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73
August berechnete Grohhandelsindexziffer des Statistischen Amtes ist gegenüber dem Stande vom 12. August (134,2) um 1,9 Prozent auf 131,6 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise für Getreide, Kartoffeln, Schmalz, Zucker, Rindfleisch, Erbsen, Baumwolle, Baumwollgarn und Maschinenöl. Höher lagen die Presie für Butter, Schweinefleisch, Milch, Baumwollgewebe, Leinengarn, Hanf und einige Mischeisenmetalle. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 133,9 auf 129,8 oder um 3,1 Prozent nach gegeben, während die Jndustriestoffe mit 134,8 unverändert blieben.
Börsenkurse. _______________
Frei geworden.
Erzählung von Klara Prieß.
(Nachdruck verboten.)
„Du, Aenne! Hans sagt eben, daß Braten vom mündlichen Examen dispensiert ist, als einziger, denk' mal. Schade, daß er keine Mutter hat, die sich darüber freuen kann! Wenn ich dächte, Papa und ich erlebten das auch mal an unfern beiden Jungen'"
Frau Oberlehrer Schumann seufzte tief auf. Sie stellte den Schlusselkorb auf den Tisch und zog sich das schwarze, gehäkelte Tuch enger um die Schuld tern, Venn sie fror wieder einmal. Es war recht kalt in dem langen, schmalen Eßzimmer, das dem alten Vorderhaus als Flügel nach dem Hofe hin cm- gebaui war. Bei Oberlehrer Schumanns wurde noch einem weisen System des Hausherrn nur vom 15. Oktober bis 1. März geheizt. Im sogenannten Sommerhalbjahr überließ man es vertrauensvoll der lieben Sonne, für die Erwärmung der Wohnung zu foraen. Und die Märzsonne tat auch heute soviel, wie sie mit dem Kalender und ihren übrigen Pflichten vereinigen konnte. Sie war eben um elf Uhr vormittags drüben über den roten Dächern der Hinterhäuser, die den schmalen Hof von der anderen Seite einschlossen, aufgestiegen und schien nun in (vchullehrers Eßzimmer hinein. Die Sonnenstrahlen legten einen breiten, glänzenden Streif über die weiße, brüchiae Wachstuchdecke des langen Eßtisches. Sie versuchten, den alten Mahagonistühlen einen Schimmer von Glanz und Politur zu geben und das Gesicht der Frau Oberlehrer so rosig erscheinen zu lassen, wie es in feinen jungen Tagen einmal gewesen war. Ihre beste Kraft und Wärme aber gaben sie dem erhöhten Sitz- platz in der Ecke, am letzten Fenster. Hier stand auf einem altmodischen, hölzernen Tritt ein Mahagonitisch und ein Korblehnstuhl mit rotgesticktem Leinenkissen. So recht im warmen Sonnenschein saß dort ein junges Mäda-en.
Sie war reizend anzusehen mit dem sonnendurchleuchteten Blondhaar und dem Glanz einer großen Freude in den blauen Augen. Das einfache blaue Blusenkleid stand ihr gut und war durch ‘ einen weißen Kragen und ein rotes Güttelbano freundlich aufgepuht.
122.25 । 0.4
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5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Netchsanleihe .
3’/»% Deutsche Reich?anlethe 3P/Ö Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparpränüen.m leihe 4% Preußische KonsolS . . .
4% Hessen 3*/:°/n Hessen
3°.o Hessen........ • •
Deutsche Lertb. DollarAnl. dto.Doll Schatz Anwcilng.')
4% Zolltürken 5% Goldmexikaner
Berliner HandelSqesellschaft. Commerz und Prrval'Bant.
Darmsl. mid Rationalbank - Deutsche Bank.........
Deutsche Bereinsbank . . . DiSconto Commandit .... Metallbank Mitteldeutsche Crcdttbank. . Oesterreichische Creditaustalt. Weslbank............
Bochumer Guh Buderus Caro..............
Deutsch Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. .
Harvencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln 2aurahütte Oberbcdars Phönix Bcvgbau Rhcimtabl Riebccl Montan Tellus Bergbau Hauwurg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd Cheramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmanu
Anglo-Cont Guano Badische Anilin........
Chemische Mäher Alapin . . Goldschmidt Gricsl cimer Cleciron . . . . Höchster Fardwexkc ..... Holzverkohlung........
RütgcrSwcrke Scheideanstalt.........
Allg. ElcktrizitälS-Gesellschost Bergmann Mainkrastwerke Schuckerl........ . .
Sieulens & Halske
Adlerwerke Kleher Daimler Motoren Hehligenstacdk Meguin.............
Motorenwerke Mannheim . frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Brann . . . Metallgesellichaft Frankfurt. Det. Union Ä -G Schuhfabrik Herz Sichel..............
Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .
Frankfurt a. M., 20. Aua. An der heutigen Abendbörse verlief das Geschäft sehr ruhig, die Stimmung war nicht unfreundlich und die Kurse zumeist gehalten. Chemische Aktien begegneten etwas Interesse und Kaufneigung. Am Montanmarkt waren Phönix gegenüber der schwächeren Notierung an der Nachbörse um 1 Proz. gebessert. Am Bankenmarkt zogen Darmstädter und Deutsche Bank um je 0,5 Proz. an. Kriegsanleihen leicht gebessert zu 1,150. Die Abendbörse schloß still in behaupteter Haltuna. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihen 0,147*, Schutzgebietsanleihd 2850. Ausländische Renten: Zolltürken 6,25, Bagdad II 6,25. Bankaktien: Comerz- bank 94, Darmstädter Bank 112,50, Deutsche Bank 114,25, Discontogesellschast 103,75, Dresdner Bank 100,25, Mitteldeutsche Creditbank 93,25, Reichsbank 121,62, Oesterreichische Kreditaktien 7,37. Montanaktien: Harpener 89,25, Mansfelder 63,75, Phönix 64,25, Rhein. Braunkohlen 114,25, Kali Aschersleben
0.15 0.305
0 2825 0.6025 0,1025 0.2475
0,23 0,24 0,21
91.75
94,55
6.4
Frankfurt a.M.
Berlin
Aurs bork
Schluß, flut»
Schlutzft Mittag bötfe
Datum:
19. 8. i 20 8.
19.8.
20 8
119. Chemische Aktien: Badische Anilin 121,50, Chemische Griesheim 115, Th. Goldschmidt 66,25, Höchster Farbwerke 116,12, Holzverkohlung 4,80. Jn- dustrieaktien: Adlerwerke Kleyer 47,50, AEG. 95, Dyckerhoff & Widmann 28,75, Elektrisch Licht und Kraft 96, Eßlinger Maschinen 36,5, Jnag 0,51, Gebr. Junghans 65, Rhein. Metall 26,50, Zucker Heilbronn 54,75.
Berliner Börse.
Berlin, 20. Aug. Die Börse eröffnete heute in freundlicher Verfassung, was aber hauptsächlich auf markttechnischc Gründe zurückzuführen ist, denn es scheint jetzt die ernsthafte Absicht zu bestehen, gegen säumige Effektenlieferanten energisch vorzugehen, da die in letzter Zeit breite Baisfespekulation durch die Ankündigung umfangreicher Exekutionskäufe an den führenden Marktgebieten zu Glattstellungen gezwungen war, konnte das Kursniveau allgemein eine Befestigung erfahren. Die Eindeckungen werden dadurch erleichtert, daß der Geldmarkt sein flüssiges Aussehen beibehält. Gegenüber diesen börsentechnischen Momenten spielten äußere Einflüsse kaum eine Rolle, so blieben die umfangreichen A r b e i t e r k ü n d i g u n g e n in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie für Anfang September, von denen etwa 20 000 Arbeiter betroffen werden, wirkungslos. Auch die zahlreichen Meldungen über die Lohnkämpfe im Reiche hatten keinerlei Einfluß. Tägliches Geld ist unverändert mit 7,5 bis 9 Prozent zu haben. Monatsgeld stellt sich auf 10,5 bis 11,5 Prozent. Der neueste Reichsbankausweis zeigt gleichfalls eine zunehmende Erleichterung der Geldverhältnisse. Am internationalen Devisenmarkt ist die gestrige Bewegung des Pariser Franken zum Stillstand gekommen. Nordische Devisen waren nur gering verändert. Das englische Pfund stellte sich im Zusammenhang mit der für heute erwarteten Diskontermäßigung in England auf 4,8518/a2 gegen Kabel. Die Reichsmark notierte in London 20,40, Paris 5,07, Amsterdam 59,04.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
(In Billionen Mark aoSgedrückt. BaenoS-AireS, London, Neu- York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien nnb Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.)
