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Nr. (95 Zweites Blatt

wiegener Anzeiger (wenerai-Anzeiger |ur Bveryeftc,,,

Freitag, 2(. August (925

weitgehende prüjungsbefugniflc de; Finanzamt; innerhalb der Geschäfts­räume «apitaloeriehrsstcuerpflichtiger

Zirmen.

Zu die ent Thema enthalten die Gründe eines Urteils deS Reichsfinanzhofs (II Se­nat) vom 26. Juni 1925 <Aktenzeichen II A 275 251 Ausführungen, aus denen das Nach­folgende bemerlenswert und für die in Frage kommenden Steuerpflichtigen, wenn fic Unan­nehmlichkeiten und Bestrafungen vermeiden wollen, beachtlich ist

Eine prüfungspflichtige Firma ist verpflichtet, eine nach den Be immungen des Kapitalverkehrs- stcuer- und des Wrch e^stenergesetzeS vom Finanz­amt für erforderlich gehaltene Nachprüfung in ihren Geschäftsräumen zu gestatten, und zwar in der Nähe der Buchhaltung und Negistra- tut. Bei solchen Nachprüfungen find dem Prü­fungsbeamten alle von ihm gewünschten Urkunden, Geschäftsbücher usw., die nach sei­nem Ermessen von Erheblichkeit sein können, vorzulegen, und es ist jede gewünschte Aus­kunft zu erteilen. Die Beschwerdeführerin han- dclte den ihr gesetzlich obliegenden Berpfstch- tungen zuwider, alS sie |*f) weigerte, eine Nach­prüfung in ihren Geschäftsräumen vor­nehmen zu lassen. Denn es genügte nicht, bah sie sich bereit erklärte, im Bureau ihres Steuersyndikus jede gewünschte Auskunft erteilen zu wollen. Die Nachprüfung durch das Finanzamt erschöpft sich nicht in der bloßen Ent­gegennahme von Auskünften der Prüfungs- bea ule must sich vielmehr durch Einsichtnahme in die Geschäftsbücher ein eigenes Urteil über die Richtigkeit der Angaben des Steuerpflichtigen zu machen in den Stand geletzt werden. Zu diesem Zweck ist gerade die Einrichtung der ört­lichen Nachprüfung geschaffen; sie bedeutet eine Erweiterung der ohnehin schon dem Finanz­amt zustehenden Befugnis, sich eine Auskunft durch Vorladung des Steuerpflichtigen an. Amts­stelle zu verschaffen. Die beschwerdeführende Firma hatten jedenfalls nicht das Recht, dem Prüfungsbeamten anzusinnen, die Prüfung in dem Bureau des Steuersyndikus vorzunehmen, welches keinen Bestandteil ihrer eigenen Ge­schäftsräume bildete. Vielmehr war die Firma verpflichtet, im Bureau des Syndikus sich be­findende Geschäftsbücher und sonstige Urkunden auf Verlangen des Prüsungsbeamten herbeizu- schafsen. Und auch der Syndikus, wenn er als Bevollmächtigter der Firma gemäh § 88 der Reichsabgavenordnung Hande.le, war verpflichtet, in den Geschäftsräumen seiner Firma die Nachprüsung der Geschäftspapiere zu ermög­lichen. Die örtliche Nachprüfung bezweckt die Feststellung von Tatsachen, die sür das Finanz­amt zur Beurteilung von steuerpflichtigen Vor­gängen bei der zu prüfenden Sache von Wichtig­keit sind. Mit dem Dorliegen oder Nichtvorliegen deS Verdachts einer Steuerzuwiderhandlung hat deshalb die Verpflichtung der betr. Firma, eine Nachprüfung in ihren Räumen in der geschilder­ten Weise zu dulden, gar nichts zu tun.

Turnen, Sport und Spiel.

Der Rhön-Segelflug.

