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(Eine Reoe Dr. Wirths.

Chemnitz. 21. April. (I.U.) Reichskanzler a.D. Dr. Wirth sprach gestern abend in einer Massenversammlung der republikanischen Parteien vor etwa 6000 bis 7000 Menschen, um für die Kan­didatur Marr zu werben. Nachdem Dr. Wirth an­fangs die Angriffe der Rechtspresse gegen seine Person zurückgewiesen Halle, führte er u. a. aus: Wir stehen in diesen Tagen wieder vor einer Bedrohung der Republik, zwar nicht in Form von Putschen, sondern durch Aushöh­lung desDolksstaates, um diesen allmählich zum Absterben zu bringen. Es muß daher ein er­bitterter Kampf geführt werden, um das große Ziel zu erreichen, die Einordnung aller Schichten des arbeitenden Volkes in den neuen Dolksstaat als gleichberechtigter Faktor. Es sind reaktionäre Bcstrebungen im Gange, das Volk zu spalten. Die Ausstellung Hindenburgs bedeute, die Arbeiterschaft erneut vom Staats­gedanken zurückzudrängen.

Dr. Hoefle f.

Berlin, 20. April. (WTD.) Heute nach- millag 4 Uhr ist im Hedwig-Krankenhause der frühere Deichspostminister Dr. Hoesle gestorben. Infolge des Ablebens soll sich der Unter­suchungsrichter mit der Leitung des Hed- wigkranlenhauses, in das Hoefle kurz vor seinem Tode verbracht worden war, in Verbindung ge­setzt haben, um festzustellen, ob Hoefle ledig­lich an den Folgen einer Lungen- entzündu ng gestorben oder ob möglicher­weise noch andere Momente bei seinem Ab­leben mitgespielt haben. In einigen Kreisen, die sich als unterrichtet ausgeben, wird behaup­tet, daß Hoefle, der in der letzten Zeit feiner Umgebung gegenüber Zeichen äußerster Niedergeschlagenheit erkennen ließ, am vergangenen Sonntag größere Mengen Vero­na! und Alkohol zu sich genommen habe, um seinem Leben freiwillig ein Ende zu machen. Da Hoefle ständig über Herzbeklemmun­gen und Schlafl osigkeit klagte, hat er, wie hinzugefügt wird, tatsächlich von dem be­handelnden Arzt Schlafmittel und Alkohol er­halten. Es erscheint im Augenblick nicht aus­geschlossen, daß der Todesfall für das Pfle­gerpersonal des GefängnislazakettS noch ein Nachspiel haben wird.

Dr. Anton Höf le wurde am 19. Oktober 1882 In Otterbach (Rheinpfalz) geboren. In München und Erlangen studierte er Rechtswissenschaften. Aach Abschllih seiner Studien war er an der Handelskammer München als Hilfsarbeiter tätig, ging dann aber 1907 als Dezernent in die Zen­tralstelle des Dolksvereins für das Ka° thotifche Deutschland nach Gladbach, wo er bis 1914 tätig war. Von 1914 bis 1919 war er Direktor des deutschen Techniker-Ver­bandes. von Iwri 1919 bis Mai 1920 Direktor des deutschen Deamtenbundes und so­dann Direktor des Gesamtverbandes deutscher Bc- amtengewerkschaften (Deutscher Gewerffchafts- bund).

Bei den Reichstagswahlen von 1920 wurde er erstmals auf der Zentrumsllste in den Reichs­tag gewählt. Im August 1923 nahm ihn Strese- mann in sein Kabinett als Reichspost- Minister auf; dies blieb er auch im zwecken Kabinett Stresemann und im Kabinett Warst vom 1. 'Dezember 1923.

. Wenige Tage vor dem Rücktritt dieser Ka° Änelle wurde Dr. Höfle als Reichspostminister verabschiedet, weil sich bei Untersuchung der Varmat-Kutisker - Angelegenheit schwer belastendes Material gegen seine Amts­führung ergeben Halle.