Telegraphische Auszahlung.
19 August
20. August
Amtliche Notierung
Amtliche Meld
Dotierung Brief
(Seid
Brief
168.99
169,41
169,11
169,53
Buen-Aires Bkss.-Bntw
1.693
1,697
1,692
1.697
1913
19,21
19,25
19,09
Christiania.
78,05
78,25
78,17
78,37
Kopenhagen
96.48
96.72
96,63
96,8?
Stockholm .
112,78
113,06
112,86
113,14
HelfingforS.
10.572
10.612
10,572
10,612
(Italien. .
15.22
15.26
15,165
15,205
London. .
20, »2
20,434
20,382
20,434
Neuyork . .
4.195
4,205
4,195
4,205
Paris....
19,74
19,78
19,70
19,74
Schweiz . .
81 38
81,58
81,44
81,64
Spanien. .
60.44
60,10
60.37
60,53
Japan . . .
1.718
i) 514
1,722
1.718
1,722
>Hio de Jan
>.516
0.511
0.513
Wien in D- Cefl. obgeft
59.08
59,22
39,08
59,22
Prag ....
12.422
12,422
12.42!
12.462
Belgrad . .
7.50
7,52
7.50
7,52
Budapest. .
5 895
5,915
5,895
6,915
Bulgarien .
3.03
3.04
3.03
3.04
Lissabon .
20 825
20.875
20,875
20.895
Danzig. . . Konstantin.
80 80
81.00
80,80
81,00
2.475
2.485
3,45
3,47
Athen. .
6 50
6.55
6.53
6.55
Banknoten.
Berlin, 20. August.
Geld
Amerikanische Noten .....
4.19
4,21
Belgische Noten........
19,02 96,41
19,12 X6,89
Dänische Noten........
Englische Noten........
20,345
20.445
19.79
169,74
Französische Noten......
Holländische Noten......
Italienische Noten......
19,69
168,63
15,23
15,31
Norwegische Noten......
Deutsch-Oesterr., 5100 Kronen
77.90
78,30
59.15
59.4>
Rumänische Noten......
—
—
Schwedische Noten......
Schweizer Noten.......
112.54
81,37
113,10
81,77
Spanische Noten.......
60,10
60.40
Tschechoslowakische Noten . .
12.38
12,44
Ungarische Noten.......
5.84
5.88
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^
Frankfurt a. M., 20. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer (neue Ernte) 24,50 Mk., Roggen, inländischer (neue Ernte) 20, Sommergerste für Brauzwecke (neue Ernte) 26 bis 28,50, Hafer, inländischer (alte Ernte) 20,50 bis 23, Mais gelb 22, Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,25 bis 40,25, Roggenmehl 29 bis 29,50, Weizenkleie 11,50, Roggenkleie 12,25 Mk. Tendenz: stetig.
Sie hatte die Hände im Schoß gefaltet und sah ganz still hinauf in das Stückchen blauen Himmel, das die Dächer drüben freiließen, und dachte ihre eignen, glücklichen Gedanken weiter, während die Mutter in hrem gewöhnlichen, klagenden Tonfall fortfuhr:
„Es ist so schade, daß das Examen auch gerade auf einen Samstag fallen muß. Ich hätte Braten an seinem Ehrentag so gern was anderes gegönnt. Du weiht doch auch, daß er sie nicht ausstehen kann, nicht wahr, Kind?"