Wasferkuppe, 20. Aug. (WTD.) Der heutige Tag brachte den ersten St artver» such der Russen. Gegen Mittag flog Iakow- tschuk auf einem Eindecker ll/i Minuten. Rege Beteiligung fand, besonders von feiten der jün­geren Segelflieger, der Zielflug. Den ersten und zweiten Preis holten sich die beiden Martens­schüler Hofmann und Hoppe. Abends starteten gleichzeitig Papenmeyer auf demAlten Dessauer" und Martens aufMoritz", beide in Richtung des Roten Moors, und erreichten 2650 bzw. 2750 Meter Entfernung. -Unmittelbar darauf flog Stainer aufMax" in derselben Richtung und landete nur 50 Meter von Martens entfernt. Espenlaub schloß sich mit einem 7-Kilornelerflug an. 3m übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß im Lause der nächsten Woche eine einmalige Segelslugpost abgebt, die nur etwa 500 Briefsachen befördert und außerdem einen Stempel trägt. Anträge dafür sind an die Rhön-Rofittengesell- schaft zu richten.

Austritt der Turner aus dein DR A.

In der Sitzung des Hauptausschusses der Deutschen Turnerschast in Detmold wurde der Beschluß gefaßt, aus dem Deutschen Reich s--

Neueste Scharlachforschung

Bon Dr Waldemar Schweisheimer.

Scharlach ist nach wie vor eine sehr häufige und in Anbetracht der Komplikationen und Nach­krankheiten eine heimtückische Krankheit. Zu der Sicherheit in der Ursache und der verhältnis­mäßigen Gewißheit günstiger Beeinflussung, wie man fic der Diphtherie gegenüber gewonnen hat. ist man beim Scharlach noch nicht gekommen. Es erregte drum Aufsehen, als vor einiger Zeit berichtet wurde, zwei amerikanische Aerzte hätten so große Fortschritte in Erkennung und Behand­lung des Scharlachs erzielt, daß sie zur Verlei­hung des Nobelpreises vorgeschlagen worden seien.

Wie neuere Berichte erkennen lassen, ist das tatsächlich der Fall. Das ..Gorgas Memorial Institute of Tropical and Preventive Medicine", in dessen Vorstand neben bekannten Wissenschaft­lern auch Präsident Eoolidge sitzt, hat die zwei Ehicagoer Aerzte George Dick und feine Frau Gladys H Dick wegen ihrer Forschungen und Behandlungsmethoden des Scharlachs zum No­belpreis vorgeschlagen Es handelt sich um Ar­beiten auf dem Gebiet der Serologie, um Her­stellung eines diagnostischen Serums, eines Der- hütungs- und eines Behandlungsserums. Die Seren sind bereits in einer Anzahl amerikanischer Staaten in Verwendung. Frankreich, China und jetzt auch die Tschecho-Slowakei find bereits ge­folgt Eine ausgedehnte Llntersuchung in Reu- york und Neu-Icrsey berichtet über Erfolge bei 8000 Schulkindern

Man hat als Scharlacherreger oder -mit- erreget schon feit langem den hämolytischen Streptokokkus in Verdacht. Es sind das Bak­terien, Kokken, die sich im mikroskopischen Bild kettenförmig aneinanderlegen und die Fähigkeit besitzen, rote Blutkörperchen zur Auflösung zu bri.igen (Hämolyse). Die verichiebmen Schar- lachseren (z. D. das von Woser) sind daher im

ausschust für L e i b e s ü b u n g e,. auszu­treten, da die Deutsche Turnerschaft ihre turne­rische Eigenart in dem Deutschen Reichsaus'chust nicht zur Geltung bringen könne Die Deutsche Turnerschast ist jedoch bereit mit dem D R A bei den allgemeinen vaterländischen Aufgaben weiter zu arbeiten, und neue Formen der Zu­sammenarbeit mit dem D. R. A. zu suchen.

Kirche und Schule.

rt. Hungen, 20. Aug. Im Solmser Hof versammelten sich dte evangelischen Geistlichen des Dekanats Hungen unter Vorsitz von Dekan E n g e l - Obbornhofen zu einer Konferenz Pfar­rer N a u m a n n - Melbach hielt die Eröffnung. Darauf entrollte Pfarrer Wagner- Bensheim in einem fesselnden, reich illustrierten Vortrag erschütternde Bilder von der Not der deutschen evangelischen Gemeinden im Ausland, besonders in den abgetrennten Gebieten. Die daran an­schließende Besprechung galt der Vorbereitung zur Teilnahme an der großen deut schen Gustav Adolf-Tagung, die vom 20 bis 23. September in Gießen stattfinden wird. Sonderzüge werden dafür sorgen, daß am 20. September die evangelische Bevölkerung ganz OberhessenS in Massen in Gießen erscheint

