Ausgabe 
21.7.1925
 
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Unter allen Umständen sei zu vermeiden, daß Poli­tik in die Polizeibeamtenschaft hineingetragen werde. Abg. Leuschner habe eine Oppositionsrede gegen seine eigene Regierung gehalten. So lange die (Ententenote noch nicht erledigt sei, könne die Umorganisierung der Polizei nicht vor- genommen werden. Die Eriparungsanträge der So­zialdemokratie zielten nur auf Beseitigung von 15 Polizeioffizierstellen hin. Zum Schlüsse erklärt der Redner nochmals, daß olles geschehen müsse, um den wirtschaftlicyen Belangen der Polizei entgegenzu­kommen.

Aba. Kindt (Dschn.) tritt den Ausführungen des Abg. Leuschner entgegen. Eine starke, politisch unbeeinflußte Polizeimacht sei m Hessen notwendig, weil hier nur wenig Reichswehr sei. Die Sozial­demokratie wolle nur die Polizeioffigiere beseitigen und wieder eine Nebenregierung der Gewerkschaf­ten oufrichten.

Oberregierungsrat Dr. S i e g e r t verspricht, die im Hause vorgevrochten Wünsche auf ihre Durch­führbarkeit zu prüfen; er wendet sich aber gegen eine Reibe, der von dem Abg. Leuschner vorgebxach- ten Beschwerden. Auch er ist der Meinung, daß die Umorganisierung der Polizei erst nach Erledigung der Ententenote geprüft werden könne.

Abg. Sturmfels (Soz.) beschwert sich, daß der Vorredner in einem schnippisch,süffisanten Tone auf die Forderungen der Sozialdemokratie geant­wortet habe. (Wegen der Ausdrücke: Schnippisch und süffisant wird der Redner vom Präsidenten g e - rügt)

Oberregierungsrat Dr. Siegert wendet sich u. a. gegen die Behauptung des Vorredners, er fei gegen den Wormser Polizeidirektor, weil dieser So­zialdemokrat sei.

In der Nachmittagssitzung wird der sog. Sechser­ausschuß zur P r üf u n g von Ersparungs- Vorschlägen (Antrag Widmann) gewählt. Die Abg. Kaul, Leuschner, Dingeldey, Hofmann-Darrn- ftabt Reiber und Kindt bilden den Ausschuß.

Die Kapitel 32 (Gendarmerie), 33 (Polizei) und Kapitel 47 (Schutzpolizei) werden genehmigt, ebenso die zum Ministerium der Justiz gehörenden Kapitel 100107, in uebereinstimmung mit den Ausschuß­anträgen. (Die von den Rechtsparteien gestellten An­träge sind damit abgelehnt.)

Der Skaatsvoranschlag für 1925 wird bann ohne Debatte gegen die Stimmen bet Rechten in zweiter Lesung angenommen.

Bor nur noch schwach besetztem Hause werden bann die noch ausstehenden 26 Punkte der Tages­ordnung beraten.

Abg. Scholz (D. Vp.) gibt die nachstehende Er­klärung im Namen der Rechtsparteien ab:

Die Erklärung des Herrn Ministerialdirektors vom Landesamt für bas Bildungs- wesen, er werde einem Beschluß der Mehrheit des Landtages keine Folge I ei ft e n , muß von uns als eine Verhöhnung der demokratisch-parlamentarischen Grundlage der hessischen Verfassung angesehen werden. Wenn wir auch gegenüber der geschloßenen Mehrheit der Regierunavkoalition dem demokrr»isch-parlamentarischen Grundsatz nicht (Bet­tung verschaffen können, erheben wir doch vor dem ganzen Lande gegen die willkürliche Nichtachtung eines Landtagsbeschlus­ses burtb die Regierung allerschärf, st en Einsvru ch."

Finanzminister Henrich erklärt hierzu, bas Gesamtministermm habe sich mit der Angelegenheit befaßt und sei zu dem Beschluß gekommen, dem Vorwurfe fehle jede Unterlage.

