Einzelbild herunterladen

flr. 92 Erster Blatt

V5. Zahrgaitg

Dienstag, 2\. Aprll 1925

Erscheint täglich, außer Sowiu und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild.

»enotsiBejr.gsprefs:

2 Goldmark u. 20 Eold- pfennig für Träyerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech.Anschlüsse: schriftltitung 112, Ber- lagundGelchästsstellebl. Anschrift für Drahtnach­richten Lnzeigerrießen.

Potischeckkonto: $ronffurt a. M. 11686.

GieheimAMger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'sche UniversitStt-vuch- und Steinörudcrei H. Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer b-J zum Nachmittag ootbc ohnejedeDerdtndlichkcit, Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich^, auswärts 10 Goidvseniiig: für Re­klame-Anzeige'' v 70n ri Brette 35 Goldpfennig. Platzvorschrift 20" , Auf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr Friedr.Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschc in; für den Anzeigenteil: Hans Beck^ sämtlich in Gieße''-

Luvkampf um Mofful.

Don unserem türkfchen ki-ftorrefponbcnten.

Konstantinopel, Anfang April.

Der französisch-englische Gegensatz, der in den Fragen Der europäischen Politik immer noch schließlich in etwas zu übertünchen war, tritt uns ntrgenbs so kraß entgegen, wie in den Fragen des nahen Orients, denn gerade hier bietet sich Den bei­den mächtigen Rivalen auch heute noch genügend Bewegungsfreiheit. Er erreichte seinen Höhepunkt in dem Freiheitskampfe der Türken, der unter dem Gesichtswinkel der europäischen Politik betrachtet, schließlich nichts anderes ist als ein Kampf, den die Türkei als Erponeni Frankreichs, Griechenland als Exoonent Englands gegeneinander ausfochten und der endgültig z u u n - gunftcn Englands entschieden wurde, und da­mit ist wenigstens vorläufig der englische Traum derHerrschaft an den Dardanellen zerronnen.

Als einzige Hoffnung für die englische Politik bleibt nur noch die Massulfrage übrig, aber auch hier sieht sie im Hintergründe überall Den Fran­zosen (einen Interessen entgegentreten. Frankreich kann es nicht verschmerzen, den Engländer im Besitz einer so wertvollen Provinz zu sehen, die im ersten Vertrage von 1916 (Lnkes-Pycot) als zu Syrien ge­hörig ihm selbst zugesprochen war, dann aber zu einer Zeit, als Frankreich insolge seiner Sanktions­politik im Westen vollauf beschäftigt war, von den Engländern, die Mossul 1918provisorisch" besetzt hatten, ganz in Besitz genommen wurde. Eine schmerzliche Erinnerung für Frankreich schon des- halb, weil es ja mit der Sanktionspolitik Poincarös im Grunde genommen doch nur wenig erreicht hat und obendrein noch das ihr zum Ersätze gewährte reiche Gebiet von Cilicien nach den schweren Nieder­lagen, die ihr dort die Truppen Kemals zufügten (von Denen Dersiegreiche" Franzose jedoch möglichst wenig spricht) völlig räumen mußte.

Nicht gering mag das Erstaunen der Engländer , gewesen sein, als nunmehr der wieder stark gewor- bene Türke ebenfalls, und mit Recht, energisch An­spruch auf seine Mossulprovinz erhob. Bei den Frie- densverhanDlungen m Lausanne gerieten I s« m c t Pascha und Lord Curzon hart aneinander, miD da der französische Delegierte Bompard den Engländer, rare zu erwarten war, völlig im Stiche ließ, mußte die Frage späteren Sonberverhaiü- lungen überlassen werben, bie trotz mehrfacher Ver­suche immer wieder scheiterten bei der jede Kon­zession für die Türken ausschließenden Haltung toir Percy E o x. Die Entscheidung wurde dann schließ- lid) dem Völkerbund übertragen, dessen Kom­mission letzthin zwei Monate in Mossul weilte und von dort aus das strittige Gebiet bereiste, um die Zugehörigkeit des Wilajeis nach ethnographischen, geographischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten festzulegen. Der türkische Vorschlag eines Ple- oiszits wurde seinerzeit in kennzeichnender Weise von England damit abgelehnt, daß die Türkei dann zuvor die angrenzenden Provinzen zu räumen habe, um jede Beeinflussung auszuschließen. Die Abstim- muna sollte dann unter b c in Schutze Der eng­lischen Besatzung stattfinden!