Da d-N au heim. 20. Aug. DieRein- h a r d s k i r ch e ist vor dem Kriege von der russischen Gemeinde schon als griechisch-ka­tholische Kirche eingerichtet worden. Die kost­bare Ausstattung des Gotteshauses ist auch wäh­rend des Krieges von denDeutschen Barbaren" unangetastet geblieben. Sie stand längere Zeit für die gottesdienstlichen Verrichtungen im Rus­sen-Gefangenenlager zu Friedberg zur Dersügung und hat nach dem Friedensschluß wieder unver­sehrt in der hiesigen russischen Kirche Aufnahme gefunden. Da zur Zeit wieder Kurgäste des griechisch-katholischen Glaubensbekenn tni Ises in größerer Zahl zur Kur hier weilen, finden nach über zehnjähriger Pause seit diesen Tagen erst­malig wieder russische Gottesdienste hier statt, die sehr feierlich verlaufen und immer eine große Zuschauermenge anlocken. Es amtiert Seine Eminenz Bischof Ty cho. Berlin.

Landwirtschaft.

!! Vom Vogelsberg. 20. Aug. Seit etwa 27 Jahren hat die Kulturbaubehörde be­gonnen, die ausgedehnten ilnlänbeteien und Wüstungen zu verbessern und in Nutz- und Weideland umzuwandeln. Diese Kulturarbeiten haben den Zweck, die Viehzucht, die im Vogelsberg vorherrscht und somit die Haupt- crwerbsquelle bildet, zu heben und zu fördern. Hauptsächlich sind es die Kreise Schotten und Lauterbach, während Alsfeld nur in gerin­gerem Maße beteiligt ist. Ist nun eine solche Wüstung zur Melioration bestimmt, so werden die Felsblöcke, Ameisenhaufen und das Strauch­werk beseitigt, das Gelände wird cingecbnet, Gruben und Löcher zugefchüttet und Hügel ab­getragen. Die sogen. Wundstellen werden mit Gras- und Kleemischung eingesät und dann wird die Fläche mit Kalk, Kali und Thomasmehl tüch­tig gedüngt. Die Folge dieser Behandlung ist ein üppiger Graswuchs. Für die Ge­meinden ist es unbedingt Pflicht, nach einigen Iahren die Düngung zu wiederholen, wenn die Weiden nicht wieder verkümmern sollen. Durch Fachleute hat sich schon bis jetzt feststellen lassen, daß in den betreffenden Orten Milch» und Fleischertrag bedeutend zugenommen hat, die Viehzucht ist also ständig produktiver geworden. Auf den Hutweiden gedeiht ein gesundes und leistungsfähiges Milchvieh. Hier tummelt sich das Iungvieh und entwickelt sich aufs beste. Vor allem wird auf'jeder Weide eine Tränke an­gelegt. Im letzten Iahre wurden umfangreiche Arbeiten ausgeführt, die das llnlanb größten­teils in Wiesen ober Weiden und nur einen kleinen Teil in Ackerland verwandelten. Der hessische Staat zahlt in dankenswerter Weise zu den Meliorationsarbeiten die Hälfte der Ausführungskosten, die Gemeinden die an­dere Hälfte. So wurden Verbesserungsarbeiten in den letzten Jahren ausgeführt: im Kreise Lauterbach zu Ilbeshausen, Crainfeld, Engel- rod und Grebenhain: im Kreise Alsfeld zu Brauerschwend: im Kreise Schotten zu Ober­seemen, Kaulstoß, Michelbach und Burkhards. Die Gemeinde Burkhards hat in diesem Früh­jahr weitere 18,5 Morgen Oedland in Wiesen- gelänbc verwandelt. Die Nachbargemeinde Kaul­stoß ist diesem Vorbild von Burkhards gefolgt.

allgemeinen auf Kulturen von Streptokokken auf­gebaut. Aber die Rolle des Streptokokkus war doch rocht unklar. Man fand ihn zwar fast immer bei Scharlachfällen, konnte jedoch den Be­weis nicht erbringen, ob er ilrbeber oder zufällige Begleiterscheinung der Krankheit fei. So ist es begreiflich, daß von andrer Seite Zweifel daran geäußert wurden, daß der Streptokokkus über­haupt ursächlich mit dem Scharlach zu tun habe.