Hösle, der noch bei Antrill seines Amis ver­mögenslos war. soll inzwischen tatsächlich eine große Villa in Lichterfelde und ein Bankguthaben von etwa ' i Million Mark besessen haben. Letz­teres hob er ab, bevor die Staatsanwaltschaft ?ugtcifen konnte. Das Grundstück wurde bann beschlagnahmt, nachdem Hölle am 9. Februar 1925 sein Reichstagsmandat niederlegte und darauf­hin am 10. Februar 1925 in das Moabiter Untersuchungsgefängnis eilgeliefert worden war. Dort verschlechterte sich s in Herz­leiden bald so bedenllich, daß et in das Kranken­haus überführt werden muhte.

Die Berliner Presse zum Tode Hoefles.

Zum Ableben des Reichsprostminister a. D. Dr. Hoefle schreibt die .Deutsche Tages­zeitung": Dr. Hoesle wurde das Opfer Dar­matscher Gewissenlosigkeit und seiner eigenen Hem­mungslosigkeit. Sein plötzlicher Tod bewahrt die deutsche Oeffentlichkeit vor einem forensischen fSchaufpiel. dem man seicht ohne tiefe innere Scham hätte folgen können. Der An­blick eines Reichsm'nisters auf der Anllagebank bleibt uns nunmehr wenigstens erspart.

Der ..Derk. Lokalanz." erklärt: Zu Ehren des Verstorbenen muß gesagt werden, daß er nach seiner Festnahme alles, was in seiner Kraft stand, getan hat, um den Gang des gegen ihm schwebenden Verfahrens zu b esch le un tge n und den Behörden die Aufklärung des gan­zen ungemein verwickelten Sachverhalts nach Möglichkeit zu erleichtern. Er selbst versicherte wiederholt, das? sein Gewissen rein fei unb daß er seine Handlungsweise vor Gott und den Menschen verantworten könne Es scheint auch in der Tat, daß zum mindesten ein Teil der gegen ihn erhobenen Beschuldigung:» durch die bisherige Untersuchung schon entkräftet wor­ben ist. Das endgültige Urteil über die Frage feiner moralischen unb seiner juristischen Schuld oder Unschuld muß aufgeschoben bleiben, bis der ganze Komplex der Schiebungen und Der- untrcuungen vor Gericht geklärt sein wird

Die ..German io" das Berliner Zen- llumsblatt, betont: Hoesle hat auf dem Sterbe­bett seine Unschuld beteuert, unb wer den Verstorbenen näher gekannt hat. wird höchstens zug^ben, daß Hoefle vielleicht einige Unvorsichtig- teilen und Unllugheiten begangen hat Ab?r er wird energisch bestreiten, daß der Verstorbene eines gemeinen Verbrechens fähig wäre. Hoesle ist ein Opfer der Barmathetze geworden, die fetzt den Erfolg für sich buchen kann, einen un­schuldigen Mann in den Tod gehetzt zu haben.

In derVoss Zig." heißt es: Arrs dem ganzen Verlaus des Untersuchungsverfahrens mußte man immer mehr die Ueberzeugung ge­winnen, daß die gegen den früheren Rüchspost- minifter erhobenen Vorwürfe zum größten Teil nicht aufrechtzuerhalten waren, daß man Dr. Hoefle zwar Leichtgläubigleik aber nicht

Amtsmihbraucy vorwerfen tonnte. Es tfi 2>c. Hoefle nicht vergönnt gewesen, die Verwirk­lichung ferner Hoffnung zu erleben, daß das Gerichtsverfahren mit seiner vollständigen Reha­bilitierung enden werde. Sein Tod überhebt die Lügner der Aotwendigtett ,bte Stichhaltigkeit ihrer aus denr politrschen Kampfe geborenen An- llagen zu beweisen.

Die Ausführungen desVorwärts" gipfeln in einem heftigen Airgriff gegen die Staatsanwaltschaft, die es über sich 'gebracht habe, den auf den Tod Erkrankten bis wenige Stunden vor seinem Ableben in Haft zu behalten.

Die Berufung Croners erfolgreich.