Die D ö l k e r d u n d s k o in in i s s i o n hat in­zwischen ihre Arbeit beendet und ist über Aegypten am 3. April nach Europa abgereist und wird ihren Bericht in Paris und zum Teil in Genf selbst im Laufe der nächsten Wochen ausarbeiten, so daß er bei Der nächsten Sitzung im Juni vorgelegt werden kann. In ihrer Zusamensetzung ist die Kommission Dem türkischen Standpunkte recht günstig und die türkischen Delegierten sprachen sich auch sehr zuver­sichtlich aus und betonten vor allem Die peinliche Unparteilichkeit Der Kommission selbst, klagten anbei; seits sehr über Die großen Schwierigkeiten, Die einem objektiven Arbeiten in den Weg gelegt wurden. Das türkische Mitglied Djävad Pascha wurde fast wie ein Gefangener bewacht, aber trotz des brutalen Auf­tretens Der englischen Soldaten gelang cs nicht, türkenfreundliche Kundgebungen der Bevölkerung zu unterdrücken. Die überall spontan zum Durchbruch kamen und durch Die bezahlten (BcgenDemonftrationen Der englischen Parteigänger Durchaus nicht ab* geschwächt werben konnten. Die Spuren Der englischen Gewaltherrschaft waren mancherorts unverkennbar und vor allem im Gebiet von Suleymaniö rebeten Die Ruinen nur eine allzu bereDte Sprache von Der Wirksamkeit Der englischen Vombengeschwa- Der, Die in Dieser GegenD Der Bevölkerung auf Diese Weise für Den englischen Gedanken zu gewinnen versucht hatten. Aus ihren Reisen in diese Gebiete wurde die Kommission allein von acht Panzerautos begleitet und noch obendrein Durch Flugzeuge vor üblen Ueberraschungen gesichert.

GeraDe das Eintreffen Der StuDienkommifsion vor einigen Monaten hat trotz Der entgegenstehenDen 2kbmachiingen Des FrieDensvertrages zu Den folgen­schwersten englischen Intrigen geführt. Schon im letzten Herbste hatte man versucht, im Wilajet Hak - kari, Dessen Zugehörigkeit zur Türkei nie bestritten mürbe. Durch Stärkung Der nestorianischen Bewe­gung einen Konfliktsfall hervorzurufen. Der zu einem Kampfe zwischen türkischen unD englischen Truppen führte auch hier rourDc von Bomben­flugzeugen ausgiebig Gebrauch gemacht, Der erst durch Den Völkerbund mühsam geschlichtet werDen konnte. Dann hat man Die assyrischen Christen ver­anlaßt, von her zwischen Den beiden Inippen lie­genden neutralen Zone Besitz zu ergreifen, um so für später die eigenen Ansprüche auf diesesNo mans land" zu verstärken. Als Haupttrumpf wurde dann Der jetzige ÄurDenaufftanD in Szene gesetzt, dessen Fäden in dem 1921 in Bagdad unter englischer Leitung gegründetenkurdischen Ko­mitee" zusammenlaufen. Inzwischen sind die Auf­rührer, die erstaunlicherweise über die modernsten Waffen verfügten, von einer großen türkischen Trup- penmacht völlig eingeschlossen, und auch diese drohende

Der Wahlkampf.

Das neue Hindenburg-Programm.

Schon einmal,- mitten im Kriege, ist Feld­marschall v. Hindenburg mit einem Hindenburg- Programm hervorgetre:en, das damals die letz­ten Kräfte des Volkskörpers mobil machen wollte, um in der Materialschlacht dem Ansturm der Feinde gewachsen zu fein. Ein Gedanke, groß in der Konzeption, Der Gedanke des wehrfähigen und werkfähigen Volkes, der leider durch ungeeignete Mitarbeiter um den besten Teil feines Inhalts beraubt wurde und nicht mehr genug Magnetismus in sich trug, um das Ziel zu erreichen, das ihm gesteckt war.