Die Forschungen der Dicks gingen von An­fang an unbeirrt auf den hämolytischen Strepto­kokkus los. Sie versuchten zunächst an Tieren, ob es möglich ist, durch seine Uebertragung Scharlach hervorzurufen. Obwohl sie mit ver­schiedenen Tieren arbeiteten und einzelne Er­krankungszeichen erzeugen konnten, gelang es ihnen nie. einen typischen Scharlachfall zu be­wirken. Das war allerdings nicht beweisend: denn ein Krankheitserreger, der beim Menschen ein bestimmtes Krankhettsbild hervorruft. muß nicht notwendigerweise auch bei Tieren ein glei­ches ober ähnliches Krankheitsbild im Gefolge haben

So galten die nächsten Versuche der Frage, ob sich beim Menschen experimentell Scharlach erzeugen läßt. Es fanden sich in Chicago hin­reichend Leute, die sich freiwillig zu diesen wich­tigen Untersuchungen hergaben. wie ja auch in andern Gegenden und zu andern Zwecken das opferwillige Interesse von Menschen, die der Wissenschaft dienen ober Der Menschheit helfen wollen, oft außerordentlich groß ist. Es wurde solchen Freiwilligen zunächst Blut unb Blutserum von Scharlachkranken unter Die Haut gespritzt: dabei wurden aus Vorsicht nur leichte Erkran» kungsfälle ausgesucht. Diese Versuche verliefen ergebnislos: es traten keine Neuerkranlungen an Scharlach bei den Geimpften auf.

Infektionskrankheiten, nehmen häufig vom Rachen aus ihren Einzug in den Körper. Dort finden die Erreger einen günstigen Anfiedlungs- punkt unb von dort aus bringen sie in bie Schleimhaut, inS Blut und weiterhin an alle

fic beruanbeii das llnlanb zwischen beiben Orten - es handelt sich um etwa 16 Morgen in Wiesen bzw. Weiden. Der Plan der Kultur- baubebörbc geht dahin, nach unb nach im Vogels­berg etwa 300 Morgen Oebland zu Grünland zu gewinnen.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 17. Aug. Der 34jäbrige Arbeiter I. cd), aus Zotzenbach ist angeklagt, im September 1919 zwei vollendete und einen versuchten, im Juli 1920, im November 1921 und im November 1922 je einen vollendeten Einbruchs- bzw. E in* steigcdiebstahl in der hiesigen Heil und Pslegeanstalt gegangen zu haben. Er ist rütf'äüiger £icb unb ein ganz gefährlicher Ausbrecher. Er ist bereits mehrmals aus verschiedenen ctrafanftaltcn ausgebrochen. Er begeht in der Freiheit sofort Dieb­stähle. wird gefaßt und pendelt dann zwischen Straf- anstatt und Irrenanstalt hin und her. Obwohl geistig und moralisch minderwertig, geht er bei seinen Ein und Ausbrüchen mit großer Kühnheit, Geschicklichkeit und Ucbcrlegung zu Werke. Vor allem versteht et meisterhaft zu simulieren und durch seine geheuchelte vollständige Apathie Mitleid zu erregen. Er wurde aber von den hiesigen Aerzten erkannt und für ver- antwortlich und oerhandlungsfähigerklärt. Bei feiner Einlieferung im Frühjahr 1924 in die hiesige Heil- und Pflegeanstatt legte er einem Wärter ein um­fassendes Geständnis ab. Er schilderte die einzelnen Taten in allen ihren Einzelheiten und gab als einen Mittäter in dem einen Fall einen M. aus Aschaffen­burg an, den man bisher mit Namen nicht gekannt hatte. Dieser wurde ermittelt, gestand die Tat ein. wurde abgeurteilt und erkennt heute mit Bestimmt­heit in dem Angeklagten seinen früheren Komplizen wieder. Unter diesen Umständen half ihm daher sein späteres Leugnen nichts. Er wurde zu einer Ge­samtstrafe von 6 Iahren Zuchthaus verurteilt: die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt.

Wirtschaft.