Berlin, 20. April. (Wolfs.) Bor der Ersten Strafkammer des Landgerichts I begann die Be­rufungsverhandlung gecicn Landgcrichtsdircktor Eroner. Die Nebenkläger Landgerichtsdirektor Bewersdorf und Landgerichtsrat Dr. Schulz sind anwesend. Das Hauptverfahren war gegen Croner wegen Beleidigung eröffnet worden, begangen in einem Artikel, den Eroner als Vor­sitzender des Repu bl konischen Rich­te r b u n d e s in derVossifchen Zeitung" über die Urteilsgründe des Magdeburger Schöffengerichts in der Klage gegen Röthardt wegen Beleidigung des Reichspräsidenten veröffentlicht hatte. Das Schöf­fengericht hatte Croner wegen Beleidigung zu 3 00 0 Mark Geld st rose verurteilt. Der 'Angeklagte Croner hat dos Urteil angefochten. In dem Be­rufungsverfahren verkündigte der Vorsitzende nach fast anderthalbstündiger Beratung den Beschluß der Slraslommcr, daß bas Urteil der ersten Instanz eventuell dem Angeklagten Schaden bringen könne, wenn es in der vorliegenden Form weiter bestehe. Deshalb habe das Gericht zugunsten des Angeklagten entschieden und die Sache an die crste Instanz zurückzuverweisen. Damit wird der Prozeß gegen Croner nochmals vor dem Amtsgericht aufgerollt und entschieden werden müsien

Die Deutschenver'olgung in Vudslawien.

Laibach, 21. April. (T. U.) Die L a i b a ch e r jugoslawischen Behörden haben den DeutschenLeseoerein und den Deutschen Lehrerverein in Gottschee, der bekannten deut­schen Sprachinsel in Unterfrain, oufgelöst. Außer­dem wurden 21 Feuerwehren im Gottscheer Bezirk aufgefordert, an Stelle der deutschen die jugoslawische Kommandosprackze einzuführen, widri­genfalls sie aufgelöst würden.

Die Unruhen in Bulgarien.

Sofia. 21. April. (Bulgarische Telegraphen- Agentur. Funkspruch.) Der Polizei gelang es, ben Zufluchtsort Minkoffs, der die Höllen­maschine in der Kathedrale untergebracht hat, ausfindig zu machen. Da er bei der Festnahme Widerstand leistete, wurde er erschossen.

Wie weiter bekannt wird, war Minkoff der Führer der Abteilung für Akten- tatsvorbereitungen, die zum kommunisti­schen Geheimkomitee gehörte und war ferner der Verfasser von Anweisungen über die Hand­habung von Sprengstoffen, die heimlich an die Terroristen verteilt und kürzlich von der Pollzei aufgefunden worden waren. Die Polizei um­zingelte ferner ein Haus, unter dessen Insassen man 3 a n f o f f, die Seele der Verschwörung, vermutet. Don den Hausbewohnern wurde auf die Polizei gefeuert. Man hofft, 3ankoff verhaf­ten zu können.

Times" berichtet aus Sofia, es werde immer klarer, daß di e Verschwörer viel mehr Anhänger unter den Offizieren im Heere und unter den Regierungs­beamten hatten, als die Behörden zuerst ver­muteten. Geld sch tue im Liebermaß verwandt worden zu fein und verschiedene gut bekannte Per- sönlichk it?n, deren Ramen zu nennen im Augen­blick unflug wäre, seien in die weit verzweigte Verschwörung verwickelt. Um bi? Erlaubnis zur Erhöhung der Heeres stärke zu er­halten, hab? die b lgarisch? Regierung den diplo­matischen Dertreteru Großbritanniens, Frank­reichs und Italiens in Sos a die Original' der kürzlich von dm Behörden b schlagnahm'en Kor­respondenten der Kommunisten zur Verfügung gestellt. Diese Dokume-cke bewiesen die Verantwortung der dritten Inter­nationale für diese Unruhen, ihre Verbrechen und die stillschweigende Gutheißung durch die Sowj't-Regierung.