„Wen kann Braken nicht ausstchen, Mutti?"
„Unsere Frikondellen — aber du hörst ja wieder gar nicht zu, Aenne. Und du weißt doch, daß heute Samstag ist und daß wir Frikondellen essen müssen."
Anna lachte. Es war so ein recht übermütiges, jungfrisches Lachen.
„Aber, Mutti, quäl’ dich doch nicht so unnötig — was liegt ihm an deinen Frikandellen?"
„Wenn die Frau Oberlehrer argwöhnisch gewesen wäre, hätte ihr der triumphierende Ton auf-, fallen müssen, mit dem ihre Tochter dies eine Wort ,ühm" aussprach. Vielleicht wäre ihr dann auch die Tatsache eingefallen, daß man zwei Leute nie direkt beim Namen nennt: den Schatz und den Henker.
Aber das Leben hatte sie so mürbe, so nervös und ängstlich gemacht, daß sie alles Denken über die Alltagspflichten und Sorgen hinaus längst verlernt hatte. Sie blieb bei ihrem alten Thema:
„Weißt du, Kind, Braken hat doch neulich zu unserm Hans gesagt, Samstags lebten in den Fri- tändelten die schrecklichen Erinnerungen an alle Gerichte der ganzen Woche wieder auf. Ich möchte den Jungens ja auch lieber mal was anderes geben. Eigentlich mag ich sie auch selbst gar nicht gern, aber der Vater will's doch nun einmal so. Und reichlich haben es die Jungens doch immer bei uns, dafür sorg' ich dock! Braken will allerdings immer etwas Apartes Haven, sie nennen ihn ja auch den Prinzen. Aber er war immer ganz besonders nett gegen uns beide, nicht wahr, Aenne? Ich konnte ihn immer gut leiden — und nun muß er gerade heute an seinem Ehrentage Frikondellen essen!"
Die Frau Oberlehrer hotte sich nun glücklich in einen Jammer hineingeredet, der nächstens in einen Tränenausbruck enden mußte. Anna kannte dos. Sie sprang auf, streichelte und tröstete die Mutter, wie sie das fn solchen Fällen immer tat.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
(Eigener Drcchtberichl des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 20. Aug. Auftrieb: 32 Rinder, darunter 25 Ochsen, 3 Bullen, 4 Färsen und Kühe, 812 Kälber, 623 Schafe, 615 Schweine. Es kosteten: Kälber: feinste Mastkälber 82—90 Mk., mittlere Mast- und beste Saugkälber 75—83 Mk., geringere Mast- und gute Saugkälber 65—74 Mk., geringe Saugkälber 50—58 Mk.: Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48—52 Mk., geringere Masthämmel und Schafe 39—47 Mk., mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 22—35 Mk.: Schweine: vollfleischige von 80—100 Kilogramm 90—92 Mk., vollfleischige unter 80 Kilogramm 85—89 Mk., von 100 bis 120 Kilogramm 90—93 Mk., von 120—150 Kilogramm 90—93 Mk., Fettschweine über 150 Kilogramm 90—92 Mk., unreine Sauen und geschnittene Eber 80—85 Mk. Marktverkauf: Kleinvieh bei lebhaftem, Schweine bei langsamem' Handel ausoerkouft.
Berliner ProdLktenbörfe.