Weitere Entlastung dcr Rcichsbauk.

Die Entlastung des Reichsbankstatus hat in der zweiten Augustwoche weitere Fortschritte ge­macht. Nach dem Bankausweis vom 15. b. Mts. wurden 577 Mill. Rm. an Wechsel unb Corn- bardkrediten von der Wirtschaft zurückgezahlt und 34 Mill. Rm. in Rediskonten seitens der Reichsbank an öffentlichen Stellen neu begeben. Dementsprechend gingen die Wechselbestände der Bank um 88,2 auf 1617,9 Mill. Rm. und die Lombardforderungen um 3.5 auf 20.3 Mill. Rm. zurück. Der Effektenbestand zeigt eine geringe Vermehrung um 0.2 auf 201,9 Mill. Rm. Für die gesamte Kapitalanlage ergab sich danach eine Abnahme um 91,5 auf 1840,1 Mill. Rm. Die Summe der rediskontierten Wechsel erhöhte sich von 445,3 auf 479,3 Mill. Rm.

Der Banknotenumlauf hat sich weiter um 99,4 Mill, auf 2373,2 Mill. Rm., der Um­lauf an Renlenbankscheinen um 49,2 auf 1572,7 Mill. Rm. vermindert: im ganzen hat also der Verkehr während der Berichtswoche 148,6 Mill. Rm. papierne Geldzeichen abgestoßen. Durch die Rückflüsse erhöhten sich die Kassenbestände der Bank an Rentenbankscheinen von 215,5 auf 264,7 Mill. Rm. Die fremden Gelder vermehrten sich um 116 auf 926,3 Mill. Rm. im wesentlichen wieder durch Zugänge bei den öffentlichen Gut­haben.

Die Deckungsreserve an Gold und Devisen stellte sich auf 1472,2 Mill. Rm., davon 1114,5 Mill Rm. in effektivem Gold unb 357,7 Mill. Rm. in Deckungsdevisen. Die Notendeckung durch Gold und Devisen besserte sich von 59,5 auf 62 Proz., die Deckung durch Gold allein er­höhte sich dabei von 45 auf 47 Proz. Die Scheidemünzenbestände der Bank nahmen um 1,4 auf 68,6 Will. Rm. zu.

Börsen Umsatzsteuer.

O Berlin, 20. Aug. Demnächst wird im Reichsgesetzblatt die 12. Verordnung über die Bör- ienumsatzsteuer erscheinen, die mit dem 1. Sept, in Kraft tritt und folgenden wesentlichen Inhalt hat:

Anschaffungsgeschäfte über ausländische Zah­lungsmittel unterliegen der Börsenumsatzsteuer nur, soweit inländische Zahlungsmittel als Gegenleistung vereinbart sind.

Von der Börsenumsatzsteuer befreit sind 1. Anschaffungsgeschäfte über ausländische Bank­noten, ausländisches Papiergeld oder auslän- ländische Geldsorten sowie über Zins- und Ge­

stellen des Körpers ein. Der nächste Schritt war daher die Untersuchung und Verwertung des Rachensekretes, in dem der hämolytische Streptokokkus oft seinen Aufenthalt hat Em Teil des Rachensekretes wurde filtriert und dann überimpft. Es war nämlich die Behauptung auf- gestellt worden, bah der Scharlacherreger so klein fei. daß er durch Porzellanfilter hindurchgehe Bei diesen Versuchen trat keine Erkrankung ein. Die nächsten Versuche wurden mit Streptokokken­stämmen angestellt, die von Scharlachkranken (ohne Begleitkrankheiten) gewonnen worden waren. Einige der Geimpften erkrankten an Halsent­zündung, wie sie eine häufige Begleiterschei­nung des Scharlachs ist, an Fieber, aber es tarn nicht zum Auftreten des typischen roten Haut- ausschlages, der ein Hauptzeichen von Scharlach darstellt.