Seitdem haben wir den Krieg verloren, sind durch die tiefsten Tie'en seelischen und moralischen Drucks gegangen. UnD wieder tritt d er Feld- marschaU, Di smal nicht mehr als der militärische, sondern als der bürgerliche Führer, vor Das deutsche Volk mit einem Programm, Das nur die eine Ausgabe kennt, uns hcrauszu- reißen aus Der trostlosen Gegenwart unD Dem Deutschen Volke wieDer Die ®run lagen wirtschaft­licher und politischer Arbeitsfähigkeit zu schassen. Wie er sich das denkt, hat er in Hannover auseinandergesetzt. Mit soldatischer Kürze, mit einer wunderbaren Gabe, die Dinge zu entlompli- zieren und auf Ihre einfachste Formel zu bringen. Wer diesen unvergeßlichen Tag von Hannover mit erlebt hat, der wird den Eindruck nicht wieder vergessen. Der suhlte auch, wie schwer Herr v. Hindenburg mit sich gerungen hat, ehe er sich dazu entschloß, die ihm angetragene Kandidatur anzunehmen. Einer der Redner be­zeichnete das als den schwersten Entschluß, den er vielleicht in feinem Geben gefaßt habe; der Feldmarfchall neig:e dabei zustimmend Den mäch­tigen Kopf. Er liefe auch keinen Zweifel Darüber, Dafe nur Der Appell an fein Pflichtgefühl, nur Die Empfindung, dafe er das Volk, das ihn rief, in Der Stunde Der Hot nicht im Stich lassen Dürfe, stark genug gewesen war, um Die Bedenken hinwegzuiäumen. Die bei ihm selbst gegen seinen (Antritt die politische Linie bestanden.

Aber er hat dabei dock) oerftanDen, seine Eigenart zu wahren. Es wäre eine inter­essante Ausgabe, einmal die Reden zu vergleichen, Die viel zu vielen, Die Herr Dr. Marx gehalten hat und halten toirD, m.t Der einen Rede Hinden­burgs. Herr Marx kann nun einmal nicht über seinen eigenen Schatten fpr ngen. Der Ballast einer jahrzehntelangen parlamentarischen Ver- gangenfeeit wird er nicht los, und so sehr er sich auch schon mit Rücksicht auf seine Bundesgenossen bemüht, sich einen überparteilichen Charakter zu geben. Er bleibt Dabei Doch immer Der ausge­sprochene Parteimann.

Ganz anders der Feldmarschall. Seine Rede war, wenn man so will, auch eine Absage an allzu weitgehende Hoffnungen, die vielleicht bei den Parteien bestehen, die ihn riefen. Er will nach keiner Seite gebunden sein, er will durch die Wahl keine parteipolitische Verpflich­tungen auf sich nehmen, sondern frei fein, zu handeln nur nach seinem Gewissem

In den verzerrten Spiegelbildern, wie sie die Presse der Weimarer Koalition über Den Tag von Hannover wiedergibt. wird Dem Feldmar­schall mit mehr als zufälliger Einmüdigkeit Der Vorwurf gemacht, dafe er um Das Vertrauen Des Auslandes geworben habe. Das hat er getoife nicht getan. Aber wenn er gezwungen war, an Das ruhige Urteil des Auslandes zu appellieren, so doch nur deshalb, weil die An­hänger der Kandidatur Marx das Menschen­mögliche getan haben, um Das Ausland mißtrauisch zu machen. Ein Mann, Der so­lange in Der Schußlinie Rorthclissscher Verleum- dungsprvpaganda gestanDen hat, fühlt sich Da­durch gewiß nicht beeindruckt. Aber Herr v. Hin­denburg hat sich mit Recht gesagt. Dafe Die Kosten Dieser PrvpaganDa Das ganze deut­sche Volk zu tragen hat, deshalb hat er nicht um seiner Person willen, sondern um Der Sache

des Volkes willen sich veranlaßt gesehen, in einigen Deutlichen Worten Die Falle von Lügen abzutun. Die aus Deutschland heraus um ton ausgeschüttet worden sind. Es war menschlich von einem unerhörten Eindruck, wie Dieser Mann, Der durch Die Jahre die ganze Last des Striegel trug, ganz schlicht Den Satz aussprach, er habe in Der Jugend und im Alter den Krieg und das Elend. Das ihm folgt, zur Genüge kennet! gelernt, um nur Den Wunsch zu haben, das nicht noch einmal erleben zu müssen. Das war ein Bekenntnis, das aus Dem innersten: Herzen kam und jehern klar machen muhte, Dafe Dieser Deutsche PräsiDent jeDensalls kein Präsi­dent Des Krieges, sondern einer des Friedens in Ehren, ein Präsident Der friedlichen, ruhigen: Arbeit sein würde, der nichts von Putschen, nichts von Revanche unD nichts von Abenteuern wissen will, sondern seinen Ehrgeiz Darin erschöpft, eine Atmosphäre Der Sauber kV it, Der A r b e i t s- freuDigfeit unD Der inneren Einig­keit zu schassen, in Deren reiner Luft Der Baum Deutschlands wieder erstarken kann.