Berlin, 20. Aug. Der Produktenmarkt nxir etwas fester, das Geschäft blieb aber beschränkt infolge Mangels an Kauflust. Die Ursache hierfür U hauptsächlich die, daß die Frage des Einfuhrscheines noch immer nicht geklärt ist. Gerste, nur gute Drauware, gefragt, Hafer behauptet. Roggenmehl war mehr begehrt als Weizenmehl, Futterartikel ruhig. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, rnärk. 237 bis 241, do. Mecklenburger 236 bis 237, do. September 255,50, do. Oktober 257, d. Dezember 262,50 bis 262, Roggen, märk. 174 bis 181, do. September 195,50, do. Oktober 201,50 bis 201, do. Dezember 205,50, do. westpreuh. 165 bis 170, Gerste, märk. 240 bis 272, Frsttergerste 189 bis 197, Hafer, märk. 186 bis 195, do. Oktober 187, Mais (lvko Berlin) 214 bis 218, Raps 350 bis 355; für je 100 Kilo: Weizenmehl 32,75 bis 35,25, Roggenmehl 25,75 bis 27,50, Weizenkleie 13,50, Roggenkleie 13,20, Diktoriaerbsen 27 bis 35, kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25, Wicken 26 bis 28, Lupinen, blau 12,50 bis 14,50, do. gelb 15 bis 16,50, Rapskuchen 16,60 bis 16,80, Leinkuchen 23,40 bis 23,80, Trockenschnihel 12,20 bis 12,50, Torfmelasse 9,80, Kartoffelstöcken 25 bis 25,30, Zucker 22,20 bis 22,40.
Büchertisch.
— Sie(fntmict(ung5(inieber!Dlenfd)= heit. Grundzüge einer Weltanschauung. Bon Prof. Dr. F. Strecker. (Wissenschaft und Bildung Nr. 212.) Das Buch geht aus von der Entwicklung des Kosmos, schildert die Entwicklungsrichtung der leblosen und lebenden Natur und behandelt die Entwicklungsursachen für den Ausbau der Organismenwelt. Vier weitere Abschnitte sind dem Menschen und der menschlichen Gesellschaft gewidmet. 438
— Alexander der Große und das W e l t g r i e ch e n t u m bis zum Erscheinen Jesu. Don Geheimrat Professor Dr. Th. Bitt. 2. verbesserte Auflage. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Mit wunderschöner Plastik versteht es Bitt, die Zeit, die fast 21 Jahrtausend hinter uns liegt, ganz dicht an uns heranzuzaubern. Wir atmen den Geist des Hellenismus, als würden wir unmittelbar von ihm befruchtet und hätten selbst das unsere noch dazu beizutragen. Mit packender Anschaulichkett werden die Jahrhunderte des Hellenismus so an uns herangebracht, daß wir sie, von blutvollem Leben angefüllt, unserer Zeit unmittelbar gegenüberstellen können. 445
— „Theater und Sport" heißt das Thema, das in dem soeben zur Ausgabe gelangenden zweiten August-Heft der illustrierten Halbmonatsschrift „Das Theater" (Derlag Berlin W 9) von einer Reihe der bekanntesten Künstler und Künstlettnnen der deutschen Bühnen in Wort und Bild behandelt wird. Richt minder interessant ist eine außerordentlich reich illustrierte Plauderei „Die Geheimnisse der Theatergarderobe", die eine Reihe unserer berühmtesten Dühnenmitglieder bei den letzten Vorbereitungen zum Austreten zeigt. Eine Reihe von kleineren Theaterattikeln ergänzen den Inhalt des Heftes.
— „D i e Frau und ihr Haus", Zeitschrift für Kleidung, Wohnung, Wirtschaft, Körperpflege, Erziehung, Dolkswohlfahrt. Herausgegeben von der Werbesteste für Deutsche Irauen- kultur, Köln. Verlag: G. Braun, G. m. b. H, Karlsruhe i. B. Erscheint monatlich einmal. Bezugspreis halbjährlich (6 Hefte) 3 Mk., jährlich (12 Hefte) 5 CDU.. Cinzelheft 60Pf. Heft ll(August) 5. Jahrgang 1924/25. Einfache aber geschmack-
„Aber, Mutter, nimm es doch nicht so tragisch, es wird ihm heute schon alles recht sein."
„Aber ich möchte es ihm doch so gern ein bißchen heimatlich und festlich machen, wenn er nun gleich nach Hause kommt. Vielleicht könnte ich schnell eine Apfeltorte holen. Und vielleicht — wenn Papa guter Laeune ist, frage ihn mal — da sind noch die zwei Flaschen Mosel von seiner Geburtstagsbowle her."
