bildern unb mit Karten reich ausgestattet. 377
— Südasiatische Fahrten unb A b eure u e r. Von John H a g e n b e tf unb Victor 0 i t- m n n n. (Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Dresden. In Halbleinen 8 Mk.) — Der bekannte Tierexporteur Hagenbeck erzählt in diesem dritten Bande seiner Erinnerungen, neben ;ahlreichen hochinteressanten, spannenden Jagderlednissen unb Reiseabenteuern, von leinen Erfahrungen auf bem schwierigen unb gefährlichen Gebiete bes Tiertransports. In zwangloser Plauderei führt uns der Verfasser im Geiste durch bie Dschungeln unb Steppen Vorberasiens, durch die Alpenwelt des Himalaya bis zu bem heiß umworbenen Mount Everest, bann weiter nach Hollänbisch-Inbien, Sumatra usw.. um schließlich mit einem Besuch im Reich des weißen Elefanten, in Siam, ab^uschließen. Außer- ordentlich fesselnde Bilder entrollen sich vor unserem geistigen Auge, starke Eindrücke von dieser fernen und reizvollen Wett da draußen nehmen wir als schönen Gewinn der Lektüre in uns auf. Dem ausgezeichneten Buche, das mit zahlreichen guten Photographien geschmückt ist, darf man die weiteste Verbreitung wünschen, denn es gibt gerade durch seine lebendige, plaudernde Sprache außerordentlich triel. Ein gutes Jugendbuch, das besonders unseren Jungens große Freude machen wird. 1550
— Georg Wegener, der einst Nansen bei feiner Rückkehr von ber berühmten Framdrift interviewte, ber mit bem Deutschen Kronprinzen nach Indien zog und heute als Professor der Geographie in Charlottenburg seinen Studenten von ben Wun
den ber wetten Wett erzählen kann, die er in einem Ausmaß mit eigenen Augen gesehen wie wenige ber heutigen Generation, veröffentlicht soeben bei F. A. Brockhaus, Leipzig, ein neues Werk: E i n neuer Flug des Zau der Mantels. Erinnerungen eines Wettreifenben (Leinen 13 Mk.). Wer unter Leitung Wegeners eine Fahrt durch die Länder des ..Zanbermavtels" unternimmt, vergißt das Elend in der Welt unb die Bosheit ber Men scheu unb vergißt wenigstens für den Augenblick die eigene Sehnsucht nach Freiheit in fremden Ländern und auf fremden Meeren. 800
Aus dem Reiche der Kunst.
— Die sechs Bucher ber Kunst. Herausgeber Univerfitätsprosefsor Dr. A. E. Brinckmann, Köln. — Zweites B u cd D i e Kunst bes Orients. Von Dr. Ernst Mühnel, Kustos an den Staatlichen Museen in Berlin. I" Mk. — Die sechs Bücher der Kunst sind bie billigste unb heft- ausgestattete Wettkunstgeschichte mittleren Umfangs. Sie stellen einen völlig neuen Typus der Kunstgeschichte bar, bie kulturwijsenschafttich eingestellte vergleichende Kunstlehre. Die Forderung ber Zeit nach klarem Ueberbtid und Erkenntnis des Wesentlichen wirb hier erfüllt. Wie überaus ergebnisreich dieser neuartige Leitgedanke ist, beweist insbesondere der Band über den Orient. Dr. Kühnel hat bei aller Zusammenbrängung unb Kürze es verstauben, die entscheidenden Merkmale und Wesenszüge der gewaltigen Kulturen des Islams, Indiens unb Ostasiens darzustellen. Es wirb hier einbringlidy klar, wie die heutige europäische Wissenschaft sich mit einer die Erde umspannenden Weite bes Gesichtskreises bas Verstänbnis bieser fernen ber euro- päifdjeii ebenbürtigen Hochkulturen erarbeitet hat. Die großen und zahlreichen Abbildungen, darunter seltene farbige Stücke, stellen bem Text bas anschaulichste Erläuterungsmaterial zur Seite. (Akademische Berlagsgesellschaft Athenaion Wildpark- Pcktsbam.) 833
— H. Maier-Heuser: Vertraute Stunden mit Thoma. Mit 16 teils erstmals veröffentlichten Bilbem Thomas. Rotapfel-Verlag, Zürich unb Leipzig. Geb. 5,20 Mk. — Ein Büchlein Erinnerungen, ausgeschrieben voil einer Frau, bie Hans Thoina unb feiner Schwester nahe geftanben. Schlicht erzählt sie von ben stillen Atterstagen, wo sie nm Lehnstuyl bes greifen Künstlers saß unb seinen Worten lauschte, wenn er erzählte und plan- berte unb um mancherlei Dinge, irbische unb un- irdische. feine Gedanken spann. Wo immer es angeht, läßt sie dem alten Manne das eigene Wort, jene klaren unb stillen Worte, die so tief zu ergreifen oennögen. 863