Die auf ber Tagesordnung stehenden Regie­rungsvorlagen, Anträge und Vorstellungen werden in ueberetnftimmung mit den Ausschußantragen er- lebigt.

Um 5i Uhr schließt Präsident Adelungdie Sitzung mit Dcmkesworten für ihre Mühewaltung an die Landtagsabgeordneten, das Lanbtagsarnt, die Stenographen und die Presse. Der Präsident er­klärt, vor den nächsten 3 Monaten werde ber Land­tag nicht zusammentreten.

Morgen unternimmt ber Landtag einen Aus­flug nach Mainz.

Aus dem Steuerausschuß des Reichstags.

Berlin, 20. Juli. (WTB.) Der Steuer- ausschuh des Reichstags nahm einen Antrag des - voll-parteilichen Abgeordneten Mittelmann an, nach dem Zuwendungen an politi­sche Parteien und Vereine, sofern die Ver­wendung zu politischen Zwecken gesichert ist, steuerfrei sein sollen. Ebenso nahm der Aus­schuß einen Antrag des deutschnationalen Abg. ©erde an, demzufolge für Erbschafts­steuer die Rückwirkung obiger Steuerfrei­heit für die Zuwendung an politische Parteien und Vereine bis zum 31. Dezember 1923 gelten soll. Schließlich wurde noch ein Antrag des volksparteilichen Abgeordneten Keinath ange­nommen, der im Rahmen der Erbschaftssteuer und allgemein die V e i t r ä g e a n P e r s o n e n - Vereinigungen, die lediglich eine Forderung ihrer Mitglieder zum Zweck haben, für Heuer» frei erklärt, soweit die von einem Mitglieds in dem Kalenderjahr der Vereinigung geleisteten Beiträge 500 Reich-mark nicht übersteigen.

Bei ber Weiterberatung ber Erbschaftssteuer wurde ein Antrag des Abg. Dr. Q u a a tz (Dschn.) und Dr. Mittelmann (D. 93pJ angenommen, ber bei ber Erbschaftssteuer die Kunst gegen- stänbe und Sammlungen bei Anfällen an die Kinder, Enkelkinder, Eltern und Geschwister steuerfrei läßt, entweder wenn die Gegenstände von Lebenden oder seit nicht mehr als 15 Jahren ver­dorbenen deutschen Künstlern geschaffen morden sind, ober wenn ber Anschafsfungspreis für die Ein- zelgegenstände nicht mehr als 10 000 Mk. und für mehrere gleichartige ober zusammengehörige Gegen­stände nicht mehr als 100 ÖOO Mk. betragt, ange­nommen. Ferner ein Antrag des Abg. Herold (Ztr.), der in Fällen besonderer Härte statt der so­fortigen Einziehung der Erbschaftssteuer für den (Er­werb von inländischen landwirtschaftlichen und forst- wirtschaftlichen ober gärtnerischen Vermögen, inlän­dischen Grundvermögen ober inländischen zum Be­triebsvermögen gehörigen Grundstücken auf Antrag Teilzahlungen in höchstens 10 Jahresbeträgen zu- laßt, sofern der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet wird. Nach weiterer Beratung wurde das Erbschaftssteuergesetz sodann erledigt.

Bei der Behandlung des Betriebsver­mögens im Steuerausschuß des Reichs- t a a * wuvde gemäß einem Antrag des Abg. Dr. Mittelmann (D. 93pJ bestimmt, daß das zur Ausübungihres Berufs vorhandene Ma­terial sowie die noch nicht veräußerten Kunstwerke usw. bei reinen Äünftlern und Wissen­schaftlern nicht als Betriebsvermögen zu be»