Der ..Reuyvrk Herald" erfährt, daß die Re­gierung noch nicht ganz Herr der Lage ist. Ueber- all im Lande ist es zu heftigen Zusam -- menstößen gekommen, bei denen rund 4000 Menschen ums Leben kamen. In Vartca nördlich von Sofia, wurden allein 100 Bauern getötet Allgemein herrscht die Ansicht, daß der Bürger­krieg erst durch eine Aeubildung des Ka­binetts beigelegt werden könne.

internationale Verkrehrsprojekte.

Asm, 21. Avril. <TU ) Di? interparlamen- tarifd?< V mehrUo f renz hat einen italien schsn Antrag des Rationalöionomen Senator Ago An­cona angenommen, der auf eine Vereinfachung ber Zoll- und Tarifvorschriften zugunsten der großen internationalen Eisenbahnlinie hinaus- gcht und den Ausbau einer zweigleisi­gen Linie Paris Lyon Turin Mailand Venedig - Triest Agram propagiert, die von B e l g r a d sich teilt und Bagdad über Sofia. Konstanti­nopel und Odessa direkt err itci soll. Ein schw eizerischer Antrag, die Linie über die Schweiz zu leiten, wurde nach dem Referat Olivettis. des Generalsekretärs des italienischen Industriellen- verband^, aus zolltechnischen Erwägungen ab­gelehnt. Ein belgischer Antrag mit der Aus­arbeitung praktischer Vorschläge für einen inter­national gültigen Schiedsspruch in Kon­flikten zwiiche > Kapital und Arbeit des Inter­nationale Arbeitsamt zu beauftragen, wurde trotz heftigen Widerspruchs des französischen Delegier­ten, mit 32 gegen 3 Stimmen angenommen.

Unruhen in Bloemfontein.

London, 20. April. (WTB.) Reuter meldet aus Bloomfonteln (Südafrika), daß in dem Ein - gcborencnDiertcl Unruhen ausgebrochen »eien. Die Lage sei sehr ernst. Die Polizei sei ge­zwungen gewesen, auf die 4000 Mann zahlende Stenge zu schießen. Zur Zett ist die Lage im all­

gemeinen ruytg. ym Eingeborenenbezirl halten die Pollzei und die Bürgerwehr Wache. 50 eingeborene Rädelsführer wurden verhaftet. Bisher wurden vier Eingeborene getötet und 21 verwundet. Auch zwei Europäer erlitten ernste Berlegungen.

Die Regierungserklärung Painleves.

Paris, 21. April. (TL1.) Der gestern zu» fammcngetrctenc Kabinettsrat beschäftigte sich ausschließlich mit der Regierungserklärung. Der endgültige Text wurde vom Ministerrat einstim­mig angenommen. DerMatin" gibt folgende, offenbar verbürgte Inhaltsangabe der Erllärung: Das neue Kabinett erachte, daß zwei große Probleme die Politik Frankreichs beherrschen: das Sicherheits- und das Finanz­problem. In der Sicherheitsfrage bleibt das Kabinett der Genfer Politik Herriots treu, die in den drei Begriffen Schieds­spruch, Sicherheit und Abrüstung ihren Ausdruck findet. Das neue Kabinett wünsche aus­drücklich eine Wiederversöhnung zwischen allen Völkern, auch zwischen denen, die sich feindlich gegenüberstehen. Das Finanzproblem müsse durch die Konsolidierung des budgetären Gleich­gewichtes mit Hilfe sofortiger Maßnahmen zur

Durchführung der finanziellen Sanierung, geregelt werden. Es unterliege deinem Zweifel, daß dem Lande groheOpfer auferlegt werden müssen. Die Regierung behalte sich vor, sich int gegebenen zunächst an den guten Willen und die vertrauensvolle Mitarbeit des Landes zu wenden. Werde sie in ihren Erwartungen ent­täuscht, so würde sie zu anderen Maßnahmen Zuflucht nehmen müssen.