Ein neues

Hindenburg-Interview.

Hannover, 21. April. (TU.) Deneralfeld- marfchall von Hindenburg gewahrte gestern in seinem Hause einem Mitglied der Berliner Re­daktion der amerikanischen Hearst-Presse eine UnterreDung:

Frag-: Im Ausland hat man den Gedanken aufg w rsen, ob durch Ihre Re chsvräsidentschaft, S):tt General'eldmarschall. eine Beunruhi­gung Europas eintreten könnte?

Antwort: S.weit dabei an militärische Dinge gedacht ist, kann ich versichern, Dafe mir als altem Soldaten die militärische Ohn­macht Deutschlands viel zu genau be­kannt ist, als daß ich kriegerische Aben­teuer irgendwie befürworten tonnte. Eine Kriegspartei unter Führung alter Offiziere gibt es in Deutschland nicht. Selbst wenn die Ent­waffnung unterer Ration weniger rücksichtslos betrieben wäre, müßten wir unsere Dolkskräfte zum friedlichen Wiederaufbau sam­meln.

Wir brauchen Frieden im Inland und geordnete Rechtsbez'ehungrn zu unfern Rachbarn. Ich habe in diesen Jahren immer wieder zur Vernunft gemahnt, wenn leidenschaftliche Köpfe die öffent­liche Meinung gewinnen wollten. Der Frieden Europas und der Welt wird cm besten dadurch garantiert, daß man uns den Lebensatem gönnt. Dann hören auch Die deutschen Parteien all­mählich auf, sich zu befehden, und Deutschland wird gemeinschaftlich mit Den anderen Völkern seiner friedlichen Arbeit nachgehen können.

Frage: Ihre Kandidatur wird vielfach als eine monarchistische aufgefafet. Wie denken Sie darüber?

Antwort: Einen plötzlichen Wandel der ver- sassungsmäßigen Grundlage des Deutschen Rei­ches halte ich weder für möglich noch für erwünscht, denn die Dabei unvermeiDliche Krise würbe dem Programm der inneren Eintracht wi­dersprechen. Meine Herkunft aus einer monar­chistischen Welt verleugne ist ebenso wenig wie Herr Ebert seine Herkunft aus der alten sozia- ttst.schen Kampfatmosphäre verleugnet hat. Ein Reichspräsident der allen Ständen und Gliedern des Volkes dienen mufe, darf aber nicht Ver­treter des Kampfgedankens irgend- welcher Klasse sein.

Es ist völlig unwahr, daß ich mich mit Doorn über die Annahme meiner Kandidatur verstän­digt habe. Ich habe In dieser Frage keine Fühlung mit dem Hause Hohenzollern gehabt.

Frage: Fühlen Sie sich noch rüstig ge­nug, um Den großen politischen Aufgaben des künftigen Amts gewachsen zu fein?

Antwort: Die Frage ist nicht leicht zu be­antworten. Das Amt des Reichspräftöenten er­fordert tätige angespannt Arbeit. Ich habe mich in der letzten Zeit ernstlich daraufhln

Gewitterwolke zog für die Türken vorüber, ähnlich der, die sich vor einigen Monaten im Westen erhob, als Griechenland anläßlich des Patriarchenzwischen- falls mit einem neuen Krieg drohte, auch hier war englischer Einfluß unschwer zu erkennen.