Frankreichs Niederlage m

Die französische Regierung sieht sich allmäh­lich gezwungen, ine gewaltige Niederlage der französrischen Truppen in Marokko einzugestehen. Die plötzliche Reise P e t a i n s, die vielen Ver- mutungen und Gerüchte, die sich daran knüpften, haben sie gezwungen, den Schleier etwas zu lüsten. Natürlich ist es unangenehm für ein Volk, das die Welt glauben machen möchte, es habe den Weltkrieg durch seine Tüchtigkeit gewonnen, das auf Grund dieser Lüge die Hegemonie in Europa erstrebt und sich außerdem in der Drangsalierung des entwaffneten Deutschlands nicht genug tun kann, jetzt eingestehen zu müssen, da hes von einem numerisch weit unterlegenen afrikanischen Gegner Riederlage über Riederlage erleidet. Frankreich ver­sucht ja auch ganz wie im Weltkriege sich an­dere Völler für seine Ziele dienstbar zu machen. S p a n i e n soll mit Truppen und E n g l a n d mit Schiffen helfen. Obwohl es keinen Erfolg gehabt hat, setzt es doch seine Bemühungen fort, weil es eben weih, dah es mit seinen eigenen Kräften niemals ans Ziel gelangt. Dah es den sranzösi- schen Truppen erbärmlich schlecht geht, beweisen selbst die amtlichen Kriegsberichte, die Rieder- lagen zu einem Erfolg auffeifieren wollen. Am deutlichsten spricht aber das Eingeständnis der Verluste. Während man amtlich noch vor einer Woche die Verluste auf 400 Mann bezifferte, gibt man jetzt schon zu, da Hüber 4000 Mann durch Tod oder Verwundung ausgeschieden sind. Dabei scheint man allerdings noch immer nicht zugeben zu wollen, da tzetwa Vs der farbigen Truppen ins Lager Abd el Krims übergegan­gen sind.

Das' französische Marolloabenteuer beginnt sich ganz wie die spanischen Kämpfe zu ent­wickeln. Frankreich ist jetzt gezwungen, weihe Truppen in Massen an die Front zu senden, wird aber mit den Divisionen, die an der Ruhr e|n üppiges Herrenl^>en führten, sicher in den Bergen deS Risgebietes keine guten Erfahrungen machen. Man hat sich in militärischen Kreisen auch schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, dah Fez bald in die Hand Abd el Krims fallen wird. Ob die zahlreichen FlugzeuggeschWa­de r, die jetzt an die Front abgehen sollen, in der Lage fein werben, diese Scharte auszuwetzen, bleibt reckst fraglich. Die Verhältnisse liegen doch etwas anders, als auf einem europäischen Kriegs­

schauplätze. Es ist auch bemerkenswert, dah die zahlreichen Flieger, die bisher schon an der Front waren, keine Erfolge zu erzielen vermoch­ten. Dabei wird allmählich auch die Frage akut werden, woher will Frankreich die enormen Summen nehmen, die dieser Krieg verschlingt? Von den letzten Krediten, die die Kammer be- willtgte, ist sicher nicht allzu viel mehr übrig. Ob die Finanzlage Frankreichs noch öfters Kreditbewilligungen gestatten wird? Vielleicht wird gerade dadurch Frankreich gezwungen, bei dem Friedensangebot an Abd el Krim seine For­derungen beträchtlich zurückzuschrauben. Denn es ist immerhin zu bedenken, dah schon in wenigen Monaten die Witterungsverhältnisse die Krieg­führung unmöglich machen, die älnterhaltung eines großen Heeres aber recht erhebliche Kosten verschlingt.

Petains Mission.

Eine französische Offensive gegen Abd el Krim. - Fortführung der Friedensverharidlnngeri.