In der elsaß-lothringische» Frage wird die Regierungserklärung nachdrücklichst dar­aus Hinweisen, daß dem Kabinett daran gelegen sei, mit den bestehenden Mißverständnissen gründ­lichst aufzuraumen. Die Vatikan frage dürfe nicht länger Gegenstand von Auseinandersetzun­gen zwischen den Franzos«m sein. Die Kammer­debatte habe den Beweis erbracht, daß Frank­reich große gemeinsame Interessen mit dem Vatikan verbänden, die nicht nur Elsaß- Lothringen unb die Kolonien, sondern ganz Frankreich angtngen.

Es sei deshalb angebracht, daß Frankreich durch einen außerordentlichen Vertreter beim Vatikan vertreten sek.

Auf Die militärischen Refvrmpläne werde das Kabinett verzichten. Die Herab­setzung der Militärdienstpf licht komme nicht in Frage, solange die Probleme der Sicherheit und der Abrüstung nicht gelöst seien, die Regie­rung sei es sich schuldig, auf die Einwande des Obersten Kriegsrates gegen die Reformpläne des Generals Rollet Rücksicht zu nehmett.

Die Regierung werbe mit allen Mitteln eine DerbilligungderGetreidepreise erstreben. Das gewerkschaftliche Recht werde entsprechend den Bestimmungen des Wa­shingtoner Vertrages tn vollem Umfange aufrecht erhallen. Die Erklärung gipfelt in einer Bitte um Vertrauen: das Land befinde sich in einer zu kritischen Lage, um sich wiederholt Regierungs­krisen leisten zu können. Dach Verlesung der Re- gierungserllärung in der Kammer wird die Aus­sprache eröffnet. Man rechnet mit einer stür­mischen Debatte, da die Opposition ihre befahigsten Redner vorschicken wird.

Kleine politische Nachrichten.

Der Stellvertreter des Reichspräsidenten Dr. Simons empfing das Oberhaupt der schwedi­schen protestantischen Kirche, Erzbischof Dr. S ödc r- b l o m.

Der sozialdemokratische Partei­vorstand ds Wahlkreises Ostsachfen (Dresden-Bautzen) hat den Ministerpräsidenten Held, den Landtagspräsidenten Winkler, ti? beiden Lanbtcg^ pge r'.n.tcn Bet hke unb Castan, sowie noch einige andere Rechtssozia­listen mit 2551 Stimmen aus der Partei ausgeschlossen.

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Im Hinblick auf die bevorstehenden K a m m e r- Neuwahlen in Holland hat sich der Minister­präsident Ruys de Beerenbrouck in einer in Harlem gehaltenen Rede für etne fernere Zu­sammenarbeit zwischen den bisher die Regierungs­koalition bildenden drei Rechtsparteien, der katholischen, der antirevolullonären und der christ­lich-historischen Partei, ausgesprochen.

Der russische Bolkskommisiar Tschitscherin hat den Generalsekretär des Völkerbundes davon verständigt, daß es der Sowjetregierung unntöglich sei, zu der am 4. Mai beginnenden internationalen Konferenz über den Waffenhandel einen Ver­treter zu entsenden. Tschitscherin weist auf die Ab­neigung Rußlands gegenüber deut Völkerbund hin und erklärt, daß eine Zusammenarbeit mit dem Völkerbund in dieser (frage einer Ein­mischung des Völkerbundes in die inneren Altgelegenheiten Sowjetrußlands gleich­komme.

Am Montag begann im InternationalenAr­beitsamt die Internationale Konferenz für A r b e i t s ft a t i ft i k. 24 europäische Staaten haben Vertreter entsandt. Der Vertreter Deutschlands Wagemann vom Statistischen Reichsamt wurde in das Präsidium der Konferenz gewählt.

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General Duvat, Chef des französi­schen Flugzeugwesens, weilt feit einigen Tagen in Bukarest. Er wirb in Gemeinschaft mit ben Astrawerken eine große Flugzeug­fabrik in Rumänien errichten. Das Kapital wirb Wohl französisch-rumänisch fein unb stch zum größten Teil, dem rumänischen Gesetz zur Forderung der nationalen Industrie entsprechend, in rumänischen Händen befinden, das Personal hingegen meistens aus Franzosen bestehen.