— Als Weihnachtsgabe bringt die Allg. '.Bereinigung für chrtstl. Kunst (München, Renatastr. 6) In ihrer ausgezeichneten Monographienreihe „Die Kunst bem Volke" ben Nochbruck ber prächtigen Nummer 3 „Weihnachten m ber Malerei" mit 48 der schönsten Weihnachtsbiiber. Das vortrefflich aus geftatete Heft bringt auf beftem holzfreien Kunstdruckpapier Reproduktionen von Meisterwerken ber großen Maler. U. a. sinb vertreten: Chirlonbojo, Botticelli, (Eorreggio, Guido Reni; von ben alt- deutschen Meistern Dürer, Lucas Cranach, Holbein, Stephan Lochner, von ber nieberlänbischen Schule: Memling, Rembranbt, Rubens, van Dyck. Der feinsinnige Text von Dr. Joh. Damrlck bringt sie im Sinne religiöser Kunst unserem Verständnis näher unb zaudert echte Weihnachtsstimmung hervor. Der überaus niedrige Preis von 1 Mk. für dieses Heft ermöglicht fast jedem bie Anschaffung unb macht diese Monographie besonders geeignet als Weihnachlsgabe. . 858
— W. Repfold: „Don Quijote". Zwanzig Lithographien in Originalgröße nach handgeschnittenen Silhouetten. (Verlag Earl Flemming L E. T. Wiskott, A. G., Berlin W. 50.) In trefflicher Weife hat es ber Künstler verstauben, ben Fi guren Don Quijotes mit feiner Rosin-ante unb feinem treuen Sancho Gestalt zu geben. Fein finniger Humor finbet in ben Scherenschnitten Aus- bruck, die burd) bie lithographische Wiedergabe fast nichts von ihrer Zartheit verloren haben. Diqe geschmackvolle Biibermappe wirb ftunftfreunben viel Freube bereiten unb ist zu Geschenkzwecken vorzüglich geeignet. 522
Wissenschaft und Bildung.
— Wieder läßt der Verlag Albert Langen fünf neue Bände seiner außergewöhnlich erfolgreichen, von ber Kritik als eine Kutturtat ersten Ranges bezeichneten „Bücher der Bildung" erscheinen und bereichert damit diese Reihe um höchst wertvolle Werke. Den Voralberger Bauern Fr. M. Felder schrieb in ber Zeit tiefsten Schmerzes, als ihm ber Tob fein Weib genommen hatte, bas packenbe Buch „Ausmeinem Leben", eins ber eigenwüchsigen unb wahrhaftigsten Dokumente beutlet) er Autobiographie. Die hier zum erstenmal veröffentlichten Briefe zeigen den immer strebend sich Bemühenden, dem als Ziel über allem Parteihader die Humanität sieht. — Die ,.W änderbaren Geschichten" des Eäsarius von Heister- dach waren eins der beliebtesten Bücher des Mittelalters. Weil man in ihnen erfuhr unb erlebte, wie es in Himmel und Hölle ausfah, wie man mit Gott unb bem Teufel umging, wie mitten im Alltag die blaue Blume des Wunders blühte. Wir freuen uns, baß uns bieser deutschlateinische Novellist in ber von Paul Weiglin besorgten Uebersetzung neu ge schenkt worden ist. — Die Briefe der Frau von S 6 d i g n e , das berühmteste Briefbuch ber Weltliteratur, sinb in ihrer köstlichen Frische heute noch so lebendig wie vor hundert Jahren. Heute noch sind sie bas intimste Zeugnis bcs „Großen Jahr hunberts" in Frankreich. Tony Kellen hat Ferbinonb Lothejsiens glänzenbe Auswahl aus biesem Briefkorpus neu durchgesehen unb ergänzt. — Vierzehn der schönen Eisays von Montaigne sind hier zufarnmengesteUi. Sie machen das menschliche Leben unb seine Probleme von ber Wiege bis zum Sterbelager phrasenlos unb mit kühler, überlegener Ge- laüenheil zum Gegenstand ihrer Betrachtungen. Ein bei anderer Vorzug ber Sammlung besteht barm, baß ber Herausgeber, um bie Montaignesche Gedankenwelt möglichst zugänglich zu machen, ben Mut fanb, endlich die Mehrzahl der lateinischen Zitate zu streichen, deren Ueberfüöe erfahrungsgemäß viele Leser lediglich davon abgefchreckt hat, ben innerlich heitersten französischen Denker zu genießen. — Der moderne Alpinismus ist eine Äul- turberoegung geworden. Einer seiner klaMschen Vertreter war Hermann v. Barth, ber „Führer