Paris, 20. Juli. (WTB.) Nach Beendigung eines Ministerrats unter dem Vorsitz des Präsiden­ten der Republik erklärte der Ministerprästdsnt Painle 06 über die Lage in Marokko, Marschall Petain führe gegenwärtig in Marokko eine Mis­sion durch. Er werde solange dort bleiben, wie die Umstände es erforderten. Es wurden alle notwen­digen Maßnahmen getroffen, um die Front zu befestigen und eventuell einen entscheiden­den Schlag zu führen, um den Frieden sicher­zustellen. Die ersten Staffeln der Marokkodivision seien bereits eingetroffen. In der Gegend von T a z a würde die Anwesenheit dieser Truppen den französi­schen Kolonisten -ihre Sicherheit wiedergeben und Die Treue der schwankenden Stämme befestigen. Die Offensivoperationen würden jedenfalls, falls sie überhaupt unternommen werden müßten, erst bann beginnen, wenn olles dafür fertig sei. Aus jeden Fall würden die Verhandlungen über den Frieden fortgeführt, denn Frankreich wolle ganz loual vor­gehen. Abb el Krim wisse bereits, daß ein französi­scher und ein spanischer offiziöser Abgesandter die Frieden-sbedingungen in Händen hätten. Es genüge, daß er schon den Wunsch habe, sie kennen zu lernen.

steuern sind (Marmorvorrat, Bildwerke, Manu­skripte, Bibliotheken usw.). Weiter wurde ein Antrag des Abg. Dr. G e r e f e (Dntl.) angenommen, nach dem bestimmt wird, daß Werke der bildenden Kunst, des Schrifttums und der Tonkunst nicht zum Ver­mögen im Sinne des Reichsbewertungsgesetzes ge­hören, sofern sie Eigentum des Urhebers selbst oder im Falle des Todes des Urhebers im Eigentum seiner Ehefrau oder seiner Kinder stehen. Das gleiche gilt für die Urheberrechte an solchen Werken und für nicht patentierte Erfindungen, es fei denn, daß die Urheberrechte ober Erfindungen Dritten gegen die Verpflichtung zur einmaligen ober roieber» holten Zahlung fester Beträge auf bestimmte ober unbestimmte Zeit zur Ausnutzung übertragen sind. Auf Antrag des Abg. Dr. Fischer- Köln (Dem.) wurde alsdann in Paragraph 47 des Reichsbewer- tungsgefetzes der Satz gestrichen:daß die Ehefrau durch den Ehemann vertreten wird". Diese Strei­chung bedeutet, daß für Steuerfragen die Frau nicht haftbar ist, es sei denn, dah sie selbst die Schuld trifft.

Die französischen Generalratswahlen.

3n Frankreich haben am Sonntag die all­gemein en Reuwahlen für die Generalrate und Arrvndissementräte stattgefunden, ein Vorgang, der an sich bedeutungslos wäre, wenn sich nicht gerade im gegenwärtigen Augenblick aus ihm gewiffe Rückscküüfse auf die allgemeine politische Stimmung der französischen Bevölkerung ziehen liehen. Es ist zwar versucht worden, diese Wah­len zu pAlitisieren, das ist jÄwch nicht gelungen. Dennoch haben die Wahlen trotz der überaus schwachen Beteiligung einen Stimmenzu­wachs für Sozialisten und Radikal« ergeben. Die Wirkung dieser Wahlen tritt aber erst bei der nächstjährigen Reubesetzung eines Drittels des Senats zutage, der von den Generalräten gewählt wird. Während die übrigen politischen Richtungen nur geringe Verluste erlitten, können die Kommunisten eine glatte Riederlage verbuchen. Sie werden künftig in den regionalen Parlamenten von ganz Frank­reich nur noch durch zwei Männer vertreten sein. ES erscheint nicht ausgeschlossen, dah der Rückgang der kommunistischen Stimmen mit der in den letzten Wochen auch in Frankreich be­sonders heftig gewordenen antibolschewistischen Propaganda zusammenhängt. Die Linksparteien haben 80 Sitze gewonnen. Davon entfallen auf die Radikalen und Radikalsozialisten 59, auf die repu­blikanischen Sozialisten 2 und auf die Sozialisten 19. An dem Verlust der übrigen Parteien sind die Konservativen mit 6, die Liberalen mit 42, die Linksrepublikaner mit 28 mrd die Koifimu- nisten mit 4 Sitzen beteiligt.

MLtzersolg der polnischen Anleihe in Amerika.