Zweiter deutscher Akademikertag.

(Don unserem Sonberberichterftotter.)

Im Gelben Saale der Elberfelder S t a d t h a l l e begann die Vollversammlung des zwetten deutschen Akademikertages, in der die von den einzelnen Ausschüssen als Ergebnis mehr­tägiger Arbeit formulierten Vorschläge durch­gesprochen werden sollten. Dr. H o p p m a n n, der Vorsitzende der Vaterländischen Vereinigung etter Akademiker des Wuppertals, ergriff als Togesleiter das Wort zu einer längeren Aus­

sprache, tn der er die Gntwicklung der Aka­demikerbewegung und ihren Aufschwung seit dem ersten Deutschen Mademikertag in Potsdam schil­derte. Es folgten sodann die Ausschußberichte. Dr. S t a h f f forderte als Leiter des Ausschusses für Leibesübungen die Wieberaufrichtung des Geistes des Turnvaters Jahn in unserer deutschen Turn- und Sportbewegung, im Gegeirsatz zu einem in- t «national gerichteten Sporkfexentum. Dipk-Ing. Gerlofs- Berlin sprach über den Wehrgedan- len tm deutschen Turnen. Wehrpflicht sei uns genommen, aber das Wehrrecht könne niemand uns nehmen. Es müsse aber die Angst über­wunden werden vor dem offenen Bekennen zum Wehrgedanken.

Die Anträge des Ausschusses für Bildung», wesen, die sich hauptsächlich mit der praktischen' Verwirklichung eines grvßdeutschen Schulwesens mit einheitlichen Grundsätzen beschäftigten, be­gründete Stubienrat Dr. Iseler-Elberfeld. Der Redner sprach int besonderen bc» Wunsch aus, baß Der Verband bei- Deutschen Hochschulen sich durch Zusammenschluß mit den österreichischen und sudetendcutschcn Hochschulen zunk'grohdeut schen Bilbuvgsibecrl bekennen möge. Auf Antrag des Ausschußes für Grenz- und Ausland- d e ut sch tunt nahm der Akabcmikertag sodann eine Entschließung an, in der er sich scharf gegen bic von dem ehemaligen österreichischen Bundes­kanzler Seipel vertretenen Pläne einer Donau» föberation wendet und die Reichsregierung zur Ergreifung geeigneter Maßnahmen zur Verhin­derung dieser das zukünftige Grohdeutschlarrb zer­störenden Plärre auffordert.

Es folgten eine Reihe weiterer Berichte unb Anträge, die sich mit deutschen Kulturfragen, mit dem Pressewesen, berufer' i d schon Fragen her deutschen Akademiker und ) mit der Juden»

frage beschäftigten. Aus Antrag des Prof. Plate-Jena wurde ein Ausschuß, dem unter anderem Pros. Spahn, Prof. Lenard -Heidel­berg unb Prof. Plate angehören, eingesetzt, der die Ängelegonheil des früheren Privat- dozettten der Llniv^rsitäl Heidelberg Dr. Arnold Rüge betr. Entziehung der venia legendi prüfen soll. Zum Schluß der Dollvcrsanrmlung berichtete der Tagesleiter über bte Arbeit des Organisa­tionsausschusses unb gab unter allgemeinem Bei­fall die Begründung einer Einheitszeitung der Akabemikcrbewegung unter dem TitelDeutsche Akabemikerzettung" bekannt.

2lU5 aller Welt.

Das Baden-Badener Schachturnier.

Baden-Baden, 20. April. (WTD) Das Ergebnis der vierten Runde des Internationalen Schachgroßmeisterturniers ist folgendes: Reti- Oost erreich verlor gegen Colle-Belgien in 28 Zügen. A lf e chi n - Frankreich gewann gegen Dates- England in fünfzig Zügen. Troybal- Tschechoslowakci schlug in 54 Zügen die Hoff­nung Amerikas. T o r r o - Mexiko. Spiel­man n - Oesterreich verlor ein Vierfpringerspicl an Rubin stein- Polen. Rabinowitsch- Rußland gewann ein Damonaambit gegen CBo» gcl jubüto =-Uirainc. Carl-Deutschland ge­wann eine englische Partie gegen Roselll -- Italien. Remis ergaben die Partien T e Kolste- Holland gegen Dr. Tarrasch - Deutschland und Mieses- Deutschland gegen Marshall- ü. S. A Abg brochen wurden die Partten 6ac- mifch-Deutschland gegen Dr. Tartakowsr- Oesterreich unb Thomas- England gegen Grünfeld- Oesterreich. Riemzowitsch- Dänernark war spielfrei.