Es müssen also hinreichend Gründe vorhanden fein, die England das Gebiet von Mossul so be­gehrenswert erscheinen lassen, denn daß es nur für die Interessen Seines Mandatars, des Königreichs I r a k, wie es in selbstloser Weise vorgibt, sich all die großen Mühen und Ausgaben auferlegt, erscheint un­wahrscheinlich. Die Wichtigkeit der L a n d o e r b i n - düng nach Indien und die Möglichkeit einer künftigen Kurdenpropaganda zum Schaden der Türkei sei hier nur kurz gestreift. En Licht in die etwas verworrenen politischen Verhältnisie wirft jedoch der vor kurzem erfolgte Abschluß des Kampfes um das Petroleum ein Wort, das bezeichnen­derweise die Engländer in all den vielen Verhand­lungen nur zu erwähnen peinlich vermieden, um das sich aber doch alles drehte. Die Turkish Petro­leum Company erhält von der Irakregierung auf 75 Jahre die Ausbeutung der Petroleumfelder in Mesopotamien (mit Ausnahme von vorläufig Basra und Mossul bis zur Entscheidung des Völkerbundes). Die Anteile verteilen sich zu 50 Prozent auf die Anglo-Persian und Royal ShellComp., 25 Proz. auf die Standard Oll und sechs andere Ge­sellschaften, 25 Prozent (der Anteil, der früher der Deutschen Bank zustand) fällt an 25 kleinere fran­

zösische Gesellschaften. Zwar soll der Praß, dent immer ein Engländer sein, aber das Bemerkens­werte an dem ganzen Vertrag ist, daß diese Einigung der großen Petroleumkonkurrenten mit einer Nach­giebigkeit Englands endet, und so der von Lord Curzon mit allen Mitteln unterstützte Ge- danke eines Petroleummonopols Eng­lands in Mesopotamien damit auf gegeben wird.

Doppelt schmerzlich auch noch deshalb, daß neben Amerika auch Frankreich in die Gesell­schaft aufgenommen wird, dessen Politik im nahen Orient sich immer mehr mir der englischen über- hcu)L Tie schnelle Niederschlagung der kurdischen Aufiiandes war nur dadurch möglich, daß Frankreich den türkischen Truppen den Durchzug durch Nord- syrien, der ihnen übrigens auch vertraglich zu- stand, gewährte und daß die Truppen dabei auch noch äußerst freundlich begrüßt wurden. Das hat hier zwar freudiges Aufsehen heroorgerufen, ander­seits zu ernsten englischen Vorstellungen in Paris geführt. Denn England sieht nur mit größter Be­sorgnis eine so große türkische Truppenmacht man spricht von 6080 000 Mann sich unmittel­bar an der Mofsulgren^e anfameln und befürchtet, eingedenk der Ueberraschungen, deren man hier nie­mals sicher ist, rin Einschreiten der Türkei, falls der Dölkerbundsbeschluß nicht günstig ober günstig ge­nug ausfallen sollte. Gerade in diesen -tagen wird auch der Vertrag veröffentlicht, der dem Gebiete

geprüft, ob ich ihr gewachsen sein werde. J<t glaube Ihre Frage bejahen zu können. Ich habe Den Willen. Die kommenden Anstrengungen auf mich zu nehmen und hoffe zuversichtlich. Dafe mir Gott Die Kraft dazu gibt. Ich habe in eine in VaterlanD DiefeS Opfer gebracht, weil ich sah, Dafe Die Parteien anders nicht auf Dem Wege nationaler Sammlung vorwärts kommen So opfere ich meinen Lebensabend wiederum den allgemeinen Interessen, weil mich meine Pflicht Dazu treibt, b i s zum letzten Tage dem Vaterlandzu dienen. Wenn meine Gegner erklären, Dafe ich fein Berufspolitiker fei, so macht gerade diese Behauptung auf mich keinen Eindruck, Denn

im In- und Ausland weiß man zur Genüge, daß das neuzeitliche BerufSpolitikertum sich ost wen g zur wirklichen Führung eignet. Es fehlt an Autorität, wenn die Politik zu sehr als Gc- fchäst betrieben wird.

Dafe mich kein politischer Ehrgeiz mehr zu diesem neuen Schritt ins öffentliche Leben veranlasse" kann, wird f»ch wohl in der ganzen Welt jeder selbst sagen können.

Frage: Amerika ist speziell interessiert am Schicksal Des Da wes pl ans. Wie stellt fid> Ew. Exzellenz zu Dem Dawesplan? Was halten Sie von seiner Aussührbarkeit?