Köln, 2. Juli. (LU.) Die »Kölnische Ztg." meldet aus Reuyork:Wie wir von unterrichteter Seite Horen, hat die polnische Anleihe in den Vereinigten Staaten einen großen Mißerfolg ge­habt. Die Anleihe, die bekanntlich vom Bankhaus Dillon, Reed u. To. nur kommissionsweise über­nommen worden war, ist bisher nur zu 40 Proz. untergebracht worden. Die Zurückhaltung deS amerikanischen Publikums erklärt sich aus einem tiefen Mißtrauen gegen die derzeitige Lage in Polen, die man durch den Wirtschaftskrieg mit Deutschland und die Unflaten wirtschaftlichen Ver­hältnisse im Innern für schwer in Mitleidenschaft gezogen an sieht.

Annahme des polnischen Agrarrteformgesehes.

Warschau, 20. Juli. (WBT.) In ber heutigen Sejmsitzung würbe bas Agrorreformaesetz In dritter Lesung oerabschiebet. Die Abstimmung ging unter anbauernbem Lärm vor sich. Schließllch sah sich ber Sejmmorschall gezwungen, die Tribünen

zu räumen. Sechs Abgeordnete, die für drei Sit­zungen ausgeschlossen wurden, mußten durch die Parlamentswache entfernt werden. Das Gesetz wurde mit 200 gegen 99 bei 22 ungültigen Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Deut- s ch e n , die Ukrainer, die Weißrussen und die christ­lich-nationale Gruppe Dubenowitlch. Das Gesetz kommt einer Enteignung der deutschen Landeseigen­tümer gleich.

Aus aller Welt.

Eine Dentschlaudfahrt Neuyorker Sänger.

Hamburg, 20. Juli. (WTB.) Don Cux­haven trafen heute vormittag auf dem Hamburger Hauptbahnhof die mit dem DampferCleveland" zu einer Fahrt durch Deutschland herübergekom­menen Mitglieder des Reuhorker Mannergesang­vereins .Beethoven" em. Die Absertigungshalle der Hapag war mit Fahnen und Girlanden zum Empfange war mit Fahnen und Girlanden Hamburger Vereins hielt namens der Hamburger Regierung, der Stadt Hamburg und des Lehrer- gesangvereins eine Begrüßungsansprache. Seinen herzlichen Dank für den freundlichen Empfang in der alten Heimat sprach der Präsident des Reu­horker Chors Philipp Lenges aus. Die Gäste werden morgen vom Senat empfangen und fahren mittags nach Berlin weiter. Die Sänger werden auf ihrer Reise außerdem Leipzig, Eisenach, Wartburg, München, Stuttgart, Heidel­berg, Baden-Baden, Darmstadt Mainz, Rüdesheim, Wiesbaden und Frankfurt a .M. besuchen, wo am 8. August Me Reise ihren Ab­schluß ftnfret. Einzelne Gruppen werden an­schließend noch nach der Schweiz und Italien fahren.

Die Hitze in der Reichshauptstadt.

3n Berlin stieg schon in den frühen Vor­mittagsstunden die Temperatur rasch und er­reichte gegen Mittag bereits 3 4 Grad im Schatten. Infolge der Hitze hatten die Frei­bäder in der Umgegend von Berlin wie nicht anders zu erwarten am gestrigen Sonntag einen Rekordbesuch aufzuweifen. So badeten gestern in Wannsee über 50 000 Personen bei einer Temperatur von 24 Grad im Wasser und einer Lufttemperatur von 32 Grad Celsius. Der Bahnhof Wannsee beförderte ge­stern 30000 Personen nach Berlin, Rikolasfee sogar 45 000. Auch das Freibad am Müggelsee wies gestern einen Rekordbesuch auf. Es hatte über 20 000 Besucher. Die Stadtbahn beförderte gestern 1,2 Millionen Menschen.

Starkes Erdbeben in San Franeisko.