Das Todesurteil gegen Granz aufgehoben.

Wir hören aus Hannover: Das Gericht hat im Falle Wittig dos ge^en Granz er­kannte Todesurteil wegen Anstiftung zum Morde aufgehob en und nochmalige Der- gcordnet. Im Falle Hanmapel, in dem Granz Handlung vor dem hiesigen Schwurgericht an- wegen Beihilfe zum Morde zu 12 Jahren Zucht­haus verurteilt wurde, wurde die Wiedorauj- nahme des Verfahrens abgelehnt. Berufung ge­gen diese Ablehnung ist möglich.

Furchtbare Bluttat eines Landwirtes.

Neumünster, 21. April. (WTB. Funk» fpruch.) Auf dem zur Landgemcinde Wasbcck ge­hörigen Gutshof Birkenhof des Gutsbesitzers Ottcr- bein erschoß gestern der aus Berlin stammende Gutspächtcr N c u m ann , nachdem er 5 Pferde, 2(1 Milchkühe und 5 Schweine durch Schüsse getötet hatte, seine Frau und seine 70jährige Schwieger» mutter. Er steckte dann mit B e n z i n d a s W o h n - ha usin Brand und verübte schließlich S e l b st - mord. Neumann ist vermutlich durch seine un­günstige finanzielle Lage zu der Tat veranlaßt worden.

Ein ganzes Dorf oerbrannt

Am Sonntagabend brannte im Untcrengainn der auf dem linken Ufer des Inn gelegene Teil des Dorfes S ü s vollständig nieder. In^ einer halben Stunde war der ganze Dorftell ein Flammenmeer 44 Wohnhäuser und 43 Ställe sind ab gebrannt. Viele Familien sind obdachlos. Der Schaden wird auf li Millionen Frank geschätzt. Einc allgemeine Hilfsaktion ist in Vorbereitung. Von dem Unglück wurden hauptsächlich arme Familien bc troffen. Das Dorf ist ein Knotenpunkt der Engadin- Fidela-Straße.

Räuberischer Aeberfall.

Rom, 21. April. (WTD. Funkspruch.) Messagero" berichtet aus Genua, bah zwei Schweizer, bic in Begleitung ihrer Frauen die Ruinen von Dassana. einem Werke, bas durch bas Erdbeben von 1884 zerstört wurde, besichtig ton. von einem jungen Burschen mit vvrge­haltenem Revolver auf gefordert wurden, ihre Schmucksachen, Brieftaschen usw. ab» ouliefcrn. Rachbem ber Bursche alles er­halten hatte, bat er bic Reisenden, sich tn ihrem AuSsluge weiter nicht stören zu [affen.

Unlergrundbahnzufammenstoß in Deuyork.

Bei einem Untergrundbahnzusammenswß Im Stadtzentrum wurden 7 Personen schwer und etwa 100 leichter verletzt.

Wettervoraussage.

Roch vielfach heiter unb trocken, vorwiegend nördliche Winde, wärmer.

Das von England her anrückendc Gebiet hohen Druckes hat auf dem Kontinent noch an Raum gewonnen unb in fast ganz Deutschland Aufklärung und trockenes Wetter bewirkt. An seiner Westseite wirb es von einer atlantischen Störung bedroht, bic aber morgen in unserem ®ebict sich noch nicht bemerkbar machen bürfte. Gleichzeitig liegt über Rorditalien eine De­pressiv». deren Ausläufer für uns jedoch nur zeitweise Verstärkung der Luftströmung bedingen.