Die Dicks ließen sich dadurch nicht entmu­tigen. Sie nahmen an, daß diese Versuchsper­sonen gegen Scharlach vielleicht besonders un­empfänglich waren, vielleicht durch eine früher bereits durchgemachte Scharlacherkrankung. Es wurden daher zu den weiteren Versuchen nur solche Freiwillige genommen, deren Vorgeschichte genau bekannt war. Hier trat alsbald ein Erfolg ein. Eine Kultur von hämolytischen Streptokokken, die aus dem Finger eines Scharlachkranken ge­wonnen worden waren, wurde in den Rachen eines Freiwilligen eingerieben: prompt trat Er- kraykung an Scharlach auf, mit Fieber, Haut- ausschlag unb allen zugehörigen Zeichen Die Kultur toar nicht filtriert worben Andre Frei­willige wurden mit einer durch ein Berkefeld- Filter getriebenen Kultur in gleicher Weise be­handelt: sie blieben gesund. Nach zwei Wochen, als sich gar nichts ereignete, wurden die gleichen Personen nochmals geimpft, aber mit einer unfittrierien Lösung von Streptokokken. unb 48 Stunben später hatte sich bei ihnen ein typi­scher Scharlach ausgebildet!

Als Scharlacherreger toar ber hämolytische Streptokokkus damit festgestellt. Es blieb aber

winnanteilscheine, die auf ausländische Wäh­rung lauten, fofern der Wert des Gegenstände» nicht mehr als 2" Rm. beträgt.

2. Anschnjiungsge'chane. die die Abgabe von auf anslantmd-e Währung lautenden Zahlungsmt- tcln an die Reichsbank oder an die Devisen- beschaffungssteile. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Berlin, zum Gegenstand haben.

Die Steuern des § 61 des Kapitalverkchrssteuer- gefetzes (Bezugsrechtsteuer» wird bis auf weiteres nicht erhoben.

T*ie 5iot)leiifürbcriiii(i bed Nuhrbergbaue- int Juli 1925.

Die Kohlenförderung des Ruhrgebiets (ft auch im Monat 3uli im Vergleich zum Vor­monat stark zurück gegangen. Die Gesamt­förderung war zwar höher, doch ist dies ledig­lich auf die höhere Zahl der Arbeitstage zurück- Aufubrcn 3m 3uli 1925 stellte sich die Gesamt- förberung auf 8 811 053 Tonnen in 27 Arbeits­tagen gegen 7 881 549 Tonnen im 3um 1925 in 23 . Arbeitstagen unb 8 403 531 Tonnen int Mai 1925 in 25 Arbeitstagen Die arbcltotäg- liche Kohlenförderung betrug nn Iutt b. Is. 326 335 Tonnen gegen 331 855 Tonnen im 3uni und 33o 111 Tonnen im Mai 3m 3uH 1913 wurden arbeitstäglich 375 939 Tonnen gefördert. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter hat im Berichtsmonat weiter erheblich abgenom­men. während im April 1925 noch 460 185 Mann beschäftigt waren, ist die gesamte Qlrbeiter- zabl im Mai auf 449 805. im 3uni auf 436 493 und im 3uli 1925 auf 423 440 zurückgegangen. Die Kokserzeugung des Ruhrgebiets stellte 2 006 380 Tonnen in den beiden vorgehen den Mo­naten Die tägliche Koksgewinnung betrug im Iuli 58 690 Tonnen (60 640 Tonnen bzw 64 722 Trumen). Die Drikettherstellung belief sich im Iuli 1925 auf 290 724 Tonnen gegen 248 525 Tonnen bzw 260 210 Tonnen in den beiden vorhergehenden Monaten. Die arbeitS- täglich: Brikettherstellung betrug im 3)li b. IS. 10 768 Tonnen (10 464 Tonnen bzw. 10 408 Tonnen.

Dcr Bergball im Lahn- und Dillgcbict.

Die Lage des Eifensteinmarktes im Lahn- unb Dillgebiet hat sich während deS Monats Iuli erheblich verschlechtert: man kann sie als geradezu trostlos bezeichnen. Eine Nachfrage fehlte vollkommen. Der Abruf auf bestehende Abschlüsse wurde von den Hütten wegen großer. Vorräte an Erzen und Roheisen stark eingeschränkt. Infolgedessen war es nicht möglich. Grubenbetriebe mit geringeren Erzen durchzuhalten und es mußten wieder mehrere davon st i 11 g c I e g t werden.