Reuh o rk. 20.3uIL (Kabeldienst der Tel- union.) Äm Sonntag ereigneten sich in der Rähe von San Franzisko heftige Erdstöße, die sich bis 100 Kilometer nach Süden auSdehnten. Hauser wurden teilweise so stark erfdjüttcrt, daß sie größere Risse aufweifen. Unter der Be­völkerung entstand eine große Panik, und sofort wurden alle Häuser fluchtartig geräumt. Die Kirchenbesucher stürzten den AuSgängcn zu, wo­bei es in dem gewaltigen Gedränge zahlreiche Verletzte gab. Die Panik ist wohl hauptsächlich auf die Erinnerung an das große Erdbeben von 1906 zurückzuführen, durch das die Stadt fast völlig zerstört wurde.

Hebbels Nibelungen verboten.

Dingen, 20. Juli. (211) Gestern sollten hier HebbelsRibelungen" als Freilicht­spiel aufgeführt werden; jedoch wurde bte Vorstellung durch die BesahungSbehörde ver­boten.

Der neue Rektor der Münchener ilniberfität

München, 20. Juli. (Wolff.) Am SamStag nachmittag hat di« Wahl des neuen RrktorS für das Studienjahr 1925/26 der llntöerfität München stattgefunden. Zum Rektor der Amtsperiode wurde das Mitglied der philosophischen Fakultät, der ordentliche Professor für Experimentalphysik, Geheimrat Wilh. Wien, der Rachfolger Rönt­gens in München, gewählt. Geh. Rat Wien lehrte von 1899 bis 1900 an der üniberfität Gießen.

2-oottcher Flregerabfiurz.

Der Flieger Riesler führte gestern nachmittag in Prenzlau Schauslüge aus. Als sich das Flugzeug in 30 Meter Höhe befand, fing es plötz­lich Feuer und stürzte ab. Riesler fonnta nur als Leiche geborgen werden.

15 Todesopfer einer Hochwasserkatastrophe.

Die Ueberschwemmung der Theiß und ihrer: Rebenflüsse hat gestern in .Ungarn im Komitat Dekes zu einer schweren Katastrophe geführt, der 15 Personen zum Opfer gefallen sind. Die Leichen formten bisher noch nicht geborgen werben. Der durch die Aeberschwemmung angerichtete Schaden beläuft sich auf ungefähr sechs Milliarden Kronen.

Auszeichnung der Retter von Veltheim.

Durch Pionierüberstleutncmt Lindemann sind den Rettern und Helfern beim Reichswehr- unglück bei Velzheim in Anerkennung ihrer auf­opferungsvollen Tätigkeit vom Reichspräsi­denten von Hindenburg eigenhändig un­terzeichnete Ehrendiplvme überreicht worden.

Schwerer Anglücksfall in einem Schieserbruch.

Bei Oberstein-Jdar ereignete sich in einem Schieserbruch ein schwerer älnglücksfall. Ploötzlich lösten sich große Schiefermassen und stürzten in die Tiefe, wobei ein 23jähriger Arbeiter von einem 20 Zentner schweren Block vollständig zerquetscht wurde/ Er-konnte nur als Leiche geborgen werden.

Keine deutsch« Beteiligung an der Welt­ausstellung in Philadephia. I

Der Hauptcmsschuß des Reichsverban- des der deutschen Industrie, der Zen­tralverband des deutschen Großhandels haben beschlossen, von einer Beteiligung an der Weltausstellung in Philadelphia 1926 abzusehen, da die Zeit für die Vorbereitung viel zu kurz sei und die deutsche Industrie in der gegenwärti­gen Wirtschaftslage nicht die erforderlichen Mit- t e l aufbringen könne, um sich an einer inter­nationalen Ausstellung zu beteiligen.

Die hochslulkaiastrophe in Korea.

Die Zahl ber durch bie über Korea hereingebro- chene Sturmflut Getöteten ist nicht schätzbar. Auf einer einzigen großen Insel fielen mehr als 6000 Menschen bem Unglück zum Opfer. Mehr als hunberttausenb Menschen sind obbachlos ge­worben. Besonbers verheerend hat bie Hochflut in ben Provinzen gewütet, bie sich um bie Hauptstadt Söul gruppieren, wo ganze Städte ver­wüstet wurden.

Große Waldbrände in Holland.