Anna bestärkte die Mutter eifrig in dieser Absicht. Der Frau Oberlehrer wurde schon leichter ums Herz.
„Also, du meinst, ich könnte die Torte wirklich holen, ohne Vater erst zu fragen? Dann geh' ich lieber gleich felbft. Und du siehst wohl mal nach den Frikondellen daß das Mädchen sie nicht wieder so nüchtern macht wie vorige Woche."
Anna half der Mutter draußen auf der Diele in den Umhang, begleitete sie bis zur Haustür und hielt dort ein Weilchen, wie wartend, auf der Schwelle Ausschau. Eng und stattlich zog sich die alte Straße mit ihren Giebelhäusern rechts hinauf bis zum Marktplatz, links hinab zum Fluß und Hafen der Stadt, die von hier aus ihre Schiffe weit über die Ostsee sandte.
Früher, als auch noch die reichen Leute betriebsam und genügsam in ihren Geschäftshäusern wohnten, gehörte die alte Straße zum vornehmen Kaufmannsviertel. Die hohen Giebelhäuser hätten von manch stolzen Namen, von viel Mühe und Arbeit und von reichen Festen erzählen können. Aber wer irgend konnte, zog jetzt hinaus in die hellen Villen der Vorstädte, und die alten Häuser waren billig zu haben.
So hatte auch Oberlehrer Schumann ganz richtig spekuliert, als er das alte Haus kaufte und dann die Zinsen der Hypothek so ziemlich mit dem ^Kostgelde seiner Pensionäre bezahlen konnte. Seine Tochter Anna hatte das alte Haus lieb und ein starkes Heimatgefühl für die alte Straße.
Aber heute schien nichts Neues und Anziehendes da draußen zu fein.
Anna ging langsam zurück ins Haus und über die fteingepflafterte, große Diele, die ihr Licht durch ein paar hohe Fenster von der Hofseite erhielt. Diese Fenster mußten auch die Küche mit erhellen, die, durch eine vielscheidige Glaswand von der Diele abgetrennt, rechts vor der Eßzimmertür und hinter der stattlichen Treppe zum ersten Stockwerk lag.
volle Entwürfe zu Haus-, Fest- und Wander» kleidern, Herbst- und Reisemänteln. Ergänzt durch einen Schnittmusterbogen.
— Der Aufsatz „Das Mittelmeer im Laufe der Weltgeschichte" von Generalleutnant Heinrich Meyer bildet die Einleitung des soeben erschienenen Heftes 4196 Der „3 11 u ft r i e r t e n Z e i- tung“ (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Er schildert die wechselvolle Geschichte dieses Meeres und führt uns die Bedeutung jener Region auch für die Gegenwart vor Augen. Ferner wird die 700°3ahrfeier der Stadt Witzenhausen durch einen mit reichen 3llustrationen ausgestatteten Artikel von Karl Loeffelholz gewürdigt. Ein Dildertableau aus der Eiswelt Graubündens zeigt das gewaltige Wunder dieser Bergwelt. Dem Reiche der Archäologie ist die Arbeit von G. .W. Eberlein: Die rätselhafte Basilika unter der Erde entnommen.
Nundfunk-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 22. August.