Antwort: Die wirtschaslspolitischen Grund lagen des Dawes-Plans sind im vorigen Ja'n vertraglich angenommen und in Fo m. von Reichsgesetzen bei uns zur Anwendung g kommen. Da alle Politik nach seiner Ansicht D c n Grundsatz von Treu und Glauben zur Geltung bringen mufe, so werde ich mich bei allen Entschlüssen von gesetzlichen und ver­traglichen Tatsachen leiten lassen. Ich wünsche von Herzen, Dafe Die Durch den DaweSplan erfolgte wirtschaftliche Annäherung zwischen Deutschland und Amerika

sich zum Ruhen Der Weltwirtschaft für unS unD Amerika möglichst günstig auswirft.

Frage Eines Der Probleme von größtem Interesse in Amerika ist Die Abrüstungs- konfe renz. Die vom Präsidenten CooliDgc aktiv betrieben wird Würden Ew. Erzellenz mir einige Worte sagen, was Ew. Exzellenz von Dem ©avantiepad't und feinen Möglichkeit- u halten?

Antwort: Ich habe nicht Den Eindruck. Daß Die Abiüstungssrage im Ausland in D csem Jahre Fortschritte gemacht hat. Die freunDlichen B mühungen Des Herrn Präsidenten ©ooHDge weiß ich wobl zu würdigen. Heber Den Garan­tiepakt kann ich mich allerdings nicht gründ- sahlich äußern, weil es sich um eine A n gelegen beit Der Regierungen handelt unD weil ich Den EinDru cthabe. Dafe Die Diplo­matischen VerhanDlungen über diesen Hoch5edeu° tenden Plan sich noch im ersten Stadium der Entwicklung befinden. Llebermitteln Sie bitte Dci amerikanischen Ration auch von mir aus bei zlichen Dank für Die ch a r i t a t i ü c Unter- stühung. Die uns von jenseits Des Ozeans in Den Jahren unserer schlimmste nRot gekom­men ist. Ich hoffe. Dafe Deutschland und Amcrila sich in gegenseitiger Freundschaft mehr und mehr micDerfinben, um Den großen Weltausgaben Der Wirtschaft unD Kultur desto mehr Dienen zu können.

Ministerpräsident Braun übel die Präsidentschastswahl.

Zürich, 21. April. (XU.) Der in der Näk von Locarno zur Kur weilende preußische Mi­nisterpräsident Braun erklärte gegenüber dem Ver- ireter des Tessiner BlattesPopolo Liberto" u. a. daß eine Prognose für die Reichspräsidenten, wohl äußerst schwierig sei. Ohne die Ausstellung der Kandidatur Hindenburgs wären die Mouar chisten sicherlich geschlagen worden. Ministerpräsident Braun hält trotzdem aber die Wahl von Marx' wahrscheinlicher. Daß eine eventuelle Wahl Hinden burgs in Deutschland die Republik in G e f a h > bringen könnte, hält er für ausgeschlossen von Alerandrctte ein so völlige Selbständig feit von sranzösisch-syrischer Seite gewährt, daß es einer völligen Rückgabe dieser. Hafenstadt an die Türkei nahezu gleich kommt. Die englischen Petro leumpläne werden dadurch aufs ärgste gestört, denn ein vorteilhafte Ausnutzung der Petroleumfelder kann nur dann gewährleistet werden, roerm cs möglich ist, das Del durch die geplanten Rohrlcimn gen zu einem Hafen zu bringen, als solcher kommt allein Alexandretre in Frage. Außerdem ist damit jetzt die einzige direkte Bahnverbindung nach dem Irak völlig unter türkische Kontrolle gestellt (Sin türkisches Alexandrette zerstört mit einem Schlage das ganze Gebäude der englischen Mos- (ulpohtit.

So ist wirklich aus dem an sich völlig unbe­deutenden Grenzstreite zwischen der türkischen Re­publik und dem Königreich Irak ein poiinichet t^ragefompler geworden, in dem das stummeJun­gen der englischen und französischen Welbnocht um die Herrschaft im nahen Oriente immer klarer zum Durchblicke kommt. Das bisher immer angewandte Schema: französische Zugeständnisse im .^rient und englische Zugeständnisse am Rhein, läßt mit größter Aufmerksamkeit und den Vorgängen im nahen Osten folgen, denn irgendwie muß die engltsche Po­litik nach einem Ausgleiche suchen, den auf die Dauer unerträglichen Druck zu tompenfwen, den Frankreich auf seine Orientpläne ausübt