Die in letzter Zeit eingetretene Ermäßi­gung der Roheisenpreise wird voraus­sichtlich die Lage des Erzmarktes noch weiter verschlechtern. Auch das feit kurzem bemerk­bare Anziehen der bisher billigen Rheinfrach­ten gestaltet die Aussichten für die nächste Zukunft außerordentlich ungünstig Da es bei der gegenwärtigen allgemeinen wirtschaft­lichen Lage unmöglich ist. irgendwelche Kapita­lien durch Anhäufen von Erzhalden festzulegen. wird man mit den Betriebseinschränkungen auch bei den Gruben mit besseren Erzen rechnen müssen. Ungesetzliche- Eingreifen der Schlich- tungsausfchüffe, denen das fortgesetzte Steigen der Löhne zur Last zu legen ist, wie auch die bevorstehende weitere Steigerung der Sozial­lasten, werden schließlich, wenn nicht bald ein Umschwung der Lage eintritt, einen großen Teil des Erzbergbaues gänzlich zum Erliegen bringen.

Der Erzbergbau int Siegerlaud.

Bei den Siegerländer Gruben hat ber Absatz sich weiterhin verschlechtert, ba die Hochofenwerke die Roheisenproduktion noch stärker eingeschränkt haben. Die Gruben sahen sich deshalb genötigt, ihre Förderung zu verringern, weil ihnen die Gelder fehlen, um Eisenstein auf Lager zu stürzen, wie dies früher zu geschehen Pflegte. Selbst größere Gru­ben müssen jetzt zeitweise ihren Betrieb e i n ft e l (e n und sich auf die Wasserhaltung beschränken. Don den kleineren unb mitt­leren Gruben wirb demnächst wohl feine mehr in Betrieb sein, da die erforderlichen Zubußen nicht länger mehr zu beschaffen sind. Es ist eben ausgeschlossen, daß bei dem außer­ordentlichen Geld- und Kapitalmangel selbst gute Gruben in Betrieb gehalten werden können.

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D i e amtliche GroßhandelS- indexziffer. Die auf den Stichtag des 19.

noch die Frage zu lösen, was eigentlich beit Hautausschlag Hervorrufe? Die direkte Einwir­kung des Streptokokkus konnte es nicht gut fein. Auch finden sich bet Scharlach keineswegs immer im Blut Streptokokken, wenn sie auch im Rachen- sekret nachzuweifen fein mögen. Es lieh sich nun feststellen, daß ber Streptokokkus eine lösliche Giftflüffigkeit. ein Torin, abfonbert. Dieses Toxin wirb ins Blut aufgenommen. Wenn man das Torin von den Bakterien trennt, so ist es allein imstande, alle Anzeichen des Scharlachs hervor­zurufen, dcn Hautausschlag eingeschlossen. Da« Toxin, nicht der erzeugende Streptokokkus selbst, führt zu Allgemeinvergiftung und -erfranhing des ganzen Körpers

Mit dieser Erkenntnis toar gleichzeitig bet Weg gewiesen, verhütende unb heilende Sera gegen Scharlach herzustellen Unter anberm dienten Serurnelnspritzungen in dreimaliger Wie­derholung in Zwischenräumen von fünf vis sieben Tagen zur Erzeugung einer aktiven Immunität, also Bildung von Gegenstofsen gegen Scharlach im Blut, bie vor einer Erkrankung bewahren. Die Menge des eingespritzten Serums steigt nach einem bestimmten Schlüssel an

In Amerika wurden noch mit einem andern Antistreptokokken-Serum (von Dochez unb SHer­mann, Versuche gegen Scharlach angestellt Sie litten darunter, daß infolge der großen notwen­digen Serummengen es zum Auftreten ber unan­genehmen Serumkrankheit kam. Bei dem kon­zentrierteren Serum ber Dicks scheint diese Ge­fahr nicht zu bestehen. Man wird gespannt sein, wie die Versuche mit dem Dickschen Schariach- serum in Europa verlaufen. Wenn ihm tvirkttch die Bedeutung zukäme, dte man ihm in Amerika zuschreibt. so wäre ein außerordentlicher thera­peutischer Fortschritt erzielt Denn vielfach muh der Arzt auch Ichtveren Scharlachfallen nur als wartender Beobachter gegenüberfteben, ohne bis­her eine sichere aktive Hilfe an der Hand z« haben.