In der Gegend von Hensb rvck sind mehrere große Waldbrände ausgebrochen, die infolge der Trockenheit und der großen Hitze immer größeren Umfang annehmen. Es sind be- rseits große Waldkomplexe vernichtet.

Mahakunst vor 5000 Jahren.

Etwa 200 Werke der alten Mahakunst, die F. A. Mitchell Hedges aus den ersten Grabungen auf der von ihm endeckten Ruinenstätte im ilrtoalb von Britisch - Honduras mitgebracht hat, find gegen­wärtig im Brittschen Museum zu London ausgestellt. Unter den Fundstücken find einige intereflante bildliche Darstellungen der Maya-Gottheiten. So ist z. D. die phantastische Gestalt einer doppelköpfigen Gott- heitzu sehen und ein groteskes Bild des Jaguargottes, eine Vermischung menschlicher Züge mit denen deS Jaguars, der bei den Mayas ein heiliges Tier war. Der Hauptteil sind Töpferwaren, aus denen her­vorgeht, daß die Mayas bereits die Herstellung von Keramik mit Formen kannten, und aus einem Stück ergibt sich, daß die Ornamente in einer Art S ruck- technik ausgeprägt wurden. Die noch so viele Rätsel bietende alte Mayakultur erscheint dadurch in einem neuen Licht.

Wettervoraussage.

Vorwiegend heiter, Winde aus südlicher Rich- tung, wärmer, trocken.

Das Hochdruckgebiet über Europa hat an Aus­dehnung und Stärke gewonnen. Das Tief ist wei­ter nach Westen abgezogen. Ein stärkerer Ausläu­fer liegt heute über Island und wird in nordöstlicher Richtung abziehen. Bei vorwiegend östlichen und südlichen Winden ist unsere Aussicht auf Gewitter- Körungen gering.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 21. Juli 1925. 1

Grobe nächtliche Ruhestörungen.

In ber gestrigen Sitzung ber Stadtverord» netenverfcunmlung wurde bei der Beratung einer Vorlage sehr lebhaft geklagt über vielfache Be­lästigungen der Bürgerschaft durch Motorrad-Probefahrten und -rennen in ben Straßen, durch Motor Prüfungen auf offener Straße zur Tag- und Rachtzeit usw. Diese Be­schwerden sind sehr begründet, aber zu ihrer Beseitigung ist u. W. bisher noch nichts ge­schehen.

Daß die Belästigung weiter An­wohnerkreise aber auch noch auf ander« Weife vor sich geht, lernen jetzt die Bewohner deS hinteren Asterwegs und der mitt­leren Steinstraße Tag für Tag und mehr­fach auch noch die ganze Rächt hindurch kennen. Inmitten des Baublocks Ästerweg. Steinstraße, Sderstrahe besteht nämlich fett kurzem eine Eisfabrik, deren Antriebsmotor ein Stinktier erster Klasse ist: anscheinend fft es ein Rohölmotor. Was da ben Anwohnern und auch ber weiteren Rachbarschaft an Dunst und Ge­stank in die Wohnungen gepufft wird, ist reich­lich stark. Daß bei der jetzigen Hitze verstärkt gearbeitet wird, ist wohl verständlich, aber daS darf nicht soweit gehen, daß dadurch eine an­dauernde nächtliche Ruhestörung ent­steht, über die jetzt ernstlich zu klagen ist. Man darf wohl annehmen, daß diese Zeilen Veran­lassung sein werden zur Abstellung ber nächtlichen^ Geräusche und zur a r ü n b - lich en Abfü hrun g der Gase in die obere Luftschicht. Wenn diese Forderungen erfüllt sind, wird wohl auch niemanb mehr Klage führen über dieses -Unternehmen.

Gießener Wochenmarktpreise.

am 21. Juli (Handlerpreise). x

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 200210, Matte 40 Käse 60, Wirsing 35. Weißkraut 40, Rotkraut 40, geloe Rüben 40 rote Rüben 20, Römischkohl 20, Bohnen 3040, Erbsen