4 Ahr: Wetterbericht Der Gießener Wetterdienststelle. 4 Ahr: WirtschaftsmeHpagen. 4.20 Ahr: Nachrichtendienst. 4.30 bis 6 Ahr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Italienische Opern. 6 Ahr: WirttckaftsmelDungen. 6 bis 6.30 Ahr: Die 3ugendfiunde: Aus: „Gockel, Hinkel und Gackeleia" von Clemens Brentano. 6.30 bis 7 Ahr: Der Briefkasten. 7 bis 7.30 Ahr: Aus Histotte und Fantasie (Anekdoten und Rätsel). 7.30 bis 8 Ahr: Stenographischer Fottbildungs- kursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8 bis 8.30 Ahr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: Vortrag von Herrn Studienrat Dr. Majer-Leonhard: „Lehrer und Schüler". 8.30 bis 9.30 Ahr: Claude Debussy (geb. 22. August 1862) 1. Erste Rhapsodie für Klarinette und Klavier, 2. Epigraphes antiques. 6 Stücke für Klavier zu vier Händen, 3. Drei Lieder nach Mallarme, 4. Kammersonate für Cello und Klavier in D-Moll. £.30 Ahr: Rache- richtendienst, Wettermeldung. 9.35 Ahr: Die Spätankündigung: „3rving Berlin!" 9.45 Ahr: Sportfunkdienst. 10 bis 11 Ahr: Heiterer Abend, Programm u. a.: Dichtungen von Liliencron, Fal«, Dehmel, Dusch. Fontane, Daudet, Wild, Andersen, Rückert, Groth, Keller, Mynona, Morgenstern.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
3sr. ReNglonSgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge. (Südanlage). Samstag, d. 22. August. Vorabd. 7.15 morg. 8,30, abds. 7.40 u. 8.20.
Gottesdienst der isr. RrligionSgesellschafl. Sabbatseier den 22. August 1925. Freitag abend 7.05, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausgang 8.20, Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 7.00.
Gleich links neben der Haustür ging es in Des Oberlehrers Zimmer, das nach der Straße hin ein großes Fenster hatte.
Im Vorbeigehen warf Anna einen flüchtigen Blick in die Küche. Hier hantierte im Halbdunkel Minna, jenes „tüchtige und arbeitsame Mädchen zum Alleindienen in einem größeren Hausstände", das der Oberlehrer erst kürzlich mit Hilfe des Generalanzeigers gefunden hatte. Aber Anna nahm heute weder die Minna noch das Mittagessen wichtig. Sie setzte sich wieder in die Sonne auf Musters Näh- platz und dachte ihre eignen, jungen Gedanken weiter.
Sie hatte gewußt, daß es so kommen mußte. „Er" war ja hundertmal klüger und besser wie all die andern. Das mußte Anna genau beurteilen können, denn seit vielen Jahren nahm ihr Vater Gymnasiasten als Pensionäre in sein Haus, und sie chatte Gelegenheit gehabt, eine ganze Reihe dieser jungen Leute genau kennen zu lernen: kleine, heimwehkranke Sextaner, welche Die Anfangsgründe des Latein durchaus nicht begreifen konnten, eingebildete Quintaner, selbstbewußte Quartaner und Tertianer in der Blüte ihrer Flegeljahre, mit denen am aller- schwersten auszukommen war. Die Sekundaner fingen bann schon an, liebenswürdiger und galanter zu werden. Ein Primaner war freilich eine Seltenheit in des Oberlehrers Hause, da die Zucht bei ihm als eine allzu stramme galt.
Max Brakens Erscheinen vor zwei Jahren hatte deshalb einige Sensation erregt. Anna wußte heute noch genau, wie damals alles gewesen.
Sie war zu der Zeit ein langaufgeschossener Backfisch und eben mit der Schulmappe nach Hause gekommen, als Max Braten klingelte und ihren Vater zu sprechen wünschte. Sie fühtte ihn in des Oberlehrers Zimmer und lungerte bann noch ein Weilchen auf der Diele herum bei dem großen Klei- berftänber, wo auf numerierten Haken jedes Mitglied des Hausstandes Mantel und Hut aufzuhängen hatte — auch eine von den weisen Einrichtungen des gestrengen Hausvaters.
Anna war neugierig, was dieser schlanke, hübsche Mensch mit den blanken, dunklen Augen und den visp>»rsprechenden Anfängen eines braunen Schnurrbartes bei ihrem Vater zu suchen hatte. Hinter dem Kleiderständer ließ es sich ganz hübsch an der Zim- mermanb lauschen. (Fortsetzung ftrtgtl


